20.4.17

Ron Goulart: Die Panchronicon-Verschwörung

Aus der hintersten Ecke des Krimi-Archivs:
Ron Goulart: Die Panchronicon-Verschwörung
(The Panchronicon-Plot, 1977)
Deutsch von Norbert Stresau
Ullstein SF 31156, 1978

Jake Conger, der Unsichtbare, wird von der Abteilung für Spezialtalente gebeten, den Beweis anzutreten, daß der Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur völlig ausgerastet ist, sondern sich seiner Gegner entledigt, indem er sie per Zeitmaschine in die verschiedensten Perioden der irdischen Vergangenheit »verbannt«.Gibt es eine bessere Methode, sich seiner politischen Widersacher zu entledigen, als sie per Zeitmaschine in die Vergangenheit zu schicken? Von Mord kann dabei ja nicht unbedingt die Rede sein — doch vielleicht gerät der Lauf der Geschichte ein wenig durcheinander? _
Bei der Aufklärung des Falles findet Conger sich unverhofft in einem absurden Alptraum wieder: Das alte Wien, der Wilde Westen und die moderne Neuzeit des 21. ]ahrhunderts sind die exotischen Schauplätze dieser satirischen Tour de Force, die nur ein Humorist wie Ron Goulart schreiben kann!



Ron Goulart (*1933) – alias Chad Calhoun, R.T. Edwards, Ian R, Jamieson, Josephine Kains, Jillian Kearny, Howard Lee, Zeke Masters, Frank S. Shawn, Joseph Silva – kann man getrost als Multi-Talent mit zahlreichen Interessen bezeichnen. Er war Mit-Autor von Comic-Serials ("Phantom", "Vampirella" etc), schrieb Sachbücher über Pulps, Movie-Tie-Ins ("Unternehmen Capricorn" 1978), Romance, parodistische Science Fiction, sowie – natürlich – Kriminalromane. Dazu erweckte der Groucho Marx wieder zum Leben – mit "Groucho Marx, Master Detective" (1998, deutsch 2010 als "Groucho Marx, Meisterdetektiv" bei Ed Phantastica) begann er einer Serie um die detektivischen Abenteuer des Marx-Bruders. Die anderen Bände der Serie scheinen nicht auf deutsch erschienen zu sein.
Mehr zu Ron Goulart auf  phantastik-couch.de



10.4.17

Krimi der Woche: Die Miete im Keller


Die Miete im Keller

Von Meike Doppler

Marion Brenner mischte gerade den Salat, als ihr Mann aus dem Garten kam. »Wir bekommen Besuch!«
Durch Küchenfenster sahen sie den Streifenwagen der Waldroder Polizei vorm Haus stoppen.
»Hallo, Sheriff!«, begrüßte Walter den Ortspolizisten Bruno Kempkes. »Marion kocht gerade. Willst du mit uns essen?«
»Ich bin dienstlich hier!«, erklärte Kempkes. »Der Fall Schering - ihr habt davon gehört?«
»Wer hat das nicht!«, sagte Walter. Fred Schering, Viehbaron der Region, war seit drei Tagen verschwunden. Die letzte Spur von ihm war sein zerbeulter Luxuswagen im Straßengraben der Ortsumfahrt Waldrode.
»Heute morgen ist eine Lösegeldforderung eingegangen«, sagte der Polizist. »Die Kidnapper haben sich an den Geschäftsführer seines Mastbetriebes gewandt. Eine halbe Million Euro. Kleine Scheine, und so weiter. Übergabe soll heute Abend in Birkengrund sein. Das liegt ja gleich bei euch nebenan. Deshalb wollte ich fragen, ob ihr etwas Auffälliges bemerkt habt.«
»Haben wir?« Marion sah Walter an. 
»Haben wir nicht«, sagte Walter. »Der Birkengrund und alles drumherum gehört Schering. Auch unser Haus. Womöglich kennen sich die Kidnapper hier aus.«
Marion gab Dressing über den Salat. »Wollt ihr den Kidnappern bei der Geldübergabe eine Falle stellen?«
Polizeihauptmeister Kempkes schnaufte verächtlich. »Das haben uns die Superbullen vom LKA verboten, die wir einschalten mussten. Damit würden wir angeblich Scherings Leben gefährden.«
»Also keine Falle?«
»Leider nicht«, sagte Kempkes und tippte sich an die Dienstmütze. »Ich muss weiter. Guten Appetit noch!«
Marion und Walter warteten, bis Kempkes mit seinem Polizeiwagen in Richtung Birkengrund fortgefahren war. »Ob er etwas bemerkt hat?«, fragte Marion.
»Was soll er bemerkt haben?« Walter legte seinen Arm um ihre Schulter. »Er wollte nur sein Herz ausschütten, weil diese LKA-Leute ihm den Fall abgenommen haben.«
»So haben wir allerdings erfahren, dass es bei der Geldübergabe keine Falle geben wird!« Marion musste lächeln. »Wenn der gute Kempkes wüsste, wie sehr er uns mit diesem Tipp geholfen hat. Morgen sind wir um eine halbe Million Euro reicher!«
Walter Brenner hatte den Viehbaron vor drei Tagen im Morgengrauen stockbetrunken und schlafend in seinem verunglückten Luxuswagen gefunden, ihm kurzerhand einen Jutebeutel über den Kopf gestülpt und ihn mitgenommen. Seitdem hockte Schering unten im Keller. »Mit der halben Million können wir unsere Mietrückstände für das Haus bei ihm bezahlen«, sagte Marion zufrieden. »Und vielleicht reicht der Rest dann noch, um ihm später das Haus hier abzukaufen.«

Titel: Die Miete im Keller
Autor: Meike Doppler

© beim Autor/Jahn facts&fiction
Veröffentlicht in: Badische Neueste Nachrichten,
Ausgabe 14/2017 vom 8.4.2017

3.4.17

Britta Bolt:
Das Büro der einsamen Toten

Gut zu wissen – wenn man in Amsterdam anonym stirbt, sind da Pieter Posthumus und seine beiden Kollegen vom Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen, die sich um einen kümmern. Nach Angehörigen suchen oder ein anonymes Begräbnis auf Staatskosten arrangieren.
Die Zentrale von Pieters Leben ist weniger das Büro sondern die In-Kneipe De Dolle Hond, die seine Fast-Freundin Anna betreibt.
Pieter ist eher ein Grübler, einer, der die Toten ernst nimmt, um die er sich kümmert. Wie etwa den Selbstmörder, der ein Heft mit sehr seltsamen Gedichten hinterlassen hat. Oder eben den Toten, der stundenlang durch die Grachten getrieben ist, ehe angeschwemmt wurde. Ein junger Marokkaner im traditionellen Gewand. Wir Leser wissen bald mehr über die Herkunft des Jungen, sein Umfeld in der Migranten-Szene. Und über die Staatsschutzaktion, die von allen fast unbemerkt abläuft, getrieben von einem ehrgeizigen Beamten, der auf Gedeih und Verderb eine geplante Terror-Aktion sehen will…

Neben den sehr differenziert gezeichneten Figuren spielt Amsterdam die zweite Hauptrolle in diesem Buch – das man wegen der vielen liebevollen Beschreibungen der Stadt wahrscheinlich sogar streckenweise als Reiseführer benutzen könnte.
Britta Bolt ist das Autorenduo Britta Böhler und Rodney Bolt. Er ein Reisejournalist mit südafrikanischen Wurzeln, sie Juristin aus Freiburg und jetzt Rechtsprofessorin in den Niederlanden.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)
Britta Bolt
Das Büro der einsamen Toten
Hoffmann und Campe


2.4.17

Jussi Adler-Olsen: Verheissung

Der sechste Fall für Carl Moerk und sein Team - Einsatz auf Bornholm: dort hat sich Polizeikommissar Christian Habersaat beis einer Verabscheidung in den Ruhestand erschossen. Als Appell will er die tat verstehen, dass Moerk und sein Dezernat sich um die Aufklörung eines Falles kümmenr, an dme er in den letzten siebzehn Jahren vergeblich recherchiert hat. Eine junge Frau ist seinerzeit auf bizarre Art und Weise ums Leben gekommen – bei einem Unafll mit Fahrerflucht. Oder war es doch Mord?
Mork und sein Kollege Assad geraten bei ihren Ermittlungen die Szene  der Späthippies, die seinerzeit auf Bornholm lebten. Unter ihnen ein charismatischer junger Mann, mit dme die Tote zusammenwar. Doch die Spur des Mannes ist schwer aufzunehmen – nur wir ahnen, dass es sich bei ihm möglicherweise um den selbsternannten Sonnen-und Lichtguru handelt, von dem in einem zweiten Handlungsstrang erzählt wird. Und von der mörderischen Liebe seiner engsten Vertrauten.

Jussi Adler-Olsen lässt sich Zeit, erzählt opulent bis ausufernd, wie die beiden Geschichten sich langsam aufeinander zubewegen. Das ist gute Krimi-Unterhaltung auf hohem handwerklichen Niveau, stets interessant, gelegentlich voller Humor und vor allem immer spannend durch seine interessanten Ermittlerfiguren.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Jussi Adler-Olsen
Verheissung
dtv

1.4.17

Der perfekte Einstieg oder: drei tolle Krimi-Anfänge


Agatha Christie (1890 bis 1976)
16 Uhr 50 ab Paddington

Keuchend folgte Mrs. McGillicuddy dem Gepäckträger, der ihren Koffer über den Bahnsteig trug. Mrs. McGillicuddy war klein und beleibt, der Gepäckträger war groß und machte weit ausgreifende Schritte. Mrs. McGillicuddy war zudem mit etlichen Paketen beladen, den Früchten der Weihnachtseinkäufe eines ganzen Tages. Es war daher ein ungleiches Rennen, und der Gepäckträger verschwand schon um die Ecke am Ende des Bahnsteigs, als Mrs. McGillicuddy noch die Gerade entlang hastete.


4.50 FROM PADDINGTON
© 1957 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
16 Uhr 50 ab Paddington
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
© 2000 Scherz Verlag, Bern, München, Wien
für die Neuausgabe in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach




John le Carré (geb 1931)
Der Spion, der aus der Kälte kam

Der Amerikaner reichte Leamas noch eine Tasse Kaffee und sagte: » arum gehen Sie nicht heim und legen sich schlafen? Wir können Sie anrufen, wenn er auftaucht.«
Leamas sagte nichts, er starrte durch das Fenster der Kontrollbaracke die leere Straße hinunter.
»Sie können nicht ewig warten, Sir. Vielleicht kommt er zu einem anderen Zeitpunkt. Wir könnten die Polizei bitten, die Dienststelle anzurufen. Sie wären innerhalb von zwanzig Minuten wieder hier.«
»Nein«, sagte Leamas, »es ist jetzt fast dunkel.«
»Aber Sie können nicht ewig warten. Er ist jetzt schon neun Stunden überfällig.«
»Wenn Sie wollen, gehen Sie.« Leamas fügte hinzu: »Sie sind sehr hilfsbereit gewesen. Ich werde sagen, daß Sie verdammt anständig waren.«
»Aber wie lange wollen Sie warten?«
»Bis er kommt.« Leamas ging zum Beobachtungsfenster und stellte sich zwischen die zwei bewegungslosen Polizisten. Ihre Feldstecher waren auf den ostzonalen Kontrollpunkt gerichtet.

© 1964 by Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien
© der deutschen Übersetzung Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien 1964



Raymond Chandler (1888 bis 1959)
Der große Schlaf


Es war gegen elf Uhr morgens, Mitte Oktober, ein Tag ohne Sonne und mit klarer Sicht auf die Vorberge, was klatschkalten Regen verhieß. Ich trug meinen kobaltblauen Anzug mit dunkelblauem Hemd, Schlips und Brusttaschentuch, schwarze Sportschuhe und schwarze Wollsocken mit dunkelblauem Muster. Ich war scharf rasiert, sauber und nüchtern - egal nun, ob´s einer merkte. Ich war haargenau das Bild vom gutgekleideten Privatdetektiv. Ich wurde von vier Millionen Dollar erwartet.


Raymond Chandler ›The Big Sleep‹
Copyright © 1939 by Helga Greene Literary Agency
Der große Schlaf
Neu übersetzt von  Gunar Ortlepp
Copyright © 1974 Diogenes Verlag AG Zürich


Sophie Hannah: Die Monogramm-Morde


Hercule Poirot ist tot – die Fans des kleinen belgischen Meisterdetektivs wissen das: er starb in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in dem Roman "Vorhang"  (Curtain), den Agatha Christie bereits zur Zeit ihrer größten Erfolge "auf Vorrat" geschrieben hatte.
Deshalb hat  Sophie Hannah  "Die Monogramm-Morde", in denen sie Poirot mit Erlaubnis der Christie-Erben wieder aufleben lässt., ins London des Jahres 1929 versetzt. Poirot hat sich eine Auszeit genommen und sich in die Pension von Mrs Blanche Unsworth zurückgezogen, wo er sich mit Inspektor Edward Catchpool von Scotland Yard angefreundet hat. Der muss einen ebenso mysteriösen wie grausamen Fall bearbeiten: Drei Tote in einer Nacht im Bloxham Hotel, zwei Frauen und ein Mann, alle aufgefunden wie aufgebahrt, und jeder  mit einem Manschettenknopf im Mund, auf dem die Initialen P-I-J stehen. Ein Fall, der Poirot sofort interessiert, weil er glaubt, das seine Begegnung mit einer verstörten jungen Frau in einem Coffee House damit in Verbindung steht. Und er stellt aufgrund der Tatsache, dass jeder der drei Toten im Hotel einen Manschettenknopf im Mund hatte, die einzig logische Frage: Wo ist der vierte Manschettenknopf?
Intelligenter Lesestoff für die kleinen grauen Zellen eines jeden Krimifans.
Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung

Sophie Hannah:
Die Monogramm-Morde
Hoffmann und Campe

31.3.17

S.J. Watson:
Tu es. Tu es nicht.

Psycho-Thriller, der leider nicht überzeugen kann.
Julia lebt mit Mann und Kind in der Londoner Vorstadt – so weit, so normal. Bis ihre Schwester umgebracht wird.  Erst zögerlich, dann mit immer mehr Engagement taucht Julia bei ihrer Suche nach den Hintergründen der Tat in das Leben ihrer Schwester ein – die Welt der Internet-Portale, auf denen man von der romantischen Beziehung bis zum schnellen Sex alles finden kann. Der Mann,den Julia dort kennenlernt, hat ganz klar mehr als nur ein Geheimnis – und es dauert nicht lange, bis ihr klar wird, dass sie sich auf ein lebensgefährliches Spiel eingelassen hat.
Leider enttäuscht der Brite S.J. Watson nach seinem überragenden Debüt "Ich.Darf.Nicht.Schlafen" mit seinem neuen Roman auf ganzer Linie. Mehr als einmal will man als Leser der ziemlich naiv agierenden Heldin zurufen "Tu es nicht" – um sie ein ums andere Mal vor einer der allzu offensichtlich aufgestellten Fallen und Wendungen zu bewahren, mit der der Autor die Spnnaung mühsam am Leben erhält.

Psycho-Thriller, der leider nicht überzeugen kann. Langweilig wie das Sandmännchen und zäh wie alter Kaugummi.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

S.J. Watson:
Tu es. Tu es nicht.
Scherz,

Ben Aaranovitch:
Fingerhut-Sommer

Peter Grant ist bei der Londoner Polizei – "zuständig für den abstrusen Scheiß", wie er selber sagt. Das heißt: er arbeitet in einer Sonderabteilung des mysteriösen Mister Nightingale an Fällen, die Zauber, Spuk und Geistern zu tun haben.  Wie etwa mit Flussgöttinnen und Einhörnern. Mit denen hat sein aktueller all zu tun, der ihn auf London hinaus auf Land führt. In einer kleinen Ortschaft sind zwei elfjährige Mädchen verschwunden. Schnell kann Peter Grant ermitteln, dass die Handys der beiden, die man gefunden hat, durch übernatürliche Kräfte zerstört worden sind.

Was ein mysteriöser alter Zauberer und seine Tochter, die in der Gegend leben, mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun haben, ist nicht so klar. Und auch, als Peter Grant endlich herausfindet, dass die beiden Kinder von Einhörnern verschleppt wurden, bringt ihn das der Lösung  dieses Falles nicht wirklich näher.
Geister, Kobolde, Unholde und Einhörner – und das alles im Gewand eines schön erzählten britischen Polizeikrimis. Geht das? Ja, es geht. Aber geht es auch gut? Wenn man sich erst einmal auf die Prämisse eingelassen hat, dass es Einhörner gibt und Flussgöttinen und Hexenmeister – dann ist man von dem charmanten Roman – dem fünften einer Serie um Peter Grant – schnell gefesselt und lässt gern und gut unterhalten.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Ben Aaranovitch:
Fingerhut-Sommer
Band 5 der Peter Grant-Serie
dtv

30.3.17

Agatha Christie
Das Geheimnis von Greenshore Garden:

Ein klassischer Hercule Poirot Krimi: Die bekannte Krimiautorin Ariadne Oliver bittet den Meisterdetektiv auf den Landsitz Greenshore Garden, wo sie beim Sommerfest ein Mörderspiel inszenieren soll. Aber "irgendetwas" scheint ihr dort seltsam. Und tatsächlich findet man beim Mörderspiel auf dem Sommerfest eine Tote – ausgerechnet die juneg Frau, die auch im Mörderspiel das Opfer sein sollte.… Und Hercule Poirot steht vor einem Rätsel – aber natürlich nicht lange. Denn er hat, wie sich bei seiner Aufklärung des Falles zeigt viele, viele Kleinigkeiten bemerkt, die wie Leser alle übersehen haben und sie ihm jetzt helfen, den Fall zu lösen.
Agatha Christie schrieb die Geschichte 1954, um das Honorar für ein neues Buntglasfenster ihrer Stammkirche St Mary the Virgin zu stiften . Das klappte nicht auf Anhieb, also verwendet sie die Story später als Vorlage für ihren Roman "Wiedersehen mit Mrs. Oliver".Jetzt ist die Ursprungsfassung erstmals veröffentlicht – und bietet kurz und knapp Hercule Poirot in Bestform.
Das geschilderte Greenshore Garden ist ein Portrait von Agathas eigenem Landsitz  Greenway House.

Agatha Christie
Das Geheimnis von Greenshore Garden: Ein Fall für Hercule Poirot
Atlantik-Verlag, 140 Seiten
Hörbuch:
Das Geheimnis von Greenshore Garden:
Gelesen von Wolfgang Condrus
Der Hörverlag








27.3.17

Hannah O'Brien: Irisches Verhängnis

Eine tote Frau am Strand von Galway in Irland – ein Fall für Grace O'Malley von der örtlichen Polizei, der Garda. Was für ein Geheimnis hatte diese Annie McDoughall, Doktorantin der Meeresbiologie, die zuletzt verschiedene Putzstellen bei diversen Prominenten hatte. Etwa bei  einem Wissenschaftler des Meeresbiologischen Institutes, einem Fernsehkoch und einem Unternehmer?
Die Ermittlungen führen Grace O'Malley auf die Spur von ambitionierten Tourismusprojekten, die tief in die Landschaft eingreifen würden und auch zur Möglichkeit der Biopiraterie – das ist das kommerzielle und patentrechtliche Ausnutzen natürlich Ressourcen
Land und Leute, das einzigartige Ambiente Irlands werden perfekt eingefangen und als Element der Kriminalgeschichte verwendet. Spannende Unterhaltung abseits der Tourismuskrimis.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung) Dezember 2016

Hannah O'Brien
Irisches Verhängnis
dtv

25.3.17

Omar Shahid Hamid: Der Gefangene

An einem ungewöhnlich kalten Dezemberabend wird Jon Friedland, ein amerikanischer Journalist, in der pakistanischen Millionenstadt Karachi entführt. Die Kidnapper planen, an Heiligabend ein Internetvideo seiner Hinrichtung ins Netz zu stellen. Die Entführung kommt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt, läuft doch die pakistanische Regierung Gefahr, sich vor ihren amerikanischen Verbündeten zu blamieren. Die Uhr tickt. Gelingt es den Geheimdiensten und der Polizei, Friedland noch lebend zu finden? (Verlagstext)
Jahn meint dazu:
Der Debütroman des pakistanischen Autors fesselt mit dichten Milieustudien aus der Welt der Gewalt und der Polizei in Karachi – was oftmals das gleiche ist. Seine Beschreibungen der allgegenwärtigen Korruption, des Machtmissbrauchs, aber auch der Not und des Elends in der pakistanischen Stadt sind packend, vermitteln eindringlich die Atmoshäre ständiger Angst und Bedrohung. Ein Polizei- und Politthriller wie er nicht besser sein könnte.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung) Dezember 2016

Omar Shahid Hamid: Der Gefangene
Draupadi-Verlag /Unionsverlag

21.3.17

Pawel Jaszczuk: Der Teufel von Lemberg

Ungewöhnlicher Krimi
Lemberg in Galizien, das zur Zeit der Erzählung - 1936 - zu Polen gehört. In den Wäldern um die Stadt geschehen bizarre Morde - Frauen, "Sommerfrischlerinnen", werden überfallen und getötet - und der Mörder beschlägt die an den Füßen mit kleinen Hufeisen.
Das ist eine Geschichte ganz nach dem Geschmack von Jakob Stern - "Sensationsreporter" bei beim KURIER. Er schreibt, was er hört, "Sensationsgeschichten", ganz wie sie seinem Chefredakteur Krösus gefallen, Kriminalreportagen voller mysteriöser Andeutungen und Vermutungen, voller Details und Fakten, die mal stimmen und mal auch nicht so ganz.
Was für eine Entwicklung dieses sensationellen Falles, als die aufgebrachte Bevölkerung eines Örtchens sogleich den Schmied als Täter verdächtigt und ihn in einem grausamen Akt lyncht - und dann auch noch die örtliche Polizei plötzlich  einen entflohenen Sträfling als Täter präsentiert - der freilich offenbar auf der Flucht in den Tod gestürzt ist.
Die Gerüchte, die Jakob Stern allerdings bei seinen Gesprächen aufschnappt, besagen etwas ganz anderes - dass der Mörder immer noch unterwegs ist.
Soweit die "Geschichte", die Story dieses ungewöhnlichen Krimis - die allerdings nicht nach den glatten, dem Realismus verpflichteten Konventionen der aktuellen Kriminalliteratur erzählt wird, sondern ein ums andere Mal unseren Helden in surrealistisch anmutende Begegnungen mit Zeugen, Verdächtigen und halbwegs Verdächtigen verwickelt.
Ein ungewöhnlicher, faszinierender Roman mit einem dichten, wunderbar erzählten Zeit- und Lokalkolorit auf Lemberg und Umgebung aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Pawel Jaszczuk:
Der Teufel von Lemberg
dtv


Robert Masello Eisiges Blut



Spannende, ungewöhnliche Story zwischen den Genregrenzen 

Michael Wilde, Journalist, hat das Gefühl, dass er etwas tun muss - seine Freundin ist bei einem Unfall gestorben, sein Leben ist aus den Fugen geraten. Da kommt dieser Auftrag gerade richtig: eine Reportage über die Forschungsstation "Point Adélie" in der Antarktis zu machen.
Das ist eine faszinierende Welt, die er dort kennenlernt - natürlich zuerst einmal die unwirtliche Natur, das ewige Eis, aber dann auch die seltsame Gesellschaft aus Wissenschaftlern und Betriebspersonal in der Station.
Als er einen Meeresbiologen bei einem Tauchgang unters Eis begleitet, entdeckt er einen großen Klotz, einen Eisblock, und hinter dem Eis, als er näher heranschwimmt  - das Gesicht eines Menschen.
Keine Täuschung - dort ist wirklich ein Mensch - nein zwei - eingeschlossen im Eis.
Für die Wissenschaftler der Station ist es eine klare Sache, dass der Fund untersucht werden muss - der Block wird gehoben und in einem der Spezialbecken, in dem sonst Fische untersucht werden, langsam aufgetaut.
Was niemand ahnt - der Mann und die Frau dort im Eis - sie leben.
Es sind Sinclair und Eleanor aus dem Jahre 1856, von denen wir zwischendurch schon immer gelesen haben, wie sie sich damals kennenlernten bis hin zu der Nacht, als sie mit einem Segler damals ganz in der Nähe der Forschungsstation untergingen. Und dabei etwas mit ins ewige Eis genommen haben, was jetzt für die Männer und Frauen der Forschungsstation Point Adelie den Tod bedeuten wird.

EISIGES BLUT lässt einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren - eine spannende, ungewöhnliche Geschichte, die sich zwischen den Genregrenzen von Thriller und Schauerroman bewegt, mit absolut unvergesslichen Momenten und Figuren.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung


Robert Masello
Eisiges Blut
Fischer TB

Wulf Dorn: Trigger


Psycho-Thrill auf Hollywood-Niveau

 Ellen Roth ist Psychiaterin in der Waldklinik - und im Augenblick ziemlich allein. Ihr Partner Chris ist mal kurz nach Australien und nicht erreichbar. Was er ihr in der Klinik hinterlassen hat, ist in B-I-F - ein BESONDERS INTERESSANTER FALL:  Eine junge Frau, untergebracht in Zimmer 13 der gesicherten geschlossenen Abteilung. Eine Frau, die von einer seltsamen Aura umgeben zu sein scheint, offensichtlich geschlagen, offensichtlich zutiefst traumatisiert und kaum ansprechbar. Alles, was Ellen Roth beim ersten Besuch aus ihr herausbringt: Sie hat riesige Angst vorm "Schwarzen Mann". Das ist - wie wir wissen - die Gestalt, mit der man Kindern Angst macht. Die Gestalt, die im Volksglauben für den Tod steht, die Gestalt; die angeblich Sterbenden kurz vorm Tod erscheint -  der "Freund Hein".
 

Doch ehe Ellen Roth sich genauer mit ihrer mysteriösen Patientin befassen kann - ist diese verschwunden. Ohne Spur, ohne Zeugen, niemand scheint sich an sie erinnern zu können. In den Krankenhausunterlagen: kaum ein Hinweis darauf, dass diese Frau eingeliefert worden ist.
 

Ellen Roth macht sich auf die Suche nach der Frau  - denn ein bisschen zweifelt sie auch an ihrer eigenen Urteilsfähigkeit.
Grauenhafter Gedanke: hat sie sich das alles nur eingebildet?
Aber dann erhält sie plötzlich bedrohliche Anrufe auf dem Handy - jemand, ein Unbekannter - der schwarze Mann? - setzt sie unter Druck. Er hält die verschwundene Patientin gefangen, das suggeriert er Ellen wenigstens.

TRIGGER ist Psycho-Thrill auf Hollywood-Niveau. Ein tolles Debüt - zügig und spannend erzählt, eine Geschichte, die einen sofort in den Bann zieht.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Wulf Dorn:
TRIGGER
Heyne

18.3.17

Mord nach Rezept - zurück in die Achtziger

H. P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept – Band 10:
Die Retro-Edition – mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


 

Die Achtziger – das sind die Jahre von Horst »Schimmi« Schimanski, von Kreml-Flieger Mathias Rust, dem Tod von Uwe »Ehrenwort« Barschel und dem Beginn der langen Ära Helmut »Birne« Kohl, der uns als Bundeskanzler durch die deutsche Wiedervereinigung am Ende des Jahrzehntes führte.
Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen noch »Derrick« und »Columbo« ermittelten. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha , Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco.

Story Nummer 14
H. P. Karr: Geschäfte mit Mord


Die großen Verbrechen, die uns aus den Achtzigern noch in Erinnerung sind, reichen von der komödiantischen Fälschergeschichte um die angeblichen Hitler-Tagebücher, die der »Stern« 1983 präsentierte, bis zu dem brutalen »Gladbecker Geiseldrama« (1988), bei dem die deutschen Medien ihre Unschuld verloren, weil sie sich bei ihrer Berichterstattung unreflektiert zwischen den Geiselgangstern und der Polizei bewegten. Andere Verbrechen hatten persönliche Motive – wie etwa die Schüsse, mit denen Box-Legende Bubi Scholz am 22. Juli 1984 seine Frau tötete. Um einen eher eiskalten Killer geht es in der folgenden Story ...


Ehegeschichte, dachte Delling, als er ihn durch Luigis Bistro kommen sah: Nadelstreifenanzug, gepflegt, ein Babyface. Zahlungsmoral wahrscheinlich erstklassig. Er hatte die vorletzte Nummer des »Manager Magazins« dabei.
»Sind wir verabredet?«
Delling nickte.
Babyface setzte sich neben ihn. »Wie schnell ...« Diese Art von Geschäften schien ihm nicht zu liegen. »Ich meine ... wie lange dauert es, bis ...«
»Eine Woche«, sagte Delling. »Maximal.«
»Und sofort?«, fragte der andere unruhig. »Ginge das? Gleich? Heute noch?«
»Das kostet fünfzig Prozent Aufschlag.« War wohl doch keine Ehegeschichte. Vielleicht eine Sache unter Börsenhaien.
»Okay!«, murmelte der Mann und tippte auf die Zeitschrift. »Hier drin. Ihre Anzahlung. Zehntausend. Ein Foto, eine Adresse. Wir haben jetzt 19 Uhr. Um Mitternacht treffen wir uns hier wieder.«
...


mehr in
Mord nach Rezept Band 10 - bei amazon.kdp


13.3.17

Chris Marten: Hydra

Spannung extrem - brillant erzählt.
Alles fängt mit einer Email an:  Beate Rehbein, Journalistin, schickt einem gewissen Thomas Todzeck die Namens- und Adressenliste für ein Klassentreffen der Abschlussklasse eines Berufskollegs im Ruhrgebiet, zu der ihr Mann gehört hat. Eine reine Gefälligkeit, wie Beate meint, um ihren Mann zu entlasten.

Was sie damit auslöst, kann sie nicht ahnen. Denn die Adressliste bringt jemanden auf eine ungeheuerliche Idee, den Plan für eine Mordserie, in der Beate Rehbein eine zentrale Rolle spielen wird.
Das begreift Beate noch nicht ganz, als sie dann selbst eine mail von diesem mysteriösen Thomas Todzeck erhält - mit einem Video im Anhang, das die Hinrichtung eines Menschen zeigt. Es ist die erste Tat des Serienkillers, der Beate mit seinen Botschaften - und seinen weiteren Morden immer mehr unter Druck setzt. Indem er sie auffordert, sein Rätsel, das Rätsel der HYDRA, zu lösen. Nur so kann sie weitere Morde verhindern.
Was Beate lange Zeit nicht weiß: es gibt den LKA-Kommissar Ludger Bethge, - er ist als Absolvent des Berufskollegs einer derjenigen auf der Klassentreffen-Liste. Und er erkennt auf einmal beim Blick auf die Liste der aktuellen Fälle eine unheimliche Parallele: in den letzten Wochen wurden Menschen auf bizarre Weise ermordet, die genau die gleichen Namen tragen wie seine ehemaligen Mitschüler auf der Klassentreffenliste. Aber es sind NICHT seine Klassenkameraden, sondern eben nur Menschen mit deren Namen. Mordet hier ein kranker Täter anhand dieser Liste?
Das scheint offensichtlich - aber es noch nicht einmal ansatzweise die Lösung dieses Falles, der hier von dem Autorenteam Chris Marten in seinem Debütroman erzählt wird.

Spannung extrem - brillant erzählt, mit einer Geschichte, die jeden betrifft. Und berührt. HYDRA ist das beeindruckende Debüt eines Autorenteams, das aus dem Stand heraus einen Thriller mit internationalem Flair geschaffen hat.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Chris Marten
Hydra
Lübbe Hardcover

17.2.17

Mord nach Rezept - Band 10

H. P. Karr präsentiert

Mord nach Rezept – Band 10: 

Die Retro-Edition – mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.
Die Achtziger – das sind die Jahre von Horst »Schimmi« Schimanski, von Kreml-Flieger Mathias Rust, dem Tod von Uwe »Ehrenwort« Barschel und dem Beginn der langen Ära Helmut »Birne« Kohl, der uns als Bundeskanzler durch die deutsche Wiedervereinigung am Ende des Jahrzehntes führte.
Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha, Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco.


Leseprobe hier:


19.1.17

Deutscher Krimipreis 2017





Unter der organisatorischen Obhut des Bochumer Krimi Archivs hat die Jury - der führende Krimi-Kritiker und Krimi-Buchhandlungen angehören - die Neuerscheinungen des Jahres 2016 kritisch und unabhängig geprüft.

Der Deutsche Krimi Preis 2017 geht an:

NATIONAL:
1. Platz:  Max Annas: Die Mauer (Rowohlt)

2. Platz:  Simone Buchholz: Blaue Nacht (Suhrkamp)

3. Platz:  Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht (Tropen)

INTERNATIONAL:

1. Platz:  Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel  (The Heavenly Table)
Deutsch von Peter Torberg (Liebeskind)

2. Platz: Liza Cody: Miss Terry (Miss Terry)
Deutsch von Grundmann und  Laudan (Ariadne bei Argument)

3. Platz:  Garry Disher: Bitter Wash Road (Bitter Wash Road)
Deutsch von Peter Torberg  (Unionsverlag)

Der Deutsche Krimi Preis ist nicht dotiert. Eine öffentliche Preisverleihung findet auch in diesem Jahr nicht statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Leser, Hörer und Zuschauer mit den Preisträgern bekannt machen.

Die Jury:
Volker Albers (Hamburger Abendblatt) / Andreas Ammer (ARD) / Monika Dobler (Krimibuchhandlung Glatteis, München) / Tobias Gohlis (Die Zeit) / Joachim Feldmann (Kritiker) / Günther Grosser (Kritiker) / Cornelia Hüppe (Krimibuchhandlung Miss Marple, Berlin) / Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv) / Hermann Kling / Christian Koch (Krimibuchhandlung Hammett, Berlin) / Hans W. Kohlmann (Krimibuchhandlung Whodunnit, Leipzig) / Alf Mayer (Kritiker) / Peter Münder (Kritiker) / Wolfgang Niess (SWR) / Ulrich Noller (WDR) / Michaela Pelz (krimi-forum.de) / Thomas Przybilka (BoKAS) / Kirsten Reimers (Kritikerin) / Robert Schekulin (Buchhändler) / Jan C. Schmidt (kaliber38.de) / Sylvia Staude (Frankfurter Rundschau) / Bettina Thienhaus (Kritikerin) / Jutta Wilkesmann (Krimibuchhandlung Die Wendeltreppe, Frankfurt) / Thomas Wörtche (Kritiker)
Die Kritiker der Jury stimmen nicht für Titel, an deren Veröffentlichung sie aktiv beteiligt sind.

Informationen über den Deutschen Krimi Preis: www.deutscher-krimipreis.de

Hintergrund zu den Preisträgern
1. Platz: Max Annas: Die Mauer (Rowohlt)
Worum geht es in dem Buch?
Es geht um Moses, einen schwarzen Studenten, der auf dem Rückweg von seinem Professor in einer Vorstadtgegend in der südafrikanischen Provinz direkt vor einer Gated Community eine Autopanne hat. Weil Moses' Handy leer ist, sucht er Hilfe dort - und wird im Handumdrehen vom Hilfesuchenden zum Gejagten diverser Wachleute.
Warum wurde das Buch ausgezeichnet?
Max Annas hat eine beeindruckende Fähigkeit, schlaue Plots in konzentrierte, schlanke, fesselnde Thriller zu packen. Das ist schon sehr klasse, wie er die südafrikanische Gesellschaft mit ihren (Rassen-)Konflikten an Orten verdichtet, an denen er diese Konflikte in einer Modell-Anordnung wie auf einer Bühne durchexerzieren kann. Max Annas bindet die urbane Architektur direkt in die Entwicklung seiner Story ein, und das gibt dem Ganzen nochmal einen besonderen Effekt. (Ulrich Noller, WDR)
Wer ist der Autor?
Max Annas (* 1963 in Köln)  war lange Zeit Journalist und hat Bücher über Politik und Kultur veröffentlicht, sowie Filmfestivals und –reihen organisiert. Annas hat lange in Südafrika an der Universität von Fort Hare in East London in der Provinz Ostkap zu südafrikanischem Jazz geforscht. Jetzt lebt er in Berlin.

2. Platz: Simone Buchholz: Blaue Nacht (Suhrkamp)
Worum geht es in dem Buch?
Hamburg: Weil sie einen Vorgesetzten der Korruption überführt und einem Gangster die Kronjuwelen weggeschossen hat, ist Staatsanwältin Chastity Riley jetzt Opferschutzbeauftragte und damit offiziell kaltgestellt. Das Opfer ist ein Mann ohne Namen, der übel zugerichtet ins Krankenhaus eingeliefert wird. Riley gewinnt sein Vertrauen. Bei zwei bis acht Bier auf der Krankenstation nennt er ihr schließlich einen Namen. Nicht seinen, aber es ist eine Spur…
Warum wurde das Buch ausgezeichnet?
Schon zum sechsten Mal schickt Simone Buchholz ihre Staatsanwältin mit dem ungewöhnlichen Namen Chastity Riley ins Rennen. Präzise im Hamburger Kiezmilieu verortet, ist Buchholz’ Roman alles andere als ein Regiokrimi: keine betulichen Morde vor kuschlig-skurriler Kulisse, sondern die Verschränkung von Wirtschaft, Politik und Verbrechen: Dro- genhandel auf internationalem Niveau, Korruption und Mafiaverstrickungen in der Hansestadt. (Kirsten Reimers, mord-und-buch.de)
Wer ist die Autorin?
Simone Buchholz, geboren 1972, schreibt als freie Autorin für verschiedene Magazine über die Beziehung zwischen Männern und Frauen. "Blaue Nacht" ist der sechste Chastity Riley-Roman. Simone Buchholz lebt in Hamburg.

3. Platz: Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht (Tropen)
Worum geht es in dem Buch?
Robert Fallner ist ziemlich am Ende. Seinen Job als Kriminalhauptkommissar ist er endgültig los. Seine Frau wohl auch. Zeit für einen Neuanfang, den ihm ausgerechnet sein Bruder, selbst Ex-Bulle und Privatermittler, ermöglicht. Er drängt ihm einen speziellen Fall in seiner Sicherheitsfirma auf: Den Stalker einer bekannten Schauspielerin zu stellen, von dem keiner glaubt, dass es ihn gibt.
Warum wurde das Buch ausgezeichnet?
Dobler erzählt eher mosaikhaft, episodisch, vermischt Narratives mit inneren Monologen, mit Reflexionen und Anekdotischem, mit streng durchrhetorisierten Passagen, switcht durch verschiedene Sprachebenen, hat einen hohen Sinn fürs Komische, fürs Bizarre, fürs Poetische, das bei ihm auch in den abwegigsten Ecken aufscheinen kann. (Thomas Wörtche)
Wer ist der Preisträger?
Franz Dobler, geboren 1959, lebt in Augsburg. Neben Romanen und Gedichtbänden veröffentlichte er auch Erzählungen und Musikbücher. Er hat Kompilationen herausgegeben und ist Discjockey. Für sein Krimi-Debüt »Ein Bulle im Zug« erhielt er 2015 den Deutschen Krimi Preis.

International
1. Platz: Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel
(The Heavenly Table) Deutsch von Peter Torberg (Liebeskind)
Worum geht es in dem Buch?
Georgia, 1917. Der Farmer Pearl Jewett will sich durch seine Armut auf Erden einen Platz an der himmlischen Tafel verdienen – und seine drei Söhne darben mit ihm, ob sie wollen oder nicht. Nachdem Pearl von den Entbehrungen ausgezehrt stirbt, müssen sich die jungen Männer allein durchs Leben schlagen. Auf gestohlenen Pferden und schwer bewaffnet plündern sie sich ihren Weg durchs Land. (Verlag)
Warum wurde das Buch ausgezeichnet?
Pollocks »Himmlische Tafel« ist reich gedeckt. Das ist relevante Literatur: gespickt mit Wissen um menschliche Sehnsucht, voll bitterer Komik und getragen von einer skeptischen Moralität, die beim Fressen beginnt.« (Tobias Gohlis)
Wer ist der Preisträger?
Donald Ray Pollock, geboren 1954, wuchs im US-Bundesstaat Ohio auf. Mit siebzehn Jahren brach er die Highschool ab, nahm einen Job in einer Fleischfabrik an und arbeitete danach über dreißig Jahre in einer Papiermühle. Ende der Achtzigerjahre holte er in Abendkursen seinen Schulabschluss nach. 2008 erschien sein Debütroman »Knockemstiff«. Donald Ray Pollock lebt in Chillicothe.

2. Platz: Liza Cody: Miss Terry (Miss Terry)
Deutsch von Grundmann und  Laudan (Ariadne bei Argument)
Worum geht es in dem Buch?
Die englische Grundschullehrerin Nita Tehri sucht keinen Streit, ist freundlich zu Nachbarn und Kolleginnen, buchstabiert geduldig ihren Namen, wenn man sie Miss Terry nennt. Eines Morgens wird ihrem Haus gegenüber ein Container abgestellt, gedacht für den Bauschutt einer Sanierung. Und plötzlich beginnt eine Hetzkampagne, für die Nita nicht gewappnet ist.
Warum wurde das Buch ausgezeichnet?
Liza Cody lässt in der stillen, unauffälligen Straße an der Themse alle Hässlichkeit und jede Variante der Fremdenfeindlichkeit ausbrechen. Und es hilft nicht, dass Nita Tehri Lehrerin ist – es macht die Sache nur schlimmer, dass sie gebildeter, »privilegierter« ist als die meisten ihrer Peiniger.
(Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau)
Wer ist die Preisträgerin?
Liza Cody ist Britin. Sie studierte Kunst und arbeitete u.a. als Roadie, als Fotografin, Malerin und Möbeltischlerin, bevor sie zum Schreiben kam. Für »Lady Bag«erhielt sie den Deutschen Krimi Preis 2015. Liza Cody lebt in Bath und schreibt weitere Romane.

3. Platz: Garry Disher: Bitter Wash Road (Bitter Wash Road)
Deutsch von Peter Torberg  (Unionsverlag)
Worum geht es in dem Buch?
In der Nähe von Tiverton, einer Kleinstadt in Australiens Nirgendwo, wird ein Mädchen tot am Straßenrand gefunden. Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, übernimmt den Fall. Er glaubt nicht an einen Unfall mit Fahrerflucht. Einsam und isoliert durchquert der Constable die unwirtliche Landschaft, stellt unbeirrt seine Fragen und lernt eine Kleinstadt kennen, unter deren Oberfläche Enttäuschung und Wut, Rassismus und Sexismus brodeln.
Warum wurde das Buch ausgezeichnet?
»Bitter Wash Road« ist ein funkelndes Meisterwerk, es erzählt einfühlsam vom langsamen Bröckeln aller zivilisatorischen Errungenschaften und von jenem bisschen Mut, das einer aufbringen muss, um die Lawine aufzuhalten. Das Highlight des Krimi-Jahres.«
(Günther Grosser, Berliner Zeitung)
Wer ist der Preisträger?
Garry Disher, geboren 1949, wuchs im ländlichen Südaustralien auf. Seine Bücher wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der wichtigste australische Krimipreis, der Ned Kelly Award und zweimal der Deutsche Krimi Preis. Garry Disher lebt an der Südküste von Australien in der Nähe von Melbourne.