19.8.17

Krimi der Woche
Großes Geld für einen kleinen Gauner



Großes Geld für einen
kleinen Gauner

 Von Richard Janssen



Eigentlich ist er nur ein gewöhnlicher Taschendieb, doch als sich Hubert die Chance bietet, einen dicken Fisch zu angeln, greift er spontan zu...

Hubert war mit seinen 1,60 Meter im wahrsten Sinn des Wortes nur ein »kleiner Dieb«. Allerdings hatte Hubert das nie als Nachteil empfunden. Im Gegenteil - wenn zum Beispiel einer dieser baumlangen Polizisten oder wendigen Warenhausdetektive hinter ihm herhetzte, dann konnte er sich mit Leichtigkeit durch eine Lücke verdrücken, vor der Normalgewachsene resignieren mussten.
  Dass er in den Kaufhäusern kein gern gesehener Kunde mehr war, machte Hubert nichts aus, seitdem er die großen Verbrauchermärkte am Stadtrand entdeckt hatte.
  In diesen Konsumburgen sprudelte für Hubert eine nie versiegende Geldquelle. Wenn hektische Hausfrauen übervolle Einkaufswagen durch die Gänge schoben oder sich heimwerkende Ehemänner in Baumärkten Holzpaneele zuschneiden ließen, dann griff Hubert zu, entwendete Portmonees und Geldbörsen, Brieftaschen und Kreditkarten.
  An diesem Tag hatte Hubert im »Kauf-Paradies« schon zwei Hausfrauen erfolgreich bestohlen, als ihm auffiel, dass etwas im Gange war.
  Der Geschäftsführer, den Hubert vom Sehen kannte, stand mit einem anderen gut gekleideten Mann vorn an den Kassen hinter einem kleinen Tisch, auf dem etwas lag, was Hubert nicht erkennen konnte, weil es mit einem Tuch zugedeckt war.
  Hubert überlegte nicht lange und schlug den Weg zu den Büros ein. Denn wenn sich die Geschäftsführung im Laden auffielt, so sagte er sich, mussten die Büroräume leer sein.
  Er behielt Recht. Gleich im ersten Büro entdeckte er auf einem verlassenen Schreibtisch einen offenen Briefumschlag, aus dem verheißungsvoll zwei nagelneue 500-Euro-Scheine ragten. Ohne zu zögern griff Hubert zu.
  »Was machen Sie denn hier?«
  Er hatte die Sekretärin nicht hereinkommen hören. Hubert handelte blitzschnell, indem er die überraschte Frau an sich riss und ihr mit einer Hand von Mund zuhielt. Er platzierte sie auf einem Bürostuhl und hatte sie innerhalb von fünf Minuten mit der Telefonschnur gefesselt. Auf den Mund klebte er ihr einen Streifen Paketklebeband.
  »Keine Mätzchen!«, warnte er sie noch, bevor er mit dem Geld in der Tasche das Büro verließ.
  Er hastete an den anderen leeren Büros vorbei bis zu der grauen Stahltür, die zur Laderampe führte.
  Zu seinem Entsetzen musste er feststellen, dass sie ausnahmsweise einmal verschlossen war. Kein Ausweg für Hubert. Er musste wohl oder übel durch den Laden.
  Die beiden Fünfhunderter brannten wie Feuer in seiner Brusttasche, als er wieder den Verkaufsraum betrat und sich einen der herumstehenden Drahtwagen griff. Betont gelassen strebte er zwischen Toastbrot und Kaffeesonderangebot den Kassen entgegen.
  Um nicht aufzufallen, lud Hubert ein paar Fischkonserven und verschiedenes Knabberzeug in den Wagen. Mit pochendem Herzen reihte er sich schließlich in die Schlange der zahlungswilligen Kunden ein.
  Der Geschäftsführer und sein Begleiter standen immer noch an ihrem Tischchen am Ausgang. Sie tuschelten jetzt ein wenig aufgeregter als vorhin miteinander und betrachteten immer wieder die wartende Kundschaft.
Doch nicht etwa ein neues Sicherheitssystem? fragte Hubert sich bang. Ihm brach der Schweiß aus. Rasch rekapituliert er, wo man ihm möglicherweise beobachtet haben könnte - doch es fiel ihm nichts ein.
  Er hatte die geklauten Brieftaschen und Geldbörsen sofort geleert und sie hinter irgendwelchen Waren versteckt. Und auch den beiden Fünfhundertern in seiner Brusttasche sah man nicht an, dass sie vor zehn Minuten noch jemand anderem gehört hatten.
  Die Kassiererin rechnete Huberts Einkäufe zusammen. Er bezahlte mit einem Hunderter aus einer der geklauten Brieftaschen und wollte sich gerade erleichtert auf den Weg zum Ausgang machen, als ihm der Geschäftsführer in den Weg trat.
  Hubert spürte, wie man ihm seinen Blumenstrauß in die Arme drückte, dann flammte ein Blitzlicht auf und wie durch eine Watteschicht hörte er, wie der Geschäftsführer zu dem sagte:
»Mein Herr, ich darf Sie als den einmillionsten Kunden unseres »Kauf-Paradieses« begrüßen! Die Geschäftsführung freut sich, dass Sie uns Ihr Vertrauen geschenkt haben und möchte Ihnen als kleine Anerkennung ein Geschenk machen!« Er zog das Tuch vom Tisch und unter den »Ahs« und »Ohs« der Umstehenden kam ein gigantischer Präsentkorb zum Vorschein. Hubert war wie gelähmt.
»Aber..«, begann er.
  »Aber das ist noch nicht alles!«, fuhr der Geschäftsführer fort. »Denn außer diesem Korb bekommen Sie noch eintausend Euro - zwei nagelneue Fünfhundert-Euro-Scheine - für die Sie hier im Kauf-Paradies nach Lust und Laune einkaufen können.« Er wandte sich an seinen Begleiter und sagte leise: »Seien Sie doch so nett, Herr Breuer und holen Sie den Geldpreis aus meinem Büro. Das Kuvert liegt auf dem Schreibtisch … oh … da, sehen Sie, unser Jubiläumskunde ist wohl vor lauter Freude ohnmächtig geworden.«
 

 ENDE 





© beim Autor / Jahn facts&fiction
Richard Janssen:
Großes Geld für kleine Gauner,

erschien in der Zeitschrift
»Neue Welt«, Düsseldorf, Heft 9/2010

15.8.17

Mord nach Rezept Band 9

Mord nach Rezept - Band 9

Zwei Dutzend neue Kurzkrimis von Könnern

Zwei Dutzend Stories rund um Mord und Totschlag, Betrug und Diebstahl, Ehebruch und Unterschlagung. Regionalkrimis vom Feinsten, mal heiter, mal packend, mal clever verrätselt. Tatorte in Mannheim, Stuttgart, Wuppertal, Düsseldorf, der Lüneburger Heide und dem Allgäu, aber auch in der Bretagne, St. Moritz oder am Yukon in Kanada. Alles in allem: mörderisch gute Unterhaltung, präsentiert von Krimi-Kenner H.P. Karr. Mord nach Rezept – Kurzkrimis von Könnern. Zum Beispiel…

Ralph Petersen: Mörder können nicht an alles denken

Tatort: Wuppertal

Dunkle Wolken hingen über dem Tal. Die Wagen der weltberühmten Wuppertaler Schwebebahn rollten gemächlich über den Fluss. Die Luft schien wie elektrisch geladen, und Hauptkommissar Koester ahnte, dass das Unwetter, das aus dem Bergischen hereinzog, bald losbrechen würde. Aber das war bestimmt nicht der Grund, warum Gero Brenner so nervös war.

Ria Richartz: Bis dass der Tod uns scheidet

Tatort: Allgäu

Es dämmerte schon, als Ralph Schneider an dem Landhaus ankam. Die Steine, Büsche und das Gras strahlten noch die Wärme des Tages aus. Die Luft roch nach Salbei und Minze. Das Haus lag etwas versteckt am Rand eines Wäldchens, weit abseits der Landstraße und ganz in der Nähe des Sees, den die Leute hier den »schwarzen See« nannten. Es war gefährlich, dort zu baden. Strömungen hatten schon manchen in die Tiefe gezogen.

H. P. Karr: Nichts zu danken

Tatort: Hamburg

Henry spielte gerade einen der alten Evergreens auf dem Klavier, als er spürte, wie sich die Atmosphäre in Daniels Klub veränderte. Und dann sah er Romy, die sich durch die schweren Samtportieren in das Lokal geschoben hatte. Sie war noch genauso schön wie damals, als er sie zum letzten Mal gesehen hatte – auf dem Gang des Hamburger Familiengerichtes, kurz bevor ihre Ehe geschieden worden war.

Charlie MacGuffin: Mord wirft dunkle Schatten

Tatort: Bretagne

Sharon hatte ihm nie ihre Träume erzählt, deshalb wunderte Carlo sich, als sie eines Morgens sagte: »Ich habe von Robert geträumt. Er ist mit seinem schwarzen Sportwagen durch die Bretagne gefahren, und ich war bei ihm, auf dem Beifahrersitz. Du kennst die Strecke, von La Fresnais nach Vivier-sur-Mer. Die Straße führt in einem weiten Bogen über eine Hügelkette. Auf der Gefällstrecke hat Robert die Gewalt über den Wagen verloren ... Ich habe ihn schreien gehört. Er schrie vor Angst, bevor er starb….«



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26.7.17

Krimi der Woche

 


Eine aufmerksame Nachbarin

Von Ralph Petersen


Es ist kein richtiger Notruf, wegen dem Kommissar Holger Schmitt jetzt kurz vor zehn Uhr abends im Südviertel bei Erna Hoffmann klingelt.
  »Ich mache mir Sorgen um meinen Nachbarn, Herrn Scheffler«, sagt die Rentnerin und weist auf den Bungalow nebenan. »Er kam vorhin wie üblich um 21.30 Uhr heim. Sein Buchhalter war bei ihm, Edwin Preiss. Der hat zehn Minuten später hektisch das Haus verlassen.«
  Die alte Dame sieht die Skepsis in Holger Schmitts Blick. »Herr Scheffler hat ein Pharma-Labor, er verdient damit sehr gut. Wir unterhalten uns oft im Garten«, erklärt sie und räuspert sich. »Außerdem sind wir beide Krimifans und tauschen immer die Bücher, die wir gerade lesen.«
  Der Kommissar umrundet den Bungalow. Alles ist dunkel, die Vorhänge sind vorgezogen. Auf sein Klingeln öffnet niemand. In etwas freier Auslegung der gesetzlichen Vorschriften probiert der Kommissar seine Spezialdietriche und öffnet die Eingangstür. 

  Er tritt in die dunkle Diele und öffnet die Tür zu seiner Linken. Das Zimmer ist dunkel. Als er den Lichtschalter drückt, flammt eine Deckenleuchte auf. Scheffler liegt mit dem Oberkörper über dem Schreibtisch. Unter seiner rechten Hand liegt ein angefangener Brief, daneben ein Kugelschreiber.
  »Ich beende mein Leben ...«, liest der Kommissar.
  »Oh mein Gott«, stößt Erna Hoffmann hervor, die ihm ins Haus gefolgt ist. Ob aus Fürsorge oder doch eher aus Neugier, muss erst einmal offen bleiben. Neben dem Telefon stehen ein leeres Wasserglas und ein Medizinfläschchen, dessen Etikett das Logo von Schefflers Labor zeigt.
  »Blausäure«, sagt er.
  »Bestimmt hat Herr Preiss ihn umgebracht«, sagt die Nachbarin.     »Scheffler sagte mir letzthin, dass er den Buchhalter in Verdacht hatte, dass er Firmengelder unterschlug. Er habe da auch schon einige Beweise gesammelt, die er hier in seinem Schreibtisch aufbewahrte.«
  Der Kommissar öffnet die Schubladen des Schreibtischs. Die Unterlagen findet er nicht. Aber es ist klar, dass jemand alles durchwühlt hat. »Sie haben recht«, sagt er zu Erna Hoffmeister.   »Offenbar hat Preiss vorhin Scheffler vergiftet, um an die Unterlagen zu kommen. Mit dem fingierten Abschiedsbrief hat er versucht, einen Selbstmord vorzutäuschen.«
  »Verstehe«, murmelt die Rentnerin. »Als Sie hier ins Zimmer kamen, war das Licht ausgeschaltet. Aber im Stockdunkeln kann niemand einen Abschiedsbrief schreiben.«
  Holger Schmitt lächelt. »Besser hätte ich es nicht sagen können.«


Badische neuste Nachrichten 29/2017
© by author/BNN


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19.7.17

Aus dem Krimi-Archiv: Haftay

Unter dem Decknamen »Haftay« veröffentlichten der deutsch-türkische Journalist Kamil Taylan (*1950) und sein deutscher Kollege Georg M.Hafner (*1947) zwei Kriminalromane. Die beiden verarbeiteten darin Material, das sie unter anderem für ihre Reportagen über die Wege des Drogenhandels und für das Buch »Zum Beispiel Cocain« (1988) recherchiert hatten. 1986 zeichnete Kamil Taylan in »Alexandra: Tod in Frankfurt« das Leben einer Drogenabhängigen nach, auch dieses Material lieferte den Stoff für einen »Haftay«-Roman.


Haftay:
Blinder Kurier
München: Goldmann, 1991
Goldmann Krimi 5162
ISBN3442051622
185 Seiten

Mit Verspätung landet die Maschine der Cyprus Airways aus Larnaca in Frankfurt. Wie immer bei »rauschgiftsensiblen Routen« wird die Gepäckuntersuchung durch die Beamten der Zollüberwachung gewissenhaft durchgeführt. Und auch nicht ungewöhnlich: Der Hund schlägt an. Die Fahnder entdecken acht Kilo Heroin im doppelten Boden eines Transitkoffers nach Los Angeles. Nur kurze Zeit später wird bei der Gepäckidentifizierung das achtundzwanzigjährige Fotomodell Janet Rose aus Manchester verhaftet. Ein beachtlicher Fang für Kriminalhauptkommissar Martin Merkel und seinen Kollegen Frühstück, genannt Cooly, vom Frankfurter Rauschgiftdezernat K44. Aber mit der Überführung einer kleinen Kurierin geben sich die beiden nicht zufrieden. Sie sehen die seltene Gelegenheit, endlich einmal mehr ausrichten zu können, als resigniert die Drogentoten im Bahnhofsviertel zu zählen. Sie wollen die Drahtzieher in Larnaca, Damaskus und Miami, und Janet Rose bietet ihnen die große Chance, an die Hintermänner heranzukommen. Denn das Fotomodell kann nur ihren Kopf aus der Schlinge ziehen, wenn sie mitarbeitet, wenn sie Namen nennt und Hintergründe ausplaudert. Doch damit begibt sie sich in tödliche Gefahr

15.7.17

"Tatort"-Leaks: Wer wird der Neue beim SR?


Wie das Medienmagazin GALA meldet, wird Devid #Striesow seine Rolle als Saarbrücker #TATORT-Kommissar Jens #Stellbrink aufgeben. GALA zitiert zur Zukunft der Saarbrücker Tatort  Lutz Semmelrogge, Programmdirektor des #Saarländischen Rundfunks: "Konkrete Pläne für die Zukunft des SR-'Tatortes' gibt es noch nicht; wir werden die Zeit bis 2020 nutzen, um in Ruhe an einem neuen inhaltlichen und personellen Konzept für einen künftigen 'Tatort' aus dem Saarland zu arbeiten."

Inzwischen hat ein #Whistleblower aus der Saarbrücker #TATORT-Redaktion die vier favorisierten Konzepte geleakt, die von diversen Produzenten im Rahmen eines kurzfristig anberaumten Pitches vorgelegt wurden:

No 1
Kommissar Ewald.
Nachname Unbekannt.
(angefragt: Christoph Maria Herbst / Bjarne Mädel) Ewald ist ein silberhaariger Best-Ager, der ein dunkles Geheimnis hat: er leidet an fortschreitender Demenz. Die Krankheit wird in der ersten Episode (Arbeitstitel: "Ich bin ich und wer bist du?") entdeckt. Ewald kann sich kaum an Namen von Verdächtigen, Tatumstände, Alibis etc erinnern. Gedeckt wird er von seinen beiden Mitarbeitern Oliver und Oliver Minion (Joko Winterscheidt •und ‎Klaas Heufer-Umlauf), die ihm assistieren. Komischer Sidekick: Rechtsmediziner Udo Untot (Jochen Senf), der seine Befunde in Knittelversen mitteilt.
Pluspunkte: Kommissar Ewald behandelt in einer hochemotionalen persönlichen Ermittlergeschichte ein aktuelles gesellschaftliches Problem. Dennoch bleibt genügend Raum für komödiantische Elemente.

No 2
Kommissar Benedict von Bismarck
(angefragt: Horst Lichter). Benedict ist einer der letzten Nachkommen des deutschen Reichskanzlers und international renommierter Drei-Sterne-Koch mit eigenem Restaurant und Weinberg im Saarland. Als Sonderermittler des LKA wir er zu Fällen gerufen, die den Ruf des Landes oder seiner Repräsentanten beschädigen könnten. Benedict fährt entweder mit seinem nougatfarbenen Bentley Mulsanne zu den Verdächtigen oder er befragt sie in landschaftlich oder kulturell bedeutsamen Orten des Landes. Zentrales Element jeder Episode ist das Schlussdinner, zu dem Benedict alle Verdächtigen in sein Restaurant einlädt, um dabei den Täter im Laufe des Vier Gänge-Menüs zu entlarven. (Rezepte und How to-Videos zum Nachkochen im Internet)
Das Team: Benedict erhält vom Innenminister die smarte Kommissarin Sandra Sommelier als Begleiterin zugeteilt. Die sanfte amouröse Liaison, die sich zwischen beiden andeutet, wird nie ausgeführt. Bei robusten Einsätze erhält Benedict Unterstützung von seinem Saalchef Arno Schiller, promovierter Sinologe und ehemaliger KSK-Soldat (angefragt: Til #Schweiger). Gastauftritte und Cameos prominenter Saarländer möglich (Oskar Lafontaine, Heinz Becker, Heiko Maas)
Pluspunkte: Kommissar Benedict ist die perfekte erzählerische Form um Land und Leute liebevoll-spannnend zu porträtieren und damit einen Beitrag zur Standortförderung des Saarlandes zu leisten. Mit Unterstützung von Tourismusverbänden und Gastronomie.

No 3
Kommissar Mustermann
(Name noch offen, angefragt: Benjamin #Sadler) ist ein moderner smarter Ermittler, der mit Blick auf soziale Probleme und gesellschaftlichen Bruchstellen seine Arbeit tut. Sein dunkles Geheimnis hat etwas mit seinen vier Jahren in der Fremdenlegion zu tun,  während derer er in afrikanischen Krisenregionen eingesetzt war und die bei ihm bis heute noch durch Flashbacks und Alpträume präsent sind. Mustermann ist ein harter Sportler (Blitzschach, Turnier-Billard, Darts), kann im Umgang mit Verdächtigen sowohl hart als auch psychologisch druckvoll-sensibel sein. Als Einzelgänger schiebt er die Kollegen stets zu irrelevanten Schauplätzen ab, um im Alleingang zu ermitteln. Mustermann ist Single, lebt aber mit einer Schaufensterpuppe mit den Gesichtszügen von Heidi #Klum (alternativ: Angelina #Jolie) zusammen, mit der er abends beim Rotwein die Aspekte des aktuellen Falles diskutiert.
Pluspunkte: Starkes Sex-Appeal des Hauptdarstellers, spricht besonders weibliche Zuschauer im oberen Altersdrittel der Zielgruppe an.

Wildcard für einen Event-Tatort:
Püppi greift ein

Kommissarin Püppi Calender (#Lena Meyer-Landrut) ist ausgewiesene Krav Maga, Teakwondo, Feng Shui und Chop Suey-Expertin. Außerdem spielt sie in einer Frauen-Rockband ("Terror T**s") Schlagzeug und hat eine On/Off-Beziehung zu einem Neuköllner Gangster-Rapper (Gastrolle: Bushido). Püppi und ihre beiden Kollegen Kalle Mankell (Hinnerk Schönemann) und Henning Blomquist (Hinnerk Schönemann) haben ihr Kommissariat in einer alten gelben Villa am Stadtrand von Saarbrücken, einem ehemaligen Bordell, das im Rahmen der Gewinnabschöpfung bei einem OK-Verfahren beschlagnahmt wurde. Das führt immer wieder zu komischen Episoden mit hereinschneienden Kunden, die nichts von der Nutzungsänderung wissen.
Pluspunkte: Produktunterstützung von L'Oreal. Soundtracks auskoppelbar.
ACHTUNG:. Püppi Filme werden auf Video produziert und nicht im linearen Programm ausgestrahlt, sondern gleich auf Youtube eingestellt.
 


Nur zur Sicherheit:
(C) by Jahn facts&fiction

4.7.17

KOEHLER - Eine Serie von H.P. Karr





Koehler ist ein Medienprofi. Er ist Berater, Spindoctor, Ghostwriter, PR-Hure. Was er nicht hinkriegt, kriegt keiner hin. Egal ob es die Promotion für den Bestseller eines Serienräubers ist, das Drehbuch für die Jubiläums-Episode einer Seifenoper oder die dreckige Vergangenheit des neuen Teenie-Stars. Wenn Koehler ins Spiel kommt, lösen sich Probleme mit widerspenstigen Schauspielern, karrieregeilen Journalisten oder publicitysüchtigen Showstars in Luft auf. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt.
Wer Koehler mag, braucht Jack Reacher nicht.


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29.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Ein Fall für Nancy Drew


Carolyn Keene:  

Ein Fall für Nancy Drew – Das unheimliche Geisterpferd

München: Franz Schneider Taschenbuch  226, 1980
 

Nancy Drew, die 16- bzw 18-jährige Tochter eines verwitweten Rechtsanwaltes, ist eine der Mütter aller weiblichen Schnüfflerinnen. Getreu dem Motto dass hinter jeder starken Frau ein noch stärkerer Mann steht wurde Nancy 1930 vom Publizisten Edward Stratemeyer (1862 – 1930) erfunden.
Die ersten der insgesamt rund 175 Nancy Drew-Abenteuer wurden vor allem von Mildred Wirt Benson geschrieben, nach Edward Stratemeyers Tod nach Szenarios seiner Tochter Harriet Stratemeyer Adams.
Stratemeyer, der auch die "Hardy Boys", "Tom Swift" und "Bomba, den Dschungelboy" erfand, entwickelte das System der Multi-Autorenserie – bei der diverse Autoren langlaufende Romanserien nach standardisierten inhaltlichen  und formalen Vorgaben schrieben. Die Nancy Drew-Abenteuer erschienen unter dem Sammelpseudonym "Carolyn Keene" bis ins Jahr 2013. In den sechzigern wurden die Neuausgaben der alten Nancy Drew Abenteuer stark gekürzt (und teilweise sogar neu geschrieben), um Druckkosten zu sparen. Außerdem wurde "Nancy" bei einem Relaunch weiblicher gestaltet.



Carolyn Keene: Ein Fall für Nancy Drew – Das unheimliche Geisterpferd
München: Franz Schneider Taschenbuch  226, 1980
Nancy Drew Mystery Stories – The Secret of Shadow Ranch



© 1965 by Grosser & Dunlop Inc
Published by arrangement with Stratemeyer Syndiacte
Deutsch von Johanna Bardili
123 Seiten ISBN 3505072265



Ein Fall für Nancy Drew
Das unheimliche Geisterpferd
Ein Schauer läuft Nancy über den Rücken. Mit angehaltenem Atem lauscht die junge Detektivin in die Nacht. Sie wagt es nicht, sich zu bewegen denn daS Geisterpferd geht wieder um.
Hat der Spuk mit den Anschlägen auf die Ranch zu tun? Noch ahnt Nancy
h|cht in welcher Gefahr Sie schwebt...
Die Mädchen-Reihé
Wér jung ist,liebt das Schneider-Buch



„Hier bin ich also!“ rief Nancy Drew, als sie ihre zwei besten Freundinnen umarmte. „Melde mich zur Stelle für einen Spitzen-Urlaub auf der Shadow Ranch!“
„Ich hoffe, du hattest einen guten Flug“, sagte Bess Marvin. Nancy fiel auf, daß die hübsche, etwas mollige blonde Bess nicht wie sonst lächelte.
„Wir sind wirklich froh, daß du da bist“, bemerkte Sarah Payne, ein attraktives, temperamentvolles Mädchen mit kurzen dunklen Haaren. Sie sah sich gespannt in dem überfüllten Warreraurn des Flughafens von Phoenix, der Hauptstadt
Arizonas, um.
„Gehen wir irgendwo hin, wo wir reden können.“
Nancys blaue Augen blickten prüfend auf die beiden Cousi-
nen.
„Was ist los? Irgendwas nicht in Ordnung?“
Bess biß sich auf die Lippe, dann platzte sie heraus:

Mehr Informationen hier
WER IST CAROLYN KEENE? - Die Autorin von Nancy Drew und den Dana Girls - Teil 2: Nancy Drew


WER IST CAROLYN KEENE? - Die Autorin von Nancy Drew und den Dana Girls Teil 3: Ghostwriter

26.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Schach, Mister Cord!



George Griswold: Schach, Mr. Cord!

München: List Taschenbuch 202, 1961
»The Pinned Man«, Deutsch von Magda E. Larssen



Ein Spionageroman aus dem Kalten Krieg, der darüberhinaus auch noch (nach dem ersten Eindruck) vollständig in der Schweiz spielt (und sogar mit einer Figur namens "Franz Studer" aufwartet).
Auf dem hinteren Cover eins der zu jener Zeit üblichen Testimonials "pro Krimi", hier von Wolfgang Weyrauch (1904 – 1980, Schauspieler, Autor, Hörspielautor, Kritiker, Lektor bei Rowohlt).
Er zieht erst mal die "bekannten" Promi-Leser von Krimis heran: Bismarck, Woodrow Wilson, Hemingway, um dann eine Lanze für die aktuellen Krimis (Poe, Christie, Chandler) zu brechen um sich dabei mit dem üblichen Schreibfehler beim Namen von Dashiell Hammett als Krimi-Blindgänger zu outen.

Klappentext: In diesem Spionageroman ist der Gejagte selbst der Jäger und der eigentliche Mr. Cord mattgesetzt, bevor er »Schach!« auch nur rufen hört; unter seinem Namen und mit seinen Parolen versehen schleicht sich der verwegene Detektiv Pepper in den gegnerischen Geheimdienst ein.
Und es beginnt eine aufregende Fernschachpartie von Spionage und Gegenspionage, bei dme die Schweiz das Schachbrett ist.
Einem ganzen Ensemble undurchsichtiger scheinbarer Dutzendmenschen mit sehr genau verteilten Rollen sieht sich der unerschrockene Detektiv Pepper mehr und mehr ausgeliefert, und seine Chancen, heil davonzukommen und darüber hinaus wertvolle Informationen einzubringen, scheinen eins zu hundert zu stehen, zumal schon zwei seiner Helfer als Opfer auf der Strecke geblieben sind.
 

Freispruch für Leser von Kriminalromanen
 Die Zeiten sind längst vorbei, daß man die Detektive in der Literatur mißachtete. Es war in wohl auch recht töricht, denn bedeutende Geister, die mit der Seele des Menschen Bescheid wußten, haben sich schon immer positiv zu den Kriminalgeschichten verhalten. Entweder haben sie selbst welche geschrieben, wie Dickens, Schiller, Fontane oder Ricarda Huch, oder sie haben sie doch leidenschaftlich gern gelesen, wie Bismarck, der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, Gide und Hemingway. Inzwischen aber ist aus dem Vergnügen an den detektivischen Elementen, an Mord, Alibi, Spur und Entlarvung des Täters, geradezu ein Bedürfnis geworden - ein Bedürfnis, das auf das Vergnügen zu verzichten nicht gesonnen ist.
Die Leser von heute wittern im Kriminalroman mehr als eine amüsante Dreingabe zum Alltag, mehr als ein Rätsel oder ein Zauberkunststück. Da kaum noch Abenteuerromane veröffentlicht werden, greifen die Rechtsanwälte und kaufmännischen Angestellten, die Hausfrauen und Ärztinnen zu den Kriminalromanen. Darin finden sie die Auseinandersetzung zwischen Unrecht und Recht, die sie in ihrem eigenen Leben und in den allgemeinen Zusammenhängen unablässig beobachten, literarisch gespiegelt. Und siehe da, und Gott sei Dank, ist es in den Kriminelromanen anders als in der Wirklichkeit: in den Detektivbüchern von Poe, Conan Doyle und Chesterton über Wallace, Agatha Christie und Queen bis zu Chandler, Gardner, Hammet und Simenon siegt der gute Held, der Detektiv, siegt des Gute.
Am Ende eines jeden Kriminalromans, der so ist, wie es sich gehört, wird die Ordnung, die durch den Verbrecher gestört war, wiederhergestellt. Die Welt ist, wenigstens in diesem Fall, gereinigt, und der Leser, der sich wie in kaum einer anderen literarischen Kategorie mit dem Helden identifiziert, hat bei der Suche noch der Wahrheit, bei der Befreiung vom Entsetzen selbst mitgewirkt.
Wolfgang Weyrauch


Die Schachspiel-Metaphorik des Titels und des Klappentextes ist wohl von dem Cover des US-Ausgabe inspiriert.
»The pinned Man« von George Griswold alias Robert George DEAN, erschien 1955.
R.G. Dean (?? – 1989) war ein amerikanischer Journalist, der im Zweiten Weltkrieg als Fahrer bei den Sanitätern gedient hatte. Das Pseudonym »George Griswold« benutzte er für seine vier Spionageromane, »that still have a certain fan following. A character known as Mr. Groode, a shadowy British spymaster, figures in all four novels.«

25.6.17

KOEHLER - Die erste Staffel

out now

KOEHLER – Die erste Staffel

Koehler ist ein Medienprofi. Er ist Berater, Spindoctor, Ghostwriter, PR-Hure. Was er nicht hinkriegt, kriegt keiner hin. Egal ob es die Promotion für den Bestseller eines Serienräubers ist, das Drehbuch für die Jubiläums-Episode einer Seifenoper oder die dreckige Vergangenheit des neuen Teenie-Stars. Wenn Koehler ins Spiel kommt, lösen sich Probleme mit widerspenstigen Schauspielern, karrieregeilen Journalisten oder publicitysüchtigen Showstars in Luft auf. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt.
Wer Koehler mag, braucht Jack Reacher nicht.


Bild: Pixabay

E01 Heiße Geschichte

»Hallo Koehler.« Hugo verstaute die Zigarre in einem Metallröhrchen und schraubte es zu. »Von allen abgewrackten Hotels dieser Welt verschlägt es dich ausgerechnet ins ›Terminus‹? Sag mir warum?«

Als Koehler ins Hotel »Terminus« eincheckt, sieht alles noch nach einem einfachen Job aus. Er geht um einen paar CDs mit den Daten krimineller Börsendeals, die ein geschasster Top-Banker zum Kauf anbietet. Aber dann kommt eins zum anderen – und am Ende kommt keiner mehr so richtig zum Zug. Bis Koehler die Notbremse zieht.

E02 Der Deal

Bendix sah sich um. Sein Blick blieb am Gruga-Turm hängen. »Den wollen sie abreißen, habe ich gehört.«
»Nun komm schon!«, sagte Koehler. »Du hast doch was. Oder du willst was. Also quatsch hier nicht über Bauruinen.«

Koehler braucht eine Story. Und Bendix, das alte Trüffelschwein aus der Lokalredaktion, hat eine Story. Sagt er.

Bild: Pixabay

E03 Finale in Friesland

Kreischalarm garantiert: Flic-Flac, das neue heiße Teenie-Duo ist auf Tour durch die Stadthallen von Friesland. Flic-Flac ist nicht nur hundert Prozent synthetischer Zahnspangen-Pop, sondern auch die Geschichte von zwei Mädels die es aus den Hinterhöfen im Ruhrgebiet bis nach ganz vorn in die Charts schaffen wollen. Doch dann tauchen ein paar ganz spezielle Privatvideos auf. Und Koehler muss Schadensbegrenzung betreiben. Mit allen Mitteln.



 E04 Charlys Story

Charly ist eine Legende unter den Blaulichtreportern im Revier. Kein Verbrechen, über das er nicht schon geschrieben hat, kein Bulle, den er nicht kennt. Aber die Story, die er Koehler zu erzählen hat, toppt alles. Alles fängt ganz harmlos mit einem Bankraub samt Geiselnahme an. Bis Charly ins Spiel kommt…

S01 E05 Der Fetzer
S01 E06 Alles wird gut
S01 E07 Lovely Rita, love me do
S01 E08 Die Kammern der Qual (Bonusepisode)


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10.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Die Todeskarten des Dr. Schreck

John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
 John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
(Dr. Terror's House of Horrors)
Deutsch von Maria Lampus
München: Heyne Taschenbuch Nr 418, 1966
157 Seiten
Bei dem Titel handelt es sich um ein Movie-Tie-In (Roman zum Film) zu der britischen Produktion "Dr. Terror's House of Horrors" aus dem Jahr 1965, laut Wikipedia "directed by veteran horror director Freddie Francis, written by Milton Subotsky, and starring Peter Cushing and Christopher Lee."
Das Cover der US.Ausgabe orientiert sich an dem Filmplakat.


John Burke:
Die Todeskarten des Dr. Schreck
John Burke: Die Todeskarten des Dr. Schreck
DER D-ZUG DES GRAUENS WAR UM 8.43 UHR ABGEFAHREN.
WANN KAM ER AN?
Die fünf Männer, die sich an einem strahlenden Julimorgen in dem D-Zugabteil zusammenfanden, kannten sich nicht, waren einander noch nie begegnet. Wie hätten sie dann vermuten können, daß jener Alte, der als letzter zugestiegen war, jeden von ihnen im Leben des anderen eine verhängnisvolle Rolle spielen lassen würde?
Sie glaubten, der Alte wollte sie lediglich das Gruseln lehren, aber damit hatten sie ihn unterschätzt. Und arglos ließen sie ihn die Spielkarten präsentieren, jene geheimnisvoll teuflischen Karten, durch die man in die Zukunft sah, in e_ine verhängnisvolle Zukunft, in ein tödliches Entsetzen . . .
Ein Horror-Thriller auf der Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit.

8.6.17

Aus dem Krimi-Archiv: Henry Jaeger

Henry Jaeger  (1927 – 2000)

Henry Jaeger, Sohn eines Kupferschmieds, wurde mit 15 zum Flakdienst eingezogen und als Fallschirmjäger eingesetzt. Nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft besuchte er Abendschulen, arbeitete tagsüber als Laborant und faßte den Entschluß, Arzt zu werden. Die Umstände aber verhinderten es -  Jaeger rutschte in die Kriminalität ab.
Nach einer Serie von Raubüberfällen, die er als Kopf der berüchtigten "Jaeger-Bande", wurde er 1955 verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Freiburger Gefängnispfarrer erwirkte für ihn eine Schreiberlaubnis und betraute ihn mit der redaktionellen Leitung der Gefangenenzeitung.
Noch während seiner Haftzeit veröffentlichte Jaeger seinen ersten Roman DIE FESTUNG, der auch von der literarischen Kritik der frühen sechziger Jahre ernsthaft aufgenommen wurde.
1963 wurde Jaeger schließlich durch einen Gnadenerlaß aus der Haft entlassen und arbeitete während seiner Bewährungszeit als Volontär bei der "Frankfurter Rundschau".
In den nächsten Jahren schrieb er eine Reihe zeitkritischer Kriminal-Romane, die jedoch niemals wieder die gleiche positive Resonanz bei der Kritik erzielten wie sein Erstling. Zunehmend registrierte man in Jaegers Werk thematische und stilistische Stagnation und ein Abgleiten in triviale und populäre Muster.

Henry Jaeger: Die Festung
Bergisch-Gladbach: Bastei –Lübbe, Palette 14008
Lizenzausgabe des Verlags Kurt Desch GmbH, München
© Copyright 1962 by Verlag Kurt Desch GmbH, München, Wien, Basel


Henry Jaeger: Die Festung (Bild: Jahn)

Henry Jaeger wurde 1927 in Frankfurt geboren. Schon nach Erscheinen seines ersten Werkes spendeten ihm Kritiker wie Friedrich Sieburg und Hans Habe hohes Lob. Seine großen Romane DAS FREUDENHAUS, DIE BESTRAFTE ZEIT und REBELLION DER VERLORENEN wurden in viele Sprachen übersetzt.

H. Jaeger schrieb über sich selbst: »Meine Arbeiten sind das Ergebnis dunkler Erfahrungen und nachhaltiger Erschütterung. Ich will die Dinge anrühren, sie aufzeigen, sichtbar machen — enthüllen!«
Und so ist der hier vorliegende Roman wie ein Faustschlag, der uns wachrütteln soil, Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen, leben zusammengepfercht in einer alten Festung. Jeder versucht auf seine Weise, der Trostiosigkeit dieses Daseins zu entfliehen‚ von dem einzigen Wunsch beseelt‚ seinem Leben eine Wendung zum Guten zu geben — ein wenig Glück zu finden.  Der Roman wurde unter dem Titel VERDAMMT ZUR SÜNDE mit Martin Held und Hildegard Knef in den Hauptrollen verfilmt.
 
Henry Jaeger:
Unter Anklage

Vollständige Taschenbuchausgabe 1988

Die aparte und lebensfrohe Susanne verliebt sich im Tessin in einen deutschen Maler. Bei einer Ausstellung sieht sie ihr Porträt, das er gemalt hat, ohne sie jemals gesehen zu haben. Sie ist die Traumfrau seiner Phantasie. Doch ihre Liebe scheint keine Zukunft zu haben, denn Susanne ist als Mitwisserin und Hauptzeugin in einen Kriminalfall verwickelt. Ihr Vater sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die beiden Liebenden fliehen in ein abgelegenes Tessiner Tal, um ganz ihren Gefühlen zu leben
Doch die Vergangenheit holt sie auch hier ein...

7.6.17

Nachtfahrt

Walter Serner Preis 1988

Nachtfahrt

Von Karr & Wehner

Eine Hurenfahrt, na klar. Sie blond, Ledermini und rote Bluse, dickes Make-up mit Rouge und Kajalstift bis dorthinaus.
»He, Frollein, fahr'n Sie, Holsterhausen, Klinikum, ja?«
  Der Typ scheint nicht mehr ganz klar zu sein, ist mir fast in den Wagen gefallen, als die beiden an der Segerothstraße eingestiegen sind. Das Milieu kennt man ja: Nordhofstraße, Stahlstraße, gleich neben Krupp. Früher der größte Puff in der Republik.
  Rolf liegt Zuhause im Bett und ich darf durch die Nacht kutschieren. Wagen 19, Angelika Weber auf Nachtschicht, weil ihr lover frisch aus dem Knast kommt. Der Asphalt summt unter den Reifen des Daimlers. Halb drei, nachts.
  »He, Frollein, halten Sie mal.«
Und kaum steh ich, da ist die Blonde schon raus und weg.
  So, wie die läuft, kommt die nicht wieder. Nur komisch, dass der Typ hinten im Wagen nichts sagt. Ich dreh mich um und will wissen, was nun los ist, als er mir entgegenfällt.
  Glasige Augen, totes Gesicht und ein bisschen Blut auf dem Hemd. Scheiße, der ist wirklich tot, der ist mir hier im Wagen abgegangen, denn eingestiegen ist er ja noch selber.
  Sieht wie eine Stichwunde aus, das in seinem Bauch.
  Das muss die Blonde gewesen sein... obwohl - warum soll sie sich ausgerechnet eine Taxe suchen, wenn sie ihn kaltmachen will?
  Die Bullen. Wenn ich den Notruf übern Taxifunk abgebe, sind die in zehn Minuten da. Streifenwagen, Kriminaldauerdienst.
  Die Handtasche liegt neben dem Toten auf der Rückbank. Die muss der Blonden gehören, Leder, dunkelrot und der Verschluss ist aufgesprungen. Sicher, man soll nichts anfassen, aber trotzdem. Lippenstift, Puder, Schlüssel, Tampons, Kaugummi ein paar grüne Pillen und eine Plastikhülle mit Papieren. Bockschein auf den Namen Helga Werz, Lottozettel - auch Helga Werz, Nordhofstraße 24, ein Rezept und ein Foto.
  Die Innenbeleuchtung ist mies, aber trotzdem - auf dem Bild, das ist doch Rolf. Arm in Arm. Mit der Blonden, irgendwo am Strand.

     Er hat noch nicht den Schnäuzer, aber diese langen schwarzen Haare, Locken bis auf die Schulter, wie ein Engel, er sieht jünger aus. Die Blonde im Bikini mit Schmachtaugen und Schmollmund.
Was hat Rolf mit der Blonden zu tun? Warum hab ich mich überhaupt mit ihm eingelassen? Was ist hier überhaupt los?
Irgendein Kollege brettert vorbei und blinkt mich mit der Lichthupe an. Stehenbleiben kann ich hier jedenfalls nicht.
Ich fahre erst mal los, lass das Taxameter weiterlaufen, damit der Vogel auf dem Dach nicht brennt. Mein Gott, 37 Mark 40, die muss ich nachher selber in die Kasse tun.
Richtung Frohnhausen. Ruhiges Wohnviertel, keine Aufregung.
Bloß keine Probleme!, hat Rolf gesagt, als er bei mir eingezogen ist. Erst mal wieder Fuß fassen, dann weitersehen.
Wenn ich zu den Bullen geh, werden die nach der Blonden suchen. Das Foto interessiert die bestimmt auch. Das Foto muss verschwinden, soviel ist klar.
Ich nehm's aus der Hülle raus und steck's in meine Geldtasche. Obwohl - wenn die Bullen die Blonde schnappen, dann kann sie vielleicht was erzählen. Über Rolf undsoweiter. Nein, so geht's auch nicht. Ich muss die Blonde überhaupt vergessen. Und wie, sag ich den Bullen, ist der Tote in meinen Wagen gekommen?
Rüdesheimer Platz. Vorn die Kleingartenanlage.
Erst mal rechts ran und scharf nachgedacht. Keine Probleme - also: keine Leiche in meinem Wagen, keine Fragen, keine Blondine.
Ich muss den Typ rausschmeißen. Und dann weiterfahren. Ich denke nicht, dass einer gesehen hat, wie ich die beiden auf der Segerothstraße eingeladen habe.
Wie lange stehe ich hier schon? Zwei Minuten, drei Minuten? 48,60 auf dem Taxameter. Ich leg den Gang ein und rolle an den Schrebergärten vorbei. Dunkel ist's hier. Okay, Leerlauf rein, aussteigen, rechte Hintertür auf. Der Typ fällt mir halb entgegen. Schwer ist er nicht, ungefähr einsachtzig groß, um die 65 Kilo. Lederjacke, Goldringe an den Fingern und eine Rolex mit Brillanten am Handgelenk. Sowas kostet 30.000, wenn ich jetzt...
Als ob ich keine anderen Probleme hätte. Ich lege ihn unter ein paar Sträucher und dann nichts wie weg.
  Die Handtasche von der Blonden liegt auf dem Beifahrersitz. Ich komme auf die Frohnhauser und merke erst jetzt, dass das Taxameter noch läuft. 56.80 Mark, ich mach' es aus.
Helga Werz, Nordhofstraße 24, steht auf dem Lottozettel und ihrem amtsärztlichen Gesundheitszeugnis. Sie ist also anschaffen gegangen. Und der Tote mit seiner Rolex... ihr Lude? Wahrscheinlich. Und was hat Rolf mit der ganzen Kiste zu tun? War die Blonde mal mit ihm zusammen oder was?
  Ich will das jetzt wissen. Also wieder raus in den Segeroth. Die Blonde muss mir was erzählen. Immerhin war sie dabei, als der Typ gestorben ist. Überhaupt - der Typ ist mir ja beinahe in den Wagen gefallen, geschwankt hat der, und die Blonde wollte zum Klinikum - ja klar, da hat er seine Messerwunde schon gehabt.
Links geht die Nordhofstraße ab.
Blaulicht flackert vor einem der Häuser, und ich brauch gar nicht nachzusehen um zu wissen, das es die Nummer 24 ist. Notarztwagen, Streifenwagen, der Kleinbus von der Kripo.
Leute stehen da, vor der Haustür hält ein Uniformierter Wache, da fällt's nicht auf, wenn ich mich dazustelle. Neben mir turnt einer von der Zeitung rum und fragt die Leute.
  »Bei der Werz haben sie einen kaltgemacht«, sagt einer.
  »Eifersuchtsgeschichte«, höre ich.
  »Streit hat's gegeben«, sagt eine von den Huren. »Der Kunde hat die Helga wohl von früher gekannt und wollte was von ihr. Und da ist der Harry dazugekommen, ihr Lude...tja, mit dem Messer...«
  Jetzt kommen die Sanitäter mit der Trage raus. Einer liegt drauf, das Laken überm Gesicht. Er ist wohl tot und als das Laken runterrutscht, fotografiert der Pressemensch wie wild. Alle drängen und ich seh nur ein kariertes Hemd und schwarze Locken, wie von einem Engel.
  »Mit dem war die Helga mal verheiratet«, sagt jemand.
  Ich muss nach Hause. 

  Bestimmt ist Rolf da. 
  Bestimmt.

Erschienen unter andrem in: 
- In: der lichtblick. Berlin: Nr.11-12/1988.
- In: Heyne Krimi Jahresband 1989. München: Heyne 1989. (= TB 2260).
- In: die horen. Hannover: Nr.154/1989.

 

Nightdrive

by Karr & Wehner

Of course, I'm driving a hustler. She's blonde, leather miniskirt and red blouse, thick make-up with heavy-duty blush and black eyeliner.
  "Hey, lady, take us to Holsterhausen, the hospital, okay?"
  The guy seems to be a little fuzzy: almost fell into my ca when I picked up the two of them in Segeroth Street. You know the neigherborhood: Nordhof Street, Stahl Street, right next to Krupp. Used to be the biggest whorehouse in the Republic.
  While Rolf is at home in bed, I get to drive around all night long. Taxi No. 19, Angelika Weber doing night shift because her loverboy only just got out of jail. The asphalt is humming under zhe Benz's tires. Half past two in the morning.
 "Hey, lady, stop here a moment."
 And I've hardly come to a stop when the blonde's already out and gone. 
   The way she's running she's not coming back. Seems funny that the guy in the back of the car isn't saying anything. I turn around to ask him what the deal is, when he sudenly falls towards me.
  Glassy eyes, dead-looking face, and a little blood on the shirt. Shit, he's really dead, he croaked right here in the car, after all, he got in on his own.
  That looks like a stab wound in his stomach.
  It must have been the blonde...although - why would she pick a taxi of all places for bumping him off?
  The cops. If I call the emergency number on my taxi radio they'll be here in ten minutes. Squad car, round-the-clock detectives.
  A handbag's lying next to the dead man on the seat. Must be the blonde's. Dark red leather, and the lock's snapped open. Sure, you're not supposed to touch anything, but still... Lipstick, compact, keys, tampons, chewing gum, a few green pills and some papers in a plastic holder. Hustler pass, made out to Helga Werz; lottery coupon - also Helga Werz, Nordhof Street 24; a prescription and a photo.
  The lighting in here is pretty bad, but still - the one in the picture, that's gotta be Rolf. Arm in Arm with the blonde, somewhere on a beach. He doesn't have the moustache yet, but that's his long black hair, curls down to his shoulders, like an angel; he looks younger, too. The blonde in a bikini with bedroom eyes and pouting lips.
 Qhat's Rolf got to do with the blonde? Why did I get involved with him anyway? And just what is going on here?
  Some colleague races by and blinks his high-beam at me. I definitly can't stay here.
  So I drive off for now, keep the meter running so that the dingbat on the roof doesn't light up. Good lord, that's 37 Marks and 40: I'm gonna have to put that in out of my own pocket.
  Drive towards Frohnhausen. Qiet residential area, no excitement.
  "Please, no problems!" Rolf said when he moved in with me. First, get back on the level, then figure out what next.
  If I call the cops, they'll search the blonde. I'm sure they'll be interested in the photo, too. The photo's gotta disappear, that much is clear.
  I take it out of the holder and put it in my cash pouch. Although - if the cops get the blonde, maybe she'll talk. About Rolf and so on. No, that's no good. I gotta forget the blonde altogether. But what do I tell the cops about how this dead guy got into my car?
  Rüdesheimer Place. First the allotment area.
  Pull up to the curb and think hard. No problems - that means: no corpse in my car, no questions, no blonde.
  I've gotta throw this guy out. And then drive on. I don't think anybody saw me pick up these two on Segeroth Street.
  How long have I been standing here? Two minutes, three minutes? 48 Marks 60 on the meter. I put her in gear and roll past the allotments. It's dark here. Okay, put her in neutral, get out, open the right back door. The guy almost falls out. He's not that heavy, maybe five eleven tall, around 150 pounds. Leather jacket, gold finger-rings, and a Rolex with diamonds on his wrist. That's worth at least 30,000 - if I took...
  As if I didn't have enough problems. I put him under a few bushes and get out of there.
  The blonde's handbag is lying on the passenger seat. I get to Frohnhauser and realize only then that the meter ist still on. 56 Marks 80, I make it up.
  Helga Werz, Nordhof Street 24 is the adress on the lottery coupon and her Public Health Department certification. She's a hustler alright. And the stiff with the Rolex... her pimp? Probably. And what's Rolf got to do with whole shebang? Did the blonde date him once or something?
  Now I want to know. So back again to Segeroth. The blonde's gotta talk to me. Anyway, she was there then when the guy died. Actually - that guy almost fell into my car, he was staggering, and the blonnde wanted me to go to the hospital - of course, he already had the stab wound then.
  Nordhof Street is on the left.
  Blue lights flicker in front of the houses, and I don't need to check to know that it's Number 24. Ambulance, squad car, the feds' minivan.
  People are standing around, a guy in uniform guards the front door; noboddy will notice if I join the crowd. Someone from the newspaper is next to me, doing his thing, asking questions.
  "A guy was bumped off in Werz's apartment," someone says.
  "Some jealousy thing," I heard.
  "They were fighting," says one of the whores. "I guess the client had known Helga before and was getting out of line. So Harry comes in, her pimp...yeah, with a knife..."
  Now the paramedics come out with the stretcher. Someone's lying on it, a sheet over his face. I guess he's dead, and when the sheet slips down the press guy starts taking pictures like crazy. Everyone crowds around and all I can see is a plaid shirt and black curls, like those of an angel.
   "Helga was married to him once," someone says.
  I've gotta get home. Rolf will be there for sure. Fur sure.
 

(Translated by Ulrike Emigh).

2.6.17

Tatort Ruhrort: Tod auf der Kohleninsel

Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka
Foto: Jahn

Buchvorstellung am Kulturkiosk in Ruhrort

Das hier ist das Autorenteam Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka bei der Vorstellung ihres aktuellen Buches. Der Roman heißt: Tod auf der Kohleninsel, erschienen im Emons Verlag:
Alles beginnt in der Schimmi-Gasse in Ruhrort, da wo Duisburg am duisburgigsten ist. Theo Bosman kämpft gerade gegen einen gewaltigen Hangover, als ihn sein Sohn anruft: "Papa, du musst kommen. Auf die Kohleninsel. Hier liegt eine Leiche."

Rüskamp/Toschka
Tod auf der Kohleninsel
Emons

26.5.17

Tales of two Capitals


Von Reinhard Jahn und Thomas Przybilka

Bonn (BRD)  und Berlin (DDR)
als Krimi-Schauplätze


Deutsches Manuskript.
Die Übersetzung erschien in
Nina King with Robin Winks and other Contributers
Crimes of the Scene
A Mystery Novel Guide for the International Traveler
New York: St. Martins Press 1997





The Berlin Wall

"Leamas went to the window and waited, in front of him the road and to either the Wall, a dirty, ugly thing of breeze blocks and strands of barbed wire, lit with cheap yellow light, like the backdrop for a concentration camp. East and west of the Wall lay the unrestored part of Berlin, a half-world of ruin, drawn in two dimensions, crags of war" ... "...suddenly he felt the coarse, sharp contact of the cinder brick. Now he could discern the wall and, looking upwards, the triple strand of wire and the cruel hooks which held it. Metal wedges, like climbers` pitons, had been driven into the brick. Seizing the highest one, Leamas pulles himself quickly upwards he had reached the top of the wall."

(John le Carré, The Spy Who Came In From The Cold, London 1964, pp 9, 218)

Bonn / Bad Godesberg
"At twenty-five minutes past eight, the Drosselgasse in Bad Godesberg had been just another leafy diplomatic backwater, about as far from political turmoils of Bonn as you could reasonably get while staying within fifteen minutes`drive of them. It was a new street but mature, with lush, sceret gardens, and maids' quarters over the garages, and Gothic scurity grilles over the bottles glass windows. The Rhineland weather for most of the year has the warm wet drip of the jungle; its vegetation, like its diplomatic community, grows almost as fast as the Germans build the roads, and slightly faster than they make their maps. The  fronts of some of the houses were already half obscured by dense plantations of conifers, which, if they ever grow to proper size, will presumably one day plunge the whole area into a Grimm`s fairy-tale blackout. (...) A kilometre southward, unseen Rhine barges provided a throbbing, stately hum, but the resident grow deaf to it unless it stops. In short, it was a morning to assure you that whatever calamaties you might be reading about West Germany`s earnest, rather panicky newspapers ... Bad Godesberg was a settled, decent place to be alive in, and Bonn was not half so bad as it is painted."
(John le Carré: The Little Drummer Girl, London: Hodder & Stoughton 1983, pp. 3-4)


Wenn Sie in Berlin sind... 
...besuchen Sie das "Café Kranzler" am Kurfürstendamm, ganz in der Nähe der Gedächtniskirche mit ihrem zerbombten Turm, der als Mahnmal nach dem Zweiten Weltkrieg in seinem Zustand belassen wurde. Im "Kranzler", wo bei schönem Wetter Stühle und Tische auf den Gehsteig gestellt werden, trifft nicht nur Len Deightons Agent an einem Sonntag seinen Informanten Johnny Vulkan ("Funeral in Berlin", London 1964/New York 1965). Auch in anderen Romanen ist das "Kranzler" Schauplatz konspirativer Agententreffs. Seit seinem Einzug 1932 ist das Café eines der Wahrzeichen Berlin. Zunächst ist es Treffpunkt von Literaten und Künstlern, nach dem Krieg dann der Ort, an dem sich alliierte Offiziere zusammensetzen und später der Platz, an dem die Deutschen ihren ersten bescheidenen Nachkriegs-Wohlstand bei Kaffee und Kuchen vor den flanierenden Passanten zur Schau stellten.

Bonn und Berlin  - Die beiden Hauptstädte Deutschlands


"Bonn was a Balkan city, stained and secret, drawn over with tramwire. Bonn was a dark house where someone had died, a house dreaped in Catholic black and guarded by policemen. "
(John le Carré: A Small Town In Germany, London 1968, p. 7)

   Keine Frage, John le Carré mag Bonn zunächst nicht, und in den mehr als 40 Jahren, in denen die kleine Stadt am Rhein die die Hauptstadt der Bundesrepublik war, haben auch viele Deutsche ein ambivalantes Verhältnis zu dem verschlafenen "Bundesdorf" gehabt. Der kleine Ort in der Nähe von Köln wurde von der ersten deutschen Regierung unter Kanzler Konrad Adenauer 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, zur vorläufigen Hauptstadt der aus der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone gebildeten Bundesrepublik Deutschland gewählt. Die alte "Reichshauptstadt" Berlin lag unterdessen isoliert in der sowjetischen Besatzungszone, aus der 1949 die Deutsche Demokratische Republik wurde, jenem unter Moskaus Einfluß stehenden zweiten deutschen Staat, der sich 1961 mit seiner "Zonengrenze" hermetisch gegen Westdeutschland abschottete.

    Berlin - genauer gesagt: der Ostteil der Stadt, wurde von der ostdeutschen Regierung zur Hauptstadt der DDR erklärt. Vierzig Jahre lang bestand dieses deutsche Provisorium aus zwei Staaten. Durch martialische Grenzanlagen und die "Berliner Mauer" war das unter alliierter Kontrolle stehende West-Berlin vollkommen vom ostdeutschen Umland abgeschnittenen, bis 1990 durch die deutsche Wiedervereinigung ein neues Deutschland entstand. Dessen Parlament entschied schließlich 1991, daß nicht mehr das geruhsame Bonn am Rhein, sondern wieder Berlin seine Haupstadt sein sollte.

    Vierzig Jahre deutsche Geschichte, von 1949 bis 1989, eine Zeit des Machtkampfes der UdSSR und der USA, die Zeit des Kalten Krieges und des Wettkampfes der Systeme, der besonders an seiner Nahtstelle in Deutschland von östlichen und westlichen Geheimdiensten mit allen Mitteln geführt wurde. Kein Wunder also, daß man besonders über Spionagegeschichten und Polit-Thriller reden muß, wenn es um die Krimis geht, die in der alten und der neuen deutschen Hauptstadt spielen. Daß das geruhsame Bonn dabei in der Wirklichkeit nicht so häufig Schauplatz internationaler Geheimdienstintrigen war, heißt unterdessen nicht, daß die "Kleine Stadt in Deutschland", wie John le Carré sie genannt hat, keinen Stoff für hochklassige Spionageschichten geboten hätte. Über Bonns berühmt-berüchtigte "Diplomatenrennbahn", eine gut ausgebaute, mehrspurige Straße aus der Bonner Innenstadt hinaus zum Vorort Bad Godesberg, die nicht nur die ansässigen Diplomaten zu überhöhter Geschwindigkeit verleitet, führt in Ross Thomas' "The Cold war Swap" (New York 1966, UK-Title: Spy In The Vodka, London 1967) der Weg zu "Mac's Place".

   Die Bar des Ex-CIA-Mannes MacCorkle und seines Partners Padillo wird in dem hochklassigen Debüt-Thriller des Journalisten Ross Thomas (1926 - 1995), der von 1958 bis 1959 selbst in Bonn lebte und arbeitete, zur Drehscheibe für eine eiskalt kalkulierte CIA-Operation. Die amerikanische Regierung will einen abgeschriebenen Spezialagenten gegen zwei in den Osten übergelaufene Wissenschaftler austauschen, die sie gerne zurück hätte. Daß die Operation kein Routinegeschäft ist, wird MacCorkle klar, als vor seinen Augen der Barkeeper von "Mac's Place" gerade in dem Moment erschossen wird, als er ihm sein Geheimrezept für die richtige Mischung eines Seven-layer Mint Frappé anvertrauen will.

  Aus dem gemütlichen Bonner Vorort Bad Godesberg führt die Mission MacCorkle und Padillo hinter den Eisernen Vorhang und direkt in eine Falle des KGB, aus der sich die beiden nur mit einigen Blessuren wieder herauswinden können. Inzwischen existiert "Mac's Place" schon lange nicht mehr. MacCorkle und sein Partner sind, ebenso wie ihr deutsches Personal, von Bonn nach Washington D.C. übergesiedelt und haben dort - wie man in "Cast A Yellow Shadow" (New York 1967) und "The Backup Men" (New York 1971) nachlesen kann, "Mac`s Place" neu eröffnet.

    Doch auch wenn Bonn, wie es sein ehemaliger Polizeipräsident einmal formulierte, "in puncto Kriminalität Gott sei Dank kein Weltstadtniveau" erreicht, ist es mit all seinen Regierungsbehörden, Ministerien und Botschaften genau wie jede andere Hauptstadt ein Tummelplatz für Spione aus aller Herren Länder, ganz besonders aber aus der DDR gewesen. Dabei setzte der legendäre Spionagechef Markus Wolf aus dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit ("Stasi") in den achtziger Jahren verstärkt auf die "Romeo"-Variante. Die mag in vielen Fällen so abgelaufen sein, wie Martin Walser es in "No Man's Land" (Austin 1989) (dt. "Dorle und Wolf", Frankfurt am Main 1987) beschreibt:

   Wolf Ziegler, in der DDR aufgewachsen und später in die Bundesrepublik gekommen, fühlt sich seinem alten Heimatstaat verpflichtet und stellt sich als Spion zur Verfügung, um den Rückstand der DDR im Hochtechnologiebereich zu verringern. Um an die Schlüsselinformationen heranzukommen, wird er zu einem von Markus Wolfs "Romeo-Agenten". Er heiratet Dorle, Sekretärin im Bonner Verteidigungsminiserium, die ihn unwissend mit dem Geheimmaterial versorgt, das seine Auftraggeber dringend benötigen. Als er nach neun Jahren seiner Spionagetätigkeit überdrüssig wird, zeigen seine ostberliner Auftraggeber wenig Verständnis für seinen Wunsch nach einem geruhsamen Familienleben und setzen ihn unter Druck.

   Genau wie Wolf Ziegler in Martin Walsers eher gesellschaftskritischem als spannenden Roman ist auch Otto "der Rabe" Reimann in Brian Freemantles "Little Grey Mice" (London 1991) ein Romeo-Agent, der auf eine Bonner Bürodame angesetzt wird. Genauso kühl und professionell, wie Reimann sich im Auftrag des KGB an Elke Meyer, Referentin des Staatsministers im Kanzleramt, heranmacht, um angesichts der unmittelbar bevorstehenden Wiedervereinigung die Position des neuen Deutschlands auszuspionieren,  erzählt Freemantle seine Geschichte. Bonn ist Dreh- und Angelpunkt von Otto Reimanns Operation, bei der er allerdings trotz aller Spionageerfolge den Kürzeren zieht - denn er wird die Geister, die er mit seinen Liebesschwüren bei der "kleinen grauen Maus" aus dem Kanzleramt rief, nicht so schnell wieder los. Pech für den "Raben", Glück im Unglück für die "graue Maus".

    Weniger grau und unscheinbar als bei Brian Freemnatle geht es in Robert Ludlums Action-Thriller "The Aquitaine Progression" (New York 1984) zu, in dem es den Helden John Converse bei seiner Jagd nach den Hintermännern einer von Ludlums üblichen Verschwörungstherorien auch ins verschlafene Bonn am Rhein verschlägt. Am "Alten Zoll", der kastanienbestanden alten Bastion am südöstlichen Rand der Bonner Altstadt trifft Converse einen wichtigen Informanten, und kurz darauf kann er nicht verhindern, daß im "Hofgarten", einem Park vor der Bonner Universität der amerikanische Botschafter ermordet wird. Doch mehr als atmosphärischer  Hintergrund ist die kleine Stadt am Rhein in Ludlums weltumspannender Jagd nach einigen machthungrigen Generälen nicht, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein ganz Europa umfassendes neues Weltreich zu errichten.

   Es sind also meist nur die kleinen, überschaubaren Spionageoperationen, die in Bonn stattfinden, Geschichten über kleinbürgerliche Verstrickungen in Verrat und Heimtücke, und damit werden die erwähnten Romane der eher unauffälligen Stadt, die nie das Flair einer wirklichen Hauptstadt entwickeln konnte (und wollte), vollkommen gerecht. Die wirklich großen Spione, die wirklich großen Geheimdienstoperationen spielten sich während des Kalten Krieges in Berlin ab. Hier wartete John le Carrés Alec Leamas an der Berliner Mauer auf den "Spy Who Came In From The Cold", in Berlin zieht Adam Halls Agent Quiller seine Kreise, und hier findet  Mitte der sechziger Jahre das "Funeral in Berlin" für Len Deightons namenlosen Agenten statt, als er für den britischen Geheimdienst einen hochkarätigen ostdeutschen Wissenschaftler über die Zonengrenze bringen soll.

     Und auch Deightons in Berlin geborener Bernhard Sampson, britischer Spion und tragischer Held der "Berlin Game", "London Match" und "Mexiko Poker"-Trilogie (New York 1984,1985,1986) lauert stets an der weltbekannt gewordenen Berliner Mauer, die im August 1961 von der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Volkspolizei (VoPo) errichtet wurde, um den ständig wachsenden Flüchtlingsstrom aus der DDR in den bis dahin noch "offenen" und "ungeteilten", unter alliierter Verwaltung stehenden Westteil der Stadt zu stoppen. Im Lauf der Jahre perfektionierte der ostdeutsche Staat seinen 155 Kilometer langen "antiimperialistischen Schutzwall" rund um West-Berlin zu einer tödlichen Staatsgrenze, deren Grenztruppen den Befehl hatten, sämtliche Fluchtversuche mit der Schußwaffe zu verhindern. Die künstliche Sperre, die unter anderem unmittelbar vor den Säulen des Brandenburger Tors verlief, bestand zuletzt aus einer 4,10 Meter hohen und 16 Zentimeter starken Betonplattenwand, die oben entweder mit einem dicken Betonrohr oder einem Metallgitterzaun bewehrt war. Daran schloß sich an der östlichen Seite ein 10 Meter breiter "Todesstreifen" mit Wachtürmen und Bunkern, Hundelaufanlagen, Patroullienwegen und einem Kontaktzaun an, der bei Berührung optische und akustische Signale auslöste.

    Erst der politische Umbruch des Jahres 1989 mit seinen Bürgerprotesten in der DDR brachte schließlich am historischen 9. November 1989 die Öffnung aller bis dahin streng kontrollierten Grenzübergangsstellen und leitete die deutsche Wiedervereinigung ein. Adam Halls Quiller ist kurz vor jenen Tagen des Jahres 1989 in der geteilten Stadt, um in einer seltsamen Zusammenarbeit mit dem KGB ein Attentat auf Michail Gorbatschow zu verhindern:
"The East Germans are fervently hoping for some kind of reunification, beause so many of them got relatives in the West and they`ve been cut off from them all this time by the wall. On the other hand, some people are scared to death, because if Europe becomes denuclearised - which is the way, things are heading - the US are going to withdraw most of it`s forces and that`ll leave West Germany without security umbrella...
(Adam Hall "Quiller KGB", New York 1989, p. 84)

    In der Zeit der Teilung war der "Checkpoint Charlie", der Grenzübergang für Ausländer an der Ecke Kochstraße und Friedrichstraße Brennpunkt und Nadelöhr für zahlreiche riskante, nicht nur literarische Spionageoparationen des britischen SIS und der amerikanischen CIA. "You are are leaving the American Sector" liest Alec Leamas auf dem bekannten Schild in Le Carrés klassischem "The Spy Who Came In From The Cold" (1963) , während er auf den Überläufer aus der DDR wartet und noch nicht weiß, daß er selbst nur eine Schachfigur im Spiel seines Chefs "Control" ist, der Leamas nur dazu benutzt, den ostdeutschen Spionagechef Mundt bei seinen eigenen Leuten zu diskreditieren. Genau wie Leamas wartet auch Len Deightons Bernhard Sampson in "Berlin Game" (New York 1984) an der Mauergrenze auf den ostdeutschen Topspion "Brahms IV", der wichtige Nachrichten über einen Maulwurf im britischen Geheimdienst bringen will. Und auch in den nächsten Büchern der Sampson-Trilogie, als Bernhard längst herausgefunden hat, daß seine schöne Ehefrau Fiona ihn nicht nur mit seinem Kollegen Bret Rensselaer betrügt, sondern auch der gesuchte Maulwurf ist, verschlägt es ihn immer wieder auf die geschichtsträchtigen Straßen Berlins:

"Berlin is a sort of history book of twentieth-century violence, and every street corner brought  a recollection of something I`d heard, seen or read. We follwed the road alongside the Landwehr Canal, which twists and turns through the heart of the city, It`s oily water hold many dark secrets. Back in 1919, when the Spartakists attempted to seize the city by armed uprising, two officers of the Horse Guards took the badly beaten Rosa Luxemburg - a Cummunist leader - from their headquarters at the Eden Hotel, next to the Zoo, shot her dead and threw her into the canal."
(Len Deighton "London Match", London 1985. p. 9)

   Zurück in die Zeit vor der Machtergreifung der Nazis in Deutschland und im großen Bogen bis hin zum alliierten Sieg über Nazi-Deuschland führt Deighton, der "Poet des Agentenromans" uns in "Winter: A Berlin Family" (New York 1987). 

    Die Epoche der Nazi-Diktatur, die Deutschland unter der Herrschaft Adolf Hitlers in den Zweiten Weltkrieg stürzte, haben später viele Thriller-Autoren als Hintergrund für konventionelle Krimi-Geschichten verwendet, aber erst der Brite Philip Kerr kam 1989 in seiner "Berlin Noir"-Trilogie auf die Idee, einen harten Privatschnüffler im historischen Berlin der Jahre 1936 bis 1940 ermitteln zu lassen. Bernhard "Bernie" Gunther, hat seinen Job als Kriminalpolizist im Präsidium am Alexanderplatz gekündigt und sich nach einem Aushilfsjob als Hoteldetektiv im "Adlon" mit einem kleinen Detektivbüro selbständig gemacht. Bei seiner Suche nach dem angeblich nach einem Brand verschwundenen Schmuck einer Industriellentochter vor dem Hintergrund der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 1936 in "March Violets" (New York 1989) nicht nur in den Gefängniszellen des GESTAPO-Hauptquartiers an der Prinz Albrecht-Straße; Gunther bekommt auch die Terrorherrschaft der Nazis im Konzentrationslager Dachau zu spüren, in das er sich auf der Spur des verschwundenen Schmuckes einschmuggelt.

  Mit seiner indifferenten Haltung gegenüber dem Nazi-Regime und der ausgeprägten Fähigkeit, sich immer wieder auch mit unmenschlichen Umständen arrangieren zu können, verhält sich Bernhard Gunther wie viele Deutsche in jenen Jahren. Er sagt: 

"Survival, especially in these difficult times, has to count as some sort of an achievement" (Philip Kerr "The Pale Criminal", New York 1991 p. 237)

und läßt sich auch für eine Machtintrige des SS-Führers Heydrich gegen seinen Gegner Himmler einspannen und dient schließlich in "A German Requiem" (London 1991) auch Hitlers Kriegsmaschinerie.

    Konsequent hat Robert Harris im Szenariao seiner political fiction "Fatherland" (1992) die Frage weitergedacht, welches Gesicht Deutschland wohl hätte haben können, wenn Adolfs Hitlers aggressive Machtpolitik zum Erfolg geführt hätte. In seinem weltweit erfolgreichen und besonders in Deutschland sehr kontrovers diskutierten Thriller befinden wir uns im Jahr 1964. Die deutsche Nation bereitet sich auf den 75. Geburtstag des "Führers" vor, der Feldzug gegen Rußland steht kurz vor seinem siegreichen Abschluß und in den USA, mit denen 1946 Frieden geschlossen wurde, regiert Präsident John F. Kennedy. Das Berlin, in dem Kriminalkommissar Xaver März die Todesumstände eines Nazi-Parteigenossen der ersten Stunde ermitteln soll, ist eine gigantische Metropole. Doch neben dem pompösen Glanz, in den sich die Naziherrscher hüllen, gibt es eine dunkle, tödliche Seite des Staates, der Kommissar März zusammen mit der amerikanischen Journalistin Jane MacGuire auf die Spur kommt: er findet heraus, daß die jüdische Bevölkerung Deutschlands brutal vertrieben und ermordet wurde, damit sich die Herrscher an den Vermögen der Toten bereichern konnten. Harris sachkundig geschriebener Roman zeigt uns, wie sich Berlin mit Alberts Speers gigantischen Bauten, Triumphbögen, Prachtalleen und Versammlungshallen vielleicht präsentiert hätte, wenn die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte.

  Das heutige, wirkliche Berlin im wiedervereinigten Deutschland zeigt dagegen ein ganz anderes Gesicht, wie es Kommissar Arkadi Ranko von der Moskauer Polizei bei seinen Ermittlungen in Martin Cruz Smith's "Red Square" (New York 1992) zu sehen bekommt: Auf der Fährte wertvoller Gemälde der russischen Moderne verschlägt es den biederen Kommissar aus "Gorky Park" (New York 1981) und "Polar Star" (New York 1989) in das wiedervereinigte Berlin. Es ist eine Stadt voller Gegensätze - Verwahrlosung liegt neben Luxus, das Zusammenwachsen der beiden ehemals getrennten Teile der Stadt wird mit schmerzhafter Deutlichkeit spürbar.


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CLIFFORD, Francis (Arthur Bell Thompson):
The Naked Runner (New York 1966) (auch: The Naked Spur. New York 1963)


Die Geschichte führt uns zurück in die Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung. Sam Laker ist nicht immer der unscheinbare Vertreter für Büromöbel gewesen, und deshalb ist auch die Gefälligkeit, um den ihn ein alter Geheimdienstfreund bittet, keine gewöhnliche Sache. Laker soll bei seinem Besuch auf der Leipziger Messe in der DDR Kontakt mit einer Agentin aufnehmen. Dabei wird er von dem ostdeutschen Stasi-Hauptmann Hartmann verhaftet. Doch statt Laker wegen Spionage anzuklagen, verlangt Hartmann von Laker, daß er in Kopenhagen einen abtrünnigen ostdeutschen Funktionär erschießen soll. Obwohl Francis Clifford (1917-1975) während des Krieges im Büro des Special Operations Service arbeitete, klingt seine Spionagegeschichte nicht besonders glaubwürdig. Gut getroffen ist aber die drückende, von der dauernden Angst vor den Spitzen des "Staatssicherheitsdienstes" (Stasi)  geprägte Atmosphäre in der damaligen DDR.


CARRÉ, John le. (David John Moore Cornwell): 
A Small Town In Germany (New York 1968)
In Bonn erregte John le Carrés Romanfiktion von der Machtübernahme einer anti-westlichen, deutlich faschistisch orientierten "Bewegung" in Westdeutschland zum Zeitpunkt ihres Erscheinens viel Aufsehen und Widerspruch. 1980, so le Carrés Geschichte, ist Westdeutschland destabilisiert durch  Streiks und Aufruhr von unzufriedenen Mittelständlern, Arbeitern und Studenten. In dieser Situation verschwindet ein Angestellter der britischen Botschaft in Bonn mit geheimen Unterlagen über die deutsch-britischen Beziehungen und Alan Turner wird vom britischen Geheimdienst an den Rhein geschickt, um ihn zu suchen.

MIEHE, Ulf: Dead one in Berlin
(New York 1976) (dt.: Ich hab noch einen Toten in Berlin, München 1973)


Filmemacher und Drehbuchautor Ulf Miehe (1940 - 1989) erzählt, wie ein junges Filmteam in Berlin Kontakt mit einem Großgangster aufnimmt und bei seinen Recherchen von ihm eine Idee erhält, wie ein ganz großes Ding zu drehen wäre - als Film natürlich. Doch je mehr sich die Jungfilmer mit dem Plan beschäftigen, desto mehr fragt man sich, ob sie wirklich nur einen Film drehen wollen. Miehes cleverer Roman vermischt geschickt die Ebenen von Realität und Fiktion zu einer ironischen Ganovenballade.

FORSYTH, Frederick:
The ODESSA File (New York 1972)

Ein weiterer von Forsyths strategisch geplanten und exakt recherchierten Thrillern. Ein Journalist schleicht sich in eine bestens geführte Organisation von alten und jungen Nazis ein.

BUCKLEY jr., William F. (William Frank Buckley jr.):
 The Story of Henri Todd (New York 1984)
Buckley Super CIA-Agent Blackford Oakes wird kurz vor dem Zeitpunkt des Mauerbaus nach Berlin geschickt, um herauszufinden, was die DDR-Führung gegen den Bevölkerungsschwung zu unternehmen gedenkt.

HALL, Adam (Elleston Trevor):
The Berlin Memorandum (London 1965, US-Title: The Quiller Memorandum, New York 1965)
Adam Halls Quiller, der beste Agent der Londoner "Zentrale" wird ins düstere Berlin des Kalten Krieges geschickt, um dort das Hauptquartier der Geheimorganisation "Phoenix" aufzuspüren.


ALLBEURY, Ted. (Theodore Edward le Bouthillier Allbeury):
The Only Good German (London 1967) (US-Title: Mission Berlin, New York 1986)

Einer der vielen Spionage-Romane Allbeurys aus der Zeit des Kalten Krieges. Ein britischer Agent hebt in Berlin und Hamburg eine neonazistische Terrorgruppe aus, die die Entspannungspolitik verhindern möchte.


ALLBEURY, Ted:
The Special Collection (London 1975)
Während westdeutsche Politiker sich um einen friedlichen Ost-West-Dialog bemühen, bereiten die Falken im KGB  den gewaltsamen Umsturz vor.

ALLBEURY, Ted:
Wilderness of Mirrors (London 1988)
When SIS officer Robert Thornton's East Berlin operation crumbles around him, he finds that to control further damage in the way ordered by his superiors would threaten a woman he loves.


ROTH, Holly:
The Content Assignment (London 1954) (US-Title: The Shocking Secret, New York 1955)
An excellent spy and counterspy story, the legwork being done by an English journalist who falls in love with an American girl agent while in Berlin.

KAYE, M.M.:
 Death Walked In Berlin. (1955) (auch: Death In Berlin, Chicago 1985)
Im Nachkriegs-Berlin erlebt eine junge Nichte eines britischen Besatzungsoffiziers eine wenig anregend erzählte Mordgeschichte.

ALLBEURY, Ted:

The seeds of treason (1986)
Ein weiterer Roman Allbeurys über die Arbeit des britischen Geheimdienstes im geteilten Berlin - und zugleich auch die romantische und unglaubwürdige Geschichte einer Liebesaffäre, die den Eisernen Vorhang überwindet.
© by Reinhard Jahn und Thomas Przybilka
Weiterverbreitung nur mit ausrücklicher Genehmigung










Autorennotiz / Authors Note:
Reinhard Jahn, geboren 1955, ist Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte bisher rund 1.000 shortstories und unter seinem Pseudonym "H.P. Karr" zuletzt gemeinsam mit seinem Co-Autor Walter Wehner die Kriminalromane "Geierfrühling" und "Rattensommer".
Thomas Przybilka wurde 1950 im Ostteil von Berlin, in Köpenick geboren. 1957 flüchtete die Familie nach Westdeutschland. Przybilka ist von Beruf Buchhändler und führt seit 1989 das BoKAS [Bonner Krimi Archiv Sekundärliteratur]. Veröffentlichungen: zahlreiche Artikel und Rezensionen zum Krimi in deutschen und ausländischen Magazinen, sowie im Internet.
Gepostet von

24.5.17

Krimi-Ranking


Die sieben taffsten Ermittlerinnen
im deutschen Krimi:

Platz 7
Sina V. Teufel
von Lara Stern/Brigitte Riebe


Beruf: Anwältin
Revier: München
Erster Auftritt: 1992 in "Nix Dolci"
Bisherige Delikte:
Neun Romane, eine Verfilmung
-Charakter: Sina Teufel, die aparte Münchner Anwältin mit dem Sinn für gekonnte Auftritte, ist kein Gutmensch, kein hochsensibler Ermittlungs-Terrier. Sie ist vielmehr ein knallharter Profi, der Gefühle und Beziehungen dem Erfolg im Beruf opfert.
-Trivia: In der TV-Verfilmung "Inzest – Ein Fall für Sina Teufel" aus dem Jahr 1996 (Regie: Klaus Emmerich, Buch:  Günter Schütter und Riccarda Rose nach "Brüderlein, Schwesterlein" von Lara Stern) wurde Sina Teufel von Renan Demirkan dargestellt.

Platz 6
Anna Marx
von Christine Grän


Beruf: Journalistin
Revier: Bonn, Berlin
Erster Auftritt:  1986 in »Weiße sterben selten in Samyana«
Bisherige Delikte:
Neun Romane, sieben Hörspiele, eine Fernsehserie (zwei Staffeln)
-Charakter: Anna Marx ist groß und üppig, rothaarig und grünäugig, eine Rubensgestalt, gemalt aus vielen Lastern. Rauchen, Essen und Trinken gehören dazu, und natürlich Männer. Politische Korrektheit ist ihr fremd. Ihre Sprache ist klar bis vulgär, sie ist eine unmoralische Moralistin, zynisch manchmal, doch unbeirrt in ihren seltsamen Wegen.
Gute Eigenschaften? Sie hasst Sport in jeglicher Form.
-Trivia: Für ihren Roman MARX IST TOT wurde Christine Grän 1994 mit dem "Marlowe" der deutschen Raymond Chandler-Gesellschaft  ausgezeichnet. In der Fernsehserie wurde Anna Marx von Thekla Carola Wied gespielt. Über die Fernsehserie und die Benutzung der Figur "Anna Marx" gab es eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Autorin und der Produzentin der Serie.

Platz 5
Beate Stein
von Sabine Deitmer

Beruf: Kommissarin
Revier: Dortmund
Erster Auftritt:  1993 in "Kalte Küsse"
Bisherige Delikte:
Fünf Romane, zwei Hörspielbeabeitungen, zwei Verfilmungen
-Charakter: "Mein Name ist Stein, Beate Stein."  Die coole Dortmunder Kommissarin lebt mit ihrem Dauerlover "Beckmann" in einer schicken Wohnung am Hafen und bekommt es immer wieder mit gemeinen Serientätern und tragischen Frauenschicksalen zu tun.
-Trivia: Regie bei der ersten Beate-Stein-Verfilmung "Kalte Küsse" führte Carl "Abwärts" Schenkel. In der Verfilmung des zweiten Romans wurde aus "Neon-Nächte" dann "Der U-Bahn-Schlitzer".  Beate Stein wurde jeweils gespielt von Marie Bäumer.

Platz 4
Barbara Pross
von Silvia Kaffke

Beruf: Profilerin
Revier: Düsseldorf/Rheinland/Ruhrgebiet
Erster Auftritt: 2000 in "Messerscharf"
Bisherige Delikte:
Vier Romane, eine Verfilmung
-Charakter: BKA-Profilerin Barbara Pross hat sich nach einer gescheiterten Ermittlung für ein Jahr beurlauben, um ihre Krise aufzuarbeiten. Sie strandet in Düsseldorf, wo sie dem mysteriösen Thomas Hielmann begegnet, mit dem sich in den folgenden Bänden eine komplizierte Liebesbeziehung entwickelt.
-Trivia: Für die Verfilmung von "Messerscharf" wurde die BKA-Ermittlerin von Ann-Kathrin Kramer gespielt und hieß "Michelle Eisner". Ihr Partner war Peter Lohmeyer.


Platz 3
Karen Stark
von Anne Chaplet
Beruf: Staatsanwältin
Revier: Frankfurt und der Vogelsberg
Erster Auftritt: 1998 in "Caruso singt nicht mehr"
Bisherige Delikte:
Neun Romane und zwei Hörspiele
-Charakter: Kluge, starke Staatsanwältin, lebt anfangs allein mit ihrem Manufactum-Katalog und besucht regelmäßig ihren Vertrauten Paul Brmeer in Klein-Rose. Nach einer Affäre mit einem Rechtsmediziner hat in den letzten Romanen eine on/off-Beziehung zu dem Polizisten Georgio deLange.
-Trivia: Die meisten Staatsanwälte bearbeiten Strafsachen je nach dem Anfangsbuchstaben, unter dem sie er-faßt wurden. Karen Stark ist laut Geschäftsordnung zuständig für alle Fälle unter R (ohne Ra) und Sa-Sa..
Karen Starks erster Fall "Caruso singt nicht mehr" wurde ins Dänische und  Japanische übersetzt.


Platz 2
Ann-Kathrin Klaasen
von Klaus-Peter Wolf

Beruf: Hauptkommissarin
Revier: Aurich und ganz Ostfriesland
Erster Auftritt: 2007 in "Ostfriesen-Killer"
Bisherige Delikte:
Elf Romane (bisher).
-Charakter: Ann-Kathrin Klaasen, geboren 1970, gilt als Verhörspezialistin, aber auch als eigenbrötlerisch und wenig teamfähig. Sie ließ sich von ihrem Mann Hero scheiden, weil er sie ständig betrog. Seitdem hat sie ein heftiges Eifersuchtsproblem und wittert überall Konkurrentinnen. Ihr pubertierender Sohn Eike ging mit dem Vater. Das hat sie schwer angeschlagen. Inzwischen ist sie wieder glücklich verliebt in Frank Weller.
-Trivia: Der Klaasen-Krimi Nummer acht "Ostfriesen-Feuer" stieg nach Erscheinen gleich auf Platz Eins der Spiegel.-Bestsellerliste ein. Inzwischen gibt es auch "Ostfriesen-Killer"-Shirts,  Caps, Tacshen, Schirme und Schals – natürlich im "Ostfriesen-Shop".
K-P. Wolfs Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und über 8 Millionen mal verkauft.
2017 kam die erste Ann-Kathrin Klaasen-Verfilmung auf den Bildschirm: Für das ZDF spielte Christiane Paul die Hauptrolle in "Ostfriesenkiller" (Buch: Florian Schumacher, Regie: Sven Bohse)


Platz 1
Bella Block
von Doris Gercke


Beruf: Privatdetektivin (im Buch), Kommissarin (im Fernsehen)
Revier: Hamburg und die Welt
Erster Auftritt:  1988 in "Weinschröter, du musst hängen"
Bisherige Delikte:
17 Romane, bisher 36 Fernsehfilme
-Charakter: Die Bella Block der Romane ist, abgesehen vom ersten Fall, nicht Polizistin, sondern Privatdetektivin. Das heißt, sie ist frei, ihr Leben zu gestalten, soweit man das überhaupt sein kann. Sie ist die Enkelin des russischen Dichters Alexander Block, deshalb spricht sie russische und liebt die Gedichte ihres Großvaters, in denen sie oft während Observationen liest. Bellas Blick auf ihre Umgebung ist ein "weiblicher Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse".
-Trivia: Bella Block wird in den Verfilmungen von Hannelore Hoger gespielt. Die Filme der "Bella Block"-Reihe basieren nur zum geringen Teil auf den Bella Block-Romanen von Doris Gercke. Die Figur wurde für die Fernsehfassung von verschiedenen Autoren als eigener Charakter weiterentwickelt. In den Verfilmungen fährt Bella Block von Anfang an einen VW-Käfer.



KrimiRanking "Die sieben taffsten Ermittlerinnen"
Text: Reinhard Jahn, mit Material von Wikipedia und krimilexikon.de