20.4.17

Ron Goulart: Die Panchronicon-Verschwörung

Aus der hintersten Ecke des Krimi-Archivs:
Ron Goulart: Die Panchronicon-Verschwörung
(The Panchronicon-Plot, 1977)
Deutsch von Norbert Stresau
Ullstein SF 31156, 1978

Jake Conger, der Unsichtbare, wird von der Abteilung für Spezialtalente gebeten, den Beweis anzutreten, daß der Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur völlig ausgerastet ist, sondern sich seiner Gegner entledigt, indem er sie per Zeitmaschine in die verschiedensten Perioden der irdischen Vergangenheit »verbannt«.Gibt es eine bessere Methode, sich seiner politischen Widersacher zu entledigen, als sie per Zeitmaschine in die Vergangenheit zu schicken? Von Mord kann dabei ja nicht unbedingt die Rede sein — doch vielleicht gerät der Lauf der Geschichte ein wenig durcheinander? _
Bei der Aufklärung des Falles findet Conger sich unverhofft in einem absurden Alptraum wieder: Das alte Wien, der Wilde Westen und die moderne Neuzeit des 21. ]ahrhunderts sind die exotischen Schauplätze dieser satirischen Tour de Force, die nur ein Humorist wie Ron Goulart schreiben kann!



Ron Goulart (*1933) – alias Chad Calhoun, R.T. Edwards, Ian R, Jamieson, Josephine Kains, Jillian Kearny, Howard Lee, Zeke Masters, Frank S. Shawn, Joseph Silva – kann man getrost als Multi-Talent mit zahlreichen Interessen bezeichnen. Er war Mit-Autor von Comic-Serials ("Phantom", "Vampirella" etc), schrieb Sachbücher über Pulps, Movie-Tie-Ins ("Unternehmen Capricorn" 1978), Romance, parodistische Science Fiction, sowie – natürlich – Kriminalromane. Dazu erweckte der Groucho Marx wieder zum Leben – mit "Groucho Marx, Master Detective" (1998, deutsch 2010 als "Groucho Marx, Meisterdetektiv" bei Ed Phantastica) begann er einer Serie um die detektivischen Abenteuer des Marx-Bruders. Die anderen Bände der Serie scheinen nicht auf deutsch erschienen zu sein.
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10.4.17

Krimi der Woche: Die Miete im Keller


Die Miete im Keller

Von Meike Doppler

Marion Brenner mischte gerade den Salat, als ihr Mann aus dem Garten kam. »Wir bekommen Besuch!«
Durch Küchenfenster sahen sie den Streifenwagen der Waldroder Polizei vorm Haus stoppen.
»Hallo, Sheriff!«, begrüßte Walter den Ortspolizisten Bruno Kempkes. »Marion kocht gerade. Willst du mit uns essen?«
»Ich bin dienstlich hier!«, erklärte Kempkes. »Der Fall Schering - ihr habt davon gehört?«
»Wer hat das nicht!«, sagte Walter. Fred Schering, Viehbaron der Region, war seit drei Tagen verschwunden. Die letzte Spur von ihm war sein zerbeulter Luxuswagen im Straßengraben der Ortsumfahrt Waldrode.
»Heute morgen ist eine Lösegeldforderung eingegangen«, sagte der Polizist. »Die Kidnapper haben sich an den Geschäftsführer seines Mastbetriebes gewandt. Eine halbe Million Euro. Kleine Scheine, und so weiter. Übergabe soll heute Abend in Birkengrund sein. Das liegt ja gleich bei euch nebenan. Deshalb wollte ich fragen, ob ihr etwas Auffälliges bemerkt habt.«
»Haben wir?« Marion sah Walter an. 
»Haben wir nicht«, sagte Walter. »Der Birkengrund und alles drumherum gehört Schering. Auch unser Haus. Womöglich kennen sich die Kidnapper hier aus.«
Marion gab Dressing über den Salat. »Wollt ihr den Kidnappern bei der Geldübergabe eine Falle stellen?«
Polizeihauptmeister Kempkes schnaufte verächtlich. »Das haben uns die Superbullen vom LKA verboten, die wir einschalten mussten. Damit würden wir angeblich Scherings Leben gefährden.«
»Also keine Falle?«
»Leider nicht«, sagte Kempkes und tippte sich an die Dienstmütze. »Ich muss weiter. Guten Appetit noch!«
Marion und Walter warteten, bis Kempkes mit seinem Polizeiwagen in Richtung Birkengrund fortgefahren war. »Ob er etwas bemerkt hat?«, fragte Marion.
»Was soll er bemerkt haben?« Walter legte seinen Arm um ihre Schulter. »Er wollte nur sein Herz ausschütten, weil diese LKA-Leute ihm den Fall abgenommen haben.«
»So haben wir allerdings erfahren, dass es bei der Geldübergabe keine Falle geben wird!« Marion musste lächeln. »Wenn der gute Kempkes wüsste, wie sehr er uns mit diesem Tipp geholfen hat. Morgen sind wir um eine halbe Million Euro reicher!«
Walter Brenner hatte den Viehbaron vor drei Tagen im Morgengrauen stockbetrunken und schlafend in seinem verunglückten Luxuswagen gefunden, ihm kurzerhand einen Jutebeutel über den Kopf gestülpt und ihn mitgenommen. Seitdem hockte Schering unten im Keller. »Mit der halben Million können wir unsere Mietrückstände für das Haus bei ihm bezahlen«, sagte Marion zufrieden. »Und vielleicht reicht der Rest dann noch, um ihm später das Haus hier abzukaufen.«

Titel: Die Miete im Keller
Autor: Meike Doppler

© beim Autor/Jahn facts&fiction
Veröffentlicht in: Badische Neueste Nachrichten,
Ausgabe 14/2017 vom 8.4.2017

3.4.17

Britta Bolt:
Das Büro der einsamen Toten

Gut zu wissen – wenn man in Amsterdam anonym stirbt, sind da Pieter Posthumus und seine beiden Kollegen vom Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen, die sich um einen kümmern. Nach Angehörigen suchen oder ein anonymes Begräbnis auf Staatskosten arrangieren.
Die Zentrale von Pieters Leben ist weniger das Büro sondern die In-Kneipe De Dolle Hond, die seine Fast-Freundin Anna betreibt.
Pieter ist eher ein Grübler, einer, der die Toten ernst nimmt, um die er sich kümmert. Wie etwa den Selbstmörder, der ein Heft mit sehr seltsamen Gedichten hinterlassen hat. Oder eben den Toten, der stundenlang durch die Grachten getrieben ist, ehe angeschwemmt wurde. Ein junger Marokkaner im traditionellen Gewand. Wir Leser wissen bald mehr über die Herkunft des Jungen, sein Umfeld in der Migranten-Szene. Und über die Staatsschutzaktion, die von allen fast unbemerkt abläuft, getrieben von einem ehrgeizigen Beamten, der auf Gedeih und Verderb eine geplante Terror-Aktion sehen will…

Neben den sehr differenziert gezeichneten Figuren spielt Amsterdam die zweite Hauptrolle in diesem Buch – das man wegen der vielen liebevollen Beschreibungen der Stadt wahrscheinlich sogar streckenweise als Reiseführer benutzen könnte.
Britta Bolt ist das Autorenduo Britta Böhler und Rodney Bolt. Er ein Reisejournalist mit südafrikanischen Wurzeln, sie Juristin aus Freiburg und jetzt Rechtsprofessorin in den Niederlanden.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)
Britta Bolt
Das Büro der einsamen Toten
Hoffmann und Campe


2.4.17

Jussi Adler-Olsen: Verheissung

Der sechste Fall für Carl Moerk und sein Team - Einsatz auf Bornholm: dort hat sich Polizeikommissar Christian Habersaat beis einer Verabscheidung in den Ruhestand erschossen. Als Appell will er die tat verstehen, dass Moerk und sein Dezernat sich um die Aufklörung eines Falles kümmenr, an dme er in den letzten siebzehn Jahren vergeblich recherchiert hat. Eine junge Frau ist seinerzeit auf bizarre Art und Weise ums Leben gekommen – bei einem Unafll mit Fahrerflucht. Oder war es doch Mord?
Mork und sein Kollege Assad geraten bei ihren Ermittlungen die Szene  der Späthippies, die seinerzeit auf Bornholm lebten. Unter ihnen ein charismatischer junger Mann, mit dme die Tote zusammenwar. Doch die Spur des Mannes ist schwer aufzunehmen – nur wir ahnen, dass es sich bei ihm möglicherweise um den selbsternannten Sonnen-und Lichtguru handelt, von dem in einem zweiten Handlungsstrang erzählt wird. Und von der mörderischen Liebe seiner engsten Vertrauten.

Jussi Adler-Olsen lässt sich Zeit, erzählt opulent bis ausufernd, wie die beiden Geschichten sich langsam aufeinander zubewegen. Das ist gute Krimi-Unterhaltung auf hohem handwerklichen Niveau, stets interessant, gelegentlich voller Humor und vor allem immer spannend durch seine interessanten Ermittlerfiguren.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Jussi Adler-Olsen
Verheissung
dtv

1.4.17

Der perfekte Einstieg oder: drei tolle Krimi-Anfänge


Agatha Christie (1890 bis 1976)
16 Uhr 50 ab Paddington

Keuchend folgte Mrs. McGillicuddy dem Gepäckträger, der ihren Koffer über den Bahnsteig trug. Mrs. McGillicuddy war klein und beleibt, der Gepäckträger war groß und machte weit ausgreifende Schritte. Mrs. McGillicuddy war zudem mit etlichen Paketen beladen, den Früchten der Weihnachtseinkäufe eines ganzen Tages. Es war daher ein ungleiches Rennen, und der Gepäckträger verschwand schon um die Ecke am Ende des Bahnsteigs, als Mrs. McGillicuddy noch die Gerade entlang hastete.


4.50 FROM PADDINGTON
© 1957 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
16 Uhr 50 ab Paddington
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
© 2000 Scherz Verlag, Bern, München, Wien
für die Neuausgabe in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach




John le Carré (geb 1931)
Der Spion, der aus der Kälte kam

Der Amerikaner reichte Leamas noch eine Tasse Kaffee und sagte: » arum gehen Sie nicht heim und legen sich schlafen? Wir können Sie anrufen, wenn er auftaucht.«
Leamas sagte nichts, er starrte durch das Fenster der Kontrollbaracke die leere Straße hinunter.
»Sie können nicht ewig warten, Sir. Vielleicht kommt er zu einem anderen Zeitpunkt. Wir könnten die Polizei bitten, die Dienststelle anzurufen. Sie wären innerhalb von zwanzig Minuten wieder hier.«
»Nein«, sagte Leamas, »es ist jetzt fast dunkel.«
»Aber Sie können nicht ewig warten. Er ist jetzt schon neun Stunden überfällig.«
»Wenn Sie wollen, gehen Sie.« Leamas fügte hinzu: »Sie sind sehr hilfsbereit gewesen. Ich werde sagen, daß Sie verdammt anständig waren.«
»Aber wie lange wollen Sie warten?«
»Bis er kommt.« Leamas ging zum Beobachtungsfenster und stellte sich zwischen die zwei bewegungslosen Polizisten. Ihre Feldstecher waren auf den ostzonalen Kontrollpunkt gerichtet.

© 1964 by Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien
© der deutschen Übersetzung Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien 1964



Raymond Chandler (1888 bis 1959)
Der große Schlaf


Es war gegen elf Uhr morgens, Mitte Oktober, ein Tag ohne Sonne und mit klarer Sicht auf die Vorberge, was klatschkalten Regen verhieß. Ich trug meinen kobaltblauen Anzug mit dunkelblauem Hemd, Schlips und Brusttaschentuch, schwarze Sportschuhe und schwarze Wollsocken mit dunkelblauem Muster. Ich war scharf rasiert, sauber und nüchtern - egal nun, ob´s einer merkte. Ich war haargenau das Bild vom gutgekleideten Privatdetektiv. Ich wurde von vier Millionen Dollar erwartet.


Raymond Chandler ›The Big Sleep‹
Copyright © 1939 by Helga Greene Literary Agency
Der große Schlaf
Neu übersetzt von  Gunar Ortlepp
Copyright © 1974 Diogenes Verlag AG Zürich


Sophie Hannah: Die Monogramm-Morde


Hercule Poirot ist tot – die Fans des kleinen belgischen Meisterdetektivs wissen das: er starb in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in dem Roman "Vorhang"  (Curtain), den Agatha Christie bereits zur Zeit ihrer größten Erfolge "auf Vorrat" geschrieben hatte.
Deshalb hat  Sophie Hannah  "Die Monogramm-Morde", in denen sie Poirot mit Erlaubnis der Christie-Erben wieder aufleben lässt., ins London des Jahres 1929 versetzt. Poirot hat sich eine Auszeit genommen und sich in die Pension von Mrs Blanche Unsworth zurückgezogen, wo er sich mit Inspektor Edward Catchpool von Scotland Yard angefreundet hat. Der muss einen ebenso mysteriösen wie grausamen Fall bearbeiten: Drei Tote in einer Nacht im Bloxham Hotel, zwei Frauen und ein Mann, alle aufgefunden wie aufgebahrt, und jeder  mit einem Manschettenknopf im Mund, auf dem die Initialen P-I-J stehen. Ein Fall, der Poirot sofort interessiert, weil er glaubt, das seine Begegnung mit einer verstörten jungen Frau in einem Coffee House damit in Verbindung steht. Und er stellt aufgrund der Tatsache, dass jeder der drei Toten im Hotel einen Manschettenknopf im Mund hatte, die einzig logische Frage: Wo ist der vierte Manschettenknopf?
Intelligenter Lesestoff für die kleinen grauen Zellen eines jeden Krimifans.
Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung

Sophie Hannah:
Die Monogramm-Morde
Hoffmann und Campe