27.12.12

Didier Daeninckx:
PULP und die alte Linke

Didier Daeninckx:
PULP und die alte Linke
(Vormals "NAZIS in der METRO" - der Titel spielt auf ZAZIE DANS LE METRO von Raymond Queenau an.)

Gabriel Lecouvreur, genannt PULP,(im Original "Le Poulpe") ist ein Detektiv in Paris, seine Abenteuer werden in der Serie "PULP und..." von verschiedenen Autoren erzählt.
Hier geht es um den 75jährigen Schriftsteller Sloga, der in einer Tiefgarage zusammengeschlagen wurde und seither im Krankenhaus mit dem Tod ringt. Ansprechbar ist er nicht, er murmelt nur etwas von einem "Max"

Lecouvreur schnüffelt Slogas Briefkasten durch und findet zwei Spuren
- einen alten Roman, den Sloga sich von einem Antiquariat beschaffen ließ - ein offenbar rassistisches und nationalistisches Machwerk und
- das Manuskript von Slogas aktuellem Roman, in dem Sloga ein authentisches Verbrechen zum Vorbild genommen hat: der Mord an einer Krankenschwester, Tochter eines äußerst reichen Industriellen und Wirtschaftsbosse, ein Mord, für den man lange einen Landstreicher verdächtigte, bis dieser entlastet wurde. Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt.
Über eine zufällige Zeitungsnotiz kommt Decouvreur an einen Lokaljournalisten, der die Hintergründe der authentischen Affäre aufgeklärt hat - dass die Tote seinerzeit alle Honoratioren ihrer Gemeinde mit AIDS infizierte, um sich dafür zu rächen, dass sie einmal von ihnen vergewaltigt worden war und - dass ihr Vater sie schließlich umgebracht hat, als dies ans Licht zu kommen drohte.

Den Hintergrund für das Attentat auf Sloga liefert dieses Buch freilich nicht - der tritt auf einer Diskette aus Slogas Hinterlassenschaft zutage, auf der er Presseausschnitte aus der Nationalistischen Presse gesammelt hat - offenbar um seine Theorie einer Annäherung von Kommunisten und Nationalisten zu stüptzen. (Die Annährung bekommt Pulp von zwei ideologisch vertrauenswürdigen Zeitgenossen bestätigt) Die Spur führt wieder zu Sloga zurück - der den wichtigen Hinweis zur Klärung der Frage, wer ihn überfallen hat gibt: Offenbar hat er sich inkognito in eine Runde kommunistisch-nationalistischer Idelogen eingeschlichen, die sich in einer Buchhandlung traf. Und dort einmal eine äußerst prominente Person gesehen, deren Nähe zu dem Kreis offenbar nicht bekannt werden sollte, weshalb man ihn zusammenschlug.
Dieser Prominente ist der Herausgeber/Verleger eines bekannten Wörterbuches, der jetzt aktuell einen Platz in der Akademie Francaise erhalten soll. Pulp stört die Inaugurationsveranstaltung - kann er aber damit die Ehrung des Krypto-Nationalisten verhindern?


Didier Daeninckx:
1996 Nazis dans le Métro
1996 Nazis in der Metro, dt. von Ronald Voullié, Transit, Berlin 1996.
1998 Pulp und die alte Linke, gleiche Übersetzung, Rowohlt: Reinbek

Profi Krimi-Tipp:
Wie fange ich den Krimi richtig an?

Profi Krimi-Tipp:
Wie fange ich den Krimi richtig an?


Springen Sie sofort in eine interessante Szene. Befassen Sie sich sofort mit einer interessanten Figur. Schreiben Sie nicht "Es war ein grauer, trüber Dezembermorgen.", sondern schreiben Sie: "Der Schuss, der den tristen Dezembermorgen zerriss..." oder schreiben Sie: "Susanne hasste den Dezember. Sie hasste den Morgen. Ganz besonders hasste sie diesen Dezembermorgen."
Entwickeln Sie sofort eine Situation, die den Leser fesselt, indem Sie von ungewöhnlichen Geschehnissen erzählen - oder von Menschen, die sich entscheiden müssen. Schreiben Sie nicht: "Sie überlegte, ob sie sich von ihrem Mann trennen sollte", sondern schreiben Sie: "Als sie an diesem Dezembermorgen aus dem Haus ging, wusste sie, dass die nie wieder zurückkehren würde …"
Wenn Sie einen guten Anfang haben, entwickelt sich das erste Kapitel wie von selbst. Und für das zweite Kapitel suchen Sie sich wieder einen guten Anfang!
H.P.Karr

Profi Krimi-Tipp für Rheinische Post

16.12.12

Thomas Hoeps und Jac Toes
Höchstgebot



Ein Magritte aus Privatbesitz wird versteigert für sensationelle 43 Millionen Euro. Der Restaurator Robert Patati soll die Überführung des Bildes vom Verkäufer, der Industriellenfamilie Roeder in Deutschland zu einem mysteriösen Konsortium in den Niederlanden überwachen - und prompt kommt das Bild weg: die beiden Transporterfahrer hängen Patati ab und verschwinden. Damit hat Patati ein Problem - nicht nur mit der holländischen Polizei, die ihn erst einmal nicht ernst nimmt und dann für einen der Täter hält.

Zur gleichen Zeit bekommt die freiberufliche Sicherheitsbeauftragte Micky Spijker den Auftrag, die Hintergründe des seltsamen Brandes zu durchleuchten, bei dem die Aachener Niederlassung der Familienfirma Roeder in Schutt und Asche gelegt wurde: Ausgerechnet die Entwicklungsabteilung, in der die Unterlagen über die Neuentwicklungen der Firma gespeichert waren: Kampfroboter, die auf der medizinischen Prothesentechnik beruhen, mit der die Firma Roeder großgeworden ist. Und als ob das nich reichte: In den Trümmern findet man die Leiche einer Frau.

Dass beide Fälle - der gestohlene Magritte und das mysteriöse Feuer zusammenhängen ist schnell klar, und es ist gut, dass sich Robert Patati und Micky Spijker bereits von früheren Fällen kennen, in denen sie deutsch-niederländische Zusammenarbeit in Sachen Mordermittlung praktiziert haben.

Was sie bei ihren temporeich erzählten Recherchen ermitteln, ist ein Wirtschafts-Krimi aus der Euregio-Region zwischen Aachen, Belgien und den Niederlanden. Das ist das Gebiet, wo sich die beiden Autoren - Thomas Hoeps aus Deutschland und Jac Toes aus den Niederlanden hervorragend auskennen. Deshalb kommt auch ein toll geschriebener, und in den Bereichen Kunstrestaurierung und Industriespionage äußerst sachkundiger Thriller heraus.

Spannende, actionreiche Thriller-Unterhaltung mit Hintergrund und-Anspruch: Hoeps und Toes beherrschen ihr Handwerk wirklich perfekt - das "Höchstgebot" ist Krimi in höchster Vollendeung.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Thomas Hoeps und Jac Toes
Höchstgebot
Grafit

15.12.12

Krimi-Tipps

Litt Leweir
Am Ende des Fegefeuers
konkursbuchverlag

Lisa, 39, Berlinerin, macht eine schwere Zeit durch. Zuerst trennt sich ihre Lebensgefährtin Bettina von ihr, dann sieht sie sich plötzlich mit Michael konforntiert - einem Bruder, von dem sie nichts wusste. Und von Michael erfährt sie, dass sie noch einen BrUDER hat - Matthias, der bislang unauffindbar ist.
Was ist also vor mehr als 30 Jahren in dem kleinen Schwarzwalddorf passiert, aus dem sie stammen? Lisa wurde adoptiert, ohne dass man ihr das jemand sagte, Martin wuchs bei seinen Großeltern auf - und hat erst nach dem Tod der Großmutter vons einen beiden Geschwistern erfahren. Und Matthias ist , wie gesagt, verschwunden.
Litt Leweir ist Jahrgang 1962, geboren und aufgewachsen unweit von Freiburg, lebt seit 1984 in Berlin.

Die Suche nach der eigenen Identität führt die beiden in ihre Vergangenheit zurück. Das alles ist vielschichtig und literarsich erzählt - keine atemlose Psychothriller-Spannung, sondern ein Sammlung der leisen Töne, der genauen Beobachtung und der sensiblen Schilderung. Trotzdem wird eine auf keiner der fast 500 Seiten langweilig, denn Litt Leweier kann außerordentlich gut erzählen
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Ingo Thiel
(mit Bertram Job)
SOKO im Einsatz
Ullstein

Drei große Kriminalfälle aus dem wirklichen Leben, erzählt von einem er Chefermittler der jewieligen Mord- oder Sonderkommissionen. Der spektakulärste davon ist sicherlich die Suche nach dem Mörder des 11jährigen Mirco aus Mönchengladbach, die im Jahr 2011 Aufsehen erregte.
Nach dem Verschwinden des Jungen arbeitete die bis zu 70 Mann starke Sonderkommission - unter anderem unter der Leitung von Ingo Thiel - verbissen an dme Fall, um dn Täter zu finden.
Thiels Dokumentarbericht ist sachlich, aber durchgehend spannend. Es ist die Schildeurng der unterschiedlichen Ermittlungsansätze, mit denen die SOKO immer wieder neu ansetzt, wenn eine Spur sich im Sande verlaufen hat.
Wohltuend unspektakulär und reportagenhaft geschrieben ist das, mit Unterstützung seines Ghostwriters Bertram Job, eines Journalisten, dessen Spezialität eigentlich Box-Reportagen sind.
Im Vergleich zu den Lebenserinnerungen anderer MK-Chefs - wie eie des Münchner Antons Wilfulng wird deutlich, dass Thiele ine andere Generation Polizist ist: jünger, zupackender und auch auf technsichem Gebiet viel versierter und organisierter als die klassischen "aus dem Bauch heraus"-Ermittler.

Kari Köster-Lösche
Der Tote am Hindenburgdamm
Ruetten und Loening/Aufbau

Sylt 1923 - die neue Stationierung für Kriminalinspektor Niklas Asmus, der hierher versetzt wurde. Der Preusse hat so seine Schwierigkeiten mit den Insulanern, aber die auch mit ihm. Sylt trägt zwar schon Züge der Nobel-Fereinisnel, ist aber doch viel viel bodenständiger als heute.

Es ist die Zeit der Nachwirkungen des Ersten Krieges, Zeit der Inflation (eine Tasse Kaffee kostet 10000 Mark), Zeit der politischen Umbrüche und Unsicherheiten. Das zeigt sich auch uns besonders an Niklas Asmussens erstem Fall - ein Mann, der ihm als kommunistischer Agent aufgefallen ist, kommt ums Leben - nachdme er auf dem Polizeirevier der Insle war. Dessen Revierleiter im übrigen Anhänger der Kommunisten ist - nicht unproblematisch als Beamter und in einer Zeit in der die Nationalen und die Nationalsozialisten auf die politische Bühne drängen.
Der tote Kommunist ist zudem nicht die einzige Leiche auf der Insel - zuvor ist ein Obdachloser an der Baustelle des Hindenburgdammes tot aufgefunden wurde. Der Damm - Verbindung der Insel zum Festland, ist heftig umstritten - eine Art Stuttgart 21 der Zwanziger - und die Auseinandersetzung liefert den Hintergrund für die Ganze Geschichte.

Stimmungsvoller Syltkrimi, der ein liebevolles, detailreiches Bild der Insel und ihrer Bewohner in den Zwanziger Jahren zeichnet.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung


Michael Sears
Am Freitag Schwarz
Deutscher Taschenbuch Verlag

Spannendes, gut geschriebenes Thriller-Debüt nicht nur aus der Welt der Banker und Börsen.

Jason Stafford ist genau der Mann, den Stockmann für sein Finanzhandelshaus sucht: Jason kommt direkt aus aus dem Knast, wo er zwei Jahre wegen Finanzmanipulation gessessen hat: eine knappe halbe Milliarde haben er und seine Kumpel bei einer Bank verdaddelt.
So eine kennt sich aus, denkt sich Stockmann und beauftragt Stafford damit, den Tod des JungBörsenmaklers Brian zu untersuchen - angeblich ein Unfalltod bei Segeln.
Stafford nimmt den Auftrag als Chance - auch um wieder Struktur in sein Privat- und Familienleben zu bringen, wo er sich um seinen autistischen Sohn Kid kümmern muss, was sich mitunter als arge Belastung erweist: Rain Man trifft Wall Street

Michael Sears erfasst in sienem Debüt sehr genau die Menschen, die in den Händlerräumen der Finanzzentren arbeiten - mit ihren Defiziten und ihren Problemen, die sie anfällig machen für illegalen Geschäfte. Und er schafft mit Jason Stafford einen Potagonisten, mit dem man bei aller kritsichen Distanz - mitleiden udn mitfüheln kannn, besonders, wenn es um seinen Kmapf um die Leieb seines Sohnes geht.

Brillantes Thriller-Debüt aus der Welt der Finanzen - die Geschichte eines Mannes, die einen von dr ersten Seite an gefangennnimmt.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung



Mark Zak
Glaube, Liebe, Mafia: Ein Fall für Josif Bondar
KiWi

Josif Bondar, Ex-KGB-Agent, Afghanistan-Veteran und Ex-Leibwächter, ist jetzt heruntergekommener Privatdetektiv in Köln-Mülheim - ein bisschen von der klassischen Art, aber auch ein bisschen wie aus der Migranten-Comedy.
Er ist befreundet mit Kommissarin Judith Wendel von der Kripo, und wie das in solchen Romanen ist, führen ihre jeweiligen Recherchen zu einem Fall, den sie dann gemeinsam zu lösen haben.
Neben ein paar "kleinen Fällen", die Josif souverän mit zupackendem Köln-Mülheimer Charme löst, geht es um einen Brandanschlag auf ein Privattheater, in dem gerade eine Homosexuellen-Version des Heiligen Abendmahls Premiere hatte. Dabei ist der Jesus-Darsteller gestorben - und man hat jede Menge Verdächtige: christliche Fundamentalisten, abgelegte Liebhaber und Liebhaberinnen, eine Mutter, die ein Kind in Jesus hat und ein Vater, der sich nicht zus einem Sohn bekennen will..
Das alles wird witzig, kurz und knapp erzählt- in bester PULP-Manier.

Autor Mark Zak ist Schauspieler und weiß, wei man eine Geschichte richtig aufzieht - mit treffenden Dialogen und vielen überraschenden Wendungen. Unterhaltsame rheinische Krimi-Comedy mit Migrationshintergrund.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Horst Evers
Der König von Berlin
Rowohlt

Ein Krimi, als habe man Quentin Tarantino beauftragt, den neuen Berlin-Tatort zu drehen. Schräge Typen, schrille Geschichte, beste Unterhaltung...-
Kommissar Carsten Lanner ist direkt aus Clopenburg in die Hauptstadt versetzt worden - und hier wartet er auf den "großen Fall", der ihn bei seiner Karriere im Polizeidienst weiterbringen soll. So richtig gut sieht es da nicht aus .- Lanner wird, sagen wir's ehrlich, von seinen Kollegen im Kommissariat, gemobbt, übergangen und als "Dorfsheriff" nicht ernst genommen. Was wird also sien großer Fall? Der Tote aus dem Hinterhaus, in desen Wohnung mehr als 100000 Euro verstreut herumliegen, und der als Ghostwriter unter anderem erfolgreiche Krimis schrieb? oder der mysteriöse Tod des Schädlingskämpfer Machallik, des Gottes der Ratten, der sich angeblich selbst mit einem eigens entwickelten Rattengit vergiftete (sehr zur Erleichterung der gesamten Berliner Polit- und Promo-Schickeria) - aber zuvor noch einen Fluch hinterleiß: dass 55 Tage nachs eienm Tod die Ratten die Macht in Berlin übernehmen werden.
Horst Evers, Kabarettist, bevölkert seine ins absurde abgedrehte Kriminalgeschichte mit einem bunten Ensemble schräger und schrägster Typen, dass man nie weiß, was auf de rnächsten Siete geschieht. Dabss der Roman dabei aber nie den Boden unter den Füßen verliet - also trotz aller Komödie immer "Krimi" bliebt., ist seine große Sträke

Eine knallbunte Krimi-Komödie aus der Hauptstadt. Comedy trifft Tarantino: absurdes Theater am Tatort - ein absoluter loser vom held, dafür aber absolut perfektes Lesevergnügen.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung




Marco Pfeiffer
Sechs minus eins
Leda
Ein Duisburg wird ein Rechtsanwalt ermordet und in Hamburg eine junge Frau. Dass beide Taten etwas miteinander zu tun habne, eröffnet ein Bekennerbrief, der bei der Kripo in Köln eingeht – und der Täter kündigt weitere Morde an. Ein Fall für Kommissar Maurer und sein Team – die sich durch die Vergangenheit der beiden Opfer graben und feststellen, dass sie in ihrer Jugend einmal im gleichen Kölner Viertel gewohnt haben und auf die selbe Schule gegangen sind.

Ein klasssisch aufgebauter und erzählter Kommissars-Krimi in der TATORT-Schule.


Reinhold Erz
Maskenball (Debüt)
Silberburg

Eine SwingerParty in einem noblen Club in Stuttgart. Einer der Gäste ist neu, er hat sich als Zorro maskiert und sieht sich um - und steht auf enmal in einem der Spielzimer vor einem Toten, der mit einer Plastiktüte erstickt worden ist. Eine dumme Situation, denn unser Zorro ist Michael schwerdstfedger, Kommissar bei der Mordkommssion bei der Stuttgarter Kripo.
Schwerdtfeger macht sich davon - aber wie das Leben so spielt: wird ausgerechnet er Leiter der Mordkommission, die in dem Todesfall ermittelt. Das Opfer stammt aus dem Management des in Stuttgart beheimateten KONZERNS (Daimler) und war dabei, brisante Informationen über die Verflechtung - oder sagen wir Korruption - zu liefern, die es zwischen der Konzernspitze und der Stadtverwaltung gibt.

Ein Krimi-Debüt, das gleich in die Vollen geht. Stimmige Szenerie, konsequent konstruiertes Plot und ein Kommissar, der ein Problem mit seinem Privatleben hat.


3.12.12

Thema: Psycho-Thriller

Psycho-Thriller

Geschichten um die Verwicklungen von Menschen ins Verbrechen. Die Aufklärung steht weniger im Mittelpunkt als die Lösung der Verwicklung.

Psycho-Thriller reißen uns mit: mit dem Schicksal der Hauptperson. Sie stellen die Frage: wie würden ICH reagieren.
Psycho-Thriller spannend uns LESER natürlich auf die Folter:
Was ist überhaupt los?
Was passiert als nächstes?
Wie verhält sich unser Held? Unsere Heldin?


Patrcia Highsmith: Zwei Fremde im Zug
Die Geschichte eines Mordes auf Gegenseitigkeit: Was würden Sie tun, wenn man Ihnen anbietet, Ihre ungeliebte Gattin umzubringen - wenn Sie dafür jemand anderen töten müssten?

Patricia Highsmith: Die gläserne Zelle
Philip Carter sitzt unschuldig im Gefängnis. Sein Anwalt kümmert sich um seine Frau und nicht um ihn. Wir werden Zeuge, wie Carter sich verändert - vom gutmütigen sorglosen Menschen zum berechnenden Zyniker. Er begeht im Gefängnis einen Mord - bleibt unenetdeckt und nach seiner Entlassung tötet er den Anwalt und einen lästigen Zeugen - und bringt damit sein Leben wieder in Ordnung.


Daphne DuMaurier: Rebecca
Mrs de Winter und ihr Gatte Maxim leben auf Manderley unter dem Schatten der verstorbenen ersten Mrs de Winter: Rebecca. Der Verdacht kommt schnell auf, dass bei Rebeccas Tod nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist - und als sich schließlich herausstellt, dass Maxim de Winter in der Tat die schöne Rebecca offenbar umgebracht hat, hilft seine zweite Frau Maxim gegen einen Erpresser...


Boileau/Narcejac: Die Teuflischen (Das Nebelspiel)
Fernand hat ein Verhältnis mit Lucienne - beide planen Fernands Frau umzubringen. Und so scheint es auch zu sein: Fernand sieht die Leiche seiner Frau - doch zwei Stunden ist die Tote verschwunden. Und alles scheint, als lebe sie weiter: es gibt Mitteilungen von, Zeugen wollen sie gesehen haben - und so weiter. Welches Komplott steckt dahinter?


Zoran Drvenkar
„Du bist zu schnell"
Klett-Cotta, 2003
Val erwacht in einer geschlossenen Anstalt. Nichts ist mehr wie zuvor. Sie hat Dinge gesehen, die sie nicht hätte sehen dürfen. Eine Welt, verborgen in unserer. Die Welt der Schnellen. Val stellt Nachforschungen an, denn sie glaubt, den Schnellen auf die Spur zu kommen. Bis mit Blut auf ihrem Spiegel steht: "Wo bist du gewesen?!"

Das Leben ist spannend - aber auch ziemlich gefährlich

Eine Wahnsinnsfahrt nach Berlin: Marek hat seine Freundin Valerie - Val - auf dem Rücksitz, es ist Nacht, und es ist etwas geschehen. Was - das ist nicht so leicht zu sagen. Hat es etwas mit den Pillen zu tun, die Val seit langem heimlich genommen hat? Konsequent und spannend nähert sich der Roman seinem ersten Höhepunkt, bei dem wir erfahren, dass Marek und Val fliehen, weil es eine Tote gegeben hat. Sie liegt in Vals Wohnung, und Marek hat Val neben ihr entdeckt. Die Schlußfolgerung liegt nahe: Val hat eine schreckliche Dummheit gemacht.

Doch nichts ist so, wie es zunächst scheint in diesem Buch - wie wechseln die Perspektive und erfahren alles von Val: Von ihrer Jugend mit Drogen und der Clique, den psychotischen Schüben unter denen sie leidet, den Pillen, die sich beschafft, um die zu bekämpfen.
Und schließlich erfahren wir auch, wer die Tote in Vals Wohnung ist - ihre alte Freundin Jenni. Doch was hat Val mit ihrem Tod zu tun? Noch ist es nicht in der Zeit, das Geheimnis aufzulösen, das Marek und Val in dieser Nacht aneinanderkettet. Und was "die Schnellen" für eine Rolle dabei spielen, von denen Val sich verfolgt und bedroht fühlt. Einbildung eines Psychotikerin? Reale Bedrohung?

"Du bist zu schnell" ist wirklich schnell. Rasant erzählt und von einer bestechenden Stilsicherheit: knallbunte Effekte im perfekten Gleichgewicht mit einfühlsamen, nachfühlenden Annährungen an die Personen. Der Roman sagt uns etwas über die Menschen, mit denen wir zusammenleben. Und damit auch etwas über uns und die Welt, in der wir leben.

Der Autor:
Zoran Drvenkar wurde 1967 in Krizevci, Jugoslawien geboren. Als er drei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern nach Berlin, wo er seine Kindheit im typischen Gastarbeitermilieu verbrachte. Er begann seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aufzuzeichnen und arbeitet seit 1990 als freier Schriftsteller. Für seine Romane, Gedichte und Kurzgeschichten erhielt er mehrere Literaturstipendien und wurde bereits mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet. Zoran Drvenkar lebt heute in Potsdam.


Petra Hammesfahr:
Die Lüge
Verlag: Wunderlich

Es ist Juli, viel zu heiß für ein Vorstellungsgespräch, und Susanne Lasko glaubt kurz an eine Fata Morgana. Tritt da aus dem Aufzug des Gerler-Bürohauses nicht ihr lebendig gewordenes Spiegelbild? Aber die Illusion währt nur einen Augenblick. Die andere Frau gleicht ihr zwar wie eine Zwillingsschwester

Ich bin Du, aber Du bist nicht ich - Partnertausch extrem

So fangen Alpträume an: Man sieht sich selbst. So fängt die Geschichte von Susanne Lasko un Nadia Trenkler an: Susanne - das arme Mädchen mit der nicht immer einfachen Vergangenheit trifft in Nadia ihre Doppelgängerin: smart, reich, erfolgreich in der Geldanlagebranche. Und so gehen Alpträume weiter: Die reiche Nadia wirbt die arme Susanne als ihre Stellvertreterin an. Denn Nadia möchte - angeblich - hin und wieder ein paar Tage mit ihrem Liebhaber verbringen und findet es eine gute Idee, wenn Susanne sie so lange daheim in der Luxusvilla bei ihrem Gatten vertritt.

Eine Geschichte wie aus einem RTL-Movie - aber was Petra Hammesfahr daraus macht, ist schon gekonnt: Sie führt Susanne - das arme Mädchen - in alle Höhen und Tiefen, die eine solche Partnertauschgeschichte nach sich zieht. Nicht nur, dass das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel scheinbar funktioniert. Nicht nur dass Susanne sich Hals über Kopf in Nadias Mann verliebt. Nicht nur, dass Susanne plötzlich meint, Nadia habe das alles nur arrangiert, um sie umzubringen. Nichts nur das... genug - beziehunsgwiese: nicht genug. Denn immer wenn man dem Komplott hinter der Geschichte auf die Sour gekommen zu sein glaubt, findet Petra Hammesfahr eine neue Wendung und stürzt Susanne und uns Leser in neue, tiefere Verwirrung.
Das ist geschickt und aufwendig konstruiert, und gut erzählt - im typischen suggestiven Hammesfahr-Tonfall, der uns auch die alltäglichsten Vorkommnisse wie ein riesengroßes Geheimnis erscheinen lässt.
Ein absoluter TIPP für Unterhaltungsleser.

Die Autorin:
Petra Hammesfahr, geb. 1951, schrieb mit 17 Jahren ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch »Der stille Herr Genardy« kam der große Erfolg. Sie veröffentlichte zahlreiche Kriminalromane, die inzwischen eine Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren erreicht haben.



29.11.12

Susanne Mischke:
Der Mondscheinliebhaber


Valentine liebt es extravagant: die Klamotten vom Feinsten, das Haus und der Gatte auch. Keine Frage, dass sie sich da beim Sex nicht mit simple Hausmannskost zufriedengibt. Aber genau da bleibt der geschmäcklerisch chic kochende Gatte weit hinter ihren Ansprüchen zurück und so wird für die malenden Managergattin der Naturbursche Ludwig aus der Nachbarvilla zur Herausforderung und Eröffnung zugleich. Dass dann aber doch alles so kommt, wie es im richtigen Leben immer kommt - Ehekrise, Liebeskummer, Familienkrach - überrascht Valentine mehr als den Leser. Dass Susannes Mischkes "Mondscheinliebhaber" als Krimi gehandelt wird, liegt eigentlich eher an der Verlagssortierung und den späteren Romanen der Autorin als an dieser Episode aus dem bürgerlichen Heldenleben. Zwar hilft Valentine zwischendurch der Öko-Kontrahentin um Ludwigs Lust das Zeitliche zu segnen und betoniert die Verschiedene in ein Kunstwerk ein, das ihr dann auch noch den städtischen Kulturpreis beschert - aber das macht die Sache eigentlich eher schlechter als besser. Der Mord wird bei Suanne Mischke  zum Versatzstück und Aufhänger für sanft-schwarze Comedy. Was dabei herauskommt, ist amüsant zu lesen, halb so dick wie Hera Lind und dafür doppelt so gut.

Susanne Mischke
Der Mondscheinliebhaber
Piper Verlag

29.10.12

Petra Hammesfahr:
Die Lüge



Es ist Juli, viel zu heiß für ein Vorstellungsgespräch, und Susanne Lasko glaubt kurz an eine Fata Morgana. Tritt da aus dem Aufzug des Bürohauses nicht ihr lebendig gewordenes Spiegelbild? Aber die Illusion währt nur einen Augenblick. Die andere Frau gleicht ihr zwar wie eine Zwillingsschwester

Ich bin Du, aber Du bist nicht ich
Partnertausch extrem


So fangen Alpträume an: Man sieht sich selbst. So fängt die Geschichte von Susanne Lasko un Nadia Trenkler an: Susanne - das arme Mädchen mit der nicht immer einfachen Vergangenheit trifft in Nadia ihre Doppelgängerin: smart, reich, erfolgreich in der Geldanlagebranche. Und so gehen Alspträume weiter: Die reiche Nadia wirbt die arme Susanne als ihre Stellvertreterin an. Denn Nadia möchte - angeblich - hin und wieder ein paar Tage mit ihrme Liebhaber verbringen und findet es eine gute Idee, wenn Susanne sie so lange daheim in der Luxusvilla bei ihrem Gatten vertritt.

Eine Geschichte wie aus einem TV-Movie - aber was Petra Hammesfahr daraus macht, ist schon gekonnt: Sie führt Susanne - das arme Mädchen - in alle Höhen und Tiefen, die eine solche Partnertauschgeschichte nach sich zieht. Nicht nur, dass das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel scheinbar funktioniert. Nicht nur dass Susanne sich Hals über Kopf in Nadias Mann verliebt. Nicht nur, dass Susanne plötzlich meint, Nadia habe das alles nur arrangiert, um sie umzubringen. Nichts nur das... genug - beziehungsweise: nicht genug. Denn immer wenn man dem Komplott hinter der Geschichte auf die Spur gekommen zu sein glaubt, findet Petra Hammesfahr eine neue Wendung und stürzt Susanne und uns Leser in neue, tiefere Verwirrung.
Das ist geschickt und aufwendig konstruiert, und gut erzählt - im typischen suggestiven Hammesfahr-Tonfall, der uns auch die alltäglichsten Vorkommnisse wie ein riesengroßes Geheimnis erscheinen lässt.
TIPP für Unterhaltungsleser.

Petra Hammesfahr, geb. 1951, schrieb mit 17 Jahren ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch »Der stille Herr Genardy« kam der große Erfolg. Sie veröffentlichte zahlreiche Kriminalromane, die inzwischen eine Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren erreicht haben.

Petra Hammesfahr:
Die Lüge
Verlag: Wunderlich

24.10.12

Mordsberatung Factsheet: Trümmerkrimis







Factsheet
Telefonischen Mordsberatung auf WDR5
27.10.2012
Emscherquellhof Quellenstr. 3
59439 Holzwickede
Live vom Festival "Mord am Hellweg"
Krimi-Tipps direkt von der Quelle
Moderation: Thomas Hackenberg














Trümmerkrimis…
…sind Kriminalromane, die in der deutschen Nachkriegszeit – von Kriegsende bis zum Anfang der Siebziger Jahre spielen.

Wer?
Peter Kerksen: Zechensterben
Spielt zur Zeit der Fussball-WM 1966 ("Wembley-Tor") in Oberhausen und hat thematisch auch das titelgebende Zechensterben als Unterthema.
Stichwort: Kohle- und Stahlkrise im Revier

Christiane Dieckerhoff: Blütenträume
Spielt ebenfalls um die Sechziger im Revier rund um die Zeche Ludwig. Ein Lokalreporter deckt einen Einbruch und Diebstahl aus dem Geldtresor der Zeche auf.

Cay Rademacher: Der Trümmermörder
Cay Rademacher: Der Schieber
Spielen in der direkten Nachkriegszeit (1946/47) in Hamburg. Im Mittelpunkt stehen Kommissar Stave von der Mordkommission und Lieutenant MacDonald vom britischen Nachrichtendienst. Dichte Atmosphäre (Schwarzmarkt, Demontage, Reparationen etc) , ausgezeichnet geschildertes Lokalkolorit, teilweise Bezug auf reale Fälle ("Trümmermörder") machen die Reihe zu einem kleinen Juwel.

Edgar Noske: Nacht über Nippes
Spielt im Köln der fünfziger Jahre

Helmut Frangenberg: Trümmer
Spielt im Köln des Jahres 1947 und behandelt einen authentischen Fall

Jürgen Ehlers: Neben dem Gleis
Spielt in Hamburg 1959 und erzählt die Geschichte einer Serie von Banküberfällen, bei denen der Täter die Polizei narrte – ein authentischer Fall. Der Autor hat zuvor bereits eine Reihe von historischen Krimis, meist zu authentischen Fällen, aus der Weimarer Zeit geschrieben.

Anne-Kathrin Koppetsch: Kohlenstaub
Spielt in den Sechzigern in Dortmund und erzählt von den ersten Pfarrerinnen, die im Kirchendienst tätig waren.

Wolfgang Brenner: Der Patriot
…ist ein Sonderfall, weil es mehr Polit-Thriller und Spionageroman als klassischer Krimi ist: Es geht um den authentischen Fall des Verfassungschutzchefs Otto John, der 1954 plötzlich in der DDR auftauchte. Entführung und Gehirnwäsche oder freiwilliger Übertritt?

Uwe Klausner: Eichmann-Syndikat: Tom Sydows fünfter Fall
Gehört zu einer Serie von historischen Krimis, die ihren Helden aus der Nazizeit herüber ins Nachkriegsdeutschland füphren. Diese Roman behandelt die Unterstützung alter Nazis im Nachkriegsdeutschland. Er spielt 1962 in Berlin wo eine Sekretärin des BND ermordet wird.

Jan Zweyer: Persilschein
Ist der dritte Teil einer Trilogie, mit der Jan Zweyer seinen Helden Peter Goldstein bzw Golsten aus dem Dritten Reich bis ins Nachkriegsdeutschland verfolgt. Dieser Roman spielt in Herne und im Ruhrgebiet 1950.

 
Warum?
Die zeitgeschichtlich orientierten Krimis bieten nicht nur das nolstalgische Gefühl der Erinnerung an Fernsehereignisse wie "Stahlnetz" (1958–1968) oder die Durbridge-Straßenfeger, sie bedienen auch die Erinnerungsindustrie, wie sie aktuell von den Event-Filmen im Fernsehen und einer Reihe von zeitgeschichtlichen BioPics betrieben wird: Es gab Filme über die Sturmflut in Hamburg, über das Unglück und die Rettung von Lengede und BioPics über Beate Uhse, Hildegard Knef oder Romy Schneider.
Vergangenheit ist also nicht mehr nur durch die eigene Biographie erinnerbar, sondern auch durch und im Rhamen von  Unterhaltungsstoffen. Den ersten Ansatz einer künstlerischen Verarbeitung der Nachkriegszeit machte Rainer Werner Fassbinder mit seinen deutschen Trilogie "Die Ehe der Maria Braun" (1978), "Lola" (1981) und "Die Sehnsucht der Veronika Voss" (1982).


Der Wert der "Trümmerkrimis" liegt also in ihrem nolstalgischen Potential.
Dazu kommt, dass die zeitgeschichtliche Kulisse ohne Bezug aufs Dritte Reich und die damit verbundenen politisch belasteten Themen erzählt werden kann.  Thematisiert wird die Anstrengung der Wiederaufbaus, die Zufriedenheit des Wirtschaftswunders und des "Wir sind wieder wer", gemeinsam mit dem gesellschaftlichen und technologischen Optimismus dieser Zeit.
Die Trümmerkrimis schließen an die historischen Krimis aus der Epoche der Weimarer Republik und des Dritten Reichs an, die von Volker Kutscher, dem Briten Philip Kerr und teilweise von –ky und Susanne Goga geschrieben werden.
Die Kulisse des zerstörten Deutschlands, beziehungsweise des Wiederaufbaus und später des Wirtschaftswunders ist in Teilen der kollektiven Erinnerung noch präsent und bietet daher einen guten Resonanzboden für eine Kriminalgeschichte. Und es gibt in der kollektiven Erinnerung auch eine Reihe von "großen Verbrechen", die Thema werden können:
der Fall Rosemarie Nitribitt, ("Rosemarie" von Erich Kuby)
alles Fälle, die ähnlich sensationell aufgemacht wurden wie jüngst etwa die Fälle Sedlmayr, Moshammer oder Kachelmann. Die großen klassischen Fälle spiegeln – in der Rückbetrachtung - auch stets die essentiellen moralischen und gesellschaftspolitischen Unterströmungen ihrer Zeit.


Zum Rundgang durch das Wirtschaftswunder klicke  HIER
Die Krimis aus der Zeit des Wiederaufbaus  spielen aber auch in den Bereich der Familiengeschichten, die derzeit als Genre erfolgreich sind – weil sie gleichsam sie Epoche unserer Eltern oder Großeltern schildern.
"Echte" Kriminalromane aus der Epoche (also Romane, die zu jener Zeit geschrieben wurden) sind entweder verloren  (nicht mehr greifbar) oder sie weichen einer realistischen Beschreibung der Zeit aus, indem sie als Krimi weitgehend klassische Geschichten in einem wenig prägnanten deutschen Ambiente erzählen.
Krimis aus jener Zeit wären die Romane von Hans Gruhl, teilweise von Stefan Murr, einige Stahlnetz-Romane von Wolfgang Menge etc.
Viele Romane, die wir heute als "Krimis" bezeichnen würden, erschienen seinerzeit als Fortsetzungsgeschichten in Illustrierten und sind heute nicht mehr unmittelbar greifbar.
Rarität dabei: Ein frühes Werk von Jacques Berndorf "Der Monat vor dem Mord", ein Fortsetzungsroman aus dem stern von 1972, (damals noch von Michael Preute), der vor einigen Jahren wieder aufgelegt wurde.

Die Epoche der "nachgeschriebenen" historischen Krimis endet Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger – hier begann der "neue deutsche Krimi", beziehungsweise der "Sozio-Krimi", der sich der realistischen Darstellung bundesrepublikanischer Wirklichkeit verschrieben hatte und dessen Werke heute schon als "historische Krimis" gelesen werden können.
Beispiele  wären die Romane von -ky und von Frank Göhre
-
Wie?
Zeitgeschichte als Hintergrund wird mit verschiedenen erzählerischen Mitteln, die teilweise aus dem historischen Roman stammen, vermittelt. Hinweise auf reale Ereignisse, Bezüge auf Zeitungs-Beiträge etc, Nennung von Markennamne, ausführliche Beschreibung von Lebenssituationen (besonders bei den Krimis in den 40er Jahren) sind die klassischen Methoden, um die Kulisse aufzubauen.
Die Verarbeitung von realen Kriminalfällen – wie etwa im "Trümmermörder" – schafft oft eine zusätzlichen Attraktivität.
Charakterisch für Trümmerkrimis ist, dass die Kriminalfälle noch "von Hand" gelöst werden müssen, also ohne das modische Instrumentarium von Rechtsmedizin und Forensik. Das bietet die Möglichkeit, sich mehr mit Menschen und Charakteren zu beschäftigen.
In Trümmerkrimi rauchen die Leute Overstolz oder Juno oder später Ernte 23, und zwar dauernd und überall. Es gibt auch Pfeifenraucher und Raucher von Zigarren und "Stumpen", eine Art minderwertiger Zigarre.  Sie trinken Dujardin oder Asbach Uralt, fahren Volkswagen (den Käfer) oder Opel (den Admiral) oder Mercedes (den Ponton-Mercedes) und sie müssen zum Telefonieren in telefonzellen gehen und unter anderem auch "Ferngespräche" anmelden. Sie gehen eher ins Kino oder ins Variete als dass sie daheim fernsehen, und wenn, dann können sie höchstens ein oder zwei Programme sehen, und auch das nur in schwarz-weiss.




19.10.12

Sven Böttcher:
Prophezeiung


Mavie Heller ist Klimaforscherin in Hamburg und absolut begeistert davon, dass ihr Chef Professor Eisele ihr einen Posten in der Forschungsstation des Klima-Gurus Beck auf La Palma besorgt hat. Doch schon nach ein paar Tagan auf der Insel im streng abgeschirmten Institut wird Mavie klar, dass hier etwas seltsames vor sich geht - und das steht im Zusammenhang mit PROMETHEUS, einem computergestützten Wettervorhersageprojekt, das ihr ein Kollege stolz präsentiert.

Neugierig wie sie ist verschafft sich Mavie Zugang zu Prometheus und stellt überrascht fest, dass das Programm Klimaveränderungen auf Jahre hin EXAKT vorhersagen kann. Das allein wäre schon reinstes Dynamit - aber noch bedeutender ist die Tstache, dass PROMETHEUS aus den aktuellen "ergiebigen Niederschlägen, die Nordeuropa heimsuchen, eine Flutkatastrophe hochrechnet, die in absehbarer Zeit unter anderem Hamburg und die Nordseeküste heimsuchen wird.

Mavie schafft es gerade noch, die Daten zu kopieren und einer befreundetetn Journalistin von ihrer Entdeckung zu berichten - dann wird sie entdeckt und entlassen. Doch wenn sie geglaubt hat, sie könne jetzt die gestohlenen Prometheus-Daten einfach an die Öffentlichkeit bringen, da hat sie sich getäuscht: Man ist ganz eindeutig hinter ihr her. Und ihre Journalistin-Freundin ist bei einem mysteriösen Unfall ums Leben gekommen. Zusammen mit derem Bruder, einem smarten und äußerst wohlhabenden Abenteuer, macht sich Mavie daran, das ganze Komplott, das sie hinter PROMETHEUS vermutet, zu enthüllen. Und gerät in extreme Lebensgefahr.

"Prophezeiung" ist Öko-Thriller und Action Roman mit einem gewissen Science Fiction-Aspekt, und das funktioniert alles ganz ausgezeichnet - ganz besonders in Bezug auf die sympathische und patente Hauptfigur. Man sollte sich allerdings von der ausführlich dargestellten Diskussion um die Klimakatatrsophe im ersten Drittel des Buches nicht täuschen lassen - es geht um viel mehr als nur um das Wetter. Es geht vor allem auch um Verschwörungstheorien und Manipulation in der Mediengesellschaft.

Spannender, spekulativer Suspense-Thriller, der dem Leser keine Chance lässt, das Buch aus der Hand zu legen. Action mit Anspruch - brillant präsentiert..
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Sven Böttcher:
Prophezeiung
Kiepenheuer und Witsch

25.9.12

Gesucht – gefunden oder: Chrysanthemen ohne Vase


Gesucht – gefunden oder: Chrysanthemen ohne Vase
Eine kommunale Kunstgeschichte
Von Karr & Wehner

Lokales: Kommunales Kunstkataster
Neue Besen kehren gut: Als erste Maßnahme nach der Amtsübernahme hat der neue Essener Kulturdezernent Heribert Simplotzki (CDU) gestern bei einem Pressegespräch die Gesamterhebung der Kunstwerke im Besitz der Kommune angekündigt. In den nächsten Tagen müssen alle Fraktionen, Beigeordnete, Amtsleiter, Beamte und Angestellte die in ihren Behörden befindlichen Kunstwerke beim Stadtarchiv im Haus der Essener Geschichte an der Bismarckstraße melden. Dort wird in der neu eingerichteten »Leitstelle Kunst« auch ein Abgleich der bisher in drei behördeninternen Karteien und Datenbanken verzeichneten Kunstwerke »mit dem Ist-Bestand vor Ort«, wie es Simplotzki formuliert, vorgenommen. Will sagen: Es wird kontrolliert, ob die Bilder und Skulpturen aus städtischem Besitz auch wirklich dort hängen oder stehen, wo sie laut Aktenlage hängen und stehen sollen.
Den Vorwürfen der Linkspartei, dass Simplotzki sich mit diesem Kunstkataster insgeheim im Auftrag der Kämmerei einen Überblick über bisher nicht im Haushalt aufscheinende Vermögenswerte der Stadt verschaffen soll, wies Stadtkämmerer Henning Taschau zurück. »Niemand hat die Absicht, die Kunst im öffentlichen Raum im Rahmen der Haushaltskonsolidierung zu verkaufen!«, erklärte er.


»Ja?«
»Herr Born?«
»Und wenn?«
»Ich habe eine Empfehlung. Von Bienek. Ich …«
»Morgen. 15 Uhr. Gruga. Knife Edge.«
»Kenne ich.«
»Davon gehe ich aus.«

»Ich bin, wie soll ich sagen … in einer gewissen Zwangslage!«
Der Typ war Ende sechzig, wirkte aber noch erstaunlich fit. Er hatte sich nur auf einen Stock mit einem Elfenbeinknauf gestützt, als er auf die Henry Moore-Plastik im Gruga-Park zusteuerte, vor der Born touristenmäßig in seinem »Kunstführer Ruhr« blätterte.
»Um es kurz zu machen, Herr Bienek riet mir …«
»Um es wirklich kurz zu machen«, sagte Born, »brauche ich eine Anzahlung.«
»Selbstverständlich!« Der alte Herr zog einen Umschlag aus der Innentasche seines Jacketts und legte ihn Born in den Kunstführer.
Born schlug das Buch zu und steckte es ein. »Ich höre.«
»Nun, man hört, dass Sie der beste sein sollen, also beziehungsweise der einzige, der in der Lage ist, in relativ kurzer Zeit, ein … sagen wir, hochwertiges Produkt zu erstellen, das … wie auch immer … es geht um einen Christian Rohlfs. Der Name …«
»Sagt mir was, ja!«, sagte Born. »Es geht Ihnen um die Chrysanthemen ohne Vase, Tempera auf Leinwand, von den Nazis als entartet entsorgt und dann zeitweise verschollen.«
»Ja!« Der Alte schaute bedrückt auf seine Schuhspitzen. Hob dann den Blick. »Wie Herr Bienek mir sagte … nein, lassen Sie mich anders beginnen: Die Chrysanthemen sind Ende der Sechziger auf einem etwas seltsamen Weg in den städtischen Kunstbestand geraten. Wenn Sie Bienek junior kennen, dann wissen Sie ja sicher, dass sein Vater die Briefmarkenhandlung und Galerie Bienek am Rüttenscheider Stern hatte. Im philatelistischen Bereich hatte er sich auf Marken der deutschen Kolonialgebiete spezialisiert und mit der Galerie auf späten Expressionismus und beginnende Neue Sachlichkeit.«
Sein Blick streifte das Knife Edge und Born ahnte, dass er mit dem Henry Moore gar nichts anfangen konnte, weil für ihn als Skulpturen wahrscheinlich nur Marmorfrauen mir ordentlichen Titten zählten. Oder kantige Diskuswerfer im Arno Breker-Style.
»Wie auch immer … durch Umstände, auf die ich hier nicht eingehen will, geriet Bienek senior damals in wirtschaftliche Schwierigkeiten, so dass am Ende die Kommune die Grundbesitzabgaben und andere städtische Gebühren zwangsvollstrecken wollte. Um das noch in letzter Sekunde abzuwenden, hat Bienek senior die Chrysanthemen von Christian Rohlfs der Stadt übereignet, zu einem Buchwert von seinerzeit 10.000 Mark. Das war eine etwas ungewöhnliche Art, die Gewerbe- und Grundsteuern zu bezahlen, aber es gab da gewisse persönliche Beziehungen zwischen Herrn Bienek und Herrn Luedemann, dem damaligen Kulturdezernenten. Dessen Büro hat das verwaltungstechnisch über einen Ankaufsvertrag und eine interne Umbuchung der Mittel realisiert. Aber das interessiert Sie sicher gar nicht.«
»Nicht wirklich«, seufzte Born. »Fakt ist also, dass die Chrysanthemen von Rohlfs seitdem im Besitz der Stadt sind.«
»Nun ja … gewissermaßen. Ich war damals im Kulturamt – wir waren damals noch im Allbau-Haus, denn wir hatten ja noch kein richtiges Rathaus. Herr Bienek hatte das Bild persönlich vorbeigebracht, nachdem die Ankaufs-Vereinbarung unterzeichnet war. Er war ja ein Mann der Tat und wollte nicht warten, bis das Museum Folkwang sich bei ihm meldete, um das Bild in die Städtische Kunstsammlung zu übernehmen. Er hat die Chrysanthemen gegen Quittung bei uns gelassen, und der Herr Luedemann hat deswegen auch eine Aktennotiz geschrieben, damit alles seine Ordnung hatte. Ja, ich komme gleich zur Sache …
Sehen Sie, die Aktennotiz und die Quittung haben wir dann dem Folkwang-Museum geschickt und von dort eine Ausleihbescheinigung bekommen, dass der Rohlfs bei uns im Kulturamt hängt. Soweit war das verwaltungstechnisch sauber geregelt – bis jetzt bei dem Abgleich für das Kunstkataster von diesem Simplotzki die Akte aus dem Folkwang beim Stadtarchiv auftaucht und die den Rohlfs aus dem Kulturbüro zurückfordern – was ja der Nachfolger des Kulturamtes ist. An eine unbürokratische Verlängerung der Ausleihe seitens Folkwang ist nicht zu denken, weil der Rohlfs inzwischen vom Wert her weit über dem liegt, was in ungesicherten städtischen Räumen aufgehängt werden darf. Sehen Sie, Das rote Dach von Rohlfs hat vor ein paar Jahren bei einer Auktion 320.000 Euro erzielt … wenn Sie verstehen, was ich meine.«
»Verstehe vollkommen!«, sagte Born, der nur mit halbem Ohr zugehört hatte. »Sie brauchen die Chrysanthemen. Und Sie haben sie nicht.«
»Das Kulturbüro hat sie nicht!«, sagte der Alte und starrte wieder auf seine Schuhspitzen. Born befürchtete, dass er gleich in Tränen ausbrechen würde. „Und ich stehe ein halbes Jahr vor der Pensionierung, da würde sich eine Untersuchung und eine mögliche Regressforderung fatal auf meine Pension auswirken. Deshalb …«
Born fischte den Umschlag aus dem Kunstführer. »Und das? Woher kommt das?«
»Ein Kunststipendium. Habe ich gleich nach unserem Telefonat offiziell ausgeschrieben. Ausgestattet mit Sondermitteln aus dem Kulturbüro und EU-Fördermitteln, die wir irgendwann mal für irgendwas genehmigt bekommen haben. Wenn Sie mir da jetzt zeitnah die Chrysanthemen ohne Vase liefern könnten … Sie würden mir da wirklich aus einer großen Verlegenheit helfen, Herr Born!«

»Hallo?«
»Herr Born?
»Wer sonst?«
»Sie haben etwas für mich?«
»Ja. Steile Lagerung. Morgen. 13 Uhr.«

Der Verkehr floss in mittäglicher Hektik durch den Kreisverkehr am Südausgang des Hauptbahnhofs. Davon unbeeindruckt krochen die vier Bronzebergmännchen durch die Steile Lagerung auf der Fußgängerinsel am Übergang zur Rellinghauser Straße. Born hatte seinen Wagen weiter oben beim RWE-Tower abgestellt und das Bild in einer witterungsbeständigen Spezialhülle mitgebracht, 40  mal 60, Tempera auf Leinwand, ungerahmt.
Die attraktive Frau, mit der er vor drei Wochen an der Kardinal Hengsbach-Statue neben dem Essener Münster den Deal gemacht hatte, trug heute einen leichten Sommermantel und eine Sonnenbrille im Seventies-Style. Kommissarische Leiterin des Amtes für Ratsangelegenheiten und Repräsentation, wie Born gleich nach ihrem Date beim Kardinal gegoogelt hatte, denn sie gefiel ihm außerordentlich gut.
»Danke, dass Sie die … Sache so schnell erledigen konnten!«, lächelte sie und griff nach dem Bild. »Und wegen der Bezahlung...«

Ende der Leseprobe
Alexander Pfeiffer (Hrsg.)
Krimi Kommunale 3

Bereits zum dritten Mal wagen sich Autoren in die weit verzweigten Gänge der Kommunalverwaltungen in Deutschland und decken Lügen, Betrug und weitere dubiose Machenschaften auf.
Alexander Pfeiffer ist Krimi-Autor und -Herausgeber und Hessischer Landesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftssteller.
Die Autoren: Cornelia C. Anken, Mischa Bach, Jürgen Ehlers, Nina George, Brigitte Glaser, Almuth Heuner, Karr & Wehner, Thomas Kastura, Jürgen Kehrer, Michael Kibler, Alexander Köhl, Erwin Kohl, Eva Lirot, Sandra Lüpkes und Klaus Stickelbroeck

Alexander Pfeiffer (Hrsg.)
Krimi Kommunale 3
Kurzkrimis
ca. 230 Seiten, kartoniert,
Wiesbaden: Kommunal- und Schulverlag, 2012
ISBN 978-3-8293-1023-9

18.9.12

Ursula Poznanski
Fünf


Schauplatz ist Salzburg.
Die erste Leiche - eine Frau - ist noch vollständig. Auf ihren Fußsohlen sind seltsame Zahlenkombinationen notiert. Es handelt sich um Koordinaten, die die Ermittler zu einem Versteck mit einer Tupperdose finden: darin eine menschliche Hand. Bei der Hand ist eine Botschaft mit einem Rästel, das die Polizei lösen muss, um ein wieteres Versteck - mit einem weiteren Körperteil - zu finden.
Kommissarin Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin Wenninger ermitteln und kommen schnell einer schlimmen Serie von Morden und Gewalttaten auf die Spur, bei der der Täter  die Ermittler immer wieder mit Koordinaten zu Tatorten oder Leichenfundorten dirigiert.  Er bedient sich dabei der Techniken des "Geocaching" - das ist eine Trendsportart, bei der in der Natur sogenannte "Caches" (kleine Schätze) versteckt und die GPS-Koordinaten veröffentlicht werden, damit andere Interessenten diesen "Cache" dann finden. Eine Art elektronische Schnitzeljagd für die Polizei und die Leser - ein spannender, sauber geschriebener Serienkilleroman aus Salzburg..
Ursula Puznanski hat bisher mehrere erfolgreiche Jugendbücher geschrieben, darunter den "´Thriller "Erebos" um ein mörderisches Computerspiel. "Fünf" ist ihr erster Roman für Erwachsene.
Spannender Serienmörder-Krimi aus dem Salzburger Land.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Ursula Poznanski
Fünf
Wunderlich, 2012

16.9.12

Marek Krajewksi:
Finsternis in Breslau.


Endlich eine Wiederbegegnung mit Kriminalrat Eberhard Mock, dem Polizisten, den Marek Krajkewski bisher in sechs Kriminalromanen im Breslau der dreißiger Jahre hat ermitteln lassen. Mock ist der Antityp- zum perfekten. glatten Ermittler aktueller Romane: er isst gern viel und fettig, er ist unbeherrscht, impulsiv, er pflegt enge Kontakte zum organisierten Verbrechen in der deutschen Stadt Breslau. Er trinkt, er betrügt ohne schlechtes Gewissen seine Frau.
Trotzdem: Man mag ihn. Eben weil er so bunt und schillernd ist.

Jetzt ist Eberhard Mock inzwischen Mitglied der Deutschen Abwehr - aber da sit für den aktuellen Fall nicht so sehr von Bedeutung.
1938 - ein Mädchen wird in Breslau brutal ermordet. Das halbe Gesicht weggebissen, wie es scheint. Das Mädchen kam mit dem Zug aus Lemberg, wie Mock schnell herausfindet.

Mit seiner Serie um Eberhard Mock hat Marek Krajewski die Renaissance des "polnischen Krimis" eingeläutet, derzeit gibt es Polen einen "Krimi.-Boom", bei dme nicht wenige Autoren genau wie Krajewski ihr Romane in de Zwischenkriegszeit ansiedeln.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Marek Krajewksi:
Finsternis in Breslau.
dtv

14.9.12

Wolfgang Schweiger
Draußen lauert der Tod

Schauplatz ist der Chiemsee, die Gegend um Traunstein.
Hierhin hat es SCHWAB verschlagen, einen Feuerwehrmann, der bis jetzt ein unauffälliges Leben geführt hat. Doch dann ist er beim Joggen Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen Drogendealern geworden - bei der dann ein Toter und ein Koffer mit 750000 Euro zurückgeblieben sind.
Er hat das Geld genommen und sich abgesetzt - so, wie man sich as vorstellt: irgendwo im Süden neu anfangen.
Doch dann wird er in Trainstein im Chiemgau in einen Unfall verwickelt und muss ein paar Tage im Krankenhaus verbringen.
Und - wie das Leben so spielt - sein Unfall"gegner" ist ausgerechnet Kommissar Gruber von der TrauNsteiner Polizei, dem langsam aber sicher einiges komisch vorkommt an Schwab.
Zugleich muss Gruber mit seiner Kollegin Bischoff den Mord an einem steinreichen Ex-Unternehmers  aufklären, der nachts auf dem Rückweg aus der Kneipe überfallen und getötet wurde. Die Ermittlungen fördern hier eine zerissene Familie zutage, in der jeder dem anderen den Tod an den Hals wünscht. Aber nur einer hat offenbar ernst gemacht.

Wie jetzt er eine Fall - des flüchtigen Feuerwehrmannes - und der Mordfall zusammenkomemn und die Lösung des einen zur Lösungd es anderen führt: das ist geschickt gemachter Regionalkrimi von einem versierten Autor, angesiedelt in einer ansprechenden Umgebung.
Reinhard Jahn

Ein Chiemgau-Krimi, der Lust auf mehr macht - sowohl vom Chiemgau als auch von Wolfgang Schweiger.
Wolfgang Schweiger
Draußen lauert der Tod
Pendragon Verlag, 2012
Wolfgang Schweiger im krimilexikon.de

13.9.12

Anne-Kathrin Koppetsch
Kohlenstaub


Schauplatz Dortmund,  die Zeit: 1965.
Das sind die Jahre, als das Ruhrgebeit noch der sprichtwörtliche Kohlenpott war: als man die Wäsche nicht raushängen konnte, weil sie sofort von einem Grauschleier überzogen wurde.
Martha Gerlach ist eine der ersten Pastorinnen der evangelischen Kirche, zugeteilt einer Gemeinde in Dortmund. Die Kollegen Pastore tun sich schwer mit der Frau in ihrem Beruf. Sie hoffen, dass Martha bald heiratet, dann dann müsste sie ihren Beruf aufgeben. (Pastorinnengesetz, bis 1974)
Und ausgerechent kurz nach ihrem Amtsantritt wird Marthas Kollege, Pastor Hanning, tot im Pfarrhaus aufgefunden. Seine demente Mutter kann sich nicht daran erinnern, was geschehen ist.
Kommissar Kellmann von der Polizei ist sich nicht sicher, ob er von einem Mordfall ausgehen soll.
Lokalreporter Luschinski geht mit Martha Gerlach einem Hinweis nach dem anderen über die seltsamen Todesumstände des Pfarrers nach.
Was an dem Roman beeindruckt, ist weniger die Mordgeschichte - die bewegt sich in konventionellen Bahnen - sondern die Schilderung der Zeit, der Atmosphäre in der Mitte der sechziger. Wo es noch ganz strenge Moralvorstellungen gab - und von Gleichberechtigung und Emanzipation nicht die Spur. Entsprechend groß sind die Vorbehalte, mit gegen die die neue Frau Pastorin in der Gemeinde anzukämpfen hat.
Dass gerade diese Schilderungen der Autorin so gut gelungen sind, liegt daran, dass sie selbst  Theologin ist und als Pfarrerin in Dortmund arbeitet.
Ein gelungenes Zeitbild, ein spannender Mordfall, eine interessante Heldin: "Kohlenstaub" von Anne-Kathrin Koppetsch ist beste Regionalkrimi-Unterhaltung aus dem Ruhrgebiet.
Reinhard JahnWDR5 Mordsberatung

Anne-Kathrin Koppetsch
Kohlenstaub
Emons Verlag

12.9.12

Kai Hensel:
Das Perseus Protokoll

Literarischer Polit-Thriller mit vielen eindrucksvollen Schilderungen aus dem heutigen Griechenland.

Maria Brecht macht Urlaub in Griechenland. bei einem Fahrradausflug auf Kreta trifft sie einen geheimnisvollen Mann mit einem Wagen, aus dessen Kofferraum Blut tropf. Maria flieht, der Mann folgt ihr, sie kann gerade noch entkommen.
Zurück in Athen  wird ihr klar, dass sie auf Kreta in eine Komplott hieingeraten ist, das sie nicht durchschaut, aber das das die Stabilität des ganzen Staates, wenn nicht sogar Eurpas gefährdet.
Es geht um einen Staatsstreich, wie wir - und Maria - langsam herausfinden. Ein Killer ist in der Stadt - der Mann mit dem Auto aus Kreta - und es wird ein großes Attentat geben, das konservative Kräfte nutzen wollen, um die MAcht im Staat an sich zu reißen. Und Maria soll den Sündenbock für das Attentat abgeben.

Literarischer Polit-Thriller mit vielen eindrucksvollen Schilderungen aus dem heutigen Griechenland. Kai Hensel beschreibt, auf welchem Boden eine Staatsstreich wächst, wie er sich langsam durch die Gesellschaft frisst und welche Parteien und Interessensgruppen sich nach und nach andchließend. Und wie am Ende der ganze Plan sich nur als ein Fragment eines größeren Planes entpuppt.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung


Kai Hensel:
Das Perseus Protokoll
Frankfurter Verlagsanstalt


Kai Hensel bei krimilexikon.de

11.9.12

Paul Collins
Der Mord des Jahrhunderts: Der Fall Guldensuppe

New York 1897 - aus dem Hudson wird ein männlicher Torso geborgen. Andere Teile der Leiche tauchen ebenfalls am Fluss auf. Die Polizei geht zuerst vom Scherz einiger Medzinstudenten aus.
Wer allerdings sofort auf den Fall einsteigt,ist die Presse - die Zeitungen New York. Allen voran die beiden Tabloid-Flagschifff - die World von John Pulitzer und das Journal von Randolph Hearst.
Die Namen der beiden wird später jeder kennen, der sich mit Publizistik befasst - in dieser Geschichte, einem dokumentarischen Roman, sind die am Beginn ihrer Karriere als Zeitungsmacher.
Wie sich die Reporter der Boulevardpresse in die Ermittlungen einmischen, wie sie sie vorantreiben, das hat Paul Collins offenbar akribisch recherchiert - denn wer die Anmerkungen Ende des Buches liegt, der findet viele Quellen und Nachweise.
 Die Reporter der beiden Sensationszeitungen belauern Zeugen, man setzt hohe Belohnungen aus - zeurst für die Identifizierung des Toten, später für die Ergreifung eines Mordverdächtigen.
Der Toten ist John Guldensuppe, ein deutscher Einwanderer, und in das Mileu der deutschen Einwanderer führen sie Spuren des Mordverdächtigen - eines deutschstämmigen Friseurs, der bald verhaftet und vor Gericht geetellt wird.
Der Roman liefert nicht nur eine spannende. Mordgeschichte, die Geschichte eines echten Falles, verbunden mit viel Atmospähre aus dem vorletzten Jahrhundert. Er erzählt auch von der Geburtsstunde des Boulevardjournalismus, indem er die Arbeit der Sensationsreporter der damaligen Zeit zeigt.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Paul Collins
Der Mord des Jahrhunderts: Der Fall Guldensuppe
Irisiana

9.9.12

Stephan Ludwig:
Zorn - Regen und Tod


Ein Serienmörder - wieder einmal treibt sein Unwesen in einer ostdeutschen Stadt - nehmen wir einmal an, dass es Halle ist, denn von hier stammt der Autor dieses Krimi-Debüts. Stephan Ludwig kommt aus der Rundfunk-Unterhaltung, bzw Radio-Comedy und entsprechend düster, aber auch dialogstark ist sein Held. Auftritt Kriminalkommissar Claudius Zorn von der Kipo Halle.
Endlich mal ein Bulle in einem deutschen Krimi, der so gegen denStrich gebürstet ist, dass es sich lohnt, sich näher mit ihm zu befassen. Zorn ist eine Mischung aus Rauhbein Schimanski und Büro-Diktator Stromberg. Unsolide in seinem Privatleben und unangepasst im Dienst. Da schikaniert er ein bisschen seinen Kollegen, den dicken Schröder und halst ihm die "Besorg mir alles über.."-Dreckarbeit auf, während er selber fünfe gerade sein lässt.
Ach, der Fall um den es geht: Ein Serienmörder, wie gesagt, bezeiehunsgweise erst einmal stark vermutet, weil man nur in einem der üblichen Serienmördergelasse eine Menge Blut gefundne hat. Und als ob das nicht reichte, gibt es zum Doppelplot noch einen scheinbaren Sebstmord einer Vorstadt-Ehefrau, deren Gatte sich sehr selstam verhält.
Die beiden Fälle selbst sind – wie gesagt – TATORT-tauglich, was das Buch so ungewöhnlich gut macht, ist die liebe Charaktersierung des nonchalanten Charakterkopfes Claudius Zorn.
Beste politisch unkorrekte Krimiunterhaltung. Claudius Zorn ist der neue Schimanski -  große Klappe, weicher Kern.
Reinhard Jahn    WDR5 Mordsberatung

Stephan Ludwig:
Zorn - Regen und Tod
Fischer TB

30.8.12

Ursula Sternberg: Innenhafen



Ein neuer Fall für Tony Blauvogel - die "Privatdetektivin in der Nachbarschaftshilfe Essen-Süd", wie es auf ihrer Visitenkarte heißt. Es geht - nachdem sie in "Nachtexpress" eine verschwundene Jugendliche in Essen ausfindig gemacht hat - diesmal um die Spekulations- und Korruptionsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Duisburger Innenhafen. Zu dem Fall kommt Toni Blauvogel wieder einmal auf Umwegen. Ihr alter Schulfreund Karl-Olaf Türauf  ist bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommen - verbrannt im Feuerball des Tanklasters, auf den er aufgefahren ist.

Seine erwachsene Tochter möchte Klarheit über ihren Vater - und was Toni Blauvogel bei ihrer Spurensuche entdeckt. gibt Anlass zur Sorge: Woher hatte Karl-Olaf plötzlich das Geld, um sich für eine teure Eigentumswohnung im Duisburger Innenhafen zu interessieren? Was hat ein kleiner Sachbearbeiter bei der RuhrCity-Bank mit der Finanzierung der beiden Großprojekte LogPort 1 und LogPort2 am Innenhafen zu tun, bei denen offenbar Millionen über Millionen an EU-Subventionen und öffentlichen Mitteln an Scheinfirmen in Osteuropa abfließen?

Das klingt jetzt zwar nach trockenem Wirtschaftskrimi - ist aber in Wahrheit eine kraftvolle, lebensnahe Geschichte aus dem Leben mitten im Ruhrgebiet, denn diese Toni Blauvogel ist eine wunderbar geerdete Figur - die inzwischen im vierten Roman jetzt zusammen mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Katze lebt - irgendwo in essen Holsterhausen. In "Innenhafen" wird sie mit den Erinnerungen an ihre Schul- und Jugendzeit erinnert, aus der sie Karl-Olaf kennt - und wo sie die Ermittlungen jetzt auch wieder mit ihrem alten Schwarm zusammenbringen, in den sie immer  noch heftig verschossen ist.

Rundum gelungen, eine menschlich sympathische Heldin und eine story-mäßig gut ausgedachte Kriminalgeschichte mitten aus dem Leben und dem Ruhrgebiet.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung

Ursula Sternberg
Innenhafen
Emons


29.8.12

eBooks: Rattensommer von Karr und Wehner

eBooks: Rattensommer von Karr und Wehner

Iain Levison: Hoffnung ist Gift


Jemand musste ihn verleumdet haben ... Kafka lässt grüßen, wenn es Taxifahrer Jeff Sutton aus Dallas erwischt. Erste Erkenntnis, nachdem er eine Lady vom Flughafen ins Schicki-Viertel gefahren und im Haus aufs Geld gewartet hat: Fass keinen fremden Fenster an.
Zweite Erkenntnis, nachdem er dann in der Nacht seine Kutsche dampfgestrahlt hat, um die K** von zwei besoffenen Teenies wegzumachen: Geh nicht mit dem Dampfreiniger durch den Wagen, nachdem du fremde Fenster angefasst hat.

Denn schon zwei Tage drauf steht die Polizei vor seiner Tür - "Dürfen wir mal rein? - Wo gehts zum Schlafzimmer? Ist das das Bad?" - und Jeff sitzt von einer Sekunde zur anderem im Gewahrsam ein paar Bullen gegenüber, die wissen wollen, wo er das gekidnappte Mädchen versteckt hat.
Jeff hat keine Ahnung, um was für ein Mädchen es geht, und er denkt sich: jetzt kommt das good cop-bad-cop-Spiel.
Dritte Erkenntnis: Es gibt keine guten Cops.
Deshalb sitzt Jeff dann auch plötzlich mir nichts dir nichts als Untersuchungshäftling im Todestrakt. Nur zu seiner Sicherheit - "Denn dir Normalos mögen Kerle nicht, die kleinen Mädchen was getan haben!"

Aber dass er das Mädchen weder gekidnappt, noch missbraucht noch umgebracht noch versteckt hat, das wird sich sicher bald herausstellen, denkt sich Jeff und sagt: "Ich will einen Anwalt!".
Vierte Erkenntnis: Es gibt keine guten Anwälte und das Leben ist kein Grisham-Roman. Deshalb gibt auch keine großen Courtroom-Duelle sondern einen glatten Prozess mit einem glasklaren "schuldig" der Geschworenen.

Doch damit ist Jeff Suttons Geschichte, die Ian Levison durch das Ich seiner Hauptfigur erzählt, noch längst nicht zu Ende. Denn ist das Leben noch so schwer - kommt von irgendwo noch eine weitere Anwaltratte daher....

"Hoffnung ist Gift" kommt mit seiner Geschichte, jedem Kapitel und jedem Satz sofort zur Sache, geht sofort ins Stammhirn, packt mit er schnörkellosen Erzählung Jeff Suttons. Dass unser Held nicht gerade die hellste Laterne in Gottes Garten ist, macht die Sache dabei um so spannender.
So stoisch wie Jeff, reagiert, wenn er gerade wieder mal ein Stück tiefer in die Scheiße gerutscht ist, wie naiv er im mit den Psychopathen im Knast umgeht - "Ich heiße Robert. Sag immer Robert zu mir. Lass dir nicht einfallen, mich Bob zu nennen. Dann werde ich dich töten. Genau wie die anderen!" - all das nimmt einen als Leser sofort für ihn ein. Man hofft mit und für ihn, dass doch noch alles ein gutes Ende nehmen möge, dass von irgendwoher ein Zeuge auftaucht, der ihn rausreißt oder sonst ein Deux ex machina, mit dem konventionellere Krimikünstler gern und schnell zur Hand sind.
Doch nichts da: Selbst als alles gut zu werden scheint und Jeff als freier Mann aus dem Gerichtssaal marschiert, ist das eine bittere Pointe einer an sich schon ganz schön bitteren Geschichte.
Zentraler Satz: "Ist er das?" - "Das ist er!"
Fazit: Grauenhaft gut geschriebener neo-noir.

Iain Levison:
Hoffnung ist Gift,
Deuticke

27.8.12

Zoran Drvenkar
Du bist zu schnell


Val erwacht in einer geschlossenen Anstalt. Nichts ist mehr wie zuvor. Sie hat Dinge gesehen, die sie nicht hätte sehen dürfen. Eine Welt, verborgen in unserer. Die Welt der Schnellen. Val stellt Nachforschungen an, denn sie glaubt, den Schnellen auf die Spur zu kommen. Bis mit Blut auf ihrem Spiegel steht: "Wo bist du gewesen?!"

Das Leben ist spannend - Aber auch ziemlich gefährlich

Eine Wahnsinnsfahrt nach Berlin: Marek hat seine Freundin Valerie - Val - auf dem Rücksitz, es ist Nacht, und es ist etwas geschehen. Was - das ist nicht so leicht zu sagen. Hat es etwas mit den Pillen zu tun, die Val seit langem heimlich genommen hat? Konsequent und spannend nähert sich der Roman seinem ersten Höhepunkt, bei dem wir erfahren, dass Marek und Val fliehen, weil es eine Tote gegeben hat. Sie liegt in Vals Wohnung, und Marek hat Val neben ihr entdeckt. Die Schlußfolgerung liegt nahe: Val hat eine schreckliche Dummheit gemacht.

Doch nichts ist so, wie es zunächst scheint in diesem Buch - wie wechseln die Perspektive und erfahren alles von Val: Von ihrer Jugend mit Drogen und der Clique, den psychotischen Schüben unter denen sie leidet, den Pillen, die sich beschafft, um die zu bekämpfen.
Und schließlich erfahren wir auch, wer die Tote in Vals Wohnung ist - ihre alte Freundin Jenni. Doch was hat Val mit ihrem Tod zu tun? Noch ist es nicht in der Zeit, das Geheimnis aufzulösen, das Marek und Val in dieser Nacht aneinanderkettet. Und was "die Schnellen" für eine Rolle dabei spielen, von denen Val sich verfolgt und bedroht fühlt. Einbildung eines Psychotikerin? Reale Bedrohung?

"Du bist zu schnell" ist wirklich schnell. Rasant erzählt und von einer bestechenden Stilsicherheit: knallbunte Effekte im perfekten Gleichgewicht mit einfühlsamen, nachfühlenden Annährungen an die Personen. Der Roman sagt uns etwas über die Menschen, mit denen wir zusammenleben. Und damit auch etwas über uns und die Welt, in der wir leben.

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Krizevci, Jugoslawien geboren. Als er drei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern nach Berlin, wo er seine Kindheit im typischen Gastarbeitermilieu verbrachte. Er begann seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aufzuzeichnen und arbeitet seit 1990 als freier Schriftsteller. Für seine Romane, Gedichte und Kurzgeschichten erhielt er mehrere Literaturstipendien und wurde bereits mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet. Zoran Drvenkar lebt heute in Potsdam.

Zoran Drvenkar
Du bist zu schnell
Klett-Cotta 2003

24.8.12

Gisbert Haefs: Mord am Millionenhügel

Er ist dick, er ist verfressen, er ist ein Klugscheißer und er trägt schreiend gelbe Morgenmäntel. Sein Name ist Matzbach, Balthasar Matzbach, und er trat zum ersten Mal 1981 auf, in dem Roman MORD AM MILLIONENHÜGEL, mit dem Gisbert Haefs aus Bonn den ersten Preis in einem Krimi-Wettbewerb des Goldmann-Verlages gewonnen hatte. Bzw nicht nur gewonnen, sondern auch verdient: denn dieser Matzbach, der in Bonn - damals noch Sitz des Parlaments und auch bekannt als "Bundesdorf" - ist die deutsche Antwort auf alle Superdetektive von Sherlock Holmes bis Nero Wolfe - und zugleich auch deren Parodie.

Matzbach ist fett, faul und verfressen, hat schlechte Manieren aber er ist ein gottverdammtes Genie, was seine diversen Gegenspieler zur Raserei treibt. Kein noch so abseitiges Wissensgebiet, in dem der universal halbgebildete Matzbach nicht in brillant dilettiert.

Matzbach kam, wie es in seiner fiktiven Biographie heißt, im gleichen Jahr über die Welt wie der Zweite Weltkrieg. Später studierte er Philosophie und Kernphysik, erfand "irgendetwas für das Betatron", was ihm bis heute ein regelmäßiges Patent-Einkommen bringt. Außerdem komponierte er irgendwann einmal einen Gassenhauer, für den ihm die GEMA jedes Jahr Tantiemen überweist.

Seitdem praktiziert Matzbach als Universaldilettant, indem er im wesentlichen seinen Mitmenschen auf die Nerven geht: unberechenbar, besserwisserisch und mit drastischem Witz. Und nur aus Langeweile betreut er die Ratgeberspalte einer Frauenzeitschrift, wo er unter FRAGEN SIE FRAU GRISELDIS Lebensratschläge gibt.

Matzbachs erster Fall ist jetzt . zusammen mit seinen anderen Fällen, beim KBV-Verlag wieder neu aufgelegt worden:

Mord am Millionenhügel führt ins ins Bundesdorf Bonn in den Achtzigern, wo Balthasar Matzbach eines Morgens nach einer ausgedehnten - einer sehr ausgedehnten - Zechtour durch die Bonner Altstadt - in seinem Badezimmer eine fremde Zahnbürste findet.
Nun gut, das kann passieren.
Normale Menschen gehen über so etwas hinweg.
Nicht so Matzbach.
Er versucht zu rekonstruieren, woher die Zahnbürste stammt und kommt dabei einem unauffälligen Mann auf die Spur, der die de Bürste möglicherweise hinterlassen haben könnte.
Doch... der Mann ist verschwunden.
Weg.

Was Matzbach nur zu weiteren, intensiveren Recherchen animiert, zu denen er seinen gesamten Freundeskreis einspannt: den Reporter Moritz, den Schriftsteller Henry und den Arzt mit dem seltsamen Namen Römertopf.

Alle Spuren führen unsere ermittelnden Freunde schon bald zum Millionenhügel, einer Ecke in Bonn, wo in ein paar nachbarlichen Häusern eine paar besser situierte Menschen leben, die offenbar durch ein großes Geheimnis miteinander verbunden sind...
Die Neuausgabe des ersten Matzbach-Abenteuers: Für die Matzbach-Fans der ein Muss und für die, die Matzbach-Fans werden wollen sowieso.

Reinhard Jahn

Gisbert Haefs
Mord am Millionenhügel

Neuausgaben bei KBV

22.8.12

Factsheet TMB Krimi hinter Gittern Teil 3

Die telefonische Mord(s)beratung

Knastbrüder - Krimi hinter Gittern 
Moderation: Thomas Hackenberg
Wenn der Täter gefasst und das Urteil gesprochen ist, dann beginnt die Strafe. Der Täter geht in den Knast, er fährt ein, er wandert hinter Gitter. Es gibt Krimi-Autoren, die ihre Thriller hinter Gittern ansiedeln, aber es gibt auch immer wieder Gefangene, die erst während ihrer Strafe zum Schreiben kommen und seither Krimis veröffentlichen. Die Krimiexperten Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv), Ulrich Noller (WDR) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch stellen die außergewöhnlichsten Knast-Krimis vor.
Hörerinnen und Hörer können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800- 5678 555 an der Sendung beteiligen.
Redaktion: Petra Brandl-Kirsch
Termin: 25.08.2012, 21:00 Uhr
Ort: Burg Nideggen Kirchgasse 10 52385 Nideggen
Der Eintritt ist frei. Wichtig: Kostenlose Sitzplatzreservierung für die Mord(s)beratung erforderlich.
Anmeldung unter Burgenmuseum 02427-6340 und Servicezentrale des Kreises Düren 02421-2220

Teil 1:
Klassische und legendäre Gefängnisse

Teil 2
Knast-Autoren, Schriftsteller hinter Gittern

Teil 3
Knastfilme und Knastromane

Die Mutter aller modernen Knast-Romane:
Papillon
von Henri Charrière
Henri "Papillon" Charrière (1906 - 1973) war wegen Totschlags zur lebenslänglicher Verbannung (und Zwangsarbeit) im "Bagno" (=Strafanstalt) in Französisch-Guayana verurteilt worden. Er versuchte immer wieder zu fliehen. Er saß von 1932 bis 1945 ein und veröffentlichte 1970 mit PAPILLON seine angeblichen Roman-Memoiren über seine Zeit als Gefangener. Die Authentizität der Geschichte wurde an einigen Stellen bezweifelt, die Roman-Story wurde für den Hollywoodfilm "Papillon" (1973) mit Steve McQueen und Dustin Hoffmann nochmals gestrafft und verändert.
Der titelgebende "Papillon" = Schmetterling ist eine Tätowierung auf Charrières Brust als Smybol seines Freiheitsdranges.




Die Mutter aller Knast-Filme:
Der Gefangene von Alcratraz (Birdman of Alcatraz)
aus dem  Jahr 1962: John Frankenheimer verfilmte die Geschichte von Robert Stroud, der wegen Totschlag verurteilt wurde und in seiner 50jährigen Haftzeit auf dem legendären "Rock", der Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco zum Experten in Vogelkunde wurde.
Burt Lancaster wurde für die Rolle für den Oscar nominiert.





Der Unbeugsame
 (Cool Hand Luke)
ist ein US-amerikanisches Gefängnisdrama aus dem Jahr 1967. Der Film erzählt die Geschichte eines von Paul Newman dargestellten Veteranen und seinen Anpassungsschwierigkeiten während einer Haftstrafe.




Die Verurteilten
(The Shawshank Redemption)
von Frank Darabont ist ein Gefängnisdrama nach der  Novelle Rita Hayworth and Shawshank Redemption  von Stephen King. Der Film erzählt die Geschichte des zu lebenslanger Haft verurteilten Andy Dufresne (Tim Robbins)und dessen Freundschaft zu seinem Mithäftling Red (Morgan Freeman) erzählt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verurteilten



Brubaker
aus dem jahr 1980 von Stuart Rosenberg ist die Geschichte von Henry Brubaker (Robert Redford), der sich, als er zum Gefängnisdirektor von Wakefield ernannt wird, dort undercover als Gefangener einschleusen lässt. Er lernt während seiner "Haftzeit" alle Misssstände der Anstalt und des Vollzugssystem kennen und stellt sich bei einer ausbrechenden Revolte auf die Siete der Gefangenen.
 http://de.wikipedia.org/wiki/Brubaker

 


15.8.12

Factsheet TMB Krimi hinter Gittern Teil 2

Factsheet zur Sendung

Die telefonische Mord(s)beratung

Knastbrüder - Krimi hinter Gittern 
Moderation: Thomas Hackenberg
Wenn der Täter gefasst und das Urteil gesprochen ist, dann beginnt die Strafe. Der Täter geht in den Knast, er fährt ein, er wandert hinter Gitter. Es gibt Krimi-Autoren, die ihre Thriller hinter Gittern ansiedeln, aber es gibt auch immer wieder Gefangene, die erst während ihrer Strafe zum Schreiben kommen und seither Krimis veröffentlichen. Die Krimiexperten Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv), Ulrich Noller (WDR) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch stellen die außergewöhnlichsten Knast-Krimis vor.
Hörerinnen und Hörer können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800- 5678 555 an der Sendung beteiligen.

Redaktion: Petra Brandl-Kirsch

Termin: 25.08.2012, 21:00 Uhr

Ort: Burg Nideggen Kirchgasse 10 52385 Nideggen

Der Eintritt ist frei. Wichtig: Kostenlose Sitzplatzreservierung für die Mord(s)beratung erforderlich.
Anmeldung unter Burgenmuseum 02427-6340 und Servicezentrale des Kreises Düren 02421-2220

Teil 1: Klassische und legendäre Gefängnisse

Teil 2: Knast-Autoren, Schriftsteller hinter Gittern

Teil 3:  Knastromane und Knastfilme


Edward Bunker (1933 bis 2005) hatte mehere Male wegen Gewalttaten in San Quentin und anderen Anstalten eingesessen und während der Haft mit dem Schreiben begonnnen.
Sein erster Roman "No Beast So Fierce" ("Wilder als ein Tier") erschien 1973 und spiegelt, wie viele seiner anderen Bücher, seine Gefängniserfahrungen wieder.
Er arbeitete - mit seinen "Spezialerfahrungen" als Drehbuchautor für Hollywoodfilmen und trat auch als Schauspieler - etwa in Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs" auf.



Textprobe:„Zuerst finden Sie einen Freund. Er macht keine Annäherungsversuche. Dann werden Sie von einem anderen, vielleicht einer Bande, unter Druck gesetzt. Sie wollen Ihnen Ärger machen, und Sie denken, dass es auf eine gewaltsame Auseinandersetzung hinausläuft. Zu uns können Sie nicht kommen, glauben Sie, also wenden Sie sich an Ihren Freund, und er kommt wie der Ritter in schimmernder Rüstung angeprescht … setzt sein Leben für Sie aufs Spiel, meinen Sie. Doch dann stellt er Sie vor die Wahl – Hosen runter, oder er liefert Sie der Bande aus … Wir haben eine Menge Tiere hier. Die fressen Sie bei lebendigem Leib auf."(„The Animal Factory", 1977. „Ort der Verdammnis", 1996)
http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Bunker
Edward Bunker bei NNDP: http://www.nndb.com/people/875/000066677/


Bild: Wikipedia
Peter Zingler, Jahrgang 1944, saß wegen verschiedener Einbrüche ein. Im Gefängnis begann er zu schreiben  - zuerst waren es Stories, die er bei Männermagazinen wie dme Playboy und dem Penthouse unterbringen konnte. Später schickte er einen Drehbuchentwurf für EIN FALL FÜR ZWEI an Günter Strack und kam durch ihn in Kontakt mit dem Produzenten der Serie, dem bekannten Krimiautor Karlheinz Willschrei. Bald lieferte Zingler seine ersten Drehbücher und wurde nach seiner Entlassung zu einem gut beschäftigen Autor für TATORT und andere Serien. Anfang legte er Wert darauf, in "seinen" Tatort-Filmen auch immer als Kleindarsteller mit einer Rolle aufzutreten.

Später produzierte Zingler 1999 den - natürlich - Knastfilm "Alles nur Tarnung" mit einer prominenten Besetzung nach einem eigenen Drehbuch und unter seiner Regie.


 
Henry Jaeger (1927 - 2000) schaffte es - verkürzt gesagt, nach dem Krieg nicht, im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen und wurde wegen verschiedener Raubüberfälle (mit einer eigenen Bande) 1956 zu 12 Jahren verurteilt.
In der Haft schrieb er "Die Festung", einen Gefängnisroman, der erfolgreich vom Fernsehen verfilmt wurde. Die Literaturszene war durch den Roman auf ihn aufmerksam geworden und es gelang, Jeager 1963 mit einem Gnadenerlass aus dem Gefängnis zu hollen. Er absolvierte dann eine Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau.
Er schrieb Kriminalstories und zeitkritische Romane (teilweise mit Krimi-Handlung). Bei der Kritik konnte er freilich nie wieder den Erfolg und die Anerkennung erzielen, die er mit seinem Erstling erreicht hatte.

http://www.krimilexikon.de/jaeger.htm
http://www.ticinarte.ch/index.php/jaeger-henry.html


Jack "the Ripper" Unterweger (1950 - 1994) war ein österreichischer Mörder und Autor. Unterweger wurde 1973 wegen eines Frauenmordes zu lebenslänglich verurteilt und begann in der Haft zu schreiben. Mit seinem Buch "Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus" erregte er als "Knastpoet" die Aufmerksamkeit der österreichischen Literaturszene (und der Schickeria). 1990 wurde er nach 16 Jahren auch aufgrund einer Petition prominenter Autor bedingt entlassen - und galt als Paradebeispiel gelungener Resozialisierung. Sechs Monate nach seiner Entlassung begann eine Serie von Prostituiertenmorden in Österreich, Tschechien und den USA, wegen der Jack Unterweger 1992 in Los Angeles verhaftet wurde. Unterweger bestritt trotz klarer forensischer Beweise die Taten und wurde 1994 wegen neunfachen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Er erhängte sich nach dem Urteil in seiner Zelle. Nach österreichischem Recht ist des zweite Urteil nicht rechtskräftig und Unterweger muss wegen der angeklagten neun Morde als unschuldig gelten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Unterweger



Burkhard Driest (*1939) war Deutschlands bekanntester Bankräuber - aber nicht wegen des Bankraubes, sondern weil ihn Romy Schneider in einer Talkshow so sehr anmachte, dass die Luft brannte. ("Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sehr!")
Driest hatte Jura studierte und 1965, ein paar Tage vor seinem Examen, eine Bank bei Hannover überfallen. Er wurde verhaftet und zu fünf Jahren verurteilt. Er saß in der JVA Celle ein (später bekannt geworden durch das "Celler Loch") und wurde nach etwas mehr als drei Jahren 1968 vorzeitig wegen guter Führung entlassen.
 Seine Knast-Erfahrungen verarbeitete er ind em Roman "Die Verrohung des Franz Blum", der 1972 erschien und 1974 verfilmt wurde. Driest spielte dort selbst mit - freilich als "böser" Gegenpart des Helden Franz Blum, der von Jürgen Prochnow gegeben wurde.

"Die Verrohung..." schildert die "Knast-Karriere" eines an sich harmlosen, intelligenten, aber schwachen Bankräubers, der sich in der harten, bösartigen Knast-Hierarchie durchsetzt.
Driest arbeitet bis heute als Drehbuchautor, Schauspieler und aktuell auch wieder als Romanautor. Er schrieb eine Krimis um "Kommissar Costa" auf Ibiza.
"Der rote Regen" / "Sommernachtsmord" / "Liebestod"
 Das Leben des Burkhard Driest / Biographische Webseite





Siegfried W. Dennery, der "Räuber mit der sanften Hand", (*1954) übernahm nach dem Tod seines Vaters 1969 dessen Versicherungsagentur, später führte er einige Nachtlokale.
Zur  - nach eigenen Angaben -  Behandlung seines Asthmas wanderte er in die Karibik nach St. Lucia aus und finanzierte sein Leben und das seiner Familie dort mit Banküberfällen, zu denen er jeweils eigens nach Deutschland einreiste. Gemeinsam mit einem Komplizen erbeutete er dabei mehr als 1,2 Millionen Mark und wurde wegen seiner Vorgehensweise "Das Phantom" genannt.
1983 wurde er nach einem Überfall gefasst zu 14 Jahren verurteilt. In der Haft studierte er Literaturwissenschaft und schrieb einen auf seiner Geschichte basierenden Kriminalroman, der 1995, zwei Jahre nach seiner Entlassung aus der Haft veröffentlicht wurde und die Vorlage zu dem dreiteiligen Fernsehfilm "Der Räuber mit der sanften Hand" bildete, in dem Dennerys Part von Hannes Jaenicke gespielt wurde.
2007 wurde Dennery erneut wegen verschiedene Banküberfälle verhaftet und zu 18 Jahren Haft verurteilt.

13.8.12

Factsheet TMB Krimi hinter Gittern Teil 1

Factsheet zur Sendung

Die telefonische Mord(s)beratung

Knastbrüder - Krimi hinter GitternModeration: Thomas Hackenberg
Wenn der Täter gefasst und das Urteil gesprochen ist, dann beginnt die Strafe. Der Täter geht in den Knast, er fährt ein, er wandert hinter Gitter. Es gibt Krimi-Autoren, die ihre Thriller hinter Gittern ansiedeln, aber es gibt auch immer wieder Gefangene, die erst während ihrer Strafe zum Schreiben kommen und seither Krimis veröffentlichen. Die Krimiexperten Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv), Ulrich Noller (WDR) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch stellen die außergewöhnlichsten Knast-Krimis vor.
Hörerinnen und Hörer können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800- 5678 555 an der Sendung beteiligen.

Redaktion: Petra Brandl-Kirsch

Termin: 25.08.2012, 21:00 Uhr

Ort: Burg NideggenKirchgasse 10 52385 Nideggen

Der Eintritt ist frei. Wichtig: Kostenlose Sitzplatzreservierung für die Mord(s)beratung erforderlich.
Anmeldung unter Burgenmuseum 02427-6340 und Servicezentrale des Kreises Düren 02421-2220


Erst mal die Realität:
Berühmte Gefängnisse

ALCATRAZ:
Eine Insel in der Bucht von San Francisco, die in den dreißiger Jahren (1934) zum Hochsicherheitsgefängnis umgebaut wurde, das bis 1963 in Betrieb war. Belegung: etwa 250 Gefangene.
Wegen er Strömungen im umgebenden Meer galt "The Rock" als ausbruchssicher und offiziell gelang auch keinem der Gefangenen die Flucht.
Einen spektakulären Fluchtversuch wagten drei Gefangene 1963: sie kratzten mit ihren Stahlbestecken den Mörtel aus den Wänden, schufen eine Fluchtöffnung und versuchten mit einem Schlauchboot, das sie aus Regenmänteln und Klebstoff gebaut hatten, zu entkommen. Es wird vermutet, dass sie dabei umgekommen sind.
Diese Flucht liefert die Vorlage zu dem Film "Die Flucht von Alcatraz" (1979) von Don Siegel, mit Clint Eastwood in der Hauptrolle.
Die einzige wirklich dokumentierte "Flucht" von Alcatraz gelang 1987 dem Zauberer David Copperfield, der sich für einen  Showact in eine der Zellen einsperren ließ und daraus verschwand.

Für "The Rock – Fels der Entscheidung" einem Jerry Bruckheimer-Blockbuster aus dem Jahr 1996 lieferte Alcaratz die Showdown-Kulisse für einen Action-Thriller mit Nicolas Cage und Sean Connery.


 RIKERS ISLAND
ist eine Gefängnisinsel im East River vor New York mit dem größten Gefängniskomplex der Welt mit insgesamt zehn verschiedenen Gefängnissen und dazugehörigen Krankenhäusern oder Versorgungseinrichtungen. Belegung insgesamt mit 17000 Gefangenen


"Legendäre" deutsche Haftanstalten:

"Santa Fu" in Hamburg: JVA Fuhlsbüttel, reine Männeranstalt, Strafvollzug und Sicherungsverwahrung. Entstanden aus dem "Centralgefängnis", das Ende des 19 Jh erbaut wurde. Der Name entstand aus der verwaltungsmäßigen Abkürzung "St Fu" für "Strafvollzugsanstalt Fulsbüttel". Seit 2006 stellen die Gefangenen Waren unter der Marke "Santa Fu" her. Die Erlöse gehen an den Weißen Ring, eine Oopferhilfsorganistaion.
Gefangenenzeitschrift: Blickpunkt. Mit eigener Webseite


"Klingelpütz" in Köln, das ehemalige Gefängnis am Gereonswall, der Name ist eine kölsche Prägung aus dem Namen der Grundbesitzer Clingelmann und den Brunnen auf dem Gelände ("Pütz"),"dä Klingelmannspöötz" wurde zum Straßennamen und zur Adresse des Gefängnisses, das in verschiedenen Formen dort von 1833 bis 1969 existierte. Im Dritten Reich dar die Anstalt die zentrale Hinrichtungsstätte für die Sondergerichte des Rheinlandes, mehr als 1000 Hinrichtungen sollen dort vorgenommen worden sein.
Heutiger "Klingelpütz" in Köln ist die "JVA Köln" in Ossendorf mit knapp 900 Plätzen für Männer und knapp 300 Plätzen für Frauen.- In Betrieb ist die Anstalt seit 1969. Prominente Insassen waren Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Günter Guillaume und Pleite-Bankier Ivan Herstatt.


"Krawehle" in Essen, offiziell "JVA Essen": Untersuchungs- und Vollzugsanstalt in Essen, an der Krawehlstraße in räumlicher Nähe zu Amts- und Landgericht. Belegung  rund 500 Gefangene, davon 60 Prozent im Strafvollzug. Namensgebung nach der Adresse Krawehlstraße. Ernst Krawehl: Essener Verleger und Geschäftsmann.
Die Anstalt hat eine recht informative Webseite: www.jva-essen.nrw.de
Die JVAs NRW bieten die Waren, die von Gefangenen hergestellt werden, im www.knastladen.de übers Internet an: Büromöbel, Dekoartikel, Bekleidung u.v.m.

"Krümmede" in Bochum,
offiziell "JVA Bochum", Ende des 19 Jh als "Königlich Preußisches Centralgefängnis" errichtet, Belegung knapp 900 Gefangene, Benennung nach der Straßenadresse "An der Krümmede". Zuständig als Abschiebehaftanstalt und Strafhaft Erstvollzug und Strafhaft bis zwei Jahren.

Stuttgart "Stammheim",
offiziell "JVA Stuttgart", die zweitgrößte JVA in Baden-Württemberg, Belegung knapp 900 Gefangene, erlangte während der RAF-Prozesse bundesweite Berühmtheit, für die 1975 eigens neben der Anstalt ein Justizgebäude errichtet wurde. Die später verurteilten RAF-Gefangenen saßen in Stammheim unter besonderen Bedingungen ein. Sie sollten 1977 von einem Terrorkommando, das eine Lufthansa-Maschine gekidnappt hatte, freigepresst werden. Als die Geiseln durch einen GSG9-Einsatz in Mogadischu befreit wurden, begingen drei RAF-Gefangene (Andreas Baader, Jan Carl Raspe und Gudrun Ensslin) in der Haft Selbstmord.
"Stammheim" ist auch dokumentarischer Spielfilm von Reinhard Hauff auf dem Jahr 1986 über die RAF-Prozesse.


"Lübecker Hof" in Dortmund, offiziell, JVA Dortmund an der Lübecker Straße in der Nähe von Amts- und Landgericht. Erbaut Anfang des 20, Jh, zunächst als Untersuchungshaftanstalt, später erweitert zur Vollzugsanstalt. Kapazität: knapp 500 Gefangene, davon 60 Prozent im Vollzug, 40 Prozent in U-Haft.

Die "Plötze", offizielle "JVA Plötzensee" in Berlin, teilweise auf dem Gelände des "Strafgefängnis Plötzensee" , das in der zweiten Hälfte des 19 Jh erbaut wurde. Geschlossener und offener Männervollzug.  In der Zeit des Nationalsozialismus war die Plötze "zentrale Hinrichtungsstätte", mehr als 3000 Hinrichtungen sollen hier vorgenommen worden sein.

"Sankt Adelheim", offiziell "JVA München" an der Stadelheimer Straße. Auch einfach "Stadelheim" genannt. "Sankt Adelheim" bezieht sich auf die ironsich Schreibung der Adresse als "St. Adelheim", was "Sankt Adelheim" ausgesprochen wird - mit Betonung auf "Adel". Männergefängnis, Jugendgefängnis, Frauenabteilung, Kapazität zwischen 14000 und 2100 Gefangenen. Erbaut Ende des 19. Jh.

Der "Hohenasperg" bei Ludwigsburg in Baden-Württemberg ist eine alte Festung, die seit dem 18. Jh als Gefängnis, oft für politische Gefangene, benutzt wurde. Seit 1968 befindet sich hier ein Vollzugskrankenhaus, und es heißt: "Der Hohenasperg ist der höchste Berg Deutschlands, es dauert ewig bis man wieder herunter ist." 

Danke für die weiteren Infos und Tipps an:
Michaela Pelz, Regula Venske, Jörg Wittler, Georg Simader, Sabine Thomas