30.6.15

Manni Breuckmann:
Schnee am Ballermann

Legende und WDR-Urgestein, keinen Roman über Fussball geschrieben hat, seine erwiesene Kernkompetenz. Sein Krimi "Schnee am Ballermann" führt uns nach Mallorca, das Mallorca der Residneten, der Dagebliebenen, der Herumhänger, der Abenteurer, Geschäftemacher, Gastronomen und Gelangweilten. Eine Szene, die Breuckmann offenbar sehr gut kennt, denn er portraitiert seine Protagonisten mit treffenden Strichen, erzählt von ihren gescheiterten Lebensträumen und ihrem letzten Wusnch nach ein bisschen Glück im Leben. Frank Husniak zum Beispiel, aus Gelsenkirchen, der sich mit Poolreinigen und Hausmeisterdienstn und Drogenhandel durchbringt. Oder Tom Kratzer, der ein gutgehendes Tonstudio und eine Kneipe und einen Porsche Cayenne hat, der eines Abends explodiert. Handgranate.Die Clique um Tom und Frank fragt sich natürlich, wer dahintersteckt: die Mafia, die ein ganzes Stadtviertel am Flughafen beherrscht, oder die Crocodiles, die Rocker, die überall ihre Türsteherdienste aufdrängen.
Es ist keine groß verwickelte Kriminalgeschichte, die sich bei der Suche nach den Leuten entwickelt, die Frank, Tom und Co bedrohen, aber es ist eine tolle Milieustudie über diese mallorquiner Halbwelt, von der  man nicht so viel weiß.
Pflichtkrimi für jeden Mallorca-Urlaub. Gehört in jeder Standtasche.
(Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung)

Mallorcas dunkle Seite
Am überraschendsten ist, dass Fußballreporter-Legende und WDR-Urgestein, Manfred "Manni" Breuckmann keinen Roman über Fussball geschrieben hat. Sein Krimi "Schnee am Ballermann" zeigt uns Mallorca, das Mallorca der Residenten, der Dagebliebenen, der Herumhänger, der Abenteurer, Geschäftemacher, Gastronomen und Gelangweilten. Eine Szene, deren Protagonisten Breuckmann mit treffenden Strichen zeichnet. Den Ruhrpottler Frank Husniak zum Beispiel, der sich mit Poolreinigen und und Drogenhandel durchbringt. Oder Tom Kratzer, der eine Kneipe und einen Porsche Cayenne hat, der eines Abends explodiert: Handgranate. Die Clique um Tom und Frank fragt sich, wer dahintersteckt. Die örtliche Zigeunermafia? Oder die Crocodiles, die Rocker, die überall ihre Türsteherdienste aufdrängen? Es ist keine komplizierte Kriminalgeschichte, die sich bei der Suche nach den Leuten entwickelt, die Frank, Tom und Co bedrohen, aber es ist eine tolle Milieustudie.  rja
Gehört in jeder Standtasche.(4 Sterne)

Manni Breuckmann:
Schnee am Ballermann
Westend, 240 Seiten



5.6.15

Das aktuelle Krimi-Ranking:
Die fünf oder sechs besten deutschen Krimi-Verfilmungen

Das aktuelle Krimi-Ranking:
Die fünf oder sechs besten deutschen Krimi-Verfilmungen


Platz 5
Nachts, wenn der Teufel kam
Deutschland 1957
Regie: Robert Siodmak
Mit: Mario Adorf

Worum geht es?
Deutschland 1944 – der Hilfsarbeiter Bruno Lüdke gerät  in Verdacht, ein mehrfacher  Frauenmörder  zu sein. Weil es aber mit der NS-Ideologie nicht vereinbar ist, dass ein debiler Serientäter im Dritten Reich jahrelang unentdeckt töten kann, wird der für die letzte bekannte Tat verhaftete Unschuldige verurteilt und "auf der Flucht erschossen", während Lüdke ohne Gerichtsverfahren ermordet wird.
Die Rolle des Bruno Lüdke wurde von dem damals noch unbekannten Mario Adorf gespielt und war der Anfang seiner Weltkarriere.

Was war die Roman-Vorlage?
Die Reportage "Nachts, wenn der Teufel kam" des Journalisten und Reporters  Will Berthold über den angeblichen Serienmörder Bruno Lüdke, veröffentlicht in der Münchner Illustrierten. Schon die als Reportage verkaufte Fassung des Stoffes sah sich der Kritik mangelnder Recherche und auch teilweise umgedeuteter Fakten ausgesetzt. Das alles konnte aber nicht den Erfolg des "Romans" und des Films verhindern, weil gerade letzterer sich als "Anti-Nazi-Film" (so Regisseur Siodmak) verstanden wissen wollte.


Platz 4
Vier Schlüssel
BRD 1965 
Regie Jürgen Roland
Mit Günther Ungeheuer, Horst-Michael Neutze, Walter Rilla, Monika Peitsch













Worum geht es?
Eines der ersten Heist-Movies im Nachkriegsdeutschland: In einer Hamburger Bank werden über das Wochenende 3,5 Millionen Deutsche Mark im Tresor eingelagert. Der Tresor kann nur mit vier Schlüsseln geöffnet werden, die von verschiedenen Funktionsträgern der Bank mit sich geführt werden. Eine straff organisierte Gangstertruppe unter Leitung von Alexander Ford (Neutze) schafft es, die vier Schlüsselträger festzusetzen und ihnen unter Drohungen die Schlüssel abzupressen. Der Coup scheint zu gelingen, bis am Ende doch alles schiefgeht

Jürgen Rolands kühle, protokollartige Regie, die klare Kameraführung und die konsequente Spannungsdramaturgie, die die zahlreichen Handlungsstränge mit Cliffhangern zusammenbindet sorgten für ein perfektes Spannungsstück. Dass die Figuren meist schablonenhaft blieben, fiel da nicht besonders auf – auch weil mit Horst-Michael Neutze und Günther Ungeheuer zwei echte Könner im Genre des "bösen Buben" am Start waren.

Welcher Roman war die Vorlage?
"Die vier Schlüssel" von Max Pierre Schaeffer. Der Journalist Schaeffer ließ sich für seinen Roman von einem authentischen Fall aus der Schweiz inspirieren. Zugleich fiel der Film auch in die Zeit, als die englischen Posträuber (1963) mit ihrem perfekt geplanten Coup das Interesse an solchen Heist-Stoffen geweckt hatten. Zeitgleich zur Premiere der "Vier Schlüssel" entstand bereits die dreiteilige Fernsehverfilmung des Posträuber-Dokudramas "Die Gentlemen bitten zur Kasse", nach dem Tatsachenbericht von Henry Kolarz.

Platz 3
Der Schneemann
BRD 1985
Regie: Peter F. Bringmann
Mit: Marius Müller-Westerhagen


Worum geht es?
Der klugschwätzende Abenteurer und halbseidene Entrepreneur Dorn (im Buch: Blum)  hängt auf Malta fest und versucht 5000 dänische Pornohefte nach Ägypten zu verkaufen. Der Deal geht schief und unter dem Toupet seines toten Aufkäufers findet er einen Gepäckaufbewahrungsschein des Münchner Hauptbahnhofs. Was lagert dort? Ein Karton mit 25 Dosen Old Spice Rasierschaum – allerdings mit speziellem Innenleben: zweieinhalb Kilo reinsten Kokains. Wenn Blum die an den richtigen Kunden verkaufen kann, ist er alle seine Sorgen los.
"Der Schneemann" kam 1985 als Star-Vehikel für Marius Müller-Westernhagen in die Kino. MMW war damals noch kein Rockstar war, sondern hatte gerade erst als Schauspieler einen Kassenerfolg in der Verliererkomödie "Theo gegen den Rest der Welt" erzielt.
Das "Schneemann"-Drehbuch von Matthias Seelig übernimmt nur wenig aus dem Roman, aber es sind die wesentlichen Dinge: Blum/Dorns Klugschwätzereien, seine träge Verachtung für alles konventionelle und bürgerliche und nicht zuletzt seine Stehaufmännchen-Mentalität. In seinem weißen Leinenanzug wirkt er wirklich wie ein aus der Zeit gefallener Sohn der Schwarzen Serie.

Welcher Roman war die Vorlage?
"Der Schneemann" (1981) von Jörg Fauser (1944 bis 1987). Fauser war Journalist, Junkie, Lyriker, Schriftsteller, der souverän jede Einordnung in die E- oder U-Kategorien umschiffte. Den deutschen Krimi seiner Zeit hat er gehasst, was ihn aber nicht daran hinderte, einige der besten deutschen Krimis seiner Zeit zu schreiben.
"Der Schneemann" ist ein auf seine ganz spezielle Art vom Koks befeuertes literarisches Road-Movie durch die Bundesrepublik der Achtziger, inspiriert von der stilistischen Finesse eines Raymond Chandler und dem Rebellentum eines Marlon Brando, über den Jörg Fauser eine Biographie schrieb. Später erklärte Fauser gern, der "Schneemann" sei nur zum Geldverdienen geschrieben worden – aber vielleicht ist er gerade deshalb so gut, so konzentriert, so schnörkellos perfekt, wie es Fausers spätere Krimis nie wieder wurden.

Platz 2
Die Katze
BRD 1988
Regie: Dominik Graf
Mit: Götz George. Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter


Worum geht es?
Düsseldorf, 16. Juni 1987. Meistergangster Probek (George) hat einen Plan am Start, der ihm und seinen Mittätern (Hoenig und Richter) drei Millionen Mark Lösegeld bringen soll. Probeks Komplizen überfallen dazu eine Bank und nehmen Geiseln, die gegen das Lösegeld ausgetaucht werden sollen. Es entspinnt sich ein psychologischer Nervenkrieg zwischen den verschiedenen Parteien - Polizei, Gangster, Probek – der am Ende von einem Showdown beendet wird.
Kritiker bezeichneten die frühe Kinoarbeit von Dominik Graf durchaus wohlwollend als den schmutzigen kleinen Bruder von "Dog Day Afternoon" von Sidney Lumet. In der temporeichen, dichten Inszenierung zeigte Graf  schon damals alle seine Stärken und Vorlieben – die hektischen Bilder der bewegten Kamera aus den Krisenstäben, die verwackelten Observationsbilder des Bankraubes, das beständige Annähern an die Orte aus verschiedenen Perspektiven und last but not least – die Verwendung der Tonspur mit Sprechfunk als eigenen Handlungsträger.

Welcher Roman war die Vorlage?
"Das Leben einer Katze", später "Die Katze" von Uwe Erichsen ist ein reines Genrestück aus der Werkstatt des Spannungs-Spezialisten Erichsen, der seine Karriere als Jerry Cotton-Autor  und startete und später für "Der Fahnder" und andere Serien aus der Produktion der Münchner Bavaria schrieb, wo auch Dominik Graf sich seine ersten Sporen verdiente. Die Story funktioniert nach dem Prinzip des Masterminds mit einem Masterplan, der am Ende dennoch mit seinem Vorhaben scheitert.

Platz 1
St. Pauli Nacht
BRD 1999
Regie: Sönke Wortmann
Mit: Armin Rohde, Heiner Lauterbach, Benno Führmann, Christian Redl

Worum geht es?
Shortcuts und Episoden aus dem Tag- und Nachtleben im Hamburger Stadtteil St. Pauli: In mehreren miteinander verketteten Episoden erzählt der Film den vergangenen Tag aus der Perspektive verschiedener beteiligter Personen, so unter anderem eines Taxifahrers, eines Kleinkriminellen, einer transsexuellen Prostituierten und zweier Jugendlicher.
Der Film besticht nicht nur durch sein All-Star-Cast (Rohde, Führmann, Lauterbach, Redl), sondern vor allem durch seine inszenatorische Dichte, die die ansonsten disparaten Elemente der Handlung zu einem Ganzen zusammenfügt. Die besondere Glaubwürdigkeit erlangt dies alles nicht zuletzt durch die prägnanten und präsenten Dialoge, durch die perfekte Beherrschung der Dialekte und Soziolekte des Viertels – was klar auf das Konto des Drehbuchautors Frank Göhre geht.

Welcher Roman war die Vorlage?
"St. Pauli Nacht" von Frank Göhre, der Roman entstand bereits im Zusammenhang mit der Drehbucharbeit zum Film und nimmt in seiner Erzählweise das fragmentarische des Films auf, ergänzt die Handlungsteile um einige weitere Elemente zeigt genau wie der Film seine  Stärken den Dialogen und dem extrem dichten Erzählton.



Und außer Konkurrenz:
Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
BRD 1981
Regie: Uli Edel
Mit: Natja Brunckhorst

Worum geht es?
Die 15-jährige Christiane F. aus einem Plattenbau in der Berliner Vorstadt gerät in die jugendliche Drogen- und Prostituiertenszene am Bahnhof Zoo. Uli Edel sprang bei der Regie des Films für Roland Klick ein, der sich kurz vor Drehstart mit dem Produzenten Bernd Eichinger überworfen hatte. Edel inszenierte das mehr als zwei Stunden lange Stück stets dicht dran, dokumentarisch und mit viel Raum für spekulative Bilder von Jugend-, Sex- und Drogenelend.



Was war die Vorlage?
Die Zeitschriftenserie und der Tatsachenroman "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von Christiane F. , aufgezeichnet von Kai Herrmann und Horst Rieck (1978). Die Buchausgabe der Zeitschriftenserie gehört zu den am meisten verkauften deutschen Sachbüchern. Vorwürfe, die Not und das Schicksal ihrer Protagonistin für eine spekulative Zeitschriftenstory ausgenutzt zu haben, wiesen die Autoren stets zurück.