Posts mit dem Label Guenter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Guenter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

7.8.23

Aus dem Bücherschrank: Mister Dynamit

 Heute im Bücherschrank: 

Bob Urban aka "Mister Dynamit", BND-Agent Nummer 18, der deutsche Bond

Erfunden von C.H. Guenter (bzw. Karlheinz Günther, 1924 - 2005), neben Heinz Werner Höber der Gottvater des Heftkrimis in den siebziger Jahren. Guenter schrieb, das soll auch nicht verschwiegen werden, anfangs ein paar "Landser"-Hefte und dann alles, was man unter "Männer-Roman" zusammenfasste. Sein erster großer Wurf war die Erfindung des New Yorker Privatdetektivs Jo Louis Walker (1959) alias "Kommissar X", den man vom Pabel-Verlag aus gegen den G-Man Jerry Cotton von Bastei ins Feld schickte. 

Guenters größter Coup war dann die Erfindung von Bob Urban, alias "Mister Dynamit". 1965 gestartet als Agentenromane innerhalb der Pabel Taschenbuch-Reihe waren die ersten Titel liebevoll geschriebene Kopien der megamäßig erfolgreichen Bond-Filme. Bald wurden die Mister Dynamit-Romane aus der Taschenbuchreihe herausgenommen und bekamen eine eigene Reihe. Die insgesamt 314 Romane, die bis 1992 erschienen, kamen als Taschenbücher heraus und wurden - soweit bekannt - alle von Guenter selbst geschrieben. Denn der Meister hatte am Anfang gut verhandelt und sich die Figuren- und Reihenrechte an "Mister Dynamit" selbst vorbehalten, statt sie wie sonst seinerzeit bei solchen Kreationen üblich, an den Verlag abzutreten. Man spricht von Auflagen zwischen 120.000 und 200.000 Exemplaren pro Abenteuer - in den besten Zeiten.

"Mister Dynamit", der Agent mit der Nummer 18, ist zwischen 180 und 187 cm groß, hat braunes Haar und graue Augen. Er wohnt in einem Penthouse in Schwabing. Er studierte Hochfrequenztechnik und Maschinenbau und promovierte zum Thema Halbleitertechnik. Bei der Bundeswehr stieg er bis zum Rang des Majors auf und heuerte anschließend beim BND an. Am Anfang der Serie bewegte sich Urban mit einem Porsche, den er gegen einen Mercedes 300SL und später gegen verschiedene BMWs eintauscht.

Mister Dynamit-Romane sind in jenem testosterongeschwängerten, breitbeinigen Männertonfall der Agententhriller aus der Bond-Schublade geschrieben, die zu jener Zeit im Kino als "Eurospy"-Produktionen mehr oder weniger Erfolg hatten. Guenter ist ein Meister der Klappentexte und der ersten Kapitel - in denen garantiert immer die Post abgeht: Polit-Intrigen, immer wieder machtgeile Verbrecher und sehr gerne immer wieder schlimme Waffen und andere Vermächtnisse aus dem Dritten Reich, die irgendwelchen Unholden in die Hände fielen. Mister Dynamit-Romane sind bester Trash, gnadenlos unterhaltsam und stets spannend bis zur letzten Zeile.

P.S: Mit "Morgen küsst euch der Tod" fiel ein Dynamit-Roman dem deutschen Film in die Hände, wo er von F.J. Gottlieb mit Ex-Old-Shatterhand Lex Barker als Mister Dynamit verfilmt wurde, eine Produktion, die zu den schlimmsten SchleFaZ-en aller Zeiten gehört. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

6.5.19

Lies, bis dich der Teufel holt!

Erwachsen werden mit Mister Dynamit

Die Sechziger. Unendlich weit weg. Damals: Die Bondmania mit "Feuerball" und "Du lebst zur zweimal" auf ihrem ersten Höhepunkt. Lebensgroße Pappaufsteller mit Connery und seiner Walther PPK im Foyer des Vorstadtkinos, in das ich nicht reindurfte.
Zu jung für Bond.
Aber nicht für Bob Urban. Mister Dynamit. Code 18 statt 007. BND statt Secret Service. Oberst Sebastian statt M, Mercedes statt Aston Martin. Aber mindestens genau so cool wie Bond, der Film-Bond. Der Buch-Bond kam erst später auf die Leseliste, in den smarten, weiß gecoverten phoenix-scherz-shockern mit dem roten Schnitt. 


Mister Dynamit - erfolgreich mit deutschen Spionagethrillern
Bildmontage:culturmag/Alf Mayer


Mister Dynamit gab es als Pabel-Taschenbücher, im Bahnhof und auf dem Kaufhaus-Wühltisch.
Mister Dynamit-Titel hatten diese einzigartige Suggestion: "Morgen küsst euch der Tod", "Die grausamen Tage", "Stirb mit mir heut Nacht". Das war nicht   so albern wie die Carter Brown-Schmonzetten bei Ullstein ("Ackerbau und Unzucht", "Falltür, bitte klopfen", "Drei Unzen Agonie"). Das war echte, harte Männerbuch-Sprache in diesem billigen Pabel-Taschenbüchern. Und man war als Pubertier scharf auf die Frauen, die Urban in jeden Buch zuverlässig flachlegte. Denn da war Urban allen anderen, den Jerry Cottons, Mac Drivings, Cliff Corners und Jo Walkers weit voraus – er ließ nichts anbrennen. Und hatte Spaß dabei.
Die Faszination und die Suggestion hat seitdem nie wirklich nachgelassen. Nicht, als Mister Dynamit in Serie ging und man die Formel schon  längst identifiziert hatte: Kalte Kerle, heiße Bräute, starke Sprüche, action is character, Testosteron is King. Und was Kingsley Amis bei Bond als den "Fleming Effekt" identifiziert hat, konnte C. H. Guenter mindestens genauso gut – die exakte Benennung von Produkten, Marken und Firmen. Und eins konnte er sogar besser als Fleming: U-Boote, Flugzeuge, Weltkrieg Zwei-Gedöhns immer wieder fast glaubhaft in die Geschichten einbauen. Alte Verschwörungen, alte Schätze, alte Kameraden – all das ist Urban. Das war Dynamit

(Foto)

Noch  schlechter als alle anderen Eurospy-Filme:
Mister Dynamit - Morgen küsst euch der Tod, 1967
mehr dazu



Reinhard Jahn, Jahrgang 55, verantwortlich für krimilexion.de und die Organistaion des Deutschen Krimipreises, ist Dynamit-Fan  der ersten Stunde.


Ebook bei amazon
H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept – Band 17: Ein Toter ist nicht genug
 

Mit Mord kommt keiner durch – oder doch? Es ist alles eine Frage der Planung. Oder nicht? Wenn clevere Kommissarinnen und smarte Kriminalbeamte ermitteln, muss sich mancher Mörder warm anziehen. Aber nicht nur Krimirätsel sorgen hier für Unterhaltung. Es gibt auch Psychothriller, Gaunergeschichten und knallharte Krimi-Comedy. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.






Lies bis dich der Teufel holt
Erstveröffentlichung im "Mister Dynamit Special des crimemag
CrimeMag Januar 2018
https://archive.fo/sscHw
© by author / Reinhard Jahn