Kapitel 8 – Die Welt von Oberinspektor Brewer
Frank Arnaus enorme Produktivität hatte ihren Preis. Manche Jahre brachte er neben journalistischen Arbeiten bis zu fünf Bücher heraus. Ein Krimi von rund 180 Seiten entstand bei ihm oft in fünf bis sechs Wochen – manchmal sogar in wenigen Tagen, wie bei Tanger um Mitternacht. Kein Wunder, dass die Handlung seiner Romane nicht immer ausgefeilt wirkte.
Sein „soziales Panorama“ bewegte sich meist in ähnlichen Bahnen: kleine und große Ganoven, zwielichtige Geschäftsleute, die gute und die weniger gute Gesellschaft, dazu Politik und Diplomatie. Doch nach ein paar Arnau-Romanen fällt auf: Viel Abwechslung in den Figuren gab es nicht.
In Arnaus Kosmos sind Männer vor allem Tatmenschen: besessen von Arbeit, getrieben von Terminen, meist ohne jede emotionale Tiefe. Zwischen einem Gangster und einem erfolgreichen Geschäftsmann liegt nur ein schmaler Grat – der Unterschied besteht weniger in den Methoden als in der Moral.
Krassestes Beispiel: Oberinspektor Brewer selbst. Er ist der Prototyp des „Arbeitstiers“ – lebt quasi im Polizeihauptquartier, arbeitet 19 Stunden am Tag, schläft notfalls auf einem Feldbett im Büro und wohnt noch bei seinen Eltern, ohne echtes Privatleben.
Neben diesen Machertypen gibt es Männer ohne Ehrgeiz, loyale Zuarbeiter, die sich bis zur Selbstverleugnung unterordnen. Und dann eine dritte Gruppe: charmante Gauner, Lebemänner, die sich durchs Leben mogeln.
Frauen haben es in diesem Männer-Universum schwer. Meist treten sie nur als Anhängsel auf – Ehefrauen, Geliebte, Sekretärinnen. Wenn Arnau ihnen einmal Profil gibt, dann sind es fast immer attraktive, selbständige Frauen, die ihre Reize klug einsetzen: Mätressen, Lebedamen, Geliebte ohne Verpflichtung. Für Arnaus Helden sind sie ideale Partnerinnen – Liebe ohne Konsequenzen, Lust ohne Reue.
Die Figurenzeichnung blieb damit oft oberflächlich. Arnau beschrieb lieber Kleidung, Autos, Restaurants, Häuser oder Hotels – also die „Kulissen“ – statt den Charakteren Tiefe zu verleihen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen