6.5.15

Das aktuelle Krimi-Ranking
Die sieben besten Verfilmungen von Kriminalromanen


Die sieben besten Verfilmungen von Kriminalromanen

Platz 7
Jack rechnet ab
(Get Carter, 1971)
Regie: Mike Hodges
Roman: Jack rechnet ab (Jack's return home, später: Get Carter, 1970)
von Ted Lewis
Der junge Michael Caine spielt den Gangster Jack Carter, der in seine Heimat nach Newcastle zurückfährt, um seinen Bruder zu beerdigen und sich am Ende in einem Rachefeldzug gegen die lokale Mafia wiederfindet. Hart, düster, dreckig, perfektes britisches Gangsterkino.
Trivia:
Im Jahr  2000 drehte Stephen T. Kay das allgemein verachtete Remake "Get Carter – Die Wahrheit tut weh" mit Sylvester Stallone als Carter und Michael Caine in der Rolle des Gegenspielers Cliff Brumby, die im Orginal Bryan Mosley spielte.


Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=H40V_fLIha0
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Platz 6:
Dr. Mabuse der Spieler
(1922)
Regie: Fritz Lang
Roman: Dr. Mabuse der Spieler (1921)
von Norbert Jacques
Fritz Lang und seine Drehbuchautorin Thea von Harbou schufen aus dem Trash Helden des luxemburger Unterhaltungsschriftstellers Norbert Jacques die Figur des Dr. Mabuse, das Symbol des bösartigen Manipulators, Beeinflussers, Drahtzieher. Mabuse als erster Großgangster und – laut einiger Deutungen – Vorahnung der Diktatur des III. Reiches.

Trivia: Dem Erfolg des ersten Films folgte "Das Testament des Dr. Mabuse" (1932). 1953 verkaufte Norbert Jacques die Figurenrechte an Artur Brauners  CCC-Film, es folgten rund ein halbes Dutzend Neubearbeitungen und Sequels um die Mabuse-Figur bis hin zu Claude Chabrols "Docteur M." von 1989.
Dr. Mabuse der Spieler bei The Epic Film Challange

Ganzer Film hier:
https://www.youtube.com/watch?v=70wDD7q9QII

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Platz 5
Nur die Sonne war Zeuge
(Plein soleil, 1960)
Regie: René Clément
Roman: Der talentierte Mister Ripley (The talented Mister Ripley, 1955)
von Patricia Highsmith
Der junge Alain Delon als Tom Ripley. Perfekt inszeniert, unterkühlt und  voller Spannung. Anders als im Roman, in dem der amoralische Tom Ripley ungestraft entkommt, wird er im Film durch die legendär gewordene Schlußsequenz des Mordes an seinem Freund Greenleaf überführt.

Trivia: 1999 spielte Matt Damon in Anthony Mingellas Neuverfilmung den Tom Ripley – anders, aber nicht schlechter als Delon. Der "New Yorker" bezeichnete Tom Ripley bei Erscheinen des Romans als  einen der „abstoßendsten und faszinierendsten Charaktere seit langem“ und die Geschichte als „bemerkenswert unmoralisch“.

Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=EkGcDACCeMc
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Platz 4
Der Tod kennt keine Wiederkehr
(The long Good-bye, 1973)
Regie: Robert Altmann
Roman: Der lange Abschied (The long Good-bye, 1953)
von Raymond Chandler
Elliott Gould spielt Philip Marlowe, der von seinem Freund Terry Lennox betrogen wird. Altman verlegte die Geschichte in die 70er-Jahre und überzieht den ganzen Film mit einem brüchigen Charme, einer Trauer um die vergangene Zeit und der flirrenden Ungewissheit vor der Zukunft. Elliot Gould in seiner besten Rolle, mit Naturkrause und im Mundwinkel festgewachsener Zigarette. Altmanns Film fiel zunächst bei der Kritik absolut durch („Sie müssen kein Fan von Raymond Chandler sein, um diesen Film bedauernswert zu finden, aber es hilft.“) und  wurde erst später Stück für Stück rehabilitiert. ("Er mag nicht exakt so sein wie der Roman, aber so einen Philip Marlowe haben Sie noch nie gesehen.")
Trivia: Das Drehbuch schrieb Leigh Brackett (1915 – 1978), die auch schon 1946 für Howard Hawks  gemeinsam mit William Faulkner Chandlers "The big sleep" adaptiert hatte.

Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=-sTaFEmyL9c
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Platz 3
Out of sight
(1998)
Regie: Steven Soderbergh
Roman: Zuckerschnute (später: Out of sight, 1996)
Von Elmore Leonard
George Clooney (Bankräuber Jack Foley) und Jennifer Lopez (US-Marshal Karen Sisco) lernen sich im Kofferraum eines Cadillacs kennen und laufen sich dann später noch einige Male beruflich und persönlich über den Weg. Die perfekte Mischung aus Action, Abenteuer, Krimi und Komödie. Clooney und Lopez waren nie besser, und Soderdbergh sowieso nicht.
Trivia: Worüber unterhalten sich ein Mann und eine Frau bei ihrer ersten Begegnung, wenn diese in einem Kofferraum stattfindet? Richtig: Sie sprechen über alte Filme.  Während Clooney zehn Millionen Dollar Gage erhielt, verdiente Lopez nur zwei Millionen und beklagte mehrmals, ihr Honorar sei zu niedrig gewesen.

Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=A_GOrRyhABg
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Platz 2
Das Schweigen der Lämmer
(The silence of the lambs, 1991)
Regie: Jonathan Demme
Romn: Das Schweigen der Lämmer (1988)
von Thomas Harris
Eine fast werkgetreue filmische Umsetzung des Romanstoffes. Getragen von einem perfekten Rhythmus spielen Jodie Foster und – natürlich – Anthony Hopkins – die Rollen ihres Lebens. Mittlerweile gehören ganze Dialogsequenzen ("Clarice!") und optische Chiffren (Lecters Eishockey-Maske) zur kollektiven kulturellen Erinnerung.

Trivia:  Der Film wurde in den fünf wichtigsten Kategorien mit einem Oscar ausgezeichnet. In der ersten Thomas Harris-Verfilmung "Blutmond" (1986) von Michael Mann wird Hannibal Lecter von Brian Cox gespielt. Thomas Harris schrieb noch das Sequel "Hannibal" und das Prequel "Hannibal Rising".

Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=JismZR7zp4U
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Platz 1
Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958)

Regie: Alfred Hitchcock
Roman: Vertigo - aus dem Reich der Toten (D’entre les morts, 1954)
von Pierre Boileau und Thomas Narcejac
Jimmy Stewart hat Höhenangst und Kim Novak ist blond. Perfektes Spannungskino um vorgetäuschte und wechselnden Identitäten der blonden Kim und die zum Schietenr verdammte Liebe des ängstlichen Jimmy. "Vertigo" gilt bei manchen Filmexperten ohnehin als bester Film aller Zeiten.

Trivia: Laut François Truffaut hatten Boileau und Narcejac schon beim Schreiben des Romans auf Hitchcocks Interesse an dem Stoff spekuliert, da dieser zuvor vergeblich versucht hatte, sich die Filmrechte an ihrem früherem Roman "Celle qui n’était plus" zu sichern, der 1955 von Henri-Georges Clouzot als "Die Teuflischen" verfilmt wurde.

Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Z5jvQwwHQNY



(Text: Reinhard Jahn, mit Material von wikipedia, krimilexikon.de, krimi-couch.de und artechock.de)

21.4.15

Die telefonische Mordsberatung auf WDR5 25.4.2015
Factsheet: Der Boom der Kurzkrimis

Die telefonische Mordsberatung auf WDR
Mach es kurz, Autor - Der Boom der Kurzkrimis
Factsheet
Ihr Krimi-Kompetenzteam: Reinhard Jahn, Thomas Hackenberg, Ingrid Müller-Münch, Ulrich Noller


















Während auf der einen Seite die Krimi immer seitenstärker werden, boomt auf der an-deren Seite das genaue Gegenteil: Die Krimikurzgeschichte. Jedes Jahr erscheinen rund 500 neue Kurzkrimis. Zu regionalen Themen, als Reiseführer, für Campingplatz-besucher, für Häuslebauer, zu Weihnachten, Ostern und für die Sommerferien.
Autoren lieben Kurzgeschichten nicht so sehr wegen der Form und auch nicht wegen des Geldes. Sondern weil eine Kurzgeschichte das ideale Programm bei einer Lesung ist. In 15 bis 20 Minuten Lesezeit kann man eine abgeschlossene Story präsentieren.
Für jede Lifestyle-Nische erzählen Krimiautoren scharfsinnige und amüsante Krimis. Die WDR 5 Krimi-Experten Ulrich Noller (KrimiZEIT-Bestenliste), Reinhard Jahn (Bo-chumer Krimiarchiv) und die Journalistin Ingrid Müller-Münch fragen: ist kurz immer besser? Oder braucht eine gute, vor allem spannende Mordgeschichte doch einen Roman?
Ob kurz oder lang: Empfohlen werden auch an diesem Mordsberatungsabend die besten Krimis des Frühjahrs.
Hörerinnen und Hörer können sich per E-Mail an der Sendung beteiligen. mordsberatung@wdr.de
Redaktion: Petra Brandl-Kirsch

Moderation: Thomas Hackenberg

Live aus dem Studio von WDR5 am
25. April 2015
21.05 bis 23.00 Uhr
WDR5

MP3 der Sendung ab Sonntag 26.4.2015 hier
Das MordsPDF mit allen Buchtipps aus der Sendung ab spätestens Dienstag 28.4.2015 hier

Der Kurzgeschichten-Boom


Die Kriminalkurzgeschichte – auch "Kurzkrimi" genannt – erlebt derzeit ein Comeback. Mehr als 500 neue Kurzkrimis – Story von sieben bis 15 oder 20 Seiten, erschienen jedes Jahr in Anthologien.
Comeback? Ja. Denn "Krimis" waren im Ursprung Kurzgeschichten ("Stories"). Man denke an die Dupin-Stories von Edgar Allen Poe, die das Genre konstituierten, und natürlich an die Sherlock Holmes Stories, die allesamt zuerst in Magazinen / Zeitschriften erschienen









In den USA hatten die Kriminalstories von den 1950ern bis in die 1970er Konjunktur, mit eigenen Story-Magazinen wie "Alfred Hitchcock's Mystery Magazine" oder "Ellery Queen's Mystery Magazine" (seit 1941, das heute noch existiert).







Zuvor hatte es in den Dreißigern und Vierzigern natürlich die "Pulp"-Magazine gegeben, in denen Kriminalstories erschienen und in denen sich Raymond Chandler und Dashiell Hammett ihre Sporen verdienten.








Kriminalstories in Deutschland
Die Anthologien versammeln in der Regel um die 20 Autorinnen und Autoren mit den Storys zu meinem bestimmten Thema. Die Themen spiegeln die ganze breite des Krimi-Entertainments wieder:
Regional ausgelegte Sammlungen (Eifel, Allgäu, Inseln, Bayern)
Zum Beispiel die beiden erfolgreichen Revierkrimi-Anthologien "Hängen im Schacht" und "Schicht im Schacht", die der Autor dieses Factsheets herausgegeben hat.
Details "Schicht im Schacht"
Details "Hängen im Schacht"



Weihnachts-Anthologien. Eine sichere Bank – weil auch als schnelles Geschenkbuch für's Fest geeignet. Alle Jahre wieder.

Aktuelle Kurzkrimi-Anthologien

Sie kriegen jeden: Die Liga der außergewöhnlichen Ermittler 
Zwanzig Kurzkrimis
herausgegeben von Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer,
dtv, Januar 2015
Autoren wie Friedrich Ani, Doris Gercke, Oliver Bottini, Rita Falck und andere erzählen einen Fall mit ihrem Ermittler/Detektiv, also mit Tabor Süden (Ani), Bella Block (Gercke), Louise Boni (Bottini) , sowie Ralf Kramp, Tatjana Kruse, Volker Kutscher, Inge Löhnig, Sandra Lüpkes, Susanne Mischke, Gisa Pauly, Jutta Profijt, Peter Probst, Thomas Raab, Silvia Roth, Michael Theurillat, Klaus-Peter Wolf


 

Küche, Diele, Mord, hrsg von Almuth Heuner,  KBV,
Krimis für jedes Zimmer des Hauses, Tatorte und Ermittlungen vom Keller bis zum Dachboden. Enthält den aktuellen (2014) Kurzkrimi-Glauser-Preisträger Alexander Pfeiffer.









Aufgebockt und abgemurkst, (2014) und
chillen, grillen, campen, (2015)  herausgegeben von Regine Kölpin, KBV
Zwei Sammlungen mit Kurzkrimis für und über Camping-Fans.









Festival-Anthologien, etwa zum
Mord am Hellweg
der CRIMINALE
dem Krimifestival München
in denen meist die späteren Festivalautoren eine Story über die Region / dieStadt schrieben, in der das Festival stattfindet.  Die Vermarktung findet dann beim Festival statt.






Autoren-Anthologien mit Stories eines einzigen Autors sind die Ausnahme. In der Regel sammeln sie auch nur die Stories, die an anderer Stelle bereits veröffentlicht wurden jetzt in einem Band.
Beispiele:
Tatjana Kruse: Ein Männlein hängt im Walde: Kriminelle Kurzgeschichten, KBV, 2015
Ralf Kramp: Mord und Totlach: Kriminelle Kurzgeschichten, KBV, 2014
Klaus-Peter Wolf: Mord am Leuchtturm: 17 Krimi-Erzählungen, Fischer, 2014

Spezialfall:
24 Stunden – 24 Autoren , E-Book,
24 Autoren aus der Selbstpublisher-Szene haben sich zu diesem Anthologie-Roman zusammengefunden. Schauplatz ist ein Berliner Luxushotel, jeder Autor siedelt seine Geschichte dort an, und zwar zu einer Stunde, (Uhrzeit), die vorgegeben wird.
Selbstdarstellung: "Im Herbst 2014 beschloss eine Gruppe von erfolgreichen unabhängigen Autoren, einen gemeinsamen Roman zu schreiben. Die Idee: 24 Autoren sollten mit ihren Geschichten 24 Stunden eines Tages füllen. Jeder in seinem Genre, mit seiner typischen Schreibweise und mit den eigenen Hauptfiguren anderer Romane. Krimi, Fantasy, Liebesromane, Humor, Thriller und sogar Science Fiction – alles sollte seinen Platz haben."
Mit dabei: Poppy J. Anderson, David Gray, Bela Bolten, Michael Meisheit etc
Mehr Details hier


Die durchschnittliche deutsche Kurzgeschichte als Anthologiebeitrag:
Länge: 12 bis 15 Seiten
Vorlesezeit: 15 bis 20 Minuten
Arbeitszeit: 4 Tage bis eine Woche
Honorar: 150 bis 250 Euro

Früher gab es auch den "Kurzkrimi" in Frauenzeitschriften und Programmzeitschriften
Länge: 4500 bis 10000 Zeichen
Lesezeit: 5 bis 7 Minuten
Arbeitszeit: 1 Tag
Honorar: 500 bis 1000 Mark (!)

Autoren lieben Kurzgeschichten nicht so sehr wegen der Form und auch nicht wegen des Geldes. Sondern weil eine Kurzgeschichte das ideale Programm bei einer Lesung ist. In 15 bis 20 Minuten Lesezeit kann man eine abgeschlossene Story präsentieren.