19.9.16

Edney Silvestre
Der stumme Zeuge




Brasilien kriminell
Mit Der stumme Zeuge von Edney Silvestre kann man sich einen ganz hervorragenden Eindruck von Brasilien jenseits der Olympischen Spiele verschaffen. Das Kidnapping eines kleinen blonden Jungen, den die Entführer aus Versehen für den Sohn der kriminellen Werbefachmannes Bettencourt halten, stößt ein Kaleidoskop von kriminellen Geschichten quer durch die Gesellschaft am Zuckerhut an. Mit kühler Beobachtung und analytischem Zugriff erzählt der Journalist Edney Silvestre über die Industrie der Gewalt und die Macht des Geldes im Brasilien. Dass dabei die auslösende Kidnapping-Story nur als Roter Faden dient, an dem die einzelnen Szenen aufgefädelt werden, ist ein leicht zu durchschauender Kunstgriff, den man dem Autor schnell verzeiht. Denn das Brasilien-Portrait, das er zeichnet, ist packender als der eigentliche Krimi. rja
Spannendes Sittenbild     (vier Sterne)
Edney Silvestre:
Der stumme Zeuge
Limes, 224 Seiten,



NRZ / WAZ / WR / Funke medien
19.09.2016


14.9.16

Der Mord macht die Musik
Ein Fall für Vera Falck

Schlagerstar überfährt Radfahrer

Diese Schlagzeile könnte Leo King das Genick brechen. Ausgerechnet jetzt, wo er eine neue Tour plant.
Was für ein Glück, dass sein gutmütiger Freund und Bassist Benno sich der Polizei als Unfallfahrer präsentiert.
Also alles gut für Leo King?
Keineswegs.
Denn einige Tage später wird Benno in seinem Studio erschlagen.
Kommissarin Vera Falck und ihr Team blicken bei ihren Ermittlungen tief in die Abgründe der Musikszene Ruhr. Sie erfahren, dass im Schlagerland mit harten Bandagen gekämpft wird und begegnen schillernden Charakteren wie…

… Ricky Wernicke, der mit seinem Talent-Casting in Bennos Studio den Nachwuchs abzockt.
… Mike Groschek, der smarte Musikmanager, der für Leo Kings Tour über Leichen gehen würde.
… Bronco, den einsamen Ruhrpott-Cowboy, der Johnny Cash liebt – und seinen Baseballschläger.
… und natürlich Leo King, der König der Gute-Laune-Lieder. Ist er wirklich nur der nette Schlager-Onkel?


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12.9.16

Martin Schüller
Der Bulle von Garmisch



Bulle von Garmisch
Was für ein Glücksfall, dass der Musiker Martin Schüller sich irgendwann entschlossen hat, neben seiner Karriere in der drittbesten Rockband der Welt "The Arschbombe" auch noch Krimis zu schreiben. Schnelle Dialoge, präzise getaktete Plots und unvergleichlich prägnante Charaktere zeichnen seine Romane aus. In "Der Bulle von Garmisch" trifft der smarte Düsseldorfer "Sicherheitsexperte" Jo Kant in Garmisch auf den Ex-Kommissar Schwemmer, Schüllers Serienhelden und titelgebender Bulle. Jo Kant sucht unter anderem nach den verschwundenen Millionen aus dem letzten Deal eines verschwundenen Großkriminellen. Um erst einmal ein wenig Bewegung in die Sache zu bringen, setzt er kurzerhand das Gerücht in die Welt, der Ex-LKA-Bulle  und seine kunstverständige Ehefrau hätten sich das Geld unter den Nagel gerissen. Nicht gerade der beste Start für eine tolle Freundschaft zwischen den beiden, aber dafür erstklassige Voraussetzung für spannende, scharfsinnige Krimi-Unterhaltung.  rja
Rundum gelungen (fünf Sterne)

Martin Schüller
Der Bulle von Garmisch
Emons, 272 Seiten, 

NRZ / WAZ / WT / Funke.Medien
12.9.2016

9.9.16

Stefan Keller
Stirb, Romeo!





Bonn 1984
Die Bundeshauptstadt in den Achtzigern ist das Operationsfeld für die sogenannten "Romeo-Agenten", die der DDR-Geheimdienst ausschickt, damit sie Sekretärinnen an den Schaltstellen der Politik verführen und ihnen geheime Informationen entlocken. Ein ideales Opfer für den angeblichen Musiker Yannick Moreno ist da Vera Marx aus einem Vorzimmer im Verteidigungsministerium. Halb zieht Yannick sie, halb sinkt sie hin, nachdem sie entdeckt hat, dass ihr Mann sie mit einer Praktikantin betrügt. Zu dem Wechselbad der Gefühle kommt für Vera das perfide Spiel von Wahrheit, Lüge, Täuschung und Betrug, mit dem Yannick sie konfrontiert. Der Düsseldorfer Autor Stefan Keller inszeniert "Stirb, Romeo!" als eine Geschichte über die Liebe in Zeiten des NATO-Doppelbeschlusses, mit Anklängen an die Fernsehserie "Deutschland 1983". Und das dramatische Finale führt uns dann noch auf die andere Seite der Mauer nach Wandlitz.    rja
Unterhaltsam (drei Sterne)
Stefan Keller
Stirb, Romeo!
Gmeiner, 342 Seiten, 


NRZ / WAZ / WR /Funke-Medien
9.9.2016