21.8.25

Lexikon: Frank Arnau - Kapitel 7

 

Kapitel 7 – Krimis zwischen Fakten und Fiktion

Frank Arnau schrieb seine Krimis mit dem Anspruch, so nah wie möglich an der Realität zu bleiben. „Dieser Roman versucht, den Ablauf einer Aufklärung eines Mordfalles darzustellen, wie er sich im wirklichen Leben abspielt“, heißt es programmatisch in Pekari Nr. 7.

Und tatsächlich: In den 1920er- und 30er-Jahren griff er ständig direkt auf eigene Erlebnisse, journalistische Recherchen und reale Fälle zurück. Doch nach seiner Rückkehr 1955 wirkt vieles anders. Die rund zwanzig Krimis, die er zwischen 1955 und 1968 veröffentlichte, sind distanzierter – fast schon wie „Lehrstücke“ über Polizeiarbeit.

Dabei hätte man eigentlich erwartet, dass Arnaus politische Erfahrungen – sein Kampf gegen Justizskandale und die Vergangenheitsverdrängung in Deutschland – in seine Romane einfließen würden. Doch erstaunlicherweise ist das kaum der Fall. Nur wenige seiner Nachkriegsromane spielen in Deutschland. Dazu gehören etwa Auch Sie kannten Felix Umballer oder die beiden Reyder-Romane (Schuß ohne Echo, Der Mord war ein Regiefehler).

Der Großteil seiner Bücher siedelte Arnau jedoch im Ausland an – vor allem in den USA. Alle acht Bände seiner „Inspektor Brewer“-Reihe spielen in New York. Schon mit Pekari Nr. 7 (1956) wählte er die amerikanische Kulisse.

Das passte perfekt zu den Taschenbuchreihen des Ullstein-Verlags, wo Arnau neben Größen wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett und Rex Stout stand. Er selbst wollte lieber mit amerikanischen Autoren wie Erle Stanley Gardner verglichen werden als mit den britischen Klassikern Conan Doyle oder Agatha Christie.

Arnaus Credo lautete: Realismus, Detailtreue, Glaubwürdigkeit. Seine Brewer-Romane folgten streng dem Muster der „police procedurals“, wie es Ed McBain mit seiner Serie um das 87. Revier perfektionierte. Arnau schilderte minutiös Polizeiarbeit: von der Spurensicherung am Tatort über endlose Expertenvorträge zur Kriminaltechnik bis hin zu juristischen Detailerklärungen.

Für deutsche Leser, die bis dahin eher an „klassische“ britische Whodunits gewöhnt waren, war das neu und faszinierend. Doch die Nüchternheit hatte ihren Preis: Figuren blieben oft blass, Handlung und Atmosphäre wirkten trocken. Arnau setzte auf Fakten, nicht auf literarische Freiheit.

So ermittelte Inspektor Brewer in acht Bänden zwischen 1956 und 1968 – zuverlässig, sachlich, detailverliebt. Manchmal spannend, manchmal ermüdend, aber immer mit dem Ziel, die „Faszination des Faktischen“ zu wecken.

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