2.4.15

Boileau/Narcejac:
Der Tod erlaubt kein Double



Als Richard K. Flesch noch die Reihe der Rowohlt-thriller betreute, machten Titel wie "Parfüm für eine Selbstmörderin" oder "Wenn eine Tote mit zwei Männern lebt" auf  die ersten Psycho-Thriller des französischen Autorenpaares Pierre Boileau und Thomas Narcejac in Deutschland aufmerksam.
Boileau/Narcejac stand lange als Zeichen für perfekt ausgetüftelte Stories, die den Leser von einer Überraschung zur anderen führten.
Nun erscheint der jüngste Thriller von Boileau/Narcejac unter dem nichtssagend konfektionierten Titel "Der Tod erlaubt kein Double" und liefert nicht mehr als eine durchschnittlich spannende Geschichte um die psychologisch geschickt kalkulierte Rache eines querschnittgelähmten Stuntmans am Verursacher seiner Verletzung.
Deutlich wird in Konstruktion und Erzählung, wie Boileau/ Narcejac an ihre erfolgreiche Tradition des Psychothrillers anzuknüpfen versuchen, indem sie ein Seelendrama aus aufbrandenden Leidenschaften und verwirrten Gedanken auf engstem Raum inszenieren - doch vieles wirkt hier ebenso abgegriffen und konventionell wie der einfallslose Titel. Die Pointe, die quasi als doppelter Boden am Ende dennoch eine Überraschung zu bringen versucht, entlarvt das Buch sehr deutlich als das, was es ist: nur ein durchschnittlicher Krimi.
Reinhard Jahn

Boileau/Narcejac: 
Der Tod erlaubt kein Doube (Le dernière cascade)
Deutsch von Marianne Ceasar,
rororo-thriller 2760, 147 Seiten,
Erschienen im September 1986

19.3.15

Sandrone Dazieri
In der Finsternis

Spannung total
Der Ermittler als Freak: Dante Torre ist extrem traumatisiert und voller Phobien, seit er als Junge elf Jahre von einem geheimnisvollen Mann, den er den "Vater" nennt, in einem Getreidesilo gefangengehalten wurde. Seitdem kann er die Gefühle von Menschen deuten und hilft mit dieser Fähigkeit mitunter der Polizei. Wie etwa jetzt der jungen Polizistin Colomba Caselli und ihrem Vorgesetzten bei einem spektakulären Fall. Ein Kind ist verschwunden – und als Dante Torre den Tatort sieht, wird ihm klar, dass sein Peiniger – der "Vater" - offenbar immer noch aktiv ist.
"In der Finsternis" von Sandrone Dazieri ist eine gnadenlose, rasant erzählte Jagd nach den Hintermännern der Entführung, und einem Komplott, das – natürlich - bis weit in die Vergangenheit zurückreicht. Der Thriller lässt kaum einen Spannungseffekt aus, überrascht aber zwischendurch immer wieder mit kleinen literarischen Kabinettstückchen. (Reinhard Jahn)
Spektakulärer Krimi-Reißer   (Vier Sterne)
Sandrone Dazieri
In der Finsternis
Piper, 560 Seiten,
NRZ / WAZ / Funke Medien 19.3.2015