Arbeitstitel:
In die Hose gegangen
Ein Wattenscheid-Krimi von Marek Stein
Inhaltsangabe:
Ganovenstory, heiter. Robert will sich nach dem Knast mit einem Überfall auf die Wäscherei wieder bei seiner Freundin ins Spiel bringen. Doch er stellt sich so ungeschickt an, dass die Polizei ihm sofort auf die Schliche kommt. Und seine Freundin ist er auch noch los.
Titelvorschläge:
Der Überfall, der in die Hose ging
Robert bringts nicht
Schauplatz: Ruhrgebiet / Bochum-Wattenscheid
Manuskriptlänge:
3000 Zeichen
Lizenz-Nummer:
1471
"Die Bank war einfach zu groß für mich!", sagte Robert, als er nach drei Jahren aus der Krümmede, dem Bochumer Knast kam.
"Sicher." Marianne sortierte die saubere Wäsche aus dem großen Paket, das sie aus der Wäscherei mitgebracht hatte. Robert fischte eine geblümte Männerunterhose aus den Sachen. "Bist du mir etwa untreu gewesen?"
Marianne nahm ihm die Hose weg. "Ein Versehen in der Wäscherei."
Robert war seit drei Tagen wieder draußen und froh, bei seiner alten Freundin hier in Wattenscheid untergekommen zu sein. Jetzt musste er erst einmal wieder zu Geld kommen, sonst setzte ihn Marianne auf die Straße. Sie stellte einen Sack Schmutzwäsche vor Robert hin. "Den bringst du morgen zur Wäscherei, klar?"
Zähneknirschend schleppte Robert den Wäschesack zur Wäscherei am August Bebel-Platz. Hier in einer Seitenstraße war Robert großgeworden, und er liebte das kleine Zentrum des Bochumer Vorortes. Wie viele Wattenscheider legte er Wert darauf, kein Bochumer zu sein. Sondern Wattenscheider! Die Angestellte in der Wäscherei verlangte Vorkasse. Als Robert das Geld in der Kasse sah, musste er lächeln. Die Wäscherei schien ausgezeichnet zu laufen. Und seine finanziellen Sorgen würden bald Geschichte sein.
"Bald kann ich im Supermarkt Kassenaufsicht werden", meinte Marianne am Abend. Sie arbeitete bei einem Discounter in Höntrop. "Marcus... Herr Magnussen, der Filialleiter, hat es mir versprochen. Dann muss ich den Tagesabschluss machen. Das sind rund 20.000 Euro am Tag."
Robert verschluckte sich. "Dass du mir nur nicht auf dumme Gedanken kommst", sagte Marianne scharf. "Herr Magnussen hat eine Pistole zum Schutz gegen Leute wie dich."
Der Rest von Roberts Entlassungsgeld aus dem Knast ging für eine Spielzeugpistole drauf. Für eine Gummimaske reichte es dann nicht mehr, also suchte Robert in Mariannes Wäscheschrank nach Nylonstrümpfen. Dummerweise trug Marianne nur Strumpfhosen. Schließlich entschied Robert sich für die geblümte Herrenunterhose die wohl aus Versehen in Mariannes Wäschepaket geraten war. Im Hauseingang neben der Wäscherei am Bebel-Platz zog er sie sich über, so dass er durch den Beinausschnitt spähen konnte.
"Überfall!" Mit der Pistole in der Hand stürzte Robert in die Wäscherei. Die Angestellte starrte Robert fassungslos an.
Robert hatte Champagner besorgt, den Tisch gedeckt und Kerzen angezündet. Damit blieben ihm noch knapp 900 Euro von der Beute aus der Wäscherei.
Als es klingelte, öffnete er verwundert die Tür. "Hallo Robert!", sagte Kommissar Schneider. Hinter stand die Wäscherei-Angestellte.
"Aber...", sagte Robert.
"Ja das ist er", sagte die Frau. "Ich erkenne seine Stimme."
"Deine Maske, mein Freund", sagte der Kommissar. "Diese Unterhose war in der Wäsche deiner Freundin Marianne, ja? Sie lässt in der Wäscherei waschen, die du überfallen hast. Die Angestellte hat das Wäschereizeichen erkannt. Wir brauchten nur im Kundenbuch nachzusehen, zu wem es gehörte."
"Aber die Hose ist doch aus Versehen in Mariannes Wäsche geraten!", protestierte Robert.
Doch da kam Marianne mit einem untersetzten Mann die Treppe herauf. "Das ist Marcus... Herr Magnussen", sagte sie. "Er ... wollte seine Unterhose abholen."
(C) by author/Reinhard Jahn
Lizenz #1471
Erschienen in:auf einen Blick, Ausgabe WEST
Heft 25/2012

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