30.1.18

Willkommen zur CRIMINALE Essen 2000


Willkommen zur CRIMINALE ESSEN

Eröffnungsvortrag zur Criminale 2000 in Essen
gehalten von H.P. Karr und Walter Wehner
am .. ..  2000 in der VHS Essen

KARR:
Sehr geehrte Damen und Herren -
wir begrüßen Sie ganz herzlich zur Eröffnungsveranstaltung der CRIMINALE 2000 in Essen. Wie Sie vielleicht wissen, haben sich die deutschsprachigen Kriminalschriftsteller in einer Autorengruppe, die sich DAS SYNDIKAT nennt, zusammengeschlossen und tingeln einmal im Jahr mit ihrem Vereinstreffen - der CRIMINALE - durchs Land, um auf Lesungen und bei Diskussionen mit ihren Fans, Lesern und afficionados zusammenzutreffen...

WEHNER:
...und natürlich, um abend beim Bier und anderen inspirierenden Getränken den neuesten Klatsch und Tratsch aus der deutschsprachigen Krimi-Szene auszutauschen, private Freundschaften und kleinere Fehden zu pflegen, um neue Coups auszutüfteln, sich über verbrecherisch niedrige Buchhonorare aufzuregen und die anwesenden Krimi-Lektoren scharfen Verhören über ihre neue Programmplanung zu unterziehen...

KARR:
...also um - kurz gesagt - für knapp eine Woche BIG BROTHER in Sachen Krimi zu spielen. Diesmal in Essen dabei: 80 Krimischreiber unter ständiger Publikumsbeobachtung. Legendär jeweils der Höhepunkt einer jeden CRIMINALE: Der große TANGO CRIMINALE - diesmal am 3. Juno im Europa-Haus - mit der Verleihung des GLAUSER-Autorenpreises deutschsprachige Kriminalliteratur für den kriminell besten Kriminalroman des vergangenen Jahres....
 

WEHNER:
...zehntausend Mark in kleinen, nicht fortlaufend nummerierten Scheinen, übergeben in einem - nein nicht schwarzen - sondern orangefarbenen Koffer, der vor einigen Jahren von einem Spender, dessen Namen wir kennen, aber nicht nennen werden, dem SYNDIKAT übereignet wurde. ...

KARR:
Ein großes Krimifest mit festlicher Glauser-Preis-Verleihung also, diesmal in Essen. Zentrum der kriminellen Organisation hier vor Ort: Die Volkshochschule und die Essen Marketing-Gesellschaft. Von hier aus wurden Sponsoren Angebote gemacht, denen sie nicht widerstehen konnten, wurden Fäden gezogen, alte Connections aktiviert und neue Kontakte geknüpft... bis alles fertig war: sowohl die Organisatoren als auch der Veranstaltungsplan.
Soweit die gute Nachricht.
Jetzt die schlechte:

WEHNER:
Es gibt Probleme. Die CRIMINALE und die Verleihung des Glauser-Preises stehen auf der Kippe. Denn gerade als alles fertig war, traf ein Brief aus der Schweiz ein:


Werte Herren,
wie mir zu Ohren gekommen ist, erlaubt sich ihre seltsame Gruppierung mit dem Namen DAS SYNDIKAT diesjährig in einer Stadt, deren Name "Essen" zu sein scheint, einen Literaturpreis mit meinem Namen zu vergeben.
Ich frage Sie, werte Herren, mit welcher Berechtigung dieses mysteriöse SYNDIKAT und diese noch mysteriösere Gemeinde Essen sich erdreistet, meinen Namen zu benutzen?
Ich verlange unverzüglichst Aufklärung über Ihre Motive, sich meines guten Namens zu bemächtigen, sowie über exakte Information über dieses "Essen".
Bis zur Klärung all dieser Umstände untersage ich Ihnen aufs strengste, meinen guten Namen mit ihren kriminellen Machenschaften in Zusammenhang zu bringen.
Ihr - Friedrich Glauser.
 

Nachsatz:
Handelt es sich bei diesem ESSEN um jene Stadt, über die es bei meinem Kollegen Egon Erwin Kisch hieß, es sei "Das Nest des Kanonenkönigs"??

KARR:
Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, wie die Telefondrähte zwischen Volkshochschule, EMG und SYNDIKAT glühten. Kein Glauser, keine Criminale?
Während also...
...in der Stadtverwaltung umgehend eine Arbeitsgruppe auf Abteilungsleiterbasis ins Leben gerufen wurde, die ein Konzept eines vorläufigen Entwurfes für einen später vielleicht zu schreibenden Antwortbrief an Herrn Glauser erarbeiten sollte,

WEHNER:
-und während leitende EMG-Mitarbeiter sich bereits in einer konzertierten Aktion wegen des sich andeutende CRIMINALE-Debakels gesammelt bei der Pressestelle der EXPO 2000 in Hannover bewarben...

KARR:
Währenddessen also....
...riss das SYNDIKAT das Gesetz des Handelns an sich, besann sich auf das Motto "Wir sind die Autoren - der Glauser muss her!" und schrieben....

Lieber Kollege Glauser,
seien Sie versichert, dass die Absichten des SYNDIKATES und der Stadt Essen nur die allerbesten sind und Sie keine Befürchtungen haben sollten, dass Ihr Name in diesem Zusammenhang missbraucht wird. Vielmehr dürfen Sie die Tatsache, dass sich die deutschsprachigen Kriminalschriftsteller gerade Ihre Person als Namenspatron für ihre alljährliche Auszeichnung gewählt haben, auch als Würdigung Ihres literarischen Schaffens verstehen.
Gleiches, glauben wir, mit Berechtigung über die Stadt Essen sagen zu können, eine freundliche kleine Gemeinde im Westen Deutschlands, im sogenannten Ruhrgebiet, einer Region, die als Heimat des Ruhrgebiets- und Revier-Krimis geradezu prädestiniert ist, Schauplatz einer CRIMINALE und der Verleihung eines Glausers zu sein.
Wir, die SYNDIKATS-Autoren aus dem Revier, möchten Ihnen unsere Stadt ein wenig nahebringen - so, wie wir sie sehen und in unseren Krimis beschrieben haben. Begeben Sie sich also mit uns ins Ruhrgebiet und nähern Sie sich Essen einmal... sagen wir über die A 40....


WEHNER:
(Zitat Juretzka) Mach es nach: Geh am späten Nachmittag in, sagen wir Mülheim auf die A 40, mit dem festen Vorsatz, sagen wir, Gelsenkirchen erreichen zu wollen. Hab es eilig. Fahr dich so richtig schön fest. In, sagen wir, Essen. Hier verläuft die Bahn in einer Art Schlucht. Aus Beton. Das verleiht dem Ambiente den diesem faszinierenden Baustoff innewohnenden, fidelen Farbton. Hock also da in deiner Karre, in der Schlange, in der Schlucht aus Beton. Lass es - ja, genau -, lass es regnen. Nicht so richtig, ehrlich, pladdernd, nein, lass es nieseln, fisseln. Lass feuchtkalt-fiesen Fisselregen sich vom bleischweren Himmel herabsenken, wie es nur feuchtkalt-fieser Fisselregen kann. Mit all seiner fisselnden, feuchtkalten Fiesness.
Plötzlich, wirst du feststellen, ist alles Scheiße.
Und plötzlich war alles Scheiße.
Es gab kein Vor und kein Zurück, ich stand still in sinnlosem Leerlauf, es pisste nur so auf mich hinunter, und wann, wie und wohin die Reise weitergehen sollte, hing von Faktoren ab, die ausserhalb meines Einflusses standen.
Eine Allegorie des Lebens, Kristof, dachte ich.
Jörg Juretzka: Sense, Hamburg 2000, Rotbuch Krimi 1109, S. 57

KARR:
Gonzo hörte mit halbem Ohr die Unfallmeldung von der A 40 und gleich danach die Bitte um zwei Krankenwagen. Er sah auf die Uhr. Halb zehn. Mit etwas Glück kam er gut durch und konnte noch ein paar Bilder mitnehmen. Er schlüpfte in seine Klamotten, schnappte sich die Suzie und war fünf Minuten später unterwegs.
    Er fuhr die Gladbecker runter, bog hinter der Uni nach rechts ab, passierte den Berliner Platz und nahm die Frohnhauser hinaus nach Essen-West. Als er an der Hobeisenbrücke ankam, sah er schon das Flackern der Blaulichter in der tief abgesenkte Rinne der alten B 1. Die Fahrspur Richtung Innenstadt war gesperrt, und der Verkehr staute sich wahrscheinlich schon weit bis zur Stadtgrenze Mülheim. Unten rannten Feuerwehrleute und Notärzte herum, um die Verletzten aus den beiden PKW's zu versorgen, die wohl beim Überholen aneinandergeraten waren. Einer hatte sich überschlagen und lag ausgebrannt auf dem Dach. Weißer Löschschaum bedeckte das Wrack.
KARR & WEHNER: GEIERFRÜHLING, Haffmans-Verlag.

WEHNER:
Lassen Sie sich nicht täuschen, werter Herr Glauser, Essen ist in Wirklichkeit eine ruhige und besinnliche Stadt...
Als Logis empfehlen wir Ihnen das direkt in der Innenstadt gegenüber dem Hauptbahnhof gelegene Hotel...

KARR:
(Zitat Peter Schmidt) Das Hotel lag dem Bahnhof gegenüber, es war eines von der komfortablen alten Sorte: mit langen Gängen, roten Läufern und Erster-Klasse-Service. Die Zimmer waren geräumig und besaßen hohe, getäfelte Türen. Nur ihre Einrichtungen waren uralt, und die Wasserleitungen schlugen in den Wänden.
    Vom Fenster seines Zimmers aus blickte er auf Bahnsteige. Ein grauer Hochhausturm überragte alles und stieß in den blauen Himmel. Das Sturmtief vom Vortage war zur holländischen Grenze abgezogen.
Peter Schmidt: Mehnerts Fall, Ullstein-Verlag, Taschenbuch Nr. 10121 (1981)

WEHNER:
(Zitat Karr) Die ganze Stadt war ein Witz. Angeblich war sie die sechstgrößte in ganz Deutschland - mit Sicherheit aber die sechstlangweiligste. Die hielten hier tatsächlich die Hand voll Hochhäuser in der City für eine Skyline und waren stolz auf die paar hundert Meter plattierten Elends, das sie Fußgängerzone nannten. Am Südausgang des Bahnhofs hingen ein paar Gestalten herum, die versuchten, wie Junkies auszusehen, aber was da in einer Stunde an Stoff verdealt wurde, jagt man sich bei uns im Big Apple schon zum Frühstück in die Vene.
    Ich hatte Mister Weichei irgendwo bei Mülheim aus dem Wagen geschmissen, nachdem er mir die Fakten gegeben hatte, aber sein Angstschweiß hing immer noch in dem Mustang. Die Karre stand jetzt quer über drei Stellplätze auf dem Parkplatz des Hotels "Handelshof", in dem ich letzte Nacht den verpennten Nachtportier erstmal mit ein paar Klappsen auf den Hinterkopf auf Vordermann hatte bringen müssen, um ein Zimmer zu kriegen.
H.P. Karr: Das SYNDIKAT schlägt zurück, in : Bei Ankunft Mord, Gerstenberg Verlag, 2000

KARR:
(Zitat Peter Schmidt) Die Stadt lag im Zentrum des größten europäischen Smoggebietes. Iven erinnerte sich, daß er in der Schule gelernt hatte, industrielle Auswüchse wie das Ruhrgebiet seien eine Folge kapitalistischer Willkür und Ausbeutung - die östlichen Eisenhüttenkombinate, ganz ähnliche Dreckslöcher, zählten offenbar nicht. Die angrenzende Geschäftszone allerdings war ein Schlachtfeld des Warenfetischismus, wie es keine östliche Propaganda hätte schwärzer malen können.
    Den angebrochenen Abend hatte er in der Kellerdiskothek verbracht und später, als es ihm zu laut geworden war, in der Hotelbar, die über der Diskothek lag. Wenn unten der Verstärker aufgedreht wurde, zitterten oben an der Theke die Gläser; aber der Barkeeper schien sich daran gewöhnt zu haben.
Peter Schmidt: Mehnerts Fall, Ullstein TB 10121, 1981 S. 56

WEHNER:
(Karr) Nur ein paar hundert Meter von Hotel weg, die Fußgängerzone runter, gleich bei einer mickrigen Kirche, die sie das "Münster" nannten, war die "Lichtburg" - ein Kino ungefähr aus der Zeit, als man gerade draufgekommen war, dass man Zelluloid belichten konnte. In den Schaukästen im Eingang hingen Fotos von Bogey und de Niro. "CRIMINALE" hieß es in Leuchtbuchstaben über dem Portal. Wenn mich das Weichei nicht angelogen hatte, trafen sich da gerade die ganzen hotshots des neuen deutschen Krimis. Der Bücherwurm hatte mir noch gesagt, dass die Typen vom SYNDIKAT diese CRIMINALE jedes Jahr in eine anderen Stadt aufzogen und am Ende immer ein Preis - Glauser oder so - für den angeblichen besten deutschen Krimi verliehen. Ganz klar - wenn es wirklich was über den deutschen Krimi zu erfahren gab, dann hier.
H.P. Karr: Das Syndikat schlägt zurück, in: Bei Ankunft Mord, Gerstenberg 2000

KARR:
Lieber Herr Glauser,
lernen Sie auch die sympathischen Menschen hier in unserer Stadt kennen, die Helden und Heldinnen der Kriminalgeschichten, die hier in der doch immerhin sechstgrößten Stadt Deutschlands spielen....


WEHNER:
(Karr & Wehner) Schauen Sie ruhig mal bei mir rein, wenn Sie in der Gegend sind, zwischen Theater und Lichtburg. MARYS steht draußen, in rotem Neon. Drinnen ist alles ziemlich amerikanisch. Der Designer hat die Kulisse von Hoppers NIGHT HAWKS nachgebaut. Wenn Sie das Bild nicht kennen - über der Theke hängt eine Kopie.
    Aus der echten Wurlitzer säuselt Peggy Lee Fever, die Barstühle sind gemütlich Ledersitze auf Stahlfüßen und auf den Tischen schummern nachgemachte Tiffany-Lampen. Die Tafel neben dem Tresen verkündet, welche PHILLIES als Drinks heute besonders angesagt sind. Die Blondine hinter der Bar trägt ein star-spangled Käppi und studiert 100 Cocktails - schnell gemixt.
Karr & Wehner: Valentin Overkill, in: Ich träum im Grab von dir. rororo, Reinbek 2000

KARR:
(Zitat Lodemann) Er geht die "Kettwiger". Die Hauptstraße zurück, in Richtung Kopstadtplatz und Viehofer. Nach Norden geht`s hier hinunter. Süd-Nord-Gefälle. Die Eingänge der Kaufhäuser vergittert. Gefesselt die Fang-Arme, die Schleusen, die sich sonst zwischen die Fußgänger drängen, hinein in die "fußläufige" Zone. Werktags halten sie Kunden fest, saugen Käufer. Ziehen sie vor Regale und Theken, heute, wo die Saugrüssel geschlossen sind, wo es ungefährlich wäre, geht hier fast niemand. -  Bißchen Papier weht im Wind.
Jürgen Lodemann: Essen - Viehofer Platz, Zürich, Diogenes Verlag, 1985

WEHNER:
(Karr & Wehner) "Oh", sagte Susann, als sie von ihrem Buch aufsah. "Hallo, Chefin!"
    Ich nickte zu ihrem Buch: "Wie klappt's?"
    "Was möchten Sie? Pinacolada? Caipirinha? " Sie grinste. "Oder Bloody Mary?" Dafür, daß sie im letzten Sommer noch in einem Pornostudio vor der Kamera gelegen hatte, war das schon eine ganze Menge.
    Sie machte mir ein Wasser, und ich sah durchs Fenster, dass inzwischen auch im Citylight-Schaukasten so ein androgynes Blondgeschöpf mit Glitzer und Glimmer auf den Augenlidern die Wochenendeinkäufer angrinste. LOVE TO LOVE YOU quietschte es in flaschengrün unter dem Gesicht. Seit zwei Wochen erklärte nun Valentina schon, dass unsere VALENTINS PARADE die LOVE PARADE glatt in den Schatten stellen würde. Immerhin hatten sich auf zwei Dutzend Trucks die Top-DJs aus Herne, Recklinghausen, Wattenscheid und sogar aus Mettmann für die liebeshungrigen Rave-Girls und Boys angesagt. Und spätestens seitdem sich im Paradenkomitee unter Leitung der städtischen Event- und Marketing-Gesellschaft so coole Organisationen wie der Stadtsportbund, die Falken, die Junge Union und die Schülerinnenmitverwaltung der Nonnenschule zusammengefunden hatten, war allen klar, dass mit dem VALENTINS-RAVE in der Tiefgarage unterm Kennedyplatz Pop-Kulturgeschichte geschrieben werden würde.
Karr &a Wehner: Valentin Overkill, in: Ich träum im Grab von dir. rororo, Reinbek 2000

WEHNER:
(Zitat Lodemann) Der Dom. Weg mit den Appellen von gestern. Weniger Arbeitszeit, mehr Frieden. - Ämtern. Frieden. Fußläufig.
Widrig. Mich mangeln die Wörter.
Vom tausendjährigen Münster das tausendjährige Geläut. Die Leute und das Läuten hört er zusammen. Die läuten die Leute in ihre Pumpen.
Laß sie. Betäubung braucht jeder. Woolworth neben dem Dom. Im Trend. Manpower. Nur noch 5 Tage bis zum Start des Ruhrfernsehens.
Langensiepen braucht das "Pümpgen".
Eben jetzt schließt Kalla auf. Karlheinz Mönninghoff hat den Morgenblick, den aus Trauer um vegangene Nacht. Kalla, ich teile Deinen Kummer. Nächte bergen Gesänge, versprechen Sanftheit, sahnig wie Milchkaffee.
"Wie immer?"
"Wie immer."
Jürgen Lodemann: Essen, Viehofer Platz, a.a.O. S. 27-28

WEHNER:
(Karr&Wehner) Mit einem weiteren Luftschwall kam Steinboek vom städtischen Presseamt herein, machte die Runde bei den Chefredakteuren und studierte dann die Songs in der Musikbox. Der Presseamtsleiter sah mit seinem Designerjackett und der bunten Fliege auch nach einem 16-Stunden Tag immer noch wie frisch vom Laufsteg aus.
    "Dreiunddreißig." Gonzo zog einen Zehnmarkschein aus der Tasche.
    Grabowski musterte Steinboek und legte einen Zehner aus der Kasse auf Gonzos Schein. "Achtundvierzig."
    Hohlbaum nuckelte an seiner Pfeife und stieg mit einem eigenen Zehner ein. "Dreizehn."
    Steinboek warf eine Mark in die Box und drückte ein paar Nummern. Grabowski, Hohlbaum und Gonzo warteten.
    "Are you lonesome tonight", schmalzte der King. Grabowski kassierte grinsend die Scheine vom Tresen. Steinboek schwebte mit schwingenden Hüften und einem verzückten Gesichtsausdruck zu ihnen herüber, während er leise mitsang. "Scotch, Grabowski. Bushmills, zwei Fingerbreit, handwarm."
Karr & Wehner: Bullenwinter, Haffmans Verlag 1999
 



ENDE TEIL 1
 

MUSICAL BREAK

TEIL 2
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KARR:
Lange kam keine Antwort aus der Schweiz, und schon begannen wir uns Sorgen um unseren Kollegen Glauser zu machen. Begannen aber auch Hoffnung zu schöpfen, dass es uns gelungen war, ihn von uns und unserer Stadt zu überzeugen.
Doch dann...

WEHNER:
-während die Telefonzentrale der EMG und die Pressesprecherin unter dem Ansturm der Journalistenanfragen zur CRIMINALE zusammenbrach...

KARR:
...während die Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung, die eine Antwort an Glauser formulieren sollte, wegen der Brisanz des Themas zu einem interfraktionellen Arbeitskreis hochegestuft wurde...

WEHNER:
...traf ein weiterer Brief aus der Schweiz ein. Schon die Vermerke, die mit Rotstift auf dem Umschlag standne, ließen nichts gutes ahnen:

KARR:
SOFORT ! EILT ! WICHTIG!

WEHNER:
Werte Herren,
was erwarten Sie sich von Ihrem Geschnipsel, das Sie mir zugesandt haben? Dass ich in Begeisterung über ein Gemeinwesen ausbreche, das offenbar nur von rüpelhaften Trinkern und halbseidenen Existenzen bevölkert ist? Ich habe im Lauf meines Lebens von derlei Gesellschaft wirklich mehr als genug kennengelernt, um die Gesellschaft von kultivierten und gebildeten Zeitgenossen schätzen zu lernen.
Nun gut - man mag Ihnen nachsehen, dass Sie sich vielleicht durch meinen Lebenslauf haben täuschen lassen, der in einem Ihrer Literaturlexika veröffentlicht wurde. Von meinem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt ist da die Rede, meiner Zeit als Krankenpfleger, Tellerwäscher und Fremdenlegionär. Und was soll diese Anspielung auf Drogen, die offenbar in Ihrer Gemeinde in großem Umfang gehandelt werden? Müssen Sie mich an die schlimmste Phase meines Lebens erinnern?
Nein, meine verehrten Herren vom SYNDIKAT, es bleibt dabei, dass ich nicht bereit bin, meinen inzwischen guten Namen für ihr immer noch zweifelhaft erscheinendes Unterfangen in Ihrer offensichtlich ebenso zweifelhaften Gemeinde zur Verfügung zu stellen.
Ihr: GLAUSER

KARR:
Panik griff um sich. War jetzt wirklich alles verloren? Bochum, Mülheim und Dortmund boten uns Krimiautoren schon Notunterkunft und Asyl in Sportstadien, Stadthallen oder Jugendherbergen an. Anerkannte Literaturwissenschaftler sandten Solidaritätsadressen und offerierten spontan Studien, die nachweisen sollten, dass es schon immer eine tiefe innere Beziehung zwischen Friedrich Glauser und der Stadt Essen gegeben habe...

KARR:
Und wir schrieben:
Lieber Herr Glauser,
um Ihre neuerlichen Bedenken bezüglich der Verwendung Ihres Namens für unseren Preis zu zerstreuen haben wir weder Kosten noch Mühen gescheut, um Ihnen weitere Belege für die außerordentliche Attraktivität unserer Stadt zusammenzustellen, die wir Ihnen beigefügt als EXPRESS-Sendung zukommen lassen.
Bitte, sehr geehrter Kollege Glauser, bemühen Sie sich doch darum, sich einen objektiven Eindruck von unserer kleinen Gemeinde und den sympathischen Helden der Krimis zu verschaffen, die hier spielen.

WEHNER:
(Lodemann) "Frau Drögemöller, Sie sind in Essen geboren?"
"Ja nu, wat heißt Essen. Da fängdet schon an!" Sie stieg mit wippenden balancierenden Schritten in die dämmrigen Hintergründe des Zimmers hinauf. "So klaa is dat alles nich. Ich würd ehr sagen: geboorn bin ich aufem Wech von Gelsenkirchen. Rübber nach Essen."
(Jürgen Lodemann: Anita Drögemöller und die Ruhe an der Ruhr, Zürich  1975 S. 97)

KARR:
Möglicherweise ist Ihnen, lieber Kollege Glauser, besagte Drögemöller auch aus dem gleichnamigen Kinofilm bekannt, er vor einigen Jahren hier gedreht wurde. Und auch als Schausplatz von Fernsehkrimis mit ist unsere kleine Stadt in Erscheinung getreten...

WEHNER:
Hansjörg Felmy ist Heinz Haferkamp. Er ist der zweite Mann im ersten Kommissariat der Essener Kriminalpolizei, das für Tötungsdelikte - oder Verdacht auf Tötung - zuständig ist. Heinz Haferkamp ist ein Mann, für den nicht nur die nüchternen Fakten zählen, er hat ein Gespür für die menschliche Situation der Täter. 
Willy Semmelrogge ist Kriminalhauptmeister Willi Kreutzer. Kreutzer kommt von der Schutzpolizei. Er hat gute Beziehungen zu seinen alten Kollegen und kann oft weiterhelfen, wenn es darum geht, eine Sache auszuhecken, die nicht ganz in den Rahmen der üblichen Polizeiarbeit passt.
(WDR-Fernsehspiel 1974, Broschüre, WDR, Köln 1974)

KARR:
Hausmitteilung der Bavaria Atelier Gesellschaft vom 20.6.1972
Betr: Essen
Ich möchte Ihnen einige Eindrücke von meiner letzten Reise nach Essen geben. Vor allem möchte ich Ihnen schildern, inwiefern die bekannten Vorstellungen vom "Ruhrpott" heute zu differenzieren ist.
Wenn man in Essen am Hauptbahnhof ankommt, erlebt man zunächst den schlechtesten Eindruck, den man von einer Stadt haben kann: gedankenlose Kaufhaus-Architektur in beängstigender Massierung. Eine Fußgängerzone erschließt nicht wie in München (wenigstens zum Teil) architektonische Schönheiten, sondern lediglich Zugänge zu zahllosen Kaufhäusern: Essen wirbt mit dem Slogan "Einkaufsstadt".
(WDR-Fernsehspiel 1974 1/1974, Broschüre, WDR, Köln, S. 96-97)

WEHNER:
(Lodemann) Erdgeschoß. Die kichernden Halbnackten sind ausgestiegen, irgendwo beim zehnten Geschoß. Langensiepen geht hinaus, über die "Freiheit", meidet Rolltreppen. Durch die Bahnhofsunterführungen kommt er vor den "Handelshof". Von diesem Hotel kennt er ein altes Foto, quer übers Gebäude ein Buchstaben-Band: "Die Waffenschmiede des Reichs grüßt den Führer!".
Jetzt, auf dem Dach, in Stahl und Neon, acht Meter hoch: ESSEN DIE EINKAUFSSTADT. Koppstatt (sic!) Kopstadt, gib zu, du warst es, der die Gewehre auf die Viehofer ließ, Platz schaffend am Ende auch fürs nahtlose Kanonenrohr, für die makellose Bertha, für die Gewinner.
Um vierzehn Uhr, sagt Rosa, sei sie im "Kiepenkerl". Da bleibt Zeit fürs Grundbuchamt. Am Uhrenhaus vorbei. Dem ersten am Platze - hier, im Glockenhaus über der 'fußläufigen Zone', 'erklingt ab heute das Horst-Wessel-Lied'. So zeigt sich der Uhrenhändler selber an, so annoncierte der im Stadtblatt. Als Ruth (sic!) um Deutschland schwamm, 19jährig. Körfgen hieß die, nicht Diamant. Damals wurden "Kettwiger" und unten die Viehofer Straße gemeinsam "Hitlerstraße"; in tausend Jahren sagt Vordenbäumen, zum  einzigen Mal vereint. Die Hauptstraße. Vorm Münster habe schon damals die 'Fliegerbombe' gestanden, vier Meter hohe Attrappe: Leute, es kommt bös! vergrabt euch! Normal ist der Weltkrieg. Auch das Bomben-Mal schon im Frühjahr 33, als der Hauptstraßen-Einiger Ehrenbürger wurde und Ruth Weltmeister, auch die Judenblockaden schon damals, alles - man hatte von Anfang an die Zeichen. Nicht am Himmel, sondern auf der Straße. Man hätte wissen können, sagt Vordenbäumen.
Ich, der Detektiv, kann jetzt ebenfalls alles wissen.
(Jürgen Lodemann, Essen Viehofer Platz,  Zürich: Diogenes, 1985, S 147-148)

KARR:
Säugling auf den Schienen
Essen, 21 August - Auf ungewöhnliche Weise schenkte gestern eine Mutter ihrem Kind das Leben. Die Frau kam während eines fast einstündigen Zugaufenthaltes auf der Strecke Gelsenkirchen-Essen mit einer sechs Pfund schweren Tochter nieder. Der Säugling, der durch das Toilettenrohr des Personenzuges zur Welt gekommen sein muß, wurde von spielenden Kindern auf der Bahnstrecke gefunden. Das Mädchen, bei dem keine Verletzungen festgestellt wurden, kam in ein Pflegeheim in Essen-Stoppenberg. Von der Mutter fehlt bisland jede Spur."
(Jürgen Lodemann: Anita Drögemöller und Die Ruhr an der Ruhr, Zürich 1975, Diogenes detebe 121, S.99)

WEHNER:
(WDR-Fernsehspiel) Unser Kommissar ist ein Einzelgänger. Das heisst: die Aspekte eines Falles, auf die es ihm besondres ankommt, löst er allein. (...) Haferkamps besondere Fähigkeiten könnten akustischer und idiomatischer Art sein: Er erkennt eine Stimme, einen Tonfall noch nach Jahren wieder, auch wenn er sie nur einmal - und sei es am Telefon - gehört hat; und er hat ein feines Ohr für Sprache, für die Art eines Menschen, Sätze zu bilden, Lieblingsauddrücke zu gebrauchen, Spracheigenarten zu haben.
WDR Fernsehspiel 1974 (1/1974), Broschüre, Köln 1974 S. 91

KARR:
"Langensiepen."
"Schulz, Bredeney. Hier ist sone Frau am Apparat. Ich glaube, das is ehr was für euch - ich stell ma durch."
Und dann hörte er zum ersten Mal Anitas Stimme: "Hörn Sie, komm Sie doch bitte mal fix vorbei, ich hab hier in meine Wohnung einen, der is tot."
"Wir war Ihr Name?"
"Anita Drögemöller, ich wohn hier in Bredeney, Ahornweg 6, dass is son Terrassenhaus, oberste ETAAAAGE." Sie sprach "ETAAAGE", als ob das was mit TAGEN zu tun hätte. "Bis die Tage!" rief Gabi immer vor den Wochenenden, beim Weggehen.
"Sind Sie allein ?"
"Ja, nee, der Höllo is hier, aber der is ja tot gätz."
(Lodemann. Anita Drögemöller und... a.a.O.  S 16-17)

WEHNER:
Nachts hatte es geregnet, genau soviel, daß Straßen und Dächer frisch und sauber rochen, als die Sonne ganz gegen ihre Gewohnheit um acht wieder auf der Matte stand. Beim Frühstück beschloß ich, die B1 den Lastern zu überlassen und durch das Ruhrtal nach Bredeney zu fahren. Dem Kadett schien die Idee zu gefallen. Ohne zu stottern glitt er über die Hattinger aus der Stadt, hängte in Weitmar sogar die Straßenbahn ab und stoppte nach zwanzig Minuten vor der S-Bahnschranke an der Dahlhausener Schwimmbrücke. (...)
Dann kletterte die Straße nach Burgaltendorf, einem kleinen Kaff mit großem Dom. Ich machte, daß ich zwischen den Reihenhäuern wegkam, schwang mich über den Buckel nach Kupferdreh, wo die Ruhr nach ihrer Schleife auf mich wartete.
(Werner Schmitz: Auf Teufel komm raus, Köln: Pahl-Rugenstein, 1987)

KARR:
Eine halbe Stunde später rollte der Bus den Bredeneyer Berg hinunter. Hier sah das Ruhrgebiet aus, als wäre ihm ein Stück Sauerland transplantiert worden: Hügel, Wälder und tief unten der bananenförmige Baldeneysee. Vor mehr als zwanzig Jahren war ich oft mit dem Linienbus hierher gekommen. Ich, der Arbeitersohn aus dem Essener Norden hatte eine Freundin, die in einer protzigen Bredneyer Villa wohnte, gleich nebend em Anwesen von Berthold Beitz. Wenn ich auf dem gewachsten Parkettboden den Eltern meiner Freundin gegenüberstand, war ich mir immer vorgekommen wie ein Botenjunge, der vergessen hatte, was er abliefern sollte.
(Jürgen Kehrer: Das Kappenstein-Projekt, Dortmund: grafit Krimi 73, 1997, S. 81-82)

WEHNER:
(Silvia Kaffke) Nachdem sie zunächst mit den zuständigen Kollegen in Essen gesprochen hatten, fuhren sie gegen zwei Uhr zum Baldeneysee und gingen zu dem besagten Steg. Der Rentner hatte sich auch shcon dort eingefunden, nur die Taucher ließen auf sich warten. "Herr Näther, erzählen Sie mal - wie war das am Freitag?" fragte Barbara ihn.
Näther war neunundsiebzig Jahre alt, aber ungewöhnlich wach und fit für sein Alter, er trug nicht einmal eine Brille. Er hatte sein Leben lang gearbeitet, im Bergbau, wie ein Essener Kollege Barbara erzählte.
"Ich war mit dem Hund unterwegs, dat regnete ja in Strömen, aber ich geh bei jedem Wind und Wetter mit ihm, wir sind dat so gewöhnt", sagte Näther. "Bei so `nem Wetter triffste hier keinen sonst. Kurti hat mich ein Stück zwischen die Sträucher gezogen und ein Loch gebuddelt. Meine Frau schimpft immer, wenn er sich dreckig macht, aber ich sach immer, laß den Hund, er ist eben en Tier und hat seine Natur, und seinen eigenen Kopp hat er auch."
Rauhhaardackel Kurti hatte offensichtlich seinen Namen gehört und sah erwartungsvoll von seinem Herrchen zu Barbara.
"Sehn  Se, der versteht jedes Wort. Braver Hund, Kurti."
"Wo war das? Wo hat er das Loch gebuddelt?" fragte Barbara.
"Da drüben." Näther ging mit Kurti voran, und Barbara folgte ihnen. "Da is dat Loch, sehn Se?"
Silvia Kaffke: Messerscharf, Frankfurt-Main: Fischer TB14489, 2000, S. 210-211

KARR:
(Juretzka) Hier draußen alledings, im Wirrwarr der Straßen von Ruhr City mit nachlassendem Vollrausch waren die Dinge nicht ganz so klar und einfach wie drinnen am Tresen mit einem beginnenden.
Trotzdem brauchte ich nicht viel mehr als eine Viertelstunde, um mich wieder zurechtzufinden. Neun von zehn Autokennzeichen un dieser Gegend begannen mit E, was mit eine neunzigprozentige Sicherheit gab, mich in Essen zu befinden, wo ich übrigens auch hinwollte. (...)
Als geborener Städter kann ich meinem Ortssinn normalerweise blind vetrauen, und so beschlichen mich erste Zweifel auch erst, als sich die die endlose Weite des Baldeneysees vor mir am Horizont erstreckte.
"Scheiße", entfuhr es mir mit Gefühl. Einerseits wußte ich endlich wieder genau, wo ich war, andererseits hatte ich mich geschlagene zwanzig Minuten lang in der falschen Richtung durch den Verkehr gebaggert. Kurz entschlossen wendete ich über den Grünstreifen, der die Fahrbahnen trennte, gabs dem Motor mit der Hacke und durchforstete das Handschuhfach nach Musik. AC/DC? AC/DC. Und den Regler auf FULL BLAST.
(Jörg Juretzka: Sense, Hamburg: Rotbuch Verlag 2000 S. 9-10)

WEHNER:
Statt AC/DC haben wir jetzt etwas viel besseres für Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren - nämlich extra aus Bremen zu uns gekommen: Die TELSTARS....
ENDE TEIL 2
MUSIK
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WEHNER
Diesmal kam ein Einschreiben aus der Schweiz. Mit Rückschein!
Meine Herren!
Sie versuchen offenbar, durch Penetranz zu beeindrucken, und ich muss konzidieren, dass Sie mich mit ihrem jüngsten Schreiben in meiner Ablehnung schwankend werden ließen. Dennoch muss ich mein Verbot aufrechterhalten - denn es mir nicht einsichtig, dass Sie und Ihre obskure kleine Gemeinde sich mit meinem Namen schmücken. Ihr übersandtes Material darf ich Ihnen deshalb zurückerstatten. Von weiterer Korrepondenz bitte ich abzusehen. - GLAUSER

KARR:
Das war er also - der GAU: G-lausers A-ntwort U-nverändert. In der sofort einberufenen geheimen Krisensitzung des Stadtrates kam es zum Eklat. Sofortige personelle Konsequenzen wurden gefordert - egal welche. Schadensbegrenzung wurde gefordert. Die EMG regte an, sich ab sofort in E-ssen M-ag G-lauser-Gesellschaft umzubenennen.

Doch wir gaben nicht auf und schrieben erneut:
 

Lieber Herr Glauser,
dürfen wir nochmals Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, um Sie mit der umfassenden Ehrung Ihrer Persönlichkeit im Rahmen der CRIMINALE bekannt zu machen? Es wird Sie sicherlich freuen, zu erfahren, dass wir nicht nur zwei Kinofilme zur Aufführung bringen, die nach Ihren Romanen entstanden sind - WACHTMEISTER STUDER und MATTO REGIERT, sondern dass eine ortansässige Buchhandlung und das Schauspielhaus weder Kosten noch Mühen gescheut haben, um eine "LANGE GLAUSER NACHT" auf die Bühne des hiesigen GRILLO-Theaters zu bringen?
Vielleicht fällt es Ihnen in Kenntnis dieses Sachverhaltes ein wenig leichter, Ihre Meinung über unsere Veranstaltung und unsere kleinen Gemeinde noch einmal zu überdenken.
Essen ist, wie Sie aus den wiederum beigefügten Materialien ersehen können, nicht nur eine Stadt im stetigen Wandel, sondern auch ein Medienzentrum mit vielen Stätten der Kultur und Literatur, das sich stolz und glücklich schätzen würde, Sie als Schutzpatron für die diesjährige CRIMINALE gewinnen zu dürfen...

WEHNER:
(Ard und Junge) Das Foyer der Grugahalle hatte sich in ein riesiges Büffet verandelt. Wo sonst Handballfans Bockwürstchen knackten und Bierdosen zischen ließen, boten Sponsoren aller kulinarischen Richtungen kostenlose Proben ihres Könnens. Exotische Düfte füllten den Raum, und eine Tangokombo sorgte für eine dezente Untermalung.
    Während sich aus der high soiety der Ruhrmetropole alle eingefunden hatten, ohne die einem solchem Ereignis der rechte Glanz gefehlt hätte, hatten die Nachbarstädte lediglich die Spensenritter aus der zweiten Reihe delegiert. Eine Ausnahme bildeten Datteln: Roggenkemper war immer dabei, wenn er alte Freundschaften aufpolieren und neue Kontakte knüpfen konnte.
    Wiedmann, der Persönliche, und Hugenberg schoben sich an den Bürgermeister heran.
    "Ihr laßt aber auch nichts aus!" flachste der Bürgermeister.
    Wiedmann tat todernst: "Rein dienstlich, Gerd."
    "Und worin besteht der Dienst?"
    "Den Gegenschlag studieren", meinte Wiedmann und zeigte auf das Planungsmodell, das in der Mitte der Halle aufgebaut war. "Was meinst du, was sich darunter verbirgt? Essens Antwort auf das TRC. Bei der Bewerbung haben sie geschlampt und sind in der Vorrunde ausgeschieden, aber jetzt arbeitet ein Sonderstab Tag und Nacht, um die Panne auszubügeln..."
    Pünktlich um elf ließ Gruga-Chef Paaß jene feierliche Melodei einspielen, die alle Anwesenden aus der Werbung für ein bitteres Prickelwasser kannten. Die Gespräche verstummten, der Oberbürgermeister trat ans Mikrofon  und hielt eine seiner gefürchteten Reden, die eigentlich nur mit Sekt und Kaviar zu ertragen waren.
(Leo P. Ard und Reinhard Junge: Das Ekel schlägt zurück, Dortmund: grafit, 1990)

KARR:
(Karr & Wehner) Der Alte in seinem Rollstuhl hörte dem Bürgermeister mit zusammengekniffenen Lippen zu. Gonzo schnüffelte. Es roch durchdringend nach Terpentin und Waschsalon. Er hatte die beiden Bürgerberaterinnen hinter dem Tresen in Verdacht.
    Deffregger sprach davon, wie man in einer gemeinsamen Anstrengung von Kommune und lokaler Wirtschaft die schmuddelige Nordstadt in eine Luxusmeile verwandeln würde. Gonzo schwenkte von ihm auf die Lore und weiter auf das verhüllte Modell neben dem Rednerpult. Unter dem Tuch mit dem aufgestickten roten Hähnchen schlummerte das Modell des Markthallen-Glaspalast-Arkaden-Projektes, mit dem sich die Stadt im Kampf um die holländischen Einkaufbusse gegen die Konkurrenz aus Oberhausen und Dortmund durchsetzen wollte.
    "Arnold Treger", jubilierte der Bürgermeister und zeigte auf den Baulöwen, der sich bei seinen Wasserträgern herumdrückte, "Arnold Treger ist ein Visionär in dieser unserer, an Visionen so armen Welt. Dieser Mann hat einen Traum, einen Traum, den wir alle mit ihm teilen, den Traum einers menschenfreundlichen, urbanen, pulsierenden, lebendigen Stadt. Sein Berolina-Projekt ist der gelungene Ausdruck dieser Vision, und für uns eine Herausforderung, es gemeinsam mit ihm zu verwirklichen." (...)
    Gonzo hob die Kamera und holte sich die beiden ganz nah heran. Deffregger spielte mit gut dosiertem Lächeln den smarten Politmanager an der Seite des Wirtschaftsmagnaten. Wenn er sich seine widerspenstige Haartolle aus der Stirn strich, schwamm das weibliche Personal auf seinen Plastikstühlen weg. Gonzo nahm das Auge vom Okular und warf einen Blick auf den Halbkreis vor dem Rednerpult. Nur um den Rollstuhlfahrer war etwas Luft. Das Licht der Scheinwerfer spiegelte sich auf den Rädern. Der Alte griff mit beiden Armen nach hinten und holte Schwung.
    "Ich hab einen Anspruch!" Der Rollstuhl machte einen Satz nach vorne. "Ich laß mich nicht enteignen, hört ihr? Ich hab einen Anspruch, das gehört alles mir!"
    Gonzo riß die Kamera hoch und hielt voll auf den Alten in seinem Rolli, wie er direkt vor Deffregger und Treger abstoppte und sich mit einer geschickten Bewegung um seine eigene Achse drehte.
    "Eure Volkshochschule gehört mir!" Der Alte fuchtelte mit beiden Armen. "Ich hab das schwarz auf weiß."
    Deffregger blinzelte. Steinboek hielt vergeblich nach ein paar städtischen Ordnern Ausschau und kämpfte sich schließlich vom Büfett nach vorne durch. Gonzo stellte die Schärfe nach. Auf Tregers Stirn begann eine Ader zu zucken.
    "Das ganze Gelände mit allem was draufsteht. Ich hab das amtlich." Der Opa reckte seine Akten in Deffreggers Richtung. "Mit Brief und Siegel. Alles meins, hört ihr!"
(Karr & Wehner Hühnerherbst, Zurüch: Haffmans Verlag, 1997)

WEHNER:
Die Uhr zeigte 00.45 Uhr, als das Telefon klingelte. Dieter Rogalsky hatte normalerweise einen festen Schlaf, aber seit er diesen mysteriösen Fall bearbeitete, plagten ihn häufig Alpträume. Deshalb war er sofort hellwach, als das Telefon läutete.
"Rogalsky!" meldete er sich.
"Dieter, er hat wieder zugeschlagen!" Martina Nouris am anderen Ende der Leitung klang sehr aufgeregt.
"Wo bist du?" fragte Rogalsky.
"In der Herderstraße im Hotel "Zum Goldenen Bären!"
"Okay, ich komme so schnell ich kann. Ruf schon mal die Spurensicherung an."
"Schon erledigt!", bestätigte sie. "Sind bereits unterwegs."
"Gut gemacht, Martina", lobte Rogalsky, legte den Hörer auf, sprang unter die Dusche, zog sich schnell an und verließ im Eiltempo die Wohnung.
Seit zwei Jahren lebte er allein in diesem ruhig gelegenen Appartment im Essener Süden. In der Wohnung in der Stadtmitte, hatte er es seit dem Tod seiner Frau nicht mehr ausgehaltenm. Zu viele Erinnerungen waren für ihn mit dieser Wohnung verbunden.
(Steffen Hunder: Das Ritual das elften Gebotes, 1999)

KARR:
(Conny Lens) Er zuckelte zur Hauptpost und parkte das Auto in der Selmastraße. Hier gab es keine begrenzte Parkzeit, also auch keine Strafmandate.
    Im "Overbeck" war nicht viel los. Doch die paar Leutchen saßen alle an den Fenstern. Nicht ein Tisch frei. Er setzte sich in die Reihe daneben und bestellte sich ein Schweppes. An den Fenstertischen saßen mehrere einzelne Männer. Drei davon tranken Schweppes. Mit einer weltmännischen Geste shclug er die Beine übereinander und konnte im letzten Moment den kippenden Tisch festhalten. Einer der Männer sah herüber. Trotz der Wärme trug er einen weichen Schlapphut und einen Trench. Schröder entfaltete die mitgebrachte WAZ und ignorierte seine Umwelt. Er las 'Aus aller Welt', danach 'Sport in Essen' und warf einen Blick über den Zeitungsrand.
(Conny Lens: Steeler Straße - Die Sonnenbrillenfrau, Haffmans TB Nr 7 (1990) S. 41)

WEHNER:
(J.A. Herber) Der "Westdeutsche Kurier" hatte seine Büroräume an der westlichen Umgehungsstraße der Innenstadt. Der Gebäudekomplex bestand aus vier Teilen, architektonisch aus verschiedenen federn stammend, die nur eines verband. Seit Jahren meldete sich die Telefgonzentrale, auch die des "Kuriers", mit "Pressezentrum Rhein-Ruhr". Gespart wurde in allen Bereichen. Was nicht zusammengehörte, wuchs zusammen. Zwei Tageszeitungen, acht wöchentlich erscheinende Anzeigenblätter und ein Lokalsender teilten sich Pförtnerriege, Telefonzentrale, Poststelle und Verlagsleitung. Nur die Redaktionen waren noch un verschiedenen Räumlichkeiten untergebracht. Das Monopol aber lag in Händen eines einzigen Geschäftsführers, eines brillanten Profitmachers, der allerdings keine Ahnung von Journalismus hatte und sich vehement weigerte, redaktionellen Anliegen auch nur im Ansatz Rechnung zu tragen.
(Jörg A. Herber: Das Kreisen der Raben, Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB 12985, 1999 S. 40-41)

KARR:
(Karr&Wehner) Herbert nuckelte an seinem Eistee und steuerte nebenbei den Sternenkreuzer seines Computerspiels durchs Weltall. Die si¬mulierten Instrumente blinkten, die Anzeige für den Kernfu¬sionsantrieb stand im roten Bereich, Schiffssirenen heulten auf. Am Katzentisch sortierte sein Volontär einen dünnen Stapel Pressemitteilungen. Aus dem Fax kroch die Zeichnung einer Schreibmaschine, darunter lud das Gladbecker Literaturbüro zur Jahrespressekonferenz ein.
    Sonst herrschte im Studiokeller des Zeitungsverlages an der Friedrichstraße Funkstille. Die wenigen Redakteure, die die Schlankheitskur überstanden hatten, die die Konzern¬spitze der Redaktion im Frühjahr verordnet hatte, schlichen lautlos über den Nadelfilz in den Gängen und hielten strik¬ten Sparkurs. Gonzo packte Herbert das Band mit den Bildern vom Sommerfest auf das Keyboard. Auf dem Bildschirm brannte der Fusionsreaktor des Raumschiffs durch. Eine Explosion dröhnte aus dem Lautsprecher.
    "He", sagte Herbert und rutschte mit der Maus auf eine Schaltfläche. Das Weltall verschwand und machte einer sehr geschäftsmäßigen Tabelle Platz. "Kannst du nicht anklopfen?"
    "Keine Zeit."
    "Lüg doch nicht." Herbert warf die Kassette in einen der Recorder und ließ die Bilder schnell durchlaufen. "Okay!" Während der Apparat das Band kopierte, füllte er Gonzos Honorarzettel aus. "Das war`s erst mal für die nächsten Tage."
(Karr & Wehner Rattensommer, Zürich: Haffmans-Verlag 1995)

WEHNER:
Gonzo machte den Funkscanner an und hörte eine Weile der Polizei und der Feuerwehr zu. Weil nichts los war, wechselte er zum Radio und geriet mitten in den letzten Werbespot für das Merkur-Center am Rathaus. "Immer günstig, immer preiswert: Russischer Markenwodka für nur 9 Mark 99." Dann kam das Jingle für die Lokalnachrichten. Gonzo fuhr zwanzig Meter weiter und hing hinter der Schlange fest, die aus einem Supermarktparkplatz herausragte. In den Nachrichten ging es wie üblich darum, daß die Stadt kein Geld hatte und auch nicht wußte, wo sie welches herkriegen sollte. Die Volkshochschule sollte in das leere Spaß-Schwimmbad im Gildehofcenter umziehen, damit man das Haus verkaufen konnte. Außerdem verlangte der Kulturausschusses, daß die Stadtbücherei in Zukunft zwei Mark Eintritt nehmen sollte.
(Karr & Wehner Hühnerherbst, a.a.O.)

KARR:
Die Zentralbibliothek der Stadt hätte für die normalsterbliche, autofahrende Leseratte nicht ungünstiger liegen können: Angesiedelt zwischen Bürokomplexen, dem Hauptbahnhof und der Einkaufsmeile, erstreckte sie sich über fünf Etagen. Im Untergeschoss befand sich ein Freizeit- und Spaßbad - eine dieser Vergnügungsoasen, die Mitte der achtziger Jahre überall aus  dem Boden gestampft wurden. Dieses Bad mit Strömungskanal und zwei Wasserrutschen, die spiralförmig außerhalb des Gebäudes nach unten führten, machte jedoch über die Stadtgrenzen hinaus dicke Schlagzeilen. Denn bereits nach wenigen Jahren musste das Spaßbad wieder geschlossen werden.
Jörg A. Herber: Das Kreisen der Raben, Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB 12985, 1999

WEHNER:
(Karr & Wehner) Pater Sebaldus legte das Buch zurück, das er gerade in seinem Computer erfassen wollte, und kam auf mich zu.
    "Schön, daß Sie mich besuchen kommen, Mary. Was darf ich für Sie tun?" Er schwenkte seine Arme über die deckenhohen Regale der Münsterbibliothek. Wenn Sie mal etwas suchen, kommen Sie hierher, schwindeln der Schwester Bibliothekarin vor, dass Sie an Gott glauben und lassen sich einen Leseausweis ausstellen. Hier stehen mehr Bände als in der Stadtbücherei und vor allen Dingen werden Sie hier nicht ständig von schwatzenden Ausleihhilfen belästigt. Neben dem Bestand des Bistums verwaltet der Pater noch die Privatsammlung des Bischofs. Er reichte mir behutsam eine der Neuanschaffungen seiner Exellenz vom Rollwagen neben seinem Computer. "Achtzehntes Jahrhundert, eine kulturgeschichtliche Raritesse."
    Ich blätterte. Die 120 Tage von Sodom.
    "Von 1785." Er beugte sich über mich und wir betrachteten gemeinsam die Illustrationen. "Nur wer die Sünde kennt, kann ihr widerstehen." Sein Rasierwasser war unaufdringlich und erinnerte entfernt an Weihrauch.  (..)  Pater Sebaldus schob die Bücherleiter am Regal entlang und begann, die Sprossen hochzusteigen.
    Ehe er sich noch weiter versteigen konnte, streckte ich ihm Allessandros Brief entgegen. "Ich wüßte gerne Ihre Meinung dazu." Er blickte von oben auf mich herab, zögerte, kam dann wieder zu mir herunter. Während er las, stöberte ich in den anderen Neuschaffungen.  E.T.A. Hoffmann: Schwester Monika; Marcuse: Obszön. Karr & Wehner: Blutige Unschuld. Der Bischof liebt Dinge, die auf dem Index stehen. Denn nur wer die Sünde kennt, kann sie bekämpfen. 

Karr & Wehner: Valentin Overkill. In: Ich träum im Grab von dir.. a.a.O.)
 

KARR:
(Karr & Wehner) "So eine Sache wie das Berolina-Center kann nur mit konsequenter Abstimmung aller Beteiligten durchgezogen werden." Steinboek kippte seinen Whisky auf ex und ließ die Eiswürfel im Glas kreisen. "In Oberhausen haben sie das genauso gemacht."
    "Auch das Bordell verlegt?" Gonzo suchte nach einer Reaktion in Steinboeks Blick. Er konnte keine entdecken. "Meint ihr, die Huren fühlen sich wohl, wenn ihr sie in die Volkshochschule umsiedelt?"
    Steinboek zupfte an seiner Fliege. "Das Haus ist optimal. Tiefgarage, großes Forum als Kontakthof, kleines Kino für private Filme, nette Zimmer. Müssen bloß überall noch Bäder eingebaut werden."
    "Alles ganz wunderbar", meinte Gonzo. "Mit dem Verkauf saniert ihr den Haushalt. Wieviel bringt der Klotz?"
    "Kein Kommentar."
    "Mit der Nutzungsgenehmigung gibt es wohl auch keine Probleme, nehme ich mal an."
    Steinboek seufzte. "Du hast ganz klar zu viel mit Kannengiesser und Judas rumgehangen. Das ist ein ganz normaler Verwaltungsvorgang, und wenn es dich beruhigt: es besteht bestes Einvernehmen, daß die Verlegung des Puffs sinnvoll ist."
    "Das Problem ist ja wohl nur, daß ihr die Volkshochschule vielleicht gar nicht verkaufen könnt, weil sie euch gar nicht gehört, sondern dem Alten in seinem Rollstuhl. Blöd gelaufen, was?"

Karr & Wehner: Hühnerherbst, a.a.O.

Lange, sehr lange warteten wir auf eine Antwort aus der Schweiz, meine Damen und Herrn. Bis dann...

WEHNER:
....heute morgen ein Telegramm eintraf:
 

IN GOTTES NAMEN - STOP -
VERSUCHEN SIE ES - STOP -
ABER BITTE HÖREN SIE AUF, MIR IHRE KRIMINALROMANE ZU SCHICKEN - STOP -
HABE JETZT AUF JAHRE HINWEG LESESTOFF...
IHR GLAUSER

KARR:
Und deshalb jetzt die gute Nachricht:
Die Criminale findet statt, der Glauser-Autorenpreis heisst weiter Glauser-Autorenpreis und wird am 3. Juno beim Tango Criminale im Europahaus verliehen...
....und uns bleibt zum Schluss nur noch, zuzugeben:

WEHNER:
Ja, wir haben gestohlen. Wir haben uns großzügig aus den Krimis der Revierkollegen bedient, um Herrn Glauser davon zu überzeugen, dass Essen der richtige Schauplatz für eine CRIMINALE und eine Glauser-Preisverleihung ist.

KARR:
Deshalb möchten wir jetzt ein umfassendes Geständnis ablegen.
Danke also an
WEHNER : Jürgen Lodemann: Essen, Viehofer Platz
KARR:  Jürgen Lodemann: Anita Drögemöller und Die Ruhe an der Ruhr

WEHNER Danke an:  Peter Schmidt: Mehnerts Fall
KARR:  Steffen Hunder: Das Ritual des 11. Gebots
WEHNER Jörg Andreas Herber: Das Kreisen der Raben

KARR:  Danke an die gebürtigen Essener  -  Horst Bieber: Sackgasse
WEHNER Conny Lens: Steeler Straße - Die Sonnenbrillenfrau
KARR   Jürgen Kehrer: Das Kappenstein-Projekt

WEHNER: Danke an nach Mülheim an Jörg Juretzka: Sense
KARR    Jörg Juretzka: Prickel

WEHNER: Danke nach Duisburg: Silia Kaffke: Messerscharf
KARR:   Danke nach Bochum und Mallorca: Werner Schmitz: Auf Teufel komm raus
WEHNER: Leo P. Ard und Reinhard Junge: Das Ekel schlägt zurück,

KARR Danke an den WDR für die Personalakte von Kommissar Haferkamp

WEHNER: Und unbescheiden wie wir sind, haben wir uns natürlich auch selbst eingebracht, und zwar mit:
KARR Geierfrühling,
WEHNER Rattensommer
KARR  Hühnerherbst
WEHNER und Bullenwinter
KARR Valentin Overkill
WEHNER Das SYNDIKAT schlägt zurück
KARR  Die Begleiterin - soeben erschienen in der offiziellen CRIMINALE-Anthologie DER POTT KOCHT

WEHNER Und natürlich auch Danke an
KARR:  Die Telstars für die Musik
WEHNER: Ulrich "Elvis" Weinstock, Michaela Engling und Heike Schupetta und alle anderen von der E-ssen M-ag G-lauser - pardon - der Essen Marketing-Gesellschaft, ohne deren Einsatz und Engagement diese Veranstaltung und die ganze Criminale nicht möglich wäre...

KARR: ...und ganz besonderen Dank an Sie, meine Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse am SYNDIKAT und an der CRIMINALE und am Krimi überhaupt....

ENDE OVER AND OUT.....

23.1.18

Krimi der Woche:
Killer stellen sich nicht vor

Killer stellen sich nicht vor

Von Ralph Petersen

Gino Parvese liegt tot neben der Eingangstür seiner Pizzeria. Zwei Kugeln haben ihn in den Kopf getroffen. »Wie eine Hinrichtung«, murmelt Kommissarin Katja Kampp.
   »Nur gut, das keine Gäste im Lokal waren«, sagt Katjas Kollege Fuchs. »Ein Zeuge ist Ginos Vetter Alfredo. Er ist hinten in der Küche. Allerdings ist er mit Vorsicht zu genießen. Gino und Alfredo haben die Pizzeria zwar zusammen geführt, aber sich nicht besonders gut verstanden.«
   Katja Kampp folgt Fuchs durch eine Schwingtür auf einen langen Gang. Neben dem Büro liegt die große Küche, und da finden sie Alfredo.
   »Es war gegen 14 Uhr«, sagt er. »Ich saß hier mit Gino, als die beiden Killer hereinkamen. Gino ging ihnen entgegen, da schossen sie schon.« Er schluckt. »Ich warf mich zu Boden und sah noch, wie Killer die Pizzeria verließen und mit ihrem Wagen davonrasten.«
   »Haben Sie den Autotyp erkannt?«, fragt Katja Kampp.
   »Ein dunkler BMW, Sportfelgen.«
   Fünf Minuten später meldet Katjas Kollege Fuchs: »Eben kam über Funk durch, dass man den BMW gefunden hat. Leider ohne die Killer.«
   »Über die wird uns Alfredo informieren«, meint Katja. »Er steckt in der Tat mit den Mördern unter einer Decke.«
   Fuchs blinzelt überrascht. »Aber wie kommen Sie denn darauf?«
Alfredo ist totenblass geworden. »Was sagen Sie da? Ich habe nichts mit dem Mord zu tun. Ich wäre beinahe selbst zum Opfer geworden! Ich will, dass meinem Vetter Gerechtigkeit widerfährt.«
   »Unsinn!«, meinte Katja Kampp kühl. Sie haben die beiden Killer für den Mord an Ihrem Vetter engagiert.«
   Alfredos Lippen bewegen sich tonlos.
   »Sehen Sie, Alfredo«, sagt Katja und deutet auf die Küchentür. »Sie haben ausgesagt, dass Sie hier in der Küche waren, als die Killer Gino draußen im Lokal erschossen - gleich neben der Eingangstür.«
  Alfredo starrt zur Tür.
  »Von hier aus können Sie überhaupt nicht sehen, was im Lokal geschieht«, meint Katja. »Weil der Gang und die Schwingtür zum Lokal dazwischen liegen. Und deshalb können Sie ebenso wenig gesehen haben, das die Killer in ihrem BMW davongerast sind.«
  Alfredo senkt den Blick. Tränen stehen in seinen Augen. »Ja«, murmelt er dann. »Ich habe die beiden engagiert. Gino und ich hatten Streit.«
   »Er war Ihr Vetter«, sagt Katja.
   Alfredo hebt den Blick. »Es ging um Geld. Viel Geld und viel Arbeit, die ich in diese Pizzeria hier gesteckt habe, aus der mich Gino plötzlich ausbooten wollte.«
  Katja fröstelt, als sie aufsteht. »Ich bezweifele, dass Ihr Richter das berücksichtigen wird«, sagt sie.


Erstveröffentlichung in: Badische neueste Nachrichten vom 20.1.2018

© by author/Jahn facts&fiction

16.1.18

Deutscher Krimipreis 2018 an Oliver Bottini

Deutscher Krimipreis 2018 für Oliver Bottini

Krimiautor Oliver Bottini für »Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens« ausgezeichnet.

Deutscher Krimipreis 2018

Der Deutsche Krimipreis 2018 geht an Oliver Bottini. Der in Berlin lebende Krimiautor wird für seinen Roman »Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens« ausgezeichnet.
Oliver Bottini errang den ersten Platz in einem Kopf an Kopf-Rennen mit Monika Geier (»Alles so hell da vorn«) und Andreas Pflüger (»Niemals«).
Das teilte das Bochumer Krimiarchiv mit, das die Vergabe der Auszeichnung alljährlich organisiert.
»Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens« handelt von einem rumänischen Ermittler, den die Recherchen in dem Mordfall an einer jungen Deutschen nach Mecklenburg führen. Die Jury lobte, dass der Roman von der Wirklichkeit der Globalisierung erzähle, vom Landraub der Agrarkonzerne und ihren verheerenden Wirkungen auf Mensch und Land, von den einschneidenden Veränderungen des Lebens in Europa nach 1989, von menschlichen Verlusten und winzigen Gewinnen, von Trauer und Leid.
In der Kategorie »International« ging die Auszeichnung an John leCarré für »Das Vermächtnis der Spione« (Ullstein), in dem der britische Altmeister des Agentenromans nach mehr als fünfzig Jahren noch einmal an seinen Weltbestseller »Der Spion, der aus der Kälte kam« (1963) anknüpft.

Seit 1985 zeichnet die Jury des Deutschen Krimipreises, bestehend aus Kritikern, Krimi-Buchhändlern, alljährlich jene Krimis aus, die »literarisch gekonnt und inhaltlich originell dem Genre neue Impulse geben«. Der Deutsche Krimipreis ist nicht dotiert, genießt aber als die älteste Kritiker-Auszeichnung des Genres im deutschsprachigen Raum hohes Ansehen. Eine öffentliche Verleihung des Preises findet auch in diesem Jahr nicht statt.
www.deutscher-krimipreis.de


6.1.18

Totalverriss – Chance oder Todesurteil?
Wie geht man mit Kritiken um?


Reinhard Jahn:

Totalverriss – Chance oder Todesurteil?

Wie geht man mit Kritiken um?

Panel bei der CRIMINALE Büsum 16.4.2015

Die ersten Exemplare des eigenen Romans sind verschickt – entweder hat die Presseabteilung des Verlags sich dahintergeklemmt und die üblichen Verdächtigen (Rezensenten) beliefert, oder man hat sich als Autor selbst gekümmert. Und dann erscheinen die ersten Kritiken. Zunächst wahrscheinlich online bei Amazon, später dann in Bücherblogs und schließlich die Besprechungen in Zeitungen und Magazinen, im Radio oder als Fernsehbeitrag.
Zu den Fragen, was Kritik will, soll und kann und wie man mit Kritik, Kritikern und Kritikern umgeht, waren zur Podiumsdiskussion eingeladen:
Dr. Thomas Wörtche – Kritiker und Herausgeber, 

  












Dr. Herbert Knorr – Autor und Festivalverantwortlicher, 
Lars Schafft – Chefredakteur von krimi-couch.de 

 
und last but not least
Zoe Beck – Autorin, Kritikerin, E-Book-Verlegerin.

 

Die schlimmste Form der Kritik ist natürlich der Totalverriss: die Rezension, die nichts Gutes an dem Werk lässt. Was muss man eigentlich tun, um Kandidat für einen Totalverriss zu werden?
Thomas Wörtche, Kritiker für den Deutschlandfunk und mit seinen »Leichenberg«-Rezensionen legendär geworden, meint: »Man muss einfach alles falsch machen. Oder man muss Pech haben, dass man auf einem Trend schreibt, den der Kritiker nicht gut findet.« Wie etwa im Fall Don Winslow, der sich mit seinen Romanen um den Drogenkrieg der USA einen Platz im Olymp der deutschen Krimi-Kritik erschrieben hatte, ehe er sich für seinen Vigilanten-Thriller »Vergeltung« einen Totalverriss – nicht nur von Thomas Wörtche – einhandelte. Aber auch Krimis, »die erkennbar auf einen Trend hingeschrieben sind«, hält Wörtche für gute Kandidaten um verrissen zu werden.
Bei der krimi-couch, einer der großen deutschsprachigen Krimi-Communities, gehört der Verriss natürlich auch zu den möglichen Formen der Kritik. »Wenn einer unserer Rezensenten einen Titel verreißen möchte, legen wir ihm keine Hindernisse in den Weg«, sagt Lars Schafft, als Erfinder der krimi-couch.de, der als »Ein-Mann-Internet-Agentur« mit seiner Dachfirma Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG noch eine Handvoll anderer Genre-Plattformen am Start hat. Der Verriss, meint er, »sorgt für die nötige Trennschärfe« bei der Unterscheidung zwischen gut und – nun ja: »weniger gut«. Dennoch bleibt auch bei der krimi-couch der Totalverriss die Ausnahme. Denn, wie Thomas Wörtche es formuliert: »So etwas zu schreiben ist harte Arbeit und kein Spaß. Man wacht nicht morgens auf, kichert und überlegt, wen man heute niedermacht.«

Dass sich ein Verriss wahrscheinlich desaströs auf das Selbstbewusstsein des Autors auswirkt, liegt nahe. Aber gibt es vielleicht dennoch etwas Gutes an der scharfen Kritik? Erzeugt sie vielleicht Aufmerksamkeit – die Währung, mit der in der Buchbranche gezahlt wird? 
»Nicht unbedingt«, meint Herbert Knorr, einer der beiden Festivalleiter von Europas größtem Krimifestival, dem »Mord am Hellweg«. Bei der Frage, welche Autoren er an den Hellweg einlädt, spielen – gute wie auch schlechte – Kritiken kaum eine Rolle, auch weil Auswahl und Einladungen oft bereits im Vorfeld einer Buchveröffentlichung abgesprochen werden.

Für den Autor eines kritisierten Buchs ist nicht nur der Totalverriss, sondern schon der normale Verriss oder überhaupt nur die kritische Besprechung eine Attacke aufs Selbstverständnis und Selbstbewusstsein. »Ja, ein Verriss tut weh«, sagt Zoe Beck, Autorin von einem Dutzend Romanen, zuletzt »Schwarzblende«. Schließlich habe man sich lange mit dem Buch beschäftigt, hart daran gearbeitet. Diese Anstrengung erscheine dann durch eine Kritik leicht(fertig) entwertet. Dennoch findet Beck, dass es sinnvoll und nützlich sein kann, sich die Kritiken anzusehen und daraus Schlüsse für die weitere Arbeit zu ziehen.

Dabei ist natürlich nicht jede Kurzkritik oder Besprechung genauso relevant wie die andere. Eine Ein-Stern-Wertung und Fünf-Worte-»Rezi« bei Amazon ist eher ein simpler Stimmungsreflex oder im besten Fall eine »Verbraucherwertung«, die das Buch als Ware sieht (»Sendung kam pünktlich«), und nichts, was man wirklich als ästhetische Auseinandersetzung mit dem Werk bezeichnen kann.
Die ernsthafte Befassung mit einem Text beginnt wohl erst bei der Besprechung in einem Rezensions- oder Bücherblog – wenn sie über die bloße Wiedergabe des Klappentextes hinausgeht. Freilich kann auch hier noch die reine Geschmackswertung (»fand ich gaanz toll«) auftauchen.
Seriöse Literatur- und Krimikritik dagegen fragt sich (und den Leser) zunächst einmal: »Wo steht das Buch insgesamt?« (Wörtche). Behandelt es ein neues Thema oder ein altes Thema neu? Welche ästhetischen Mittel werden eingesetzt oder auch nicht? Wo und wie ist das Buch einzuordnen – ohne dass man dabei den plakativen Subgenre-Einordnungen folgen sollte, wie sie von den Marketingabteilung der Verlage vergeben werden. Formulierungen wie »flüssig lesbar« oder »nettes Buch für einen verregneten Nachmittag«, wie man sie bei Leserrezensionen oder in Blogs findet, sind reine geschmäcklerische Meinungsäußerungen, die in einer professionellen Kritik nichts zu suchen haben.
Denn »der« Kritiker, also der ernsthafte Kritik-Schreiber, ist ein, wie Thomas Wörtche es pars pro toto formuliert, »informierter, nachdenklicher Leser«, der oft aus Fandom eines Genres stammt und dessen Wissen und Ansprüche mit der Zeit gewachsen sind. Er schreibt seine Kritiken – und natürlich auch Totalverrisse –, weil er die eigenen Lektüreerfahrungen aufbereiten und vermitteln möchte. Idealerweise, so Thomas Wörtche, setzt er mit seiner Arbeit das besprochene Buch in (s)einen Kontext, ins Verhältnis zu anderen Büchern des Autors, in Beziehung zur Literatur insgesamt und schlussendlich zum Lauf der Welt (dem »großen Narrativ«). Dabei sollte er sich selbstverständlich auch mit der Offenlegung seiner Kriterien zu seinem persönlichen Geschmack und seiner Subjektivität bekennen. Insgesamt also: eine große Aufgabe für eine mitunter nur kleine Kritik.

Und was kann man dem Autor, der Autorin raten, die kritisiert werden, egal ob mit Amazon-Sternen, in einem geschmäcklerischen Blog oder mit einer ausgefeilten Rezension? Es gilt offenbar die goldene Regel des erfolgreichen Selfpublishers Matthias Matting: »Üben Sie sich in buddhagleicher Ignoranz … Kommentieren Sie nicht. Wenn der Verriss ungerechtfertigt ist, werden Ihre anderen Leser das merken. Wenn Wahrheit darin steckt, korrigieren Sie die Fehler. Aber bleiben Sie ruhig, zetteln Sie keine Diskussion an und trösten Sie sich damit, dass eine Ein-Stern-Rezension Ihr Buch glaubwürdiger macht.«
Denn Kritiken, da waren sich Culturbooks-Verlegerin Zoe Beck und Festivalmacher Herbert Knorr einig, machen in der Regel keinen Bestseller. Und der Umkehrschluss lautet dann natürlich, dass ein Totalverriss auch kein Buch vernichten kann.
Protokoll: Almuth Heuner




Erstveröffentlichung in:
Syndikat (Hg) / Buranaseda, Nadine (Red.):
TAT-Zeuge. Das Syndikats-Dossier 2015.
2015, Messkirch: Gmeiner-Verlag,
ISBN 9783839218662

2.1.18

Der Ratekrimi – Ein Fall für Katja Kampp

Eine eiskalte Witwe

Von H.P. Karr

Eigentlich hatte Kommissarin Katja Kampp ein besorgte Ehefrau erwartet - und nicht diese kühle, beherrschte Frau, die da vor dem Rechtsmedizinischen Institut auf sie wartete. Immerhin sollte Linda Schneider gleich ihren toten Gatten identifizieren. Bert Schneider, Inhaber eines Autoverleihs, hat vor drei Wochen sein Büro verlassen und war nie daheim angekommen. Am nächsten Tag hatte Linda Schneider in als vermisst gemeldet.
    Weil die Ehe der Schneiders nicht die beste gewesen sein sollte, hatte er womöglich die Flucht ergriffen. Oder einen Schlusstrich unter sein Leben gezogen. Aber vielleicht war er auch Opfer eines Unfalls geworden. Mit der Beschreibung von Schneiders Gesundheitszustand, die ein Jahr vor seinem Verschwinden anlässlich einer Gallenblasenoperation erstellt worden ist, hat sich die Kommissarin bei den Krankenhäusern in der Umgebung erkundigt - ohne Erfolg.
  Katja Kampp begrüßte Linda Schneider. "Bitte kommen Sie mit!", sagte sie und führte die Frau in das Institut. Doktor Hellstroem, der leitende Rechtsmediziner, erwartete sie bereits. Er nickte Katja Kampp und Linda Schneider zu. "Die erste Untersuchung habe ich bereits gemacht", sagte er. "Kommen Sie!"
  Es ging hinunter in einen großen, gekachelten Raum, in dem auf einem Edelstahltisch unter einem Tuch die Leiche des Mannes liegt, die am Morgen am Flussufer angetrieben worden ist. Jogger hatten den Toten gefunden und die Polizei verständigt.
  Routinemäßig war auch Kommissarin Katja Kampp über dem Leichenfund informiert worden. Weil Größe, Haarfarbe und Statur des Mannes mit der Beschreibung von Schneider übereinstimmen hatte die Kommissarin die Ehefrau gebeten, sich den Toten anzusehen.
  Linda Schneider schluckte, als die vor dem zugedeckten Leichnam stand. Doktor Hellstroem griff nach dem Klemmbrett mit den Notizen seiner ersten Untersuchung: "Ein Mann, cirka 45 Jahre alt, 1,75 Meter groß, dunkles Haar mit grauen Strähnen, Stirnglatze. Die Haut weiß, kaum gebräunt, keine sichtbaren Namen oder Spuren von Eingriffen, Finger- und Fußnägel gepflegt."
  Katja Kampp zog ein Bild Schneiders aus der Akte. Es zeigte einen kräftigen Mann von Mitte vierzig, der in die Kamera lächelte. Die Stirnglatze des Mannes auf dem Bild war ausgeprägt, graue Strähnen durchzogen seine übrigen Haare. An der linken Hand trug er seinen Ehering.
  Doktor Hellstroem schlug das Laken von dem Toten zurück. Linda musterte die Leiche mit starrem Gesicht. Nur ihre Lippen bewegen sich stumm. "Ja", sagte sie schließlich. "Das ist Bert. Das ist mein Mann." Sie wendete sich an Katja Kampp. "Wurde er... ermordet?"
   "Bislang gibt es keine Spuren eines Verbrechens", sagte der Rechtsmeidziner.
   Katja Kampp ging mit Linda wieder in den Vorraum. "Wie lange wird es dauern, bis mir der Pathologe den Totenschein zuschickt?", wollte Linda wissen.
   "Sie brauchen das Dokument?", fragte Katja Kampp.
   "Die Lebensversicherung weigert sich, ohne Vorlage eines Totenscheines zu zahlen."
   Katja Kampp schüttelte den Kopf. "Sie bekommen den Totenschein nicht, Frau Schneider", sagte sie. "Denn der Tote ist nicht Ihr Mann. Sie haben eben eiskalt gelogen. Das werden wir feststellen, wenn wir das Gebiss des Toten mit den Zahnarztunterlagen Ihres Mannes vergleichen. Aber auch so ist es ganz klar, dass der Tote dort ist nicht Ihr Mann ist. "

Was war Katja Kampp aufgefallen?

Lösung: 

Schneider hatte sich einer schweren Operation unterzogen. Doch der unbekannte Tote im Leichenschauhaus wies laut Befund des Arztes "keine sichtbaren Narben oder Spuren von Eingriffen".
Credits
H.P. Karr; Eine eiskalte Witwe
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