25.12.20

Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die Seelenfänger

Ein Mordsberatungs-Tipp: Reinhard Jahn

Gabriella Wollenhaupt ist Journalistin. Sie arbeitete bei einer großen westdeutschen Tageszeitung und ist jetzt Redakteurin beim WDR Fernsehen in Dortmund. 1993 schuf sie für ihren Krimi "Grappas Versuchung" die Lokaljournalistin Maria Grappa, die in "Bierstadt" lebt und arbeitet -was man leicht als Dortmund erkennen kann.
Inzwischen sind rund 20 Grappa-Krimis erschienen -in denen sich Gabriella Wollenhaupt spannend und meist auch ein wenig satirisch oder ironisch überhöht mit Zeitphänomenen und ganz besonders mit lokalpolitischen Affären beschäftigt.

Im Mittelpunkt ihres aktuellen Romans "Grappa und die Seelenfänger" steht der Casting-Show-Wahnsinn. Die bekannte Castingshow "Wir suchen Dich, Superstar" (WSDS) veranstaltet eines ihrer Castings in Bierstadt. Sponsor der Veranstaltung, zu der 3000 Teenies kommen, ist das Bierstädter Tageblatt, für das Maria Grappa arbeitet. Die Veranstaltung verläuft anders als geplant, denn der ebenso geschätzte wie auch von anderen verachtete Boss der Show-Jury wird gekidnappt. Die Verantwortung übernimmt eine "Kirche der Erleuchteten", eine aus den USA stammende, straff organisierte Sekte. Grund genug für Maria Grappa, die Spur aufzunehmen und ihre Nase in Dinge zu stecken, die manche Leute gern unter der Decke halten würden.

Spannend, witzig, einfach Grappa
(Reinhard Jahn, WDR5 Mordsberatung, 27.8.2011)


Gabriella Wollenhaupt:
Grappa und die Seelenfänger
Dortmund: Grafit Verlag 2011

 

 







 

 

19.12.20

Don Winslow: Germany

 

WAZ / NRZ / Funke-Medien
25.6.2016 Autor: Reinhard Jahn


Don Winslow:
Germany
Aus dem Amerikanischen von Conny Lösch
München : Droemer
März 2016, 378 Seiten

Gangster, Opfer, Detektive


Ein gigantisches Buch - und damit ist nicht nur der Umfang gemeint. Mehr als 1000 (in Worten: tausend) Seiten im Großformat hat der große alte Mann der deutschen Krimi-Kritik, Jochen Schmidt, hier in der Neuausgabe seines Standardwerkes über die internationale und die deutsche Kriminalliteratur zusammengetragen.
In Übersichtsartikeln zu einzelnen Subgenres (hardboiled, Spionageroman, Pathologekrimis, Indianerkrimis etc etc), aber auch in ausführlichen Autorenprotraits mit jeweils kurzen Abrissen der einzelnen Bücher, bzw auch ganzer Serien.
Und wenn man diese Buchbeschreibungen liest, weiß man: Der Mann hat jeden einzelnen Krimi, über den er hier schreibt, auch gelesen. Und er weiß, wie man ihn einordnen kann. Dabei muss man Schmidts Bewertungen nicht folgen.

Denn natürlich ist Jochen Schmidt wie alle Kritiker - etwas subjektiv. Er mag es eher hardboiled als cosy, mit dem deutschen Soziokrimi kann er nicht soviel anfangen - aber das Gute ist: er sagt es wie er es sieht, erklärt auch, warum er so denkt, zwingt aber dem Leser seine Meinung nicht auf.
Auf jeden Fall macht dieses dicke-dicke Buch von der Sorte "stumpfer Gegenstand" eine unbändige Lust aufs Krimilesen und aufs Reden über Krimis. (Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)


Jochen Schmidt
Gangster, Opfer, Detektive
 - eine Typengeschichte des Kriminalromans
Überarb., aktualisierte und stark erw. Ausg.

Hillesheim: KBV-Verlag, Hardcover
2009, 1129 Seiten
 

Handbuch für Krimiautor*innen

Riechen Zyankali-Opfer wirklich aus dem Mund nach Bittermandeln?
(Ja, aber nicht stark.)
Reicht es, den Haartrockner in die Badewanne zu werfen, um die Gattin zu meucheln? (Nicht wirklich. Stichwort FI-Schalter)


"Von Arsen bis Zielfahndung" ist nicht nur ein Handbuch für Krimiautoren (und zwar sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene), sondern auch für den aufgeklärten Krimileser: Hier kann man mal schnell nachschauen, wenn einem in einem Krimi etwas komisch vorkommt und man das Gefühl hat, dass es sich der Autor etwas zu leicht gemacht hat. Oder etwas nicht richtig verstanden hat. 

Christine Lehmann ist gelernte Journalistin und erfahrene Krimi-Autorin, ihr Co-Autor Manfred Büttner  Steuerfahnder und Dozent an der Hochschule der Polizei. Also zwei hochspezialisierte Menschen, die den Dingen wirklich auf den Grund gehen. Und auch komplizierte Zusammenhänge einleuchtend datsellen können.
Etwa die Sache mit den Pflanzengiften, die man benutzen könnte.
(Details würden hier zu weit führen)
Aber auch rechtliche Zusammenhänge rund um Dursuchungsbefehl (falsch, es heißt Beschluss), Verhaftung (oder wars doch nur "vorläufige Festnahme"), Haftbefehl ("roter Zettel") und den ganzen weiteren Verwaltungskram, der zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft und Gericht eine Rolle spielt.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)


Manfred Büttner, Christine Lehmann
Von Arsen bis Zielfahndung
Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige
Hamburg: Ariadne/Argument Verlag
2017, 256 Seiten



 

18.12.20

Claudio M. Mancini
Mala Vita - ein Mafia-Roman

Alles beginnt mit dem Mord an dem Anwalt Enrico Cardone. Der hatte sich mit seinen beiden Kompagnons in ein Örtchen am Lago Maggiore zurückgezogen und dort eine Kanzlei betrieben, die offenbar nur eine Handvoll Klienten hatte. Doch dann hat man ihn nach Palermo gelockt, in einem übel beleumdeten Viertel überfallen und getötet. Und dabei gefilmt. Das Video ist fast eher bei den Medien als dass die Polizei die Leiche findet. Kann es sein, dass da jemand einem anderen eine Warnung zukommen lassen wollte?

Ein Fall für den integeren, leider aber auch etwa cholerischen Carabinere, der in diesem Fall ermittelt und natürlich sofort sieht, was für ihn hinter dem Mord dem Anwalt steckt: ein Faden, der ihn zum großen Mafia-Geld führen kann, ein Faden, mit dem er die Strukturen aufribbeln kann, in denen die Mafia ihre schwarzen Gewinne versickern lässt um sie später über Kapitalgesellschaften wieder "legal" in den Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen.

Und noch einer bekommt es mit dem Erbe des Anwaltes Enrico Cardone zu tun - sein Bruder Roberto Cardone, ein etwas glückloser, aber ganz charmanter Schriftsteller aus Bologna, dem die beiden ehemaligen Kompagnons seines Bruders raten, am besten das Geld aus dem Erbe zu nehmen und nicht weiter zu fragen. Was Roberto noch nicht weiß, ist, dass sein Bruder kurz vor seinem Tod knapp 400 Millionen an Mafiageld "abgezweigt" hat - Millionen, die jetzt Roberto erbt. Und die die "Ehrenwerte Gesellschaft" natürlich wiederhaben möchte.

Claudio Mancini erzählt einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel über ehrenwerte Gesellschaft - ohne dabei die traditionellen Elemente des Mafia-Romans außer acht zu lassen. Mafia ist natürlich Verbrechen und Gewalt - aber sie ist eben auch: Korruption, Geldwäsche, ein Wirtschaftszweig, der gigantische Umsätze macht.
Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung


Claudio M. Mancini
Mala Vita - ein Mafia-Roman
München: Droemer Hardcover
2009, 491 Seiten

12.12.20

Krimi der Woche:
7335 war der Mörder

 Der Tod ist unberechenbar

Von Michael Rolandt

Kommissar Diederich von der Kripo Köln war recht schnell klargeworden, dass Professor Edwin Uhland vom Mathematischen Institut der Universität auf seine ganz spezielle Weise sowohl fachlich als auch menschlich unberechenbar gewesen sein musste. Bereits die ersten Befragungen im Umfeld des Toten brachten Geschichten über die ungerechte Behandlung seines Assistenten zutage, Gerüchte über eheliche Untreue, sowie Vorwürfe wegen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Stipendien. Alles ausreichende Motive für den Mord an dem Mathematiker.
   Um zehn Uhr hatte ihn ein Fensterputzer aus seiner Gondel erstochen in seinem Büro entdeckt. Uhland saß tot an seinem Schreibtisch, auf dem mit Blut verschmierte Klausuren des Grundkurses Geometrie lagen. Kommissar Diederich ließ alles fotografieren, inklusive des Taschenrechners neben Uhlands rechter Hand. Die Tasten wiesen Blutspuren auf, und das Digitaldisplay zeigte noch die Ziffern 7335.
   Tatzeit war zwischen acht und zehn Uhr. Während dieser Zeit hatte man Uhlands Assistenten Klaus Seel, Uhlands Frau Ulla und seinen Institutskollegen Dirk Maar auf dem Gang vor Uhlands Zimmer gesehen. Der Kommissar war überzeugt davon, dass einer von ihnen der Täter sein musste.
   »Ich war nicht bei Uhland, ich war nur in der Kaffeeküche neben seinem Büro«, versicherte Professor Maar. »Alles war wie üblich. Nur Seel kam vorbei und wirkte recht nervös.«
   »Weil ich noch zur Bibliothek musste, um die Bücher abzuholen, die der Chef bestellt hatte«, erklärte Seel sofort. Als der Kommissar nachbohrte, konnte Seel die Bücher vorlegen, die er um halb zehn ausgeliehen hatte. »Und auf dem Rückweg traf ich dann Uhlands Frau Ulla vor dem Institutsgebäude«, gab er an.
   »Ja, ich wollte zu meinem Mann, um mit ihm über die Scheidung zu reden«, räumte Ulla Uhland ein. »Aber dann verließ mich auf dem Gang vor seinem Büro der Mut, und ich kehrte wieder um.«
   Kommissar Diederich sah sich noch einmal genau die Tatort-Fotos an. »Uhland starb nicht sofort, er hatte noch die Gelegenheit, einen Hinweis auf seinen Mörder zu hinterlassen«, sagte er.
   »Und zwar?«, fragte Seel spöttisch.
   »Es sind die Ziffern 7335, die er in seinen Taschenrechner eintippte und die im Display erschienen. Liest man sie auf dem Kopf stehend, wirken die Ziffern wie Buchstaben und ergeben einen Namen: SEEL.«
   Seel senkte den Kopf. »Ja«, murmelte er. »Ich war es.«
   Ulla Uhland schüttelte den Kopf. »Mein Mann war schon immer unberechenbar!«


Michael Rolandt:
Der Tod ist unberechenbar
7335 war der Mörder
Badische neueste Nachrichten
20/2020 vom 12.12.2020
© By author / R. Jahn
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung

10.12.20

Ein Spiekeroog-Krimi

Urlaubsreif

Von Reinhard Jahn

Schäfer und ließ den Blick durch den Terminal schweifen. Mehr als hundert Inseltouristen drängten sich vor den Schaltern oder zogen Tickets für die Fähre nach Spiekeroog an den Automaten. Lächelnd ging Schäfer an die Arbeit - hier ein »Pardon«, da ein kleiner Stoß gegen einen gebräunten Surfer und dort ein kleiner Rempler bei einer Blondine – und jedes Mal zogen Schäfers geschickte Finger ein Portmonee oder eine Brieftasche heraus. Die Beute wanderte diskret in seinen Rucksack.
   »Kevin! Charlene!« Das Elternpärchen war Anfang vierzig, er blass wie ein Büro-Engerling, und sie mit dem genervten Gesichtsausdruck aller Mütter. Kevin und Charlene, schätzungsweise 13 und 14, tobten durch den Fährterminal von Neuharlingersiel, filmten sich gegenseitig mit ihren Handykameras und dachten nicht im Traum daran, auf ihre Eltern zu hören.
   Kinder! Schäfer ließ nochmal den Blick schweifen. Kein Polizist vor Ort, er konnte weiterarbeiten. Sobald ein Zivilbulle auftauchte, würde Schäfer umgehend den Abflug machen. Er kannte die Gesichter aller Bullen in Neuharlingersiel, denn Fabio hatte ihm die Portraits der örtlichen Bullen letzte Woche gemailt, als sie sich übers Internet darüber verständigt hatten, wer bei welchen Fährterminal arbeitete. Fabio war ebenso wie Schäfer im Pickpocket-Geschäft und durfte in dieser Saison die Fähren nach Norderney und Langeoog beackern.
   Schäfer machte eine neue Runde und ging dabei Kevin und  Charlene aus dem Weg.
   »Kevin! Charlene! Hierher!« Das war jetzt der Vater.  Schäfer griff schnell die Brieftasche eines Opas, dann die Geldbörse seiner Frau und zog - »Pardon!« - einem Grauhaarigen das Kreditkartenetui aus dem Jackett. Genug für heute.
   Allerdings... die teure Digicam, die da verlockend aus dem Backpack von Kevin und Charlenes Vater ragte, die würde er im Hinausgehen noch mitnehmen. Als Bonus, sozusagen.
   »Pardon...« Schäfer wollte gerade die Kamera greifen, als die Mutter ihn am Arm packte und ihn zu Boden warf.
   Im nächsten Moment fühlte Schäfer kalten Stahl an seinen Handgelenken. Handschellen. Er kannte es nicht fassen.
   Dann sah er aus der Froschpespektive einen Uniformierten herankommen. Er erkannte ihn sofort nach Fabios Foto wieder: den Revierleiter der Wache Neuharlingersiel.
   »Danke Kollegen«, sagte er zu den Eltern von Charlene und Kevin. Dann stellte er Schäfer auf die Beine und grinste ihn an: »Die Kollegen Engler sind bei der Kripo Duisburg und wollen zwei Wochen Urlaub auf Spiekeroog machen. Aber vorher waren sie so freundlich, hier für uns ein wenig auf Taschendiebe zu achten!«
   Und Kevin und Charlene waren plötzlich ganz brav und präsentierten ihre Smartphones. »Alles gefilmt!«, sagte Kevin und Schäfer sah auf dem Handyvideo, wie er eine Brieftasche nach der anderen klaute. »Gute Arbeit, Kinder!«, sagte der Polizist.
   »Tja«, meinte Kevins Vater. »Die beiden wollen später natürlich auch mal zur Polizei!«
   ENDE
    


Mord nach Rezept - Band 22 
Abgerechnet wird am Schluss:
Zwei Dutzend spannende Krimis

bei amazon kdp


Es geht um Mord - um scheinbar perfekt ausgetüftelte Morde, um spontane Taten, um tödliche Verbrechen. Von den Nordseeinseln bis zu dem bayerischen Alpen. Es geht um Kommissare, die die richtigen Fragen stellen, um dem Täter am Ende auf die Spur zu kommen - die aber auch manchmal arg danebenliegen. Aber nicht für lange.
Außerdem geht es auch noch um Betrug, Überfall und Raub, um Liebe, Leidenschaft, Gier und Eifersucht. Und für alle Fälle gilt: Abgerechnet wird zum Schluss. Zum Beispiel in ...

Manfred Mainau: Eine Chance für Theresa
Ein heißer Flirt an der Hotelbar - und Sicherheitsmann Horst Grommer macht sich die schönsten Hoffnungen. Leider vergisst er dabei, warum er engagiert wurde ...

Ralph Petersen: Sicherheit geht vor
Wenn Ganoven Urlaub machen, können sie nicht so einfach abschalten. Deshalb fragt sich Bruno ganz automatisch, wieviel Geld wohl in der Kasse der Bergseilbahn ist, auf die er von der Terrasse der Pension Alpenglück blickt. Und dann hat er auch schon einen Plan...

Jackie Kowal: Ehebruch macht auch nicht glücklich
Susan hat sich arrangiert - mit dem Leben und mit ihrem Chef. Nur mit ihrem Ex ist sie noch nicht in Reinen. Ausgerechnet jetzt kommt er aus dem Knast und meldet alte Ansprüche an. Das kann nur böse enden. Oder, genauer gesagt: mörderisch.

Manfred Mainau: Ruhe sanft, Julia!
Julia war stumm und tot. Hanno Dietz lehnte sich in dem schweren Sessel im Wohnzimmer seines Hauses zurück, schloss die Augen und genoss die Ruhe, die ihm wie eine körperliche Wohltat erschien. Allerdings bleibt es nicht lange so - denn die Polizei stellt lästige Fragen.

Rex Richartz: Kein Verlass auf die Nachbarn
Wenn man Geld braucht, muss man wissen, wo man welches findet. Zum Beispiel im Tresor des Chefs, der demnächst für einige Tage nicht im Büro sein wird. Also schmiedet Hugo einen Plan. Was er nicht bedenkt: Wer Geld stiehlt, sollte auch genau wissen, wo er es hinterher versteckt.

Moni Daurel: Zyankali für Odette
Paris. Stadt der Liebe. Der Eifersucht. Der großen Gefühle. Die Stimme der Frau, die die Telefonseelsorge anruft, ist voller Tragik. Ihre Worte sind voller Verzweiflung. Als man sie findet, ist sie tot. Und es stellt sich die Frage, was wirklich mit ihr geschah ...

Meike Doppler: Ein Bild für Alice
Kommssar Dreyer wusste, dass zu ihm die Fälle kamen, an denen sich die Kollegen der Mordkommission die Zähne ausgebissen hatten. Fälle, in denen die Ermittlungen auf der Stelle traten und man sich überlegte, die Akte auf den Stapel der »ungelösten Verbrechen« zu legen. Wie zum Beispiel der Fall Seebacher, der sich als diffiziler Cold Case entpuppt - und der womöglich der einzige Fall sein wird, den Dreyer nicht lösen kann.

Michael Rolandt: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern
Die beiden Einbrecher glauben, leichtes Spiel zu haben. Doch sie haben die Rechnung ohne Hein Petersen gemacht.

Der Herausgeber:
H.P. Karr lebt seit 1960 im Ruhrgebiet und ist Experte für alles, was mit Krimis zu tun hat. Er schrieb nicht nur selbst rund ein Dutzend Thriller und Cozys, sondern gab auch zahlreiche Kurzkrimisammlungen heraus. In den Serie »Mord nach Rezept« hat er die besten Tüftelkrimis, Krimirätsel Psycho-Studien und mörderischen Crime-Comedys zusammengestellt. Stets spannend und immer mörderisch unterhaltsam.

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Story-Credit:
Reinhard Jahn:
Urlaubsreif
 ©  by author / Reinhard Jahn
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung


6.12.20

Tania Carver:
Entrissen

Eine extrem spannende Polizeigeschichte aus Essex, England. Eine verzwickter plot mit vielen Wendungen, die der Geschichte sehr viel Tiefe geben. Ein Debüt der Spitzenklasse!

Auch wenn es mit einem brutalen Mord - Doppelmord anfängt - im Mittelpunkt der Geschichte stehen eigentlich die Ermittler - Detective Inspector Phil Brennan als Leiter des Teams der Polizei von Colchester in Essex, sein junger, stürmischer, auch unvorsichtiger Kollege Clayton, seine Kollegin Annie Hepburn und ganz besonders Marina Esposito, die Profilerin, eigentlich Psychologin an der Universität, die jetzt zum zweiten Mal von Phil Brennans Team hinzugezogen wird. Sie hat mal was mit Phil Brennan gehabt - und sie ist jetzt schwanger - nein, nicht von ihm, sondern von ihrem eher väterlichen Lebensgefährten.

Schwangerschaft ist das Stichwort. Ein grauenhafter Mord an Claire Fielding, einer Lehrerin und ihrer Freundin. Phil Brennan ist geschockt, als er an den Tatort kommt: Claire war schwanger, stand kurz vor der Geburt - und der Mörder hat ihr das Kind aus dem Leib geschnitten.
Das grauenhafteste: Claire ist nicht das erste Opfer, bei dem das geschah.
Zuvor gab es Lisa King, Maklerin - von einem scheinbaren Interessenten in ein leeres Haus gelockt.
Und Susie Evans, Gelegenheitsprostituierte, auch bei ihr hatte es der Täter ganz offensichtlich auf ihr Kind abgesehen.
In Verdacht gerät schnell Ryan Brotherton, der Ex-Freund von Claire, ein schonmal einschlägig aufgefallener Schrottplatzbesitzer, der Claire nach Aussage von ihren Lehrerfreunden schlecht behandelt hat, so dass sie sich von ihm getrennt hat. Doch seine derzeitig Freundin Sophie gibt ihm ein Alibi. Phil Brennan ahnt nicht, dass ausgerechnet Sophie eine Gelegenheitsbekanntschaft seines Kollegen Clayton ist - mal hat er sie als Informantin benutzt, mal war sie seine Geliebte. Die alte Affäre lässt Clayton jetzt wieder aufleben, um im Alleingang Das Alibi des Schrottplatzbesitzers zu knacken - aber er ahnt nicht, dass Detective Annie Hepburn ihn dabei beobachtet.
Unterdessen lesen wir immer wieder vom Schicksal des "geraubten" Baby, und das sind die anrührendsten, die eindringlichsten und eindrucksvollsten Passagen des Buches.
Und was absolut keiner ahnt, ist, dass der Kinderjäger sich sein nächstes Opfer schon langst ausgesucht hat.
Extrem spannende Polizeigeschichte aus Essex, England. Eine spannender plot mit vielen Wendungen, die der Geschichte sehr viel Tiefe geben. Ein Debüt der Spitzenklasse!
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Tania Carver
Entrissen
(The surrogate)
Aus dem Engl. von Sybille Uplegger
490 S., 1. Aufl.
Berlin : Ullstein, 2011

Janet Evanovich
Kuss mit lustig

Toll geschrieben, schnell gelesen, viel gelacht!
Das ist wirklich komisch - wie hier so ganz leicht und locker erzählt wird - ein bisschen Krimi, ein bisschen Familiendrama, ein bisschen Spannung und vor allem ganz Viel Komik und Dialogwitz. Janet Evanovich hat mit ihrer Serienheldin Stephanie Plum eine echte Kultfigur geschaffen.
Stephanie Plum sagt: "Ich bin 170, habe keine ansteckenden Krankheiten, regelmäßige Zähne und bewahre meinen Smith & Wesson in der Keksdose auf."
Sie ist Kautionsdetektivin für ihren Vetter Vinnie in Trenton, New Jersey.
Als Kautionsdetektivin holt sie die Leute zurück, für die ihr Vetter eine Kaution gestellt hat und die dann nicht vor Gericht erscheinen. Wie Loretta, ihre alte Schulfreundin, die wegen des Überfalls auf einen Schnapsladen antreten sollte. Nur: als Stephanie auftaucht, will sich Loretta gerade eine Kugel in den Kopf schießen.

Um Loretta davon abzubringen, verspricht sie ihr, sich um ihren Jungen - Mario - zu kümmern, der sich als pubertäres, graffitisprayendes Früchtchen entpuppt. Aber das ist nur der Anfang der turbulenten Geschichte, bei der man erst gar nicht weiß, was davon zum Krimi gehört und was zur Comedy. Das mit aber eigentlich gar nicht so wichtig, weil hier ohnehin alles durcheinandergeht und schließlich doch noch ein Toter auftaucht: im Keller von Stephanies Liebhaber und Lieblingsbullen Joe Morelli.

Denn es geht um ganze neun Millionen die Beute aus einem Bankraub, in die der Onkel des pubertierenden Mario irgendwie verwickelt ist.
Der Roman ist ein Fest  nicht nur für die Stephanie-Plum-Fans - denen braucht man ihn natürlich nicht erst zu empfehlen., Aber für alle anderen: Es ist noch nicht zu spät, im Stephanie-Fan zu werden.
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)


Janet Evanovich
Kuss mit lustig
(Fearless fourteen)
Ins Dt. übertr. von Thomas Stegers
München: Goldmann Manhattan
315 Seiten, 1. Aufl 2010,
Stephanie Plum Nummer 14

 

 

 

 

 

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Es geht um Mord - um scheinbar perfekt ausgetüftelte Morde, um spontane Taten, um tödliche Verbrechen. Von den Nordseeinseln bis zu dem bayerischen Alpen. Es geht um Kommissare, die die richtigen Fragen stellen, um dem Täter am Ende auf die Spur zu kommen - die aber auch manchmal arg danebenliegen. Aber nicht für lange.
Außerdem geht es auch noch um Betrug, Überfall und Raub, um Liebe, Leidenschaft, Gier und Eifersucht. Und für alle Fälle gilt: Abgerechnet wird zum Schluss.

 

 

5.12.20

Die Triumvirat-Hörspiele von Gisbert Haefs

Zusammengestellt von Reinhard Jahn

Das TRIUMVIRAT besteht aus dem pensionierte Oberst Albrecht, dem Pfarrer Bargmann und dem Arzt Korff, die sich jede Woche zum Skat treffen.
Immer wieder kommen sie dabei auf merkwürdige Ereignisse in ihrer Heimatstadt zu sprechen. Darauf bauen sie in einer Mischung aus Spekulation, Insider-Wissen und gemachten Beobachtungen ihre Theorien über begangene und/oder vertuschte Verbrechen in ihrer nächsten Umgebung auf.
Dialog und Darstellung betonen stets das spielerische, das amüsante und extravagante der Situation und der Fälle, es ist mitunter die reine Lust am Spekulieren, die die drei des Triumviates zu einer Hypothese gelangen lässt.

Das ist die Grundsituation jeder Episode der Hörspielserie von Gisbert Haefs, die vom WDR produziert wurde:
1984 Das Triumvirat
1985 Das Triumvirat denkt
1996 Das Triumvirat spinnt
2007 Das Triumvirat hext (Live-Hörspiel)

CD-Ausgabe:
Das Triumvirat - drei Kriminalhörspiele. 3 CDs: Das Triumvirat / Das Triumvirat denkt / Das Triumvirat spinnt
Verlag: AUDIOBUCH; Auflage: 1 (1. Dezember 2006)

ISBN-10: 3899642074
ISBN-13: 978-3899642070

Und:
Das Triumvirat hext: WDR-Kriminalhörspiel [Audiobook]
(Audio CD)
Verlag: AUDIOBUCH; Auflage: 1 (3. März 2008)
ISBN-10: 3899642775

Eine Buchausgabe mit einigen Triumvirat-Stories:

1987 Das Triumvirat und andere kriminalistische Geschichten (4 Stories) (Goldmann 5035) OA
ist vergriffen, aber antiquarisch erhältlich




Mehr über das umfangreiche - nicht nur Krimi-Schaffen von Gisbert Haefs im LEXIKON DER DEUTSCHEN KRIMI-AUTOREN  im Internet:
http://www.krimilexikon.de/haefs.htm

Dorph und Pasternak:
Der deutsche Freund

Oktober 1979 - das muss man sich merken, dass der Roman nicht "heute" spielt, sondern vor 30 Jahren - nicht nur, weil die Polizisten und  üebrhaupt alle Figuren wie die Schlote rauchen, sondern auch, weil die Berliner Mauer und der Warschauer Pakt noch eine wichtige Rolle spielen werden.
Oktober 1979 also - da wird der schwerreiche Unternehmer Keld Borch in dem Darkltoom eines Kopenhagener Men's Club schlimm verstümmelt und tot aufgefunden.
Aufgefunden ausgerechnet von Erik Rohde, einem Polizisten, der - rein privat - dort unterwegs ist. Der Fall macht Kommissar Ole Larsen und seine Kollegin Anita Jensen aber nicht nur deshalb Schwierigkeiten, weil ihr Kollege am Tatort war und Ole Larssen ihn unauffällig aus der Schusslinie zu bringen versucht.
Der Fall ist der Anfang eines Fadens, der die ermittelnden Kommissare weit in die Vergangenheit Dänemarks zurückführt. Dabei stoßen sie auf einige Männer  - heutzutage führend  in Politik und Wirtschaft - , die sich in den kriegs- und Nachkriegstagen zu einer einer nationalistisch - oder vielleicht auch nationalsozialistisch orientierten Clique zusammengefunden haben. Auch Keld Borch gehörte zu dieser kleinen geheimen Gesellschaft nationalistisch-idealistischer junger Burschen, die seinerzeit mehr oder wenig offen ihre schwulen Neigungen ausleben wollten.

DER DEUTSCHE FREUND ist so voller Tempo, voller Themen und Anspielungen, dass man sofort in die dichte Story hineingezogen wird. Ein komplexer Kriminalfall, der perfekt in die Zeitgeschichte hineingeschrieben ist, dazu ein Ensemble von Polizisten, gegen die Kommissare wie Mankells Wallender die reinsten Weicheier sind. Ole Larsen, Anita Jensen und Erik Rohde  beeindrucken mit ihrer menschlichen Präsenz ihren gebrochenen Charakteren und ihrer Leidenschaft, mit der sie die Aufklärung des Falles vorantreiben. Erstklassige skandinavische Krimi-Kunst!
(Reinhard Jahn WDR5 Mordsberatung)

Mordsberatungs-Krimitipp: Reinhard Jahn


Dorph und Pasternak:
Der deutsche Freund  
(Afgrundens rand)
Aus dem Dän. von Ulrich Sonnenberg
Frankfurt, M. : Suhrkamp
Suhrkamp Taschenbuch ; 4089
Dt. Erstausg., 1. Aufl. 2009
ISBN 978-3-518-46089-4

28.11.20

Krimi der Woche

Mörderische Nachtschicht

Von Ralph Petersen

Steffen Steiner hatte zuletzt im Kelly-Club gepokert und war um 22.30 Uhr mit 1000 Euro Gewinn gegangen. Um 23 Uhr fand ihn eine Polizeistreife auf dem Parkplatz hinter dem Club – erschlagen und beraubt. Hauptkommissar Benedikt von der Kriminalwache sah sich die Habseligkeiten des Toten an. Die Brieftasche mit dem Pokergewinn fehlte, aber am Handgelenk trug Steiner eine teure Uhr. In seinem Handy fand der Kommissar dann die Kontaktdaten von Steiners einzigem Angehörigen – seinem Bruder Bernie. Dem gehörte eine Tankstelle im Industriegebiet. Es war gegen acht am Morgen, als Kommissar Benedikt dort auftauchte. Bernie beendete gerade seine Nachtschicht und übergab den Dienst an seinen Tankwart von der Tagschicht.
   »Ihr Bruder wurde erschlagen, es war vermutlich ein Raubmord«, sagte Benedikt. »Seine Brieftasche war verschwunden.«
   »Hatte er wieder gepokert?«, fragte Bernie kurz angebunden. »Im Kelly-Club?«
   »Ja, er kam gerade von einer Pokerpartie, als er seinem Mörder begegnete«, sagte Benedikt. »Woher wusste Sie das?«
   »Steffen hat regelmäßig dienstags im Kelly-Club gespielt.« Bernie wirkte jetzt doch etwas mitgenommen. »Sie sagten, er wurde ermordet? Aber ... warum denn? Wer hat denn etwas gegen ihn gehabt?«
   »Sie zum Beispiel«, sagte Benedikt trocken. »Der Barkeeper des Kelly-Clubs erinnert sich, dass Sie letzte Woche Dienstag eine lautstarke Auseinandersetzung mit Ihrem Bruder hatten wegen seiner Spielsucht.«
   »Das war eine Familiensache«, wiegelte Bernie ab. »Er war dabei, das gemeinsame Erbe unseres Vaters durchzubringen!«
   »Haben Sie ihm gestern dann hinter dem Kelly-Club aufgelauert?«, fragte Benedikt.
   »Unsinn, als er getötet wurde, war ich hier in der Tankstelle«, sagte Bernie. »Meine Nachtschicht geht von 21 Uhr bis acht Uhr morgens. Zwischen halb elf und elf habe ich hier im Shop Waren eingeräumt.«
   »Haben Sie nicht!«, sagte Kommissar Benedikt und nahm Bernie Steiner fest. Der Tankstellenbesitzer wirkte überrumpelt. »Aber ...«
   »Sie wussten eben, dass Ihr Bruder zwischen 22.30 und 23 Uhr ermordet wurde«, sagte der Kommissar. »Eine sehr präzise Angabe zur Tatzeit – nur dass ich das vorher gar nicht erwähnt hatte. Sie wussten also ganz eindeutig zu viel über den Mord an Ihrem Bruder.«
 

 


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Es geht um Mord - um scheinbar perfekt ausgetüftelte Morde, um spontane Taten, um tödliche Verbrechen. Von den Nordseeinseln bis zu dem bayerischen Alpen. Es geht um Kommissare, die die richtigen Fragen stellen, um dem Täter am Ende auf die Spur zu kommen - die aber auch manchmal arg danebenliegen. Aber nicht für lange.
Außerdem geht es auch noch um Betrug, Überfall und Raub, um Liebe, Leidenschaft, Gier und Eifersucht. Und für alle Fälle gilt: Abgerechnet wird zum Schluss.

 

 


 
Ralph Petersen:
Mörderische Nachtschicht
Badische neueste Nachrichten
44/2020 28.11.2020
© by author / Reinhard Jahn

20.11.20

Helden-Liste

Die 12 bekanntesten Krimi-Helden 


1.
"Sherlock Holmes" (erfunden von Arthur Conan Doyle) ist der erste und klassischste Detektiv: ein besessener Ermittler, der es versteht, alle Indizien richtig zu deuten.

2.
"Hercule Poirot" (erfunden von
Agatha Christie) stammt aus Belgien und verlässt sich auf seine kleinen grauen Zellen.

3.
"Philip Marlowe" (erfunden von Raymond Chandler) arbeitet als Privatdetektiv in Los Angeles. Sein Auftreten revolutionierte die Kriminalliteratur.

3.
"Wachtmeister Studer" (erfunden von Friedrich Glauser) ermittelt in der Schweiz der 20er Jahre. Er gilt als Urvater der deutschsprachigen Kriminalliteratur

5.
"Jules Maigret" (erfunden von Georges Simenon) ist der menschliche, aber dennoch unnachsichtige Kommissar aus Paris, der in mehr als 70 Romanen auftritt.

6.
"James Bond" (Erfunden von Ian Fleming) ist der Agent mit der Codenummer 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät. Sein Schöpfer Ian Fleming arbeitete zeitweise selbst als Spion.

7.
"Lord Peter Wimsey" (erfunden von Dorothy L. Sayers) stammt aus dem britischen Adel und ermittelt in der englischen Oberklasse der 20er Jahre


8.
"Detective Steve Carella" (erfunden von Ed McBain) und seine Kollegen vom 87. Polizeirevier demonstrierten realistischen Polizeialltag in einer amerikanischen Stadt.

9.
"Bella Block" (erfunden von Doris Gercke) ermittelt in den Romanen der Autorin als Privatdetektivin, während sie in den Fernsehfilmen als Kommissarin arbeitet.

10.
"Siggi Baumeister" (erfunden von Jacques Berndorf) machte in mehr als einem Dutzend EifelKrimis die Region zum Krimi-Kult.

11.
"Father Brown" (erfunden von G.K. Chesterton) ist ein schrafsinniger Priester, der seine Fälle mit theologishcem und menchlichem Einführungsvermägen löst.

12.
"Miss Jane Marple" (erfunden von Agatha Christie) ist eine scheinbar nette ältere Dame aus dem Dorf St Mary Meade, die sich als scharfsinnige Detektivin betätigt.




Ratekrimis von H.P. Karr:
Vicky Kant ermittelt
33 Ratekrimis

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Rätsel-Kommissarin Vicky Kant ermittelt. Wer hat den reichen Unternehmer ins einem Büro überfallen? Wer stahl die wertvolle Skulptur aus der Galerie? Wer kopierte die geheimen Unterlagen in der Forschungsabteilung eines Konzerns?

Alles ganz klar Fälle für Kommissarin Vicky Kant - Heldin der Rätselkrimis von H.P. Karr. Insgesamt 33 Mal geht die clevere Kommissarin entweder allein oder mit ihren Kollegen auf die Jagd nach Mördern, Dieben und Betrügern.Und die Leser können gemeinsam mit Vicky Kant ermitteln - und dem Täter mit ihr auf die Spur kommen. Ist es ein falsches Alibi, das den Täter überführt? Oder hat er ein belastendes Indiz am Tatort vergessen?
Krimirätsel in denen die Leser gemeinsam mit ihrem Helden dem Täter auf die Spur kommen können, sind eine Spezialität von H.P. Karr. Der Autor hat mittlerweile neben Romanen und Hörspielen mehr als 1000 solcher Ratestories geschrieben.


 

12.11.20

Story der Woche: Stehenbleiben

H.P. Karr

Stehenbleiben

Nicht bewegen. Ganz ruhig liegenbleiben. Man weiß ja nie, nicht wahr? Da kann einiges kaputtsein, ohne dass man es merkt, wenn man so liegt. Aber dann - eine Bewegung - und zack! Schädelbasisbruch. Schrecklich, sowas.

Sei'n Sie froh, dass ich Sie hier gefunden hab. Ist ja kaum einer unterwegs, um diese Zeit. Was machen Sie da eigentlich noch draußen? Sein Sie bloß froh. Ich bin stehengeblieben. Andere wären weitergegangen. Aber ich bleib immer stehen. Ich bin einer von denen, die immer stehenbleiben.

Egal, was da ist, ich bleib immer stehen. Man muß ja wissen, was so passiert ist, nicht wahr? Erstmal gucken. Ob da Blut ist oder nur ein Blechschaden, oder wieviele da auf der Straße liegen. So wie Sie, ja. Ganz ruhig, nicht bewegen. Immer dran denken - Schädelbasisbruch und so weiter, ja? Das kann ganz schnell gehen - nur eine Bewegung... und zack.

Wie Sie da liegen, in dem ganzen Blut! Wo kommt das her? Alles aus dem Hinterkopf? Sieht ja böse aus. Geht das bis auf den Knochen?

Die Nummer von dem Wagen haben Sie nicht gesehen, oder? Der hat Sie ja voll mitgenommen. Und einfach weitergerast. Aber so, wie Sie da an der Ecke gestanden haben - der musste Sie einfach mitnehmen. Sie müssen da besser aufpassen! Die Lewute nehmen ja heutzutage überhaupt keine Rücksicht mehr.

Nicht bewegen. Das kann ganz schnell gehen.... Nur ein e Bewegung - und: zack!

Ein Krankenwagen wär jetzt ganz gut, oder? Irgend jemand müsste mal anrufen. Aber so sind die Leute - da macht keiner einen Finger krumm.
He? Was ist? Sind Sie tot? Ich weiß nicht, wie das ist… Ich hab noch keinen richtigen Toten gesehn. He… am besten Sie bleiben liegen. Und machen Sie sich keine Sorgen. Ich bin ja bei Ihnen.

ENDE

Das Krimi-Überfallkommando
(Foto: Stephan von Knobloch)
H.P. Karr: Stehenbleiben
Aus dem Programm des Krimi-Überfallkommandos, 2019
© by author / Reinhard Jahn
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung


Krimi der Woche: Moosrosenkavalier

Der Moosrosenkavalier

von Karr & Wehner

Sie waren schon alle da, als Gonzo in Altendorf ankam: Streifenwagen, die Spurensicherung, der Kriminaldauerdienst und der Leichenwagen. Vorm Haus tuschelten die Nachbarn.
   Der Blumenhändler, vor dessen Laden Gonzo den Kombi in eine Parklücke quetschte, schleppte die Dahlien aus dem Saisonangebot aus der Straßenauslage in den Laden zurück. Als Gonzo die Videokamera von der Ladefläche holte, plierte der Händler auf die Aufkleber auf den Seiten. »Gonschorek Videoproduktion - TV und Werbung - sind Sie das?«
   Gonzo checkte die Kamera und und behielt den Hauseingang im Auge.«Sind sie schon mit dem Sarg raus?«
   Der Blumenhändler kratzte sich am Kopf. »Moosröschen«, sagte er. »Vor drei Stunden hat er sich noch Moosröschen geholt. 17 Stück. Hochzeitstag, hat er gesagt, 17 Jahre.« Er nahm die letzten Arm voll Dahlien aus dem Eimer. »Er hat immer Moosröschen genommen.«
   »Klar«, sagte Gonzo. »Ist der Sarg schon raus?«
   Der Händler schüttelte den Kopf. »Seine Frau war eine ganz liebe«, sagte er. »Jede andere hätte ihn schon längst auf die Straße gesetzt. Dauernd diese Techtelmechtel. Zuletzt mit der Angelika aus der Lottoannahmestelle. Immer Moosröschen. Zwei Wochen lang jeden Tag, bis er sie rumhatte. Und vorher die Kindergärtnerin, achtzehn Tage. Oder die Blonde vom Friseur, nur drei Tage. Und immer Moosröschen.«
   »Alles klar«, sagte Gonzo und drängelte sich mit der Kamera auf der Schulter durch die Gaffer. Hoffmeister von der Nordwache stand am Eingang und nickte Gonzo nur kurz zu, als er sich ins Treppenhaus schob. Es war die Parterrewohnung. Im Treppenhaus warteten die Bestatter mit dem Sarg, die Wohnungstür stand auf. Kommissar Behrendt stand in der Diele, die Hände in den Jackentaschen.
   »Mach schnell«, sagte er zu Gonzo. »Du gibst ja sowieso nicht eher Ruhe, bis du deine Bilder hast.«
   Gonzo setzte die Kamera an. Auf dem Küchenboden Stücke von Tellern, mit Soße verschmiert, Rouladen, Kartoffeln. Aus dem Wohnzimmer kamen Stimmen. Jemand weinte. Gonzo schwenkte den Toten vor dem Küchenschrank ab, Brust und Bauch von Stichen zerfetzt, und das blutige Filettiermesser auf dem Boden.
   »Siebzehn Stiche«, sagte Behrendt. Jemand hatte dem Toten die Hände auf der Brust gefaltet, der Moosröschenstrauß klemmte zwischen den Fingern.Gonzo setzte die Kamera ab. Im Wohnzimmer weinte eine Frau.
   »Sie?«, fragte Gonzo.
   Behrendt nickte. »Hat uns selber angerufen.«
   »Motiv?«, fragte Gonzo, mehr der Form halber.
   »Noch offen«, sagte der Kommissar.
   Die Leichenträger nahmen dem Toten die Moosröschen aus der Hand, ehe sie ihn in den Blechsarg legten.
   

Karr & Wehner sind als Autorenteam mit ihren »Gonzo«-Krimis bekannt geworden. Obwohl sie nicht immer die schönsten Seiten des Reviers zeigen, erhielten sie 2000 den »Literaturpreis Ruhrgebiet«. Außerdem wurden sie zweimal mit dem Friedrich Glauser-Preis ausgezeichnet.

Der Moosrosenkavalier
Erstveröffentlichung in :
Karr & Wehner: Hühnerherbst
Zürich: Haffmans, 1997
© by Autoren / Reinhard Jahn
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung

31.10.20

Krimi der Woche
Der Herr sieht alles

Der Herr sieht alles

Von H. P. Karr

Schindler beugte das Knie vor der Madonna und schlug ein Kreuz. Es war dämmerig in der Dorfkirche. Die Madonna war eine Kostbarkeit. Plötzlich flog die Kirchentür auf. Ein Bursche mit einem Motorradhelm auf dem Kopf und einer Pistole in der Hand stürzte herein.
   »Mein Sohn!«, donnerte Schindler. »Dies ist ein Haus Gottes, aber der Herr gewährt nicht Bankräubern Unterschlupf.« Der Junge erstarrte. »Man fahndet nach dir, richtig? Ich hab es im Radio gehört.« Schindler deutete auf den Rucksack des Jungen. »Wie viel? Im Radio war von 30000 die Rede.«
   Der Junge zuckte zusammen, weil oben auf der Orgelempore etwas geknackt hatte. Die Pistole zuckte in die Höhe.
   »Ruhig«, sagte Schindler. »Noch ist nicht alles verloren.«
   »Wirklich rührend, wie Sie sich um mich sorgen, Pater«, sagte der Junge bitter.
   »Du solltest dir mit dieser Dummheit nicht das Leben ruinieren!«, sagte Schindler. »Es war doch das erste Mal, dass du ...«
   »Ja.« Die Stimme des Jungen war leise. »Es sind die Schulden, verstehen Sie? Mit 18 geheiratet, die Wohnung auf Kredit eingerichtet. Und dann kippte auf einmal alles. Dann die Scheidung ...«
   Schindler sagte: »Ich könnte deine Beute bei der Bank zurückgeben und sagen, ich hätte sie in der Kirche gefunden.«
   Der Junge schwieg. Behutsam nahm Schindler ihm die Waffe aus der Hand. »Ein Dummer-Jungen-Streich, wird es heißen. Das verzeiht man leichter als einen Überfall.« Er kontrollierte die Pistole. Eine Schreckschusswaffe. Der Junge sprang auf und rannte aus der Kirche. Der Rucksack mit dem Geld blieb zurück.
   Hinter Schindler applaudierte jemand. Der Priester kam von der Empore herunter. »An dir ist ja wirklich ein Seelsorger verloren gegangen«, sagte er zu Schindler. »Ich habe da oben auf der Lauer gelegen, weil in letzter Zeit hier ein Madonnenräuber die Dorfkirchen heimsucht ...«
   Schindler sah wehmütig zu der Madonna. Dann reichte er dem Priester den Rucksack mit dem Geld. »Sie haben ja gehört, was ich versprochen habe«, sagte er. »Erledigen Sie es für mich?«
   ENDE


Mehr von H.P. Karr:
Vicky Kant ermittelt
33 Ratekrimis

bei amazon kdp


Rätsel-Kommissarin Vicky Kant ermittelt. Wer hat den reichen Unternehmer ins einem Büro überfallen? Wer stahl die wertvolle Skulptur aus der Galerie? Wer kopierte die geheimen Unterlagen in der Forschungsabteilung eines Konzerns?

Alles ganz klar Fälle für Kommissarin Vicky Kant - Heldin der Rätselkrimis von H.P. Karr. Insgesamt 33 Mal geht die clevere Kommissarin entweder allein oder mit ihren Kollegen auf die Jagd nach Mördern, Dieben und Betrügern.Und die Leser können gemeinsam mit Vicky Kant ermitteln - und dem Täter mit ihr auf die Spur kommen. Ist es ein falsches Alibi, das den Täter überführt? Oder hat er ein belastendes Indiz am Tatort vergessen?
Krimirätsel in denen die Leser gemeinsam mit ihrem Helden dem Täter auf die Spur kommen können, sind eine Spezialität von H.P. Karr. Der Autor hat mittlerweile neben Romanen und Hörspielen mehr als 1000 solcher Ratestories geschrieben.


 

 
   

H.P. Karr
Der Herr sieht alles
Badische neueste Nachrichten
44/2020 vom 31-10-2020
(C) by author / R.Jahn
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung



25.10.20

Zastermonster

 




Das "Zastermonster", dessen Vorder- und Backcover wir hier sehen, ist ein Kriminalroman, der 1977 im Jürgen-Walloch-Verlag erschien. Wir können davon ausgehen, dass der Verleger zugleich auch der Autor ist. Der Titel wurde abseits von jeglichen verlegerischen und buchhändlerischen Gepflogenheiten veröffentlicht - keine ISBN-Nummer, keine Verlagsadresse, kein Eintrag im VLB und schon gar kein Pflichtexemplar an die Nationalbibliothek, die den Titel bis heute nicht verzeichnet. Wie der Titel vertrieben wurde, ist nicht ganz klar. Eigenvertrieb über Anzeigen und Versand erscheint wahrscheinlich. Außer dem "Zastermonster" erschien seinerzeit noch "Hafenterror".

Zwischen 2016 und 2018 taucht Jürgen Walloch als Autor von knapp einem Dutzend Krimis auf, die er bei amazon kdp publizierte. Darunter Titel wie "Kafkabullen: ACAB-Krimi" und "Sex und Horror: GÄNSEHAUT THRILLER".

 


 

17.10.20

Krimi der Woche: Mord war sein Geschäft

Mord war sein Geschäft

Von Michael Rolandt

Ausgerechnet!, denkt Kommissarin Viola Schmitt, als sie erfährt, worum es bei dem Mordfall Clain geht. Edwin Clain, dem Opfer, gehörte der Clain-Verlag, fast 100 erfolgreiche Kriminalromane hat er bereits veröffentlicht. Jetzt ist der Verleger selbst Opfer eines Mordes geworden.
   Viola Schmitt sieht sich den Tatort an – es ist Clains Büro im Verlag. Der Tote liegt mit dem Oberkörper überm Schreibtisch, eine Platzwunde am Hinterkopf. Die Tatwaffe, mit der er erschlagen wurde, ist die handliche Statuette eines Falken – ein Krimipreis, den Clain letztes Jahr bekommen hat. Es gibt keine Fingerabdrücke auf dem Mordwerkzeug.
   Einbruchsspuren sind nicht zu finden. Viola Schmitt kombiniert, dass Clain also wohl seinen Mörder kannte und ihn einließ. So weit – so klassisch, fast so wie in einem von Clains Krimis.
   Clains Sekretärin sagt aus, dass ihr Chef gestern noch länger im Büro blieb. Und dass er doch eigentlich jetzt am Vormittag gleich zwei wichtige Termine hat ...
   Sie zeigt der Kommissarin die Eintragung im Chef-Terminplaner: »Leo 11.30 Uhr, Bellinda 12 Uhr.«
   »Soll ich die beiden anrufen und absagen?«, fragt die Sekretärin.
   »Auf keinen Fall!«, sagt die Kommissarin.
   Viola Schmitt kennt Leo Holl und Bellinda Asch vom Hörensagen als die beiden Erfolgsautoren des Clain-Verlags. Holl schreibt Thriller, Bellinda Provinzkrimis.
   Die Sekretärin berichtet: »Herr Clain wollte heute mit den beiden wichtige Honorar- und Vertragsdinge besprechen.« Außerdem erfährt die Kommissarin, dass der Verleger bis vor kurzem eine Affäre mit seiner Star-Autorin Bellinda Asch gehabt hat. »Als er sich von ihr trennte, war Bellinda rasend wütend!«, vertraut die Sekretärin der Kommissarin an. Die hat sich in Clains Vorzimmer gesetzt und wartet.
   Punkt 11.30 Uhr erscheint Leo Holl, Clains Politthriller-Genie. Der durchtrainierte Hüne reagiert geschockt auf die Nachricht von Clains Schicksal. Die erste Befragung der Kommissarin dauert eine gute Stunde und fördert einige Verdachtsmomente gegen Holl zutage. Trotzdem sagt Viola Schmitt schließlich: »Sie können gehen!«
   »Bin ich denn nicht verdächtig?« Der Thriller-Star klingt fast enttäuscht.
   »Nein«, sagte die Kommissarin.
   »Also war es Bellinda?«, folgert der Schriftsteller.
   »Genau«, sagt Viola Schmitt. »Sie hatte um 12 einen Termin bei Clain – aber sie ist nicht gekommen. Weil sie wusste, dass Clain tot war.«
   »Gut kombiniert!«, lobt der Autor. »Darf ich Sie auf einen Kaffee einladen?«
   Viola Schmitt grinst. »Als Krimiautor sollten doch wissen, dass wir Ermittler kein Privatleben haben!«
   ENDE

      

Mord nach Rezept - Band 22 
Abgerechnet wird am Schluss:
Zwei Dutzend spannende Krimis

bei amazon kdp


Es geht um Mord - um scheinbar perfekt ausgetüftelte Morde, um spontane Taten, um tödliche Verbrechen. Von den Nordseeinseln bis zu dem bayerischen Alpen. Es geht um Kommissare, die die richtigen Fragen stellen, um dem Täter am Ende auf die Spur zu kommen - die aber auch manchmal arg danebenliegen. Aber nicht für lange.
Außerdem geht es auch noch um Betrug, Überfall und Raub, um Liebe, Leidenschaft, Gier und Eifersucht. Und für alle Fälle gilt: Abgerechnet wird zum Schluss.

 

 

 

 

 

Michael Rolandt:
Mord war sein Geschäft
Erstveröffentlichung in den
Badischen neuesten Nachrichten  
17.10.2020
©  by author / R.Jahn
Verbreitung nur mit Genehmigung

12.10.20

Satire der Woche

Die eierlegende Wollmilchpartei

Ein Tapeziertisch mit verschiedensten Infos, Broschüren, Buttons, Aufklebern, Fähnchen und ähnlichem Wahlkampfzubehör; ein Sonnenschirm mit dem Partei Schriftzug, Dreieckständer mit einem Kandidaten-Plakat, quer dar über ein Streifenkleber:

NUR NOCH HEUTE!
Politiker hinter dem Stand.
 

Politiker:
Ja, meine Damen und Herren, haben Sie sich nicht auch schon mal gefragt, wo das noch alles hin führen soll? Wo das alles enden soll? Was daraus noch werden
soll?

Tiefflieger! Quellensteuer! Tote Robben! Schmutziges Wasser!
Und was sie jetzt mit unserem Bier machen! Und mit der Wurst!

Nein, Leute, ich sag euch, das ist keine Politik. Das ist Entscheidungsschwachsinn! Das ist IN —KOM - PE - TENZ! So, wie die   regieren, würden die hier nicht mal ’ne Pommesbude bewirtschaften können. Gucken Sie sich die doch mal genau an, was die alles mit uns machen!

Staus auf der Autobahn! Dauernd Wiederholungen im Fernsehen! Heiligabend am Wochenende! Und Neujahr am Sonntag!

Schauen Sie denen da oben auf die Finger! Allen miteinander. Ich will Ihnen dazu mal was sagen — muss man ja mal sagen können, offen und ehrlich: ein Programm zwischen Karl Marx und Micky Maus!

Da hat doch jeder Kaninchenzüchterverein ein besseres Programm. Nebenbei: Nichts gegen Kaninchenzüchter, einige meiner besten Freunde sind Kaninchen.

Aber sagen Sie doch mal selber — müssen denn alle Lehrer auch noch ein Bundestagsmandat haben? Ist das jetzt normal, dass man erst mal die Finger in die Kasse gesteckt haben muss, ehe man in der Partei was werden kann?
Schlechte Manieren sind doch noch längst kein Ersatz für fehlende Weltanschauung.
Ich will Ihnen jetzt mal sagen, was eine Volkspartei ist. Eine Volkspartei ist eine Partei in der Mitte. Rechts in der Mitte, in der Mitte in der Mitte und links in der Mitte. Also: immer mittendrin.
Sehn Sie.
Und eine Volkspartei vertritt uns alle: Mann und Frau, Kind und Kegel, alles und jeden, Sack und Pack.
Unser Super-Sonder-Werbeangebot, nur noch heute, das ist das Super-Schnäppchen für die Oma und den Opa, die Mama und den Papa. Die doppelte Menge zum halben Preis, und Sie kriegen noch einen Button dazu und einen Aufkleber und ein wertvolles Einwegfeuerzeug.

Also, Obacht, Leute, was haben wir nun alles in unserem Angebot?
Da haben wir zuerst einmal ein ordentliches Staatsverständnis mit dem doppeltgeprüften Demokratiefaktor. Dazu das schärfste Grundsatzprogramm seit den Zehn Geboten.

Aber das ist noch längst nicht alles. Hier und heute, jetzt und gleich gibt’s noch dazu: ein kuschelweiches Umweltbewusstsein, einen gefühlsechten Sozialstaat
und einen aprilfrischen Wertewandel mit dem neuen interkulturellen Varianzfaktor.

Denn wir sind auf Ihrer Seite.
Auf der Seite der Demokratieverbraucher.

Mit einem Wort: Wir wollen mehr Freizeit durch weniger Arbeit, mehr Autos durch weniger Verkehr, weniger Männer durch mehr Frauen und mehr Eier durch weniger Ostern.
Was heißt das also? Das heißt: Wir versprechen nichts und halten alles.
Sie wollen jetzt wissen, was das alles kostet. Ich werd's Ihnen sagen: nicht fünf Stimmen, nicht vier Stimmen, nicht drei Stimmen.
Lediglich eine einzige Stimme kostet Sie das. Für eine einzige Stimme bekommen Sie unser Super-Sonder-Polit-Paket mit hochwertiger demokratischer Aktionsware im praktischen Nachfüllpack, gesetzlich geprüft und zugelassen, mit vier Jahren Garantie.
H. P. Karr/Walter Wehner

 

Karr & Wehner:
Die eierlegende Wollmilchpartei
Erschienen in :
Eulenspiegel, Berlin.
Heft 39/1990
© by den Autoren / Reinhard Jahn
Weiterverbreitung nur mit Genehmigung

6.10.20

Kalenderblatt 6. Oktober

Am 6. Oktober 1914 wurde in Larvik der norwegische Ethnologe und Altertumsforscher Thor Heyerdahl geboren. Zu Weltruhm gelangte der Wissenschaftler, als er 1947 mit dem Floß "Kon-Tiki", das er nach Plänen der Inkas erbaut hatte, von Peru über den Pazifik nach Tahiti fuhr. Damit bewies Heyerdahl den Ursprung der Polynesier in Südamerika. Der kühle Kopf des Waage-Menschen half ihm, während dieser Expedition diverse gefahrvolle Situationen zu überstehen und das Floß auch in widrigen Wetterverhältnissen unter Kontrolle zu halten. 1970 verwendete Heyerdahl altägyptische Vorbilder zum Bau des Papyrusboots "Ra", mit dem er den Atlantik von Marokko nach Barbados überquerte.

 

3.10.20

Krimi der Woche
Verlieb dich nicht in einen Dieb

Einmalige Chance vertan

Von Ralph Petersen

Sandra hatte ihn bei ihrem Shopping-Bummel kennengelernt. Er hieß Marc und zog gerade um.
   »Ich fühle mich so fremd hier!«, sagte er beim Essen im Sushi-Restaurant. »In meiner Wohnung sind die Maler. Hast du vielleicht ein Gästezimmer?«
   »Kein Gästezimmer«, sagte Sandra. »Aber eine Gästecouch.«
   Als Sandra am nächsten Morgen aus ihrem Zimmer kam, schaute Marc aus dem Fenster hinüber zu dem Edelmetallkontor hinüber.
   »Am besten kommt man durch die Toreinfahrt hinein«, sagte Sandra. »Vom Hof aus führt eine Nottreppe nach oben. Die Alarmanlage ist eine Mark 35. Im Lager sind Edelmetalle für eine halbe Million. Das Personal geht um 16 Uhr ins Wochenende. Dann ist das Gebäude bis Montag leer.«
   »Was …« Er war erstaunt. »Du willst doch nicht etwa ...«
   »Einbrechen?« Sandra lachte. »Nein. Ich habe den Sicherheitsbericht getippt. Im Sekretariat.« Sie schmiegte sich an ihn. »Du bist ein Dieb, ja?«
   Er seufzte. »Es hat wohl keinen Zweck, das zu bestreiten.«
   »Noch kannst du deinen Plan aufgeben«, sagte sie sanft.
   »Ich werde es mir überlegen«, meinte er leichthin.
   Sie verbummelten den Rest des Tages in der Altstadt. Am Abend, vor ihrem Haus, nahm Marc sie in die Arme.
   »Ich werde mich aus deinem Leben davonstehlen«, versprach er. »Trinken wir noch einen Abschiedsschluck?«
   »Und dein Plan?«, fragte sie, als sie anstießen.
   »Vergessen!«
   Nachdem er Sandras Wohnung verlassen hatte, wartete Marc bis nach Mitternacht. Dann stieg rasch über das Tor in den Hof der Edelmetallkontors. Er fand die Nottreppe, von der Sandra gesprochen hatte und hatte gerade die Alarmanlage außer Betrieb gesetzt, als das Licht aufflammte. »Hände hoch!«
   Marc wusste, wann er verloren hatte. Widerstandslos ließ er sich von den Polizisten, die im Kontor gewartet hatten, Handschellen anlegen. Dann entdeckte er zwischen ihnen Sandra.
   »Ich hatte dir eine Chance gegeben«, sagte sie ein wenig traurig.
   »Wieso?«, fragte Marc.
   »Weil Sandra zwar im Sekretariat arbeitet«, sagte der Kommissar, »aber nicht beim Edelmetallkontor, sondern beim Einbruchsdezernat. Da hat sie den Sicherheitsbericht getippt, den wir für das Edelmetallkontor ausgearbeitet haben, um Einbrüche zu verhindern.«
ENDE

 

Mord nach Rezept - Band 22 
Abgerechnet wird am Schluss:
Zwei Dutzend spannende Krimis

bei amazon kdp


Es geht um Mord - um scheinbar perfekt ausgetüftelte Morde, um spontane Taten, um tödliche Verbrechen. Von den Nordseeinseln bis zu dem bayerischen Alpen. Es geht um Kommissare, die die richtigen Fragen stellen, um dem Täter am Ende auf die Spur zu kommen - die aber auch manchmal arg danebenliegen. Aber nicht für lange.
Außerdem geht es auch noch um Betrug, Überfall und Raub, um Liebe, Leidenschaft, Gier und Eifersucht. Und für alle Fälle gilt: Abgerechnet wird zum Schluss. Zum Beispiel in ...

Manfred Mainau: Eine Chance für Theresa
Ein heißer Flirt an der Hotelbar - und Sicherheitsmann Horst Grommer macht sich die schönsten Hoffnungen. Leider vergisst er dabei, warum er engagiert wurde ...

Ralph Petersen: Sicherheit geht vor
Wenn Ganoven Urlaub machen, können sie nicht so einfach abschalten. Deshalb fragt sich Bruno ganz automatisch, wieviel Geld wohl in der Kasse der Bergseilbahn ist, auf die er von der Terrasse der Pension Alpenglück blickt. Und dann hat er auch schon einen Plan...

Jackie Kowal: Ehebruch macht auch nicht glücklich
Susan hat sich arrangiert - mit dem Leben und mit ihrem Chef. Nur mit ihrem Ex ist sie noch nicht in Reinen. Ausgerechnet jetzt kommt er aus dem Knast und meldet alte Ansprüche an. Das kann nur böse enden. Oder, genauer gesagt: mörderisch.

Manfred Mainau: Ruhe sanft, Julia!
Julia war stumm und tot. Hanno Dietz lehnte sich in dem schweren Sessel im Wohnzimmer seines Hauses zurück, schloss die Augen und genoss die Ruhe, die ihm wie eine körperliche Wohltat erschien. Allerdings bleibt es nicht lange so - denn die Polizei stellt lästige Fragen.

Rex Richartz: Kein Verlass auf die Nachbarn
Wenn man Geld braucht, muss man wissen, wo man welches findet. Zum Beispiel im Tresor des Chefs, der demnächst für einige Tage nicht im Büro sein wird. Also schmiedet Hugo einen Plan. Was er nicht bedenkt: Wer Geld stiehlt, sollte auch genau wissen, wo er es hinterher versteckt.

Moni Daurel: Zyankali für Odette
Paris. Stadt der Liebe. Der Eifersucht. Der großen Gefühle. Die Stimme der Frau, die die Telefonseelsorge anruft, ist voller Tragik. Ihre Worte sind voller Verzweiflung. Als man sie findet, ist sie tot. Und es stellt sich die Frage, was wirklich mit ihr geschah ...

Meike Doppler: Ein Bild für Alice
Kommssar Dreyer wusste, dass zu ihm die Fälle kamen, an denen sich die Kollegen der Mordkommission die Zähne ausgebissen hatten. Fälle, in denen die Ermittlungen auf der Stelle traten und man sich überlegte, die Akte auf den Stapel der »ungelösten Verbrechen« zu legen. Wie zum Beispiel der Fall Seebacher, der sich als diffiziler Cold Case entpuppt - und der womöglich der einzige Fall sein wird, den Dreyer nicht lösen kann.

Michael Rolandt: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern
Die beiden Einbrecher glauben, leichtes Spiel zu haben. Doch sie haben die Rechnung ohne Hein Petersen gemacht.

Der Herausgeber:
H.P. Karr lebt seit 1960 im Ruhrgebiet und ist Experte für alles, was mit Krimis zu tun hat. Er schrieb nicht nur selbst rund ein Dutzend Thriller und Cozys, sondern gab auch zahlreiche Kurzkrimisammlungen heraus. In den Serie »Mord nach Rezept« hat er die besten Tüftelkrimis, Krimirätsel Psycho-Studien und mörderischen Crime-Comedys zusammengestellt. Stets spannend und immer mörderisch unterhaltsam.

 

 


Ralph Petersen:
Einmalige Chance vertan
(Verlieb dich nicht in einen Dieb)
Veröffentlicht in:
Badische neueste Nachrichten
40/2020 3.10.2020

© by author / R.Jahn

22.9.20

Fame für Karr & Wehner

 

 

 
 
 
 








Unser Lieblingslaudator Jens Dirksen erzählt in seinem Betrag, warum man Karr & Wehner gelesen haben muss. Glaubt ihm!
Unter anderem, wenn er sagt....



Es war halb sechs abends, die Kneipe im Zeilungskomplex gleich neben dem Bahnhof war Pproppenvoll mit der Geburtstagsgesellschaft. Herbert war aus dem vollklimatisierien Redaktionsbunker seines Regionalmagazins heraufgestiegen und dirigierte den Gralulationschor aus Lokalredakteuren, Szeneschmarotzern
und den versammelten Fotografen. Weiter hinten im Tabaknebel trieben sich die Jreien Mitarbeiter herum, die tagsüber die Zeitungsredaktionen und das WDR-Lokalstudio unsicher machten. Sogar Reutter hatte sich herbequemi, der Superkameramann, mit dem Gonzo im Sommer wegen der Bilder von den Leichen des Ruhrkillers aneinandergeraten war.
(Hühnerherbst, 1999)


Wo Jürgen Lodemann noch stark mit sprachlicher Stilisierung bis ins Ruhrgebietsidiom hinein arbeitete und deutlich spürbar auf Literarizität abzielte, setzen Karr & Wehner alles auf die Karte von Witz und Verknappung. Der grundlegend lakonische Duktus ihrer vier Romane gipfelt zuweilen in grotesken Slapstick-Szenen.

Karr & Wehner wurden zehn Jahre nach der Auszeichnung mit dem Förderpreis mit dem Hauptpreis für ihr Gesamtschaffen gewürdigt, insbesondere für die Gonzo-Romane. Seither sind weitere Kriminal-Erzählungen erschienen; für Hier in Tremonia konnten sie 2018 noch einmal den Glauser-Krimipreis der Autoren gewinnen, diesmal den für die beste Kurzgeschichte.



 
Jens Dirksen: Endlich so wie überall?, in: Funke-Medien - Neue Ruhr Zeitung / Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 2.10.2020, Kultur und Freizeit



Ausgezeichnet - Literaturpreis Ruhr - 33 Portraits
geschrieben von
Volker W. Degener,
Jens Dirksen
und Hannes Krauss.
 
Herausgegeben vom 
Regionalverband Ruhr
Verlag Kettler, Dortmund / Essen, 2020
ISBN 9783862068388

19.9.20

Krimi der Woche: Schwerer Raub

Schwerer Raub oder: Einer zu viel

Von John Miller

Kommissar Luchs betrat mit seiner Kollegin Vicky Kant den Lift des Business-Centers. Drei Anzugträger standen schon in der Kabine, und als Luchs und seine Kollegin eintraten, piepte ein Warnsignal los. Einer der Anzugträger deutete auf ein Schild: »Maximale Last vier Personen!« Die beiden Kommissare nahmen die Treppe. Das Büro von »Schildlein-Bau« war in der fünften Etage. Schildleins schlüsselfertige Reihenhäuser waren der Renner auf dem Immobilienmarkt.
  »Man hat mich und meine Susi gestern Abend gekidnappt und beraubt«, erklärte Leo Schildlein. Er tätschelte seiner Sekretärin die Schulter.
  Susi war ein Blondgeschöpf der Luxusklasse und sicher nicht nur für Schreibarbeiten angestellt. »Leo und ich waren gegen 23 Uhr noch im Büro«, sagte sie. »Plötzlich stürzten drei maskierte und bewaffnete Männer herein ...«
  Schildlein fuhr fort: »Ich habe ihnen Geld angeboten, alles, was in meinem Tresor war. Das Ding ist komplett aus Stahl, 80 Kilo schwer und mit einem Zeitschloss versehen, das erst morgens um acht Uhr aufgeht. Und was soll ich sagen - die Kerle haben mich, meine Susi und meinen Tresor einfach mitgenommen. Wir sind gemeinsam im Lift in die Tiefgarage hinuntergefahren. Mit ihrem Van ging's raus in eine Fabrikhalle - da haben wir dann gewartet, bis das Zeitschloss aufging und ich den Tresor öffnen konnte. Sie nahmen sich die fast hunderttausend Euro, die drin waren, und setzten dann mich und meine Susi aus.«
  »Nette Beute!«, sagte Luchs. »Sind Sie gegen Raub versichert?«
  »Sie behaupten doch nicht, dass wir uns die Entführung nur ausgedacht haben?« Schildlein schnappte nach Luft. »Sie gehen jetzt wohl besser!«
  Gleich darauf steuerten Luchs und seine Kollegin den Lift an. Plötzlich stoppte Luchs. »Wir müssen noch mal zurück«, sagte er.
  Dann schnappten bei Schildlein Handschellen. »Sie haben behauptet, die drei Räuber seien mit Ihnen, Ihrer Susi und einem 80 Kilo schweren Safe im Lift in die Tiefgarage hinuntergefahren«, sagte der Kommissar. »Eine glatte Lüge - denn der Lift blockiert, sobald mehr als vier Personen in der Kabine sind.«
  Vicky Kant wandte sich an Susi. »Soll ich Ihnen auch Handschellen anlegen? Oder wollen Sie sich Ihre Aussage über das, was hier gestern passiert ist, noch mal durch den Kopf gehen lassen?«
 Susi schluckte. »Okay. Keine Handschellen, ja?« 

 

 

Neu:
H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept - Band 21: Komm her und stirb mit mir:
Zwei Dutzend kleine Krimis  
Kindle Ausgabe
Nicht immer ist ein Unfall ein Unfall. Doch wenn es ein Mord war - wer steckt dahinter? Nicht immer ist der nette Nachbar oder Kollege das Unschuldslamm, für das er sich ausgibt. Doch es ist schwer, ihm das Gegenteil zu beweisen. Es sei denn man hat ein Gespür für Mord.
Zwei Dutzend Kurzkrimis, mal cosy, mal smart, aber immer spannend und unterhaltsam. 



 

 

 

John Miller:
Einer zu viel
Badische neueste Nachrichten
38/2020 19.9.2020
© by author / Reinhard Jahn
Verbreitung nur mit Genehmigung

13.9.20

Ratekrimi der Woche
Interne Ermittlungen

Ein Fall für Claudia Kant

Interne Ermittlungen

Ratekrimi von H.P. Karr

 Das ist kein angenehmer Auftrag für Kommissarin Claudia Kant von der SoKo Ruhr. Sie spürt die abschätzenden Blicke der Polizisten, als sie die Revierwache 3 in Recklinghausen betritt. "Sie werden diese Sache doch nicht ernst nehmen!", begrüßt sie der Schichtleiter. Er heißt Horst Schmitt, ist seit 15 Jahren Polizist, und Claudia hat in seiner Personalakte einige Einträge wegen kleiner Dienstvergehen gefunden. Ein junger Polizist schaut von seinem Computermonitor hoch und stellt fest: "Karin bildet sich da etwas ein!"
   Claudia Kant hat auch die Akte dieses Beamten studiert: Leo Keller ist vor drei Monaten hierher strafversetzt worden. Bei dem MEK, bei dem er zuvor war, ist er durch seine brutale Vorgehensweise aufgefallen. Der dritte Polizist im Raum ist Rudi Olsen, ein schlanker, rothaariger Bursche, in dessen Personalakte Claudia keinen einzigen negativen Vermerk gefunden hat. Allerdings munkelt man, dass Olsen engen Kontakt zur Rotlichtszene im Kreis Recklinghausen pflegen soll.
   
   Polizeimeisterin Karin Jung sitzt im Pausenraum der Wache. Sie wirkt angespannt. "Seit ich vor sechs Monaten in dieses Revier wurde, werde ich damit belästigt!", sagt sie und zeigt Claudia einen Packen Zettel. "Sie liegen seit meinem ersten Tag hier immer in meinem Spind. Jemand muss sie durch den Schlitz oben in der Spindtür hineinschieben. Weil zum Umkleideraum nur die Kollegen von meiner Schicht Zutritt haben, muss es jemand von ihnen sein!"
   Claudia überfliegt die Zettel - sie hat die Kopien in dem Bericht genau studiert, den Karin ihr geschickt hatte. Es sind Briefe mit anzüglichen Bemerkungen, sauber auf einem Computerdrucker ausgedruckt.
   "Wirklich jeden Tag habe ich bisher so einen Zettel in meinem Spind gefunden!", sagt Karin. "Ich musste Schmitt - den Schichtleiter - richtig drängen, meine Beschwerde darüber weiterzuleiten. Letzte Woche hat er sich endlich dazu bequemt, nachdem er vorher drei Wochen zur Kur war und die Sache solange liegen gelassen hatte."
   "Haben Sie einen bestimmten Verdacht?", fragt Claudia.
   Die junge Polizistin zuckt mit den Achseln. "Rudi Olsen könnte dahinterstecken. Er ist so seltsam diensteifrig - seit ich hier bin, hat er nicht einen einzigen Tag gefehlt, kommt sogar mit Grippe zum Dienst." Sie holt tief Luft. "Aber auch Leo Keller traue ich nicht. Wir nennen ihn 'Rambo', weil er gern mal hart zupackt."
   "Keine Sorge", sagte Claudia Kant. "Es gibt einen klaren Beweis dafür, wer von Ihren drei Kollegen Sie mit diesen Briefen belästigt!"
   
Wer ist der Täter?

  • Rudi Olsen
  • Horst Schmitt
  • Leo Keller

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Lösung:
Der Täter ist Rudi Olsen. Karin Jung erhielt seit sechs Monaten täglich Schmähbriefe - und nur Rudi Olsen war die ganze Zeit im Dienst gewesen. Schichtleiter Schmitt war zwischendurch drei Wochen zur Kur und Leo war erst vor drei Monaten auf das Revier versetzt worden.


H.P. Karr
Interne Ermittlungen - Ein Fall für Claudia Kant
Erstveröffentlichung in WAZ, Essen vom 6.8.2005
 © bei author / Reinhard Jahn
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