26.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Schach, Mister Cord!



George Griswold: Schach, Mr. Cord!

München: List Taschenbuch 202, 1961
»The Pinned Man«, Deutsch von Magda E. Larssen



Ein Spionageroman aus dem Kalten Krieg, der darüberhinaus auch noch (nach dem ersten Eindruck) vollständig in der Schweiz spielt (und sogar mit einer Figur namens "Franz Studer" aufwartet).
Auf dem hinteren Cover eins der zu jener Zeit üblichen Testimonials "pro Krimi", hier von Wolfgang Weyrauch (1904 – 1980, Schauspieler, Autor, Hörspielautor, Kritiker, Lektor bei Rowohlt).
Er zieht erst mal die "bekannten" Promi-Leser von Krimis heran: Bismarck, Woodrow Wilson, Hemingway, um dann eine Lanze für die aktuellen Krimis (Poe, Christie, Chandler) zu brechen um sich dabei mit dem üblichen Schreibfehler beim Namen von Dashiell Hammett als Krimi-Blindgänger zu outen.

Klappentext: In diesem Spionageroman ist der Gejagte selbst der Jäger und der eigentliche Mr. Cord mattgesetzt, bevor er »Schach!« auch nur rufen hört; unter seinem Namen und mit seinen Parolen versehen schleicht sich der verwegene Detektiv Pepper in den gegnerischen Geheimdienst ein.
Und es beginnt eine aufregende Fernschachpartie von Spionage und Gegenspionage, bei dme die Schweiz das Schachbrett ist.
Einem ganzen Ensemble undurchsichtiger scheinbarer Dutzendmenschen mit sehr genau verteilten Rollen sieht sich der unerschrockene Detektiv Pepper mehr und mehr ausgeliefert, und seine Chancen, heil davonzukommen und darüber hinaus wertvolle Informationen einzubringen, scheinen eins zu hundert zu stehen, zumal schon zwei seiner Helfer als Opfer auf der Strecke geblieben sind.
 

Freispruch für Leser von Kriminalromanen
 Die Zeiten sind längst vorbei, daß man die Detektive in der Literatur mißachtete. Es war in wohl auch recht töricht, denn bedeutende Geister, die mit der Seele des Menschen Bescheid wußten, haben sich schon immer positiv zu den Kriminalgeschichten verhalten. Entweder haben sie selbst welche geschrieben, wie Dickens, Schiller, Fontane oder Ricarda Huch, oder sie haben sie doch leidenschaftlich gern gelesen, wie Bismarck, der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, Gide und Hemingway. Inzwischen aber ist aus dem Vergnügen an den detektivischen Elementen, an Mord, Alibi, Spur und Entlarvung des Täters, geradezu ein Bedürfnis geworden - ein Bedürfnis, das auf das Vergnügen zu verzichten nicht gesonnen ist.
Die Leser von heute wittern im Kriminalroman mehr als eine amüsante Dreingabe zum Alltag, mehr als ein Rätsel oder ein Zauberkunststück. Da kaum noch Abenteuerromane veröffentlicht werden, greifen die Rechtsanwälte und kaufmännischen Angestellten, die Hausfrauen und Ärztinnen zu den Kriminalromanen. Darin finden sie die Auseinandersetzung zwischen Unrecht und Recht, die sie in ihrem eigenen Leben und in den allgemeinen Zusammenhängen unablässig beobachten, literarisch gespiegelt. Und siehe da, und Gott sei Dank, ist es in den Kriminelromanen anders als in der Wirklichkeit: in den Detektivbüchern von Poe, Conan Doyle und Chesterton über Wallace, Agatha Christie und Queen bis zu Chandler, Gardner, Hammet und Simenon siegt der gute Held, der Detektiv, siegt des Gute.
Am Ende eines jeden Kriminalromans, der so ist, wie es sich gehört, wird die Ordnung, die durch den Verbrecher gestört war, wiederhergestellt. Die Welt ist, wenigstens in diesem Fall, gereinigt, und der Leser, der sich wie in kaum einer anderen literarischen Kategorie mit dem Helden identifiziert, hat bei der Suche noch der Wahrheit, bei der Befreiung vom Entsetzen selbst mitgewirkt.
Wolfgang Weyrauch


Die Schachspiel-Metaphorik des Titels und des Klappentextes ist wohl von dem Cover des US-Ausgabe inspiriert.
»The pinned Man« von George Griswold alias Robert George DEAN, erschien 1955.
R.G. Dean (?? – 1989) war ein amerikanischer Journalist, der im Zweiten Weltkrieg als Fahrer bei den Sanitätern gedient hatte. Das Pseudonym »George Griswold« benutzte er für seine vier Spionageromane, »that still have a certain fan following. A character known as Mr. Groode, a shadowy British spymaster, figures in all four novels.«

25.6.17

KOEHLER - Die erste Staffel

bald...

KOEHLER – Die erste Staffel

Koehler ist ein Medienprofi. Er ist Berater, Spindoctor, Ghostwriter, PR-Hure. Was er nicht hinkriegt, kriegt keiner hin. Egal ob es die Promotion für den Bestseller eines Serienräubers ist, das Drehbuch für die Jubiläums-Episode einer Seifenoper oder die dreckige Vergangenheit des neuen Teenie-Stars. Wenn Koehler ins Spiel kommt, lösen sich Probleme mit widerspenstigen Schauspielern, karrieregeilen Journalisten oder publicitysüchtigen Showstars in Luft auf. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt.
Wer Koehler mag, braucht Jack Reacher nicht.


Bild: Pixabay

E01 Heiße Geschichte

»Hallo Koehler.« Hugo verstaute die Zigarre in einem Metallröhrchen und schraubte es zu. »Von allen abgewrackten Hotels dieser Welt verschlägt es dich ausgerechnet ins ›Terminus‹? Sag mir warum?«

Als Koehler ins Hotel »Terminus« eincheckt, sieht alles noch nach einem einfachen Job aus. Er geht um einen paar CDs mit den Daten krimineller Börsendeals, die ein geschasster Top-Banker zum Kauf anbietet. Aber dann kommt eins zum anderen – und am Ende kommt keiner mehr so richtig zum Zug. Bis Koehler die Notbremse zieht.

E02 Der Deal

Bendix sah sich um. Sein Blick blieb am Gruga-Turm hängen. »Den wollen sie abreißen, habe ich gehört.«
»Nun komm schon!«, sagte Koehler. »Du hast doch was. Oder du willst was. Also quatsch hier nicht über Bauruinen.«

Koehler braucht eine Story. Und Bendix, das alte Trüffelschwein aus der Lokalredaktion, hat eine Story. Sagt er.

Bild: Pixabay

E03 Finale in Friesland

Kreischalarm garantiert: Flic-Flac, das neue heiße Teenie-Duo ist auf Tour durch die Stadthallen von Friesland. Flic-Flac ist nicht nur hundert Prozent synthetischer Zahnspangen-Pop, sondern auch die Geschichte von zwei Mädels die es aus den Hinterhöfen im Ruhrgebiet bis nach ganz vorn in die Charts schaffen wollen. Doch dann tauchen ein paar ganz spezielle Privatvideos auf. Und Koehler muss Schadensbegrenzung betreiben. Mit allen Mitteln.



 E04 Charlys Story

Charly ist eine Legende unter den Blaulichtreportern im Revier. Kein Verbrechen, über das er nicht schon geschrieben hat, kein Bulle, den er nicht kennt. Aber die Story, die er Koehler zu erzählen hat, toppt alles. Alles fängt ganz harmlos mit einem Bankraub samt Geiselnahme an. Bis Charly ins Spiel kommt…

S01 E05 Der Fetzer
S01 E06 Alles wird gut
S01 E07 Lovely Rita, love me do
S01 E08 Die Kammern der Qual (Bonusepisode)


bei neobooks, thalia.de, amazon.de und vielen anderen shops

10.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Die Todeskarten des Dr. Schreck

John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
 John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
(Dr. Terror's House of Horrors)
Deutsch von Maria Lampus
München: Heyne Taschenbuch Nr 418, 1966
157 Seiten
Bei dem Titel handelt es sich um ein Movie-Tie-In (Roman zum Film) zu der britischen Produktion "Dr. Terror's House of Horrors" aus dem Jahr 1965, laut Wikipedia "directed by veteran horror director Freddie Francis, written by Milton Subotsky, and starring Peter Cushing and Christopher Lee."
Das Cover der US.Ausgabe orientiert sich an dem Filmplakat.


John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
John Burke: Die Todeskarten des Dr. Schreck
DER D-ZUG DES GRAUENS WAR UM 8.43 UHR ABGEFAHREN.
WANN KAM ER AN?
Die fünf Männer, die sich an einem strahlenden Julimorgen in dem D-Zugabteil zusammenfanden, kannten sich nicht, waren einander noch nie begegnet. Wie hätten sie dann vermuten können, daß jener Alte, der als letzter zugestiegen war, jeden von ihnen im Leben des anderen eine verhängnisvolle Rolle spielen lassen würde?
Sie glaubten, der Alte wollte sie lediglich das Gruseln lehren, aber damit hatten sie ihn unterschätzt. Und arglos ließen sie ihn die Spielkarten präsentieren, jene geheimnisvoll teuflischen Karten, durch die man in die Zukunft sah, in e_ine verhängnisvolle Zukunft, in ein tödliches Entsetzen . . .
Ein Horror-Thriller auf der Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit.

8.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Henry Jaeger

Henry Jaeger  (1927 – 2000)

Henry Jaeger, Sohn eines Kupferschmieds, wurde mit 15 zum Flakdienst eingezogen und als Fallschirmjäger eingesetzt. Nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft besuchte er Abendschulen, arbeitete tagsüber als Laborant und faßte den Entschluß, Arzt zu werden. Die Umstände aber verhinderten es -  Jaeger rutschte in die Kriminalität ab.
Nach einer Serie von Raubüberfällen, die er als Kopf der berüchtigten "Jaeger-Bande", wurde er 1955 verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Freiburger Gefängnispfarrer erwirkte für ihn eine Schreiberlaubnis und betraute ihn mit der redaktionellen Leitung der Gefangenenzeitung.
Noch während seiner Haftzeit veröffentlichte Jaeger seinen ersten Roman DIE FESTUNG, der auch von der literarischen Kritik der frühen sechziger Jahre ernsthaft aufgenommen wurde.
1963 wurde Jaeger schließlich durch einen Gnadenerlaß aus der Haft entlassen und arbeitete während seiner Bewährungszeit als Volontär bei der "Frankfurter Rundschau".
In den nächsten Jahren schrieb er eine Reihe zeitkritischer Kriminal-Romane, die jedoch niemals wieder die gleiche positive Resonanz bei der Kritik erzielten wie sein Erstling. Zunehmend registrierte man in Jaegers Werk thematische und stilistische Stagnation und ein Abgleiten in triviale und populäre Muster.

Henry Jaeger: Die Festung
Bergisch-Gladbach: Bastei –Lübbe, Palette 14008
Lizenzausgabe des Verlags Kurt Desch GmbH, München
© Copyright 1962 by Verlag Kurt Desch GmbH, München, Wien, Basel


Henry Jaeger: Die Festung (Bild: Jahn)

Henry Jaeger wurde 1927 in Frankfurt geboren. Schon nach Erscheinen seines ersten Werkes spendeten ihm Kritiker wie Friedrich Sieburg und Hans Habe hohes Lob. Seine großen Romane DAS FREUDENHAUS, DIE BESTRAFTE ZEIT und REBELLION DER VERLORENEN wurden in viele Sprachen übersetzt.

H. Jaeger schrieb über sich selbst: »Meine Arbeiten sind das Ergebnis dunkler Erfahrungen und nachhaltiger Erschütterung. Ich will die Dinge anrühren, sie aufzeigen, sichtbar machen — enthüllen!«
Und so ist der hier vorliegende Roman wie ein Faustschlag, der uns wachrütteln soil, Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen, leben zusammengepfercht in einer alten Festung. Jeder versucht auf seine Weise, der Trostiosigkeit dieses Daseins zu entfliehen‚ von dem einzigen Wunsch beseelt‚ seinem Leben eine Wendung zum Guten zu geben — ein wenig Glück zu finden.  Der Roman wurde unter dem Titel VERDAMMT ZUR SÜNDE mit Martin Held und Hildegard Knef in den Hauptrollen verfilmt.
 
Henry Jaeger:
Unter Anklage

Vollständige Taschenbuchausgabe 1988

Die aparte und lebensfrohe Susanne verliebt sich im Tessin in einen deutschen Maler. Bei einer Ausstellung sieht sie ihr Porträt, das er gemalt hat, ohne sie jemals gesehen zu haben. Sie ist die Traumfrau seiner Phantasie. Doch ihre Liebe scheint keine Zukunft zu haben, denn Susanne ist als Mitwisserin und Hauptzeugin in einen Kriminalfall verwickelt. Ihr Vater sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die beiden Liebenden fliehen in ein abgelegenes Tessiner Tal, um ganz ihren Gefühlen zu leben
Doch die Vergangenheit holt sie auch hier ein...

7.6.17

Nachtfahrt

Walter Serner Preis 1988

Nachtfahrt

Von Karr & Wehner

Eine Hurenfahrt, na klar. Sie blond, Ledermini und rote Bluse, dickes Make-up mit Rouge und Kajalstift bis dorthinaus.
»He, Frollein, fahr'n Sie, Holsterhausen, Klinikum, ja?«
  Der Typ scheint nicht mehr ganz klar zu sein, ist mir fast in den Wagen gefallen, als die beiden an der Segerothstraße eingestiegen sind. Das Milieu kennt man ja: Nordhofstraße, Stahlstraße, gleich neben Krupp. Früher der größte Puff in der Republik.
  Rolf liegt Zuhause im Bett und ich darf durch die Nacht kutschieren. Wagen 19, Angelika Weber auf Nachtschicht, weil ihr lover frisch aus dem Knast kommt. Der Asphalt summt unter den Reifen des Daimlers. Halb drei, nachts.
  »He, Frollein, halten Sie mal.«
Und kaum steh ich, da ist die Blonde schon raus und weg.
  So, wie die läuft, kommt die nicht wieder. Nur komisch, dass der Typ hinten im Wagen nichts sagt. Ich dreh mich um und will wissen, was nun los ist, als er mir entgegenfällt.
  Glasige Augen, totes Gesicht und ein bisschen Blut auf dem Hemd. Scheiße, der ist wirklich tot, der ist mir hier im Wagen abgegangen, denn eingestiegen ist er ja noch selber.
  Sieht wie eine Stichwunde aus, das in seinem Bauch.
  Das muss die Blonde gewesen sein... obwohl - warum soll sie sich ausgerechnet eine Taxe suchen, wenn sie ihn kaltmachen will?
  Die Bullen. Wenn ich den Notruf übern Taxifunk abgebe, sind die in zehn Minuten da. Streifenwagen, Kriminaldauerdienst.
  Die Handtasche liegt neben dem Toten auf der Rückbank. Die muss der Blonden gehören, Leder, dunkelrot und der Verschluss ist aufgesprungen. Sicher, man soll nichts anfassen, aber trotzdem. Lippenstift, Puder, Schlüssel, Tampons, Kaugummi ein paar grüne Pillen und eine Plastikhülle mit Papieren. Bockschein auf den Namen Helga Werz, Lottozettel - auch Helga Werz, Nordhofstraße 24, ein Rezept und ein Foto.
  Die Innenbeleuchtung ist mies, aber trotzdem - auf dem Bild, das ist doch Rolf. Arm in Arm. Mit der Blonden, irgendwo am Strand.

     Er hat noch nicht den Schnäuzer, aber diese langen schwarzen Haare, Locken bis auf die Schulter, wie ein Engel, er sieht jünger aus. Die Blonde im Bikini mit Schmachtaugen und Schmollmund.
Was hat Rolf mit der Blonden zu tun? Warum hab ich mich überhaupt mit ihm eingelassen? Was ist hier überhaupt los?
Irgendein Kollege brettert vorbei und blinkt mich mit der Lichthupe an. Stehenbleiben kann ich hier jedenfalls nicht.
Ich fahre erst mal los, lass das Taxameter weiterlaufen, damit der Vogel auf dem Dach nicht brennt. Mein Gott, 37 Mark 40, die muss ich nachher selber in die Kasse tun.
Richtung Frohnhausen. Ruhiges Wohnviertel, keine Aufregung.
Bloß keine Probleme!, hat Rolf gesagt, als er bei mir eingezogen ist. Erst mal wieder Fuß fassen, dann weitersehen.
Wenn ich zu den Bullen geh, werden die nach der Blonden suchen. Das Foto interessiert die bestimmt auch. Das Foto muss verschwinden, soviel ist klar.
Ich nehm's aus der Hülle raus und steck's in meine Geldtasche. Obwohl - wenn die Bullen die Blonde schnappen, dann kann sie vielleicht was erzählen. Über Rolf undsoweiter. Nein, so geht's auch nicht. Ich muss die Blonde überhaupt vergessen. Und wie, sag ich den Bullen, ist der Tote in meinen Wagen gekommen?
Rüdesheimer Platz. Vorn die Kleingartenanlage.
Erst mal rechts ran und scharf nachgedacht. Keine Probleme - also: keine Leiche in meinem Wagen, keine Fragen, keine Blondine.
Ich muss den Typ rausschmeißen. Und dann weiterfahren. Ich denke nicht, dass einer gesehen hat, wie ich die beiden auf der Segerothstraße eingeladen habe.
Wie lange stehe ich hier schon? Zwei Minuten, drei Minuten? 48,60 auf dem Taxameter. Ich leg den Gang ein und rolle an den Schrebergärten vorbei. Dunkel ist's hier. Okay, Leerlauf rein, aussteigen, rechte Hintertür auf. Der Typ fällt mir halb entgegen. Schwer ist er nicht, ungefähr einsachtzig groß, um die 65 Kilo. Lederjacke, Goldringe an den Fingern und eine Rolex mit Brillanten am Handgelenk. Sowas kostet 30.000, wenn ich jetzt...
Als ob ich keine anderen Probleme hätte. Ich lege ihn unter ein paar Sträucher und dann nichts wie weg.
  Die Handtasche von der Blonden liegt auf dem Beifahrersitz. Ich komme auf die Frohnhauser und merke erst jetzt, dass das Taxameter noch läuft. 56.80 Mark, ich mach' es aus.
Helga Werz, Nordhofstraße 24, steht auf dem Lottozettel und ihrem amtsärztlichen Gesundheitszeugnis. Sie ist also anschaffen gegangen. Und der Tote mit seiner Rolex... ihr Lude? Wahrscheinlich. Und was hat Rolf mit der ganzen Kiste zu tun? War die Blonde mal mit ihm zusammen oder was?
  Ich will das jetzt wissen. Also wieder raus in den Segeroth. Die Blonde muss mir was erzählen. Immerhin war sie dabei, als der Typ gestorben ist. Überhaupt - der Typ ist mir ja beinahe in den Wagen gefallen, geschwankt hat der, und die Blonde wollte zum Klinikum - ja klar, da hat er seine Messerwunde schon gehabt.
Links geht die Nordhofstraße ab.
Blaulicht flackert vor einem der Häuser, und ich brauch gar nicht nachzusehen um zu wissen, das es die Nummer 24 ist. Notarztwagen, Streifenwagen, der Kleinbus von der Kripo.
Leute stehen da, vor der Haustür hält ein Uniformierter Wache, da fällt's nicht auf, wenn ich mich dazustelle. Neben mir turnt einer von der Zeitung rum und fragt die Leute.
  »Bei der Werz haben sie einen kaltgemacht«, sagt einer.
  »Eifersuchtsgeschichte«, höre ich.
  »Streit hat's gegeben«, sagt eine von den Huren. »Der Kunde hat die Helga wohl von früher gekannt und wollte was von ihr. Und da ist der Harry dazugekommen, ihr Lude...tja, mit dem Messer...«
  Jetzt kommen die Sanitäter mit der Trage raus. Einer liegt drauf, das Laken überm Gesicht. Er ist wohl tot und als das Laken runterrutscht, fotografiert der Pressemensch wie wild. Alle drängen und ich seh nur ein kariertes Hemd und schwarze Locken, wie von einem Engel.
  »Mit dem war die Helga mal verheiratet«, sagt jemand.
  Ich muss nach Hause. 

  Bestimmt ist Rolf da. 
  Bestimmt.

Erschienen unter andrem in: 
- In: der lichtblick. Berlin: Nr.11-12/1988.
- In: Heyne Krimi Jahresband 1989. München: Heyne 1989. (= TB 2260).
- In: die horen. Hannover: Nr.154/1989.

 

Nightdrive

by Karr & Wehner

Of course, I'm driving a hustler. She's blonde, leather miniskirt and red blouse, thick make-up with heavy-duty blush and black eyeliner.
  "Hey, lady, take us to Holsterhausen, the hospital, okay?"
  The guy seems to be a little fuzzy: almost fell into my ca when I picked up the two of them in Segeroth Street. You know the neigherborhood: Nordhof Street, Stahl Street, right next to Krupp. Used to be the biggest whorehouse in the Republic.
  While Rolf is at home in bed, I get to drive around all night long. Taxi No. 19, Angelika Weber doing night shift because her loverboy only just got out of jail. The asphalt is humming under zhe Benz's tires. Half past two in the morning.
 "Hey, lady, stop here a moment."
 And I've hardly come to a stop when the blonde's already out and gone. 
   The way she's running she's not coming back. Seems funny that the guy in the back of the car isn't saying anything. I turn around to ask him what the deal is, when he sudenly falls towards me.
  Glassy eyes, dead-looking face, and a little blood on the shirt. Shit, he's really dead, he croaked right here in the car, after all, he got in on his own.
  That looks like a stab wound in his stomach.
  It must have been the blonde...although - why would she pick a taxi of all places for bumping him off?
  The cops. If I call the emergency number on my taxi radio they'll be here in ten minutes. Squad car, round-the-clock detectives.
  A handbag's lying next to the dead man on the seat. Must be the blonde's. Dark red leather, and the lock's snapped open. Sure, you're not supposed to touch anything, but still... Lipstick, compact, keys, tampons, chewing gum, a few green pills and some papers in a plastic holder. Hustler pass, made out to Helga Werz; lottery coupon - also Helga Werz, Nordhof Street 24; a prescription and a photo.
  The lighting in here is pretty bad, but still - the one in the picture, that's gotta be Rolf. Arm in Arm with the blonde, somewhere on a beach. He doesn't have the moustache yet, but that's his long black hair, curls down to his shoulders, like an angel; he looks younger, too. The blonde in a bikini with bedroom eyes and pouting lips.
 Qhat's Rolf got to do with the blonde? Why did I get involved with him anyway? And just what is going on here?
  Some colleague races by and blinks his high-beam at me. I definitly can't stay here.
  So I drive off for now, keep the meter running so that the dingbat on the roof doesn't light up. Good lord, that's 37 Marks and 40: I'm gonna have to put that in out of my own pocket.
  Drive towards Frohnhausen. Qiet residential area, no excitement.
  "Please, no problems!" Rolf said when he moved in with me. First, get back on the level, then figure out what next.
  If I call the cops, they'll search the blonde. I'm sure they'll be interested in the photo, too. The photo's gotta disappear, that much is clear.
  I take it out of the holder and put it in my cash pouch. Although - if the cops get the blonde, maybe she'll talk. About Rolf and so on. No, that's no good. I gotta forget the blonde altogether. But what do I tell the cops about how this dead guy got into my car?
  Rüdesheimer Place. First the allotment area.
  Pull up to the curb and think hard. No problems - that means: no corpse in my car, no questions, no blonde.
  I've gotta throw this guy out. And then drive on. I don't think anybody saw me pick up these two on Segeroth Street.
  How long have I been standing here? Two minutes, three minutes? 48 Marks 60 on the meter. I put her in gear and roll past the allotments. It's dark here. Okay, put her in neutral, get out, open the right back door. The guy almost falls out. He's not that heavy, maybe five eleven tall, around 150 pounds. Leather jacket, gold finger-rings, and a Rolex with diamonds on his wrist. That's worth at least 30,000 - if I took...
  As if I didn't have enough problems. I put him under a few bushes and get out of there.
  The blonde's handbag is lying on the passenger seat. I get to Frohnhauser and realize only then that the meter ist still on. 56 Marks 80, I make it up.
  Helga Werz, Nordhof Street 24 is the adress on the lottery coupon and her Public Health Department certification. She's a hustler alright. And the stiff with the Rolex... her pimp? Probably. And what's Rolf got to do with whole shebang? Did the blonde date him once or something?
  Now I want to know. So back again to Segeroth. The blonde's gotta talk to me. Anyway, she was there then when the guy died. Actually - that guy almost fell into my car, he was staggering, and the blonnde wanted me to go to the hospital - of course, he already had the stab wound then.
  Nordhof Street is on the left.
  Blue lights flicker in front of the houses, and I don't need to check to know that it's Number 24. Ambulance, squad car, the feds' minivan.
  People are standing around, a guy in uniform guards the front door; noboddy will notice if I join the crowd. Someone from the newspaper is next to me, doing his thing, asking questions.
  "A guy was bumped off in Werz's apartment," someone says.
  "Some jealousy thing," I heard.
  "They were fighting," says one of the whores. "I guess the client had known Helga before and was getting out of line. So Harry comes in, her pimp...yeah, with a knife..."
  Now the paramedics come out with the stretcher. Someone's lying on it, a sheet over his face. I guess he's dead, and when the sheet slips down the press guy starts taking pictures like crazy. Everyone crowds around and all I can see is a plaid shirt and black curls, like those of an angel.
   "Helga was married to him once," someone says.
  I've gotta get home. Rolf will be there for sure. Fur sure.
 

(Translated by Ulrike Emigh).

2.6.17

Tatort Ruhrort: Tod auf der Kohleninsel

Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka
Foto: Jahn

Buchvorstellung am Kulturkiosk in Ruhrort

Das hier ist das Autorenteam Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka bei der Vorstellung ihres aktuellen Buches. Der Roman heißt: Tod auf der Kohleninsel, erschienen im Emons Verlag:
Alles beginnt in der Schimmi-Gasse in Ruhrort, da wo Duisburg am duisburgigsten ist. Theo Bosman kämpft gerade gegen einen gewaltigen Hangover, als ihn sein Sohn anruft: "Papa, du musst kommen. Auf die Kohleninsel. Hier liegt eine Leiche."

Rüskamp/Toschka
Tod auf der Kohleninsel
Emons

26.5.17

Tales of two Capitals


Von Reinhard Jahn und Thomas Przybilka

Bonn (BRD)  und Berlin (DDR)
als Krimi-Schauplätze


Deutsches Manuskript.
Die Übersetzung erschien in
Nina King with Robin Winks and other Contributers
Crimes of the Scene
A Mystery Novel Guide for the International Traveler
New York: St. Martins Press 1997





The Berlin Wall

"Leamas went to the window and waited, in front of him the road and to either the Wall, a dirty, ugly thing of breeze blocks and strands of barbed wire, lit with cheap yellow light, like the backdrop for a concentration camp. East and west of the Wall lay the unrestored part of Berlin, a half-world of ruin, drawn in two dimensions, crags of war" ... "...suddenly he felt the coarse, sharp contact of the cinder brick. Now he could discern the wall and, looking upwards, the triple strand of wire and the cruel hooks which held it. Metal wedges, like climbers` pitons, had been driven into the brick. Seizing the highest one, Leamas pulles himself quickly upwards he had reached the top of the wall."

(John le Carré, The Spy Who Came In From The Cold, London 1964, pp 9, 218)

Bonn / Bad Godesberg
"At twenty-five minutes past eight, the Drosselgasse in Bad Godesberg had been just another leafy diplomatic backwater, about as far from political turmoils of Bonn as you could reasonably get while staying within fifteen minutes`drive of them. It was a new street but mature, with lush, sceret gardens, and maids' quarters over the garages, and Gothic scurity grilles over the bottles glass windows. The Rhineland weather for most of the year has the warm wet drip of the jungle; its vegetation, like its diplomatic community, grows almost as fast as the Germans build the roads, and slightly faster than they make their maps. The  fronts of some of the houses were already half obscured by dense plantations of conifers, which, if they ever grow to proper size, will presumably one day plunge the whole area into a Grimm`s fairy-tale blackout. (...) A kilometre southward, unseen Rhine barges provided a throbbing, stately hum, but the resident grow deaf to it unless it stops. In short, it was a morning to assure you that whatever calamaties you might be reading about West Germany`s earnest, rather panicky newspapers ... Bad Godesberg was a settled, decent place to be alive in, and Bonn was not half so bad as it is painted."
(John le Carré: The Little Drummer Girl, London: Hodder & Stoughton 1983, pp. 3-4)


Wenn Sie in Berlin sind... 
...besuchen Sie das "Café Kranzler" am Kurfürstendamm, ganz in der Nähe der Gedächtniskirche mit ihrem zerbombten Turm, der als Mahnmal nach dem Zweiten Weltkrieg in seinem Zustand belassen wurde. Im "Kranzler", wo bei schönem Wetter Stühle und Tische auf den Gehsteig gestellt werden, trifft nicht nur Len Deightons Agent an einem Sonntag seinen Informanten Johnny Vulkan ("Funeral in Berlin", London 1964/New York 1965). Auch in anderen Romanen ist das "Kranzler" Schauplatz konspirativer Agententreffs. Seit seinem Einzug 1932 ist das Café eines der Wahrzeichen Berlin. Zunächst ist es Treffpunkt von Literaten und Künstlern, nach dem Krieg dann der Ort, an dem sich alliierte Offiziere zusammensetzen und später der Platz, an dem die Deutschen ihren ersten bescheidenen Nachkriegs-Wohlstand bei Kaffee und Kuchen vor den flanierenden Passanten zur Schau stellten.

Bonn und Berlin  - Die beiden Hauptstädte Deutschlands


"Bonn was a Balkan city, stained and secret, drawn over with tramwire. Bonn was a dark house where someone had died, a house dreaped in Catholic black and guarded by policemen. "
(John le Carré: A Small Town In Germany, London 1968, p. 7)

   Keine Frage, John le Carré mag Bonn zunächst nicht, und in den mehr als 40 Jahren, in denen die kleine Stadt am Rhein die die Hauptstadt der Bundesrepublik war, haben auch viele Deutsche ein ambivalantes Verhältnis zu dem verschlafenen "Bundesdorf" gehabt. Der kleine Ort in der Nähe von Köln wurde von der ersten deutschen Regierung unter Kanzler Konrad Adenauer 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, zur vorläufigen Hauptstadt der aus der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone gebildeten Bundesrepublik Deutschland gewählt. Die alte "Reichshauptstadt" Berlin lag unterdessen isoliert in der sowjetischen Besatzungszone, aus der 1949 die Deutsche Demokratische Republik wurde, jenem unter Moskaus Einfluß stehenden zweiten deutschen Staat, der sich 1961 mit seiner "Zonengrenze" hermetisch gegen Westdeutschland abschottete.

    Berlin - genauer gesagt: der Ostteil der Stadt, wurde von der ostdeutschen Regierung zur Hauptstadt der DDR erklärt. Vierzig Jahre lang bestand dieses deutsche Provisorium aus zwei Staaten. Durch martialische Grenzanlagen und die "Berliner Mauer" war das unter alliierter Kontrolle stehende West-Berlin vollkommen vom ostdeutschen Umland abgeschnittenen, bis 1990 durch die deutsche Wiedervereinigung ein neues Deutschland entstand. Dessen Parlament entschied schließlich 1991, daß nicht mehr das geruhsame Bonn am Rhein, sondern wieder Berlin seine Haupstadt sein sollte.

    Vierzig Jahre deutsche Geschichte, von 1949 bis 1989, eine Zeit des Machtkampfes der UdSSR und der USA, die Zeit des Kalten Krieges und des Wettkampfes der Systeme, der besonders an seiner Nahtstelle in Deutschland von östlichen und westlichen Geheimdiensten mit allen Mitteln geführt wurde. Kein Wunder also, daß man besonders über Spionagegeschichten und Polit-Thriller reden muß, wenn es um die Krimis geht, die in der alten und der neuen deutschen Hauptstadt spielen. Daß das geruhsame Bonn dabei in der Wirklichkeit nicht so häufig Schauplatz internationaler Geheimdienstintrigen war, heißt unterdessen nicht, daß die "Kleine Stadt in Deutschland", wie John le Carré sie genannt hat, keinen Stoff für hochklassige Spionageschichten geboten hätte. Über Bonns berühmt-berüchtigte "Diplomatenrennbahn", eine gut ausgebaute, mehrspurige Straße aus der Bonner Innenstadt hinaus zum Vorort Bad Godesberg, die nicht nur die ansässigen Diplomaten zu überhöhter Geschwindigkeit verleitet, führt in Ross Thomas' "The Cold war Swap" (New York 1966, UK-Title: Spy In The Vodka, London 1967) der Weg zu "Mac's Place".

   Die Bar des Ex-CIA-Mannes MacCorkle und seines Partners Padillo wird in dem hochklassigen Debüt-Thriller des Journalisten Ross Thomas (1926 - 1995), der von 1958 bis 1959 selbst in Bonn lebte und arbeitete, zur Drehscheibe für eine eiskalt kalkulierte CIA-Operation. Die amerikanische Regierung will einen abgeschriebenen Spezialagenten gegen zwei in den Osten übergelaufene Wissenschaftler austauschen, die sie gerne zurück hätte. Daß die Operation kein Routinegeschäft ist, wird MacCorkle klar, als vor seinen Augen der Barkeeper von "Mac's Place" gerade in dem Moment erschossen wird, als er ihm sein Geheimrezept für die richtige Mischung eines Seven-layer Mint Frappé anvertrauen will.

  Aus dem gemütlichen Bonner Vorort Bad Godesberg führt die Mission MacCorkle und Padillo hinter den Eisernen Vorhang und direkt in eine Falle des KGB, aus der sich die beiden nur mit einigen Blessuren wieder herauswinden können. Inzwischen existiert "Mac's Place" schon lange nicht mehr. MacCorkle und sein Partner sind, ebenso wie ihr deutsches Personal, von Bonn nach Washington D.C. übergesiedelt und haben dort - wie man in "Cast A Yellow Shadow" (New York 1967) und "The Backup Men" (New York 1971) nachlesen kann, "Mac`s Place" neu eröffnet.

    Doch auch wenn Bonn, wie es sein ehemaliger Polizeipräsident einmal formulierte, "in puncto Kriminalität Gott sei Dank kein Weltstadtniveau" erreicht, ist es mit all seinen Regierungsbehörden, Ministerien und Botschaften genau wie jede andere Hauptstadt ein Tummelplatz für Spione aus aller Herren Länder, ganz besonders aber aus der DDR gewesen. Dabei setzte der legendäre Spionagechef Markus Wolf aus dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit ("Stasi") in den achtziger Jahren verstärkt auf die "Romeo"-Variante. Die mag in vielen Fällen so abgelaufen sein, wie Martin Walser es in "No Man's Land" (Austin 1989) (dt. "Dorle und Wolf", Frankfurt am Main 1987) beschreibt:

   Wolf Ziegler, in der DDR aufgewachsen und später in die Bundesrepublik gekommen, fühlt sich seinem alten Heimatstaat verpflichtet und stellt sich als Spion zur Verfügung, um den Rückstand der DDR im Hochtechnologiebereich zu verringern. Um an die Schlüsselinformationen heranzukommen, wird er zu einem von Markus Wolfs "Romeo-Agenten". Er heiratet Dorle, Sekretärin im Bonner Verteidigungsminiserium, die ihn unwissend mit dem Geheimmaterial versorgt, das seine Auftraggeber dringend benötigen. Als er nach neun Jahren seiner Spionagetätigkeit überdrüssig wird, zeigen seine ostberliner Auftraggeber wenig Verständnis für seinen Wunsch nach einem geruhsamen Familienleben und setzen ihn unter Druck.

   Genau wie Wolf Ziegler in Martin Walsers eher gesellschaftskritischem als spannenden Roman ist auch Otto "der Rabe" Reimann in Brian Freemantles "Little Grey Mice" (London 1991) ein Romeo-Agent, der auf eine Bonner Bürodame angesetzt wird. Genauso kühl und professionell, wie Reimann sich im Auftrag des KGB an Elke Meyer, Referentin des Staatsministers im Kanzleramt, heranmacht, um angesichts der unmittelbar bevorstehenden Wiedervereinigung die Position des neuen Deutschlands auszuspionieren,  erzählt Freemantle seine Geschichte. Bonn ist Dreh- und Angelpunkt von Otto Reimanns Operation, bei der er allerdings trotz aller Spionageerfolge den Kürzeren zieht - denn er wird die Geister, die er mit seinen Liebesschwüren bei der "kleinen grauen Maus" aus dem Kanzleramt rief, nicht so schnell wieder los. Pech für den "Raben", Glück im Unglück für die "graue Maus".

    Weniger grau und unscheinbar als bei Brian Freemnatle geht es in Robert Ludlums Action-Thriller "The Aquitaine Progression" (New York 1984) zu, in dem es den Helden John Converse bei seiner Jagd nach den Hintermännern einer von Ludlums üblichen Verschwörungstherorien auch ins verschlafene Bonn am Rhein verschlägt. Am "Alten Zoll", der kastanienbestanden alten Bastion am südöstlichen Rand der Bonner Altstadt trifft Converse einen wichtigen Informanten, und kurz darauf kann er nicht verhindern, daß im "Hofgarten", einem Park vor der Bonner Universität der amerikanische Botschafter ermordet wird. Doch mehr als atmosphärischer  Hintergrund ist die kleine Stadt am Rhein in Ludlums weltumspannender Jagd nach einigen machthungrigen Generälen nicht, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein ganz Europa umfassendes neues Weltreich zu errichten.

   Es sind also meist nur die kleinen, überschaubaren Spionageoperationen, die in Bonn stattfinden, Geschichten über kleinbürgerliche Verstrickungen in Verrat und Heimtücke, und damit werden die erwähnten Romane der eher unauffälligen Stadt, die nie das Flair einer wirklichen Hauptstadt entwickeln konnte (und wollte), vollkommen gerecht. Die wirklich großen Spione, die wirklich großen Geheimdienstoperationen spielten sich während des Kalten Krieges in Berlin ab. Hier wartete John le Carrés Alec Leamas an der Berliner Mauer auf den "Spy Who Came In From The Cold", in Berlin zieht Adam Halls Agent Quiller seine Kreise, und hier findet  Mitte der sechziger Jahre das "Funeral in Berlin" für Len Deightons namenlosen Agenten statt, als er für den britischen Geheimdienst einen hochkarätigen ostdeutschen Wissenschaftler über die Zonengrenze bringen soll.

     Und auch Deightons in Berlin geborener Bernhard Sampson, britischer Spion und tragischer Held der "Berlin Game", "London Match" und "Mexiko Poker"-Trilogie (New York 1984,1985,1986) lauert stets an der weltbekannt gewordenen Berliner Mauer, die im August 1961 von der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Volkspolizei (VoPo) errichtet wurde, um den ständig wachsenden Flüchtlingsstrom aus der DDR in den bis dahin noch "offenen" und "ungeteilten", unter alliierter Verwaltung stehenden Westteil der Stadt zu stoppen. Im Lauf der Jahre perfektionierte der ostdeutsche Staat seinen 155 Kilometer langen "antiimperialistischen Schutzwall" rund um West-Berlin zu einer tödlichen Staatsgrenze, deren Grenztruppen den Befehl hatten, sämtliche Fluchtversuche mit der Schußwaffe zu verhindern. Die künstliche Sperre, die unter anderem unmittelbar vor den Säulen des Brandenburger Tors verlief, bestand zuletzt aus einer 4,10 Meter hohen und 16 Zentimeter starken Betonplattenwand, die oben entweder mit einem dicken Betonrohr oder einem Metallgitterzaun bewehrt war. Daran schloß sich an der östlichen Seite ein 10 Meter breiter "Todesstreifen" mit Wachtürmen und Bunkern, Hundelaufanlagen, Patroullienwegen und einem Kontaktzaun an, der bei Berührung optische und akustische Signale auslöste.

    Erst der politische Umbruch des Jahres 1989 mit seinen Bürgerprotesten in der DDR brachte schließlich am historischen 9. November 1989 die Öffnung aller bis dahin streng kontrollierten Grenzübergangsstellen und leitete die deutsche Wiedervereinigung ein. Adam Halls Quiller ist kurz vor jenen Tagen des Jahres 1989 in der geteilten Stadt, um in einer seltsamen Zusammenarbeit mit dem KGB ein Attentat auf Michail Gorbatschow zu verhindern:
"The East Germans are fervently hoping for some kind of reunification, beause so many of them got relatives in the West and they`ve been cut off from them all this time by the wall. On the other hand, some people are scared to death, because if Europe becomes denuclearised - which is the way, things are heading - the US are going to withdraw most of it`s forces and that`ll leave West Germany without security umbrella...
(Adam Hall "Quiller KGB", New York 1989, p. 84)

    In der Zeit der Teilung war der "Checkpoint Charlie", der Grenzübergang für Ausländer an der Ecke Kochstraße und Friedrichstraße Brennpunkt und Nadelöhr für zahlreiche riskante, nicht nur literarische Spionageoparationen des britischen SIS und der amerikanischen CIA. "You are are leaving the American Sector" liest Alec Leamas auf dem bekannten Schild in Le Carrés klassischem "The Spy Who Came In From The Cold" (1963) , während er auf den Überläufer aus der DDR wartet und noch nicht weiß, daß er selbst nur eine Schachfigur im Spiel seines Chefs "Control" ist, der Leamas nur dazu benutzt, den ostdeutschen Spionagechef Mundt bei seinen eigenen Leuten zu diskreditieren. Genau wie Leamas wartet auch Len Deightons Bernhard Sampson in "Berlin Game" (New York 1984) an der Mauergrenze auf den ostdeutschen Topspion "Brahms IV", der wichtige Nachrichten über einen Maulwurf im britischen Geheimdienst bringen will. Und auch in den nächsten Büchern der Sampson-Trilogie, als Bernhard längst herausgefunden hat, daß seine schöne Ehefrau Fiona ihn nicht nur mit seinem Kollegen Bret Rensselaer betrügt, sondern auch der gesuchte Maulwurf ist, verschlägt es ihn immer wieder auf die geschichtsträchtigen Straßen Berlins:

"Berlin is a sort of history book of twentieth-century violence, and every street corner brought  a recollection of something I`d heard, seen or read. We follwed the road alongside the Landwehr Canal, which twists and turns through the heart of the city, It`s oily water hold many dark secrets. Back in 1919, when the Spartakists attempted to seize the city by armed uprising, two officers of the Horse Guards took the badly beaten Rosa Luxemburg - a Cummunist leader - from their headquarters at the Eden Hotel, next to the Zoo, shot her dead and threw her into the canal."
(Len Deighton "London Match", London 1985. p. 9)

   Zurück in die Zeit vor der Machtergreifung der Nazis in Deutschland und im großen Bogen bis hin zum alliierten Sieg über Nazi-Deuschland führt Deighton, der "Poet des Agentenromans" uns in "Winter: A Berlin Family" (New York 1987). 

    Die Epoche der Nazi-Diktatur, die Deutschland unter der Herrschaft Adolf Hitlers in den Zweiten Weltkrieg stürzte, haben später viele Thriller-Autoren als Hintergrund für konventionelle Krimi-Geschichten verwendet, aber erst der Brite Philip Kerr kam 1989 in seiner "Berlin Noir"-Trilogie auf die Idee, einen harten Privatschnüffler im historischen Berlin der Jahre 1936 bis 1940 ermitteln zu lassen. Bernhard "Bernie" Gunther, hat seinen Job als Kriminalpolizist im Präsidium am Alexanderplatz gekündigt und sich nach einem Aushilfsjob als Hoteldetektiv im "Adlon" mit einem kleinen Detektivbüro selbständig gemacht. Bei seiner Suche nach dem angeblich nach einem Brand verschwundenen Schmuck einer Industriellentochter vor dem Hintergrund der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 1936 in "March Violets" (New York 1989) nicht nur in den Gefängniszellen des GESTAPO-Hauptquartiers an der Prinz Albrecht-Straße; Gunther bekommt auch die Terrorherrschaft der Nazis im Konzentrationslager Dachau zu spüren, in das er sich auf der Spur des verschwundenen Schmuckes einschmuggelt.

  Mit seiner indifferenten Haltung gegenüber dem Nazi-Regime und der ausgeprägten Fähigkeit, sich immer wieder auch mit unmenschlichen Umständen arrangieren zu können, verhält sich Bernhard Gunther wie viele Deutsche in jenen Jahren. Er sagt: 

"Survival, especially in these difficult times, has to count as some sort of an achievement" (Philip Kerr "The Pale Criminal", New York 1991 p. 237)

und läßt sich auch für eine Machtintrige des SS-Führers Heydrich gegen seinen Gegner Himmler einspannen und dient schließlich in "A German Requiem" (London 1991) auch Hitlers Kriegsmaschinerie.

    Konsequent hat Robert Harris im Szenariao seiner political fiction "Fatherland" (1992) die Frage weitergedacht, welches Gesicht Deutschland wohl hätte haben können, wenn Adolfs Hitlers aggressive Machtpolitik zum Erfolg geführt hätte. In seinem weltweit erfolgreichen und besonders in Deutschland sehr kontrovers diskutierten Thriller befinden wir uns im Jahr 1964. Die deutsche Nation bereitet sich auf den 75. Geburtstag des "Führers" vor, der Feldzug gegen Rußland steht kurz vor seinem siegreichen Abschluß und in den USA, mit denen 1946 Frieden geschlossen wurde, regiert Präsident John F. Kennedy. Das Berlin, in dem Kriminalkommissar Xaver März die Todesumstände eines Nazi-Parteigenossen der ersten Stunde ermitteln soll, ist eine gigantische Metropole. Doch neben dem pompösen Glanz, in den sich die Naziherrscher hüllen, gibt es eine dunkle, tödliche Seite des Staates, der Kommissar März zusammen mit der amerikanischen Journalistin Jane MacGuire auf die Spur kommt: er findet heraus, daß die jüdische Bevölkerung Deutschlands brutal vertrieben und ermordet wurde, damit sich die Herrscher an den Vermögen der Toten bereichern konnten. Harris sachkundig geschriebener Roman zeigt uns, wie sich Berlin mit Alberts Speers gigantischen Bauten, Triumphbögen, Prachtalleen und Versammlungshallen vielleicht präsentiert hätte, wenn die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte.

  Das heutige, wirkliche Berlin im wiedervereinigten Deutschland zeigt dagegen ein ganz anderes Gesicht, wie es Kommissar Arkadi Ranko von der Moskauer Polizei bei seinen Ermittlungen in Martin Cruz Smith's "Red Square" (New York 1992) zu sehen bekommt: Auf der Fährte wertvoller Gemälde der russischen Moderne verschlägt es den biederen Kommissar aus "Gorky Park" (New York 1981) und "Polar Star" (New York 1989) in das wiedervereinigte Berlin. Es ist eine Stadt voller Gegensätze - Verwahrlosung liegt neben Luxus, das Zusammenwachsen der beiden ehemals getrennten Teile der Stadt wird mit schmerzhafter Deutlichkeit spürbar.


.
CLIFFORD, Francis (Arthur Bell Thompson):
The Naked Runner (New York 1966) (auch: The Naked Spur. New York 1963)


Die Geschichte führt uns zurück in die Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung. Sam Laker ist nicht immer der unscheinbare Vertreter für Büromöbel gewesen, und deshalb ist auch die Gefälligkeit, um den ihn ein alter Geheimdienstfreund bittet, keine gewöhnliche Sache. Laker soll bei seinem Besuch auf der Leipziger Messe in der DDR Kontakt mit einer Agentin aufnehmen. Dabei wird er von dem ostdeutschen Stasi-Hauptmann Hartmann verhaftet. Doch statt Laker wegen Spionage anzuklagen, verlangt Hartmann von Laker, daß er in Kopenhagen einen abtrünnigen ostdeutschen Funktionär erschießen soll. Obwohl Francis Clifford (1917-1975) während des Krieges im Büro des Special Operations Service arbeitete, klingt seine Spionagegeschichte nicht besonders glaubwürdig. Gut getroffen ist aber die drückende, von der dauernden Angst vor den Spitzen des "Staatssicherheitsdienstes" (Stasi)  geprägte Atmosphäre in der damaligen DDR.


CARRÉ, John le. (David John Moore Cornwell): 
A Small Town In Germany (New York 1968)
In Bonn erregte John le Carrés Romanfiktion von der Machtübernahme einer anti-westlichen, deutlich faschistisch orientierten "Bewegung" in Westdeutschland zum Zeitpunkt ihres Erscheinens viel Aufsehen und Widerspruch. 1980, so le Carrés Geschichte, ist Westdeutschland destabilisiert durch  Streiks und Aufruhr von unzufriedenen Mittelständlern, Arbeitern und Studenten. In dieser Situation verschwindet ein Angestellter der britischen Botschaft in Bonn mit geheimen Unterlagen über die deutsch-britischen Beziehungen und Alan Turner wird vom britischen Geheimdienst an den Rhein geschickt, um ihn zu suchen.

MIEHE, Ulf: Dead one in Berlin
(New York 1976) (dt.: Ich hab noch einen Toten in Berlin, München 1973)


Filmemacher und Drehbuchautor Ulf Miehe (1940 - 1989) erzählt, wie ein junges Filmteam in Berlin Kontakt mit einem Großgangster aufnimmt und bei seinen Recherchen von ihm eine Idee erhält, wie ein ganz großes Ding zu drehen wäre - als Film natürlich. Doch je mehr sich die Jungfilmer mit dem Plan beschäftigen, desto mehr fragt man sich, ob sie wirklich nur einen Film drehen wollen. Miehes cleverer Roman vermischt geschickt die Ebenen von Realität und Fiktion zu einer ironischen Ganovenballade.

FORSYTH, Frederick:
The ODESSA File (New York 1972)

Ein weiterer von Forsyths strategisch geplanten und exakt recherchierten Thrillern. Ein Journalist schleicht sich in eine bestens geführte Organisation von alten und jungen Nazis ein.

BUCKLEY jr., William F. (William Frank Buckley jr.):
 The Story of Henri Todd (New York 1984)
Buckley Super CIA-Agent Blackford Oakes wird kurz vor dem Zeitpunkt des Mauerbaus nach Berlin geschickt, um herauszufinden, was die DDR-Führung gegen den Bevölkerungsschwung zu unternehmen gedenkt.

HALL, Adam (Elleston Trevor):
The Berlin Memorandum (London 1965, US-Title: The Quiller Memorandum, New York 1965)
Adam Halls Quiller, der beste Agent der Londoner "Zentrale" wird ins düstere Berlin des Kalten Krieges geschickt, um dort das Hauptquartier der Geheimorganisation "Phoenix" aufzuspüren.


ALLBEURY, Ted. (Theodore Edward le Bouthillier Allbeury):
The Only Good German (London 1967) (US-Title: Mission Berlin, New York 1986)

Einer der vielen Spionage-Romane Allbeurys aus der Zeit des Kalten Krieges. Ein britischer Agent hebt in Berlin und Hamburg eine neonazistische Terrorgruppe aus, die die Entspannungspolitik verhindern möchte.


ALLBEURY, Ted:
The Special Collection (London 1975)
Während westdeutsche Politiker sich um einen friedlichen Ost-West-Dialog bemühen, bereiten die Falken im KGB  den gewaltsamen Umsturz vor.

ALLBEURY, Ted:
Wilderness of Mirrors (London 1988)
When SIS officer Robert Thornton's East Berlin operation crumbles around him, he finds that to control further damage in the way ordered by his superiors would threaten a woman he loves.


ROTH, Holly:
The Content Assignment (London 1954) (US-Title: The Shocking Secret, New York 1955)
An excellent spy and counterspy story, the legwork being done by an English journalist who falls in love with an American girl agent while in Berlin.

KAYE, M.M.:
 Death Walked In Berlin. (1955) (auch: Death In Berlin, Chicago 1985)
Im Nachkriegs-Berlin erlebt eine junge Nichte eines britischen Besatzungsoffiziers eine wenig anregend erzählte Mordgeschichte.

ALLBEURY, Ted:

The seeds of treason (1986)
Ein weiterer Roman Allbeurys über die Arbeit des britischen Geheimdienstes im geteilten Berlin - und zugleich auch die romantische und unglaubwürdige Geschichte einer Liebesaffäre, die den Eisernen Vorhang überwindet.
© by Reinhard Jahn und Thomas Przybilka
Weiterverbreitung nur mit ausrücklicher Genehmigung










Autorennotiz / Authors Note:
Reinhard Jahn, geboren 1955, ist Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte bisher rund 1.000 shortstories und unter seinem Pseudonym "H.P. Karr" zuletzt gemeinsam mit seinem Co-Autor Walter Wehner die Kriminalromane "Geierfrühling" und "Rattensommer".
Thomas Przybilka wurde 1950 im Ostteil von Berlin, in Köpenick geboren. 1957 flüchtete die Familie nach Westdeutschland. Przybilka ist von Beruf Buchhändler und führt seit 1989 das BoKAS [Bonner Krimi Archiv Sekundärliteratur]. Veröffentlichungen: zahlreiche Artikel und Rezensionen zum Krimi in deutschen und ausländischen Magazinen, sowie im Internet.
Gepostet von

24.5.17

Krimi-Ranking


Die sieben taffsten Ermittlerinnen
im deutschen Krimi:

Platz 7
Sina V. Teufel
von Lara Stern/Brigitte Riebe


Beruf: Anwältin
Revier: München
Erster Auftritt: 1992 in "Nix Dolci"
Bisherige Delikte:
Neun Romane, eine Verfilmung
-Charakter: Sina Teufel, die aparte Münchner Anwältin mit dem Sinn für gekonnte Auftritte, ist kein Gutmensch, kein hochsensibler Ermittlungs-Terrier. Sie ist vielmehr ein knallharter Profi, der Gefühle und Beziehungen dem Erfolg im Beruf opfert.
-Trivia: In der TV-Verfilmung "Inzest – Ein Fall für Sina Teufel" aus dem Jahr 1996 (Regie: Klaus Emmerich, Buch:  Günter Schütter und Riccarda Rose nach "Brüderlein, Schwesterlein" von Lara Stern) wurde Sina Teufel von Renan Demirkan dargestellt.

Platz 6
Anna Marx
von Christine Grän


Beruf: Journalistin
Revier: Bonn, Berlin
Erster Auftritt:  1986 in »Weiße sterben selten in Samyana«
Bisherige Delikte:
Neun Romane, sieben Hörspiele, eine Fernsehserie (zwei Staffeln)
-Charakter: Anna Marx ist groß und üppig, rothaarig und grünäugig, eine Rubensgestalt, gemalt aus vielen Lastern. Rauchen, Essen und Trinken gehören dazu, und natürlich Männer. Politische Korrektheit ist ihr fremd. Ihre Sprache ist klar bis vulgär, sie ist eine unmoralische Moralistin, zynisch manchmal, doch unbeirrt in ihren seltsamen Wegen.
Gute Eigenschaften? Sie hasst Sport in jeglicher Form.
-Trivia: Für ihren Roman MARX IST TOT wurde Christine Grän 1994 mit dem "Marlowe" der deutschen Raymond Chandler-Gesellschaft  ausgezeichnet. In der Fernsehserie wurde Anna Marx von Thekla Carola Wied gespielt. Über die Fernsehserie und die Benutzung der Figur "Anna Marx" gab es eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Autorin und der Produzentin der Serie.

Platz 5
Beate Stein
von Sabine Deitmer

Beruf: Kommissarin
Revier: Dortmund
Erster Auftritt:  1993 in "Kalte Küsse"
Bisherige Delikte:
Fünf Romane, zwei Hörspielbeabeitungen, zwei Verfilmungen
-Charakter: "Mein Name ist Stein, Beate Stein."  Die coole Dortmunder Kommissarin lebt mit ihrem Dauerlover "Beckmann" in einer schicken Wohnung am Hafen und bekommt es immer wieder mit gemeinen Serientätern und tragischen Frauenschicksalen zu tun.
-Trivia: Regie bei der ersten Beate-Stein-Verfilmung "Kalte Küsse" führte Carl "Abwärts" Schenkel. In der Verfilmung des zweiten Romans wurde aus "Neon-Nächte" dann "Der U-Bahn-Schlitzer".  Beate Stein wurde jeweils gespielt von Marie Bäumer.

Platz 4
Barbara Pross
von Silvia Kaffke

Beruf: Profilerin
Revier: Düsseldorf/Rheinland/Ruhrgebiet
Erster Auftritt: 2000 in "Messerscharf"
Bisherige Delikte:
Vier Romane, eine Verfilmung
-Charakter: BKA-Profilerin Barbara Pross hat sich nach einer gescheiterten Ermittlung für ein Jahr beurlauben, um ihre Krise aufzuarbeiten. Sie strandet in Düsseldorf, wo sie dem mysteriösen Thomas Hielmann begegnet, mit dem sich in den folgenden Bänden eine komplizierte Liebesbeziehung entwickelt.
-Trivia: Für die Verfilmung von "Messerscharf" wurde die BKA-Ermittlerin von Ann-Kathrin Kramer gespielt und hieß "Michelle Eisner". Ihr Partner war Peter Lohmeyer.


Platz 3
Karen Stark
von Anne Chaplet
Beruf: Staatsanwältin
Revier: Frankfurt und der Vogelsberg
Erster Auftritt: 1998 in "Caruso singt nicht mehr"
Bisherige Delikte:
Neun Romane und zwei Hörspiele
-Charakter: Kluge, starke Staatsanwältin, lebt anfangs allein mit ihrem Manufactum-Katalog und besucht regelmäßig ihren Vertrauten Paul Brmeer in Klein-Rose. Nach einer Affäre mit einem Rechtsmediziner hat in den letzten Romanen eine on/off-Beziehung zu dem Polizisten Georgio deLange.
-Trivia: Die meisten Staatsanwälte bearbeiten Strafsachen je nach dem Anfangsbuchstaben, unter dem sie er-faßt wurden. Karen Stark ist laut Geschäftsordnung zuständig für alle Fälle unter R (ohne Ra) und Sa-Sa..
Karen Starks erster Fall "Caruso singt nicht mehr" wurde ins Dänische und  Japanische übersetzt.


Platz 2
Ann-Kathrin Klaasen
von Klaus-Peter Wolf

Beruf: Hauptkommissarin
Revier: Aurich und ganz Ostfriesland
Erster Auftritt: 2007 in "Ostfriesen-Killer"
Bisherige Delikte:
Elf Romane (bisher).
-Charakter: Ann-Kathrin Klaasen, geboren 1970, gilt als Verhörspezialistin, aber auch als eigenbrötlerisch und wenig teamfähig. Sie ließ sich von ihrem Mann Hero scheiden, weil er sie ständig betrog. Seitdem hat sie ein heftiges Eifersuchtsproblem und wittert überall Konkurrentinnen. Ihr pubertierender Sohn Eike ging mit dem Vater. Das hat sie schwer angeschlagen. Inzwischen ist sie wieder glücklich verliebt in Frank Weller.
-Trivia: Der Klaasen-Krimi Nummer acht "Ostfriesen-Feuer" stieg nach Erscheinen gleich auf Platz Eins der Spiegel.-Bestsellerliste ein. Inzwischen gibt es auch "Ostfriesen-Killer"-Shirts,  Caps, Tacshen, Schirme und Schals – natürlich im "Ostfriesen-Shop".
K-P. Wolfs Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und über 8 Millionen mal verkauft.
2017 kam die erste Ann-Kathrin Klaasen-Verfilmung auf den Bildschirm: Für das ZDF spielte Christiane Paul die Hauptrolle in "Ostfriesenkiller" (Buch: Florian Schumacher, Regie: Sven Bohse)


Platz 1
Bella Block
von Doris Gercke


Beruf: Privatdetektivin (im Buch), Kommissarin (im Fernsehen)
Revier: Hamburg und die Welt
Erster Auftritt:  1988 in "Weinschröter, du musst hängen"
Bisherige Delikte:
17 Romane, bisher 36 Fernsehfilme
-Charakter: Die Bella Block der Romane ist, abgesehen vom ersten Fall, nicht Polizistin, sondern Privatdetektivin. Das heißt, sie ist frei, ihr Leben zu gestalten, soweit man das überhaupt sein kann. Sie ist die Enkelin des russischen Dichters Alexander Block, deshalb spricht sie russische und liebt die Gedichte ihres Großvaters, in denen sie oft während Observationen liest. Bellas Blick auf ihre Umgebung ist ein "weiblicher Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse".
-Trivia: Bella Block wird in den Verfilmungen von Hannelore Hoger gespielt. Die Filme der "Bella Block"-Reihe basieren nur zum geringen Teil auf den Bella Block-Romanen von Doris Gercke. Die Figur wurde für die Fernsehfassung von verschiedenen Autoren als eigener Charakter weiterentwickelt. In den Verfilmungen fährt Bella Block von Anfang an einen VW-Käfer.



KrimiRanking "Die sieben taffsten Ermittlerinnen"
Text: Reinhard Jahn, mit Material von Wikipedia und krimilexikon.de


22.5.17

Krimi der Woche: Ein Foto von der Witwe


 © Alle Rechte vorbehalten


Ein Foto von der Witwe

Von H.P. Karr

Nur wenige Trauergäste gaben Edda Breuer an diesem goldglänzenden Augusttag das letzte Geleit. »Was hat ihr eigentlich gefehlt?«, fragte Vicky Kant die elegante Dame, die neben ihr in ein Seidentaschentuch weinte.
   »Das weiß man nicht!«, schniefte die Dame. »War Sie auch eine Kundin von Ihnen?«
   Vicky murmelte, dass sie Anwältin war und Edda Breuer eine Klientin gewesen sei. Der Dame mit dem Seidentaschentuch gehörte ein exklusives Modegeschäft. Kein Wunder, dass sie die Trauernden ganz unter modischen Aspekten betrachtete: »Dort, die Rothaarige mit dem schwarzen Schleier - das ist ihre Tochter«, sagte sie leise zu Vicky. »Nina Belmont. Sie lebt in Italien. Sehen Sie ihr Trauerkostüm? Ein Designerstück aus dem Atelier von Giorgio Canale in Rom. Bestimmt erbt die Tochter jetzt Eddas Vermögen. Dabei hat sie sich kaum um ihre Mutter gekümmert hat. Bis sie ganz überraschend vor drei Wochen zu Besuch kam.«
   Vicky musste daran denken, dass Edda Breuer in der Tat ihre Tochter in ihrem Testament als Alleinerbin eingesetzt hatte.
   Nach der Trauerfeier fiel Vicky auf dem Friedhofsparkplatz der zivile Polizeiwagen mit Kommissar Beck am Steuer auf. »Observation?«, fragte sie und stieg unaufgefordert ein. Sie bemerkte das Foto von Nina Belmont, das Beck auf der Ablage liegen hatte. »Sie beschatten die Tochter der Toten?«
   Das Foto zeigte Edda Breuers Tochter in dem gleichen Trauerkostüm, das eben hier bei der Beerdigung ihrer Mutter getragen hatte – aber an einem anderen Grab.  »Die Kollegen in Rom haben das Bild vor einem halben Jahr bei der Bestattung von Antonio Belmont aufgenommen«, sagte Beck. »Die schöne Nina stand im Verdacht, ihren Mann umgebracht zu haben. Leider konnte man ihr nichts nachweisen. Und auch beim Tod ihrer Mutter hier gab es gewisse Zweifel. Aber wir brauchen weitere Hinweise, dass Nina etwas damit zu tun hat.«
   Vicky tippte auf das Foto aus Rom. »Auf der Beerdigung ihres Mannes in Rom trug Nina dasselbe Trauerkostüm wie heute bei der Bestattung ihrer Mutter.«
   »Na und?«
   »Das Trauerkostüm ist ein Designerstück von Giorgio Canale, also eine Einzelanfertigung«, sagte Vicky. »Und weil Nina dieses Kostüm, das sie vor sechs Monaten gekauft hat, heute bei der Bestattung ihrer Mutter trug, musste sie es zum Besuch bei ihrer Mutter aus Italien mitgebracht haben. Aber warum, frage ich mich, packt eine Tochter ein Trauerkostüm ein, wenn sie ihre Mutter besucht, die eigentlich kerngesund ist?«
Beck stieg aus. »Ich nehme Nina Belmont jetzt vorläufig fest. Wollen Sie sie vielleicht als Anwältin vertreten?«
   »Kein Bedarf!«, sagte Vicky und rauschte davon.

  

H.P. Karr: Ein Foto von der Witwe
Badische neueste Nachrichten
Ausgabe 20/2017 vom 22.5.2017
 © Alle Rechte vorbehalten



14.5.17

Leutnant X - Geheimagent Lennet

Aus dem Krimi-Archiv

Leutnant X: Geheimagent Lennet 

München: Franz Schneider, ab 1965

Geheimagent Lennet, München: Franz Schneider, ab 1965
Foto: Volker Backert, mit frdl Genehmigung


»Geheimagent Lennet« ist eine achtzehnbändige Jugendbuchserie, die ab 1965 in der Zeit der Bond-Mania in Frankreich gestartet wurde, entsprechend ist Lennet als eine Art französicher Version von Bond junior gestaltet. Ein sportlicher Agent - blond, wenn wir den Titelbildern glauben - der bei seinen aktionsreichen Einsätzen für den Service National d'Information Fonctionnelle (»SNIF« in der deutschen Fassung »FND« = »Französischer Nachrichtendienst«) immer wieder das Abendland vor Kommunisten und Verbrechern rettet und sich dabei das Herz eines hübschen Mädchens erkämpft.
Über Lennets Herkunft ist wenig bekannt - seine Eltern kamen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und sein Vermögen wird bis zu seiner Volljährigkeit von einem Vormund verwaltet. Mit 18 wird er dem Geheimdienst SNIF zugeteilt, übersteht dort die ersten Qualifikationsrunden und setzt alles daran, Agent des SNIF zu werden. Was ihm gelingt.
Die französische Originalserie »Langelot agent secret« erschien von 1965 bis 1989 und erlebte zahlreiche Neuauflagen. AUf Deutsch gab es ab 1965 insgesamt 18» Geheimagent Lennet«Abenteuer als Schneider-Bücher. Schneider-Ton produzierte außerdem drei »Lennet«-Tonkassetten. (Die man bei youtube leicht finden kann)
Der Autor hinter der Serie war Vladimir Volkoff (1932 - 2005), der auch als Lavr Divomlikoff publizierte. Volkoff hatte Philosophie und Geschichte studiert und während des Algerienkriegs für den französischen Militärgeheimdienst gearbeitet. Danach wurde er freier Autor und veröffentliche Spionage-Romane und historische Romane.


Das Foto stellte freundlicherweise »Lennet«-Fan Volker Backert zur Verfügung, aus dessen Sammlung die gezeigten Bände stammen. 

13.5.17

Gerhard Eisenkolb (1945 - 2017)

 Gerhard Eisenkolb

(1945 - 2017)
 
Gerhard Eisenkolb, geboren 1945 in Karlsbad, war von 1968 bis 1970 Polizeireporter bei »Bild Berlin« und arbeitete unter anderem an einer Serie »Agentendrehscheibe Berlin" mit, aus der er, wie er behauptete, die Grundidee für seinen Roman-Erstling DIE 14 STUNDEN DES PATER DAVID schöpfte. Später war Eisenkolb bis 1974 Chefreporter der »Bunten«.
Mit dem Manuskript seines Erstlings, den er nach eigener Aussage aufgrund einer Wette schrieb, mit der er beweisen wollte, »dass jeder Reporter wirklich ein großes Buch in der Schublade habe und auch fähig sei, es zu schreiben« beteiligte er sich an einem Preisausschreiben des Wiener Molden-Verlages, in dem nach einem neuen deutschen Erzähler (»vom Schlage einer Vicki Baum«) gesucht wurde.
Er erhielt für das Manuskript, das er nach eigener Aussage, in 14 Tagen geschrieben und in weiteren 14 Tagen korrgiert hatte, den Preis gemeinsam mit anderen Autoren zugesprochen.
Eisenkolbs Bücher handeln, wie er sagte, von »dem einsamen Menschen, der von einer Umwelt manipuliert wird und versucht, auszubrechen.« Sie erzählen in einer schnörkellosen, effektsicheren Reporterprosa zeitnahe und aktuelle Geschichten aus der Welt der Geheimdienste und des internationalen Terrorismus.
Aus »rechtlichen Gründen« erschienen seine weiteren Kriminalromane in der Heyne-Reihe unter den Initialen »G.E.«. Außer Krimis und Spionagegeschichten schrieb Gerhard Eisenkolb noch einige Jugendbücher und unter anderem den Medienkonzern-Roman »Der Senator«.
Gerhard Eisenkolb starb, wie seine Lebensgfährtin mitteilte, am 10. Mai 2017.

Mehr über Gerhard Eisenkolb im Krimilexikon

8.5.17

Krimi der Woche: Verräterische Knastblüten


© Alle Rechte vorbehalten


Verräterische Knastblüten

Von Jackie Kowal


Hartmann saß jetzt schon seit einer Stunde vor DANNYS KNEIPE bei seinem kleinen Bier. Er hatte gerade noch zwei Euro in der Tasche.
Als Johnny Redder sich zu ihm setzte, erwachte Hoffnung in Hartmann.
»Hartmann!«, sagte Johnny. »Willst du dir leichte hundert Euro verdienen?«
»Erzähl«, sagte Hartmann. »Was soll ich machen?«
»Gar nichts!«, meinte Redder. Der kleine Kerl lebte nicht schlecht von seinen Villeneinbrüchen. »Wenn man dich fragen sollte, musst du bloß sagen, dass wir beide uns heute Abend zwischen acht und elf bei mir eine DVD angesehen haben.«


»Kein Problem!«, sagte Hartmann. »Ich war also von neun bis nach elf bei dir. Wir haben ›Conan‹ gesehen, mit Schwarzenegger ...«
»Nein, lieber ›Batman‹.« Johnny grinste. »Gefällt mir besser.« Er schob Hartmann einen klein gefalteten Hunderter hin. »Aber schmeiß nicht gleich alles zum Fenster raus!«
Es war Abend. Das Geräusch, das Bankdirektor Arnulf Steiner aus der ersten Etage hörte, als er gegen neun aus dem Golfklub kam, ließ ihn aufmerksam werden. Steiner nahm ein Neunereisen aus dem Golfbeutel und hastete nach oben.
Er kam gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie sich in seinem Arbeitszimmer ein kleiner Mann aus dem Fenster schwang und sich am Efeuspalier hinunterhangelte.

Dann wandte Steiner sich um. »Oh nein!«, stöhnte er.
 

Mord nach Rezept - bei amazon kdp
»Ikonen!«, sagte Steiner wenig später zu Kommissar Becker. »Drei Stück, spätes 16. Jahrhundert. Meisterwerke. Gesamtwert um die 50.000 Euro! Es war ein kleiner Kerl, etwa 1,60 groß. Er ist wie eine Fledermaus raus aus dem Fenster und am Efeu hinunter ...«
Johnny Redder lehnte sich gelassen zurück, als Kommissar Becker ins Verhörzimmer kam.

»Gestern gegen neun Uhr, wo warst du da?«, fragte Becker nur.
Johnny seufzte. »Das haben mich Ihre Leute auch schon gefragt, und ich habe ihnen das Gleiche gesagt wie ich Ihnen jetzt sage: Ich hab mir zusammen mit einem alten Kumpel daheim ›Batman‹ angesehen.«
»›Batman‹, wie passend«, meinte Becker. »Deswegen kam ich überhaupt auf dich. So hat Bankdirektor Steiner es nämlich ausgedrückt, bei dem du gestern ›wie eine Fledermaus‹ eingestiegen bist!«
Johnny schüttete den Kopf. »Alles Unsinn. Ich war gestern mit Paul Hartmann zusammen.«
»Warst du nicht!« Becker holte eine Plastikhülle heraus, in der ein Hunderter steckte. »Paul Hartmann ist nämlich gestern um neun verhaftet worden, als er in einer Pension sein Zimmer mit diesem falschen Hunderter bezahlen wollte. Seitdem sitzt er hier bei uns in Haft - weil er nämlich ohne Zimmer keinen festen Wohnsitz hat.«



© Rechte bei Autor/in und Jahn facts&fiction
Badische neueste Nachrichten 17/2017
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung

Mord nach Rezept - bei amazon kdp
H.P. Karr präsentiert: Mord nach Rezept – Band 7
Zwei Dutzend neue Kurzkrimis


Die Storyserie von H.P. Karr
Kurze Krimis für den kleinen Spannungskick
Unter anderem....
 Jackie Kowal:
Stefan schafft sie alle (Ein Fall mit Liebe)
Helga liebt Stefan. Aber liebt Stefan auch Helga? Oder nur ihre Wissen über die Sicherheitsvorkehrungen der Firma, bei der sie arbeitet? Denn Stefan ist ein Dieb. Und er möchte offenbar mehr stehlen als nur Helgas Herz.


H.P. Karr:
Pacta sunt servanda (Kaffeeklatsch mit einem Haifisch)
Irma Jakobsen empfängt Herrn Behrend zu einem Tässchen Kaffee auf der Veranda. Denn es gibt was zu besprechen - nämlich wie Irma aus dem Knebelverträgen der Kredite herauskommt, die Behrend ihr aufgeschwatzt hat.

Jackie Kowal:
Ein Mörder mit einer weißen Weste (Erstens stirbt man anders…)
Martin hat sich genau überlegt, wie er Stella loswird. Aber dann macht Stella ihm einen Strich durch die Rechnung, indem sie bei einem simplen Haushaltsunfall stirbt. Jetzt hat Martin nur noch das Problem, dass Stellas Bruder ihn für einen Mörder hält.

Zwei Dutzend clevere Kurzkrimis - bei amazon kdp



29.4.17

Aus dem Krimi-Archiv: Autoren mit Brillen

Aus dem Krimi-Archiv, Abteilung Autoren mit Brillen:
John White: Keine Zeit zu sterben
Hamburg, Kelter krimi791, 1969

Die Taschenbuch-Reihe des Kelter-Verlag in den ersten siebziger Jahren ist voll von solchen Autorenfotos und teilweise offensichtlich aufgepimpten Autorenbiographien. Wenn es "John White" wirklich gegeben hat (was wir nicht per se bezweifeln wollen), dann könnte vielleicht eher so wie sein Kollege "Hasso Hecht" (siehe weitere Bilder) eine Vergangenheit oder Hauptexistenz aus Heftromanautor gehabt haben. Immerhin war/ist Kelter einer der größten Heftromanverlage in Deutschland und in derTaschenbuchreihe wurden recht erratisch Titel der Hausautoren und Buchausgaben von Illustriertenromanen veröffentlicht.

Die "Filmvergangenheit" von John White, auf die die Autorenbio so großen Wert legt, könnte aber auch "nur" dem Romaninhalt geschuldet sein - es geht um einen großmäuligen Ich-Erzähler-Helden in der Lemmy Caution-Tradition, der in Cinecitta in eine Mordintrige gerät.
John White,
geboren in Polen, ist nach vorangegangenem siebenjährigem Aufenthalt in Spanien heute in Rom ansässig. Viele ausgedehnte Reisen führten ihn nach Portugal, in die Türkei, nach Rumänien, Griechenland und Nordafrika. Sie vermittelten ihm eine Fülle von Erlebnissen und Eindrücken. Nachdem er lange Jahre als Journalist und Zeichner gearbeitet hat, ist er heute vorwiegend als Drehbuchautor und Schauspieler tätig. Seine Erzählungen und Kurzgeschichten erschienen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften in mehreren Sprachen. Die Kriminalromane, abwechslungsreich und flott geschrieben, sind voller unerwarteter Überrascchungen und Situationen. Neben den Schauplätzen der internationalen Filmstädte spiegeln sie vorwiegend das "Filmische" - das Leben beim Film, den Hintergrund, seine Menschen und Charaktere.




Hasso Hecht: Die Katze lässt das Morden nicht
Hamburg: Kelter krimi823, 1972


"Hasso Hecht", eigentlich Hasso Plötze (*1921 in Hannover), hieß auch bei Bedarf "Jens Falkenhain" oder "Bob Hay", bzw auch ,  wenn er Western schrieb, "Frank Wells" oder "Kig Colt". (Man beachte die semantische und phonetische Spielerei: Hecht - Plötze - Hay - Wells)
 








Hasso Plötze studierte in Kiel Germanistik, Geschichte und Psychologie und arbeitete anschließend als Journalist und freier Schriftsteller. Er schrieb in den 50-Jahren eine Reihe von Leihbüchern mit dem Serienhelden "Rocky Maxim", einem FBI-Agenten und verfasste später auch Western und andere Genre-Romane. In den sechziger Jahren arbeitete an der Roman-Reihe "Jerry Cotton" des Bastei-Verlages und der Reihe "Kommissar X" des Pabel-Verlages mit, für die er jeweils Romanhefte und Taschenbücher verfasste.

Plötze schrieb außerdem eine Reihe von Arzt- und Liebesromanen und entwickelte in der Arztromanreihe DIAGNOSE des Bastei-Verlages unter dem Pseudonym "Jens Falkenhain" in den siebziger Jahren die Figur des "Polizeiarztes Dr. Jeff Brent" aus Morro Bay City, Kalifornien. Die Fälle des Dr. Brent sind immer kriminalistisch aufgebaut und so erschienen Neuausgaben der meisten Jeff Brent-Romane später unter dem Autorennamen "Hasso Plötze" auch in der Reihe der Roten Krimis des Goldmann Verlages.

Darüberhinaus hatte Plötze unter dem Pseudonym "Hasso Hecht" bereits in den siebziger Jahren Kriminalromane mit deutschem Ambiente beim Hamburger Kelter-Verlag veröffentlicht, die später teilweise ebenfalls in der Goldmann-Reihe neu erschienen.

27.4.17

Krimi der Woche: Das Leck im Rathaus



(C) Alle Rechte vorbehalten

Das Leck im Rathaus

Von H.P. Karr

Diskretion! Privatermittler Harry Lux hat das Wort in den letzten zehn Minuten mindestens zwanzig Mal von dem Fraktionschef der Mehrheitspartei gehört.
Grund für all die Diskretion, mit der man die Privatdetektei Lux engagiert hat, ist eine Akte mit 25 Fotokopien, die der Fraktionschef vor sich liegen hat. Die lokalpolitische Strategie der Mehrheitsfraktion - Stadionausbau, Innenstadtsanierung, Gewerbeansiedlung.
»Gestern, am Montag, haben wir uns im engsten Kreis über dieses Strategiepapier abgestimmt«, sagt der Fraktionsvorsitzende. »Die Sitzung fand hier in meinem Büro statt, von 10 bis 12 Uhr.« Er tippt auf die Notizen am Rand, die auf den Kopien mitkopiert sind. »Diese Notizen habe ich dabei auf meine Vorlage geschrieben, die ich leider offen liegen ließ, als ich zu Tisch ging. Ich kam um 16.30 Uhr zurück ins Büro und fand alles unverändert. Doch dann steckt heute Morgen diese Fotokopie der kompletten Vorlage im Briefkasten des Tageblatts.« Er senkt die Stimme. »Zum Glück steht der Lokalchef unserer Partei nahe und hat mich sofort informiert.«
Harry Lux sieht die Kopien durch. »Da sind Schmierspuren des Kopierers auf den Blättern.«
»Eben!«, meint der Fraktionschef. »Genau solche Spuren hinterlässt einer der Fotokopierer hier im Fraktionsbüro. Sie begreifen, was das heißt?«
Die diskreten Ermittlungen von Harry Lux ergeben, dass nur zwei Personen aus dem Fraktionsbüro die Akte kopiert haben können: Susanne Kleinschmitt, die Sekretärin, und Reinhold Meyerbeer, ein Student, der sein Praktikum in der Fraktion macht. Der Zähler des Kopierers, auf dem die Akte kopiert wurde, zeigt an, dass gestern mit Meyerbeers Kopierkarte um 14.30 Uhr sieben und um 16.23 Uhr 28 Kopien gemacht worden sind. Die Kopierkarte von Susanne Kleinschmitt ist um 10.45 Uhr für 50 Fotokopien benutzt worden, und um 14.33 Uhr für weitere 18 Kopien.
»Damit«, meint Harry Lux zum Fraktionschef, »wäre wohl klar, dass Ihr Praktikant das Leck in der Fraktion ist.«
»Meyerbeer? Aber wieso denn?«
»Aus Gründen der Logik!«, sagt Harry Lux. »Der Täter konnte die Akte erst nach Schluss der Sitzung um 12 Uhr von Ihrem Schreibtisch entwenden. Nach 12 Uhr kopierte aber Susanne Kleinschmitt nur 18 Blätter auf dem fraglichen Gerät – doch das Strategiepapier umfasst ja 25 Seiten. Aber Meyerbeer kopierte um 16.23 Uhr 28 Blatt. Damit ...«
»... ist alles klar«, murmelt der Fraktionschef. »Bitte behandeln Sie Ihre Erkenntnisse vertraulich, ja? Der Herr Meyerbeer ist nämlich der Neffe unseres Ministerpräsidenten. Da muss man ...«
»Diskretion wahren!«, nickt Harry Lux.

© beim Auto r/ Badische neueste Nachrichten 5/2015
Weiterverbreitung nur mit ausdrücklicher Genehmigung.



Mehr Krimis in:
H.P. Karr präsentiert:
Mord nach Rezept – Band 6:
In zwei Dutzend Kurzkrimis quer durch Deutschland