Kapitel 5 – Exil und Neuanfang in Brasilien
Am 1. April 1933 verließ Frank Arnau Deutschland. Zuerst ging es über die Niederlande nach Spanien, später nach Frankreich. Doch nirgends konnte er lange bleiben. 1939, kurz vor Kriegsausbruch, wanderte er mit Frau und Kind nach Brasilien aus. Am 28. Mai desselben Jahres kam die Familie nach 28 Tagen Überfahrt in Rio de Janeiro an.
Die Jahre zuvor hatten es in sich: In Berlin erlebte Arnau den Untergang der Weimarer Republik und den Aufstieg der Nationalsozialisten hautnah. Er verabscheute die Nazis und machte aus seiner Abneigung kein Geheimnis. Kein Wunder, dass er bald ins Visier der neuen Machthaber geriet – schließlich erschienen seine Romane nicht selten in Zeitungen des kommunistischen Münzenberg-Konzerns oder im liberalen Pressehaus Mosse. Auch ein altes Interview mit Kurt Eisner fand seinen Weg in Gestapo-Akten. Als immer öfter dubiose Gestalten sein Haus in der Triberger Straße beobachteten, packte er die Koffer.
Mit einem falschen SA-Ausweis und einer ergaunerten Presseakkreditierung des Völkischen Beobachters („offiziell“ für die Auto-Ausstellung in Amsterdam) floh Arnau über Nacht. Im Exil rechnete er in seinem Roman Die braune Pest schonungslos mit den Nationalsozialisten ab.
Seine Jahre in Frankreich waren geprägt von Unsicherheit und Improvisation. Er war dabei, als die Spanische Republik zusammenbrach, erlebte die Fluchtwellen deutscher und österreichischer Juden und hielt sich mit allerlei Geschäften über Wasser – vom Zeitungsjournalismus über eine Firma für Tapetenreinigung bis hin zu fragwürdigen Vermittlungen bei Waffengeschäften für die spanischen Republikaner.
Der endgültige Entschluss zur Flucht nach Übersee kam, wie er später schrieb, weil er „die Katastrophe Europas nahen fühlte“. Eine Einladung der brasilianischen Regierung erleichterte ihm den Schritt – wobei bis heute unklar bleibt, wie genau diese Einladung zustande kam.
In Rio angekommen, knüpfte Arnau sofort Kontakte, sowohl in die Gesellschaft als auch in die Pressewelt. Und er hatte Glück: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs bekam er eine Stelle als „adviser“ beim Informationsdienst der britischen Botschaft. Offiziell sollte er die britische Politik in brasilianischen Medien vertreten und Wirtschaftskontakte unterstützen. Inoffiziell machte er, was er am besten konnte: schreiben, analysieren, publizieren – und natürlich Kontakte pflegen.
Gleichzeitig belieferte er brasilianische Zeitungen mit Analysen zum Kriegsgeschehen in Europa. Für einen Workaholic wie Arnau war das selbstverständlich.
Nach dem Krieg verlor der Posten bei den Briten an Bedeutung. Also sattelte Arnau um – ins grafische Gewerbe. Zunächst druckte er Visitenkarten, später Wertpapiere und schließlich sogar Briefmarken für die brasilianische Post. Parallel arbeitete er als Wirtschaftsvermittler: Er knüpfte Kontakte zwischen deutschen Unternehmen und Brasilien, half Daimler-Benz und anderen Konzernen beim Fußfassen und nutzte seine Publizistik, um deutsche Investitionen in Südamerika ins rechte Licht zu rücken.
So wurde er in Deutschland zum anerkannten Brasilien-Spezialisten – und in Brasilien zu einem respektierten Vertreter deutscher Wirtschaft. Nebenher vermarktete er, ganz Geschäftsmann, seine brasilianischen Erfahrungen über deutsche Zeitungen und Magazine.
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