19.9.14

Das aktuelle Krimi-Ranking
Die sieben besten Verfilmungen von Kriminalromanen


Die sieben besten Verfilmungen von Kriminalromanen

Platz 7
Jack rechnet ab
(Get Carter, 1971)
Regie: Mike Hodges
Roman: Jack rechnet ab (Jack's return home, später: Get Carter, 1970)
von Ted Lewis
Der junge Michael Caine spielt den Gangster Jack Carter, der in seine Heimat nach Newcastle zurückfährt, um seinen Bruder zu beerdigen und sich am Ende in einem Rachefeldzug gegen die lokale Mafia wiederfindet. Hart, düster, dreckig, perfektes britisches Gangsterkino.
Trivia:
Im Jahr  2000 drehte Stephen T. Kay das allgemein verachtete Remake "Get Carter – Die Wahrheit tut weh" mit Sylvester Stallone als Carter und Michael Caine in der Rolle des Gegenspielers Cliff Brumby, die im Orginal Bryan Mosley spielte.
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=H40V_fLIha0
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Platz 6:
Dr. Mabuse der Spieler
(1922)
Regie: Fritz Lang
Roman: Dr. Mabuse der Spieler (1921)
von Norbert Jacques
Fritz Lang und seine Drehbuchautorin Thea von Harbou schufen aus dem Trash Helden des luxemburger Unterhaltungsschriftstellers Norbert Jacques die Figur des Dr. Mabuse, das Symbol des bösartigen Manipulators, Beeinflussers, Drahtzieher. Mabuse als erster Großgangster und – laut einiger Deutungen – Vorahnung der Diktatur des III. Reiches.

Trivia: Dem Erfolg des ersten Films folgte "Das Testament des Dr. Mabuse" (1932). 1953 verkaufte Norbert Jacques die Figurenrechte an Artur Brauners  CCC-Film, es folgten rund ein halbes Dutzend Neubearbeitungen und Sequels um die Mabuse-Figur bis hin zu Claude Chabrols "Docteur M." von 1989.
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=_GnKM6VTbbA
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Platz 5
Nur die Sonne war Zeuge
(Plein soleil, 1960)
Regie: René Clément
Roman: Der talentierte Mister Ripley (The talented Mister Ripley, 1955)
von Patricia Highsmith
Der junge Alain Delon als Tom Ripley. Perfekt inszeniert, unterkühlt und  voller Spannung. Anders als im Roman, in dem der amoralische Tom Ripley ungestraft entkommt, wird er im Film durch die legendär gewordene Schlußsequenz des Mordes an seinem Freund Greenleaf überführt.

Trivia: 1999 spielte Matt Damon in Anthony Mingellas Neuverfilmung den Tom Ripley – anders, aber nicht schlechter als Delon. Der "New Yorker" bezeichnete Tom Ripley bei Erscheinen des Romans als  einen der „abstoßendsten und faszinierendsten Charaktere seit langem“ und die Geschichte als „bemerkenswert unmoralisch“.
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=EkGcDACCeMc
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Platz 4
Der Tod kennt keine Wiederkehr
(The long Good-bye, 1973)
Regie: Robert Altmann
Roman: Der lange Abschied (The long Good-bye, 1953)
von Raymond Chandler
Elliott Gould spielt Philip Marlowe, der von seinem Freund Terry Lennox betrogen wird. Altman verlegte die Geschichte in die 70er-Jahre und überzieht den ganzen Film mit einem brüchigen Charme, einer Trauer um die vergangene Zeit und der flirrenden Ungewissheit vor der Zukunft. Elliot Gould in seiner besten Rolle, mit Naturkrause und im Mundwinkel festgewachsener Zigarette. Altmanns Film fiel zunächst bei der Kritik absolut durch („Sie müssen kein Fan von Raymond Chandler sein, um diesen Film bedauernswert zu finden, aber es hilft.“) und  wurde erst später Stück für Stück rehabilitiert. ("Er mag nicht exakt so sein wie der Roman, aber so einen Philip Marlowe haben Sie noch nie gesehen.")
Trivia: Das Drehbuch schrieb Leigh Brackett (1915 – 1978), die auch schon 1946 für Howard Hawks  gemeinsam mit William Faulkner Chandlers "The big sleep" adaptiert hatte.
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=-sTaFEmyL9c
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Platz 3
Out of sight
(1998)
Regie: Steven Soderbergh
Roman: Zuckerschnute (später: Out of sight, 1996)
Von Elmore Leonard
George Clooney (Bankräuber Jack Foley) und Jennifer Lopez (US-Marshal Karen Sisco) lernen sich im Kofferraum eines Cadillacs kennen und laufen sich dann später noch einige Male beruflich und persönlich über den Weg. Die perfekte Mischung aus Action, Abenteuer, Krimi und Komödie. Clooney und Lopez waren nie besser, und Soderdbergh sowieso nicht.
Trivia: Worüber unterhalten sich ein Mann und eine Frau bei ihrer ersten Begegnung, wenn diese in einem Kofferraum stattfindet? Richtig: Sie sprechen über alte Filme.  Während Clooney zehn Millionen Dollar Gage erhielt, verdiente Lopez nur zwei Millionen und beklagte mehrmals, ihr Honorar sei zu niedrig gewesen.
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=A_GOrRyhABg
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Platz 2
Das Schweigen der Lämmer
(The silence of the lambs, 1991)
Regie: Jonathan Demme
Romn: Das Schweigen der Lämmer (1988)
von Thomas Harris
Eine fast werkgetreue filmische Umsetzung des Romanstoffes. Getragen von einem perfekten Rhythmus spielen Jodie Foster und – natürlich – Anthony Hopkins – die Rollen ihres Lebens. Mittlerweile gehören ganze Dialogsequenzen ("Clarice!") und optische Chiffren (Lecters Eishockey-Maske) zur kollektiven kulturellen Erinnerung.

Trivia:  Der Film wurde in den fünf wichtigsten Kategorien mit einem Oscar ausgezeichnet. In der ersten Thomas Harris-Verfilmung "Blutmond" (1986) von Michael Mann wird Hannibal Lecter von Brian Cox gespielt. Thomas Harris schrieb noch das Sequel "Hannibal" und das Prequel "Hannibal Rising".
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=JismZR7zp4U
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Platz 1
Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958)

Regie: Alfred Hitchcock
Roman: Vertigo - aus dem Reich der Toten (D’entre les morts, 1954)
von Pierre Boileau und Thomas Narcejac
Jimmy Stewart hat Höhenangst und Kim Novak ist blond. Perfektes Spannungskino um vorgetäuschte und wechselnden Identitäten der blonden Kim und die zum Schietenr verdammte Liebe des ängstlichen Jimmy. "Vertigo" gilt bei manchen Filmexperten ohnehin als bester Film aller Zeiten.

Trivia: Laut François Truffaut hatten Boileau und Narcejac schon beim Schreiben des Romans auf Hitchcocks Interesse an dem Stoff spekuliert, da dieser zuvor vergeblich versucht hatte, sich die Filmrechte an ihrem früherem Roman "Celle qui n’était plus" zu sichern, der 1955 von Henri-Georges Clouzot als "Die Teuflischen" verfilmt wurde.
Trailer bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Z5jvQwwHQNY



(Text: Reinhard Jahn, mit Material von wikipedia, krimilexikon.de, krimi-couch.de und artechock.de)

25.8.14

Die telefonische Mord(s)beratung:
Factsheet Neo Noir

Die telefonische Mord(s)beratung :
"Neo Noir" die dunkelste Seite des Krimis
Samstag, 30. August 2014,
21.05 - 23.00 Uhr
auf WDR5


Ihr Krimi-Kompetenzteam der Mordsberatung:
Reinhard Jahn, "Chief-Inspector" Thomas Hackenberg, Ingrid Müller-Münch und Ulrich Noller.
Foto: WDR, mit freundlicher Genehmigung

Es sind tiefschwarze Geschichten aus den dunkelsten Abgründen des Lebens, die der Noir-Krimi erzählt. Stories über Verbrechen, Mord, Verzweiflung und Ausweglosigkeit.

James Sallis, Daniel Woodrell oder Joe R. Lansdale sind die führenden Vertreter des neuen "noir" Das WDR 5-Krimi-Kompentenz-Team Ulrich Noller (KrimiZeit-Bestenliste), Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv) und Ingrid Müller-Münch (Journalistin) hat sich diese und andere Autoren genau angesehen und spürt der Frage nach, was das faszinierende an diesem neuen, dunklen Trend ist. Und selbstverständlich haben die Drei auch die anderen Neuerscheinungen des heißen Krimisommers 2014 im Blick.

Die Hörerinnen und Hörer können sich per Mail an der Sendung beteiligen.
mordsberatung@wdr.de
Redaktion: Petra Brandl-Kirsch
Moderation: Thomas Hackenberg


Schwarz. Schwärzer. Noir


Was ist eigentlich noir?

Erstmal ein bisschen THEORIE:

"Noir" ist zunächst einmal ein französischer Begriff, der sich vom "film noir" ableitet.
Damit wurde eine Gattung von zynisch-pessimistischen amerikanischen Kriminalfilmen aus den 40er- und 50er-Jahren bezeichnet. Der deutsche Begriff "Schwarze Serie" fasst ebenfalls diesen Bereich.
Wikipedia nennt "Die Spur des Falken" (1941, die Verfilmung von Hammetts "Malteser Falken") als ersten und "Im Zeichen des Bösen" (1958) als letzten Film dieser Gattung

Der legendäre Opening Shot von "The sign of Evil": Dreieinhalb Miniten in einer Einstellung


Ein "roman noir" kann zuächst einmal eine hardboiled detective novel sein, also ein harter US-Krimi aus den 50er-Jahren im Stile von Raymond Chandler und Dashiell Hammett, Mickey Spillane und James M. Cain.
Zitat:  -"In ihren Geschichten stehen gesellschaftskritische Gesichtspunkte im Vordergrund, wobei die Hauptfiguren oft „Outsider“ sind und der Fokus auf dem Verbrecher oder dem Detektiv liegen kann."
http://de.wikipedia.org/wiki/Roman_noir

Frankreich, bzw die französischen Intellektuellen waren große Liebhaber des "noir" und "hardboiled" – ihre Lieblingsautoren waren Cornell Woolrich, Jim Thompson und andere. Französische Autoren wie Jean-Patrick Manchette ordnen sich in diese Tradition ein.

"Noir" ist: gesellschaftkritisch, sozial bewusst, in Maßen nihilistisch.
Verbrechen ist in der Regel Ergebnis politischer, gesellschaftlicher Verhältnisse, also struktureller Natur.
Reiner "noir" verzichtet auf einen positiven "Detektiv"-Helden

Zitat: -Der Noir-Krimi ist mehr als nur Krimi. Die Anti-Helden durchleiden nicht nur die Verbrechen, von denen der Noir-Roman erzählt, sondern steigen tief hinab in ihre dunklen Seelen.
-Sie sind keine genialen Denker, oder schlagkräftig und moralisch überzeugende Typen, sondern in sich zerissene, von den (verbotenen) Genüssen des Lebens verführbare Anti-Helden, die unaufhaltsam ihrem düsteren Schicksal entgegen stolpern.
Quelle: http://www.kriminalliteratur.krimischule.de/noirkrimi.html


Beziehungsweise – Zitat Wikipedia:
Der Detektiv ist kein Amateur oder Polizist, sondern ein privater Ermittler, der gegen Bezahlung einen Auftrag übernimmt. Bei seinen Ermittlungen verlässt er sich nicht ausschließlich auf rationale Überlegungen, sondern wendet auch einmal Gewalt an, um Informationen zu bekommen. Es gibt keine radikale Trennung zwischen dem Milieu des Verbrechens und dem des Detektivs: Der Ermittler handelt selbst oft am Rande der Legalität, hat eine zweifelhafte Vergangenheit oder lebt im gleichen Milieu wie die Verbrecher.

Also:

Zusammenfassend könnte man sagen, dass der roman noir sich dadurch auszeichnet, dass er keine scherenschnittartigen Trennungen zwischen Gut und Böse vorstellt, sondern die Grauzone zwischen Gut und Böse, zwischen Schuld und Unschuld, zwischen individueller und kollektiver Verantwortung erforscht.

Doch lieber ein paar Beispiele?


James M. Cain: Wenn der Postmann zweimal klingelt 

(Double indemnity, 1934)
USA, 30er Jahre. Der Herumtreiber Frank Chambers findet einen Job bei der Takstelle des "Griechen", verällt dessen sinnlicher Frau Cora. Beide bringen den Griechen um. Statt glücklich zu werden, stirbt Cora bei einem Unfall – der von der Polizei für einen Mord gehalten wird – für den man Frank Chambers verurteilt.
Diverse Male verfilmt


Cornell Woolrich: Die Braut trug schwarz 

(The bride wore black, 1940)
Julie Killeen bringt die Männer um, die den Tod ihres Bräutigams verschuldet haben.
Verfilmt von Franclis Truffaut

Und was ist jetzt "neo noir" und "Country noir"?

"Neo noir" nennt man aktuelle Kriminalromane, die Gestaltungselemente des klassischen "noir" für ihre aktuelle Geschichte aufnehmen. Also etwa den zynischen, nihilistischen Grundton, die Schilderung von Verbrechen als Folge gesellschaftlicher oder politischer oder sozialer Verhältnisse. Abkehr von einer definierten positiven Heldenfigur.

Iain Levinson: Hoffnung ist Gift

Schauplatz Dallas. Jeff Sutton, Taxifahrer, gerät in Verdacht, die Tochter seiens letzten Fahrgastes gekidnappt zu hane. Alles spricht gegen ihn, er wird verurteilt, sitzt ein, nur sein Zellengenosse glaubt an seine Unschuld. Und als Jeff dann wirklich entlassen wird, nimmt die Geschichte eine weitere Wendung.

Dave Zeltserman: Paria

Schauplatz Boston. Kyle Nevin, ein "Soziopath mit Charme" kommt aus dem Knast und zieht seinen Bruder Danny, der halbwegs herlich gewordne ist, sofort wieder ins einer verbrecherischen Geschäfte hinein, mit denen er seine früherer Position in der Unterwelt wiedererlangen will. Doch damit nicht genug – das alles, sein "Leben" verkauft Kyle als "Wahre Geschichte" an einen Buchverlag, um damit noch mehr Kohle zu machen.

"Country Noir" 

erzählt all dies in einer ländlichen Umgebung, bisher ausschließlich in den USA. Country Noir kann sich auch, wie bei Joe R. Lansdale, als Jugend- oder Coming of Age-Geschichte tarnen, die meist von einem sehr alten Ich-Erzähler als Erinnerung erzählt wird.


Joe R. Lansdale: Ein feiner dunkler Riss

Dewmont, East Texas, 1958. Stanley, 13, und seine Schwester Callie wachsen im Autokino ihres Vaters auf und erkunden die Umgebung. Sie stoßen dabei auf die Überreste der Villa der Familie Stilwind und auf die düsteren Geschichten und Gerüchte, die sich um ein lange zurückliegendes Familiendrama in diesem Haus ranken.


Joe R. Lansdale: Die Wälder am Fluss

Marvel Creek, Osttexas, in den 30ern. Harry Crane, 11, Sohn des örtlichen Friseurs Constablers, endteckt die misshandelte Leiche einer Farbigen. Erst als ein Unschuldiger gelyncht wird, machts ich Harry mit seiner Schwetser daran, den Mordfall zu "untersuchen". Rassenhass, Ku-Klux-Klan, dumpfe Ignoranz, Aberglaube und Engstirnigkeit zeichnen die Umgebung des Jungen in dem kleinen Ort aus.