5.8.07

Tannöd und die Klone


Erst Krimiwelt-Bestenliste, dann Deutscher Krimipreis, schließlich Spiegel-Bestseller-Liste und so weiter und so fort - Tannöd von Andrea Maria Schenkel hat seinen Weg gemacht. Ein ungewöhnliches Buch, eine ungewöhnliche Erzählung in der deutschen Krimilandschaft, in der sich sonst nur die heiteren und cleveren Kommissarsteams (gern auch M/F) die Klappentexte in die Hand geben.

Und schon gibt es, kaum ein ein Jahr nachdem Tannöd erschienen ist, die ersten Klone, die meinen, die Erfolgsformel in Schenkels Nachkriegs-Provinzkrimi gefunden zu haben und glauben, sie reproduzieren zu können.

Etwa mit Gottes Mühlen von Lilo Beil. Schon im März erschienen und vorsichtshalber noch als "Südpfalz-Krimi" gelabelt, für den Fall, dass noch jemand auf der Regionalkrimi-Welle schwimmt.
Die Zeit: 1957, der Schauplatz: ein pfälzisches Örtchen namens Pfaffenbronn, "die Stimmung im Dorf braut sich zusammen. Des Mordes verdächtigt wird der Außenseiter Otto Straub..."

Ebenfalls in die Provinz und in die Vergangenheit geht es mit Rainer Groß in Grafeneck:
Tannöd heißt hier Buttenhausen und liegt in der Schwäbischen alb, und die Geschichte des Verbrechens geht zurück ins Dritte Reich.

Unterdessen haben Andrea Maria Schenkel und ihr Verlag das einzig richtige getan, was man nach einem Erfolg wie Tannöd tun konnte: Mit Kalteis wird ein eigener Tannöd-Klon geschaffen (sozusagen die Original-Nachahmung). Schauplatz und Zeit (München, 30er Jahre) gerade weit genug vom Tannöd entfernt, damit die Kopie halbwegs wie neu wirkt. Aufmachung und Umfang nahezu identisch und Stil und Dramaturgie ganz nach dem Tannöd-Modell: Zeugenaussagen. Atmophärische Skizzen. Erinnertes Protokoll. Erlebte Rede. (Und die Hörbuchfasung wieder gelesen von Monica Bleibtreu).

Kein Wunder, dass die Orginal-Nachahmung schon bei Erscheinen wieder ihren Platz auf der Bestseller-Liste hat.

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