28.12.18

Gardner-Fair: Lockvögel

Aus dem Krimi-Archiv

Gardner-Fair:

Lockvögel

Frankfurt / Berlin: Ullstein Krimi 1092, 1966

Gardner-Fair: Lockvögel

Ein weiterer Beitrag aus der Kategorie übergewichtige Masterminds und schmalhüftige Schnüffler: Die "Cool and Lam"-Serie vom Erfinder des Meisteranwaltes Perry Mason Erle Stanely Gardner (1889 - 1970) unter dem Pseudonym A.A. Fair veröffentlicht. Die rund 30 Bände, erschienen zwischen 1939 und Mitte der Sechziger und präsentieren als Ich-Erzähler den verkrachten Anwalt Danald Lam, der irgendwann 1936 als Partner ins Detektivbüro von Bertha Cool eintritt - "Cool & Lam - Detektei und Auskunftei". Das Verhältnis der beiden ist mit "Hassliebe" am besten beschrieben.


Die Geschichten spielen an der Westküste und behandeln die für Krimis der Dreißiger und Vierziger üblichen Verbrechen - Betrug und Mord, Eifersucht und Erpressung, ein wenig organisierte Kriminalität.
Die adipöse Bertha Cool (Donalds Gewichtsangaben schwanken zwischen 160 bis 220 Pfund) liebt es, aus ihrem Büro alle Welt - und vor allem Donald - herumzukommandieren. Donald hat ein loses Mundwerk, das sich gerade in den geschliffenen Dialog-Duellen mit der verhasst-geschätzten Chefin besten zeigt.
Auf Deutsch erschienen die A.A. Fair-Romane zuerst auch ohne den Hinweis auf das Pseudonym. Erst später wurde Gardners Autorenschaft bekanntgegeben und die Titel erschienen teilweise unter dem Namen "Gardner-Fair".

Gardner-Fair:
Lockvögel (Shills can't catch chips, 1961)
Deutsch von Christina und Erwin Schuhmacher
Frankfurt / Berlin: Ullstein Krimi 1092, 1966
Lizenz des Gebrüder Weiß-Verlags, 1964
165 Seiten

8.12.18

Der Weihnachtsmarktkrimi

Gut gesammelt ist halb geklaut

Von H.P. Karr

 

Von Edda Köhlers Küchenfenster schaut Detektiv Harry Lux auf den Marktplatz des kleinen Örtchens. Drüben öffnet gerade das Bäckerei-Café. Eine stämmige Frau kommt heran.
    »Da ist sie«, flüstert Edda Köhler. »Mildred Perleberg. Ausgerechnet für die Straßensammlung für unsere Altenhilfe hat sie sich freiwillig gemeldet.«
    Mildred holt eine Sammelbüchse aus ihrer großen Tasche.
    »Wir haben den Verdacht, dass Mildred Geld aus der Sammlung für sich abzweigt«, sagt Edda. »Deshalb stellen wir ihr heute eine Falle. Dich als Detektiv interessiert sicher, wie wir sie überführen werden!« Drüben stecken die ersten Passanten ihre Spenden und Mildreds Büchse.
    »Die Büchsen werden von Pfarrer Uhland verwahrt, seit vor ein paar Wochen in die Sakristei von St. Bonifatius eingebrochen wurde«, erklärt Edda. »Der Einbrecher hat die Kaffeekasse mitgenommen, die wir in einer alten Sammelbüchse aufbewahrt hatten.«
    Drüben steckt jetzt eine schlanke Frau einen Geldschein in die Büchse. »Das ist Annie Mühsam«, sagt Edda. »Wir haben ausgemacht, dass sie einen markierten Zehn-Euro-Schein in die Büchse steckt.«
    »Aber die Büchsen sind doch sicher verplombt«, sagt Harry Lux.
    »Klar - Pfarrer Uhland verplombt die leeren Büchsen ehe er sie ausgibt.«
    Gegen Mittag verstaut Mildred Perleberg ihre Sammelbüchse in ihrer großen Handtasche und geht in das Café. Durchs Fenster kann Harry Lux sehen, wie sie einen Milchkaffee trinkt.
    Nach einer Viertelstunde kommt Mildred wieder heraus, holt die Sammelbüchse aus ihrer Tasche und sammelt weiter. Eine ältere Dame steckt einen Geldschein in die Dose. »Luise Aston«, erklärt Edda. »Sie spendet ebenfalls einen markierten Zehn-Euro-Schein. Normalerweise hat man pro Tag rund 30 Euro in der Büchse. Mildred bringt es nur auf 10 bis 15 Euro.«
    Gegen drei packt Mildred ihre Sammelbüchse wieder in die Tasche.
    Edda zieht Harry Lux aus dem Haus. »Wir gehen hintenrum durch die Gärten und sind vor bei der Kirche!«
    In der Sakristei von St. Bonifatius knipst Pfarrer Uhland den Draht der Plombe an Mildreds Büchse durch und schüttet den Inhalt auf den Tisch. Zwischen dem Münzgeld liegt nur ein Zehn-Euro-Schein.
    »Sie hat einen der beiden markierten Scheine aus der Büchse gestohlen!«, flüstert Edda fassungslos. »Aber wie?«
    »Aber das ist doch ganz einfach«, sagt Harry Lux. »Mildred hatte nicht zehn Euro aus der Dose gestohlen, sondern mit zwei Dosen gesammelt: Vor ihrer Pause im Café sammelte sie in die Sammelbüchse, die sie vor Wochen aus der Sakristei gestohlen hatte, nach der Pause benutzte sie die Dose, die sie am Morgen vom Pfarrer verplombt bekommen hatte.«
    ENDE





H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept
Die Kurzkrimi-Serie
Krimirätsel, Psychothriller - alles gibt es in Mord nach Rezept.

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H.P. Karr: Gut gesammelt ist halb geklaut
Erstveröffentlichung in
Badische neueste Nachrichten 08.12.2018


© by author



 

4.12.18

Larry Lash: Missouri-Männer

Aus dem Mercator-Regal
Ein Leihbuch-Western aus dem Mülbüsch-Verlag in Castrop-Rauxel

Larry Lash (alias Bernhard Bömke): Missouri-Männer

254 Seiten, cirka 1961
Aus dem Bestand der "Modernen Leihbücherei" in  Gladbeck (siehe Stempel) Zustand des Buches: deutliche Benutzerspuren, Supronyl-Umschlag entfernt.





Bernhard Bömke (1921 - 2002) schrieb von 1950 bis 1976 cirka 300 Western, dazu einige Frauen- und Piratenromane. Er arbeitete vorwiegend für den Mülbüsch-Verlag, wo seine Romane als Leihbücher erschienen  und später vom nachfolgenden Indra-Verlag als Romanhefte nachgedruckt wurden. Aktuell erscheinen seine Romane als Ebooks bei der Edition Bärenklau.

Larry Lash (alias Bernhard Bömke):

Missouri-Männer

254 Seiten, cirka 1961
Klappentext: „Big Muddy” (was soviel heißt wie großer Schlammfluß) nannte man ihn, den riesigen Strom, der durch unendliche Weiten, gewaltige Ebenen und zwischen auf: ragenden Bergen hindurch seinen uralten Weg nahm und sich schließlich mit dem Mississippi, dem Old River, vereinigte.

Mit der schlammigen Strömung des Big Muddy war sicherlich schon so manches Seltsame den
weiten Weg bis zur Einmündung in den Old River hinuntergeschwemmt worden, und es stand fest, daß die alte Lady ebenso ruhig und träge, wie auch tükkisch und wechselhaft sein konnte. Die Männer, die sich ihr verschrieben hatten, liebten sie dennoch und kamen nicht von ihr los.
Von diesen Männern ist hier die  Rede. Sicherlich waren sie mit daran beteiligt, daß sich ein Weites Land der Zivilisation erschloß, daß nach vielen Kämpfen das damals noch jungfräuliche Amerika zu dem wurde, was es heute ist. Von den wilden und harten Auseinandersetzungen rauher Männer, auf und an den eisstarrenden Ufern des Missouri, von Not und Tod der Siedler und dem fast aussichtsslosen Kampf einer  verlorenen Fortbesatzung, davon berichtet der bekannte Western-Schriftsteller LARRY LASH in seiner packenden, mitreißenden und anschaulichen Art.

22.11.18

Horst Eckert: Der Preis des Todes



Horst Eckert: Der Preis des Todes, Wunderlich

Ein toter Politiker ins einer Berliner Wohnung, eine deutsche Talkshow-Queen zwischen journalistischer Verpflichtung und privater Verstrickung. Dazu noch ein Kommissar, der in seinem womöglich letzten Fall ermittelt. Auftakt zu einem kompakten, stringent erzählten und unglaublich spannenden Polit-Thriller, der aus den Kulissen der deutschen Talkshow-Politik bis in die Flüchtlingslager in Kenia führt. Sein Plot folgt einfach dem Gesetz, das das Verbrechen treibt: Folge dem Geld. Keiner kann das derzeit im deutschen Krimi so gut erzählen wie der gelernte Journalist Horst Eckert.
(Reinhard Jahn)

Horst Eckert: 
Der Preis des Todes
Hamburg: Wunderlich, 13. März 2018
416 Seiten
ISBN 978-3805200127



16.11.18

Aus dem Krimi-Archiv:
Kojak - Einsatz in Manhattan

  Zwei "Fernsehromane" zur TV-Serie "Einsatz in Manhattan" (umgangssprachlich  "Kojak" genannt), die in den Siebzigern sehr erfolgreich war. 

Aristotelis "Telly" Savalas spielte den Lolli-lutschenden New Yorker Cop "Theo Kojak" ("Entzückend, Baby!"), der im Revier Manhattan Süd gegen das Verbrechen kämpfte. 


Bei Bastei-Lübbe erschienen nicht nur cirka 16 Taschenbücher mit Kojak-Abenteuern, sondern auch eine eigene Heftromanreihe, für die deutsche Autoren mit dem Personal der TV-Serie neue Romane ("Neuer Roman - noch nicht verfilmt!") schrieben.


  Auch die beiden hier gezeigten Taschenbücher - Autorenangabe "Gene R. Kearney" - sind eigens für die deutsche Publikation geschriebene Novelizations von Kojak-Episoden, deren Drehbuch von Gene A. Kearney stammte. Die Autoren waren die bewährten Heftroman-Profis Hans E. Ködelpeter und Richard Wunderer.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

H.P.Karr präsentiert

Mord nach Rezept – Band 17:  Ein Toter ist nicht genug  - Zwei Dutzend Kurzkrimis

 


Mit Mord kommt keiner durch – oder doch? Es ist alles eine Frage der Planung. Oder nicht? Wenn clevere Kommissarinnen und smarte Kriminalbeamte ermitteln, muss sich mancher Mörder warm anziehen. Aber nicht nur Krimirätsel sorgen hier für Unterhaltung. Es gibt auch Psychothriller, Gaunergeschichten und knallharte Krimi-Comedy. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.


H.P. Karr: Unter Verdacht
Kommissarin Vera Falck ermittelt gegen Kollegen. Wer aus der Revierwache Hattingen stalkt die neue Kommissarin? Die Sache ist ernster als sie zunächst scheint.

John Miller: Duell mit doppeltem Boden
Ein reicher Mann. Ein Flugzeugabsturz. Eine Lebensversicherung in Millionenhöhe. Ein  Versicherungsdetektiv. Ein Verdacht.

Manfred Mainau:  Späte Reue eines Egoisten
Wenn ein Mensch stirbt, trauern seine Angehörigen um ihn. Doch es gibt auch Menschen, so überlegte Hauptkommissar Clemens Bürger, über deren Tod die Hinterbliebenen erleichtert sind. Oder sich sogar freuen.  So schien es hier der Fall zu sein

Rudi Fischer: Zu viel Liebe wird mit Mord bezahlt
Zitternd starrte Undine Schaffrath auf die Textnachricht, die eben auf dem Display ihres Mobiltelefons erschienen war. »Dreitausend Euro - oder Dein Mann erfährt alles!«, stand da. »Heute Abend. Gleiche Zeit. Gleicher Ort!«

Jackie Kowal: Alte Liebe rächt sich nicht
Henry Steiner war eine harte Nuss. Selbst für Kommissarin Linda Krantz. Denn Henry Steiner stritt alles ab. Niemals war er im Südviertel gewesen. Auf keinen Fall hatte er dort vor dem Haus 34 in der Beethovenstraße gewartet. Und er hatte dort auch nie Denise Delamare attackiert, die Burlesquetänzerin aus dem Metropol-Varieté.

Helen Graf: Ein Betrüger taucht unter

Für die Polizei sollte es nach einem Unfall aussehen. Doch in Wirklichkeit war es ein Trick, mit dem sich der gesuchte Betrüger vor der Verfolgung schützen wollte. Und fast hätte es auch geklappt.


Und achtzehn weitere kurze Killer.


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6.11.18

Filmroman

Michael Butler und Dennis Shryack

Der Mann, der niemals aufgibt


Das Buch zum gleichnamigen Film  mit  Clint Eastwood 

Ben Shockley ist ein abgebrühter erfahrener Cop bei der Polizei von Phoenix‚ Arizona. Ein stoischer Typ, der nicht viel Worte macht. Eines Tages bekommt er von seinem Chef einen Sonderauftrag, einen „unbedeutenden  Zeugen für einen unbedeutenden Prozess" aus dem Gefängnis in Las Vegas nach Phoenix  zu überführen.In Las Vegas muss Ben feststellen, dass es sich bei dem Zeugen nicht etwa um einen Mann, sondern um ein ebenso attraktives wie kratzbürstiges Mädchen handelt; um eine Hure, genauer gesagt. Die Polizei setzte sie ein, wenn sie etwas wissen wollte,  und der Mob bediente sich ihrer -  und beide taten es bedenkenlos zu ihrem Schaden. Ohne es zu ahnen; stehen Ben Shockley und das  Mädchen bei der Ma?a sowohl als auch bei der Polizei von Arizona gleichermaßen auf der Abschussliste.
Cop und Hure müssen ungeheuer zäh und erfinderisch sein, wenn sie überleben wollen, und beiden bleibt nichts anderes übrig, als zu rennen.

Das Buch zum gleichnamigen Film  mit  Clint Eastwood im der Hauptrolle



Michael Butler und Dennis Shryack
Der Mann, der niemals aufgibt
Originaltitel: THE GAUNTLET
Aus dem Amerikanischen von Leni Sobez


BESTSELLER KRIMI 22 im Erich Pabel Verlag
Rastatt 1978
Copyright © 1977 by Chrisjen Productions and Windmill Enterprises, Inc.
Das Titelbild von Frank Frazetta veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Warner / Columbia
Deutsche Erstveröffentlichung

27.10.18

Krimi der Woche - Alte Liebe rächt sich nicht


Alte Liebe rächt sich nicht

Von Jackie Kowal
   
Henry Steiner war eine harte Nuss. Selbst für Kommissarin Linda Krantz. Denn Henry Steiner stritt alles ab. Niemals war er im Südviertel gewesen. Auf keinen Fall hatte er dort vor dem Haus 34 in der Beethovenstraße gewartet. Und er hatte dort auch nie Denise Delamare attackiert, die Burlesquetänzerin aus dem Metropol-Varieté.
    »Diese Dame braucht Publicity, deshalb erfindet sie diesen Vorfall!«, erklärte Henry im Brustton der verfolgten Unschuld.
    Kommissarin Krantz schaute auf die Uhr. Fünf vor zwölf. Ihr nächster Termin saß ihr im Nacken. Aber vor ihr saß leider immer noch Henry Steiner.
    »Denise behauptet aber, Sie genau erkannt zu haben«, sagte sie.
    Henry hob die Schultern. »Natürlich kennt sie mich. Von früher. Als sie noch Tabledance gemacht hat, im ›Trocadero‹ am Steintor. Wir hatten damals eine Affäre. Sie glaubte, ich würde sie heiraten, aber das hat sich dann leider… zerschlagen. Deshalb will sie es mir jetzt wohl heimzahlen!«
    Lindas Kollege Kraiczek kam herein. »Gleich zwölf – Ihre Besprechung mit dem Polizeichef!«
    »Sie können mir also nichts nachweisen!«, triumphierte Steiner. »Dann kann ich ja wohl gehen, oder?«
    »In Gottes Namen!«, seufzte Linda Krantz.
    Sie überließ es Kraiczek, Henry hinauszubringen. Der Polizeichef wartete. Pünktlich betrat sie sein Büro im obersten Stock des Polizeipräsidiums. Der Leiter der Forensik und ein Vertreter des Kriminaldauerdienstes waren schon da. Bei der Besprechung ging es um die Neustrukturierung der Ermittlungsabteilungen. Ein Thema, so interessant, dass sich Linda Krantz fast schon die Vernehmung von Henry Steiner zurückwünschte.
    Und als schien das Schicksal ihren Wunsch erhört zu haben, platzte ihr Kollege Kraiczek schon nach fünfzehn Minuten aus dem Büro das Polizeichefs. »Es tut mir leid, Chef – aber Kollegin Krantz hat einen dringenden Einsatz!«, sagte er. Und leise setzte er hinzu: »Denise Delamare hat uns alarmiert. Henry Steiner hat ihr angeblich soeben einen Stein ins Fenster geworfen!«
    Linda Krantz war schon auf dem Weg zur Tür, als der Polizeichef irritiert fragte, wer denn Denise Delamare sei. »Steht alles später in meinem Bericht!«, beruhigte die Kommissarin ihn. Kraiczek hatte schon einen Streifenwagen organisiert, der im Hof wartete. Mit Blaulicht und Sirene ging es hinaus in Südviertel, wo Denise wohnte. Schon eine halbe Stunde nach Denises Anruf stoppten Linda Krantz und ihr Kollege in der Beethovenstraße. Die Burlesquetänzerin erwartete sie in der Tür, im seidenen Morgenmantel überm knappen Mieder. »Kommen Sie! Kommen Sie herein! Sehen Sie sich alles an!«
    Im Wohnzimmer ihres kleinen Einfamilienhäuschens war die Fensterscheibe zersplittert. Scherben und ein Stein lagen auf dem Teppich. »Es war Steiner, ich habe ihn genau erkannt!«, sagte die Tänzerin leicht hysterisch. »Seine Rache für meine Anzeige gegen ihn. Ich hasse ihn!«
    Draußen auf der Straße fuhren die Fotografen vom »Kurier« und vom »Super Express« mit ihren Motorrollern vor. »Denise!«, riefen sie über den Gartenzaun. »Was ist passiert?«
    »Sie entschuldigen ...« Denise raffte ihren Morgenmantel und eilte hinaus. Die Kameraverschlüsse der Reporter rasselten. »Ich muss Ihnen von einem Attentat auf mich berichten!«, setzte Denise an.
    »Das Attentat haben Sie selbst inszeniert«, sagte Kommissarin Linda Krantz neben ihr kühl.
    »Pfft!«, machte Denise. »Ich weiß doch, was ich gesehen habe.«
    »Ja, was haben Sie gesehen?«, riefen die Reporter. »Erzählen Sie!«
    »An Ihrer Stelle würde ich jetzt nicht behaupten, dass Sie Henry Steiner gesehen haben!«, sagte Linda Krantz leise zu Denise. »Denn Henry war bei mir im Präsidium und ging dort um 12 Uhr. Und Punkt 12.15 Uhr melden Sie dieses Attentat. Aber man braucht vom Präsidium bis hierher mindestens dreißig Minuten. Selbst wenn er hätte fliegen können, hätte Henry das nicht geschafft.«
    Denise stutzte. Dann strahlte sie die Reporter an. »Es tut mir leid, meine Herren! Aber ich muss Kommissarin Krantz jetzt bei ihren Ermittlungen helfen. Sie hat wohl schon eine heiße Spur.«
    »Genau!«, sagte Linda Krantz.



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https://belletristica.com/de/author/1548

8.10.18

Simone Buchholz: Mexikoring


Simone Buchholz: Mexikoring
Ein toter Libanese in einem ausgebrannten Autowrack, eine Spur, die nach Bremen führt, ins Clan-Land. Chastity Riley, Hamburgs coolste Staatsanwältin dringt mit den Kollegen ganz tief ins No Go-Area der kriminellen Gegengesellschaft ein. Genau beobachtete Szene , Rituale. Strukturen. Präzise erzählte Schicksale aus dem Inneren der "Familie", anrührend, abstoßend, packend. Simone Buchholz ist die neue Königin des norddeutschen noir, und Krimi steigert man dort so: Gut, besser, Buchholz.
(Reinhard Jahn) 
 
Simone Buchholz
Mexikoring
Erschienen: 10.09.2018
suhrkamp taschenbuch 4894
247 Seiten
ISBN: 978-3-518-46894-4 

28.9.18

Judith Arendt beim Mord am Hellweg


Debriefing mit Judith Arendt und Sina Ziegler
(Foto: Reinhard Jahn)

Nach der Veranstaltung: Debriefing mit Judith Arendt (links) und Sina Ziegler vom Orga-Team des Festivals  #mordamhellweg
Gast der Veranstaltung im  LÜSA  in Unna war Judith Arendt mit ihrem Roman "Helle und der Tote im Tivoli", soeben bei Atlantik erschienen.
Helle, das ist Helle Jespers, Polizeichefin des Ortes Skagen, einer 8000-Seelen-Gemeinde am nördlichsten Ende von Dänemark.
Sie erfährt von  ihren Kollegen aus Kopenhagen, dass Gunnar Larsen, ehemaliger Direktor des Gymnasiums in Skagen, im Tivoli grausam ermordet wurde.


Reinhard Jahn und Judith Arendt beim  Mord am Hellweg
(Foto: Sina Ziegler)
Der Tote im Tivoli ist der ehemalige Direktor des Gymnasiums vom Skagen, einer 8000-Seelen-Gemeinde am nördlichsten Ende von Dänemark. Einmal im Jahr fuhr er nach Kopenhagen, um sich mit alten Freunden zu treffen. Oder war das ein Vorwand?
Seine Frau Matilde macht deutlich, dass ihre Ehe schon lange nur noch auf dem Papier existierte. Was war geschehen? Hatte Gunnar seine homosexuellen Neigungen entdeckt? Oder schlummert da im Hintergrund etwa eine Neigung zu Kindern? Warum hat man ihn umgebracht?



DO, 27.09.2018, 19:30 Uhr
Judith Arendt
Location
LÜSA-Tagesstrukturzentrum „Re.mise“
Friedrich-Ebert-Straße 2a
59425 Unna

24.9.18

Krimi-Nostalgie: Die drei ???


Heute aus dem Krimiarchiv:

Alfred Hitchcock präsentiert:

Die drei ??? und das Gespensterschloss
Die drei ??? und der Zauberspiegel



Doppelband / Buchclubausgabe
Wenn Enid Blyton mit ihren "Fünf Freunden" die Mutter aller Jugenddetektivgeschichten ist, dann sind "Die drei ???" der Vater aller Teenager-Ermittler-Teams.
Ihren ersten Auftritt hatten die "Three Investigators" (so das Original) 1964 in den USA mit Unterstützung von Kultregisseur Alfred Hitchcock in "The Secret of Terror Castle". Hitch - pardon - Mr Hitchcock war von Serienerfinder Robert Arthur (1909 - 1969) als Promotionhilfe an Bord geholt worden, um die Abenteuerserie um die Fälle von Bob, Justus und Peter aus dem Örtchen Rocky Beach besser zu verkaufen. Im ersten Fall "Die drei ??? und dass Gespensterschloss" erteilt Mr. Hitchcock den dreien ihren ersten Auftrag - nachdem sie sich zu ihm aufs Studiogelände geschmuggelt haben, weil sie gehört haben, dass Hitch - pardon: Mr Hitchcock ein Spukhaus für seinen nächsten Film sucht. 
Mr Hitchcock macht also einen Deal mit dem - heute würde man sagen Ermittlungs-Startup, das die drei auf dem Schrottplatz - pardon: dem Gebrauchtwagen-Center von Justus' Onkel gegründet haben: Sie kriegen Aufträge und er darf ihre Fälle als betreuender Herausgeber veröffentlichen. Und kommentieren - was er in den ersten Büchern mit eingeschobenen Anmerkungen ausgiebig und witzig tut.



Nachdem der Vertrag mit Hitchs - pardon: Mr Hitchcocks - Tod im Jahr 1980 ausgelaufen war, musste er in Neuausgaben getilgt werden. So auch in den deutschen Ausgaben, die ab 1968 im Stuttgarter Kosmos-Verlag erschienen. Die Schwaben begriffen schnell, welchen Hit man da aus den USA eingekauft hatte - und sicherten sich die Rechte, nach Auslaufen der Originalreihe in den USA eigene deutsche Fortsetzungen schreiben zu dürfen. Von der Serie gibt es derzeit zweihundert Bände (geschätzte Gesamtauflage 16,5 Mio), ein Ende ist nicht abzusehen.
Durch die Decke gingen die "Drei ???" dann allerdings ab 1979 mit den Hörspielkassetten, deren Ursprungsversionen von der Queen of Hörspielkassette Heikedine Körting und ihrem EUROPA-Label produziert wurden. Die Serie prägte die Kindheit einer ganzen Generation von Krimifans und wird bis heute produziert (bisher geschätzte 45 Mio verkaufte Einheiten).

Alfred Hitchcock präsentiert:

Die drei ??? und das Gespensterschloss / Die drei ??? und der Zauberspiegel
Doppelband / Buchclubausgabe
(C) Franck'sche Verlagshandlung W. Keller & Co, Stuttgart für die deutsche Originalausgabe













Die neue Ausgabe ist da:

H.P.Karr präsentiert

Mord nach Rezept – Band 17:  Ein Toter ist nicht genug  - Zwei Dutzend Kurzkrimis

 


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Wenn ein Mensch stirbt, trauern seine Angehörigen um ihn. Doch es gibt auch Menschen, so überlegte Hauptkommissar Clemens Bürger, über deren Tod die Hinterbliebenen erleichtert sind. Oder sich sogar freuen.  So schien es hier der Fall zu sein

Rudi Fischer: Zu viel Liebe wird mit Mord bezahlt
Zitternd starrte Undine Schaffrath auf die Textnachricht, die eben auf dem Display ihres Mobiltelefons erschienen war. »Dreitausend Euro - oder Dein Mann erfährt alles!«, stand da. »Heute Abend. Gleiche Zeit. Gleicher Ort!«

Jackie Kowal: Alte Liebe rächt sich nicht
Henry Steiner war eine harte Nuss. Selbst für Kommissarin Linda Krantz. Denn Henry Steiner stritt alles ab. Niemals war er im Südviertel gewesen. Auf keinen Fall hatte er dort vor dem Haus 34 in der Beethovenstraße gewartet. Und er hatte dort auch nie Denise Delamare attackiert, die Burlesquetänzerin aus dem Metropol-Varieté.

Helen Graf: Ein Betrüger taucht unter

Für die Polizei sollte es nach einem Unfall aussehen. Doch in Wirklichkeit war es ein Trick, mit dem sich der gesuchte Betrüger vor der Verfolgung schützen wollte. Und fast hätte es auch geklappt.


Und achtzehn weitere kurze Killer.

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23.9.18

Michael Burk: Dann gnade dir Gott

Bestseller aus den Siebzigern:

Michael Burk: Dann gnade dir Gott

Michael Burk (*1924), Schauspieler, Kabaretttexter und Schriftsteller, hatte mit "Das Tribunal" (1973) und "Die Partei" (1974) gerade mal Achtungserfoge erzielt, als - so geht die Legende - Schneekluth-Verleger Ulrich Staudinger sagte: "Aus dir machen wir den neuen Simmel!"
Es folgte angeblich eine Marktforschung nach einem guten me-too-Titel, die am Ende "Niemand ist eine Insel" erbrachte. Leider wirklich der Titel des nächsten geplanten Simmels. Also entschied man sich für die Nummer zwei "Keine Stunde ist zuviel".

Der Titel wurde ausgiebig vorab beworben - samt des im Aussehen sehr an die Simmel-Umschläge erinnernden Covers. Was prompt juristischen Streit zur Folge hatte. (Der, sagt man, dadurch beigelegt wurde, dass auf dem endgültigen Burk-Cover der Name Burk größer gesetzt wurde).
 
Genau wie bei Johannes Mario Simmel war das Thema von "Keine Stunde ist zuviel" aktuell und brennend: Medizin und Herzinfarkt. Burk recherchierte (sagt man) lange in einer Klinik, um möglichst authentisch erzählen zu können. Auch seine weiteren Romane folgten diesem Muster: aktuelles, zeitnahes Thema, realistische, vorwärtstreibende Erzählung und vor allem Sex und Erotik, gut dosiert, aber ín allen Variationen.

Michael Burk: Dann gnade dir Gott
Originalausgabe: Schneekluth, 1978
hier; Heyne Taschenbuch 5752 (1982)

18.9.18

Zum Start des größten Krimi-Festivals Europas

NRW im Zeichen des Krimi-Festivals “Mord am Hellweg“

Reinhard Jahn im Interview


Von Jens Dirksen

Essen.  Reinhard Jahn (62) kennt die Entwicklung des deutschen Krimis aus allen erdenklichen Perspektiven. Er ist Gründer und Leiter des Bochumer Krimi-Archivs, des Deutschen Krimi-Preises und des Deutschen Krimi-Lexikons, aber auch als versierter Kritiker tätig. Zudem hat er gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Wehner den polizeifunksüchtigen Video-Geier Gonzo Gonschorek erfunden (wobei ein revierbekannter Blaulicht-Reporter erkennbar Vorbild stand), der in den 90er-Jahren Furore machte und dem Duo den Literaturpreis Ruhr einbrachte.


Reinhard Jahn, der auch Rate- und Jugend-Krimis sowie Kriminal-Hörspiele geschrieben hat, ist zudem beteiligt an Europas größtem Krimi-Festival, dem „Mord am Hellweg“, das am heutigen Samstag startet. Jens Dirksen sprach mit ihm über den Regional-Krimi im Wandel der Zeiten.

Herr Jahn, wo sehen Sie die Anfänge des Regionalkrimis?

Angefangen hat alles Ende der 80er-Jahre mit dem „Ekel von Datteln“, um es grob zu sagen.

Wie? Nicht schon Mitte der 70er-Jahre mit Jürgen Lodemann und seinem Anita-Drögemöller-Roman?
Nein, das ist ja weniger ein Krimi als vielmehr ein Gesellschaftsroman, der den Krimi adaptiert, ein Sittenroman.

Also, Ende der 80er-Jahre….

… da hatten Autoren wie Werner Schmitz, Reinhard Junge oder Leo P. Ard schon zum Teil für den Dortmunder Weltkreis-Verlag bewusst trashige Romane geschrieben, mit Titeln wie „Roter Libanese“ oder „Fotofalle“. Und dann kam eben diese Trilogie über Datteln, es folgten ja noch „Das Ekel schlägt zurück“ und „Die Waffen des Ekels“. Die haben ja nicht zuletzt deshalb Aufsehen erregt, weil das Vorbild für die Ekel-Figur, der langjährige Bürgermeister Horst Niggemeier, stets bestritten hat, dass diese Figur irgendwas mit ihm zu tun hätte. Und die beiden Autoren haben immer wieder nachgelegt, das hat dann weiteren Auftrieb gegeben.

Da war der Krimi auch eine Chance, den sozialdemokratischen Filz im Ruhrgebiet zu beschreiben.
Genau, Junge und Jürgen Pomorin, der hinter dem Pseudonym Leo P. Ard steckt, verstanden den Regionalkrimi als eine Art Gegenöffentlichkeit.

Warum ist eigentlich das Ruhrgebiet so ein Epizentrum des Regionalkrimis?

Wegen der großartigen und einzigartigen Mischung von Milieus, seiner speziellen Lage und seiner besonderen Geschichte. Hier durchschneiden sich Idylle und Industrialisierung, Arbeit, Bergbau, Arbeitskampf und aktuell Strukturwandel. Man sieht sich nicht ungern als eine Art Los Angeles – eine Agglomeration von Groß- und Mittelgemeinden, die nicht so metropolenartig fokussiert ist wie New York oder Tokio. Im Revier ist deswegen jede Art von Kriminalität und Krimi möglich – und wahrscheinlich. Vom Trenchcoat-Herrn-Haferkamp bis zum Militärjacken-Proll-Schimanski.

Auch nicht ganz unwichtig: Der Grafit-Verlag in Dortmund machte aus dem Regionalkrimi ein Programm.

Und das ging dann ja auch schon bald übers Ruhrgebiet hinaus: Jürgen Kehrer mit seinen Wilsberg-Krimis in Münster etwa, oder die ehemalige journalistische Edelfeder Jacques Berndorf, der mit dem Journalisten Siggi Baumeister den Vater aller Eifel-Krimis erfand. Der hatte übrigens eine Vorgeschichte als Romanfigur im Bastei-Verlag, das lief da aber offenbar nicht so gut. Auch der hat immer noch zeitgenössische Themen aufgegriffen, die im Schwange waren.

Und heute?

Heute ist der Regionalkrimi der Mittelbau der deutschen Krimi-Landschaft, ein vormals kritisches und heute eher handwerkliches, weitgehend innovationsfreies Genre. Wir sind längst im Übergang vom politischen Engagement zum reinen Entertainment. Oder man könnte auch sagen: Regionalkrimis sind heute die Schlagersänger in der Spannungsliteratur, da gibt es dann alles, von Helene Fischer bis zum Wendler.

Wo geht denn der Trend hin bei den Regio-Krimis?


In die Urlaubregionen, ganz klar! Denken Sie an die Ostfriesen-Krimis, die Allgäu-Krimis…

…und der erfolgreichste deutsche Regiokrimi spielt Folge um Folge in der Bretagne, Jean-Luc Bannalec ist ja nur ein Pseudonym.

In der Tat, der Urlaubskrimi ist ja die logische Fortentwicklung des Regio-Krimis mit anderen Mitteln. Seltsamer Weise übrigens vorwiegend an der Atlantik-Küste bis runter nach Portugal. Dafür gibt’s bisher kaum Mallorca-Krimis, nur einen von Manni Breuckmann, der ist gar nicht schlecht. Es geht ja immer mehr um Charaktere und Erzählung, weniger um Spannung und Gesellschaft. Jung-Autoren achten heute schon verstärkt darauf, ihre Figuren als serientauglichen Charakter anzulegen, etwa wie Mankells Wallander. Aber insgesamt gibt es in der Krimi-Branche ein großes Wehklagen und Rätselraten, wo es mit dem Regio-Krimi hingehen könnte, ob ihm vielleicht Impulse aus dem Liebesroman oder aus dem Familienroman gut täten. Oder mehr Geheimnisvolles?

Gibt’s denn heute auch noch richtig gute Regionalkrimis?

Klar: Mechtild Borrmann und Norbert Horst sind die beiden Literaturgaranten im deutschen Krimi.

Erstveröffentlichung:
WAZ / NRZ / Funke-Medien 14.09.2018 - 14:38 Uhr (online)
WAZ / NRZ / Funke-Medien 15.09.2018 Print
© 2018 Funke Mediengruppe /Reinhard Jahn 




NRW im Zeichen des Krimi-Festivals “Mord am Hellweg“
Reinhard Jahn im Interview
WAZ / NRZ / Funke-Medien 15.9.2018

Horst Bosetzky (1938 – 2018)

Zum Tod von Horst Bosetzky alias -ky (1938 – 2018)

 

Der Vielfältige

 

Ein Nachruf von Reinhard Jahn (Bochumer Krimi Archiv)

 

Er war der Vielfältige – Horst Bosetzky alias -ky, alias John Taylor, alias John Drake. Er war Soziologe, Professor, Schriftsteller, Jugendbuch-, Hörspiel- und Drehbuchautor, er war einer der Väter der CRIMINALE, auf der sich die Krimiautoren des  Syndikats einmal im Jahr treffen. Er war – natürlich – maßgeblich an der Entstehung dieser „Autorenvereinigung deutschsprachiger Krimiautoren und Autorinnen" beteiligt, wie Das Syndikat noch bis zum Mai 2018 hieß – auch schon lange bevor er von 1991 bis 2001 einer ihrer Sprecher war. 

Auf die gleiche Vielfalt stößt, wer sein schriftstellerisches Werk zu dokumentieren versucht – es ist mit seinen insgesamt mehr als 150 Titeln so vielseitig und vielgestaltig, dass man in den Siebzigern, als er sich noch hinter dem –ky-Kürzel versteckte, ernsthaft annahm, dahinter verberge sich ein Team – oder wie man damals sagte: ein Kollektiv –, das als undercover-writer zum Marsch durch die Krimi-Institutionen angetreten war. Mit der Mission, das System von innen auszuhöhlen. 


Eine Mission die -ky gefallen hätte – er galt nach seiner Enttarnung nicht umsonst als der „Erfinder des deutschen Soziokrimis“. Also des Kriminalromans, der gesellschaftliche Missstände und strukturelle Gewalt thematisierte, ein Krimi, der seine Motive abseits der schon damals ausgetretenen Whodunnit-Pfade suchte, der seine Stories im aktuellen (also damaligen) Hier und Jetzt verankerte. Ein Krimi, der, mit Tempo und Witz erzählt, ein laufender Kommentar zum Zeitgeschehen war. Terror-Sympathisantenjagd, Mobbing, politisches Versagen, Wirtschafts- und Vereinigungskriminalität – alles konnte Thema sein, denn –ky konnte alles zum Thema machen. Seine Romane bildeten schon bald einen ganz eigenen Kosmos, –ky-Land könnte man sagen: Die Berliner Polizeigeschichten um Kommissar Mannhardt, die Stories aus der frei erfundenen Mittelstadt Bramme, die zahlreichen Kreuz- und Querverbindungen zwischen den Romanen, die immer neue Nischen des –ky-Kosmos ausleuchteten – bis zu dem fulminanten Meilenstein „Friedrich der Große rettet Oberkommissar Mannhardt“ (1985). 


Auf -ky folgte schließlich Horst Bosetzky mit seiner fulminanten Familiensaga, den „Kartoffel“-Romanen, in denen er mehr oder weniger verschlüsselt seine eigene Biografie im Wirtschaftswunderdeutschland nachzeichnete. 

Und natürlich kamen noch die historischen Kriminalromane dazu – „Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof“ (2004) etwa oder „Der Teufel von Köpenick“ (2009), sowie die von ihm miterfundene Reihe „Es geschah in Berlin“, um die Fälle des Kriminalpolizisten Hermann Kappe. 

Wer –ky kennenlernen durfte, traf einen freundlichen, zugewandten Zeitgenossen mit einem hemmungslosen Hang zum Kalauer, der mit einer Vielzahl von Inselbegabungen überraschte. Angefangen bei der profunden Kenntnis des Berliner Nahverkehrs bis hin zur Begeisterung für das Werk von Theodor Fontane – alles wurde mit –ky-scher Energie bis zur Perfektion (oder zumindest nah daran) recherchiert, aufgesaugt und wiederverwendet. -ky der Vielfältige hat nicht nur in der Krimiszene, nicht nur in der Berliner Literaturlandschaft, nicht nur an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege seine Spuren hinterlassen. Er hat sie auch geprägt. Und deshalb wird er euch bleiben – auch wenn er jetzt gegangen ist. 


unredigiertes Manuskript
Erstveröffentlichung am 18. September 2018
auf www.das-syndikat.com



31.8.18

Mord nach Rezept - Band 17 out now

Die neue Ausgabe ist da:

H.P.Karr präsentiert

Mord nach Rezept – Band 17: 
Ein Toter ist nicht genug  - Zwei Dutzend Kurzkrimis

 


Mit Mord kommt keiner durch – oder doch? Es ist alles eine Frage der Planung. Oder nicht? Wenn clevere Kommissarinnen und smarte Kriminalbeamte ermitteln, muss sich mancher Mörder warm anziehen. Aber nicht nur Krimirätsel sorgen hier für Unterhaltung. Es gibt auch Psychothriller, Gaunergeschichten und knallharte Krimi-Comedy. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.


H.P. Karr: Unter Verdacht
Kommissarin Vera Falck ermittelt gegen Kollegen. Wer aus der Revierwache Hattingen stalkt die neue Kommissarin? Die Sache ist ernster als sie zunächst scheint.

John Miller: Duell mit doppeltem Boden
Ein reicher Mann. Ein Flugzeugabsturz. Eine Lebensversicherung in Millionenhöhe. Ein  Versicherungsdetektiv. Ein Verdacht.

Manfred Mainau:  Späte Reue eines Egoisten
Wenn ein Mensch stirbt, trauern seine Angehörigen um ihn. Doch es gibt auch Menschen, so überlegte Hauptkommissar Clemens Bürger, über deren Tod die Hinterbliebenen erleichtert sind. Oder sich sogar freuen.  So schien es hier der Fall zu sein

Rudi Fischer: Zu viel Liebe wird mit Mord bezahlt
Zitternd starrte Undine Schaffrath auf die Textnachricht, die eben auf dem Display ihres Mobiltelefons erschienen war. »Dreitausend Euro - oder Dein Mann erfährt alles!«, stand da. »Heute Abend. Gleiche Zeit. Gleicher Ort!«

Jackie Kowal: Alte Liebe rächt sich nicht
Henry Steiner war eine harte Nuss. Selbst für Kommissarin Linda Krantz. Denn Henry Steiner stritt alles ab. Niemals war er im Südviertel gewesen. Auf keinen Fall hatte er dort vor dem Haus 34 in der Beethovenstraße gewartet. Und er hatte dort auch nie Denise Delamare attackiert, die Burlesquetänzerin aus dem Metropol-Varieté.

Helen Graf: Ein Betrüger taucht unter

Für die Polizei sollte es nach einem Unfall aussehen. Doch in Wirklichkeit war es ein Trick, mit dem sich der gesuchte Betrüger vor der Verfolgung schützen wollte. Und fast hätte es auch geklappt.


Und achtzehn weitere kurze Killer.



PS:
Du bist Krimi- oder Literaturblogger und möchtest die »Mord nach Rezept«-Serie  kennenlernen? Schreib eine Mail, um Informationen und ein Rezensionsexemplar (ebook only) zu bekommen.

23.8.18

Mord nach Rezept - Band 4: Zwei Dutzend kleine Killer

Jetzt für kurze Zeit gratis

Mord nach Rezept - Band 4: Zwei Dutzend kleine Killer

Clevere Ganoven, eiskalte Killer. Gauner, die sich selbst im Weg stehen und Mörder, die bei ihren Plänen ein kleines, aber wichtiges Detail übersehen. Dazu smarte Kommissarinnen, knorrige Ermittler und smarte Detektive.
Das alles und noch viel mehr präsentiert Krimi-Kenner H.P. Karr in zwei Dutzend cleverer Crime-Stories. Mord nach Rezept – Kurzkrimis von Könnern.

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Leseprobe:

03 Jacqueline Kowalczik: Am Abgrund

Die Gegend war einsam. Zuletzt waren sie vor einer Viertelstunde durch ein Dorf gekommen. Hier im Vogelsberg in Hessen konnte man lange unterwegs sein, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Die Landstraße schlängelte sich durch den winterlichen Wald. Bernd schaltete hektisch und beschleunigte.
Er ist nervös!, überlegte Anne. Kein Wunder, schließlich will er mich umbringen. Er will mich zu Ellen fahren, und dann wollen die beiden mich betäuben, um mit mir einen Autounfall im Steinbruch bei Ebsdorfergrund zu arrangieren. Das lag nur wenige Kilometer hinter Wermertshausen, dem Ort, durch den sie vorhin gefahren waren.
»Es dauert nicht mehr lange«, sagte Bernd neben ihr. Seine Stimme klang rau. »Wir sind gleich da.«
Ja, wir werden gleich ankommen!, dachte Anne. Angeblich wollten sie hier im Vogelsberg ein Wochenende in einem Ferienhaus verbringen, das Freunden gehörte. Bernd hatte den ganzen Trip arrangiert und darauf bestanden, selbst zu fahren. So konnte er die Strecke durch das ausgedehnte Waldgebiet einschlagen, die bei Ellen vorbeiführte, ohne dass Anne Verdacht schöpfte.
Die Januarsonne brach durch die Baumwipfel. Es war kühl. vielleicht würde es bald schneien. Anne fröstelte, obwohl die Wagenheizung auf Hochtouren lief.
Bernd wusste nicht, dass sie seine Gespräche mit Ellen belauscht hatte. Er hatte ihr erzählt, dass er sich zweimal in der Woche in Gießen mit einigen Malerfreunden traf – in Wirklichkeit war er dann immer zu Ellen gefahren.
»Wir haben uns einfach nichts mehr zu sagen!«, hatte Bernd erklärt, als er mit Ellen zusammensaß. »Heute ist es für mich unvorstellbar, dass ich Anne einmal geliebt habe.«
»Warum trennst du dich dann nicht von ihr?«, fragte Ellen.
Einen Augenblick lang war Stille auf dem Band des Diktiergerätes gewesen, das das Gespräch aufgezeichnet hatte. Dann war wieder Bernds Stimme erklungen: »Nein. Anne hat sich so sehr in mein Leben gemischt, dass ich sie nicht einfach herausstreichen kann.«
»Rache«, sagte Ellen in die Stille hinein. »Ist es das, was du willst?«
Bernds Stimme war leise von dem Band gekommen, kaum zu verstehen: »Sie hat mich kaputtgemacht. Ihre Ratschläge waren in Wirklichkeit Vorschriften und ihre dauernde Fürsorge nichts anderes als Kontrolle. Wenn ich jemals wieder frei sein will, muss ich sie umbringen. Erst wenn sie tot ist, werde ich wieder richtig malen können.«
»Mag sein«, hatte Ellen erwidert. »Wann wirst du sie töten?«
»Bald«, erwiderte Bernd. »Du musst mir helfen. Wir betäuben sie und bringen sie zu dem Steinbruch bei Ebsdorfergrund. Ich werde sie mit dem Wagen hinunterstürzen.«

Anne hatte Bernds Beziehung zu Ellen von Anfang an aufmerksam beobachtet. Sie war nicht eifersüchtig auf Ellen, weil sie wusste, dass die dunkelhaarige, schlanke Frau Bernd sicher mehr helfen konnte als jeder andere. Ellen konnte zuhören, sich in Bernds Gedankenwelt hineinversetzen. Das hatte seine Bindung an sie noch verstärkt; er brauchte Selbstbestätigung, weil ihn seine dauernden Misserfolge als Maler deprimierten.
Anne hatte versucht, Bernd zu fördern, indem sie einen Galeristen in Frankfurt dazu überredete, seine Bilder auszustellen. Für eine Woche hatte Bernd wie in einem Rausch gelebt, dann war aus seinem Traum ein Alptraum geworden. Die Meinung der eingeladenen Kritiker war verheerend.
»Sie hassen mich!«, hatte Bernd mit gebrochener Stimme geflüstert, als er während der Vernissage mit Anne an der Sektbar stand.
Schweiß stand ihm auf der Stirn, er zitterte. Anne kannte diesen Zustand bei ihm – nur ein falsches Wort, und er würde einen hysterischen Anfall bekommen.
Doch da war plötzlich war Ellen zu ihnen getreten, hochgewachsen, dunkelhaarig, attraktiv. Eine Bekannte des Galeriebesitzers.
»Beruhigen Sie sich!«, hatte sie mit ihrer kehligen Stimme gesagt und Bernd dabei angesehen. »Ich gebe Ihnen etwas, das Ihnen hilft, sich zu entspannen.« Sie wandte sich an Anne und fuhr fort: »Ich bin Ärztin. Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich mich um Ihren Mann kümmere, oder?«
Ellen hatte ihm wirklich geholfen. Während der Ausstellung und auch während des ganzen folgenden Jahres.
Obwohl Bernd versuchte, seine Treffen mit Ellen geheimzuhalten, war Anne stets genau informiert. Sie hörte sich die Aufnahmen seiner Gespräche mit Ellen an und wurde so Ohrenzeugin, wie in ihm der Plan reifte, sie zu töten.
»Ich glaube, mit dem Kühlwasser stimmt etwas nicht«, sagte Bernd plötzlich. Anne zuckte zusammen, obwohl sie gewusst hatte, dass er das sagen würde. »Besser, wir schauen, dass wir eine Gelegenheit finden, es aufzufüllen.«
»Ja«, sagte Anne. Sie spielte mit.
Bernd fuhr rechts in einen Privatweg. Nach ungefähr hundert Metern passierten sie ein Steinportal, hinter dem ein weitläufiger Park begann. Die Straße führte weiter zu einer prächtigen Jugendstilvilla.
Auf der Freitreppe stand Ellen. Bernd stellte den Motor ab und stieg aus.
»Hier ist sie!«, sagte er zu Ellen. Sein Lächeln war verzerrt, während er auf Anne deutete. »Wir müssen sie töten, damit ich endlich wieder meine eigenen Bilder malen kann.«

Anne trat zu Dr. Ellen Lagarde, der Leiterin des Privatsanatoriums »Waldesruh«. Ellen legte beruhigend ihre Hand auf Annes Schulter.
»Es ist das Beste für Ihren Mann«, sagte sie. »Er ist hochgradig schizophren. Sie haben selbst die Aufnahmen meiner Gespräche mit ihm gehört. Er hat nicht einmal wahrgenommen, dass er zu therapeutischen Sitzungen bei mir war. Und als er den Plan fasste, Sie umzubringen, Anne, hat er die Grenze endgültig überschritten.«
Zwei Männer waren aus dem Haus gekommen und hatten Bernd in die Mitte genommen. Ellen zog Anne ins Foyer des Sanatoriums und reichte ihr einige Papiere. »Die Einweisung und der Antrag, dass Sie seine Betreuerin werden. Bitte unterschreiben Sie, Anne.«
 


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04 Ralph Petersen: Angst ist kein Alibi

Beckrath fuhr hoch. War da ein Geräusch gewesen? Es war halb drei nachts. Er lauschte. Nichts. Oder war da doch ein leises Schaben? Er schlüpfte in seinen Morgenmantel. Ein Einbrecher? An der Schlafzimmertür zögerte er. Besser, er ging kein Risiko ein. Er schlich zum Bett zurück, nahm das Handy vom Nachttisch und wählte den Notruf.

»Sie, Frau Kommissarin?«, fragte er erstaunt, als er zehn Minuten später einer sportlichen, brünetten Frau die Tür öffnete. Zwei Uniformierte waren bei ihr.
»Ich habe heute Nacht Dienst in der Kriminalbereitschaft«, sagte Kommissarin Katja Kampp. Sie trat ein und blickte sich um. »Das ist doch Raimund Webers Haus gewesen, ja?«
»Ja«, sagte Beckrath. »Ich habe es übernommen, nachdem Weber … gestorben ist.«
»Richtig, jetzt erinnere ich mich«, sagte die Kommissarin. »Der Mordfall Weber. Weber wurde erschossen im Stadtpark gefunden. Bei den Ermittlungen haben wir uns kennen gelernt, nicht wahr? Der Täter ist immer noch auf freiem Fuß! Glauben Sie, dass dieser Einbruch bei Ihnen etwas mit seinem Tod zu tun hat?«
»Keine Ahnung«, erwiderte Beckrath.
Die Streifenbeamten hatten sich unterdessen im Haus umgesehen. »Nichts, Frau Kommissarin!«, meldete der Streifenführer.
»Sie haben sich wohl getäuscht, Herr Beckrath«, meinte Katja Kampp leichthin. »Dann noch eine gute Nacht!««

Beckrath saß im dunklen Wohnzimmer. Dass jetzt ausgerechnet die Kommissarin aufgetaucht war, die damals die Ermittlungen im Mordfall Weber geführt hatte – war das nur Zufall?
Sie hatte ihm seinerzeit nichts nachweisen können. Wie auch – bei dem Mord an Weber hatte ihn niemand beobachtet. Daraus, dass er als Webers Kompagnon nach dessen Tod die Geschäftsanteile und auch sein Haus erbte, konnte man ihm keinen Strick drehen.
In der Küche klapperte etwas. Beckrath zuckte zusammen. Er spürte, wie die Angst wieder in ihm hochkroch. Da war doch jemand! Leise erhob er sich und huschte in den Keller. Die Pistole lag versteckt hinter einem losen Stein in der Kellerwand, gleich neben dem Weinregal. Das kühle Metall der Waffe in der Hand beruhigte ihn. Er schlich wieder nach oben. Im Wohnzimmer wehte die Gardine vor der Terrassentür herein. Hatte er die Tür nicht abgeschlossen? Beckrath richtete die Pistole auf die Terrassentür. »Kommen Sie raus!«
Eine Gestalt löste sich aus dem Dunkel. »Ich hoffe, ich habe Sie nicht erschreckt!«, sagte Kommissarin Katja Kampp. Sie hatte die beiden Streifenbeamten im Schlepptau. Die Pistole zerrte plötzlich wie ein Tonnengewicht an Beckraths Hand. Katja Kampp nahm ihm die Waffe ab. »Mit einer solchen Waffe wurde Weber erschossen.« Sie musterte sie genau. »Oder war es etwa genau diese Waffe, Herr Beckrath? Was, meinen Sie, werden unsere Ballistikexperten herausfinden, wenn sie die Geschossspuren mit denen an der Kugel vergleichen, die Ihren Kompagnon Weber tötete?«
Aus!, schoss es Beckrath durch den Kopf. »Sie haben mich reingelegt!«, presste er hervor. »Sie haben hier vorhin Geräusche gemacht, damit ich denken sollte …«
»Aber, aber!«, sagte Katja Kampp und zog ihre Handschellen heraus. »Ich bin mit den Kollegen hier nur noch mal ums Haus gegangen, um mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist – und dabei haben wir entdeckt, dass die Terrassentür offen stand!«
»Genau, Chefin!«, erklärte der Streifenführer. »Wir wollten Herrn Beckrath nur noch schnell sagen, dass er ordentlich abschließen soll.«

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27.7.18

Krimi der Woche

Der Schatz im Wald

Von Michael Rolandt
    

Endlich ein freies Wochenende. Kommissarin Eva Vollmer kann sich Zeit nehmen. Für sich und für ihr Patenkind Tom. Der Vierzehnjährige findet es »cool«, mit einer echten Kommissarin durch den Stadtwald zu bummeln. Mit von der Partie ist Floh, den kleine Beagle von Toms Mutter. »Was muss man denn als Kommissar können?«, fragt Tom.
    »Genau beobachten, logisch denken, schnell reagieren!«, wiederholt Eva Vollmer die Berufsbeschreibung der Personalabteilung. »Willst du etwa zur Polizei?«
    »Vielleicht werde ich auch Fußballprofi«, meint Tom. »Da muss man auch genau beobachten, logisch denken und schnell reagieren!«
    Plötzlich bleibt der Beagle stehen und fängt am Fuß eines Baumes, der beim letzten Sturm umgestürzt ist, zu buddeln an. Erstaunt sehen Eva Vollmer und Tom, wie ein Metallkoffer zum Vorschein kommt.
    »Ein Schatz?«, fragt Tom begeistert, während die Kommissarin den Beagle zur Seite schiebt und die Schlösser des Koffers aufschnappen lässt.
    »Wow!«, macht Tom, denn zum Vorschein kommen Geldbündel, eine Pistole, eine schwarze Sturmhaube und ein schmutziges Trikot der deutschen Fußball-Nationalelf. Eva erkennt das am DFB-Logo mit den vier Sternen auf dem Shirt.
    »Da informiere ich mal besser die Kollegen vom Raubdezernat!«, meint Eva Vollmer und ruft im Präsidium an. »In dem Koffer ist offenbar die Beute eines Überfalls«, sagt sie, nachdem sie den Sachverhalt geschildert hat.


    »Könnte gut sein«, erinnert sich der Beamte im Raubdezernat. »In der Gegend hat 2014 ein Maskierter die Sparkasse am Lessingplatz überfallen. Und die Tankstelle an der Aktienstraße ist zwei Jahre zuvor ebenfalls beraubt worden.« Der Kommissarin entgeht nicht, dass Tom die Ohren spitzt, um alles mitzuhören. »In beiden Fällen trugen die Täter schwarze Sturmhauben«, fährt der Kollege fort. »Und beide Überfälle konnten wir bisher leider nicht aufklären, Obwohl wir immer sofort die Umgebung abgesperrt und jeden kontrolliert haben. Aber mit etwas Glück finden wir an dem Koffer Spuren, die uns weiterhelfen!«


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    Tom legt die Stirn in Falten. »Aber es ist jetzt schon klar, aus welchem Überfall das Geld im Koffer stammt«, sagte er. »Denn nur einer der beiden Räuber kann ihn hier vergraben haben.«
    »Und zwar welcher?«, fragt die Kommissarin überrascht.
    »Na, der Sparkassenräuber«, sagt Tom. »Denn das Nationalelf-Trikot mit vier Sternen gibt es erst seit 2014 – seit Deutschland zum vierten Mal Weltmeister geworden ist.«
    »Stimmt!«, muss Eva Vollmer zugeben. »Danke für deine Hilfe, Tom. Genau beobachtet und logisch gedacht - aus dir wird bestimmt ein guter Kommissar.
    »Oder doch ein Fußballprofi«, meint Tom.



   
   
   




Michael Rolandt:
Der Schatz im Wald
Erstveröffentlichung in
Badische neueste Nachrichten
Ausgabe 7.7.2018

 © by author / Jahn facts&fiction

24.7.18

Krimi der Woche: Nachtfahrt

Karr & Wehner   

Nachtfahrt

Eine Hurenfahrt, na klar. Sie blond, Ledermini und rote Bluse, dickes Make-up mit Rouge und Kajalstift bist dorthinaus.
   »He, Frollein, fahr'n Sie, Holsterhausen, Klinikum,ja?«
   Der Typ scheint nicht mehr ganz klar zu sein, ist mir fast in den Wagen gefallen, als die beiden an der Segerothstraße eingestiegen sind. Das Milieu kennt man ja: Nordhofstraße, Stahlstrasse, gleich neben Krupp. Früher der größte Puff in der Republik.
   Rolf liegt Zuhause im Bett und ich darf durch die Nacht kutschieren. Wagen 19, Angelika Weber auf Nachtschicht, weil ihr lover frisch aus dem Knast kommt. Der Asphalt summt unter den Reifen des Daimlers. Halb drei, nachts.
   »He, Frollein, halten Sie mal.«
   Und kaum steh' ich, da ist die Blonde schon raus und weg.
   So, wie die läuft, kommt die nicht wieder. Nur komisch, daß der Typ hinten im Wagen nichts sagt. Ich dreh mich um und will wissen, was nun los ist, als er mir entgegenfällt.
   Glasige Augen, totes Gesicht und ein bißchen Blut auf dem Hemd. Scheiße, der ist wirklich tot, der ist mir hier im Wagen abgegangen, denn eingestiegen ist er ja noch selber.
   Sieht wie eine Stichwunde aus, das in seinem Bauch.
   Das muß die Blonde gewesen sein... obwohl - warum soll sie sich ausgerechnet eine Taxe suchen, wenn sie ihn kaltmachen will?
   Die Bullen. Wenn ich den Notruf übern Taxifunk abgebe, sind die in zehn Minuten da. Streifenwagen, Kriminaldauerdienst.
   Die Handtasche liegt neben dem Toten auf der Rückbank. Die muß der Blonden gehören,  Leder, dunkelrot und der Verschluß ist aufgesprungen. Sicher, man soll nichts anfassen, aber trotzdem. Lippenstift, Puder, Schlüssel, Tampons, Kaugummi ein paar grüne Pillen und eine Plastikhülle mit Papieren. Bockschein auf den Namen Helga Werz, Lottozettel - auch Helga Werz, Nordhofstraße 24, ein Rezept und ein Foto.
   Die Innenbeleuchtung ist mies, aber trotzdem - auf dem Bild, das ist doch  Rolf. Arm in Arm. Mit der Blonden, irgendwo am Strand. Er hat noch nicht den Schnäuzer, aber diese langen schwarzen Haare, Locken bis auf die Schulter, wie ein Engel, er sieht jünger aus. Die Blonde im Bikini mit Schmachtaugen und Schmollmund.
   Was hat Rolf mit der Blonden zu tun? Warum hab ich mich überhaupt mit ihm eingelassen? Was ist hier überhaupt los?
   Irgendein Kollege brettert vorbei und blinkt mich mit der Lichthupe an. Stehenbleiben kann ich hier jedenfalls nicht.
   Ich fahre erst mal los, laß das Taxameter weiterlaufen, damit der Vogel auf dem Dach nicht brennt. Mein Gott, 37 Mark 40, die muß ich nachher selber in die Kasse tun.
   Richtung Frohnhausen. Ruhiges Wohnviertel, keine Aufregung.
   Bloß keine Probleme! hat Rolf gesagt, als er bei mir eingezogen ist. Erst mal wieder Fuß fassen, dann weitersehen.
   Wenn ich zu den Bullen geh, werden die nach der Blonden suchen. Das Foto interessiert die bestimmt auch. Das Foto muß verschwinden, soviel ist klar.
   Ich nehm's aus der Hülle raus und steck's in meine Geldtasche. Obwohl - wenn die Bullen die Blonde schnappen, dann kann sie vielleicht was erzählen. ]ber Rolf undsoweiter. Nein, so geht's auch nicht. Ich muß die Blonde überhaupt vergessen. Und wie, sag ich den Bullen, ist der Tote in meinen Wagen gekommen?
   Rüdesheimer Platz. Vorn die Kleingartenanlage.
   Erst mal rechts ran und scharf nachgedacht. Keine Probleme - also: keine Leiche in meinem Wagen, keine Fragen, keine Blondine.
   Ich muß den Typ rausschmeißen. Und dann weiterfahren. Ich denke nicht, daß einer gesehen hat, wie ich die beiden auf der Segerothstraße eingeladen habe.
   Wie lange stehe ich hier schon? Zwei Minuten, drei Minuten? 48,60 auf dem Taxameter. Ich leg den Gang ein und rolle an den Schrebergärten vorbeirollen. Dunkel ist's hier. Okay, Leerlauf rein, aussteigen, rechte Hintertür auf. Der Typ fällt mir halb entgegen. Schwer ist er nicht, ungefähr einsachtzig groß, um die 65 Kilo. Lederjacke, Goldringe an den Fingern und eine Rolex mit Brillanten am Handgelenk. Sowas kostet 30.000, wenn ich jetzt...
   Als ob ich keine anderen Probleme hätte. Ich lege ihn unter ein paar Sträucher und dann nichts wie weg.
   Die Handtasche von der Blonden liegt auf dem Beifahrersitz. Ich komme auf die Frohnhauser und merke erst jetzt, daß das Taxameter noch läuft. 56.80 Mark, ich mach' es aus.
   Helga Werz, Nordhofstraße 24, steht auf dem Lottozettel und ihrem Amtsärztlichen Gesundheitszeugnis. Sie ist also anschaffen gegangen. Und der Tote mit seiner Rolex... ihr Lude? Wahrscheinlich. Und was hat Rolf mit der ganzen Kiste zu tun? War die Blonde mal mit ihm zusammen oder was?
   Ich will das jetzt wissen. Also wieder raus in den Segeroth. Die Blonde muß mir was erzählen. Immerhin war sie dabei, als der Typ gestorben ist. Überhaupt - der Typ ist mir ja beinahe in den Wagen gefallen, geschwankt hat der, und die Blonde wollte zum Klinikum - ja klar, da hat er seine Messerwunde schon gehabt.
   Links geht die Nordhofstraße ab.
   Blaulicht flackert vor einem der Häuser, und ich brauch gar nicht nachzusehen um zu wissen, das es die Nummer 24 ist. Notarztwagen, Streifenwagen, der Kleinbus von der Kripo.
   Leute stehen da, vor der Haustür hält ein Uniformierter Wache,  da fällt's nicht auf, wenn ich mich dazustelle. Neben mir turnt einer von der Zeitung rum und fragt die Leute.
   »Bei der Werz haben sie einen kaltgemacht«, sagt einer.
   »Eifersuchtsgeschichte«, höre ich.
   »Streit hat's gegeben«, sagt eine von den Huren. »Der Kunde hat die Helga wohl von früher gekannt und wollte was von ihr. Und da ist der Harry dazugekommen, ihr Lude...tja, mit dem Messer...«
   Jetzt kommen die Sanitäter mit der Trage raus. Einer liegt drauf, das Laken überm Gesicht. Er ist wohl tot und als das Laken runterrutscht, fotografiert der Pressemensch wie wild. Alle drängen und ich seh nur ein kariertes Hemd und schwarze Locken, wie von einem Engel.
   »Mit dem war die Helga mal verheiratet«, sagt jemand.
   Ich muß nach Hause. Bestimmt ist Rolf da. Bestimmt.

Karr & Wehner, geboren 1955 und 1949 in Saalfeld und Werdohl, leben im Ruhrgebiet und schrieben bisher zahlreiche Storys, Hörspiele und die »Gonzo«-Thriller »Geierfrühling«, »Rattensommer«, »Hühnerherbst« und »Bullenwinter«. 1996 erhielten sie den Friedrich-Glauser-Preis für den besten Krimi des Jahres und 2000 den Literaturpreis Ruhrgebiet. Zuletzt wurden sie für Ihren Krimi-Slam »Hier in Tremonia« für den besten Kurzkrimi des Jahres ausgezeichnet.
www.karr-wehner.de

Karr & Wehner: Nachtfahrt
erschienen in: »Berbersommer« Essen: A4-Verlag
Ausgezeichnet mit dem Walter Serner-Preis 1988
© by Autoren / Reinhard Jahn
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