21.8.25

Lexikon: Frank Arnau - Kapitel 9

 

Kapitel 9 – Zwischen Serien und Meisterstücken

Neben seinen acht Brewer-Romanen probierte Frank Arnau auch andere Figurenreihen aus. So ließ er in Tanger nach Mitternacht und Heißes Pflaster Rio den Kommissar Gaston Lamont von der Internationalen Kriminalpolizei Tanger ermitteln. Lamont ist im Grunde eine französische Variante von Brewer – nur mit einem Hauch savoir-vivre. Auch hier versuchte Arnau, Authentizität durch Ich-Erzählungen und Vorworte vorzutäuschen.

Eine andere Figur war Hauptkommissar bzw. Kriminalrat Reyder. Er ist quasi Brewer mit deutscher Disziplin – kriminalistisch geschult in den USA, aber preußisch-pingelig in der Heimat.

Dazu kamen zahlreiche Einzelromane, von eher skurrilen Krimikomödien (Das Rätsel der Monstranz) bis hin zu echten Highlights. Zwei Bücher ragen besonders heraus: Nur tote Zeugen schweigen und Jenseits aller Schranken (1958).

Letzteres gilt als einer von Arnaus stärksten Kriminalromanen – und als ungewöhnlich realistisch für die deutsche Literatur jener Zeit. Unter dem Deckmantel eines „Tatsachenberichts“ schildert Arnau den Aufstieg des Gangsters Tony Lamberti – vom Kleinkriminellen zum Mafia-Boss. Grundlage waren Senatsprotokolle, Gerichtsakten und Zeitungsberichte aus den USA.

Hier verzichtete Arnau auf jede Romantisierung des Gangsterlebens. Keine verklärte Mafia-Glorie, sondern knallharter Alltag der „Underworld USA“. Stilistisch schnörkellos, rasant, faktenreich – fast überzeugender als so mancher echte Tatsachenbericht.

Diese beiden Romane stehen Arnaus Sachbüchern besonders nahe: Sie bewegen sich im Grenzbereich zwischen Fiktion und Dokumentation, eine Art „faction“, wie man es heute nennt. Und sie zeigen, dass Arnau – wenn er wollte – mehr konnte als routinierte Polizeiprozesse.

Nach 1972 zog sich Arnau in die Schweiz zurück, nach Bissone bei Lugano. Die letzten Jahre widmete er sich vor allem Sachbüchern, etwa Der Sumpf (1974) über die Watergate-Affäre. Insgesamt hinterließ er rund 100 Titel – darunter auch Theaterstücke und Neuauflagen seiner frühen Romane. Mit über 3,4 Millionen verkauften Exemplaren zählt er zu den erfolgreicheren deutschen Krimiautoren.

Sein letzter Krimi erschien 1968: Das verbrannte Gesicht. Im selben Jahr veröffentlichte Michael Molsner …und dann hab ich geschossen – einer der ersten „neuen deutschen Krimis“. So markierte Arnaus Spätwerk zugleich das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen.

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