21.8.25

Lexikon: Frank Arnau - Kapitel 6

 

Kapitel 6 – Rückkehr nach Deutschland

„Mein Leben ist Schreiben mit Geldverdienen, aber nicht Geldverdienen ohne Schreiben“ – so brachte Arnau es auf den Punkt. 1955, nach über 20 Jahren im Exil, kehrte er nach Deutschland zurück. Zuvor hatte er in Brasilien Karriere gemacht, doch nun schickte er seinen Arbeitgebern ein knappes 50-Worte-Telegramm: Kündigung. Stattdessen folgte er einer Einladung von Henri Nannen, der ihn als Reporter für den stern gewinnen wollte.

Die Rückkehr war auch ein persönlicher Neuanfang. 1952 hatte sich seine Frau Ruth das Leben genommen. Mit seiner neuen Partnerin Etta, die er ihrem damaligen Mann „abgeluchst“ hatte, siedelte Arnau erst nach Frankfurt und später nach München.

In der Bundesrepublik der 1950er- und 60er-Jahre war Arnau ein Phänomen. Er nutzte seine Brasilien-Erfahrungen für Artikel und Bücher, schrieb populäre Sachbücher über Kriminalistik, Kunstfälschung, Hochstapelei, Menschenraub und Briefmarkenkunde – und dazu jedes Jahr gleich mehrere Krimis. Seine Produktivität war atemberaubend.

Doch Arnau war nicht nur Vielschreiber, sondern auch ein unbequemer Kritiker der Justiz. Als Vorsitzender der „Liga für Menschenrechte“ machte er immer wieder auf Fehlurteile aufmerksam. Besonders empörte ihn, dass in Westdeutschland zahlreiche Juristen und Beamte aus der NS-Zeit ungehindert Karriere machten.

Ein spektakuläres Beispiel: 1959 wurde bekannt, dass Bundespräsident Heinrich Lübke beim Bau von Konzentrationslagern eine Rolle gespielt hatte. Arnau beschaffte Pläne aus DDR-Archiven, ließ Lübkes Unterschriften in New York überprüfen und veröffentlichte die Ergebnisse im stern. Einen Rücktritt erreichte er nicht – stattdessen zog er den Hass rechter Kreise und Morddrohungen auf sich.

Sein enormes kriminalistisches Wissen setzte er auch praktisch ein: In drei Fällen gelang es ihm, zu Unrecht verurteilte Menschen freizubekommen. Besonders erbittert bekämpfte er Gerichtsgutachter, die noch aus NS-Zeiten stammten. So entlarvte er im Fall Hans Hetzel ein Gutachten des renommierten Gerichtsmediziners Albert Ponsold als Schlamperei.

Doch trotz seiner Hartnäckigkeit blieben Erfolge selten. Viele seiner Bemühungen verliefen im Sande – etwa sein Einsatz für Vera Brühne, deren Prozess er als „Verfahrens- und Urteilsfarce“ brandmarkte. Arnau kämpfte gegen die „Straf-Unrechts-Pflege in der Bundesrepublik“ – so der Titel einer seiner Dokumentationen – und blieb damit ein unbequemer Stachel im Fleisch der Nachkriegsjustiz.

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