20.9.17

Krimi des Tages:
Moni plant das Superding



 Moni plant das Superding

 Von Ralph Petersen


»Du bist und bleibst eben ein kleines Licht!«, verkündet Moni. Der Wirt der Wattenscheider Bahnhofskneipe poliert betont unauffällig seine Biergläser. Oskar Schreitzmeyer scheint unter den harten Vorwürfen seiner Freundin, die neben ihm am Tresen steht, immer mehr zusammenzuschrumpfen. »Seit vier Wochen hast du kein einziges Ding mehr gedreht«, beschwert Moni sich jetzt. »Wovon sollen wir leben? Unser Geld geht zu Ende!«
     »Ich versuchss ja«, rechtfertigt Oskar sich, und wie immer, wenn er aufgeregt ist, lispelt er. »Aber esss geht eben immer etwass sschief! Außerdem hat Kommissar Kelsterhusen mich auf dem Kieker!«
     »Papperlapapp!« Moni fischt wütend die Tageszeitung hinter dem Tresen hervor. »Es wird Zeit, dass du etwas tust!« Sie tippt auf einen Polizeibericht. »Lies das!«
     »Zum fünften Mal schlug gestern der Jogging-Räuber zu«, liest Oskar. »Der Juwelenräuber bedrohte den Schmuckhändler Horst Brenner in seinem Laden am August Bebel-Platz mit einer Waffe und bat mit höflichen Worten um sämtlichen vorhandenen Schmuck. Der Räuber war mit einem froschgrünen Jogging-Anzug, einer roten Kappe und blauen Turnschuhen bekleidet und joggte nach dem Überfall durch den Stadtpark davon.«
     »Verstehst du?« Moni dämpft ihre Stimme. »Das ist unser Superding. Wir werden einfach die Masche dieses Jogging-Räubers nachmachen und einen Juwelier überfallen. Die Bullen werden denken, dass der Jogging-Räuber wieder am Werk war und sich gar nicht um dich und mich kümmern.«
     »Moni, du bisst genial!«, jubelt Oskar lispelnd. 
     »Schrei doch noch lauter!« faucht Moni. »Damit die Polizei es auch hört. Morgen fangen wir mit den Vorbereitungen an!«
     Drei Tage später betritt ein nervöser Mann in einem froschgrünen Jogginganzug, einer roten Kappe und blauen Turnschuhen den Laden des Juweliers Schreiner am Alten Markt. Der Jogger zieht sein Halstuch vor den Mund und holt dann eine Pistole aus seinem kleinen Sport-Rucksack. Er richtet die Waffe auf den vollkommen verblüfften Juwelier.
     Unter seiner roten Kappe schwitzt Oskar vor Angst und Nervosität. Er hat Mühe, die Waffe ruhig zu halten. »Bitte haben Ssie die Freundlichkeit und packen Ssie mir etwass Schmuck ein!«, sagt er. »Ssonst ssehe ich mich gezwungen, zu schießen!«
     Die feinen Sätze hat sich Moni ausgedacht und mit Oskar geübt.
     Der Juwelier beginnt langsam, den Schmuck aus den Vitrinen in Oskars Sportrucksack zu packen. Das klappt wie am Schnürchen! denkt Oskar. Moni hat eben immer noch die besten Ideen.
     Zu spät bemerkt er, dass der Juwelier den Alarmknopf an der Seite der Vitrine gedrückt hat. Eine Sirene heult los. Oskar holt aus und schlägt den Juwelier mit dem Kolben seines Pistole nieder. Schnell rafft noch ein paar Ringe zusammen und sucht das Weite.
     Eine halbe Stunde später steht Hauptkommissar Kelsterhusen in dem Juwelierladen und sieht der Spurensicherung bei ihrer Arbeit zu. »Herr Schreiner, der Juwelier, ist im Krankenhaus!« berichtet seine Kollegin Vicky Funk. »Er sagt, es sei der Jogging-Räuber gewesen.«
     »Das ist nun schon der sechste Überfall der auf sein Konto geht!«, knurrt Kelsterhusen.
     Einer der Beamten bringt ihm einen Metallkoffer. »Der stand in der Werkstatt! Ich denke, Sie sollten sich den Inhalt einmal genauer ansehen.« Kelsterhusen öffnet den Koffer. Darin liegen ein froschgrüner Jogginganzug, eine rote Kappe und blaue Turnschuhe. »Na sowas!«, sagt der Kommissar.
     Am Abend wird bei Oskar gefeiert. Moni wühlt mit glitzernden Augen in dem Schmuck. In ihrem Haar steckt ein Diadem, ein halbes Dutzend Perlenketten hängen an ihrem Hals und an jedem Finger stecken mindestens zwei Ringe. »Das hast du gut gemacht!«, lobt sie Oskar.
     Oskar fühlt sich geschmeichelt, als er auch noch einen Kuss bekommt. Vielleicht, denkt er, ist Moni heute Nacht noch so nett zu mir.
     Als es an der Tür pocht, schrecken die beiden zusammen. Ehe sie sich versehen, stürzen Kommissar Kelsterhusen und seine Kollegin Vicky Funck herein. Und schon klicken die Handschellen bei Oskar. Auch Monis Schmuckkollektion wird um ein paar Edelstahlarmbänder bereichert.
     »Da hast du dir ja ein tolles Ding geleistet!« sagt Kelsterhusen. »Schreiners Laden war nicht nur mit einer Alarmanlage, sondern auch mit einer Videokamera ausgestattet, die mit dem Alarm ausgelöst wurde. Auf dem Video bist du zwar nur undeutlich erkennen, aber dein Sprachfehler ist nicht zu überhören. Aber das Tollste ist, Oskar - du hast den Jogging-Räuber persönlich beraubt. Juwelier Schreiner war seit einiger Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und raubte in dieser Verkleidung seine Kollegen aus, wie er uns inzwischen gestanden hat.«
     »Ich habss ja gessagt«, meint Oskar achselzuckend zu Moni. »Irgendwass geht immer sschief!«
     
Ralph Petersen:
Moni plant das Superding

Die neue Frau Heft 26/2013

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19.9.17

Krimi des Tages: Iny löst den Fall



Iny löst den Fall

Von Marek Stein


Arno Moll lächelte Iny Kremer an. »Ich brauche eine Rechtsanwältin.« Inys Kanzlei lag beim Bonner Stadthaus und die Miete war nicht gerade billig. Da kam ein Mandant wie Moll gerade recht. Der schöne Arno war Anlageberater. »Meine Sekretärin Vera Gerold ist vor einigen Tagen verschwunden«, sagte er. »Und jetzt hat man Veras Leiche gefunden. Man denkt, ich hätte sie umgebracht.«
    »Wir wollten Ihren Mandanten vorhin verhaften«, knurrte Kommissar Harras, als Iny ihm wenig später im Präsidium Molls Vollmacht zeigte. »Aber er war verschwunden! Sagen Sie mir, wo er ist!«
    Iny hob nur die Schultern. »Keine Ahnung.«
    »Moll fährt einen grünen Alfa Romeo«, sagte Harras. »Vera Gerold wohnte draußen in Tannenbusch. Ihre Nachbarin hat gesehen, dass sie am Samstag gegen 16 Uhr von einem Mann in einem solchen Wagen abgeholt wurde. Moll hat für diese Zeit kein Alibi.«
    »Aber warum sollte Moll seine Sekretärin umgebracht haben?« wollte Iny wissen.
    Der Kommissar lächelte knapp. »Weil wir seit Wochen wegen Betrugs gegen Moll ermitteln«, sagte er. »Und Vera Gerold wollte uns Informationen über seine Geschäfte geben.«
    Veras Nachbarin Mathilde Berger war 64 und ein »rheinisch Mädche«, wie sie versicherte, als sie mit Iny bei einer Tasse Kaffee und einem Gläschen Eierlikör zusammensaß.
    »Hatte Vera einen Freund?«, fragte Iny.
    »Na, den Herrn Urbach«, sprudelte es aus Mathilde heraus. »Kein anjenehmer Meensch. Autoverkäufer, verstehste?«
    »Und wer hat die Vera am Samstag in dem jrünen Auto abjeholt?«, bohrte Iny. »Erinner disch, Mathilde!«
    »Dat war so 'n Ausländer«, meinte Mathilde. »Denn der hat so 'n rotes Nummernschild am Wagen jehabt.«
    Der Chef des Autohauses, den Iny kurz darauf befragte, sagte: »Herr Urbach ist seit Montag krankgemeldet.« Es war das siebte Autohaus in Bonn, in dem sich Iny nach Veras Freund erkundigte.
    Iny musterte den grünen Alfa Romeo im Verkaufsraum. Dann holte sie hr Handy heraus und rief die Polizei.
    »Wir haben Urbach gefasst,« sagte Kommissar Harras am nächsten Nachmittag. »Er hat gestanden, Vera getötet zu haben. Er hatte sich den grünen Alfa Romeo mit dem roten Versicherungskennzeichen im Autohaus ausgeliehen.«
    »Es war reiner Zufall, dass Urbach sich einen Wagen lieh, der Molls Auto glich«, sagte Iny. »Warum hat er Vera umgebracht?«
    »Sie hatten Streit, er war eifersüchtig, und dann sind ihm die Sicherungen durchgebrannt«, meinte Harras achselzuckend. »Wat wellste maache!«
    Am nächsten Tag begleitete Iny ihren Mandanten Arno Moll zu Kommissar Harras. Nachdem er seine Ausssage im Fall Vera Gerold unterschrieben hatte, stand Moll auf. »Das war's dann ja wohl!«
    »Nun ja«, meinte Harras. »Der Mordverdacht ist zwar aus der Welt. Aber dafür haben wir in Veras Wohnung die Beweise für Ihre Betrügereien gefunden, die sie uns geben wollte. Deswegen sind Sie jetzt erst mal verhaftet, Herr Moll.«
    Iny starrte Harras an. Der zuckte mit den Schultern. »Wenn man einen Verbrecher schon mal vor sich hat, muss man seine Chance nutzen. Sie wissen ja: Et is, wie et is!«



Marek Stein:
Iny löst den Fall

auf einen blick Heft 26/2013
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