
Das BERTRAMS gibt nicht nur Titel, sondern auch Schauplatz von BERTRAMS HOTEL aus dem Jahr 1965 ab. Es ist zugleich auch ein geschickt aufgebautes Kuriosum in den zahlreichen Hotel-Szenerien Agatha Christies, eine Art Themen oder Erlebnis-Hotel, wie man heute wohl sagen würde: "Biegt man, vom Hyde Park kommend, in eine der unscheinbaren Straßen ein, so gelangt man bald in eine ruhige Straße, auf deren rechter Seite Bertrams Hotel liegt. Bertrams Hotel kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Während des Krieges wurden die Häuser zu seiner Rechten zerstört und etwas weiter unten auch die zu seiner Linken. Aber das Bertrams selber blieb unversehrt. Natürlich hatte auch dieses Haus einige Kratzer und Schrammen abbekommen. Doch mit Einsatz einer nur mäßigen Summe wurde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt. 1955 sah es genauso aus wie 1939 - würdevoll, unaufdringlich und unauffällig teuer."
Mit dem klug ausgetüftelten Retro-Ambiente des Bertrams schafft sich Christie in ihrem etwa 60sten Krimi mitten in den 6oer Jahren wieder ihre so beliebte Vorkriegs-Kulisse einer scheinbar geordneten Gesellschaft mit einem goldbetressten Portier, der dem gast die Tür zur halle mit den beiden gemütlichen Kohlenfeuern öffnet, "flankiert von großen gefüllten Kohleeimern aus Messing, die genauso glänzten wie zu Eduards Zeiten".
Eine Szenerie, die geradezu nach dem traditonellen Five O'Clock-Tea schreit, den Christie mit sanfter Ironie als Einstieg zelebriert - mit schlanken Jungkellnern, die unter der Aufsicht des Hotel-Butlers besten indischen Tee in silbenen Georgianischen Teekannen auf wappengeschmückten Tabletts servieren. Doch freilich, auch jede Idylle hat ihre kleinen Fehler: "Das Porzellan war zwar nicht echt Rockingham und Davenport, sah aber jedenfalls so aus."

Und damit die alten Leutchen sich immer wieder bei ihren Trips nach London im BERTRAMS einquartieren, gewährt ihnen der gecshäftstüchtige Mr Humfries Vorzugspreise - was die durchweg bereits etwas vergreiste Klientel entweder gar nicht merkt, weil sie seit 50 Jahren alle Preissteigerungen ignorieren - oder was sie einfach als Vorzugsbehandlung für Stammgäste zu schätzen wissen.
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