19.11.11

Yasmina Khadra:
Morituri

Kommissar Llob aus Algier, humorvoll, sarkastisch und absolut integer, zögert nicht, die Drahtzieher bei einer Serie von Morden an Intellektuellen in den höchsten Kreisen zu suchen. Seine Hauptgegener sind jene "Kriegsgewinnler", die in schwer bewachten Luxusvillen rauschende Feste feiern und Macht und Kapital unter sich aufteilen.
Schwarz, schwärzer, Khadra: ein Regionalkrimi der anderen Sorte. Das Algier der Korruption und der Gewalt, das Mohammed Moulessehoul alias Yasmina Khadra beschreibt, ist die CNN/MTV-Adaption von Hammetts "Poisonville", Inspektor Llob auf der Suche nach der Lösung seines Falles ist ein Getriebener: Wo es kein Recht und schon gar keine Gerechtigkeit gibt, bleibt allein die Frage nach der Wahrheit.
Die Spur die Llob verfolgt, legt einen Schnitt durch eine Gesellschaft und einen Staat, in der ein Polizist seinen Job wahrscheinlich nur ordentlich machen kann, wenn er wie Llob zugleich auch Schriftsteller ist: die Phantasie macht ihn frei, im Durcheinander von korrupten Verstrickungen das Denkbare zu denken, das Wahrscheinliche für möglich zu halten und sich dabei nicht anstecken zu lassen.
Khadra erzählt hart, aber nicht wegen des Effektes, seine Figuren liegen in der Nähe der Karrikatur - aber nur, weil sie erst da ihr wahres Gesicht zeigen. Dies alles und der Stenogrammstil, in dem er den Kriminalfall entwickelt, machen den Roman zu einem gemeinen Tritt zwischen die Beine aller Freunde von traditionellen Landhaus-Geschichten: Es schmerzt, aber für einen Moment sieht man, wie die Dinge wirklich sind.

Yasmina Khadra:
Morituri. (Morituri).
Aus dem Französischen von Bernd Ziermann und Regina Kreil-Sagawe.
UT metro