1.4.21

Karr & Wehner

 

 

Es war halb sechs abends, die Kneipe im Zeilungskomplex gleich neben dem Bahnhof war Pproppenvoll mit der Geburtstagsgesellschaft. Herbert war aus dem vollklimatisierien Redaktionsbunker seines Regionalmagazins heraufgestiegen und dirigierte den Gralulationschor aus Lokalredakteuren, Szeneschmarotzern
und den versammelten Fotografen. Weiter hinten im Tabaknebel trieben sich die Jreien Mitarbeiter herum, die tagsüber die Zeitungsredaktionen und das WDR-Lokalstudio unsicher machten. Sogar Reutter hatte sich herbequemi, der Superkameramann, mit dem Gonzo im Sommer wegen der Bilder von den Leichen des Ruhrkillers aneinandergeraten war.
(Hühnerherbst, 1999)

Wo Jürgen Lodemann noch stark mit sprachlicher Stilisierung bis ins Ruhrgebietsidiom hinein arbeitete und deutlich spürbar auf Literarizität abzielte, setzen Karr & Wehner alles auf die Karte von Witz und Verknappung. Der grundlegend lakonische Duktus ihrer vier Romane gipfelt zuweilen in grotesken Slapstick-Szenen.

Karr & Wehner wurden zehn Jahre nach der Auszeichnung mit dem Förderpreis mit dem Hauptpreis für ihr Gesamtschaffen gewürdigt, insbesondere für die Gonzo-Romane. Seither sind weitere Kriminal-Erzählungen erschienen; für »Hier in Tremonia« konnten sie 2018 noch einmal den Glauser-Krimipreis der Autoren gewinnen, diesmal den für die beste Kurzgeschichte.



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