29.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Ein Fall für Nancy Drew


Carolyn Keene:  

Ein Fall für Nancy Drew – Das unheimliche Geisterpferd

München: Franz Schneider Taschenbuch  226, 1980
 

Nancy Drew, die 16- bzw 18-jährige Tochter eines verwitweten Rechtsanwaltes, ist eine der Mütter aller weiblichen Schnüfflerinnen. Getreu dem Motto dass hinter jeder starken Frau ein noch stärkerer Mann steht wurde Nancy 1930 vom Publizisten Edward Stratemeyer (1862 – 1930) erfunden.
Die ersten der insgesamt rund 175 Nancy Drew-Abenteuer wurden vor allem von Mildred Wirt Benson geschrieben, nach Edward Stratemeyers Tod nach Szenarios seiner Tochter Harriet Stratemeyer Adams.
Stratemeyer, der auch die "Hardy Boys", "Tom Swift" und "Bomba, den Dschungelboy" erfand, entwickelte das System der Multi-Autorenserie – bei der diverse Autoren langlaufende Romanserien nach standardisierten inhaltlichen  und formalen Vorgaben schrieben. Die Nancy Drew-Abenteuer erschienen unter dem Sammelpseudonym "Carolyn Keene" bis ins Jahr 2013. In den sechzigern wurden die Neuausgaben der alten Nancy Drew Abenteuer stark gekürzt (und teilweise sogar neu geschrieben), um Druckkosten zu sparen. Außerdem wurde "Nancy" bei einem Relaunch weiblicher gestaltet.



Carolyn Keene: Ein Fall für Nancy Drew – Das unheimliche Geisterpferd
München: Franz Schneider Taschenbuch  226, 1980
Nancy Drew Mystery Stories – The Secret of Shadow Ranch



© 1965 by Grosser & Dunlop Inc
Published by arrangement with Stratemeyer Syndiacte
Deutsch von Johanna Bardili
123 Seiten ISBN 3505072265



Ein Fall für Nancy Drew
Das unheimliche Geisterpferd
Ein Schauer läuft Nancy über den Rücken. Mit angehaltenem Atem lauscht die junge Detektivin in die Nacht. Sie wagt es nicht, sich zu bewegen denn daS Geisterpferd geht wieder um.
Hat der Spuk mit den Anschlägen auf die Ranch zu tun? Noch ahnt Nancy
h|cht in welcher Gefahr Sie schwebt...
Die Mädchen-Reihé
Wér jung ist,liebt das Schneider-Buch



„Hier bin ich also!“ rief Nancy Drew, als sie ihre zwei besten Freundinnen umarmte. „Melde mich zur Stelle für einen Spitzen-Urlaub auf der Shadow Ranch!“
„Ich hoffe, du hattest einen guten Flug“, sagte Bess Marvin. Nancy fiel auf, daß die hübsche, etwas mollige blonde Bess nicht wie sonst lächelte.
„Wir sind wirklich froh, daß du da bist“, bemerkte Sarah Payne, ein attraktives, temperamentvolles Mädchen mit kurzen dunklen Haaren. Sie sah sich gespannt in dem überfüllten Warreraurn des Flughafens von Phoenix, der Hauptstadt
Arizonas, um.
„Gehen wir irgendwo hin, wo wir reden können.“
Nancys blaue Augen blickten prüfend auf die beiden Cousi-
nen.
„Was ist los? Irgendwas nicht in Ordnung?“
Bess biß sich auf die Lippe, dann platzte sie heraus:

Mehr Informationen hier
WER IST CAROLYN KEENE? - Die Autorin von Nancy Drew und den Dana Girls - Teil 2: Nancy Drew


WER IST CAROLYN KEENE? - Die Autorin von Nancy Drew und den Dana Girls Teil 3: Ghostwriter

26.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Schach, Mister Cord!



George Griswold: Schach, Mr. Cord!

München: List Taschenbuch 202, 1961
»The Pinned Man«, Deutsch von Magda E. Larssen



Ein Spionageroman aus dem Kalten Krieg, der darüberhinaus auch noch (nach dem ersten Eindruck) vollständig in der Schweiz spielt (und sogar mit einer Figur namens "Franz Studer" aufwartet).
Auf dem hinteren Cover eins der zu jener Zeit üblichen Testimonials "pro Krimi", hier von Wolfgang Weyrauch (1904 – 1980, Schauspieler, Autor, Hörspielautor, Kritiker, Lektor bei Rowohlt).
Er zieht erst mal die "bekannten" Promi-Leser von Krimis heran: Bismarck, Woodrow Wilson, Hemingway, um dann eine Lanze für die aktuellen Krimis (Poe, Christie, Chandler) zu brechen um sich dabei mit dem üblichen Schreibfehler beim Namen von Dashiell Hammett als Krimi-Blindgänger zu outen.

Klappentext: In diesem Spionageroman ist der Gejagte selbst der Jäger und der eigentliche Mr. Cord mattgesetzt, bevor er »Schach!« auch nur rufen hört; unter seinem Namen und mit seinen Parolen versehen schleicht sich der verwegene Detektiv Pepper in den gegnerischen Geheimdienst ein.
Und es beginnt eine aufregende Fernschachpartie von Spionage und Gegenspionage, bei dme die Schweiz das Schachbrett ist.
Einem ganzen Ensemble undurchsichtiger scheinbarer Dutzendmenschen mit sehr genau verteilten Rollen sieht sich der unerschrockene Detektiv Pepper mehr und mehr ausgeliefert, und seine Chancen, heil davonzukommen und darüber hinaus wertvolle Informationen einzubringen, scheinen eins zu hundert zu stehen, zumal schon zwei seiner Helfer als Opfer auf der Strecke geblieben sind.
 

Freispruch für Leser von Kriminalromanen
 Die Zeiten sind längst vorbei, daß man die Detektive in der Literatur mißachtete. Es war in wohl auch recht töricht, denn bedeutende Geister, die mit der Seele des Menschen Bescheid wußten, haben sich schon immer positiv zu den Kriminalgeschichten verhalten. Entweder haben sie selbst welche geschrieben, wie Dickens, Schiller, Fontane oder Ricarda Huch, oder sie haben sie doch leidenschaftlich gern gelesen, wie Bismarck, der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, Gide und Hemingway. Inzwischen aber ist aus dem Vergnügen an den detektivischen Elementen, an Mord, Alibi, Spur und Entlarvung des Täters, geradezu ein Bedürfnis geworden - ein Bedürfnis, das auf das Vergnügen zu verzichten nicht gesonnen ist.
Die Leser von heute wittern im Kriminalroman mehr als eine amüsante Dreingabe zum Alltag, mehr als ein Rätsel oder ein Zauberkunststück. Da kaum noch Abenteuerromane veröffentlicht werden, greifen die Rechtsanwälte und kaufmännischen Angestellten, die Hausfrauen und Ärztinnen zu den Kriminalromanen. Darin finden sie die Auseinandersetzung zwischen Unrecht und Recht, die sie in ihrem eigenen Leben und in den allgemeinen Zusammenhängen unablässig beobachten, literarisch gespiegelt. Und siehe da, und Gott sei Dank, ist es in den Kriminelromanen anders als in der Wirklichkeit: in den Detektivbüchern von Poe, Conan Doyle und Chesterton über Wallace, Agatha Christie und Queen bis zu Chandler, Gardner, Hammet und Simenon siegt der gute Held, der Detektiv, siegt des Gute.
Am Ende eines jeden Kriminalromans, der so ist, wie es sich gehört, wird die Ordnung, die durch den Verbrecher gestört war, wiederhergestellt. Die Welt ist, wenigstens in diesem Fall, gereinigt, und der Leser, der sich wie in kaum einer anderen literarischen Kategorie mit dem Helden identifiziert, hat bei der Suche noch der Wahrheit, bei der Befreiung vom Entsetzen selbst mitgewirkt.
Wolfgang Weyrauch


Die Schachspiel-Metaphorik des Titels und des Klappentextes ist wohl von dem Cover des US-Ausgabe inspiriert.
»The pinned Man« von George Griswold alias Robert George DEAN, erschien 1955.
R.G. Dean (?? – 1989) war ein amerikanischer Journalist, der im Zweiten Weltkrieg als Fahrer bei den Sanitätern gedient hatte. Das Pseudonym »George Griswold« benutzte er für seine vier Spionageromane, »that still have a certain fan following. A character known as Mr. Groode, a shadowy British spymaster, figures in all four novels.«

25.6.17

KOEHLER - Die erste Staffel

out now

KOEHLER – Die erste Staffel

Koehler ist ein Medienprofi. Er ist Berater, Spindoctor, Ghostwriter, PR-Hure. Was er nicht hinkriegt, kriegt keiner hin. Egal ob es die Promotion für den Bestseller eines Serienräubers ist, das Drehbuch für die Jubiläums-Episode einer Seifenoper oder die dreckige Vergangenheit des neuen Teenie-Stars. Wenn Koehler ins Spiel kommt, lösen sich Probleme mit widerspenstigen Schauspielern, karrieregeilen Journalisten oder publicitysüchtigen Showstars in Luft auf. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt.
Wer Koehler mag, braucht Jack Reacher nicht.


Bild: Pixabay

E01 Heiße Geschichte

»Hallo Koehler.« Hugo verstaute die Zigarre in einem Metallröhrchen und schraubte es zu. »Von allen abgewrackten Hotels dieser Welt verschlägt es dich ausgerechnet ins ›Terminus‹? Sag mir warum?«

Als Koehler ins Hotel »Terminus« eincheckt, sieht alles noch nach einem einfachen Job aus. Er geht um einen paar CDs mit den Daten krimineller Börsendeals, die ein geschasster Top-Banker zum Kauf anbietet. Aber dann kommt eins zum anderen – und am Ende kommt keiner mehr so richtig zum Zug. Bis Koehler die Notbremse zieht.

E02 Der Deal

Bendix sah sich um. Sein Blick blieb am Gruga-Turm hängen. »Den wollen sie abreißen, habe ich gehört.«
»Nun komm schon!«, sagte Koehler. »Du hast doch was. Oder du willst was. Also quatsch hier nicht über Bauruinen.«

Koehler braucht eine Story. Und Bendix, das alte Trüffelschwein aus der Lokalredaktion, hat eine Story. Sagt er.

Bild: Pixabay

E03 Finale in Friesland

Kreischalarm garantiert: Flic-Flac, das neue heiße Teenie-Duo ist auf Tour durch die Stadthallen von Friesland. Flic-Flac ist nicht nur hundert Prozent synthetischer Zahnspangen-Pop, sondern auch die Geschichte von zwei Mädels die es aus den Hinterhöfen im Ruhrgebiet bis nach ganz vorn in die Charts schaffen wollen. Doch dann tauchen ein paar ganz spezielle Privatvideos auf. Und Koehler muss Schadensbegrenzung betreiben. Mit allen Mitteln.



 E04 Charlys Story

Charly ist eine Legende unter den Blaulichtreportern im Revier. Kein Verbrechen, über das er nicht schon geschrieben hat, kein Bulle, den er nicht kennt. Aber die Story, die er Koehler zu erzählen hat, toppt alles. Alles fängt ganz harmlos mit einem Bankraub samt Geiselnahme an. Bis Charly ins Spiel kommt…

S01 E05 Der Fetzer
S01 E06 Alles wird gut
S01 E07 Lovely Rita, love me do
S01 E08 Die Kammern der Qual (Bonusepisode)


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10.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Die Todeskarten des Dr. Schreck

John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
 John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
(Dr. Terror's House of Horrors)
Deutsch von Maria Lampus
München: Heyne Taschenbuch Nr 418, 1966
157 Seiten
Bei dem Titel handelt es sich um ein Movie-Tie-In (Roman zum Film) zu der britischen Produktion "Dr. Terror's House of Horrors" aus dem Jahr 1965, laut Wikipedia "directed by veteran horror director Freddie Francis, written by Milton Subotsky, and starring Peter Cushing and Christopher Lee."
Das Cover der US.Ausgabe orientiert sich an dem Filmplakat.


John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
John Burke: Die Todeskarten des Dr. Schreck
DER D-ZUG DES GRAUENS WAR UM 8.43 UHR ABGEFAHREN.
WANN KAM ER AN?
Die fünf Männer, die sich an einem strahlenden Julimorgen in dem D-Zugabteil zusammenfanden, kannten sich nicht, waren einander noch nie begegnet. Wie hätten sie dann vermuten können, daß jener Alte, der als letzter zugestiegen war, jeden von ihnen im Leben des anderen eine verhängnisvolle Rolle spielen lassen würde?
Sie glaubten, der Alte wollte sie lediglich das Gruseln lehren, aber damit hatten sie ihn unterschätzt. Und arglos ließen sie ihn die Spielkarten präsentieren, jene geheimnisvoll teuflischen Karten, durch die man in die Zukunft sah, in e_ine verhängnisvolle Zukunft, in ein tödliches Entsetzen . . .
Ein Horror-Thriller auf der Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit.

8.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Henry Jaeger

Henry Jaeger  (1927 – 2000)

Henry Jaeger, Sohn eines Kupferschmieds, wurde mit 15 zum Flakdienst eingezogen und als Fallschirmjäger eingesetzt. Nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft besuchte er Abendschulen, arbeitete tagsüber als Laborant und faßte den Entschluß, Arzt zu werden. Die Umstände aber verhinderten es -  Jaeger rutschte in die Kriminalität ab.
Nach einer Serie von Raubüberfällen, die er als Kopf der berüchtigten "Jaeger-Bande", wurde er 1955 verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Freiburger Gefängnispfarrer erwirkte für ihn eine Schreiberlaubnis und betraute ihn mit der redaktionellen Leitung der Gefangenenzeitung.
Noch während seiner Haftzeit veröffentlichte Jaeger seinen ersten Roman DIE FESTUNG, der auch von der literarischen Kritik der frühen sechziger Jahre ernsthaft aufgenommen wurde.
1963 wurde Jaeger schließlich durch einen Gnadenerlaß aus der Haft entlassen und arbeitete während seiner Bewährungszeit als Volontär bei der "Frankfurter Rundschau".
In den nächsten Jahren schrieb er eine Reihe zeitkritischer Kriminal-Romane, die jedoch niemals wieder die gleiche positive Resonanz bei der Kritik erzielten wie sein Erstling. Zunehmend registrierte man in Jaegers Werk thematische und stilistische Stagnation und ein Abgleiten in triviale und populäre Muster.

Henry Jaeger: Die Festung
Bergisch-Gladbach: Bastei –Lübbe, Palette 14008
Lizenzausgabe des Verlags Kurt Desch GmbH, München
© Copyright 1962 by Verlag Kurt Desch GmbH, München, Wien, Basel


Henry Jaeger: Die Festung (Bild: Jahn)

Henry Jaeger wurde 1927 in Frankfurt geboren. Schon nach Erscheinen seines ersten Werkes spendeten ihm Kritiker wie Friedrich Sieburg und Hans Habe hohes Lob. Seine großen Romane DAS FREUDENHAUS, DIE BESTRAFTE ZEIT und REBELLION DER VERLORENEN wurden in viele Sprachen übersetzt.

H. Jaeger schrieb über sich selbst: »Meine Arbeiten sind das Ergebnis dunkler Erfahrungen und nachhaltiger Erschütterung. Ich will die Dinge anrühren, sie aufzeigen, sichtbar machen — enthüllen!«
Und so ist der hier vorliegende Roman wie ein Faustschlag, der uns wachrütteln soil, Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen, leben zusammengepfercht in einer alten Festung. Jeder versucht auf seine Weise, der Trostiosigkeit dieses Daseins zu entfliehen‚ von dem einzigen Wunsch beseelt‚ seinem Leben eine Wendung zum Guten zu geben — ein wenig Glück zu finden.  Der Roman wurde unter dem Titel VERDAMMT ZUR SÜNDE mit Martin Held und Hildegard Knef in den Hauptrollen verfilmt.
 
Henry Jaeger:
Unter Anklage

Vollständige Taschenbuchausgabe 1988

Die aparte und lebensfrohe Susanne verliebt sich im Tessin in einen deutschen Maler. Bei einer Ausstellung sieht sie ihr Porträt, das er gemalt hat, ohne sie jemals gesehen zu haben. Sie ist die Traumfrau seiner Phantasie. Doch ihre Liebe scheint keine Zukunft zu haben, denn Susanne ist als Mitwisserin und Hauptzeugin in einen Kriminalfall verwickelt. Ihr Vater sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die beiden Liebenden fliehen in ein abgelegenes Tessiner Tal, um ganz ihren Gefühlen zu leben
Doch die Vergangenheit holt sie auch hier ein...

7.6.17

Nachtfahrt

Walter Serner Preis 1988

Nachtfahrt

Von Karr & Wehner

Eine Hurenfahrt, na klar. Sie blond, Ledermini und rote Bluse, dickes Make-up mit Rouge und Kajalstift bis dorthinaus.
»He, Frollein, fahr'n Sie, Holsterhausen, Klinikum, ja?«
  Der Typ scheint nicht mehr ganz klar zu sein, ist mir fast in den Wagen gefallen, als die beiden an der Segerothstraße eingestiegen sind. Das Milieu kennt man ja: Nordhofstraße, Stahlstraße, gleich neben Krupp. Früher der größte Puff in der Republik.
  Rolf liegt Zuhause im Bett und ich darf durch die Nacht kutschieren. Wagen 19, Angelika Weber auf Nachtschicht, weil ihr lover frisch aus dem Knast kommt. Der Asphalt summt unter den Reifen des Daimlers. Halb drei, nachts.
  »He, Frollein, halten Sie mal.«
Und kaum steh ich, da ist die Blonde schon raus und weg.
  So, wie die läuft, kommt die nicht wieder. Nur komisch, dass der Typ hinten im Wagen nichts sagt. Ich dreh mich um und will wissen, was nun los ist, als er mir entgegenfällt.
  Glasige Augen, totes Gesicht und ein bisschen Blut auf dem Hemd. Scheiße, der ist wirklich tot, der ist mir hier im Wagen abgegangen, denn eingestiegen ist er ja noch selber.
  Sieht wie eine Stichwunde aus, das in seinem Bauch.
  Das muss die Blonde gewesen sein... obwohl - warum soll sie sich ausgerechnet eine Taxe suchen, wenn sie ihn kaltmachen will?
  Die Bullen. Wenn ich den Notruf übern Taxifunk abgebe, sind die in zehn Minuten da. Streifenwagen, Kriminaldauerdienst.
  Die Handtasche liegt neben dem Toten auf der Rückbank. Die muss der Blonden gehören, Leder, dunkelrot und der Verschluss ist aufgesprungen. Sicher, man soll nichts anfassen, aber trotzdem. Lippenstift, Puder, Schlüssel, Tampons, Kaugummi ein paar grüne Pillen und eine Plastikhülle mit Papieren. Bockschein auf den Namen Helga Werz, Lottozettel - auch Helga Werz, Nordhofstraße 24, ein Rezept und ein Foto.
  Die Innenbeleuchtung ist mies, aber trotzdem - auf dem Bild, das ist doch Rolf. Arm in Arm. Mit der Blonden, irgendwo am Strand.

     Er hat noch nicht den Schnäuzer, aber diese langen schwarzen Haare, Locken bis auf die Schulter, wie ein Engel, er sieht jünger aus. Die Blonde im Bikini mit Schmachtaugen und Schmollmund.
Was hat Rolf mit der Blonden zu tun? Warum hab ich mich überhaupt mit ihm eingelassen? Was ist hier überhaupt los?
Irgendein Kollege brettert vorbei und blinkt mich mit der Lichthupe an. Stehenbleiben kann ich hier jedenfalls nicht.
Ich fahre erst mal los, lass das Taxameter weiterlaufen, damit der Vogel auf dem Dach nicht brennt. Mein Gott, 37 Mark 40, die muss ich nachher selber in die Kasse tun.
Richtung Frohnhausen. Ruhiges Wohnviertel, keine Aufregung.
Bloß keine Probleme!, hat Rolf gesagt, als er bei mir eingezogen ist. Erst mal wieder Fuß fassen, dann weitersehen.
Wenn ich zu den Bullen geh, werden die nach der Blonden suchen. Das Foto interessiert die bestimmt auch. Das Foto muss verschwinden, soviel ist klar.
Ich nehm's aus der Hülle raus und steck's in meine Geldtasche. Obwohl - wenn die Bullen die Blonde schnappen, dann kann sie vielleicht was erzählen. Über Rolf undsoweiter. Nein, so geht's auch nicht. Ich muss die Blonde überhaupt vergessen. Und wie, sag ich den Bullen, ist der Tote in meinen Wagen gekommen?
Rüdesheimer Platz. Vorn die Kleingartenanlage.
Erst mal rechts ran und scharf nachgedacht. Keine Probleme - also: keine Leiche in meinem Wagen, keine Fragen, keine Blondine.
Ich muss den Typ rausschmeißen. Und dann weiterfahren. Ich denke nicht, dass einer gesehen hat, wie ich die beiden auf der Segerothstraße eingeladen habe.
Wie lange stehe ich hier schon? Zwei Minuten, drei Minuten? 48,60 auf dem Taxameter. Ich leg den Gang ein und rolle an den Schrebergärten vorbei. Dunkel ist's hier. Okay, Leerlauf rein, aussteigen, rechte Hintertür auf. Der Typ fällt mir halb entgegen. Schwer ist er nicht, ungefähr einsachtzig groß, um die 65 Kilo. Lederjacke, Goldringe an den Fingern und eine Rolex mit Brillanten am Handgelenk. Sowas kostet 30.000, wenn ich jetzt...
Als ob ich keine anderen Probleme hätte. Ich lege ihn unter ein paar Sträucher und dann nichts wie weg.
  Die Handtasche von der Blonden liegt auf dem Beifahrersitz. Ich komme auf die Frohnhauser und merke erst jetzt, dass das Taxameter noch läuft. 56.80 Mark, ich mach' es aus.
Helga Werz, Nordhofstraße 24, steht auf dem Lottozettel und ihrem amtsärztlichen Gesundheitszeugnis. Sie ist also anschaffen gegangen. Und der Tote mit seiner Rolex... ihr Lude? Wahrscheinlich. Und was hat Rolf mit der ganzen Kiste zu tun? War die Blonde mal mit ihm zusammen oder was?
  Ich will das jetzt wissen. Also wieder raus in den Segeroth. Die Blonde muss mir was erzählen. Immerhin war sie dabei, als der Typ gestorben ist. Überhaupt - der Typ ist mir ja beinahe in den Wagen gefallen, geschwankt hat der, und die Blonde wollte zum Klinikum - ja klar, da hat er seine Messerwunde schon gehabt.
Links geht die Nordhofstraße ab.
Blaulicht flackert vor einem der Häuser, und ich brauch gar nicht nachzusehen um zu wissen, das es die Nummer 24 ist. Notarztwagen, Streifenwagen, der Kleinbus von der Kripo.
Leute stehen da, vor der Haustür hält ein Uniformierter Wache, da fällt's nicht auf, wenn ich mich dazustelle. Neben mir turnt einer von der Zeitung rum und fragt die Leute.
  »Bei der Werz haben sie einen kaltgemacht«, sagt einer.
  »Eifersuchtsgeschichte«, höre ich.
  »Streit hat's gegeben«, sagt eine von den Huren. »Der Kunde hat die Helga wohl von früher gekannt und wollte was von ihr. Und da ist der Harry dazugekommen, ihr Lude...tja, mit dem Messer...«
  Jetzt kommen die Sanitäter mit der Trage raus. Einer liegt drauf, das Laken überm Gesicht. Er ist wohl tot und als das Laken runterrutscht, fotografiert der Pressemensch wie wild. Alle drängen und ich seh nur ein kariertes Hemd und schwarze Locken, wie von einem Engel.
  »Mit dem war die Helga mal verheiratet«, sagt jemand.
  Ich muss nach Hause. 

  Bestimmt ist Rolf da. 
  Bestimmt.

Erschienen unter andrem in: 
- In: der lichtblick. Berlin: Nr.11-12/1988.
- In: Heyne Krimi Jahresband 1989. München: Heyne 1989. (= TB 2260).
- In: die horen. Hannover: Nr.154/1989.

 

Nightdrive

by Karr & Wehner

Of course, I'm driving a hustler. She's blonde, leather miniskirt and red blouse, thick make-up with heavy-duty blush and black eyeliner.
  "Hey, lady, take us to Holsterhausen, the hospital, okay?"
  The guy seems to be a little fuzzy: almost fell into my ca when I picked up the two of them in Segeroth Street. You know the neigherborhood: Nordhof Street, Stahl Street, right next to Krupp. Used to be the biggest whorehouse in the Republic.
  While Rolf is at home in bed, I get to drive around all night long. Taxi No. 19, Angelika Weber doing night shift because her loverboy only just got out of jail. The asphalt is humming under zhe Benz's tires. Half past two in the morning.
 "Hey, lady, stop here a moment."
 And I've hardly come to a stop when the blonde's already out and gone. 
   The way she's running she's not coming back. Seems funny that the guy in the back of the car isn't saying anything. I turn around to ask him what the deal is, when he sudenly falls towards me.
  Glassy eyes, dead-looking face, and a little blood on the shirt. Shit, he's really dead, he croaked right here in the car, after all, he got in on his own.
  That looks like a stab wound in his stomach.
  It must have been the blonde...although - why would she pick a taxi of all places for bumping him off?
  The cops. If I call the emergency number on my taxi radio they'll be here in ten minutes. Squad car, round-the-clock detectives.
  A handbag's lying next to the dead man on the seat. Must be the blonde's. Dark red leather, and the lock's snapped open. Sure, you're not supposed to touch anything, but still... Lipstick, compact, keys, tampons, chewing gum, a few green pills and some papers in a plastic holder. Hustler pass, made out to Helga Werz; lottery coupon - also Helga Werz, Nordhof Street 24; a prescription and a photo.
  The lighting in here is pretty bad, but still - the one in the picture, that's gotta be Rolf. Arm in Arm with the blonde, somewhere on a beach. He doesn't have the moustache yet, but that's his long black hair, curls down to his shoulders, like an angel; he looks younger, too. The blonde in a bikini with bedroom eyes and pouting lips.
 Qhat's Rolf got to do with the blonde? Why did I get involved with him anyway? And just what is going on here?
  Some colleague races by and blinks his high-beam at me. I definitly can't stay here.
  So I drive off for now, keep the meter running so that the dingbat on the roof doesn't light up. Good lord, that's 37 Marks and 40: I'm gonna have to put that in out of my own pocket.
  Drive towards Frohnhausen. Qiet residential area, no excitement.
  "Please, no problems!" Rolf said when he moved in with me. First, get back on the level, then figure out what next.
  If I call the cops, they'll search the blonde. I'm sure they'll be interested in the photo, too. The photo's gotta disappear, that much is clear.
  I take it out of the holder and put it in my cash pouch. Although - if the cops get the blonde, maybe she'll talk. About Rolf and so on. No, that's no good. I gotta forget the blonde altogether. But what do I tell the cops about how this dead guy got into my car?
  Rüdesheimer Place. First the allotment area.
  Pull up to the curb and think hard. No problems - that means: no corpse in my car, no questions, no blonde.
  I've gotta throw this guy out. And then drive on. I don't think anybody saw me pick up these two on Segeroth Street.
  How long have I been standing here? Two minutes, three minutes? 48 Marks 60 on the meter. I put her in gear and roll past the allotments. It's dark here. Okay, put her in neutral, get out, open the right back door. The guy almost falls out. He's not that heavy, maybe five eleven tall, around 150 pounds. Leather jacket, gold finger-rings, and a Rolex with diamonds on his wrist. That's worth at least 30,000 - if I took...
  As if I didn't have enough problems. I put him under a few bushes and get out of there.
  The blonde's handbag is lying on the passenger seat. I get to Frohnhauser and realize only then that the meter ist still on. 56 Marks 80, I make it up.
  Helga Werz, Nordhof Street 24 is the adress on the lottery coupon and her Public Health Department certification. She's a hustler alright. And the stiff with the Rolex... her pimp? Probably. And what's Rolf got to do with whole shebang? Did the blonde date him once or something?
  Now I want to know. So back again to Segeroth. The blonde's gotta talk to me. Anyway, she was there then when the guy died. Actually - that guy almost fell into my car, he was staggering, and the blonnde wanted me to go to the hospital - of course, he already had the stab wound then.
  Nordhof Street is on the left.
  Blue lights flicker in front of the houses, and I don't need to check to know that it's Number 24. Ambulance, squad car, the feds' minivan.
  People are standing around, a guy in uniform guards the front door; noboddy will notice if I join the crowd. Someone from the newspaper is next to me, doing his thing, asking questions.
  "A guy was bumped off in Werz's apartment," someone says.
  "Some jealousy thing," I heard.
  "They were fighting," says one of the whores. "I guess the client had known Helga before and was getting out of line. So Harry comes in, her pimp...yeah, with a knife..."
  Now the paramedics come out with the stretcher. Someone's lying on it, a sheet over his face. I guess he's dead, and when the sheet slips down the press guy starts taking pictures like crazy. Everyone crowds around and all I can see is a plaid shirt and black curls, like those of an angel.
   "Helga was married to him once," someone says.
  I've gotta get home. Rolf will be there for sure. Fur sure.
 

(Translated by Ulrike Emigh).

2.6.17

Tatort Ruhrort: Tod auf der Kohleninsel

Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka
Foto: Jahn

Buchvorstellung am Kulturkiosk in Ruhrort

Das hier ist das Autorenteam Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka bei der Vorstellung ihres aktuellen Buches. Der Roman heißt: Tod auf der Kohleninsel, erschienen im Emons Verlag:
Alles beginnt in der Schimmi-Gasse in Ruhrort, da wo Duisburg am duisburgigsten ist. Theo Bosman kämpft gerade gegen einen gewaltigen Hangover, als ihn sein Sohn anruft: "Papa, du musst kommen. Auf die Kohleninsel. Hier liegt eine Leiche."

Rüskamp/Toschka
Tod auf der Kohleninsel
Emons