16.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
16. Dezember

Der Krimi für den 16. Dezember

Eine eiskalte Witwe

Ein Ruhrpott-Krimi von Ralph Petersen

Anne Weber wartete vor dem Institut für Rechtsmedizin in der Essener Hufelandstraße auf Kommissarin Nikki Funk. Obwohl das Polizeipräsidium um die Ecke lag, hatte die Kommissarin sich verspätet.
    »Sie haben einen Toten gefunden?«, fragte Anne Weber kühl. »In der Ruhr?«
    »Ja!«, sagte Nikki Funk. »Möglicherweise ist es Ihr Mann. Danke, dass Sie ihn sich ansehen wollen!«
    Daniel Weber, Inhaber eines Autoverleihs in Bochum, war seit drei Wochen verschwunden. Seine Frau hatte ihn als vermisst gemeldet. Hauptkommissarin Nikki Funk hat die Suche bisher geleitet, weil ein Verbrechen nicht ausgeschlossen werden konnte. Mit der detaillierten Beschreibung von Webers Gesundheitszustand, die ein Jahr vor seinem Verschwinden im Bergmannsheil-Krankenhaus in Bochum anlässlich einer schweren Magenoperation erstellt worden ist, hat die Kommissarin bei allen Krankenhäusern in Bochum, Essen. Dortmund und sogar Duisburg nachgefragt - ohne Erfolg.
    Anne Weber folgte der Kommissarin in den gekachelten Raum der Pathologie. Auf dem Edelstahltisch lag die Leiche des Mannes, der am Morgen am Ruhrufer in Bochum Dahlhausen angetrieben worden ist.
    Anne schluckte. Doktor Hoffmann, der leitende Rechtsmediziner, kam aus seinem Büro. »Die erste Untersuchung habe ich bereits gemacht«, sagte er leise zu Nikki Funk. »Ein Mann, circa 45 Jahre alt, 1,75 Meter groß, dunkles Haar mit grauen Strähnen, Stirnglatze. Die Haut weiß, kaum gebräunt, keine sichtbaren Narben oder Spuren von Eingriffen. Konstitution durchschnittlich.«
    Doktor Hoffmann schlug das Laken von dem Toten zurück. Anne Weber musterte die Leiche, deren Gesicht aufgequollen und kaum zu erkennen war. Ihre Lippen bewegten sich stumm. »Ja«, sagte sie schließlich. »Das ist er. Das ist mein Mann.«
    »Ich brauche noch den Namen seines Zahnarztes«, sagte Hoffmann. »Um einen Gebissvergleich zu machen.«
    »Aber warum?«, fragte Anne. »Es ist ganz klar mein Mann. Eindeutig. Ich erkenne ihn. Wurde er... ermordet?«
    »Bislang gibt es keine Spuren eines Verbrechens«, sagte Dr. Hoffmann.
    »Stellen Sie mir einen Totenschein aus?«, fragte Anne Weber den Rechtsmediziner.
    Nikki war erstaunt. »Wozu brauchen das Dokument so schnell?«
    »Die Lebensversicherung meines Mannes verlangt einen Totenschein und eine Sterbeurkunde, sonst zahlt sie nicht!«
    Nikki Funk sah die Frau lange an. Sie hatte von Anfang an das Gefühl gehabt, dass hier etwas nicht stimmte. Und jetzt wusste sie auch, was. »Haben Sie deshalb eben gelogen?«, wollte sie wissen. »Dieser Tote ist nicht Ihr Mann. Das werden wir sicher feststellen, wenn Dr. Hoffmann die Zahnarztunterlagen vergleicht - was Sie eben verhindern wollten. Aber es gibt noch ein klares Indiz - Ihr Mann hatte eine schwere Magenoperation, doch dieser Tote hier weist laut Dr. Hoffmanns Befund keine sichtbaren Narben oder Spuren von Eingriffen auf.«
    Anne Weber schluckte. »Daniel... ich vermute, er hat sich mit seiner Geliebten abgesetzt«, murmelte sie. »Das Autohaus steht vor der Pleite. Ich wollte doch retten, was zu retten ist!«
    

Die Lösungen der Quizfragen vom 15. Dezember
Wie heißt Gonzo wirklich?
b) Heinrich Gonschorek

Wie heißt der vierte Gonzo-Roman?
b) Bullenwinter

Wer spielte Schimanskis Kollegen Thanner?
a) Eberhard Feik

Wie hieß der erste Schimanski-Tatort?
a) Duisburg Ruhrort


Mord nach Rezept

Ermittlerkrimis, Ganovenkrimis, Ladykrimis, Psychokrimis,  Schnüfflerkrimis, heitere Krimis - alles ist in: Mord nach Rezept.
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Eine eiskalte Witwe
Ein Ruhrpott-Krimi von Ralph Petersen
Auf einen blick, Heft 36/2014
© by author/Jahn facts&fiction

15.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
15. Dezember

Der Gonzo-Krimi für den 15. Dezember


Der Moosrosenkavalier

Eine Gonzo-Story von Karr &  Wehner

Sie waren schon alle da, als Gonzo in Altendorf ankam: Streifenwagen, der Kleinbus von der Spurensicherung, die beiden Zivilkutschen vom Kriminaldauerdienst und der Leichenwagen. Vorm Haus tuschelten die Nachbarn.
    Der Blumenhändler, vor dessen Laden Gonzo den Kombi in eine Parklücke quetschte, schleppte die Dahlien aus dem Saisonangebot und die Yukkapalmen zum Sonderpreis aus der Straßenauslage in den Laden zurück. Als Gonzo die Suzie von der Ladefläche holte, plierte der Händler auf die Aufkleber auf den Seiten. »Gonschorek Videoproduktion - TV und Werbung - sind Sie dass?«
    Gonzo checkte die Suzie und kontrollierte die Akkus und behielt den Hauseingang im Auge.
»Sind sie schon mit dem Sarg raus?«
    Der Blumenhändler kratzte sich am Kopf. »Moosröschen«, sagte er. »Vor drei Stunden hat er sich noch Moosröschen geholt.  17 Stück. Hochzeitstag, hat er gesagt, 17 Jahre.« Er nahm die letzten Armvoll Dahlien aus dem Eimer. »Er hat immer Moosröschen genommen.«
    »Klar«, sagte Gonzo. »Ist der Sarg schon raus?«
    Der Händler schüttelte den Kopf. Von den Stielen der Dahlien tropfte es. »Seine Frau war eine ganz liebe«, sagte er. »Jede andere hätte ihn schon längst auf die Straße gesetzt. Dauernd diese Techtelmechtel. Zuletzt mit der Angelika aus der Lottoannahmestelle an der Ecke. Immer Moosröschen. Zwei Wochen lang jeden Tag, bis er sie rumhatte. Und vorher die Kindergärtnerin, achtzehn Tage. Oder die Blonde vom Friseur, nur drei Tage. Und immer Moosröschen.«
    »Alles klar«, sagte Gonzo und drängelte sich mit der Suzie auf der Schulter durch die Gaffer. Er hatte Glück. Hoffmeister von der Nordwache stand am Eingang und nickte Gonzo nur kurz zu, als er sich ins Treppenhaus schob. Es war die Parterrewohnung. Im Treppenhaus warteten die Bestatter mit ihrem Blechsarg, die Wohnungstür stand auf, Spurensicherer in ihren weißen Anzügen stellten ihre Nummerntäfelchen auf und fotografierten. Kommissar Behrendt vom Kriminaldauerdienst lehnte in der Küchentür, die Hände in den Jackentaschen.
    »Mach schnell«, sagte er zu Gonzo. »Du gibst ja sowieso nicht eher Ruhe, bis du deine Bilder hast.«
    Gonzo setzte die Suzie an. Auf dem Küchenboden lag zerschlagenes Porzellan, Stücke von Tellern, mit Soße verschmiert, zwei, drei Fleischrouladen, Kartoffeln. Aus dem Wohnzimmer kamen Stimmen. Jemand weinte.
    »Die Leiche geht nicht über den Sender!« sagte Behrendt und ging zur Seite. Gonzo schob sich in die Küche, schwenkte die blitzblanke Edelstahlspüle und die Hängeschränke ab, den Tisch, die Wachstuchdecke mit den Sommerblumen auf dem Boden und die Scherben. Der Tote lag vor dem Küchenschrank, das Gesicht von Stichen zerfetzt, die Brust voller Blut und das Filettiermesser im Bauch.
    »Siebzehn Stiche«, sagte Behrendt zu niemand bestimmtem. Jemand hatte dem Toten die Hände auf der Brust gefaltete, der Moosröschenstrauß klemmte zwischen den Fingern.
    Gonzo setzte die Suzie ab. Im Wohnzimmer weinte eine Frau.
    »Sie?« fragte Gonzo.
    Behrendt nickte und machte den Leichenträgern mit ihrem Sarg Platz. »Hat uns selber angerufen.«
    »Motiv?« fragte Gonzo, mehr der Form halber.
    »Noch offen«, sagte der Kommissar.
    Die Leichenträger nahmen dem Toten die Moosröschen aus der Hand, ehe sie ihn in den Blechsarg legten.
  



1994 erschien mit »Geierfrühling« der erste Gonzo-Thriller des Essener Autorenteams Karr & Wehner. Es folgten den Jahreszeiten entsprechend der »Rattensommer« und der »Hühnerherbst«. Im Mittelpunkt steht der etwas angeschmuddelte Videojournalist »Gonzo« seine Verlegenheitsassistentin Betty. Für den »Rattensommer« erhielten Karr&Wehner den Friedrich Glauser-Preis.

 

Wie heißt »Gonzo« wirklich?
a) Henry Gunschera
b) Heinrich Gonschorek
c) Ewald Gonzke
d) Max Gonz


Wie heißt der vierte Gonzo-Roman?
a) Wintermorde
b) Bullenwinter
c) Tödlicher Schnee
d) Gonzos Abgang



"Horst Horst Horst!" Der Seufzer des Schimanski-Kollegen Thanner offenbarte den Vornamen des inzwischen beliebtesten Ruhrpottbullen. Horst Schimanski, gespielt von Götz George, hatte 1981 seinen ersten Auftritt als Kommissar in einem TATORT-Film. Als schmuddliger Bad Boy in der verwaschenen Jacke löste er den Trenchcoat-Kommissar Haferkamp alias Hansjörg Felmy ab, der bis dahin für den WDR ermittelt hatte. Inzwischen hat es "Schimmi" sogar zu einer eigenen Horst Schimanski Gasse gebracht – natürlich in der Stadt, in der er ermittelte.

Wer spielte Schimanskis Kollegen Thanner?
a) Eberhard Feik
b) Klaus Wennemann
c) Leonard Lansink
d) Heinrich Schafmeister

Wie hieß der erste Schimanski-Tatort?
a) Duisburg Ruhrort
b) Köln Zollstock
c) Mülheim Ruhr
d) Dortmund Huckarde

Lösungen: morgen im Adventskalender
   
  


Karr&Wehner
Der Moosrosenkavalier
© by Autoren/Jahn facts&fiction

14.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
14. Dezember

Der Krimi für den 14. Dezember

Zug um Zug


Von H.P. Karr
    

Die Kneipe neben dem Bahnhof war etwas finster, so dass Franzinger kaum die kleinen Meldungen in der Zeitung entziffern konnte, die auf dem Tresen herumlag. Dann kam auch schon Schueller herein: im Designeranzug, braungebrannt, mit einer schrillen roten Brille und seiner wallenden Frisur, mit der er sich auf jugendlich trimmte.
    »Alles geklappt?«, fragte er. Franzinger schob ihm die Kreditkarten und die schrille rote Brille hin. »Alles klar«, sagte er. »Die Perücke habe ich im Zug weggeworfen!«
    »Gut!« Schueller bestellte mit einem Fingerschnippen ein Pils. » Gut!«, sagte er dann nochmal. Und schließlich: »Perfekt!«
    Er schob Franzinger einen Umschlag hin, in dem 1000 Euro sein mussten. »Danke! Sie haben mir wirklich sehr geholfen!«
    Franzinger zuckte mit den Schultern. »Ich kann ja nichts dafür, dass ich fast so aussehe wie Sie. Bis auf die Haare halt!« Er strich sich über seinen Bürstenschnitt. »Mit Ihrer Briele und Ihren Papieren bin ich in Berlin auf dem Kongress glatt als Udo Schueller durchgegangen. Nur von den Vorträgen habe ich nichts verstanden.     »Einsatz von Polymeren in der Implantatprothetik«, sagte Schueller. » Müssen Sie ja auch nicht, mein Lieber. Ich verstehe ja auch nichts von Werbedesign. Ohne unsere gemeinsame Leidenschaft für den FC wären wir uns ja auch nie begegnet.«
    Das war jetzt sieben Wochen her, in der Südkurve hatte Schueller ihn angesprochen. Und auf dem Stadionklo, vor dem Spiegel, hatte er festgestellt, dass er dem Kieferchirurgen wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten war. Bis auf die Haare. Also das Problem hatten sie ja mit der Perücke gelöst.
    »Ihr Story ist wasserdicht!«, sagte Franzinger. »Ich meine: unsere Geschichte. Jeder im Kongresshotel wird schwören, dass Sie da waren. Auf allen Überwachungsvideos sieht man sie - und alle Rechnungen sind mit Ihrer Kreditkarte bezahlt.« Er grinste. » Wenn Sie also wieder einmal ein Alibi brauchen für ein Date mit Ihrer Freundin...«
    »In nächster Zukunft nicht!« Schueller wandte sich zum Gehen. »Danke für alles!«
    »Moment noch!« Franzinger zog ihn zurück und tippte auf die Zeitung. »Sehen Sie - ich habe da gerade gelesen, dass letzte Nacht eine Lydia Sch. draußen im Erlengrund in ihrem Haus ermordet worden ist...«
    Schueller schluckte. »Hören Sie…«
    »Nein, Sie hören zu«, sagte Franzinger. »Sie haben kein Alibi für ein Date mit Ihrer Freundin gebraucht, Sie wollten eins für den Mord an Ihrer Frau, Freundchen. Und ich Idiot hab es ihnen geliefert.«
    Schueller sagte eine Weile nichts. »Wieviel?«, fragte er dann.
    Franzinger beugte sich vor. »Nein, kein Geld, Schueller. Ich will, dass Sie sich die Haare so kurz schneiden lassen wie ich und nächstens Freitag für mich auf eine todlangweilige Vernissage in Düsseldorf gehen, von sieben bis halb elf. Dann brauche nämlich ich ein Alibi, verstehen Sie?«





Mord nach Rezept

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H.P. Karr
Zug um Zug

© by author/Jahn facts&fiction

13.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
13. Dezember

 Der Adventskrimi für den 13. Dezember


Die Weihnachtsgeschichte

Von Almuth Heuner

Ich hab's ja nicht so mit dem Lesen. Aber wer Stories schreibt, so wie meine Schwester, der imponiert mir mächtig. Wegen ihr saß ich hier im Verlag einer Frau Dr. Zirkelfeld gegenüber. Auf dem Tisch stand eine Schale mit Spekulatius. Es war der 4. Dezember, und im Flur hatte ich den Aushang für die heutige Verlagsweihnachtsfeier gesehen.
    Ich bin Roswitha. Früher sagten alle »das Riesenross« zu mir. Heute traut sich das niemand mehr. Vermutlich wegen des Tattoos auf meiner Stirn und des Nasenpiercings.
    Mein Job? Ich erledige Dinge, meist für Inkassobüros. Einfach ist das nicht, aber ich kann ganz gut reden, und wenn Reden nix nützt, baue ich mich vor den Leuten auf, und das wirkt dann. Meine Knarre muss ich dann meist gar nicht mehr aus dem Achselholster holen.
    »Tja«, meinte ich zu Frau Dr. Zirkelfeld. »Meine Schwester hat mich bevollmächtigt, das Honorar abzuholen. Für die Weihnachtsgeschichte, die sie für Ihr Buch Und Friede auf Erden geschrieben hat.«
    Die Zirkelfeld tat erst so, als »wüsste sie nicht«, aber als ihre Brille zu Bruch ging, rief sie in der Buchhaltung an.
    Wie es schien, waren sie da noch nicht dazu gekommen, das Honorar anzuweisen. Wegen des Weihnachtsgeschäftes. Das war natürlich eine Ausrede, und deshalb war ich vielleicht ein bisschen kurz angebunden, als ich bei Frau Wellenturm in der Buchhaltung hereinschneite. Sätze wie »erhalten Sie in Kürze« stoßen bei mir auf taube Ohren. Es tat mir schon etwas leid, dass die Wellenturm mit dem gebrochenen kleinen Finger den Barscheck selbst ausfüllen musste, weil ihre Sekretärin bereits zur Weihnachtsfeier gegangen war.
    Jetzt fehlte nur noch die Unterschrift des Verlagsleiters. Der machte einen etwas hilflosen Eindruck, als ich in sein Büro kam.
    »Was zum Teufel …«, sagte er und griff zum Telefon.
    Ich legte die Hand auf die Gabel. Die Sache zog sich zu lange hin. Ich schlug den Ledermantel etwas weiter auf, weil die Knarre im Holster drückte, beugte mich über den Tisch, knallte dem Kerl den Scheck hin und sah ihm in die Augen. »Ich nehm auch Bargeld.«
    Er fing an rumzuquatschen. So was kann ich nicht leiden. Ich drückte ihm den Hörer in die Hand und wartete, bis er das mit der Kohle geregelt hatte - was wegen der zwei Schneidezähne, die ihm fehlten, eine Weile dauerte.
    Ich weiß nicht, ob die Leute traurig waren, weil sie auf der Feier nicht die Umschläge mit ihrem Weihnachtsbonus bekamen - ich aber war zufrieden, als ich ging. Ich hatte die Knete für meine Schwester, und seitdem habe ich einen Fuß im Verlagsgeschäft.




Foto: Uwe Kletzing
Almuth Heuner lebt und arbeitet als Übersetzerin und Herausgeberin in Bochum. Sie packt zu Weihnachten am liebsten Geschenke aus und sieht auch gern anderen dabei zu.  Nach ihrem Studium in Mainz-Germersheim lebte sie länger fern des Ruhrgebiets, kehrte jedoch vor ein paar Jahren zurück, um die alte Heimat neu für sich zu entdecken. Sie hat zuletzt die folgende, wunderbare Weihnachtsanthologie herausgegeben:

 


Killer, Kerzen, Currywurst
Spannende, kuriose und besinnliche Weihnachtskrimis aus:
Bochum, Bottrop, Datteln, Dortmund, Duisburg, Essen, Mülheim, Oberhausen, Unna, Wanne-Eickel und Wattenscheid.
Geschrieben von Autoren, die im Ruhrgebiet leben:
Mischa Bach, Christiane Bogenstahl, Christiane Dieckerhoff, Arnd Federspiel, Almuth Heuner, Karr & Wehner, Herbert Knorr, Peter Märkert, Irene Scharenberg, Gesine Schulz, Thomas Schweres, Mike Steinhausen, Ursula Sternberg.


Almuth Heuner (Hg)
Killer, Kerzen, Currywurst

Prolibris Verlag
ISBN 978-3-95475-156-3



Almuth Heuner:
Die Weihnachtsgeschichte
© Rechte bei der Autorin/Jahn facts&fiction

12.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
12. Dezember

Der Krimi für den 12. Dezember
 

Ein Gläschen in Ehren


Von H. P. Karr

     

Kommissar Gerber musterte die Umrisse des Ausbrechers Dirk Schneider auf dem Teppich in Carl Huebners Wohnzimmer.
     »Meine Frau ist bei Freunden«, sagte Carl Huebner. »Es ging alles ziemlich schnell. Schneider brach zusammen und starb, nachdem er den Wein getrunken hatte.«
     »Der Wein, ja«, sagte der Kommissar. »Eine 1999er Kufbacher Spätlese. Unser Labor hat den Rest in der Flasche untersucht. Es war Reinigungsflüssigkeit darin, mit der Winzer die Fässer desinfizieren.«
     »Wie geht es dem Gefängniswärter, den Schneider bem Ausbruch niedergeschlagen hat?«, fragte Huebner.
     »Den Umständen entsprechend«, sagte der Kommissar. »Als wir die Meldung von Schneiders Ausbruch bekamen, haben wir befürchtet, dass so etwas wie hier passieren würde.«
     »Als wir aus dem Kino kamen, stand Schneider hinter der Tür«, berichtete Huebner. »Er hat meiner Frau ein Messer an den Hals gesetzt. Er fesselte uns. Dann entdeckte er den Wein, den meine Frau gestern gekauft hatte. Er trank davon und brach zusammen.«
     »Möglich, dass das Desinfektionsmittel beim Winzer in die Flasche geraten ist«, sagte der Kommissar. »Der Winzer meint allerdings, dann hätte der Inhalt eines ganzen Fasses vergiftet sein müssen. Also haben wir den Rest der Produktion aufgestöbert – und haben nichts gefunden. Alle Flaschen waren einwandfrei.« Der Kommissar machte eine Pause. Dann sagte er: »Die Nachbarn sagen, dass Sie sich manchmal mit Ihrer Frau streiten?«
     »Klatsch«, erwiderte Huebner.
     »Ihre Frau trinkt gern einen Schluck?«
     »Richtig.«
     »Und Ihre Frau hat ein Vermögen, das Sie im Fall ihres Todes erben?«
     Huebner war blass geworden. Der Kommissar fuhr fort: »Sehen Sie, wir haben uns nicht nur in dem Laden umgehört, in dem Ihre Frau den Wein gekauft hat, sondern im ganzen Ort. Können Sie sich denken, was wir dabei herausgefunden haben?«
     »Sagen Sie es mir!«, krächzte Huebner.
     »Nun«, meinte der Kommissar, »zuerst haben wir in der Apotheke erfahren, dass Sie eine Spritze und Injektionsnadeln gekauft haben. Dann entdeckten wir, dass das Reinigungsmittel, mit dem die Winzer die Fässer desinfizieren, auch als Haushaltsreiniger im Handel ist. Also fragten wir weiter und fanden einen Laden, in dem Sie eine Flasche dieses Haushaltsreinigers gekauft haben.« Der Kommissar lächelte schmal. »Sie wollten Ihre Frau mit dem Wein vergiften, nicht wahr? Leider kam Ihnen Schneider dazwischen.«
     Huebner schluckte. »Ja«, krächzte er. »Aber es hat nicht geklappt. Sie können mir nichts anhaben.«
     »Falsch!«, meinte der Kommissar. »Ich verhafte Sie wegen Mordes an dem Ausbrecher Dirk Schneider!«   
    




Mord nach Rezept

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H.P. Karr
Ein Gläschen in Ehren
Badische neueste Nachrichten 41/2015
©beim Autor/Jahn facts&fiction

11.12.17

Der Mord Nach Rezept-Adventskalender
11. Dezember

Das   Krimi-Ranking für den 11. Dezember

Die vier schrägsten Detektive und Ermittler:


Platz 4
Nick Knatterton

Von Manfred Schmidt (1913 – 1999)

Ein im wahrsten Sinn aus«gezeichneter« Krimiheld. Besondere Kennzeichen: Das markante Kinn und der gegen alle Gesetze der Zeichenkunst durchkarierte Mantel. Flottester Spruch: »Kombiniere!« Pfeifenraucher. Geigenspieler.  Eine Verwandtschaft zu den US-Helden »Nick Carter« und »Nat Pinkerton« konnte nie ganz belegt werden. Nach anderen Quellen ist sein richtiger Name Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter und er entstammt einem uralten Adelsgeschlecht bei Kyritz an der Knatter.

Delikte: Ein Comic-Strip (1950-59), mit Episoden wie »Der Schuss in den künstlichen Hinterkopf« oder » Der Drohbrief im Pyjama«, eine Zeichentrick-Fernsehserie, ein Realfilm

Platz3
Major Adolf Kottan

von Helmut Zenker (1949 – 2003)

»Inspektor gibt's kaan!« Major Adolf Kottan ermittelt in Wien für das dortige Sicherheitsbüro. Von seinem Naturell her eher mürrisch tritt er auch seinen Kollegen gegenüber mitunter so auf. Vor allem sein Assistent Schrammel, nicht gerade eine Leuchte, hat unter dem unwirschen Kottan zu leiden. Für die Beschaffung der Leichen ist oft der Obdachlose Drballa zuständig, der sich sogleich direkt mit dem Major in Verbindung setzt.

Delikte: So um die acht Romane, mindestens ein Hörspiel, eine Fernsehserie (19 Folgen von 1976 bis 1983). Posthume Fälle, aufgeschrieben von seinen Nachkommen. Eigene Webseite, jede Menge Franchise-Artikel. Außerdem eigene Musikformation: Kottans Kapelle. Mit einem Wort: Kottan ist Kult.


Platz 2
Chico Pipa

von Carlo Manzoni (1909 – 1975)
Chico Pipa ist einer der härtesten Detektive ever. Supercool, supersmart, superhart. Nur übertroffen von seinem Partner Gregorio Scarta, dem Meister der Undercover-Recherche. Ach ja: Gregorio Scarta, genannt Gregg, ist ein Hund.

Delikte: Knapp 10 »Superthriller«, etwa »Blut ist kein Nagellack« (1960), »Der Finger im Revolverlauf (1960) oder »Der tiefgekühlte Mittelstürmer« (1963)

Platz 1
Paul »Die Wanze« Muldoon
von Paul Shipton (1963 - )

»Die Wanze« Muldoon ist genau das und von Beruf Privatdetektiv. Aus Langeweile nimmt er einen eher langweiligen Fall an: Ein Ohrenkneifer ist spurlos verschwunden. Muldoon stößt bei seinen Nachforschungen auf jede Menge Ungereimtheiten.

Delikte: Ein Roman, ein Hörbuch, eine Bühnenfassung, ein Sequel »Heiße Spur in Dixies Bar«.



Mord nach Rezept

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Krimi-Ranking:
Text: Reinhard Jahn, mit Material von wikipedia, krimilexikon.de und kottan-ermittelt.at



10.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
10. Dezember

Das Krimi-Ranking für den 10. Dezember
Die besten deutschen Krimi-Verfilmungen
 

Platz 4
Vier Schlüssel
BRD 1965 
Regie Jürgen Roland
Mit Günther Ungeheuer, Horst-Michael Neutze, Walter Rilla, Monika Peitsch









 


Worum geht es?
Eines der ersten Heist-Movies im Nachkriegsdeutschland: In einer Hamburger Bank werden über das Wochenende 3,5 Millionen Deutsche Mark im Tresor eingelagert. Der Tresor kann nur mit vier Schlüsseln geöffnet werden, die von verschiedenen Funktionsträgern der Bank mit sich geführt werden. Eine straff organisierte Gangstertruppe unter Leitung von Alexander Ford (Neutze) schafft es, die vier Schlüsselträger festzusetzen und ihnen unter Drohungen die Schlüssel abzupressen. Der Coup scheint zu gelingen, bis am Ende doch alles schiefgeht

Jürgen Rolands kühle, protokollartige Regie, die klare Kameraführung und die konsequente Spannungsdramaturgie, die die zahlreichen Handlungsstränge mit Cliffhangern zusammenbindet sorgten für ein perfektes Spannungsstück. Dass die Figuren meist schablonenhaft blieben, fiel da nicht besonders auf – auch weil mit Horst-Michael Neutze und Günther Ungeheuer zwei echte Könner im Genre des »bösen Buben« am Start waren.

Welcher Roman war die Vorlage?
»Die vier Schlüssel« von Max Pierre Schaeffer. Der Journalist Schaeffer ließ sich für seinen Roman von einem authentischen Fall aus der Schweiz inspirieren. Zugleich fiel der Film auch in die Zeit, als die englischen Posträuber (1963) mit ihrem perfekt geplanten Coup das Interesse an solchen Heist-Stoffen geweckt hatten. Zeitgleich zur Premiere der »Vier Schlüssel« entstand bereits die dreiteilige Fernsehverfilmung des Posträuber-Dokudramas »Die Gentlemen bitten zur Kasse«, nach dem Tatsachenbericht von Henry Kolarz.

Platz 3
Der Schneemann
BRD 1985
Regie: Peter F. Bringmann
Mit: Marius Müller-Westernhagen


Worum geht es?
Der klugschwätzende Abenteurer und halbseidene Entrepreneur Dorn (im Buch: Blum)  hängt auf Malta fest und versucht 5000 dänische Pornohefte nach Ägypten zu verkaufen. Der Deal geht schief und unter dem Toupet seines toten Aufkäufers findet er einen Gepäckaufbewahrungsschein des Münchner Hauptbahnhofs. Was lagert dort? Ein Karton mit 25 Dosen Old Spice Rasierschaum – allerdings mit speziellem Innenleben: zweieinhalb Kilo reinsten Kokains. Wenn Blum die an den richtigen Kunden verkaufen kann, ist er alle seine Sorgen los.
 »Der Schneemann« kam 1985 als Star-Vehikel für Marius Müller-Westernhagen in die Kino. MMW war damals noch kein Rockstar war, sondern hatte gerade erst als Schauspieler einen Kassenerfolg in der Verliererkomödie »Theo gegen den Rest der Wel« erzielt.
Das »Schneemann«-Drehbuch von Matthias Seelig übernimmt nur wenig aus dem Roman, aber es sind die wesentlichen Dinge: Blum/Dorns Klugschwätzereien, seine träge Verachtung für alles konventionelle und bürgerliche und nicht zuletzt seine Stehaufmännchen-Mentalität. In seinem weißen Leinenanzug wirkt er wirklich wie ein aus der Zeit gefallener Sohn der Schwarzen Serie.

Welcher Roman war die Vorlage?
»Der Schneemann« (1981) von Jörg Fauser (1944 bis 1987). Fauser war Journalist, Junkie, Lyriker, Schriftsteller, der souverän jede Einordnung in die E- oder U-Kategorien umschiffte. Den deutschen Krimi seiner Zeit hat er gehasst, was ihn aber nicht daran hinderte, einige der besten deutschen Krimis seiner Zeit zu schreiben.
»Der Schneemann« ist ein auf seine ganz spezielle Art vom Koks befeuertes literarisches Road-Movie durch die Bundesrepublik der Achtziger, inspiriert von der stilistischen Finesse eines Raymond Chandler und dem Rebellentum eines Marlon Brando, über den Jörg Fauser eine Biographie schrieb. Später erklärte Fauser gern, der »Schneemann« sei nur zum Geldverdienen geschrieben worden – aber vielleicht ist er gerade deshalb so gut, so konzentriert, so schnörkellos perfekt, wie es Fausers spätere Krimis nie wieder wurden.

Platz 2
Die Katze
BRD 1988
Regie: Dominik Graf
Mit: Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter


Worum geht es?
Düsseldorf, 16. Juni 1987. Meistergangster Probek (George) hat einen Plan am Start, der ihm und seinen Mittätern (Hoenig und Richter) drei Millionen Mark Lösegeld bringen soll. Probeks Komplizen überfallen dazu eine Bank und nehmen Geiseln, die gegen das Lösegeld ausgetauscht werden sollen. Es entspinnt sich ein psychologischer Nervenkrieg zwischen den verschiedenen Parteien - Polizei, Gangster, Probek – der am Ende von einem Showdown beendet wird.
Kritiker bezeichneten die frühe Kinoarbeit von Dominik Graf durchaus wohlwollend als den schmutzigen kleinen Bruder von »Dog Day Afternoon« von Sidney Lumet. In der temporeichen, dichten Inszenierung zeigte Graf  schon damals alle seine Stärken und Vorlieben – die hektischen Bilder der bewegten Kamera aus den Krisenstäben, die verwackelten Observationsbilder des Bankraubes, das beständige Annähern an die Orte aus verschiedenen Perspektiven und last but not least – die Verwendung der Tonspur mit dem Sprechfunk der Polizei als eigenen Handlungsträger.

Welcher Roman war die Vorlage?
»Das Leben einer Katze«, später »Die Katze« von Uwe Erichsen ist ein reines Genrestück aus der Werkstatt des Spannungs-Spezialisten Erichsen, der seine Karriere als Jerry Cotton-Autor  und startete und später für »Der Fahnder« und andere Serien aus der Produktion der Münchner Bavaria schrieb, wo auch Dominik Graf sich seine ersten Sporen verdiente. Die Story funktioniert nach dem Prinzip des Masterminds mit einem Masterplan, der am Ende dennoch mit seinem Vorhaben scheitert.

Platz 1
St. Pauli Nacht
BRD 1999
Regie: Sönke Wortmann
Mit: Armin Rohde, Heiner Lauterbach, Benno Führmann, Christian Redl


Worum geht es?
Shortcuts und Episoden aus dem Tag- und Nachtleben im Hamburger Stadtteil St. Pauli: In mehreren miteinander verketteten Episoden erzählt der Film den vergangenen Tag aus der Perspektive verschiedener beteiligter Personen, so unter anderem eines Taxifahrers, eines Kleinkriminellen, einer transsexuellen Prostituierten und zweier Jugendlicher.
Der Film besticht nicht nur durch sein All-Star-Cast (Rohde, Führmann, Lauterbach, Redl), sondern vor allem durch seine inszenatorische Dichte, die die ansonsten disparaten Elemente der Handlung zu einem Ganzen zusammenfügt. Die besondere Glaubwürdigkeit erlangt dies alles nicht zuletzt durch die prägnanten und präsenten Dialoge, durch die perfekte Beherrschung der Dialekte und Soziolekte des Viertels – was klar auf das Konto des Drehbuchautors Frank Göhre geht.

Welcher Roman war die Vorlage?
»St. Pauli Nacht« von Frank Göhre, der Roman entstand bereits im Zusammenhang mit der Drehbucharbeit zum Film und nimmt in seiner Erzählweise das fragmentarische des Films auf, ergänzt die Handlungsteile um einige weitere Elemente zeigt genau wie der Film seine  Stärken den Dialogen und dem extrem dichten Erzählton.


9.12.17

Der Mord nach RezeptAdventskalender
9. Dezember

Der Adventskrimi für den 9. Dezember

Martin Walser: Tod eines Teetrinkers


Komplett gefälscht von H.P. Karr

Überhaupt, sagte er, sagte er nahezu noch ehe er die Tür öffnete, er müsse eines klarstellen: Dass es sich bei den Vorfällen der letzten Zeit nicht - er wiederhole: Nicht um eine von ihm selbst initiierte Aktion handele. Er wisse, sagte er, mich durch ein düsteres Patio führend, er wisse also, dass es sich beim allem, was geschehen sei, um ein Komplott handele; ein Komplott, das verstünde ich doch.
Denn es sei doch wohl offensichtlich, dass er stets ein Teetrinker gewesen sei. Nur Tee! wiederholte er, stets. Schon auf dem Weg in den Salon, durch dessen weitläufige Fenster der Blick sich über den See eröffnete. Tee!

Ich: Gewiss, nur sei zunächst zu klären, wie er sich den erkläre, in den Ruf eines Kaffeetrinkers gekommen zu sein...

Er: Komplott, wie ich sagte, eindeutig ein Komplott von Kettenmacher, dem Kettenhund der Konspiration, der sich schon immer mit dem dem Kaffee-Kombinat gemein gemacht habe, allgemein gemacht hätte. Aber zunächst - wirbelnd mit den Händen: Tee, first flush, nicht wahr? Ich müsse nämlich wissen, dies mich in die Küche ziehend, es sei ein weit verbreiteter Irrtum, dass Tee dem Kaffee nachstehe, vielmehr, und dies beim Vorbereiten des Tees, sei es umgekehrt, das verstehe ich doch.

Ich: Verstehe, verstand stehend bei ihm, ihn bei der Verrichtung beobachtend.

Das Wasser - kochend! Verstehen Sie! - in das Gefäß zu geben, um sodann zu warten. Kettenmachers Behauptung, er sei ein Kaffeetrinker, diese öffentlich geäußert, habe ihn zutiefst betroffen gemacht.
Im Salon, im Sessel, beim See, das Getränk im Gefäß und wärmend an den Händen: Das sei ein Mord gewesen. Er sei gemordet worden in seinem Wesen, das ihn präge, als Teetrinker. Gemordet, ja.

Ich: Ja, gemordet. Und inwieweit er es für möglich, wenn nicht vielleicht auch für gegeben hielte, einige sozusagen letzte Worte zu äußern: der Nachwelt, von ihm, dem Gemordeten.

ber was denn noch? Hochfahrend, die Worte, sicherlich die vorletzten, mit den Händen wirbelnd. Worte! Wieso immer Worte? Es sei genug, dies ermüdet und nicht belebt vom First Flush. Keine Worte mehr, nichts, nicht wahr. Ich möge gehen.

Ich: Ging.


ENDE

H.P. Karr lebt im Ruhrgebiet. Er veröffentlichte zahllose Stories und rund ein Dutzend Thriller, darunter - gemeinsam mit Walter Wehner - die »Gonzo«-Romane, von denen »Rattensommer« 1996 als bester Krimi das Jahres mit dem Friedrich Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. 
www.hpkarr.de



H.P. Karr:
Tod eines Teetrinkers
©beim Autor/Jahn facts&fiction

8.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
8. Dezember - Krimitag

Der Krimi zum Krimitag:

Mord im Regional-Express

Von Arnd Federspiel
    
     »Er ist ermordet worden.« Mit einem Nicken wandte sich der rundliche Mann im weißen Anzug von der Leiche ab und zwirbelte den schmalen Schnurrbart. »Und ich, der beste Detektiv der Welt, werde den Fall aufklären!« Seine Augen blitzten.
     »Aber…«, begann einer der anderen Passagiere des Großraumwagens, doch der Stämmige hob die Hand.
     »Non, non, mon ami«, sagte er. »Es steht außer Frage. Das war kein natürlicher Tod.«
     Er blickte in die Runde. Außer ihm waren noch 12 weitere Personen anwesend: der Colonel, der ihn auf dieser Reise nach Deutschland begleitete, zehn andere Passagiere und selbstverständlich der Tote.
     Der Mann in Weiß lächelte – ein wenig herablassend, wie er selbstkritisch zugeben musste – und sagte: »Lassen Sie mich erklären.«
     Monoton ratterte der Regional-Express über die Schienen um die letzten Berufspendler nach Hause zu transportieren – wie jeden Tag um diese Zeit.
     »Ich habe den Mord zwar nicht beobachtet, da der Colonel und ich gerade ein wenig dösten, aber für mich steht fest, wie dieser Mann gestorben ist.« Er machte eine Pause. »Er wurde hinterrücks erstochen. Und zwar von mehr als einer Person.«
     Schweigen.
     »Die Täter dachten zwar, niemand würde ihnen auf die Schliche kommen, aber sie machten einen Fehler. Demjenigen, der das Messer mitbrachte, um den Mann zu töten, fiel die Waffe vor der Tatausführung herunter. Dennoch ließ er sich nicht davon abhalten, sein Opfer zu erstechen, während dieses telefonierte. Dieses Telefonat bekam ich sogar im Halbschlaf mit. Dann übernahm ein Komplize die Waffe, und noch einer … und so weiter, bis Sie alle, meine Damen und Herren, ihrer aufgestauten Wut auf den Mann Luft gemacht hatten.« Er lächelte triumphierend. »Sie alle!«
     Ein Aufstöhnen lief durch das Abteil.
     »Der Typ war aber auch wirklich eine Qual«, fluchte ein Reisender. »Jeden Tag hockte er mit uns im Wagen und telefonierte lautstark. Die ganze Fahrzeit über. Ich wusste mehr über seine Ehe, als über meine.«
     »Und über seine Hämorrhoiden«, ergänzte eine Dame in grauem Kostüm. »E-kel-haft.«
     Die junge Frau neben ihr stöhnte auf.
     Der Mann in Weiß deutete eine Verbeugung an. »Eine Verschwörung«, sagte er. »Und nun werde ich einen Schaffner informieren.« Damit verließ er den Waggon.
     »Aber wie hat er das nur alles wissen können?«, fragte ein junger Anzugträger.
     Der Colonel warf noch einen Blick auf das Handy, das zertreten zu Füßen des Toten lag; auf den Eimer mit blauer Farbe, den ein Handwerker im Gang vergessen hatte; auf das verschmierte Messer in der letzten der zehn Stichwunden; und auf die restlichen Anwesenden mit ihren blauen Handflächen.
     »Das ist eine Gabe«, erklärte er ergriffen. »Ganz einfach eine Gabe.«
    

Arnd Federspiel, geboren 1966 in Oberhausen, studierte Anglistik in Gießen und veröffentlichte bereits während dieser Zeit Kurzgeschichten und Comic Strips.  Nach einer Schauspielausbildung in London arbeitet er als  Schauspieler, Übersetzer und Schriftsteller in Deutschland und England.


Am heutigen Krimitag können Sie Arnd Federspiel mit seinen Kollegen live im Polizeipräsidium Essen erleben. 



 An dem von Krimifans in Deutschland, Österreich und der Schweiz begangenen "Krimitag" erinnern die Autoren spannender Krimi-Unterhaltung an den Todestag ihres schweizer Urahns Friedrich Glauser (1896-1938). Der Eintritt zur Krimilesung "Kerzen, Killer, Currywurst" mit den Mords-Spezialisten Mischa Bach, Christiane Dieckerhoff, Arnd Federspiel, H.P. Karr, Gesine Schulz, Thomas Schweres und Ursula Sternberg ist frei. Aber, so Mischa Bach vom Krimistammtisch Ruhr, "wir sammeln Schutzgeld ein, das wir dem Frauenhaus Essen spenden werden." Auch der Erlös das Buch-Bazars an diesem Abend geht an das Frauenhaus. 

 

Der Einlass für die Veranstaltung ist von 18.30 bis 19.15 Uhr. Reservierungen sind nicht möglich. Der Veranstaltungsraum fasst rund 100 Personen. Die Polizei bittet um Verständnis für eventuelle Sicherheitsmaßnahmen.

Kerzen, Killer, Currywurst - Krimitag-Lesung mit sieben Autoren
8. Dezember 2017 • 19.30 Uhr • Einlass nur von 18.30 bis 19.15 Uhr • Eintritt frei • Spenden erwünscht • Keine Reservierungen
Polizeipräsidium Essen • Büscherstr  2-4 • 45131 Essen




7.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
7. Dezember

Das Krimi-Ranking für den 7. Dezember:

Die vier besten Eisenbahnkrimis aller Zeiten

Auf Gleis 1:
Agatha Christie: Mord im Orient-Express
(Murder on the Orient-Express, 1934)

Winter 1928: Eigentlich wollte Hercule Poirot die Fahrt in dem weltberühmten Luxuszug genießen, aber seine Mitreisenden verderben ihm das Vergnügen gründlich. Allerdings wird er bald entschädigt, denn eine Leiche wird entdeckt. Ein Toter und ein Zug voller Verdächtiger: ein gefundenes Fressen für den Meisterdetektiv.
Welcher Zug? Orient-Express
Die Strecke: Abschnitt  Athen-Paris auf der Gesamtstrecke Istanbul-Calais
Bewertung:  Landhauskrimi trifft Kursbuch
Die Filme:
1974 Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express), 131 Minuten, Regie: Sidney Lumet, Mit Albert Finney als Hercule Poirot
2001 Mord im Orientexpress (Murder on the Orient Express) 90 Min, Regie: Carl Schenkel, Mit Alfred Molina als Hercule Poirot
2010 Agatha Christie's Poirot: Murder in the Orient Express, Serienfilm, 90 Min, Regie: Philip Martin, Mit David Suchet als Hercule Poirot
2017 Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express)  114 Minuten, Regie: Kenneth Branagh



Auf Gleis 2:
Graham Greene: Orient Express
(Stamboul Train, 1932)

1930. Der Orient-Expreß rast durch Europa, in drei Tagen von Ostende nach Istanbul. Zu seinen Passagieren zählen fünf Menschen, deren Leben durch diese Reise verändert wird: die Revue-Tänzerin Coral, der junge jüdische Geschäftsmann Myatt, der Revolutionär Czinner, die lesbische Journalistin Miß Warren und Janet, die sich von Miß Warren lösen möchte.
Welcher Zug?: Orient-Express
Die Strecke: Ostende – Wien - Istanbul
Bewertung: Großartiges Zeitbild
Der Film:
1934 Orient Express (Orient Express) 71 Min, Regie: Paul Martin
Die Hörspielversion:


Auf Gleis 3:
Michael Crichton: Der große Eisenbahnraub
  (The Great Train Robbery, 1979)

England 1855. In London wird das Verbrechen des Jahrhunderts  geplant: Aus den beiden Safes im Packwagen des London-Paris-Expreß will Gentleman Edward Pierce den Sold für die im Krimkrieg stehenden britischen Truppen, 200 Goldbarren im Wert von 12.000 Pfund, stehlen.
True Crime aus dem Viktorianischen Zeitalter. Der erste große britische Eisenbahnbraub, dem schließlich 1963 der "große Postzugraub"  folgte.
Welcher Zug? Der London-Paris-Express

Die Strecke:London – Folkestone
Bewertung: Eisenbahnraub ganz klassisch
Der Film
1979 Der große Eisenbahnraub (The First eeat Train Robbery), 110 Min, Buch und Regie: Michael Crichton, Mit Sean Connery als Edward Pierce



Auf Gleis 4:
Benjamin Monferat: Welt in Flammen
(2014)

Mai 1940: Während in Paris die Angst vor dem deutschen Einmarsch um sich greift, bricht der Simplon Orient Express ein letztes Mal nach Istanbul auf. An Bord eine schicksalhafte Reisegesellschaft: Ein Balkanfürst will die Herrschaft über sein Land zurückfordern. Seine jüdische Geliebte fürchtet um ihre Liebe und um ihr Leben. Ein deutscher Spion setzt alles daran, sie zu beschützen. Ein russischer Großfürst ist auf der Flucht, die Sowjetmacht ihm längst auf den Fersen. Ebenfalls an Bord Agenten aller kriegführenden Mächte. Was niemand ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt.
Welcher Zug?: Simplon-Orient-Express
Die Strecke: Paris – Bukarest - Istanbul
Bewertung: Buch-Blockbuster: Bunt und breitwandig
Die Webseite:
www.welt-in-flammen.de

Und morgen im Adventskalender:
Mord im Regionalexpress

6.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
6. Dezember

Der Krimi für den 6. Dezember - Nikolaustag

Gott sieht fast alles

Von H.P. Karr

Lohmann beugte das Knie vor der Madonna und schlug das Kreuz. Es war dämmerig in der Dorfkirche. Die Madonna war eine Kostbarkeit.
    Plötzlich flog plötzlich die Kirchentür auf und ein junger Bursche mit einem Motorradhelm auf dem Kopf und einer Pistole in der Hand stürzte herein.
    »Mein Sohn!«, donnerte Lohmann. »Dies ist ein Haus Gottes! Und der Herr gewährt zwar Sündern Schutz, aber nicht Bankräubern Unterschlupf.«
    Der Junge erstarrte. Lohmann erkannte blondes Haar hinterm Visier des Helms.
    »Man fahndet nach dir«, sagte Lohmann. »Ein Mann auf einem Motorrad. Bewaffnet.« Lohmann deutete auf die Tasche, die der Junge dabeihatte. »Wie viel? Im Radio war von 30.000 Euro die Rede.«
    Der Blonde bewegte aufmerksam lauschend den Kopf, weil oben auf der Orgelempore etwas geknackt hatte.
    »Sicher gibt es einen Ausweg für dich«, meinte Lohmann.
    »Ruhe!« Die Pistole zuckte in die Höhe.
    »Ich wollte dir nur klar machen, dass du in dein Unglück rennst!«, sagte Lohmann.
    »Wirklich rührend, wie Sie sich um mein Wohlergehen sorgen, Pater«, sagte der Junge.
    »Sollten wir alle uns nicht um unseren Nächsten kümmern?«, fragte Lohmann. »Vielleicht kann ich etwas arrangieren, damit du dir mit dieser... Dummheit nicht dein ganzes Leben zerstörst! Es war doch da erste Mal, dass du...«
    »Ja.« Die Stimme des Blonden war leise. »Es sind die Schulden, verstehen Sie? Mit 18 geheiratet, die Wohnung auf Kredit eingerichtet.«
    Lohmann nickte.
    »Und dann kippte auf einmal alles um«, fuhr der Blonde fort. »Erst dauernd Streit, dann die Scheidung. Das kostet alles Geld, und die alten Raten waren auch noch da …«
    »Wenn ich dir helfen kann, werde ich es tun«, sagte Lohmann ruhig. »Ich könnte deine Beute bei der Bank zurückgeben und sagen, ich hätte sie in der Kirche gefunden.«
    Der Blonde schwieg. Lohmann glaubte ein Schluchzen unterm Motorradhelm zu hören. Behutsam nahm er ihm die Waffe aus der Hand.
    »Gut so!«, sagte Lohmann. »Ein Dummer-Jungen-Streich, wird es heißen. Das verzeiht man leichter als einen Überfall.« Er kontrollierte die Pistole. Eine Schreckschusswaffe. Ehe er noch etwas sagen konnte, war der Blonde aufgesprungen und rannte aus der Kirche. Die Tasche mit dem Geld blieb zurück.
    Hinter Lohmann applaudierte jemand.Der Priester kam von der Empore herunter.
    »An dir ist ja wirklich ein Pastor verloren gegangen, Freundchen«, sagte er zu Lohmann. »Ich habe da oben auf der Lauer gelegen, weil in letzter Zeit hier ein Madonnenräuber die Dorfkirchen heimsucht …«
    Lohmann sah wehmütig zu der Madonna. Dann reichte er dem Priester die Geldtasche. »Sie haben ja gehört, was ich versprochen habe«, sagte er. »Erledigen Sie es für mich?«

  



H.P. Karr lebt im Ruhrgebiet. Er veröffentlichte zahllose Stories und rund ein Dutzend Thriller, darunter - gemeinsam mit Walter Wehner - die »Gonzo«-Romane, von denen »Rattensommer« 1996 als bester Krimi das Jahres mit dem Friedrich Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. 
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Koehler ist ein Medienprofi. Er ist Berater, Spindoctor, Ghostwriter, PR-Hure. Was er nicht hinkriegt, kriegt keiner hin. Egal ob es die Promotion für den Bestseller eines Serienräubers ist, das Drehbuch für die Jubiläums-Episode einer Seifenoper oder die dreckige Vergangenheit des neuen Teenie-Stars. Wenn Koehler ins Spiel kommt, lösen sich Probleme mit widerspenstigen Schauspielern, karrieregeilen Journalisten oder publicitysüchtigen Showstars in Luft auf. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt.
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Gitta Edelmann (Hg) Zwischen Godorf und Gomorrha
23 mörderische Geschichten aus Kirche und Unterwelt
Rheinbach: CMZ Verlag, 2016

© beim Autor/Jahn facts&fiction
   

5.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
5. Dezember

Dein Krimi für den 5. Dezember

Galgenvögel

Von Manfred Mainau

Gerhard Marten schien als einziger die Hilferufe der Schwimmerin zu hören. Er warf sich ins Wasser und schaffte es, die junge Frau im Rettungsgriff an den Strand der Cote d'Azur zurückzubringen.
    Er verschwendete keinen Blick auf ihre attraktiven Körperformen, sondern begann sofort mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung. Nach einigen Minuten kehrte das Leben langsam in ihren Luxuskörper zurückkehrte. Ein dankbarer Blick als hellen, blauen Augen traf Marten. »Sie haben mir das Leben gerettet, Herr...«, hauchte sie.
    »König«, stellte er sich vor. »Gerhard König.« 
    »Mein Name ist Jennifer de Blanco!«, lächelte sie. »Wie kann ich Ihnen nur danken?«   
    »Gehen Sie heute Abend mit mir essen!«
    Marten half ihr galant beim Aufstehen. Ein großer, blondgelockter Bursche war plötzlich neben sie getreten. Er sah Marten geringschätzig an.
    »Ist dir etwas passiert, Jennifer?«   fragte er. Dann sah er Marten an. »Herr... Marten?« 
    »Tut mir leid, aber mein Name ist König«, sagte Marten. »Von den Marten-Stahlwerken in Düsseldorf.« 
    »Wenn wir uns nicht kennen«, sagte der Blondgelockte mit einem süffisanten Lächeln, »dann muss ich mich Ihnen wohl vorstellen. Mein Name ist Lamarche, Philippe Lamarche.« 
    * * *
Der Abend mit Jennifer begann nach Martens Geschmack recht vielversprechend. Beim Aperitif erfuhr er, dass sie aus Madrid stammte und ihr Vater ein großes Juweliergeschäft besaß. »Ich bin Papas liebstes Vorführmodell«, sagte sie kokett. »Auf diese Reise hat er mir eine ganze Kollektion mitgegeben.«   Sie lachte. »Der Hoteldetektiv hat mich zwar beschworen, alles im Safe aufzubewahren, aber ich habe mich geweigert. Schließlich ist der ganze Schmuck ja versichert.« 
    Eine schwere Hand legte sich von hinten auf Martens Schulter. »Hallo Herr Marten... Verzeihung - König«, grinste Philippe Lamarche. »Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse, wenn ich mich ein wenig zu Ihnen setze.« 
    »Ihr beide werdet euch doch jetzt nicht etwa streiten?«, vermittelte Jennifer.
    Marten konnte nur schwer seine Wut unterdrücken, denn er hatte lange genug darauf gewartet, einen solchen Goldfisch wie Jennifer kennenzulernen. Doch Lamarche war wie eine Klette.
    Als sie aufbrechen wollten, zog Marten seine wohlgefüllte Brieftasche und rief den Ober.
    »Aber nicht doch!«   Lamarches Brieftasche war ebenso gut gefüllt. Er drückte dem Ober ein paar Geldscheine in die Hand. »Es ist mir eine Freude, Herr... König!« 
    * * *
Auf dem Parkplatz verabschiedete sich Jennifer. »Danke für den reizenden Abend, Philippe!«   Sie küsste zuerst Lamarche auf die Wange, und dann Marten. »Und dir natürlich auch, Gerhard!« 
    Nachdem Jennifers Taxi abgefahren war, packte Marten Lamarche.«  Jennifer gehört mir!«   zischte er. »Und nenne mich gefälligst nicht immer Marten!« 
    Lamarche machte sich frei und zeigte auf den Schaukasten mit Fahndungsplakaten der Polizei am Rand des Parkplatzes.
    »Da steht es doch, unter deinem Bild: Gerhard Marten, gesucht wegen Hochstapelei und Hoteldiebstahl!« 
    »Und hier?«   Marten zeigte auf einen Steckbrief mit Lamarches Bild. »Da steht Gaston Monte, Heiratsschwindler.« 
    »Sieh mal!«,   sagte Lamarche plötzlich. »Da hat man noch einen Steckbrief aufgehängt.«   Marten schluckte. Kein Zweifel - das Foto zeigte Jennifer. »Juanita Cordobez, Taschendiebin«, las er.
    Lamarche tastete nach seiner Brieftasche. Er fand sie nicht.
    Marten grinste. Erst als er nach seiner eigenen Brieftasche greifen wollte, begriff er, dass er sich zu früh gefreut hatte.





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Manfred Mainau: Galgenvögel
Bildwoche Heft 30/1994
© Autor/Jahn facts&fiction


    
    
    
    

3.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
4. Dezember

Der Adventskrimi für den 4. Dezember
Tatort: Saalfeld in Thüringen

Abrechnung im Kaffeehaus


Von Michael Rolandt


Auf die Tageseinnahmen hatte es Langfinger Kuno abgesehen. Nachdem der Wirt ihn auf frischer Tat ertappt hatte, endete der Gastronom tot auf dem Boden. Aber war der Einbrecher wirklich ein kaltblütiger Mörder? Hauptkommissarin Haller kamen Zweifel.

Kommissar Udo Beck betrat im Morgengrauen mit seiner Schirmmütze und in dunkler Jacke das kleine Kaffeehaus.
Gerade war er zum Tatort gerufen worden, nun veranschaulichte er sich den Hergang des Verbrechens: Die Tür war aufgebrochen worden, der Dieb gelangte in den Raum, hatte die Kasse aufgebrochen. Dabei war er vom Wirt ertappt worden, der ihn am Schlafittchen gepackt hatte. Mit tödlichem Ausgang für den Gastronomen, denn der Kriminelle hatte mit einem steinerner Krug auf dessen Kopf eingeschlagen.
    »Tod durch Hirnblutung«, meinte der Gerichtsmediziner zu Beck. Der trat nun zu seiner Chefin, Hauptkommissarin Martina Haller. Die nahm gegenüber einer jungen Frau Platz.

    Ina Bender war deren Name. Die 22-Jährige arbeitete im Kaffeehaus ihres Vaters, sollte es übernehmen. Nun saß die Kellnerin mit ausdruckslosen Augen auf einem der Stühle.
Schon trat ein junger Mann mit rotblondem Haar zu ihr, legte seinen Arm um die Serviererin.
    »Rolf Denner, mein Verlobter«, stellte die ihn vor. »Wir wohnen über der Kneipe, Vater in der zweiten Etage. Am frühen Morgen haben wir ein Poltern gehört. Rolf hat sofort nachgesehen und Vater hier gefunden.«
    »Er hatte den Gangster am Halstuch gepackt«, vermutete Rolf.
    Das Beweisstück löste ein Mitarbeiter der Spurensicherung aus der Hand des Toten. Ein Teil des Tuches war jedoch abgerissen worden, damit schien der Verbrecher die Tatwaffe, den Steinkrug, abgewischt zu haben.
    Rolf fuhr fort: »Das gehört Kuno Bronnen. Den Kerl habe ich mit dem bunten Hippie-Fetzen mal gesehen.«
    Udo Beck notierte sich sofort den Namen, während sich Martina in der Gaststube umsah. »Es war noch zu früh, um zu öffnen, doch sie vermutete: »Die Geschäfte laufen schlecht?«
   »Das ändert sich bald«, gab Rolf zurück, sah zu Ina. »Wir modernisieren. Ihr Vater wollte das nicht, wir schon. »
   »Sie sind seine Erbin?«, fragte die Polizistin. Die 22-Jährige nickte.
   »Kann ich die Wohnung Ihres Vaters sehen?«, bat die Ermittlerin.
Ina brachte die Kommissarin in die zweite Etage. In einer Zimmerecke stand ein Schreibtisch mit Kassenbüchern, im Papierkorb zerrissene Kostenvoranschläge einer Brauerei. Es ging um die Modernisierung des Cafés. Auftraggeber war Rolf Denner.

Zurück im Präsidium besprachen Martina und ihr Kollege die Ergebnisse der Spurensicherung, schrieben den Verdächtigen zur Fahndung aus.
    Am Nachmittag schnappten Uniformierte den Gauner, brachten ihn aufs Revier. Hauptkommissarin Haller kannte den Mann, den die Familie des Opfers als Täter beschuldigte.
   »Ich war's nicht!«, beteuerte der.
   Martina hörte sich die Version des Verdächtigen an, der den Einbruch zugab. Doch den Mord stritt er ab: »Ich bin abgehauen, als jemand die Treppe herunterkam.«
    Beck zeigte ihm ein Beweisstück vom Tatort, das bunte Halstuch.
   »Das ist meins«, bestätigte Kuno. »Ich hab es bei der Flucht verloren.«
   Die Hauptkommissarin ließ den Mann in Untersuchungshaft bringen.
   »Glasklarer Fall«, fand Udo.
    Martina schüttelte den Kopf. »Ich traue ihm keinen Mord zu. Vor acht Jahren hatte ich mit ihm zu tun, wegen Diebstahls. Er war damals 15.«
   Ihr Kollege schüttelte den Kopf. »Alle Indizien sprechen gegen ihm.«

Nach Feierabend besuchte die Kripo-Beamtin ihre Tochter Anna, die mit ihrem Mann und den Söhnen in Martinas Haus wohnte. Die Polizistin war ausgezogen, nachdem ihr Mann dort an einem Herzinfarkt verstorben war. Damals hatte sie sich in den Räumen nicht mehr wohlgefühlt.
    Doch mit der jungen Familie kehrte die Fröhlichkeit zurück, Martina richtete sich in der Dachetage ein. Drei Dienstjahre noch, dann wollte sie hier ihren Ruhestand genießen.
    »Morgen schicke ich dir die Jungs hoch, wenn es Frühstück gibt«, sagte Anna. »Mein Rufen hörst du ja nie.«
    »Unterm Dach kriegt man nichts von dem mit, was im Erdgeschoss passiert«, gab Martina zu. Plötzlich stand sie auf, erklärte hastig: »Ich muss jetzt doch noch einmal weg!«

Es war nach 22 Uhr, als sie das Kaffeehaus erreichte. Die Gäste waren gegangen, Ina stellte die Stühle hoch.
   »Sie?«, fragte die Wirtin überrascht.
Die Beamtin begann: »Ihr Vater konnte im zweiten Stock den Einbrecher nicht hören. Sie und Rolf schlafen über der Kneipe, wurden von dem Krach geweckt. Kuno floh. Ihr Lebensgefährte hat Ihren Vater heruntergelockt und dann erschlagen.«
   Rolf kam heran. »Verschwinden Sie! Sie haben dafür keine Beweise.«
   Doch seine Freundin flüsterte mit Tränen in den Augen: »Ja, er hat Vater getötet. Er sollte ihm die Kneipe übergeben. Aber Papa wollte nicht.«
    Der überführte Mörder stürzte zur Tür. Doch da stand Kommissar Beck, den Martina auf dem Weg zum Kaffeehaus informiert hatte.
    »Bring ihn ins Präsidium«, wies Martina Haller ihn an und setzte sich zu Ina, die nun weinend auf einem Stuhl zusammengesunken war.





Mord nach Rezept – Band 6
In zwei Dutzend Kurzkrimis quer durch Deutschland
Die Kurzkrimis führen von Friesland über Hamburg nach Berlin und an den Bodensee, von Saalfeld in Thüringen über Erfurt nach Usedom oder von Bochum über Dortmund und bis nach Iserlohn. Auf allen 24 Stationen dieser mörderischen oder auch komischen Krimitour durch Deutschland gibt es tolle Geschichten, clevere Kommissare, gewiefte Gauner und dramatische Verwicklungen. 




Michael Rolandt:
Abrechnung im Kaffeehaus
aus: FREIZEIT REVUE 34/2014
© Autor/Jahn facts&fiction

     
    

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
3. Dezember


Henning Mankell: Der Blutteppich

Komplett gefälscht von H.P. Karr

Als das Telefon klingelte, glaubte Kurt Wallander für einen Augenblick in seinem Traum, dass er immer noch verheiratet sei. Träge richtete er sich auf und griff nach dem Hörer. "Kurt Wallander!"

"Wo bist du?", fragte Edda aus der Bereitschaftszentrale.
"Zuhause. Und du?
"In der Bereitschaftszentrale."
"Gut", sagte Kurt Wallander. "Sehr gut."

Edda hatte eine angenehme Stimme, und Kurt Wallander wusste, dass sie seit vier Jahren verheiratet war - mit einem Bauarbeiter, der damals wegen eines Wasserrohrbuchs in der Frauentoilette der Bereitschaftszentrale hatte verständigt werden müssen. Er hieß Erik oder Erich, und manchmal erzählte Edda, wie sehr sie sich ein Kind von ihm wünschte.

"Was hast du gerade gesagt?", fragte Kurt Wallander und fuhr sich über die Bartstoppeln. Noch so ein Punkt, weshalb seine Ehe gescheitert war. Seine Frau hatte ihn immer wieder gebeten, sich vor dem Schlafengehen zu rasieren, was Wallander abgelehnt hatte. Er fragte sich, ob Erik oder Erich vor dem Schlafengehen rasierte oder ob es Edda egal war.

"Es ist etwas passiert!", sagte Edda. Eine vage Angst ergriff von ihm Besitz, ausgelöst von der Frage, ob er beim Verlassen seines Büros wirklich die Kaffeemaschine ausgeschaltet hatte. In seine Vison von Flammen, die aus dem Präsidium loderten, sagte Edda: "Du musst sofort kommen!"

"Es ist etwas passiert, ja?", fragte Wallander, schon mit einem Bein aus dem Bett. Der Plastikboden war kalt unter seinen Füßen, es wurde Zeit, dass er sich einen eigenen Teppich kaufte, nachdem seine Frau den mitgenommen hatte, der über zehn Jahre im Schlafzimmer gelegen hatte.

"Ich weiß, es ist unhöflich von mir, dich um diese Zeit anzurufen", fuhr Edda fort. "Ich könnte natürlich Adamson informieren, der hat Bereitschaft. Aber du weißt ja, dass er ungern in die Kälte rausgeht und …"

"Ja, Adamson", sagte Kurt Wallander, mit dem nackten Fuss auf der Suche nach dem einzelnen Pantoffel, den er in den letzten Tagen häufiger hier im Schlafzimmer gesehen hatte. "Adamson", wiederholte Wallander, um Zeit vergehen zu lassen. "Guter Mann. Ich kenne ihn."

"Also um auf den Punkt zu kommen", sagte Edda. "Es geht um folgendes..."
Es war 7 Uhr 35, an einem Sonntag. In Schweden.

ENDE


H.P. Karr lebt im Ruhrgebiet. Er veröffentlichte zahllose Stories und rund ein Dutzend Thriller, darunter - gemeinsam mit Walter Wehner - die "Gonzo"-Romane, von denen "Rattensommer" 1996 als bester Krimi das Jahres mit dem Friedrich Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. 
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2.12.17

Der Mord nach Rezept-Adventskalender
2. Dezember

Dein Krimi für den 2. Dezember

Iny löst den Fall

Von Marek Stein

Arno Moll lächelte Iny Kremer an. »Ich brauche eine Rechtsanwältin.« Inys Kanzlei lag beim Bonner Stadthaus und die Miete war nicht gerade billig. Da kam ein Mandant wie Moll gerade recht. Der schöne Arno war Anlageberater. »Meine Sekretärin Vera Gerold ist vor einigen Tagen verschwunden«, sagte er. »Und jetzt hat man Veras Leiche gefunden. Man denkt, ich hätte sie umgebracht.«
    »Wir wollten Ihren Mandanten vorhin verhaften«, knurrte Kommissar Harras, als Iny ihm wenig später im Präsidium Molls Vollmacht zeigte. »Aber er war verschwunden! Sagen Sie mir, wo er ist!«
    Iny hob nur die Schultern. »Keine Ahnung.«
    »Moll fährt einen grünen Alfa Romeo«, sagte Harras. »Vera Gerold wohnte draußen in Tannenbusch. Ihre Nachbarin hat gesehen, dass sie am Samstag gegen 16 Uhr von einem Mann in einem solchen Wagen abgeholt wurde. Moll hat für diese Zeit kein Alibi.«
    »Aber warum sollte Moll seine Sekretärin umgebracht haben?« wollte Iny wissen.
    Der Kommissar lächelte knapp. »Weil wir seit Wochen wegen Betrugs gegen Moll ermitteln«, sagte er. »Und Vera Gerold wollte uns Informationen über seine Geschäfte geben.«
    Veras Nachbarin Mathilde Berger war 64 und ein »rheinisch Mädche«, wie sie versicherte, als sie mit Iny bei einer Tasse Kaffee und einem Gläschen Eierlikör zusammensaß.
    »Hatte Vera einen Freund?«, fragte Iny.
    »Na, den Herrn Urbach«, sprudelte es aus Mathilde heraus. »Kein anjenehmer Meensch. Autoverkäufer, verstehste?«
    »Und wer hat die Vera am Samstag in dem jrünen Auto abjeholt?«, bohrte Iny. »Erinner disch, Mathilde!«
    »Dat war so 'n Ausländer«, meinte Mathilde. »Denn der hat so 'n rotes Nummernschild am Wagen jehabt.«
    Der Chef des Autohauses, den Iny kurz darauf befragte, sagte: »Herr Urbach ist seit Montag krankgemeldet.« Es war das siebte Autohaus in Bonn, in dem sich Iny nach Veras Freund erkundigte.
    Iny musterte den grünen Alfa Romeo im Verkaufsraum. Dann holte sie hr Handy heraus und rief die Polizei.
    »Wir haben Urbach gefasst,« sagte Kommissar Harras am nächsten Nachmittag. »Er hat gestanden, Vera getötet zu haben. Er hatte sich den grünen Alfa Romeo mit dem roten Versicherungskennzeichen im Autohaus ausgeliehen.«
    »Es war reiner Zufall, dass Urbach sich einen Wagen lieh, der Molls Auto glich«, sagte Iny. »Warum hat er Vera umgebracht?«
    »Sie hatten Streit, er war eifersüchtig, und dann sind ihm die Sicherungen durchgebrannt«, meinte Harras achselzuckend. »Wat wellste maache!«
    Am nächsten Tag begleitete Iny ihren Mandanten Arno Moll zu Kommissar Harras. Nachdem er seine Ausssage im Fall Vera Gerold unterschrieben hatte, stand Moll auf. »Das war's dann ja wohl!«
    »Nun ja«, meinte Harras. »Der Mordverdacht ist zwar aus der Welt. Aber dafür haben wir in Veras Wohnung die Beweise für Ihre Betrügereien gefunden, die sie uns geben wollte. Deswegen sind Sie jetzt erst mal verhaftet, Herr Moll.«
    Iny starrte Harras an. Der zuckte mit den Schultern. »Wenn man einen Verbrecher schon mal vor sich hat, muss man seine Chance nutzen. Sie wissen ja: Et is, wie et is!«





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Marek Stein: Iny löst den Fall
auf einen blick Heft 26/2013
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