28.1.14

Westfalenpost 23.4.2005
Es gibt noch Hoffnung
Interview zum Thema Krimi


Westfalenpost, Hagen
Samstag, 23. April 2005

Es gibt doch Hoffnung

WESTFALENPOST: Krimis, Krimis und nochmals Krimis. Wann sind Sie der Sucht verfallen?

REINHARD JAHN: Schon als Frühpubertierender. Das Taschengeld reichte nicht für Karl-May-Bücher, da musste ich mich mit billigen Jerry-Cotton-Heftchen begnügen.

FRAGE: Wie viele Krimis haben Sie seitdem verschlungen?

JAHN: Etwa 3000 waren es, aber es könnten auch ein paar mehr sein.

FRAGE: Auch schon mal einen Krimi gestohlen?

JAHN: Nächste Frage.

FRAGE: Ich muss Ihnen jetzt einen Vorhalt machen: 3000 Mordfälle in  49 Lebensjahren -das  schafft doch kein gesunder Mensch. Wohl nicht alle Bücher bis zu Ende gelesen?

JAHN: Bis vor ein paar Jahren habe ich jedem Werk eine Chance bis zur letzten Seite gegeben. Inzwischen gebe ich jedem Buch nur die Chance eines Abends. Wenn ich pünktlich eingeschlafen bin, kommt es sofort ins Archiv.

FRAGE: Was macht einen  schlechten Krimi aus?

JAHN: Nebel, Maschinengewehre, schreiende ~Frauen, smarte Sprücheklopfer und ein Mörder, der Gärtner ist.

FRAGE: "Die Hitliste der schlechtesten Krimis aller Zeiten - jetzt will ich Namen hören! Sie brauchen sich aber nicht selbst zu belasten.

JAHN: Die schlechtesten  Krimis aller Zeiten: 60 der  70 Romane von Edgar Wallace.

FRAGE: Verpfeifen Sie jetzt auch die besten Krimiautoren?

JAHN: Bei den Klassikern Georges Simenon, schon  wegen der Schönheit der  Sprache. "Maigret in Holland" ist sein bester Kommissar-Maigret. Wegen  der Klarheit der Gedanken würde ich auch einen Krimi von Eric Ambler  empfehlen: "Die Maske des Dimitrios".

FRAGE: Ganz unter uns: Der lustigste deutsche Krimi?

JAHN: Gibt's nicht, wir sind schließlich deutsch!

FRAGE: Aber die besten deutschen' Krimi-Schreiber?

JAHN: Für mich Anne Chaplet ("Russisch Blut") und Friedrich Ani ("Tabor Süden"-Serie). Sie haben vielversprechende Romane vorgelegt, die den deutschen Krimi aus den Grenzen der Regionalkrimis herausführen.

FRAGE: Sie wollen doch jetzt nicht den beliebten Regionalkrimi zu Unrecht belasten?

JAHN: Ich muss zugeben, bei einigen Sauerlandkrimi von Kathrin Heinrichs habe ich schon laut gelacht. Es gibt also Hoffnung.

Mit Reinhard Jahn sprach Helmut Ullrich
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Helmut Ullrich/Reinhard Jahn: Es gibt doch Hoffnung
Interview
In: WESTFALENPOST, 23.4.2005


25.1.14

MARABO 9/1982
Ein paar Widerhaken fürs Gehirn
Portrait Jo Pestum

Seine Krimis und Romane stiften Jugendliche zu einer regelrechten Lesewut an. Denn Jo Pestum weiß, wie er seinem Publikum zu begegnen hat: mal realistisch, mal romantisch - aber immer spannend.
Ein Portrait von Reinhard Jahn

Er hat es weit gebracht, der Arbeitersohn aus Essen. Auflagenmillionär soll er sein, munkelt man. Kein Wunder, bei mehr als 60 Büchern. Innerhalb von knapp elf Jahren läppert sich schon einiges zusammen.
Jo Pestum redet nicht gern von seinem Erfolg, und über den wirtschaftlichen schon gar nicht. "Auf alle Fälle habe ich soviel Erfolg, dass ich davon leben kann!" Soviel zu diesem Thema. Und es ist ja auch beim besten Willen nicht einzusehen, dass man immer nur von den 'armen' Schriftstellern sprechen muss. Die wirtschaftliche Sicherheit macht ihn sogar kreativ, sagt er später dann noch, er möchte nicht wie manche anderen Autoren einen Brotberuf haben und nur nebenbei schreiben. Erfolg ist keine Schande, besonders dann nicht, wenn man ihn hat.

Braungebrannt, im sandfarbenen Sommeranzug, mit schwarzem Hemd, getönter Brille, kurzem, schwarzgekraustem Haar, dazu ein kesser Schnauzer: Pestum ist in seine Geburtsstadt Essen zurückgekommen, um in einer Schule vorzulesen.
"Ich brauche diese Lesungen und Diskussionen!", sagt er. "Deshalb mache ich auch mehr, als ich mir eigentlich leisten kann, so um die hundert im Jahr."
Lesungen und Diskussionen in Buchhandlungen, öffentlichen Veranstaltungen, in Schulen und Gefängnissen.
Um den Kontakt zu seiner Zielgruppe, den Jugendlichen (er sagt lieber 'junge Erwachsene') zu behalten. "Nicht, dass ich da jetzt die Ohren langmache und mir die Redensarten der Leute ,aufschreibe", erklärt er. "Es geht einfach darum, zu erfahren, ob ich mit meinen Sachen das erreiche, was ich wollte. Ob man das versteht, was ich sagen will." Angefangen hat er mit dem Schreiben schon, als er noch in Essen auf das Goethe-Gymnasium ging und als Arbeiterkind so etwas wie ein Exote unter Bankdirektorsöhnen und Bierbrauertöchtern war. Nach dem Malereistudium wurde er später Grafiker, Layouter, Redakteur einer Zeitschrift ("So mit der Richtung linkskatholisch"), Verlagslektor, freier Mitarbeiter beim alten 'Twen'.
Jo Pestum hieß er damals auch noch nicht, sondern Johannes Stumpe, das anglophile Anagramm, das er sich für die Veröffentlichung seiner Jugendgeschichten zulegte, ist allerdings mittlerweile bekannter als sein richtiger Name, so dass er es sich der Einfachheit halber auch in seinen Pass eintragen ließ.

Seit 1971 ist er also freier Schriftsteller, und' dementsprechend groß ist auch sein Ausstoß: ein oder zwei Jugendromane pro Jahr sind die Regel, dazu noch hin und wieder Fernseharbeiten und Hörspiele. Er betreibt, um mit Tucholsky zu sprechen, eine "kleine, aber gut gehende Schriftstellerei" .
Wobei er allerdings nicht in die Kategorie der Vielschreiber einzuordnen ist wie die selige Enid Blyton ("Blyton?  Ich habe noch nie eine Blyton-Geschichte gelesen!"), denn er strapaziert seine Serienfiguren nicht so lange, bis sie ausgebrannt sind. Hin und wieder lässt, er sich schon etwas neues einfallen, Romane, die nichts mit seine Serien zu tun haben.
Angefangen hat alles mit dem 'Kater', dem Düsseldorfer Kriminalkommissar Katzbach, der im Mittelpunkt von Pestums ersten Jugendkrimis steht. Die Kater-Geschichten gehören trotz ihrer reißerischen Titel (Der Kater und der Tag des Tigers, Der Kater und die kalten Herzen) zum Besten, was Pestum bisher geschrieben hat. Dementsprechend häufig wurden sie auch vom Verlag nachgedruckt. Sie sind Jugendliteratur im besten Sinn: realistische Kriminalromane mit einem gehörigen Schuss, action, frei von flacher Anbiederung an den Leser, dafür aber voller Hinweise auf mögliche Ursachen von Kriminalität und abweichendem Verhalten.
"Ich will", sagt er, und das gilt auch für seine anderen Arbeiten, "ich will, so pathetisch das vielleicht klingen mag - Lebenshilfe geben. Lebenshilfe allerdings nicht im Sinn von Rezepten, sondern vielmehr im Sinne von Fragen, So ein paar Widerhaken fürs Gehirn."

Solche Widerhaken sind allerdings bei manchen seiner Bücher nur sehr schwer aus.
zumachen: in seiner Serie um den aus dem Dienst ausgeschiedenen Kommissar Luc .
Lucas beispielsweise schlingert Pestum gerade noch am Rande des Friede-Freude-Pferdehof-Klischees vorbei, das im Jugendbuch nur allzu gern gepflegt wird, um den Lesern Problemchen vorzugaukeln, die sie gar nicht haben.
Sicher, gibt er zu, die Figur orientiere sich natürlich an gängigen Klischees, aber sie  sei natürlich gebrochen und  kritisch beleuchtet. Und zugegebenermaßen tun auch die  markigen Illustrationen ein übriges, um das Niveau der Geschichten zu senken.

Etwas anspruchsvoller ist da schon die seit dem vergangenen Jahr im Münchener  Schneider-Verlag erscheinende EDITION PESTUM, in der Pestum niveauvolle, kritische Bücher für Heranwachsende herausgibt. Namen wie Rudolf  Herfurtner und Michael  Krausnick sind unter den  Autoren zu finden, die hier  verlegt werden, Sie lassen den einen oder anderen Fehltritt in  dieser, an das Konzept der  Rowohlt-PANTHER-Bücher angelehnten Reihe schnell  vergessen.
Neben der Herausgebertätigkeit arbeitet Jo Pestum natürlich fleißig weiter an eigenen Werken.
"Ich werde bei den Jugendbüchern• wohl ein wenig kürzer treten", sagt er  selbstkritisch. "Allein schon,  um mir da nicht selbst auf den Füßen zu stehen." Und was schreibt ein Jugendkrimi-Autor, wenn er keine Jugendbücher schreibt? Natürlich  Krimis für Erwachsene: "Ich  kann mir vorstellen, dass• ich einmal einen sehr, sehr stark politischen Krimi machen würde", sagt er. "Der würde in der Provinz spielen und würde eigentlich relativ im Dreck  wühlen. Das ist ein Plan, den ich schon lange habe, und ich werde ihn wahrscheinlich  auch realisieren.

Kasten:
Jo Pestum, geboren 1936 in Essen. Nach dem Abitur Studium der Malerei, anschließend Beschäftigung als Layouter, Redakteur und Verlagslektor.
Seit 1971 freiberuflicher Autor. Pestum ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Billerbeck in Westfalen. Bisher über 60 Buchveröffentlichungen, zahlreiche Beiträge in Anthologien und Schulbüchern. Herausgeber der Edition Pestum.
Mitglied des PEN und des Bundesvorstandes im Verband deutscher Schriftsteller. Sprecher der Ausschusses für Kinder- und Jugendbuchautoren.
Einige seiner Arbeiten wurden preisgekrönt, zweimal standen sie auf der Bestenliste zum Deutschen Jugendbuchpreis.


Reinhard Jahn: Ein paar Widerhaken für's Gehirn
Portrait Jo Pestum
In: Marabo Heft 9/(Juli)/1982
S.51-52




19.1.14

MARABO 6/1981
Tatort Ruhrort
Drehbericht vom ersten Schimanski-Tatort

TATORT RUHRORT
Nichts Neues aus dem Kohlenpott
Götz George übernimmt die Rolle des neuen WDR-TATORT-Kommissars
Von Reinhard Jahn

Die Meute lauert, labert und friert. Dreißig sensationshungrige und tatendurstige Journalisten sind dem Ruf des WDR gefolgt und lungern in der Alten Duisburger Straße in Ruhrort um einen Polizeiwagen herum, an dem ein gebräuntes Mannsbild posiert, den linken Arm auf der geöffneten Tür, die rechte Hand locker aufs Wagendach gestützt.

TATORT in Ruhrort - a Kommissar is born: Götz George ist Horst Schimanski, das Duisburger Raubein mit der Rockervergangenheit und der Kripogegenwart. Das wollen die Leser wissen, das interessiert die gesamte Medienlandschaft von der 'Frau mit Herz' bis zur 'HörZu'.
In dem hundertfachen Klicken und Surren der Nikons, Canons und Rolleis geht das Agfa-Klack eines einsamen Zaungastes unter. Hier arbeiten Profis. und es gibt viel zu tun.
Fünfzehn rasende Reporter hecheln hinter Götz vom Polizeiwagen zum Drehort an der Hafenmauer her. Die Ohren sind gespitzt. die Stifte gezückt. Es dürstet nach Information.
"Im Grunde genommen ist der Schimanski ein kaputter Typ!" memoriert George (42) Sohn des großen Heinrich, den Pressetext, den alle in der Tasche haben. Des Journalisten Feder eilt übers Papier, um das Götz-Zitat der Nachwelt zu bewahren. Und ewig surren die Kamera-Winder.
"Ich bin ein kaputter Typ!", schreit es nächsten Tages vierspaltig von der regionalen Seite.
Der kaputte Typ soll dem maroden Krimiflaggschiff der ARD ein wenig frischen Wind in die schlaffen Segel blasen -  ob's gelingt ist freilich jetzt schon fraglich, weil die von den Presseabteilunge der Anstalten willig gefütterten Programmillustrierten die Ansprüche an den neuen Kommissar bereits wieder in Höhen gejubelt haben, die von den öffentlich-rechtlichen Produzenten niemals zu erreichen sind.

Mit dem Film "Taxi nach Leipzig" begann vor Jahren das ambitionierte ARD-Projekt, das dem Krimiseher beweisen sollte, dass nicht nur ZDF-Vielschreiber Herbert Reinecker und sein Produzent Helmut Ringelmann in der Lage sind, mit Mord und Totschlag Unterhaltung zu liefern. Reineckers Serien 'Der Kommissar' und 'Derrick' kombinieren das Vorbild amerikanischer Serienkonfektion mit deutschen Ambiente, und das einfache Rezept der Münchner Macher ging auf:
Eintopf schmeckt doppelt so gut, wenn man ihn noch mal aufkocht.
TATORT hingegen sollte die creme de la crime werden: Neunzig Minuten Fernsehspielformat, ein Millionenbudget pro Folge, dazu erstklassige, auf die jeweilige Region bezogene Drehbücher und eine exquisite Regie. Wenn jemand den Mund derart voll nimmt, ist es kein Wunder, wenn er sich verschluckt.
Und so verging den stürmischen und drängenden TATORT-Machern die Experimentierfreudigkeit ziemlich rasch, als besonders die von Wolfgang Menge verfassten WDR-Episoden um die Abenteuer des Zollfahnders Kressin bei Kritik und Zuschauern auf wenig Gegenliebe stießen. Die Freiheiten der Konzeption, von dem Hamburger Kriminalreporter Friedhelm Werremeier zu Drehbüchern wie "Richter in Weiß" oder "Ich verkaufe mich exclusiv" genutzt, wurden rigoros auf ein engmaschiges Serienschema zurechtgestutzt. Was zur Folge hatte, dass Lichtblicke wie das 'Reifezeugnis' von Herbert Lichtenfeld (Buch) und Wolfgang Petersen (Regie) zur Ausnahme und der bodenständige 'Wer-ist's-denn-nun-gewesen!Schmäh' des Wieners Fritz Eckhardt zur Regel wurde.
Als es auch nichts mehr half, den komatösen Serien-Patienten durch frisches Kommissarsblut wieder zu Bewusstsein zu bringen, schoben die Verantwortlichen Redakteure den schwarzen Peter einfach  weiter. Es gäbe keine guten Autoren mehr, klagten sie en Journalisten der Programmzeitschriften, denen es von Anfang an ein Vergnügen gewesen war, die TATORT-Leichen zu fleddern.  Nun waren aber die guten  Autoren nicht von heute auf  morgen vom Erdboden verschwunden, vielmehr hatten Spannungsschreiber wie Karlheinz Willschrei, Herbert Lichtenfeld oder Henry Kolarz keine Lust mehr, ihre Drehbücher einer Meute änderungswütiger und besserwisserischer Redakteure auszuliefern und sie nachher auch noch von zweitklassigen Regisseuren verhackstücken zu lassen.

Einstweilen behalf man sich in den Redaktionsstuben mit hochgepäppelten Stories aus der Feder mäßig begabter Routiniers. denen es mehr um die 20000 Mark Autorenhonorar als um eine gute Geschichte ging und beauftragte Produktionsvollzieher ohne Inspiration mit der Regie.
Was zur Folge hatte. dass beispielsweise Fritz Umgelter eine von einem Nürnberger Richter erdachte Geiselnahmegeschichte derartig trocken inszenierte, dass die hernach als Polizeilehrfilm eingesetzt werden konnte.
Welches Niveau der TATORT wieder erreichen könnte, hat erst kürzlich der März• Beitrag des lange glücklosen Senders Freies Berlin gezeigt: Altmeister Herbert Lichtenfeld verfasste die 'Beweisaufnahme' die von Regisseur Peter Keglevic mit hervorragenden Schauspielern zu einem spannenden und realistischen Kriminalfilm umgesetzt wurde. Diese Geschichte hatte alles. was ein TATORT eigentlich haben sollte: Lokalkolorit, eine außergewöhnliche, spannende Handlung, lebensechte Figuren, filmisches Format. Einen solchen Lichtblick allerdings sollte man von der Story, die augenblicklich im Duisburg-Ruhrorter Hafen mit Götz George als Kommissars-Mime abgedreht wird, nicht erwarten. Schon ein Blick auf das Handlungstreatment zeigt, dass den beiden und Autoren Harald Vocks und Thomas Wittenburg nichts besonderes eingefallen ist: Ein Rheinschiffer ist ermordet worden, ein Türke wurde von der Landsleuten umgebracht und   Kommissar Schimanski kommt bei seinen Ermittlungen einem Waffenschmuggler  auf die Spur.

Wenn das Filmwerk am 28. Juni über die Bildschirme flimmert, wird man schnell sehen, wie Regisseur Hajo Gies den bereits im Titel ausgesprochenen Lokalbezug versteht: Duisburg-Ruhrort liefert den auswechselbaren, auf Schauwerte reduzierten Hintergrund für eine 08/15-Geschichte, die man ohne viel  Mühe auch in Oberbayern oder Schwaben hätte ansiedeln können. Und die Zuschauer ebendort werden in den Bildern, die sie sehen, ihr Ruhrgebietsklischee bestätigt finden: Dreckiger Hafen und wie die Faust aufs Auge ein Kommissar der sich auch mal die Hände dreckig macht.  Nichts Neues aus dem Kohlenpott.
Der obligate, bei jedem Kommissarwechsel fällige Presserummel lässt die Berichterstatter unbefriedigt  und frierend an einer Hafenmauer zurück, während das Team unten auf einem Binnenschiff eine 30-Sekunden-Sequenz abkurbelt.
Nachdem zum Schrecken der Binnenschiffer und zum Ärger der BAVARIA-Crew zunächst ein Haufen Fotoreporter heuschreckengleich den vertäuten Kahn geentert hat, dauert es eine Viertelstunde, bis auch der letzte Fotograf von Bord vertrieben ist und nun dort steht, wo er nach Meinung der Filmleute hingehört: ganz weit weg auf der Hafenmauer. Da werden dann halbmeterlange Teleobjektive vor die Linsen geschraubt, während die verschreckte Pressedame des WDR ihre Unwissenheit über Produktionsdetails und -hintergründe in schöne Worte kleidet. Spaß haben an diesem Nachmittag nur die drei extravaganten Damen• auf dem Balkon des Hauses, das direkt am Wasser steht: Sie können zwei Stunden lang Götz George bewundern.


Der Schimanski
"Kein Freund von halben Sachen..." soll dieser Horst Schimanski sein, der in den bislang sechs projektierten TATORT-Folgen des WDR von Götz George dargestellt wird. Ein Mann, der aus dem Arbeitermilieu stammt, im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen ist. Nach Schulabschluss und Mechanikerlehre - so die von Produzent, Regisseur und Darsteller erdachte Vita weiter - trampte Horst Schimanski zwei Jahre durch die Welt, um schließlich im Alter von 21 Jahren zu entdecken, dass er eine Affinität zu Recht und Ordnung hat: er bewirbt sich bei der Schutzpolizei, macht Streifendienst, bewirbt sich bei der Kripo. Jetzt ist er 40 und hat's• bis zum Hauptkommissar gebracht.
"Er weiß, wie Verbrechen und . Verbrecher zustande kommen", lautet die ihm von BAVARIA-Produzent Hartmut Grund verordnete Berufsmoral. "Obwohl er auf dem Gesetz beharrt, kann er zwischen dem großen Verbrecher und dem kleinen Gauner unterscheiden. " Götz George spielt die Rolle mit der sensiblen Brutalität eines Westentaschen-Bronson  und meint: "Auf alle Fälle werden wir mit den Leuten Ärger kriegen, die den Saubermann im Wohnzimmer haben wollen." Weil es sich bei Haferkamp/Felmy bewährt hat, wurde auch dem Schimanski ein kaputtes Privatleben zugeschrieben: obwohl er es, mehrere Mal versucht hat, ist er bis heute nicht verheiratet, lebt in einem Appartement, zieht aber häufiger um.
R. Jahn

Reinhard Jahn
Tatort Ruhrort - Drehbericht
Veröffentlicht in Marabo, Bochum 6/1981
und Siegerland-Tip 6/1981


 

17.1.14

Marabo 6(Juni)/1981
Unter Freunden plaudert man eher


Jürgen Pomorin, Reinhard Junge, Georg Biemann: "Man kommt halt an manche Informationen nicht anders heran. ..

Unter Freunden plaudert man eher...

...lautet die Devise von drei Journalisten, die sich mit der Neo-Nazi-Szene beschäftigen. Für ihre Bücher haben' sie sich im Wallraff-Stil bei den Rechten im Lande eingeschlichen.

Über Jürgen Pomorin, Reinhard Junge und Georg Biemann berichten REINHARD JAHN und Andreas Böttcher

Für Leute wie Sie", heißt es in dem Drohbrief, "haben wir gut geölte Pistolen und verstehen uns auf Molotow-Cocktails. Wir warten auf Ihr Kommen." Jürgen Pomorin zeigt uns diesen Brief sicher nicht, um sensationsträchtig zu illustrieren, wie gefährlich seine Arbeit und die seiner Kollegen Reinhard Junge und Georg Biemann ist. Er zeigt ihn uns vielmehr als Dokument eines Un-Geistes und einer Ideologie, die zum Thema der journalistischen Arbeit des Trios geworden sind.

"Die Neonazis" und "Vorwärts, wir marschieren - zurück!" heißen die beiden Reportagebücher, die der 28-jährige elan-Redakteur gemeinsam mit dem Bochumer Lehrer Reinhard Junge verfasst hat. Am jüngsten Werk der beiden aktiven Antifaschisten hat auch Georg Biemann mitgearbeitet, freier Rundfunkjournalist mit dem Spezialgebiet Entwicklungspolitik, und er schreibt auch an dem allerneuesten Pomorin/Junge mit, der im Herbst erscheinen soll.
"Blutige Spuren" hieß die romanhaft aufgearbeitete Reportage über die letzten Tage des Reichssicherheitshauptamtes und die Karrieren seiner ehemaligen Mitarbeiter in der Bundesrepublik. Von Millionenwerten in gefälschten Pfundbanknoten wird da berichtet, die in den Wirren des ausgehenden Krieges im österreichischen Toplitzsee versenkt wurden, von Alt-Nazis wird erzählt, die mit gestohlener und geraubter Kriegsbeute ihren Neubeginn in der Bundesrepublik finanzierten - das alles erinnert ein wenig an Romanreißer vom Schlage 'Akte ODESSA' oder 'Unternehmen Alpenfestung', vermischt mit Wallraffschen Einschleichjournalismus und (Bernt) Engelmann-scher Hintergrunddokumentation - und irgendwo zwischen diesen Schenkeln des Dreiecks ist die Arbeit des Dortmund-Bochum-Kölner Triumvirats auch anzusiedeln.
Auf ihre Fahnen geschrieben haben sich Pomorin / Junge / Biemann die Aufdeckung neonazistischer Umtriebe und das Aufspüren ewig gestrigen Gedankengutes, zumeist verbreitet von davongekommenen Alt-Nazis.
Mit ihrer Arbeit möchten sie über Zusammenhänge zwischen den einzeln agierenden Neo-Nazi-Gruppen informieren, Erkenntnisprozesse in Gang setzen, kurzum: aufklärerisch tätig werden. "Es geht uns nicht darum, vorherzusagen, was sein wird", erklärt Jürgen Pomorin, "es geht viel mehr darum, bestimmte Zusammenhänge darzustellen. " Zusammenhänge etwa von der Art, wie er sie am Rande des Düsseldorfer Majdanek-Prozesses entdeckte: dass da eine "stille Hilfe" existiert, die sich wohlwollender Unterstützung aus Bankkreisen erfreuen kann und den angeklagten KZ-Beamten moralische und materielle Hilfe zuteil werden lässt.
Zusammenhänge solcher Art entdeckt man freilich nicht allein und nicht mir durch das Sammeln von Dokumenten, durch Interviews und Recherchen, derartige Verflechtungen erforschen Pomorin und Junge in der Regel auch direkt vor Ort, von innen heraus, indem sie sich, getarnt als Junge Nationaldemokraten oder andere Rechts-Sympathisanten mit Alt- und Jung-Nazis' in Verbindung setzen, mit ihnen reden, essen spazieren gehen, ihr Vertrauen gewinnen.'" Von Oberst Rudel, Luftwaffenoffizier der Legion Condor und Nationalsozialist aus Überzeugung beispielsweise erhielt Jürgen Pomorin in der Maske eines national gesinnten Bundeswehrsoldaten eine Nachhilfestunde in deutscher Gesinnung. Reinhard Junge demonstrierte gemeinsam mit NPD-Anhängern und WIKING-Jugend in Bad Hersfeld an der Zonengrenze für ein 'starkes Deutschland an der Spitze eines antikommunistischen Europas'. Und für das Buch, an dem zur Zeit gearbeitet wird,  wird, hat sich Georg Biemann mit der Witwe des SS-Führers Kappler unterhalten, um eine gewisse, Frage beantwortet zu bekommen, die dann ganz beiläufig gestellt wurde.
Als wir die drei Journalisten an diesem frühen Sonntagnachmittag in dem unauffälligen Haus einer gutbürgerlichen Bochumer Wohngegend besuchen, sitzen sie gern de im ausgebauten, holzvertäfelten Dachgeschoß beisammen, sichten Dokumente, Recherchenmaterial und andere Unterlagen, machen sich Notizen und diskutieren über ihr neuestes Buch mit dem Arbeitstitel "Stille Kanäle", das sich mit den Verbindungen der Alt-Nazi-Szene zu den neuen Nazis beschäftigt.
Jürgen 'Jimmy' Pomorin, überschlank, bärtig, schwarzhaarig, ist trotz der lockeren Gesprächsatmosphäre. die sich bald einstellt. ein konzentrierter Interviewpartner, genau wie seine beiden Mitautoren. Denn nicht nur durch die gemeinsame Schreibarbeit, auch durch die zusammen bestrittenen antifaschistischen Veranstaltungen und ihr gemeinsames politisches Engagement für die DKP sind die drei ein aufeinander eingespieltes, aneinander gewöhntes Team. Im Gespräch ergänzen sie sich gegenseitig, helfen einander mit Beispielen und Grundsätzlichem aus.
Die Beschäftigung mit den Neo-Nazis, der 'antifaschistische Kampf'. wie sie es nennen, hat sich aus persönlicher Betroffenheit entwickelt. "Als ich 1977 von einem Besuch in Auschwitz und Majdanek zurückkam", sagt Georg Biemann dazu, "habe ich in Köln eine Versammlung von rund 1000 Neonazis gesehen - und auf der anderen Seite haben 250 Gegendemonstranten gestanden. Das war so ein Eindruck, der mich beschäftig hat".

Eindrücke, die sich häuften, sammelten und verstärkten. Der gelernte Bankkaufmann Jürgen Pomorin verarbeitete zunächst einmal die Erfahrungen seiner Bundeswehrzeit (wegen politischer Betätigung wurde er 61 Tage vor Dienstende fristlos entlassen) zu einem Buch und hatte seine ersten Begegnungen mit den Neofaschisten, als er als Mitarbeiter der Jugendzeitschrift 'elan' dieses Gebiet bearbeitete. Sechs Jahre ist das inzwischen her, und mittlerweile überschaut er die Szene der Rechten und Rechtsradikalen so genau, dass er so etwas, wie einen Ruf genießt: man kennt ihn und seine Kollegen als Ansprechpartner, wenn es in Zeitungs- und Fernsehredaktionen an Hintergrundinformationen mangelt, sie bekommen Materialien und Geschichten von Kollegen angeboten, die diese in ihren Blättern nicht unterbringen können. Und nicht zuletzt sind die drei auch Ansprechpart, wenn jemand aus er Szene aussteigen will.  Bei diesem 'Ruf' ist es natürlich nicht zu vermeiden, dass auch diejenigen, mit denen sie unter falschen Namen und unter Vortäuschung einer falschen Gesinnung Kontakt aufgenommen haben. sich die Namen Pomorin und Junge gemerkt haben. Und weil die Anhänger der rechten Ideologie nicht gerade zimperlich bei der Demonstration ihres Antikommunismus sind, lebt zumindest Jürgen Pomorin etwas zurückgezogen und nur schwer auffindbar in Bochum.
"Es hat nach der Veröffentlichung des ersten Buches eine Menge Drohanrufe in der elan-Redaktion gegeben", erklärt er. "Es ist nicht so, dass  ich Angst habe, aber man sollte solche Reaktionen auch nicht gerade herausfordern, indem jeder die Privatadresse so einfach erfahren kann."
Entsprechend vorsichtig geht man auch vor, wenn man eine 'Einschleich'-Aktion vorbereitet, um gewisse Informationen zu bestätigen, Hintergründe aufzuklären, oder Zusammenhänge festzustellen. Reinhard Junge: "Wir sichern und natürlich mit der Hilfe von Freunden ab. Denn wir sind nicht scharf darauf, ein Messer in den Rücken zu bekommen. Und natürlich darf man sich nicht zweimal bei derselben Organisation sehen lassen, aber ansonsten gibt es keine Schwierigkeiten."

Zur Legitimation solcher Unternehmen sagt Jürgen Pomorin: "Unter Freunden plaudert man halt schon ein bisschen mehr als in einem Pressegespräch. Man kann natürlich nie vorhersagen, wie das dann abläuft, und was da: bei herauskommt. Es ist eben immer wieder ein Wagnis."
"Aber man kommt halt an viele Informationen nicht anders heran!", ergänzt Reinhard Junge. Und zu den möglichen Gefahren sagt er: "Man kann natürlich nicht unausgeschlafen da hingehen." Aufgeben werden die drei ihre Methode der Informationsbeschaffung auch in Zukunft nicht, selbst wenn ihre Namen inzwischen bekannt sind. "Aber es hat ja niemand gesagt", erklärt Jürgen Pomorin, dass wir immer unter denselben Namen auftreten."

ENDE

Reinhard Jahn:
Unter Freunden plaudert man eher
Portrait Jürgen Pomorin, Reinhard Junge
Erschienen in MARABO Heft 6(Juni)1981,
S 56-57


12.1.14

Marabo 9/1980
In den Wind geschrieben?
Porträt SCHREIBHEFT

In den Wind geschrieben ? 
SCHREIBHEFT - ein Essener Literaturmagazin

Von Reinhard Jahn

Man nennt sie die 'little Mags': die kleinen und kleinsten Literaturzeitschriften, die zumeist auf den hintersten Regalbrettern der Buchhandlungen liegen und nur nach einigem Stöbern zu entdecken sind.
Während die 'Akzente' oder das 'Literaturmagazin ' sich bundesweiter Bekanntheit und Anerkennung erfreuen, kämpfen 70 bis 80 kleine Magazine mit so phantasievollen Titeln wie 'Omnibus', 'Am Erker', 'Analle' oder 'Der Tod' ständig mit Organisations-, Finanzierungs- und Vertriebsproblemen. Und nicht selten segnet ein 'little mag' mit seinem Anliegen, neue, junge Literatur zu veröffentlichen, schon nach zwei bis drei Nummern das Zeitliche.
Das Essener 'Schreibheft' -laut Untertitel 'Zeitschrift für Literatur und kulturelle Initiativen' behauptet sich auf dieser stark fluktuierenden Szene mittlerweile nun schon im vierten Jahrgang.
Aus der DIN A 5-kleinen, maschinengeschriebenen und photomechanisch vervielfältigten Zeitschrift für 'Prosa, Lyrik, Essay', die Schreibheft-Herausgeber Ulrich Homann 1977 zusammen mit Teilnehmern des Literaturkurses der Volkshochschule veröffentlichte, ist inzwischen ein wirkliches Literaturmagazin geworden: Kein alternatives Schreibmaschinengeletter mehr, sondern sauberer Photosatz, dazu ein seriöses Layout, aufgelockert mit künstlerischen Fotografien.
Anzeigen von Geschäftsleuten und der Stadt Essen belegen, dass nicht nur Literaturinteressenten dem Schreibheft Bedeutung zumessen.
Ulrich Homann, 26, und  Norbert Wehr, 24, in deren Verlag das Schreibheft erscheint, sind in Personalunion Redakteure, Layouter, Vertriebsleiter und alles andere, was sonst noch zur Herstellung einer Zeitschrift benötigt wird.
"Idealismus und Spaß an der Sache", sagt Norbert Wehr, "ist eigentlich Voraussetzung für ein solches Unternehmen. Es gibt Herausgeber, die manchmal sogar einen Kleinkredit aufnehmen, um eine Nummer herauszubringen. Dagegen sehen wir, die wir das Schreibheft ungefähr - immer bei Plusminus Null halten können, noch ziemlich gut aus." 
Ab 1978 erschien das Schreibheft zusammen mit dem Aachener Magazin 'Das Fenster' jeweils in einem Doppelheft im unhandlichen DIN A 4-Querformat. Diese wohl einmalige Zeitschriftensymbiose war man eingegangen, um das Verbreitungsgebiet zu vergrößern, aber auch, um durch den Kontakt mit den 'Fenster'-Herausgebern ein qualitativ besseres Heft machen zu können. Anfang 1980 allerdings hat sich diese Zusammenarbeit aufgelöst, die beiden letzten Nummern des Schreibheftes sind wieder als eigenständige Ausgaben erschienen.
"Zu große inhaltliche und thematische Unterschiede" nennt Norbert Wehr als Grund für die Trennung. Von der Literaturinitiative Aachen, die das 'Fenster' herausgibt, war leider niemand zu erreichen, der eine Stellungnahme hätte abgeben können.
Verkauft wird das Schreibheft hauptsächlich in nordrhein-westfälischen Buchhandlungen, die von den beiden Herausgebern ohne Umweg über einen Zeitschriften-Grossisten persönlich beliefert werden.
"Das kostet uns jedes Mal eine ganze Woche", sagt Germanistikstudent Wehr. "Das kann ich mir neben dem Studium gerade noch erlauben." 
Abonnementsstücke gehen per Post ins ganze Bundesgebiet, einige sogar ins Ausland. Auch wenn keine genaue Leseranalyse vorliegt, kann man sagen, dass Käufer und Leser auf jeden Fall an Literatur interessiert sind und zu einem großen Teil auch selbst schreiben. Dementsprechend groß ist deshalb auch die Resonanz auf die Hefte.
Ulrich Homann zeigt einen zwanzig Zentimeter hohen Papierstapel: Manuskripte, die ihnen für die beiden letzten Nummern zur Veröffentlichung angeboten wurden. Das Spektrum reicht, von Bukowski-Imitation über Texte, die besser in den Unterhaltungsteil der Tageszeitung passen würden, bis hin zu Arbeiten, die neu, interessant und diskussionswürdig sind. Lyrik erfreut sich dabei bei den Autoren großer Beliebtheit.

"Möglich, dass jeder- einmal mit der kurzen Form anfängt", versucht Norbert Wehr das große Gedichtangebot zu erklären. "Aber viele Autoren sind auch berufstätig und können sich in ihrer knappen freien Zeit deshalb nur mit dieser Form beschäftigen. " Nur circa 40 Texte können schließlich in jedem der drei bis vier Schreibhefte, die, pro Jahr erscheinen, veröffentlicht werden. Über das, was erscheint, entscheiden die Herausgeber nach subjektiven Kriterien - ein Weg, der genauso gangbar ist wie jeder andere, denn wer kann schon von sich behaupten, die Unterschiede zwischen 'guter' und 'schlechter' Literatur zu kennen?
"So sehr uns diese Methode auch bekümmert", meint Norbert Wehr, "das Problem ist nicht anders zu lösen." "Die Autoren unterstellen uns oft, dass wir bestimmen könnten, was gute Literatur ist", erläutert Ulrich Homann. "Wir haben zwar eine Vorstellung davon, aber die kann man nicht als allgemeingültig hinstellen." 

Bei aller Anfechtbarkeit der Auswahlmethoden - die Herausgeber der kleinen Literaturmagazine leisten damit Basisarbeit. Wer zwei Prosasätze mit einem Zeilenbruch versieh t, ist noch lange kein Lyriker, und vier Fäkalwörter pro halbe Seite machen noch keine Gegenwartsprosa.
Wenn Ulrich Homann und Norbert Wehr ihre Auswahl treffen, wissen sie, was sie tun, denn sie sind beide selbst Autoren.
"Allerdings", räumt Homann ein, "komme ich wegen der Arbeit am Heft manchmal kaum noch zum Schreiben. Aber in gewisser Weise ist ja auch das Heft eine kreative Leistung." Programmatisch heißt es in einer Selbstdarstellung: "Schreibheft versteht sich als Forum für eine neue, kritische Literatur. Die bekannten Autoren sind ihm bekannt genug, die neuen neu und unbekannt; unbekannt heißt nicht schlecht, im Gegenteil, heißt oft: für den Markt-Massenkonsum nicht geeignet." Geld und Ruhm können diese jungen und unbekannten Autoren mit einer Veröffentlichung im Schreibheft sicherlich nicht gewinnen. "Die Mitarbeit ist honorarfrei", heißt es im Impressum.
Und die etablierte Literaturkritik ignoriert ebenso wie die Literaturwissenschaft in der Regel die Tatsache, dass die kleinen Magazine mit ihren Veröffentlichungen eine Chronik zeitgenössischer Literaturbewegung schreiben.
Um aus diesem Schattendasein herauszukommen, haben im vergangenen Jahr ungefähr 25 Herausgeber in Marbach die 'Interessengemeinschaft Literaturzeitschriften' gegründet.
Durch Koordination und Kontakte, durch die Beschaffung finanzieller Unterstützung, will die IGLZ die kleinen Zeitschriften bei der Wahrnehmung einer ihrer' wichtigsten Funktionen unterstützen: literarische Entwicklungen vorzubereiten, indem ungewöhnliche oder neuartige Arbeiten gedruckt werden, die sonst nirgends eine Chance hätten.
Die Schreibheft-Herausgeber betrachten eine solche Aufgabe zwar als sehr wünschenswert, aber auch als äußerst schwer zu realisieren.
Ein erster Schritt dazu könnte die Buchproduktion des Verlages Homann & Wehr sein. Vier Bände von Autoren, "die wir für besser halten, als dass sie nur mit ein bis zwei Beiträgen im Heft veröffentlicht werden sollten", sind bereits erschienen.
Der fünfte Band- 'Nachgedichte' von Ulrich Horstmann, erscheint in diesen Tagen. Ein Konzept für die Verlagsarbeit freilich, das geben Ulrich Homann und Norbert Wehr zu, muss erst noch gefunden werden.
Mit Auflagen um 500 Exemplare kann man sicher den Literaturbetrieb nicht aus den Angeln heben, aber ein Mückenstich hat schon manchmal dazu geführt. dass ein Elefant (sprich Großverlag) ein Jucken verspürt hat. R. Jahn


Reinhard Jahn:
In den Wind geschrieben - Schreibheft - ein Essener Literaturmagazin
in: MARABO, Bochum, Heft 9(September)/1980



10.1.14

Marabo 1/1983
So amerikanisch wie eine Schrotflinte
Portrait Dashiell Hammett

Hammett, der berühmte amerikanische Krimiautor ist der Held des gleichnamigen Detektivfilmes von Wim Wenders, der diesen Monat bei uns Premiere hat. Der Autor als Detektiv, der Detektiv als Autor - Hammett war beides.

Ein Porträt von Reinhard Jahn

"Ich bin von der Continental Detective Agency, Büro San Francisco", erklärte ich ihm.
"Wir haben vor ein paar Tagen von Ihrem Sohn einen Scheck und einen Brief erhalten, in dem er. einen Mann anforderte, der hier etwas für ihn erledigen sollte. Ich bin dieser Mann."
(Red Harvest)

Die Stadt heißt Personville, doch jeder nennt sie nur Poisonville, eine hässliche, vom Rauch der Ziegelschornsteine der Schmelzhütten gleichmäßig eingeräucherte Ansiedlung von vierzigtausend Menschen, eingeklebt in einen hässlichen Einschnitte zwischen zwei hässlichen Bergen.
Der Mann, der hier einen Job zu erledigen hat, über den er später den Bericht mit dem, Titel 'Red Harvest' schreiben wird, hat keinen Namen. Er ist der Continental Op, ein kleiner untersetzter Agenturdetektiv. Im Kampf gegen das durch und durch korrupte Gemeinwesen von Poisonville hat er nichts als einen Revolver und einen Haufen Ideale - zu wenig, um die Bluternte des Todes verhindern zu können. Ein Lancelot des Industriezeitalters, der seine schimmernde Rüstung gegen einen abgetragenen Anzug vertauscht hat.
Fact? Fiction? Amerika vor Beginn der Dreißiger, Amerika vor dem Schwarzen Freitag, jenem 24. Oktober 1929, an dem die überzogenen Hoffnungen einer Nation auf allgemeine wirtschaftliche Prosperität vom Börsenkrach begraben wurden.
Zwischen November 1927 und Januar 1928 erscheint in dem auf billige Krimi-Unterhaltung spezialisierten Black-Mask-Magazine die Geschichte von der Bluternte in Poisonville.
Für ein paar Cents pro Wort geschrieben von einem gewissen' Dashiell Hammett, der zuvor schon unter dem Pseudonym Peter Collinson ein paar Stories bei 'BlackMask'-Herausgeber John Daly hatte unterbringen können, ohne dass jemand den lakonisch erzählten Gangstermärchen besondere Bedeutung geschenkt hätte.

Detektiv bei Continentals

Dieser Dashiell Hammett kennt sich aus, weiß, wovon er schreibt, wenn er von Korruption und Gangsterkriegen erzählt, die in den Endzwanzigern in den USA erblühen wie zu keiner Zeit zuvor. ' In Chicago befehligt ein gewisser Al Capone eines der größten Gangster-Syndikate der Neuzeit, in den speakeasys fließt der seit 1917 verbotene Alkohol in Strömen, treffen Geschäftsleute auf Ganoven, Kabarett-Girls auf Kriminalbeamte, jeder weiß, was der andere tut, aber keiner redet darüber.
Dashiell Hammett, der Junge aus Mary's County, Maryland, Jahrgang 1894, ist mit dreizehn von der Schule geflogen, er hat bei der Baltimore & Ohio Railway als Rangierarbeiter gearbeitet, sich als Zeitungsverkäufer, Angestellter und Hafenarbeiter durchgeschlagen, bevor er einen Job bei der Pinkerton National Detective Agency ("We never• sleep!") in Baltimore bekam.
Gangster hat er beschattet, geklaute Juwelen zurückgebracht, die Unter- und Halbwelt San Franciscos nach Informationen abgeklopft und versucht, Entlastungsmaterial für den wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen angeklagten Komiker Fatty Arbuckle herbeizuschaffen. In den acht Jahren bei Pinkerton sammelt Hammett Material, macht er Charakterstudien, die später in seine Geschichten einfließen, hört er Stories und erlebt Verbrechen.

Der gläserne Schlüssel

Eine Grippe, die er sich während seiner Dienstzeit als Unteroffizier im Ersten Weltkrieg zugezogen hat, wächst sich nach Kriegsende zu einer Tuberkulose aus, so dass er seinen Job bei Pinkerton aufgeben muss. Seine Ehe mit einer Krankenschwester, die  er 1920 geheiratet hatte, ist kaputt, Hammett hängt herum, beginnt zu saufen.
Und er schreibt, schlüpft in die Rolle des Continental Op und lässt ihn Dinge erleben, die er selbst erlebt hat.
Später wird man seinen Stil "so amerikanisch wie eine abgesägte Schrotflinte und so erregend wie ein Extrablatt" nennen, wird man ihn mit Hemingway vergleichen oder Hemingway mit ihm.
Knapp und lakonisch ist seine Sprache, präzise die Charakterdarstellung, dicht die Atmosphäre.
Der Autor Dashiell Hammett verbrennt an sich und seinen' Geschichten, flackert als Strohfeuer mit vier Romanen zwischen 1929 und 1931 grell. auf und verglüht als Comic-Szenarist (Secret Agent X-9) und Drehbuchschreiber in Hollywood:
Mit "Der Malteser Falke" hat er 1930 einen Meilenstein in der Geschichte der Kriminalliteratur gesetzt, es folgt" 1931 "Der gläserne Schlüssel" beides Geschichten um Liebe, Hass und Korruption, Geschichten von Geld und Machtgier, Skrupellosigkeit und Gewalt. Geschichten, die absolut nichts mehr mit jenen Krimis zu tun haben, wie sie von der Dame Agatha Christie zur gleichen Zeit in Merry Old England produziert werden.
"Hammett hat den Mord an die Leute zurückgegeben, die ihn begehen!" sagt Raymond Chandler später. Hammett hat den Mord zu jenen zurückgebracht, die Gründe haben, ihn zu begehen: die Profi-Killer, die korrupten Politiker, die normalen Menschen, deren Gefühle und Leidenschaften blutig enden.

Rote Ernte

Und das Amerika der Depression und des New Deal schaut gern in den Spiegel, den ihm der Marxist Hammett vorhält, den Spiegel, der mit Hollywood-Perfektion die gröbsten Angriffe auf das korrupte System der Endzwanziger glättet und der den Gangster als Produkt des Spätkapitalismus vorführt:
Viermal wurde "Der Malteser Falke" verfilmt, zweimal "Der gläserne Schlüssel", einmal "Der dünne Mann", Hammetts letzter Roman, in dem er sich beinahe komplett von seinen hartgesottenen Helden . abwendet und in der Figur des reich verheirateten Dandy-Detektivs Nick Charles eine kuriose Mischung aus Sherlock Holmes und Sam Spade entwickelt.

"Der dünne Mann" bleibt sein letztes Werk, auch wenn in• den darauffolgenden Jahren noch eine Reihe von Kurzgeschichtensammlungen erscheinen, in denen die Stories seiner frühen Jahre wieder veröffentlicht werden.
Dash, wie ihn seine neue Lebensgefährtin Lilian Hellman nennt, wird als Marxist zum 'enfant terrible' der Hollywood-Gesellschaft, die nach Meinung einiger Mächtiger von kommunistischen Umtrieben gesäubert werden muss. Natürlich fällt da Hammetts Engagement für die Kämpfer gegen den Faschismus im Spanischen Bürgerkrieg auf, natürlich greift man sich ihn, als er 1951 einen Fond verwaltet, aus dem die Kaution für verhaftete 'Civil Rights'-Kämpfer gezahlt werden' soll. Hammett weigert sich, die Namen der Spender des Fonds zu verraten und erhält prompt die Quittung:
fünf Monate Gefängnis.
Zwei Jahre später steht er vor dem McCarthy-Ausschuss und weigert sich auf die "Sind Si jetzt oder waren Sie jemals Mitglied der Kommunistischen Partei?"-Frage zu antworten; ganz im Gegensatz zu so aussagefreudigen Kollegen wie Robert Taylor, Ronald '.Reagan und Gary Cooper, die ganze Namenslisten derer hersagen, die ihrer Meinung nach dem Kommunismus nahestehen.

Der dünne Mann

Stärker aber als die Auseinandersetzungen mit den Kommunistenjägern macht Hammett in jenen Tagen der Kampf gegen sich selbst zu schaffen, sein Kampf gegen den Alkohol, dem er spätestens seit 1945 in regelmäßigen Abständen verfällt.
Getrunken hat er immer, in der Prohibitionszeit schon, aber niemals so exzessiv wie jetzt. Sein Körper ist geschwächt durch die frühe Tuberkulose, sein Inneres ausgebrannt, und nur die Tantiemen aus dem Filmrechten seiner Stoffe und der endlosen Weiterverwertung seiner "Dünner Mann"-Idee als Film- .
Radio- und Fernsehserie bewahren ihn davor, in die Gosse abzusacken, aus der er den Stoff seiner Geschichten nahm.
Als Hammett 1961 stirbt, schreiben bereits andere in seinem Sinne weiter: Raymond Chandler und Ross MacDonald zähmen Hammetts  'Continental Op' und schleifen die Ecken von Sam Spade ab, bis ein Philipp Marlowe und ein Lew Archer daraus werden.
ENDE

Reinhard Jahn: Dashiell Hammett - So amerikanisch wie eine Schrotflinte
Erschienen in:
Marabo (Bochum). Heft 1(Januar) 1983
Seite 22-23




6.1.14

MARABO 4/1981
Einlassungen eines Lokalreporters
Porträt Werner Streletz

Einlassungen eines Lokalreporters
In Bottrop ist er geboren und in Marl arbeitet er als Journalist.
Das Ruhrgebiet hat ihn aber auch als Schriftsteller nie ganz losgelassen: Werner Streletz
Ein Portrait von Reinhard Jahn

Wenn Journalisten Journalisten interviewen, dann haben sie nichts besseres zu tun. Und wenn Schriftsteller mit Schriftstellern sprechen, kann man nachher allerhand Smalltalk und wenig über das Wesen der Literatur lesen. Also versuchen wir's mal über Kreuz: der Journalist Jahn spricht mit dem Schriftsteller Streletz.
Wir sitzen an einem kalten Februarvormittag in einer Essener Innenstadtkneipe. Draußen ist Freitag der Dreizehnte. Drinnen an der Theke Männer, die ihr Bier trinken und sich in mittlerer Lautstärke unterhalten. Der Rotamint klimpert im Hintergrund diskret seine Spiele herunter.
Werner Streletz, in der Szene zumeist etwas vorschnell als 'Kneipenliterat' apostrophiert, sieht aus wie ein Lokaljournalist: Cordhose, graue Cordjacke, ein Anfangsdreißiger mit schwarzem Bart- und Haupthaar, einer unaufdringlichen Stimme und verhaltener Gestik.

Er ist übers Wochenende nach Essen gekommen, um Bekannte zu besuchen.
"Geboren 1940 in Bottrop, arbeitet als Redakteur einer großen Ruhrgebietszeitung in Marl." Darauf beschränkt sich sein selbstgeschriebener Lebenslauf, mit dem er sich in der WDR-Hörspielbroschüre als Autor des Stückes "Szeen mit eim, der nix sacht" vorstellt.
"Zum Journalismus bin ich eigentlich über die Literatur gekommen", sagt er.
"Ich sollte eigentlich Inscheniör werden und habe dann auch eine Zeitlang in einem Zeichenbüro gearbeitet. Nebenbei habe ich halt geschrieben, literarische Sachen. Die Zeichnerei ist mir dann immer mehr auf die Nerven gegangen und dann sagte meine damalige Frau 'Schick doch einfach mal was an die WAZ, vielleicht kommst du da an!' Und originellerweise bin ich auch sofort angekommen. Ich hatte ein Gespräch in Essen und habe dann ein Volontariat gekriegt. "
Das war damals, als der Journalistenberuf noch nicht so überlaufen war. Heute arbeitet er als Lokalredakteur für Kulturelles in Marl, die große Ruhrgebietszeitung hat ihn nach einem kurzen Abstecher zur 'Kölnischen Rundschau' wieder unter ihre Fittiche genommen. Er fühlt sich wohl in seinem Job, weil die Redaktion gut ausgestattet ist und er über Dinge berichten kann, die er überblickt und durchschaut.
Überschaubar ist auch sein literarisches Werk: drei schmale Bändchen im Verlag des Literarischen Informationszentrums in Bottrop, drei Hörspiele beim WDR. Es sind nachdenklich angelegte Lyrik- und Prosatexte, beinahe introvertiert zu nennende Lebens- und Erlebensbeschreibungen, in deren Mittelpunkt die Menschen aus dem Ruhrgebiet stehen.
"Ich bin eigentlich mehr ein Erzähler!", sagt Streletz über Streletz. "Eigentlich wäre das richtige Medium für mich die Prosa."
Dem journalistischen Schreiben für den Tag setzt er die literarische Betätigung entgegen. Und weil beides sich gegenseitig bedingt, will und kann er weder das eine noch das andere lassen.
"Wenn ich ganz pragmatisch etwas verändern will, dann will ich das über den Journalismus machen und nicht über die Literatur", erklärt er zum Unterschied der beiden Schreib-Weisen.
"Verändern heißt hier im platten und klaren Sinn, dass sich sofort etwas ändert, also dass Jugendliche zum Beispiel ein Jugendzentrum bekommen. Die literarischen Texte sind mehr aus Veränderungen im Bewusstsein ausgerichtet, Sensibilisierung möglicherweise, des Denkens und Fühlens. Und durch den Journalismus bleibt man doch sehr stark bei den Leuten und gerät nicht in die Gefahr, in ein Wolkenkuckucksheim zu geraten oder irgendetwas esoterisches zu verzapfen. Ich glaube zwar nicht, dass die Gefahr bei mir besteht, dass ich im Esoterischen lande. Bei mir würde eher die Gefahr bestehen, dass mir nichts mehr einfällt, wenn ich den Kontakt zu den Leuten verliere. "
Die Leute, das sind Menschen im Kohlenpott, zwischen Gelsenkirchen und Bottrop, Essen und Dortmund. Die Leute, deren Sprache "eigentlich zu schade für Witzchen wie etwa 'Kumpel Anton' ist". Streletz hegt eine nicht zu verkennende Sympathie für die zufriedenen, politisch wachen Ruhrbürger, die geradeheraus sagen, was sie denken und einem vielleicht auch mal etwas vorschnell eins auf die Nase geben. Besser als die verschlagenen Rheinländer mit ihrem Karnevalstick gefallen sie ihm allemal.
Zur Zeit arbeitet er an einem längeren Prosawerk das - natürlich- auch etwas mit dem Ruhrgebiet zu tun hat. Aber bis zur Veröffentlichung "wird es wohl noch ein paar Jährchen dauern." Denn er ist kein schneller Schreiber, er drängt nicht an die Öffentlichkeit.

"Ich schreibe zwar schon seit mehr als zehn Jahren, aber viel ist bisher noch nicht Veröffentlichungswertem zusammengekommen!" sagt ist er. "Das lag aber auch daran, dass ich zeitweise privat ein bisschen durcheinander gelebt habe und nichts geschrieben habe."
Veröffentlichungswert waren bisher "Ausgeträumt". "Der ewige Säufer" und "Das Erwachen eines Elvis-Fans" Szenen aus dem Ruhrgebiet aus den Kneipen, den Siedungen, aus den Cliquen der jungen Leute.
Beschreibungen, kurze lakonische Protokolle und lyrische Betrachtungen über Ereignisse, die Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre passiert sind oder so hätten passieren können. Geschichten von Jungs, die zur Schule gehen, die eine Band gründen, oder die verwirrt vom ersten Vorstoß der Pubertät die Welt zwischen Rock'n 'Roll-Kirmes lind Elvis-Postern auf einmal ganz .anders erleben.
"Für mich ist das in erster Linie Aufarbeitung meiner Vergangenheit", sagt er über das Schreiben an sich. "Allerdings sollte man das nicht verwechseln mit Autobiographie. Es sind alles Dinge, die bisher passiert sind – nur durch das Schreiben ordne ich sie für mich ein. Meist ist der reale Hintergrund der Ansatz und je weiter ich schreibe, desto mehr entferne ich mich von diesem Ausgangspunkt und je mehr ich schreibe, desto mehr kläre ich auch diese Sache für mich. Das ist es im Grunde, was mir die Schreiberei gibt."

Was die Schreiberei allerdings über das bloße Tagebuch hinaushebt, ist seine Fähigkeit, persönliches Erleben und eigene Erfahrungen so zu verdichten, dass das Allgemeingültige seiner Generation sich herauskristallisiert.
Das Reden über das Schreiben ist nicht so sehr seine Sache; Werner Streletz gehört zu den intuitiven Schreibern, denen ein hundert Worte langer Text mehr liegt als tausend Gedanken darüber. An mehreren Stellen unseres Gespräches antwortet er nachdenklich, klopft die Fragen zunächst ab und fasst seine Formulierungen mehrere Male genauer.
Knapp eineinhalb Stunden haben wir uns in der Kneipe unterhalten. Während wir noch ein paar Fotos an der Theke machen, kommt Werner Streletz auch prompt mit den Männern dort ins Gespräch. Offen, geradeheraus und unkompliziert. So ist das hier eben mal, im Ruhrgebiet.

Werner Streletz: Der ewige Säufer, Gedichte/ Ausgeträumt, Lyrik und Prosa (1977)/ Das erste Erwachen eines Elvis-Fans, Erzählung (1979) Alle zu erhalten beim Literarischen Informationszentrum Bottrop, Böckenhoffstr. 7 Hörspiele:
Alles was du bist ist Liebe (WDR) Der Pokal des Marquis (WDR) Szeen mit eim, der nix sacht (WDR)

Reinhard Jahn: Einlassungen eines Lokalreporters
Portrait Werner Streletz
Erschienen in: MARABO, Heft 4(April)/1981

 



5.1.14

Vorwärts, 4/1983
Im Grunde zwei extreme Berufe
Portrait Volker W. Degener

Schriftsteller-Porträts (VII)
Im Grunde zwei extreme Berufe
Ein schreibender Polizist beschreibt detailgenaue Beobachtungen. 

Von Reinhard Jahn.

Volker W. Degener ist Polizist und Schriftsteller. Oder Schriftsteller und Polizist. Er sagt: »Beides sind im Grunde extreme Berufe - aber sie verlieren das Extreme, wenn man sie beide ausübt. «

Ein nasskalter Abend im Bochumer Uni-Center. Die Läden sind seit einer halben Stunde geschlossen, das Leben in den Kneipen, den Pizzerien, der Spielhalle und dem Kino läuft noch auf Sparflamme. Im verglasten Treppenhaus des Wohnturmes hängen ein paar junge Typen in schwarzem Lederzeug herum - von oben weht Rockmusik herunter, ständig zerhackt vom Knallen der schweren Eisentür, die zum Jugendzentrum führt.
Was sich an menschlichem Leben hinter den Querenburger Betonmauern abspielt, taucht immer erst dann auf, wenn es extreme Formen angenommen hat. Dann findet es sich im Bericht der eingebauten Polizeiwache wieder, und manchmal auch in den Spalten der Lokalpresse: Selbstmorde, Schlägereien, Gewalttätigkeiten, Vandalismus.
Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, dass dieser jugendlich aussehende Vierziger, der uns entgegenkommt, zu jenen Polizisten gehört hat, die hier für Ruhe und Ordnung sorgten. So stellt man sich eher einen Sozialarbeiter vor: Volker W. Degener, rotblondes Haar, Geheimratsecken, Schnauzbart, Cordjeans Hauptkommissar und mittlerweile als Sprecher in der Pressestelle der Bochumer Polizei:
"Ich wäre nicht der Schriftsteller, der ich bin", sagt er, "wenn ich nicht vorher die Einblicke des Polizeibeamten gehabt hätte. Aber umgekehrt ist es genauso: Ich wäre wahrscheinlich nicht der Polizeibeamte geworden, der ich jetzt bin, wenn ich nicht als Schriftsteller versucht hätte, meine Sensibilität zu bewahren. Beides sind im Grunde extreme Berufe - aber sie verlieren das Extreme, wenn man sie beide ausübt."

"Drop-outs" im Mittelpunkt

So ist es kaum verwunderlich, dass die Menschen und Schicksale, mit denen Degener bei der Ausübung seines Berufes konfrontiert worden ist, insbesondere während seiner Dienstzeit zwischen 1973 und 1977 im Bochum-Querenburger Uni-Center, in seinen Büchern wieder auftauchen: Benachteiligte, Randgruppen, Außenseiter, sei es in dem Roman "Heimsuchung", dem Erzählungsband "Einfach nur so leben", dem Jugendroman "Geht's uns was an?" oder dem Band "Die Reporter aus der vierten Klasse".
1976 erhielt er den Literatur Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, seit 1971 ist er Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) und seit 1978 der Vorsitzende des Verbandes in Nordrhein-Westfalen.
Die Drop-outs, jene, die sich der bürgerlichen Gesellschaft verweigern und deshalb auch ausgeschlossen werden, stehen im Mittelpunkt von Degeners vorsichtig sich annähernden Erzählungen.
"Heimsuchung" ist die Geschichte einer Motorradclique irgendwo zwischen Bochum und Dortmund. Und Kapitel für Kapitel schlüpft er in eine andere Rolle, schreibt aus der Sicht der Jugendlichen, die keine Zukunft und keine Gegenwart haben und mit der bürgerlichen Ordnung in Konflikt geraten. Kein Krimi, kein Sozialroman, einfach eine realistische Studie.
Schreiben heißt für Degener• Erlebnisverarbeitung: "Oft wird mir vieles klarer, wenn ich darüber geschrieben habe!" Das hat viel mit be-schreiben zu tun: detailgenauen Beobachtungen, Verdichten von realen Ereignissen und fiktionalen Texten. Und genauso, wie Degener sich beim Schreiben über Ursachen und Zusammenhänge klar wird, geht es auch dem Leser: er glaubt zu verstehen.
Es sind keine Kunstfiguren, die in seinen Geschichten auftreten, für jeden gibt es ein reales Vorbild, nach dessen Zügen die Figur entworfen wird, reale Wesenszüge sind lediglich verdichtet, genauer gefasst, zusammengezogen.

Degeners Helden sind Menschen, in deren Leben eine resignative, beinahe hoffnungslose Grundstimmung vorherrscht: "Ich würde als Autor die Wirklichkeit verleugnen, wenn ich bei solchen Geschichten versuchen würde, ein positives Ende oder einen Lichtblick zu konstruieren. Das liegt nicht an einer negativen Lebenseinstellung meinerseits, das hat nur etwas mit den Leuten zu tun, die ich beschreibe."

Vom Blitzlicht eingefroren

Hoffnung klingt allenfalls an, wenn er für Jugendliche und Heranwachsende schreibt: Zwar versucht er auch in seinen Jugendbüchern und Kinderhörspielen den Lesern und Hörern keine bunte Traumwelt vorzumachen, aber er versucht wenigstens, "sie in ihrem alltäglichen Leben zu ermutigen und zu stabilisieren". 
Damit gibt er sich manchmal mehr Mühe als mit seinen Erwachsenenbüchern: "Für Kinder muss man genauso schreiben wie für Erwachsene, nur besser." 
Er ist kein verbissener Erfolgsautor. Volker W. Degener ist ein umgänglicher, nachdenklicher Mensch, der nun halt mal im Polizeidienst arbeitet und sich Gedanken über die Leute macht, mit denen er zu tun hat. Die Kollegen freilich sehen das nicht besonders gern, nehmen es nur zur Kenntnis: "Unser Schriftsteller!"
"Letztlich", sagt Degener, "schreibe ich nur für mich allein. Und erst wenn das Manuskript fertig ist, stellt sich die Frage, für welchen Verlag es vielleicht in Frage kommt." Womit vielleicht auch geklärt ist, warum seine sieben Bücher in sechs verschiedenen Verlagen herausgekommen sind.
Das Gespräch ist zu Ende. Wir gehen noch einige Schritte durch Beton und Neon, um Fotos zu machen. Und so still und unauffällig, wie er vor dem Hintergrund des nächtlich-kalten Uni-Centers vom Blitzlicht eingefroren wird, so genau passt Degener in diese Umgebung.
Das Milieu hat Spuren hinterlassen: Trotz aller Offenheit und Mitteilungsbereitschaft hat er sich immer unter Kontrolle gehabt, hat die Grenzen genau abgesteckt, über die er nicht hinausgehen wollte. Der Polizist Degener blieb dadurch undeutlich im Hintergrund, dem Menschen konnten wir nur ein bisschen begegnen.
ENDE

Reinhard Jahn: "Im Grunde zwei extreme Berufe", 
Portrait Volker W. Degener
Veröffentlicht in
Vorwärts / Journal 
20. Januar 1983, Nr. 4, Seite 28, 



4.1.14

Marabo Heft 8/1981
Leute erfinden kann ich nicht
Mit Frank Göhre sprach Reinhard Jahn


"Leute erfinden kann ich nicht!"

Mit dem Bochumer Schriftsteller Frank Göhre, dessen Roman 'Schnelles Geld' zur Zeit verfilmt wird, sprach Reinhard Jahn

Groß ist er, schwarzhaarig.
Ein offenes, kontaktfreudiges Gesicht.
Eine legere Art, die Dinge zu betrachten.
Das Hemd bis zum vierten Knopf überm Bauchnabel aufgeknöpft.
Wie alt ist dieser Frank Göhre eigentlich? Ich erinnere mich, in den biographischen Unterlagen etwas von einem Geburtsdatum 1943 gelesen zu haben. Demnach steuert er schon gefährlich hart auf die Vierzig zu, und das in einer Zeit, •in der man schon jedem über  Dreißig, nicht mehr trauen soll.

Bücher über Jugendliche schreibt er, über die persönlichen Probleme einer Bochumer Clique, über Arbeitslosigkeit und die Resignation angesichts einer farblosen ,Zukunft. Ich habe so meine, Bedenken, diesen 37-jährigen Jugendschriftsteller einfach zu duzen, als wir uns auf dem Weg zur Redaktion begegnen wo wir uns zum Gespräch verabredet haben. Weil die 37 Lebensjahre, die er auf dem Buckel hat im Widerspruch zu dem unmittelbaren Ton seiner Bücher stehen.
Trotzdem: das 'Sie' passt wohl noch weniger zu Frank Göhre, dem geborenen Bochumer, der zur Zeit "wieder mal als freier Schriftsteller arbeitet" und dazu viel zwischen Hamburg, München und Soltau unterwegs ist. Er präsentiert sich als lockerer, zugänglicher und gesprächiger Mensch, der aus seinem Umgang mit Jugendlichen und Heranwachsenden viel angenommen hat.
Jugendliche sind, wie gesagt, das Thema der drei Bücher und der diversen Hörspiele, die er geschrieben hat. Und sie sind auch Mit-Autoren, denn diese Arbeiten hat er im Freundes- und Bekanntenkreis besprochen, zusammengestellt, überarbeitet.

Dass er mehr das gewöhnliche in den Lebensläufen seiner Protagonisten beschreibt und weniger die dramatische Zuspitzung, mag an der eigenen Biographie liegen, die trotz leichter Abweichungen vom Durchschnitt keine krassen Sprünge aufweist: mit 15 das Gymnasium verlassen, eine Lehre als Großhandelskaufmann gemacht, daran anschließend eine Buchhändlerlehre. Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit finden sich sehr deutlich in seinem ersten Roman wieder. "Gekündigt' erschien 1974 und brachte ihm neben dem Anerkennungspreis des Landes Nordrhein-Westfalen auch eine Menge Ärger mit einem bekannten Bochumer Buchhändler ein, der sich allzu genau und dementsprechend unsympathisch porträtiert fühlte.

Buchhändler, das sagt Frank Göhre heute, ist er eigentlich nur geworden, weil er ganz naive Ideen im Kopf hatte: "Ich dachte, ich lese gern, und als Buchhändler hat man ja viel mit Büchern zu tun!"
Mit Büchern hatte er auch während seines nächsten Jobs in, der Stadtbücherei Wattenscheid zu tun. In der reichlich vorhandenen freien Zeit begann er intensiver zu schreiben: Hörspiele und andere Rundfunkbeiträge, immer orientiert am Thema 'Jugendliche'. Höhepunkt seiner Karriere rund ums Buch war schließlich sein Engagement im Münchener Weissmann Verlag, der bereits Göhres ersten Roman veröffentlicht hatte.
Es folgt sein zweiter Roman: "Schnelles Geld", die Geschichte einer Clique, die bereits in "Gekündigt" vorgestellt wurde, und deren Probleme auch in seinem dritten Buch "So läuft das nicht" weiter behandelt werden. Diese Leute, über deren Angst und Hoffnung, deren Angst und Ohnmacht Göhre schreibt, sind bereits in seinem Hörspiel 'Berufsbild' (1971) aufgetaucht, und sie haben reale Vorbilder.
"Ich habe diese Leute nicht erfunden!" sagt Frank Göhre und umreißt damit einen wichtigen Punkt, seiner schriftstellerischen Arbeit:
Nicht das Erfinden, das Entwerfen von Menschen und Situationen ist es, was ihn reizt. ("Das kann ich gar nicht!") Viel mehr fasziniert ihn das Erfassen, Beschreiben und Vermitteln von realen Personen.
Dabei geht er radikal und" akribisch zugleich zu Werke, er zeichnet Gespräche mit dem Recorder auf (Also deshalb wird er nicht ein bisschen nervös, als ich das Tonbandgerät anwerfe!), er schreibt die Aufzeichnungen ab, verdichtet erzählte Situationen, montiert sie schließlich mit Statements zusammen und errichtet so eine facettenartige Romanstruktur die die Wirklichkeit mit vielen ihrer Widersprüche darstellt.
Nach dieser Methode arbeitet er im Augenblick in Soltau und Umgebung gemeinsam mit zwei Lokaljournalisten an einem Buch, das die persönliche Geschichte eines Fürsorgezöglings mit der Stadtgeschichte verbinden soll.
Angelo heißt der 21 jährige, dessen Leben Göhre für das Buch mit dem Arbeitstitel 'Außen vor' porträtieren möchte.
Er hat mit Angelo schon viel gemeinsame Zeit verbracht um sich in sein Wesen und seine Eigenarten einzufühlen, ihn zu beobachten. Das ist keine literarische' Variante des Wallraff-Stils sondern Göhres persönliche Arbeitstechnik, denn er horcht seine Partner nicht aus, sondern konfrontiert sie mit seiner eigenen Person.
Über Angelo, den Fürsorgezögling, der so ganz anders lebt als er, der Schriftsteller, sagt er: "Ich bin irgendwie fasziniert von ihm . weil er in manchen Dingen eine Klarheit in der Vorstellung hat, die man nicht begreifen kann. Aber andererseits hat er auch keine Vorstellung von seinen Perspektiven, seiner Zukunft. Er lebt einfach im Hier und Jetzt!"

Die Beschäftigung mit Angelo und der Stadt Soltau geht auf eine dreimonatige Berufung zum Stadtschreiber zurück, die ihm vor geraumer Zeit zuteil wurde.
Während dieser Zeit als öffentlich ausgehaltener Dichter lernte er die beiden Journalisten kennen, mit denen er nun das Projekt realisiert.
Dieses Buch bestimmt zur Zeit seine Gedanken wesentlich mehr als die Verfilmung seines Romans "Schnelles Geld", die in diesen Tagen in Bochum und Essen stattfindet. Göhre: "Das sind Münchener, und die wollen einen Ruhrgebietsfilm machen!"
Bei seinen Ausführungen über Soltau,  das Buch und Angelo wird Frank Göhre lebhaft, er erzählt von kleinen Erlebnissen, flicht Hintergründe ein, versucht ein möglichst umfassendes Bild von Situationen und Zusammenhängen zu geben.

Überhaupt redet er sehr viel, ohne sich dabei ein einziges Mal zu wiederholen. Ständig erklärt er etwas , stellt etwas dar, erläutert, führt aus - er hat einfach etwas mitzuteilen, und zwar etwas, was über den gewöhnlichen Smalltalk hinausgeht. Oder ist es nur die Furcht vor Gesprächspausen die ihn weitersprechen lässt?
Denn so bald man sich zu Wort meldet, schweigt er, hört zu, beschäftigt sich mit dem Gesagten, geht darauf ein und antwortet ehrlich und spontan.
Im Augenblick möchte er wieder als freier Schriftsteller arbeiten, erklärt er, deshalb hat er seine langjährige Redaktionstätigkeit beim Weissmann- Verlag aufgegeben und sich in der Nähe von Hamburg niedergelassen. Was für andere Autoren ein Sprung ins kalte Wasser wäre, ist für ihn nur eine Sache der Entscheidung und der finanziellen Absicherung. Von den Rundfunkhonoraren aus seiner Verlagszeit hat er sich etwas zurückgelegt, damit er fürs erste über die Runden kommt. Ansonsten ist der Schriftstellerberuf nichts weiter als gewöhnliche Arbeit: Morgens an die Schreibmaschine setzen und etwas tun, egal was. Denn zu den intuitiven Schreibern, erklärt Göhre, gehört er nicht. "Ich muss einfach etwas tun, da steckt noch irgendwo der Bürokrat in mir!". Also beschäftigt er sich mit einen Rechercheunterlagen, wenn ihm nichts einfällt, schriebt Tonbandprotokolle ab, ordnet und sortiert sein Archivmaterial, das er über jugendliche zusammengetragen hat.

Wie macht er es aber, dass er genau den Ton trifft, den die 18 und 19 jährigen sprechen, genau die Gefühle kennt, die sie bewegen? Das Problem ist für Frank Göhre keines, denn er hat sich von Anfang an mit Jugendlichen beschäftigt. In der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung ist er Anfang der 70er -Jahre aktiv gewesen, seitdem ist der Kontakt nicht mehr abgerissen.
Nur mit denen, die heute 15 oder 16 Jahre alt sind, und vielleicht sein gerade in der Rowohlt-Panther-Reihe neu aufgelegtes Buch 'So läuft das nicht' kaufen, mit denen kommt er - wie er ein wenig erstaunt und verwundert zugibt, nicht ganz so gut zurecht, weil er ihre Lebenshaltung nicht versteht. Aber tragisch ist das nicht, denn Frank Göhre schreibt zwar Bücher über Jugendliche, aber nicht nur für Jugendliche: "Die haben doch die gleichen Probleme •wie die Dreißigjährigen! "

Frank Göhre: Gekündigt (1974) Weissmann-Verlag,
Schnelles Geld, Weissmann-Verlag,
So läuft das nicht, rororo-panther 4639. .

Reinhard Jahn" Leute erfinden kann ich nicht" - Portrait Frank Göhre
Veröffentlicht in:
Marabo-Magazin, Bochum
Heft 8 (August) / 1981
S. 31-32