25.11.15

Fumonori Nakamura
Der Dieb

Ein perfekter kleiner Noir-Thriller, der uns in die Welt der Diebe und Gangster mitnimmt und uns die Menschen zeigt, die dort leben.
Unser Held ist ein Taschendieb. Einer, der seine Profession auch ein wenig als hohe Kunst betreibt. Bei einem seiner Streifzüge fällt ihm eine junge Mutter mit ihrem halbwüchsigen Sohn aus, der sehr stiehlt, während die Mutter ablenkt. Schon bald wird unser Held den Jungen näher kennenlernen, sogar so etwas wie ein Vaterersatz und Lehrer für ihn werden. Doch es gibt auch eine andere Geschichte – in der unser Held mit einem Freund von einer mysteriösen Gangsterorganisation als Helfer bei einem Raubüberfall auf einen reichen Mann angeheuert werden. Hinter der Tat steckt viel mehr, das begreift unser Held spätestens dann, als sein Freund verschwindet. Und er von den Auftraggebern gezwungen wird, für sie zu stehlen. Es sind fast unlösbare Aufgaben, die er lösen muss, und je mehr es ihm gelingt, desto klarer wird ihm, dass er diesen Job nicht überleben wird.
Ein packend erzählter, extrem dichter, reduzierte Unterweltroman. Knappe Sätze., exakte Beobachtungen, konzentrierte Szenen.
Perfekte Krimi-Unterhaltung.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung, Dez 2015)

Fumonori Nakamura
Der Dieb
Diogenes





Taschendieb in Tokio
Unser Held ist ein Taschendieb in Tokio. Einer, der seine Profession als hohe Kunst betreibt. Bei einem seiner Streifzüge fällt ihm eine junge Mutter auf, deren halbwüchsiger Sohn stiehlt, während die Mutter ablenkt. Schon bald wird unser Held den Jungen näher kennenlernen, sogar so etwas wie ein Vaterersatz und Lehrer für ihn werden. Doch es gibt auch eine andere Geschichte in "Der Dieb" von Fuminori Nakamura. Da werden unser Held und sein Freund von der Yakuza als Helfer bei einem Raubüberfall auf einen reichen Mann angeheuert. Hinter der Tat steckt aber mehr, das begreift unser Held spätestens dann, als sein Freund verschwindet. Und er von den Auftraggebern gezwungen wird, für sie zu stehlen. Es sind fast unlösbare Aufgaben, die er lösen muss, und je mehr es ihm gelingt, desto klarer wird ihm, dass er diesen Job nicht überleben wird.
Ein packender, extrem dichter, reduzierter Unterweltroman. Knappe Sätze, exakte Beobachtungen, konzentrierte Szenen.  rja
Perfekter Noir (fünf Sterne)
Fuminori Nakamura:
Der Dieb
Diogenes, 224 Seiten,

WAZ / NRZ / Funke-Medien 4.2.2016



24.11.15

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht


Es ist nur ein Moment der Unachtsamkeit und schon ändert sich das Leben des Mannes, der nachts mit seinem Wagen auf dem Weg zum Stausee ist., wo er als Sicherheitschef arbeiten soll. Ein Unglück ist geschehen, das sein Leben und das seiner neuen Kollegen und Nachbarn von Grund auf ändern wird. Ein Mädchen ist gestorben, und der Verdacht, der bald bei den Bewohnern des Ortes am Stausee aufkommt, wird noch mehr Leben zerstören.

Weite Perspektiven für die Landschaftsbeschreibungen, dichte, konzentrierte Blick auf die Menschen, die dort am Staudamm leben und durch ein Verbrechen aneinander gefesselt werden – bis in die nächste Generation hinein. Der Roman liefert neben der souverän aufgebauten Spannungsgeschichte mit ihren lebensnahen, empathisch geschilderten Figuren auch einen Blick auf ein Land, das wir kaum kennen: Korea. Um  mit den etwas ungewohnten koreanischen Namen zurechtzukommen hilft ein kleiner Trick: einfach beim Lesen die Namen der Hauptfiguren aufschreiben und notieren, wie sie mit wem verwandt sind. Dann klappt's auch mit dem Korea-Krimi.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht
Unionsverlag

23.11.15

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone


Gleich mehrere Fälle muss der neapolutansiche Inspektor Lojacono mit seinen Kollegen lösen. Und die Kollegen sind auch so ein Fall – die "Gauner vom Revier Pizzofalcone" werden die intern genannt, weil auf dme Revier einmal einige korrupte Drogenpolizisten eine größere Portion beschlagnaghmnten Stoffes in die eigenen Taschen gesteckt haben.
Zur Erneueurng des Personals sind aus den anderen Revieren jetzt Polizisten abkommandiert – oder soll man sagen: abgeschoben worden. Unter ihnen Inspektor Lajacono, dem der unberechtigte Ruf anhängt, zu enge Kontakte zur Mafia zu haben.
Zwoe Fälle also: die Frau eines wohlhabenden Notars ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Wollte der Gatte endlich frei sein für seine Geibete?
Und dann gibt es noch die junge Frau, die scheinbar wie eine Gefangene in einer Luxuswohnung lebt, nur besucht von einem älteren Mann.
Der zweite Roman im Inspektor Lojacono bleibt deutlich hinter dem Debüt "Das Krokodil" zurück. Die Geschichte ist zwar ordentlich gebaut, die Personen gut entworfen, doch der Funke will bei den Gaunern vom Revier Pizzafalcone nicht zünden.
(Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung)

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone
Wunderlich/Rowohlt

12.11.15

Renée Knight
Deadline

Catherine ist Journalistin und Dokumentarfilmerin, sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem Vorort von London. So weit, so normal, bis Catherine ein Buch auf ihrem Nachttisch findet und anfängt zu lesen. Sie kann nicht fassen, was da steht – offenbar kennt der Autor einen Vorfall aus Ihrem Leben, von dem wirklich niemand außer ihr etwas wissen kann. Catherine ist geschockt und verängstigt: Woher kennt der Autor – dessen Name ihr nichts sagt - ihr Geheimnis. Und vor allem: Was bezweckt er mit seinem Buch, das er ihr zugespielt hat. Und nicht nur ihr, sondern offenbar auch ihrem Mann und ihrem Sohn.
Die Suche nach dem Unbekannten und seinen Motiven wird für Catherine zu einer Reise in die Vergangenheit – die längst nicht so romantisch und idyllisch war, wie sie es sich und ihrem Mann immer einzureden versucht hat.
Was als prickelnder Psycho-Thriller beginnt, versandet dann aber leider in einem überzogenen Melodram, das die Geduld des Lesers ziemlich auf die Probe stellt. Und weil ohnehin von Beginn an klar zu sein scheint, dass am Ende Catherines Glück zerstört sein wird, überrascht die finale Auflösung der Story auch nicht mehr.
Prickelnder Psycho-Thriller über die dunklen Seiten in uns, vor denen wir nur allzugern die Augen verschließen.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Renée Knight
Deadline
Goldmann
352 Seiten

8.11.15

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht

Es ist nur ein Moment der Unachtsamkeit und schon ändert sich das Leben des Mannes, der nachts mit seinem Wagen auf dem Weg zum Stausee ist., wo er als Sicherheitschef arbeiten soll. Ein Unglück ist geschehen, das sein Leben und das seiner neuen Kollegen und Nachbarn von Grund auf ändern wird. Ein Mädchen ist gestorben, und der Verdacht, der bald bei den Bewohnern des Ortes am Stausee aufkommt, wird noch mehr Leben zerstören.

Weite Perspektiven für die Landschaftsbeschreibungen, dichte, konzentrierte Blick auf die Menschen, die dort am Staudamm leben und durch ein Verbrechen aneinander gefesselt werden – bis in die nächste Generation hinein. Der Roman liefert neben der souverän aufgebauten Spannungsgeschichte mit ihren lebensnahen, empathisch geschilderten Figuren auch einen Blick auf ein Land, das wir kaum kennen: Korea. Um  mit den etwas ungewohnten koreanischen Namen zurechtzukommen hilft ein kleiner Trick: einfach beim Lesen die Namen der Hauptfiguren aufschreiben und notieren, wie sie mit wem verwandt sind. Dann klappt's auch mit dem Korea-Krimi.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht
Unionsverlag

7.11.15

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone


Gleich mehrere Fälle muss der neapolutansiche Inspektor Lojacono mit seinen Kollegen lösen. Und die Kollegen sind auch so ein Fall – die "Gauner vom Revier Pizzofalcone" werden die intern genannt, weil auf dme Revier einmal einige korrupte Drogenpolizisten eine größere Portion beschlagnaghmnten Stoffes in die eigenen Taschen gesteckt haben.
Zur Erneueurng des Personals sind aus den anderen Revieren jetzt Polizisten abkommandiert – oder soll man sagen: abgeschoben worden. Unter ihnen Inspektor Lajacono, dem der unberechtigte Ruf anhängt, zu enge Kontakte zur Mafia zu haben.
Zwoe Fälle also: die Frau eines wohlhabenden Notars ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Wollte der Gatte endlich frei sein für seine Geibete?
Und dann gibt es noch die junge Frau, die scheinbar wie eine Gefangene in einer Luxuswohnung lebt, nur besucht von einem älteren Mann.
Der zweite Roman im Inspektor Lojacono bleibt deutlich hinter dem Debüt "Das Krokodil" zurück. Die Geschichte ist zwar ordentlich gebaut, die Personen gut entworfen, doch der Funke will bei den Gaunern vom Revier Pizzafalcone nicht zünden.
(Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung)

Maurizio de Giovanni
Die Gauner von Pizzofalcone
Wunderlich/Rowohlt

6.11.15

Patrick Brosi:
Der Blogger.


Die junge Journalistin Marie Sommer wird auf den untergetauchten Blogger René Berger angesetzt. Der hat ins einem Blog vor einiger Zeit Daten über manipulierte Zulassungsstudien eines Pharmaunternehmens geleakt. Und jetzt erwartet man, dass er mit einer weiteren Enthüllung aufwartet.
Die letzte Spur von ihm scheint in den Schwarzwald zu führen – wo ein Mann am Titisee bei einem Bootsverleih ein Ruderboot mietet, hinausfährt – und verschwindet. War das René Berger?

Das sind nur zwei der vier Handlungsfäden, aus denen Patrick Brosi seinen Debütthriller DER BLOGGER geknüpft hat. Souverän verwebt er die Handlungen und auch die Zeitebenen miteinander, so dass ein vielschichtiger Roman entsteht, der eine komplexe Geschichte von Medienmanipulation, Mord und Wirtschaftskriminalität erzählt. Gekonnt vermittelt die komplexe Dramaturgie , wie sich die Bereich durchdringen und sich gegenseitig ergänzen.
Dass am Ende die ermittelnde Polizei mit fast leeren Händen dasteht, ist zwar bedauerlich – aber nur folgerichtig.
Komplexer, souverän erzählter Wirtschafts- und Medienthriller voller aktueller Zeitbezüge.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)




Dunkle Geschäfte
Die Journalistin Marie Sommer wird auf den untergetauchten Blogger René Berger angesetzt. Der hat Daten über manipulierte Zulassungsstudien eines Pharmaunternehmens geleakt. Jetzt erwartet man weitere Enthüllungen von ihm. Doch seine Spur verliert sich im Schwarzwald. Gerade dort, wo ein Mann am Titisee ein Ruderboot mietet, hinausfährt – und verschwindet. War das René Berger?
Das sind nur zwei der vier Handlungsfäden, aus denen Patrick Brosi seinen Thriller "Der Blogger" geknüpft hat. Souverän verwebt er sie auf verschiedenen Zeitebenen zu einer komplexen Story von Medienmanipulation, Mord und Wirtschaftskriminalität aus der Medizinbranche. Gekonnt vermittelt die komplexe Dramaturgie, wie sich Wirtschaft und Verbrechen durchdringen.
Dass am Ende die ermittelnde Polizei mit fast leeren Händen dasteht, ist zwar bedauerlich – aber nur folgerichtig.    rja
Souverän erzählt (drei Sterne)
Patrick Brosi:
Der Blogger
Emons, 480 Seiten,

WAZ / NRZ / Funke Medien 13.2.2016


5.11.15

Max Rhode: Die Blutschule
Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil


Ein ganzes Buch, um die Vorgeschichte eines anderen Buches zu erzählen. Ein populärer Autor, der unter einem Decknamen schreibt. Sebastian Fitzek – die "Helene Fischer des deutschen Krimis" ist immer wieder für eine Überraschung gut.
In seinem aktuellen Roman DAS JOSHUA-PROFIL geht es um einen ambitionierten  Horrorschriftsteller namens Max Rhode. Der hat gerade mal einen Erfolg landen können: DIE BLUTSCHULE, einen blutigen, teilweise extremen Teenager-Horror-Splatter-Roman, wie wir ihn von Autoren wie Richard Laymon kennen. Eine als Tagebuch aufgemachte Geschichte eines Vaters, der durch den mysteriösen Einfluss eines Sees in Brandenburg verrückt wird.
Diese Max Rhode, Held des JOSHUA-PROFILS, erlebt in Berlin jetzt einen Alptraum: Seine Pflegetochter Jola, die er und seine Frau aus den Hände eines Junkie-Pärchens gerettet hat, soll ihm plötzlich vom Jugendamt entzogen und zu den leiblichen Eltern zurückgebracht werden. Unter anderem, weil Maxens Bruder wieder den Kontakt zur Familie sucht – der pädophile Cosmo.
Spannend und voller überraschender Wendungen. Typisch Fitzek eben!

Rhode, Max Die Blutschule
Und
Sebastian Fitzek "Das Joshua-Profil"
Bastei Lübbe

4.11.15

Dirk Schmidt:
Task Force Hamm - Ertränkt, erhängt, erschossen


Fans das Radio-TATORTS der ARD kennen die "Task Force Hamm" aus den Krimis, mit denen der WDR den Sendeplatz bestückt. Und sie lieben die Versager-Cops, die vom LKA abgeschoben werden in die kreisfreie Polizeibehörde Hamm. Zum Beispiel Kommissar Scholz, der mit der Spielsucht seine Ehe, sein Karriere und fast sein Leben ruiniert hat. Aber davon abgesehen ein ganz guter Ermittler ist. In Hamm trifft er auf Kommissar Latotzke, westfälisches Urgestein, der seine Karriere nur der Tatsache verdankt, dass er jemand im Rathaus kennt. Nebenbei legt er als DJ auf und dreht im Auto immer "Ein Stern, der deinen Namen trägt" voll auf. Und nicht zuletzt Vorderbäumen, Chef dieser Versagertruppe, der seit Jahren gegen seine Frühpensionierung prozessiert und nebenbei mit Möbeln aus dem örtlichen Großmarkt handelt.
Jetzt gibt es neben den Hörspielen mit der Truppe auch den ersten Roman zur TASK FORCE HAMM. Es geht um den örtlichen Metzger, der in seiner  Metzgerei ertrunken ist, ehe er dort erhängt wurde – und man zum Schluss noch das Bolzenschussgerät an ihm ausprobierte.
Wer  - oder was? steckt hinter diesem Overkill? Der Tote war ein Zocker, hatte Schulden beim örtlichen Gangster. Aber woher hatte er dann das Geld, um sich eine hübsche Katalogbraut aus Thailand nach Hamm kommen zu lassen?
Ein vertrackter Fall für die TASK FORCE, ohne Zweifel. Aber keine Sorge, der Autor Dirk Schmidt kann erzählen wie der Teufel – spitz und witzig, präzise, sarkastisch und  auch mal satirisch überspitzt. Damit wird der der Roman zu einer der besten und unterhaltsamsten Krimis des Jahres.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)





Gnadenlos amüsant
Hörspielfans kennen die "Task Force Hamm" von Dirk Schmidt als Beiträge des WDR zum monatlichen Radio-Tatort. Wer sie nicht kennt, hat erstens etwas verpasst und zweitens jetzt die Chance, die angeschrägten Kommissare von der kreisfreien Polizeibehörde Hamm kennen zu lernen.
Zur Task Force nach Hamm wird nämlich abgeschoben, wer für den normalen Polizeidienst untragbar scheint. Zum Beispiel Kommissar Scholz, der mit der Spielsucht seine Ehe, sein Karriere und fast sein Leben ruiniert hat. In Hamm trifft er auf Kommissar Latotzke, westfälisches Urgestein, der neben bei als DJ jobbt. Zusammen mit ihrem Chef, der seit Jahren gegen seine Frühpensionierung prozessiert, müssen sie ermitteln, wer den örtlichen Metzger in seiner Metzgerei "Ertränkt, erhängt, erschossen" hat.
Ein vertrackter Fall, ohne Zweifel. Aber keine Sorge, der Essener Autor Dirk Schmidt kann erzählen wie der Teufel – spitz und witzig, präzise, sarkastisch und auch gern satirisch überspitzt.  rja
Beste Krimi-Comedy (Fünf Sterne)
Dirk Schmidt:
Task Force Hamm – Ertränkt, erhängt, erschossen
Grafit, 224 Seiten


3.11.15

Anthony Horowitz
Trigger Mortis - der Finger Gottes


James Bond ist zurück – in einem Roman, der von Anthony Horowitz im Auftrag der Bond-Erben geschrieben hat. Nach Sebastian Faulks (Devil may care), Jefferey Deaver (Carte Blanche) und William Boyd (Solo) erweckt er den Agenten mit der Dienstnummer 007 zum Leben – und zwar mit einem Abenteuer, das zeitlich unmittelbar an Bonds Duell mit dem Milliardär Auric Goldfinger anschließt.
Wir sind also Anfang der sechziger Jahre, der Kalte Krieg hält die Welt gefangen, deshalb nimmt der britische Geheimdienst es sehr ernst, dass die Russen offenbar alles daran setzen, mit einem Team bei einem Autorennen auf dem Nürburgring teilzunehmen. Und es zu gewinnen. Natürlich gehört Autorennen zu fahren auch zu Bonds Talenten, und so findet er sich schnell an der Rennstrecke in der Eifel wieder, wo er getarnt als schwer gelangweilter Brite unter den Rennzirkus mischt. Die Russen, die er im Visier hat – und diese bald auch ihn -  treffen sich dabei mit dem mysteriösen koreanischen Businessmann Jason Sin – und das ist denn auch der Superschurke, mit dem es Bond in diesem Buch zu tun bekommt.
Anthony Horowitz erzählt das Bond-Abenteuer nicht nur mit allen Zutaten eines ordentlichen Bond-Romans – schöne Frauen, harte Faustkämpfe, schmerzhafte Folterszenen – es gelingt ihm auch, den schlanken, schnörkellosen Stil von Ian Flemings Original-Bond-Romanen treffen.
Bond ist wieder da - smart, cool und spannend.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)







 Retro-Bond
James Bond ist zurück – in einem von den Erben Ian Flemings lizenzierten Roman, den – nach Jeffery Deaver und William Boyd - diesmal Anthony Horowitz schreiben durfte. Der hat bereits Conan Doyles Sherlock zu neuem Leben erweckt und ist als Bond-Erneuerer eine gute Wahl. Er schließt mit seinem 007-Abenteuer "Trigger Mortis" direkt an Flemings "Goldfinger" an: wir befinden in den sechziger Jahren, der Kalte Krieg hält die Welt gefangen. Deshalb nimmt es der  Geheimdienst Ihrer Majestät sehr ernst, dass die Russen mit einem Team bei einem Autorennen auf dem Nürburgring teilnehmen. So findet sich James Bond schon bald, getarnt als schwer gelangweilter Brite, im Rennzirkus rund um die "Grüne Hölle" in der Eifel wieder.
Anthony Horowitz erzählt mit allen Zutaten eines ordentlichen Bond-Romans – schöne Frauen, harte Faustkämpfe, rasante Verfolgungsjagden – es gelingt ihm auch, Ian Flemings schlanken Stil treffen.    rja
Bond bleibt Bond (Vier Sterne)
Anthony Horowitz:
Trigger mortis – Der Finger Gottes
CrossCult, 380 Seiten

2.11.15

Judith Merchant
Rapunzelgrab

Haariger Krimi
Ein Mord fast wie im Märchen: Die tote Frau vor dem Hexenturm in Rheinbach hat kein Haar mehr auf dem Kopf, dafür aber ein Bündel Haare im Magen. Einfache Erklärung: Sie litt am Rapunzelsyndrom – bei dem Menschen sich zwanghaft die Haare ausreißen und verschlucken.
Die Ermittlungen im Rapunzelmord von Judith Merchant führen die Polizei schnell zu einem Autorenzirkel, dem die Tote angehörte und den Besuchern der Lesung eines Starautors im Hexenturm. Kannte die Tote den Bestseller-Kollegen? Und was haben die etwas schrägen Mitglieder des Rheinischen Autorenkreises mit dem Mord an ihrem jungen Mitglied zu tun?
Judith Merchant portraitiert sie alle mit sanftem Sarkasmus - den Möchtegernautor, den Science Fiction-Vielschreiber, den smarten Literaturagenten, die Verlagsleuten und Kulturjournalistinnen. Allesamt überdrehte Literaturliebhaber, aber auch liebenswerte Zeitgenossen. Wenn es da nicht einen Mörder unter ihnen gäbe. rja
Von Büchern und Buchmachern
(Vier Sterne)
Judith Merchant:
Rapunzelgrab
Knaur, 416 Seiten,


Ein Mord fast wie im Märchen: Vor dem Hexenturm in Rheinbach wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Seltsam, dass die Tote keine eigenen Haare auf dem Kopf hat – und stattdessen eine billige Karnevalsperücke trägt. Noch seltsamer, dass man bei der Obduktion in ihrem Magen ein Bündel menschlicher Haare findet. Einfache Erklärung: Die Tote litt an dem sogenannten Rapunzelsyndrom – bei dem Menschen sich zwanghaft  eigenes Haar ausreißen und verschlucken.
Die Ermittlungen der Polizei führen schnell zu einem Autorenzirkel, dem die Tote angehörte und den Besuchern einer Autorenlesung, die im Hexenturm stattgefunden hat. Kannte die Tote den Starautor der dort mit seinem Roman "Rapunzeltod" auftrat? Was haben die etwas schrägen Mitglieder des Rheinischen Autorenkreises mit dem Mord an ihrem jungen Mitglied zu tun?
Judith Merchant schickt im "Rapunzelgrab" ihren rheinischen Kommissar Jan Seidel und sein Team zum dritten Mal ins Rennen. Die Ermittlungen bei den Hobby- und Möchtegernautoren, dem Science Fiction-Vielschreiber, einem smarten Literaturagenten, dem Starautor, Verlagsleuten und Journalistinnen lassen den Kommissar ganz neue Einblicke in die Literaturszene gewinnen.

Judith Merchant portraitiert die Branche der Buchmacher und Buchleser mit liebevollem Sarkasmus und zeichnet ihre Protagonisten als schräge, aber liebenswerte Zeitgenossen. Wenn es da nicht einen Mörder unter ihnen gäbe.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Judith Merchant:
Rapunzelgrab
Knaur

1.11.15

Andrea Ecker
Die Nebelgängerin


Theresa ist Thanatopraktikerin – sie richtet beim Bestatter die Verstorbenen zur Trauerfeier her. Als ihre Mutter stirbt, findet sie in deren Tagebüchern einen Hinweis, der sie verstört. Angeblich hat sie eine Schwester, eine Zwillingsschwester sogar. Alice soll sie heißen. Aber wie kann das sein? Angeblich hat Theresas Mutter sich als Leihmutter für ein wohlhabendes Paar zur Verfügung gestellt  und wurde mit Zwillingen schwanger – von denen sie nur ein Kind behalten hat: Theresa.
Theresa setzt alles daran, diese Alice zu finden – und sie stöbert sie in der Tat auf. In Wien. Dort lebt Alice, gefeierte Sängerin, Mutter einer Tochter.
So sehr Theresa zunächst eigentlich den Kontakt zu ihrer Schwester haben wollte, so zögerlich ist sie jetzt auf einmal, als sie die Möglichkeit hat, sie kennen zu lernen. Sie bleibt im Hintergrund, beobachtet  ihre Schwester und deren Tochter. Dann wird sie Zeugin eines Todesfalles. Spätestens jetzt muss sie begreifen, dass ihre Schwester nahezu das komplette Gegenteil von ihr ist – berechnend, skrupellos, gefährlich.
Eine Geschichte, die sanft wie auf Katzenpfoten daherkommt und einen dann immer mehr in ihren Bann zieht. Ein Psychothriller der sanften Art, einfühlsam geschrieben und packend bis zum Schluss.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)


Aus dem Reich der Toten
Theresa ist Thanatopraktikerin – sie richtet beim Bestatter die Verstorbenen her. Als ihre Mutter stirbt, erfährt sie aus deren Tagebuch, dass sie eine Zwillingsschwester hat – Alice. Wie kann das sein? Angeblich hat Theresas Mutter sich als Leihmutter für ein wohlhabendes Paar zur Verfügung gestellt und wurde mit Zwillingen schwanger – von denen sie ein Kind behalten hat: Theresa.
Theresa will die Schwester kennenlernen und stöbert sie auf. In Wien. Dort lebt Alice, gefeierte Sängerin, Mutter einer Tochter. Und dann wird sie Zeugin eines Todesfalles in Alices Umgebung. Spätestens jetzt muss sie begreifen, dass ihre Schwester das komplette Gegenteil von ihr ist – berechnend, skrupellos, gefährlich.
Die Essener Autorin Andrea Ecker erzählt die Geschichte des bösen Zwillings sanft, einfühlsam und packend bis zum Schluss.   rja
Stimmungsvoller Psycho (Vier Sterne)
Andrea Ecker:
Die Nebelgängerin
edition Oberkassel, 350 Seiten

NRZ / WAZ / Funke-Medien 9.1.2016