Kapitel 2 – Ein Leben wie ein Roman
Frank Arnau, so erzählte er selbst immer wieder, sei am 9. März 1894 im Orientexpress geboren worden – in einem Eisenbahnabteil auf der Fahrt von Konstantinopel nach Paris. Ob das wirklich stimmt oder ob es eine von ihm erfundene Legende war, spielt fast keine Rolle: Es passt einfach zu seinem Leben, das er gern selbst mythologisierte.
Kapitel 2
Als zweites von vier Kindern des Hoteliers Charles Schmitt und seiner Frau Marie verbrachte er seine Kindheit in der Schweiz, in Frankreich und in den Hotels, die sein Vater leitete. Die Schule nahm er nicht allzu ernst – Internate und Privatlehrer prägten seine Ausbildung. Arnau interessierte sich mehr für das wahre Leben draußen.
1910 fiel er in Dresden beim Abitur durch – trotz des Einflusses seines Vaters. Also machte er sich kurzerhand per Anhalter auf den Weg nach Konstantinopel. Zurück in Europa verdingte er sich in Wien als Barkeeper im Hotel „Bristol“. Dort begann auch seine journalistische Karriere: Zuerst schrieb er Polizeiberichte und Gerichtsreportagen für das Deutsche Volksblatt, dann Prominenteninterviews und Gesellschaftsklatsch aus der k.u.k.-Monarchie. Schließlich bekam er eine feste Stelle als Redakteur.
Sein unstillbarer Hunger nach Wissen trieb ihn gleichzeitig in Universitätsvorlesungen – von Rechtswissenschaft über Chemie und Physik bis zur Gerichtsmedizin. Besonders prägte ihn der Kontakt zu Hans Groß, dem Autor des berühmten Handbuchs für Untersuchungsrichter, das für Generationen von Kriminalschriftstellern die Bibel der Forensik wurde.
Am Heiligen Abend 1912 heiratete der 18-jährige Arnau seine Jugendliebe Carly – angeblich hatte er die Zustimmung des Vaters mit einem Revolver erzwungen. Geld verdiente er mit cleverem Journalismus: Er schrieb für Dutzende Zeitungen im Deutschen Reich und verkaufte umgekehrt deutsche Meldungen an österreichische Blätter – eine Art Frühform des Agenturgeschäfts.
Seine Fähigkeit, Nachrichten blitzschnell zu verarbeiten und Kontakte zu knüpfen, dürfte ihn auch für das Wiener Außenministerium interessant gemacht haben. Vor dem Ersten Weltkrieg nutzte man Arnau als „journalistischen Boten“. Er reiste nach Belgrad, interviewte den serbischen Ministerpräsidenten, sammelte Informationen und schrieb darüber Reportagen. Gleichzeitig diente er Wien als inoffizieller Informant – mitten im politischen Pulverfass des Balkans kurz vor Kriegsausbruch.
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